Freising, Wies bei Freising, Wallfahrtskirche
WIES BEI FREISING
Wallfahrtskirche, Pfarrei St. Peter und Paul in Neustift, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung gehörte die Kapelle zur Pfarrei St. Georg in Freising, die dem Domkapitel inkorporiert war. An der Kapelle bestand die Bruderschaft der Heiligen Fünf Wunden Christi, errichtet von Fürstbischof Clemens Wenceslaus am 19. August 1767. Hochstift Freising
Patrozinium: Zum Gegeißelten Heiland
Zum Bauwerk: Nach einer Abbildung des neuen Gnadenbildes vom Gegeißelten Heiland in der Wies bei Steingaden, wie sie Mitte der Vierziger Jahre schon im Umlauf waren, ließ der Forstbereiter (= Forstaufseher) des Freisinger Domkapitels, Sylvester Hupf, von dem Freisinger Maler Johann Jäger († 1746) ein Holztafelbild malen und hängte es an einem Baum an der Straße nach Zolling zur Verehrung durch die Passanten auf, am Rande einer Lichtung, um eine ähnliche Situation wie in der Wies herzustellen. Über das Datum der Anbringung schwanken die Angaben; Graf Königsfeld, Domdekan und Generalvikar, sagt in einem Brief vom 16. 9. 1746 an Fürstbischof Johann Theodor (AEM, Pfarrakten St. Georg 531, mit der Bitte um Konsens zum Kapellenbau), es sei vor 2 bis 2 1/2 Jahren gewesen, also im Frühsommer 1744. Die Verehrung des Bildes entwickelte sich schnell. Wachsvotive wurden geschenkt und in einer kleinen »Stellen« verwahrt. Der zuständige Pfarrer von St. Georg, Joseph Krimmer, verhielt sich zunächst eher ablehnend; der Ort der Andacht im
Wald erschien ihm »zimblich bedenkhlich«; auch das Domkapitel wartete ab, ob die neue Verehrung auch von Dauer sei. Doch ließ man bald eine kleine hölzerne Kapelle bauen. Nach einer alten Abbildung (Maß/Benker 1976, S. 80) war es ein rechteckiger Raum mit einem einfachen Satteldach aus Brettern, einem Eingang im Westen und einem an der Südseite (provisorische Sakristei). Die Fenster waren querrechteckig und hochgelegen. Die Straße führte unmittelbar vorbei. Schon im Mai des Jahres 1746 dachte man an einen Neubau (Domkapitelprotokolle, Bd 87, 3. 5. 1746; das Folgende außerdem nach den Bänden 88 und 89); aber erst am 13. 9. 1746 wurde beschlossen, »nach dem vorgelegten Riss, der mahlen eine cleine Capellen in figura ovali erpauen zu las sen«, »doch also, damit nach und nach daran gebauet wer den mege«. Es hatten sich bereits » verschidene Gutthetter ge meldet, welche bey einmahl angreiffenden dergleichen Pau sowohl mit unterschidlichen Materialien, als sonst zu con currieren sich erbotten« (13. 9. 1746). Aus den Protokollen geht hervor, daß ein Alternativplan vorlag, der eine größere Kirche vorsah (10. 10. 1746)
Am 1. 10. fanden die Benediktion und Legung des ersten Steins durch den Dompropst Baron von Donnersberg statt, »in sicherer Anhoffung auf den Konsens« des in Lüttich weilenden Fürstbischofs Johann Theodor (10. 10. 1746); am 18. 10 traf der Konsens ein (datiert 30. 9.).


Die Kapelle war ursprünglich mit Kuppel geplant: In einer Begutachtung des Bauplans vom Februar 1747 (Archiv Wies) wendet sich Pfarrer Krimmer dagegen, »weill die Kuppel grossen Obsicht, und Underhaltung verlanget, so an dissem Orth so wenig als bey andern Gottsheussern auf dem Landt zu hoffen, als glaubt man besser zu seyn, wan für damahl daß Gwölb und sonderbahr die Tachung geschlossen wurde« (dieser Passus läßt eine geplante Tambourkuppel vermuten. Krimmer empfahl, auf die Nischen des Innenraums aus Kostengründen zu verzichten und beanstandete den geringen Abstand zwischen Tür und Altar: man müsse ein Vorhaus bauen). Bei der Domkapitelsitzung vom 22. 8. 1747 war der Rohbau offenbar bis zum Kuppelansatz gediehen und man beriet, »in welcher Formb dise zu errichten, obs nemblich ein glatt rundes: oder ein Cuppeltach werden solle«, und beschloß, »solche Dachung glatt rund unferbig zulassen, theills wegen Einzühung deren Uncössten, welche ohnedem allgemach ziemblich hinan lauffen, theills aber, umb hirmit desto ehenter an Ende zu gelangen« (Bd 87). Im Spätherbst war der Bau so weit fertig, daß am 11. 11. 1748 das Gnadenbild in einer feierlichen Prozession in die neue Kapelle übertragen werden konnte, die am Vortag (10. 11.) mit Erlaubnis des Fürstbischofs Johann Theodor von Pfarrvikar Krimmer benediziert worden war. Die Ausstattung mit Altären zog sich noch jahrelang hin; von den ursprünglich fünf Altären des 18. Jh. ist keiner erhalten.
Der Baumeister des Querovalbaus ist nicht genannt. Zur Zeit des Kirchenbaus in der Wies baute der Freisinger Hofbaumeister Johann Lorenz Hirschstötter für das Domkapitel den Pfarrhof von Zolling und das Schloß in Sattelberg. Er ist auch als Baumeister in der Wies anzunehmen (s. dazu Benker 1990, S. 8). Im Juli 1748 bot sich Ignaz Reiser (Hofmaurerpalier) an, »die Capellen noch disen Herbst auszumachen. und zwahr umb sehr geringen Uncossten«, worauf man im Kapitel überlegte, »ob ein Maurermeister verendert werden könne?« (Bd 88, 23. 7. 1748). Daß es aber zu einer Fertigstellung durch Reiser kam, ist eher unwahrscheinlich. Das Mesnerhaus an der N-Seite wurde 1751 vom Freisinger Stadtbaumeister Ignaz Schwaiger erbaut.
Erst 1756 lieferte der Freisinger Maler Philipp Greill einen Entwurf zum Hochaltar, für dessen Fassung 1760 oder 1759 die Witwe des Freisinger Malers Dersch bezahlt wurde.
Die Verehrung des Gnadenbildes und der Zustrom der Spenden hielt an; 1760/61 wurde der ovale Bau durch ein Langhaus im Westen erweitert. Feierliche Weihe am 13. 5. 1764 durch den Weihbischof Franz Ignaz Albert von Werdenstein. Am 21. 9. 1767 wurde die Fünf-Wunden-Bruderschaft eingeführt.
Die Tafel der Immaculata malte 1768 Joseph Unterleutner, die Kreuzwegtafeln der Freisinger Maler Johann Baptist Deyrer (* 1738 Ingolstadt, 1769 Hofmaler in Freising, † 1788). Ab 1847 unter Kurat Matthias Ertle größere Umbauten durch den Freisinger Baumeister Maximilian Heigl: Entfernen der alten Altarausstattung und neue Altäre, 1848 Turmbau, 1857 Vermauerung der vier Dachfenster in den Diagonalachsen des AR (1984/85 wiederhergestellt), 1858 Ersetzen der »massigen« Emporenpfeiler durch zierlichere. Unter Kurat Ertle wurden auch die Nebengebäude erweitert
LHs Saalbau zu zwei Jochen, im W geschwungene Doppelempore, im O hoher, kleeblattförmig geschwungener Chorbogen. Gliederung durch Pilasterpaare mit geradem Gebälk, auf halber Raumhöhe ansetzend. Belichtung durch je zwei Fenster von N und S und eines im W, die über die Gebälkzone in den Wölbungsbereich aufragen. Stuckiert sind im LHs lediglich die Pilasterkapitelle.
AR etwas eingezogen, queroval; Gliederung der Wand durch den Wechsel von halbrunden Nischen und Doppelpilasterpaaren mit sich nach unten verjüngenden Schäften und reichen Rokokokapitellen. Über einem verkröpften und geschwungenen Gebälk wölbt sich die querovale Kuppel mit vier Rundbogenfenstern in den Diagonalen. An der N- und S-Wand je ein Oratorium. Qualitätvoller Stuck, dessen Schöpfer unbekannt ist.
Auftraggeber: Die Pfarrei St. Georg in Freising, in deren Bereich die neue Kapelle entstand, war dem Domkapitel inkorporiert. Dieses war Auftraggeber, beriet in seinen wöchentlichen Sitzungen Bau und Finanzierung, und der Domdekan Johann Christian Adam Graf Königsfeld, der als Generalvikar in Abwesenheit Johann Theodors die Regierungsgeschäfte führte, vertrat den Bau dem Fürstbischof gegenüber, der sich seinerseits kaum dafür interessierte und den Konsens mit der Bemerkung gab, er verlasse sich ganz auf seine geistliche Regierung. Der Pfarrvikar von St. Georg, Joseph Krimmer, wirklicher geistlicher Rat und Decanus natus des Ruralkapitels zwischen den Wassern (inter aquas), zunächst skeptisch, wurde bald zum Förderer des neuen Gnadenorts. Der Bau wurde im wesentlichen von den Spenden der Wallfahrer und aus den Einkünften der Wallfahrt finanziert. Seit 1751 wurde die Wallfahrt von einem eigenen Priester betreut.
Autor und Entstehungszeit:
Ausmalung 1748 (Fresken im Ovalraum B, B1-4). Autor unbekannt.
Die Fresken sind weder signiert noch datiert. Laut Eintrag über die Ausmalung in den Domkapitelprotokollen wurde die Ovalkuppel im Herbst 1748, kurz vor der Übertragung ausgemalt. »Beeden Mahlern welche die neuerpauthe Capellen auf der sogenannten Wisen hat man überhaubt (sic), von Jenes, einige Addition bewilliget, was Sye, über die gegen 70 f. veraccordierte Ausmahlung der Cupola weitter herabwerths noch verfertiget haben, welches Sye auf 30 f. taxieren Mann würdet aber sehen, ob Sye sich nit mit 20 f. abfertiger lassen« (Bd 87, 29. 10. 1748).
In der fraglichen Zeit gab es in Freising folgende Maler: Benedikt Dersch (* 1686 Wolfratshausen † 1757), Werkstattnachfolger des Freisinger Malers Franz Deschler († 1736), der sich während der Freskierungsarbeiten um Faßarbeiten bewarb: »Dem sogenannten Deschler Mahler (Dersch), welcher gebetten, das Ihme die Fassarbeith bey der neuen Capellen auf der sogenannten Wisen vor anderen angegönnet werden mechte, ist per Signaturam zu bedeutten, das Ihme freistehe, sich ferner anzumelden, wan dise Arbeith würklich werdet unternomben werden« (Bd 87, 20. 8. 1748; Dersch bewarb sich Ende des Jahres noch einmal (Bd 88, 3, 12,
1748: »Der Bildhauer, und Dersch Maller seint zur Geduld anzuweisen«). Derschs Witwe erhielt 1759 den Auftrag für die Fassung des Hochaltars.
Joseph Unterleutner (* 1708 Kiefersfelden?, 1737 Bürgeraufnahme, † 1772); von ihm sind die Fresken in Pfrombach signiert und 1763 datiert (s. S. 280). Zieht man die fünfzehn Jahre zwischen den Freskierungen der Wies und Pfrombachs in Betracht, ist eine Zuweisung an Unterleutner nicht von der Hand zu weisen. Gewisse Details im Hauptbild der Wies wie die Wolkenbildung, die Gestaltung des Schauplatzes mit den dunkelverschatteten Vordergrundspflanzen findet man auch in Pfrombach; auch in den Putten, in Gesichts- und Gewandbildung kann man Übereinstimmungen beobachten.
Keine Ähnlichkeit dagegen findet sich in der Chorausmalung der Wies mit den Emporenbildern von Joseph Anton Niggl in Zolling (* um 1692, Hofmaler in Freising, 1739 Bürgerautnahme, † 1778), der als möglicher Autor auszuschließen ist. Ebensowenig überzeugt ein Vergleich mit einem Altarblatt in Unterzolling, das von dem Tiroler Maler Philipp Jakob Greill (* 1729 in Pfunds, 1755 Ehe mit der Freisinger Malerstochter Maria Barbara Deschler, † 1787 in Pfunds) stammt und 1750 datiert ist (Anbetung der Könige). 1756 machte Greill einen Entwurf für den Hochaltar der Wieskirche. Immerhin könnte Greill 1748, neunzehnjährig, als Geselle in der Werkstatt Deschler/Dersch beschäftigt gewesen sein.
statt Describerson beschäftigt gewesen sein. Joseph Anton Wunderer, wohl der Bruder des Freskanten von Fresko A, Franz Xaver Wunderer, war Freisinger Kammerdiener und Hofmaler (Heirat am 22. 2. 1751 mit der hochfürstlichen Forstbereiterstocher Katharina Riederin; im Trauungsbuch von St. Georg, Freising, wird er als Freskomaler in Landshut bezeichnet; Hauserwerb in Freising 1753, 1756 Mitarbeit bei der Freskierung der Pfarrkirche von Aibling † 1772, s. Birkner, Rudolf], Vom Schöpfer des Deckengemäldes in der Wieskirche, in: Frigisinga 8, 1931, S. 59). Die Zuweisung wird durch das Fehlen von Vergleichsmaterial erschwert. Die Bezahlung von 70 f. für die ganze Kuppelausmalung war sehr niedrig und könnte auf zwei junge noch nicht ansässige Maler hinweisen. Zusammen mit den Ausdruck »abfertigen« (legt sie den Gedanken nahe, daß es sich bei den zwei Freskanten auch um ortsfremde Maler ge handelt haben könnte (zu den Freisinger Malern s. Georg Brenninger, Freisinger Künstler und Kunsthandwerker vo 1800, in: Freising. 1250 Jahre Geistliche Stadt, Katalog de Ausstellung Freising 1994 Bd 1).
Ausmalung 1761 (LHs-Fresken A, A1-4, CB). Franz Xaver Wunderer (* 1. 5. 1714 Landshut, † 30. 3. 1764 ebd.). Signatur in A links unten F. X. Wunderer / pinxit 1761.
Franz Xaver Wunderer war Sohn des Landshuter Glasers Wolfgang Wunderer; Bürgeraufnahme in Landshut am 12. 4. 1752 und erste Eheschließung am 17. 4. 1752; zweite Ehe mit Elisabeth Zenz. Nach dem Tod Wunderers heiratete die Witwe am 20. 8. 1764 den Maler Zacharias Lehrhuber, der die Werkstatt übernahm (Volker Liedke, Die Landshuter Maler- und Bildhauerwerkstätten von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jh., in: Ars Bavarica 27/28, 1982).
Als gesicherte Werke Franz Xaver Wunderers sind Altarblätter im Kloster Mallersdorf (1758/59), in der Benediktiner klosterkirche Oberalteich und in der Dominikanerklosterkirche in Landshut bekannt. Die Fresken in der Stiftskirche St. Andrä auf dem Freisinger Domberg aus der Zeit um 1758 wurden bei der Säkularisation zerstört (Johann Baptist Prechtl, Das Kanonikatsstift St. Andrä auf dem Domberge zu Freising, 1888, Nachdruck 1980). Die LHs-Fresken der Freisinger Wieskirche sind die einzigen uns bekannten und erhaltenen Fresken Franz Xaver Wunderers.



Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-4) Flachtonne mit Stichkappen, AR (B, B1-4) querelliptische Kuppel
Rahmen: A gemalter goldener Profilrahmen mit weißem Blütengewinde und Stuckagraffen im O und W; A1-4 gemalte weiße Stuckkartuschen mit Blütengirlanden; B Stuckprofilrahmen, bemalt mit Rosetten in Weiß und Rosa auf blauem oder auf Goldbrokat imitierendem Grund, der äußere Rahmenabschluß hat eine gemalte Quastenbordüre in Rot und Gold; B1-4 Stuckprofilrahmen mit Muschelagraffen am Scheitel und seitlich in Grisaille gemalten Putten mit den Arma Christi.
Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; A, B, B1-4 polychrom, A1-4 monochrom blau, CB (am Chorbogen) polychrom mit stuckimitierendem und monochrom blauem Kartuschenbild
Maße: A Höhe 11,25 m; 5,50 x 10,20
B Höhe 16,25 m; 4,70 x 3,60
CB ca. 3,00 x 8,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Ab 1848 ließ der Kurat Ertle umfangreiche Veränderungen an der Wies vornehmen. Er vergrößerte das Kuratenhaus, ließ statt des Glockentürmchens einen Turm bauen und 1857 die Fenster in der AR-Kuppel vermauern und durch gemalte Blindfenster ersetzen. Er ließ außerdem die fünf Rokoko-Altäre entfernen und durch drei neue Altäre ersetzen. 1869 führte Adalbert Kromer, Freising, Malerarbeiten an der Raumschale aus; von daher dürften die 1929 genannten Übermalungen der Fresken stammen. Er hat »die 4 Rahmen am Plafond des Presbyteriums ausgebessert und eingefaßt, die 2 Inschriften an den Seitenwänden blau getüncht und die Schrift gemacht. den Vorhang am Bogen des Presbyteriums neu gemalt, die Engel aufgefrischt, drei Inschriften mit Rahmen und den Hintergrund blau mit Sternchen neu gemacht« (Archiv Wies) 1929 Restaurierung der Fresken im AR durch Christian Seibold, Freising. Die teilweise sehr starke Übermalung der fünf Fresken B, B1-4 wurde abgenommen. In einem zweiten Schritt 1931 Reinigung des Deckenbildes im LHs durch Michael Gottschalk, Taufkirchen an der Vils: Ausbessern der Risse und Restaurierung; Freilegen der stark übermalten Chorbogenwand, Erneuern der ornamentalen Bemalung und des zum Vorschein kommenden Wandbildes am Chorbogen mit den Putten und der Darstellung der Wunderbaren Brotvermehrung (CB). Bei der letzten Restaurierung 1984/85 durch Wilhelm Böck, Langenbach, wurden die vier Fenster in den Diagonalachsen der AR-Kuppel wieder geöffnet und die Raumschale nach dem originalen Farbbefund restauriert. Die Deckenbilder wurden gereinigt und restauriert. Sie sind in gutem Zustand
Beschreibung und Ikonographie
Das LHs-Gewölbe zeigt eine gemalte ornamentale Dekoration auf grau-weißer Brokatgrundierung. Stuckimitierend gemalte üppige Rocaille-Kartuschen in Weiß und Rosa auf Goldbrokatgrundierung füllen die Zwickel und die Stichkappen (A1-4) und umspielen den Rahmen des Hauptfreskos, das sich über beide LHs-Joche erstreckt und dessen Rahmenform der des Gewölbes folgt.
A DIE WIES BEI FREISING ALS GNADENORT Ansicht nach O, kaum illusionistische Effekte.- Das Bild zeigt hinter einer seichten, abgedunkelten Repoussoirzone einen lichten Wiesenplan mit drei aufragenden Eichen und Wald rechts im Hintergrund. An einer Eiche ist das gemalte Wies-Gnadenbild aufgehängt. Am Rahmen hängen Votivgaben, ein Glöckchen (?), Beine und ein silbernes Herz. Vor dem Bild steht eine einfache hölzerne Betbank. Ein Mann mittleren Alters mit dunklen Haaren ohne Perücke, mit roter Kniehose, Weste und grünem Rock steht vor dem Gnadenbild und weist mit der Rechten darauf. Mit der Linken stützt er sich auf einen Stock. Er blickt dabei auf einen geistlichen Herrn ihm gegenüber. Dieser ist sichtlich ein vornehmer Herr. Er trägt eine lange weiße Perücke, den violetten Talar der Chorherrn und deren roten Mantel, dazu ein spitzenbesetztes Chorhemd. Seine Gestik ist widersprüchlich: die Linke hält er mit gespreizten Fingern nach unten, als wolle er etwas ergreifen. Mit der Rechten weist er in den Hintergrund, wo am Waldrand die 1760 vergrößerte Wieskirche zu sehen ist. Neben diesem vornehmen Geistlichen steht ein älterer, einfacherer Geistlicher mit schwarzem Talar und weißem Chorhemd. Er hat die Rechte in einer Geste des Erstaunens gehoben. Zwei weltliche Herren stehen dahinter, in blauem und mit Goldlitzen besetzten Gewand. Beide tragen kurze, weißgepuderte Perücken; ihre Gesten sind fragend, erklärend, weisend in Richtung auf den neuen Kirchenbau. Drei der dargestellten Personen tragen individuelle Gesichtszüge: der Mann im grünen Rock, der vornehme und der einfachere Geistliche.
Von links, wo sanftgewellte Hügel sich weit dehnen, kommen zwei Züge von Wallfahrern heran, jeder angeführt von einem Fahnenträger. Der nähere Zug hat den Gnadenort fast erreicht. Neben dem Fahnenträger geht ein Mann mit einem Bruderschaftsstab; beide tragen rote Kutten.
Am abgeschatteten Vordergrund sind Bittflehende zu sehen, eine Mutter mit drei Kindern, die auf die Kapelle weist, ein Krüppel, ein Pilger mit der Muschel am Kragen und ein alter Mann. Die drei Männer haben den Blick zum Himmel gerichtet.
Im Himmel erscheint Gottvater, das Zepter auf die irdische Szene nach unten gerichtet, auf rosigen Wolken thronend, von einer lichtgelben Glorie hinterfangen. Bei ihm sind zahlreiche Engel und Putten. Sie tragen die Leidenswerkzeuge Jesu: Kreuz, Würfel und dreißig Silberlinge, Hammer und Zange, Geißel, Schweißtuch, Schilfrohr, Schwamm und Speer, Dornenkrone und Nägel. Ein Putto fliegt über dem Kirchenbau und streut rote und weiße Rosen.
Ein breiter Lichtstrahl fällt von Gottvater auf die irdische Szene und umfaßt den Mann im grünen Rock, die Gruppe der Geistlichen, das Gnadenbild und die vergrößerte Kirche.



Seit der Beschreibung der Wieskirche 1868 (Magnus Johann in: Kalender für katholische Christen) gilt das Bild als Darstellung der feierlichen Übertragung des Gnadenbildes am 11. 11. 1748 in die neuerbaute Kapelle. Auf diese bestimmte, historisch fixierte Szene weist aber nichts hin. Die Feierlichkeiten bei der Übertragung sind überliefert: Es nahmen teil »das ganze Domkapitel, die Collegiatstifter St. Veit und Andrä, die P.P. Franziskaner, die gesamte Geistlichkeit von Freising, die Bürgercavalerie von Moosburg und Freising (Baumgärtner, S. 264). Von all dem ist nichts zu sehen. Der hohe Geistliche trägt das Bild nicht, die hölzerne Kapelle fehlt und die Wieskirche ist nicht die Kirche im Zustand von 1748, sondern die neue, vergrößerte von 1761. Die hölzerne Kapelle


Es scheint sich bei dem Deckenbild nicht um eine einmalige historische Szene, sondern eher um eine zeitübergreifende Darstellung zu handeln. Mit ziemlicher Sicherheit kann man in dem Mann mit dem grünen Rock den Forstbereiter Silvester Hupf erkennen. Er weist auf das Gnadenbild, das er am Baum in dem von ihm betreuten Wald aufgehängt hat; damit weist er gleichzeitig auf die Wachsvotive, die von Wundern bzw. »Beneficia« künden, die dem Wirken des Gnadenbildes zu verdanken sind. Die Gnadenstrahlen vom Himmel, die auch auf ihn fallen, weisen ihn als Werkzeug der göttlichen Gnade aus.
Der vornehme Geistliche ihm gegenüber ist nicht näher gekennzeichnet. Es kommen – aus historischen Gründen – drei Personen in Frage, die in ihm dargestellt sein könnten. Zunächst der Freisinger Weihbischof Johann Ferdinand von Pödigheim († 1758), der 1748 das Gnadenbild aus der hölzernen Kapelle in den ovalen Neubau übertrug; dann der Freisinger Weihbischof Franz Ignaz Albert Werdenstein (seit 1756), der die Kirche schließlich 1764 weihen sollte; endlich der Generalvikar und Domdekan Johann Christian Adam Graf von Königsfeld († 1766), der als Dekan des Domkapitels der eigentliche Auftraggeber des Kirchenbaus (und des Erweiterungsbaus) war, der die Wallfahrt in ihrem Entstehen nicht hinderte, die entstandene Wallfahrt dem Fürstbischof gegenüber vertrat und dessen Konsens zum Neubau einholte. Es spricht viel dafür, daß in dem vornehmen Geistlichen der Domdekan Graf Königsfeld dargestellt ist.
In dem einfach gekleideten Geistlichen kann man wohl den Pfarrvikar von St. Georg, Joseph Krimmer (1728–81), sehen. Das Bild dürfte folgendermaßen zu deuten sein. Durch Gottes Gnade wurde Silvester Hupf veranlaßt, das Bild an den Baum zu hängen, durch seine Gnade geschahen Heilungen (Votive, Bittflehende im Vordergrund). Der neue Gnadenort zog Gläubige und Hilfesuchende an (Wallfahrer). Der zuständige Pfarrvikar und das Domkapitel als Inhaber der Pfarrei (vertreten durch Königsfeld), zunächst skeptisch, wurden durch die Gnade Gottes von Zweiflern zu Förderern: es entstand die neue Wallfahrtskirche, die nun mit dem Anbau zur Vollendung geführt wurde. Vermittelt wird Gottes Gnade in der Wies bei Freising durch das Leiden Jesu, dessen Leidenswerkzeuge – stellvertretend für das Leiden selbst – die Engel wie bei einer Intercessio herbeitragen.
A1-4 WUNDERHEILUNGEN JESU Kleine mehrfigurige Szenen in blau monochromer Malerei in den Stichkappen des LHs. Ähnlich wie im Chor der Wies bei Steingaden (CBD, Bd 1, S. 613–22, Fresken ED1-6) sind um die Szene, in der Engel Gottvater die Leidenswerkzeuge präsentieren als Beweis für die vollbrachte Erlösungstat, Wunderheilungen Christi dargestellt. Jesus, der sich der Kranken erbarmte, als er unter den Menschen weilte – argumentiert das Bildprogramm wird sich auch in der Gegenwart derer erbarmen, die mit Andacht seines Leidens gedenken.

A1 HEILUNG EINES BLINDEN UND EINES STUMMEN (Mt 9, 27-34) In einem Torbogen steht links Jesus und legt die Hand auf die Augen eines Blinden, der vor ihm kniet. Daneben kniet ein Mann, aus dessen Mund ein Dämon entweicht. Ein Vater mit seinem kleinen Sohn beobachtet das Geschehen.
Matthäus berichtet von zwei Blinden, nach deren Heilung man einen Stummen zu Jesus brachte, »der besessen war. Und sobald der Dämon ausgetrieben war, sprach der Stumme«. Obwohl auf dem Bild nur ein Blinder dargestellt ist, dürfte es sich um diese Szene handeln.
A2 ERWECKUNG DER TOCHTER DES JAIRUS (Mt 9, 18-26 u. Par.) Jesus ergreift die Hand eines Mädchens, das sich auf einem Bett befindet, und segnet es. Das Mädchen erhebt sich und blickt ihn an. Hausgenossen verfolgen mit Erstaunen die Szene.
A3 HEILUNG DER BESESSENEN VON GERASA (Mt 8, 28-31) Jesus, begleitet von zwei Jüngern, streckt die Hand aus nach zwei gräßlich verkrampften Besessenen, denen daraufhin die bösen Geister aus Mund und Ohren entweichen (die Schweineherde, in die die Dämonen flohen, ist nicht dargestellt).
A4 HEILUNG EINES AUSSÄTZIGEN (Mt 8, 1–4 u. Par.) Vor Jesus kniet flehend ein Mann, dessen nackter Oberkörper Schwären und Wunden zeigt. Ihm folgen weitere Kranke und Krüppel. Jesus legt dem Aussätzigen die Hand auf den Kopf und heilt ihn.
B, B1-4 PASSION CHRISTI Vor einer gemalten grauweißen Brokatornamentgrundierung zeigen die Fresken im AR Szenen aus der Passionsgeschichte nach den fünf Geheimnissen des Schmerzhaften Rosenkranzes. Drei der vier Seitenbilder, B1-3, folgen den Darstellungen in Bergmüllers Stichserie »Quindecim Mysteria Sacri Rosarii«, entstanden um 1723/24, die als unmittelbare Vorlagen dienten und bis in kleinste Details befolgt wurden (wir danken Frau Karin

Friedlmaier für die Erlaubnis zur Einsichtnahme in ihre ungedruckte Dissertation, Johann Georg Bergmüller, Das druckgraphische Werk, Diss. München 1996). Für das Hauptbild B wurde vermutlich ebenfalls eine graphische Vorlage benützt, nach der auch das Wandbild W, in der Prälatenkapelle Andechs gemalt wurde (CBD, Bd 1, S. 306).
B STÄRKUNG JESU AM ÖLBERG DURCH DEN ENGEL (Lc 22,42 f.) - DER FÜR UNS BLUT GE-SCHWITZT HAT - Querovales Bildfeld, Ansicht nach O. - Ein plankenumzäunter, hügeliger Gartengrund mit Palmen und Gebüsch stellt Gethsemane dar. Jesus ist in der Bildmitte dargestellt: Er ist kraftlos zurückgesunken; sein Haupt liegt auf der linken Schulter, vom Himmel und den himmlischen Erscheinungen abgewandt. Ein Engel steht hinter ihm, hält ihn mit dem linken Arm aufrecht und weist mit der Rechten auf den Kelch des Leidens, der in einer Wolkengloriole am Himmel erscheint. Aus dem Kelch wächst ein Kreuz; die Bodenplatte wird von drei geflügelten Engelsköpfchen getragen. Putten sind in den Wolken dargestellt, ein Putto küßt die rechte Hand Jesu. Am vorderen linken Bildrand sieht man zwei der schlafenden Jünger, ein dritter liegt im Mittelgrund
an den felsigen Boden geschmiegt. In der Tiefe dringt durch das Tor im Zaun die Rotte der Häscher ein.
Die Vorlage des Bildes illustriert den Passus bei Lukas: »... und betete: Vater, wenn Du willst, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Nun befiel ihn Todesangst, und er betete noch flehentlicher. Sein Schweiß ward wie Blutstropfen, die zur Erde rannen.«
B1 GEISSELUNG (Mt 27,27 u. Par.) – DER FÜR UNS GEGEISSELT WORDEN IST - Ansicht nach N, starke Untersicht in der Bildarchitektur. - Eine steile, geschwungene Rampe führt in den Bildschauplatz ein, der einen Hof zwischen hohen palastähnlichen Gebäuden darstellt, vor dem seitlich eine schwere Draperie zurückgerafft ist. In der Mitte ragt eine Säule auf, an die Jesus gebunden ist. Sein Körper ist halbnackt und von Blut überströmt. Das Haupt hat er leidend zurückgebogen und die Augen zum Himmel gerichtet. Zwei Schergen rechts schlagen mit Geißel und Rute auf ihn ein. Ein dritter, in Rückenansicht, kniet links auf der Rampe und bindet eine Rute.
WIES BEI FREISING




B2 DORNENKÖNUNG (Mt 17/28–30) – DER FÜR UNS MIT DORNEN GEKRÖNT WORDEN IST – Ansicht nach S, Verkürzungen im Bereich der Architekturdarstellung. - Auf den hohen, rampenähnlichen Stufen, deren vorderste ein dunkles Repoussoir bildet, sitzt Jesus in der Bildmitte, nackt unter dem roten Mantel, gefesselt und mit Dornen gekrönt. Ein Scherge ist im Begriff, die Dornenkrone fester auf Jesu Haupt zu drücken, einer hat einen Stock zum Schlag erhoben. Der dritte, am linken Bildrand, hat seine Mütze abgezogen, um Jesus höhnend zu huldigen. Ein Hauptmann mit Helm und Schild ist im baumbestandenen Hintergrund zu sehen. Er wendet sich fragend und auf Jesus weisend an einen Mann, der wie ein Apostel dargestellt ist (Hinweis auf die Verleugnung Petri?).
B3 KREUZTRAGUNG (Mt 27,31 u.Par.) – DER FÜR UNS DAS SCHWERE KREUZ GETRAGEN HAT - Ansicht nach W. - Vor dem Tor der Stadt sieht man in der Bildmitte Jesus zwischen schlagenden und peitschenden römischen Legionären und Schergen das Kreuz tragen. Rechts am Wegrand knien zwei Frauen und blicken ihn voll Mitleid an. Eine von ihnen, Veronika, hält ihm das Schweißtuch hin.
B4 KREUZIGUNG – DER FÜR UNS GEKREUZIGT WORDEN IST - Ansicht nach O. - Das Bild zeigt die öde, felsige Schädelstätte Golgatha, worauf ein Totenschädel am Fuß des Kreuzes weist. Im Hintergrund sieht man die Mauern der Stadt Jerusalem. In der Bildmitte ragt das Kreuz Christi auf, flankiert von den Kreuzen der beiden Schächer. Es ist die Stunde des Todes Jesu gezeigt: Johannes, Maria und Maria Magdalena mit dem Salbgefäß knien unter dem Kreuz und klagen, die Sonne verhüllt sich in Wolken, der Soldat kommt mit der Lanze, um die Seite des Gekreuzigten zu öffnen. - Dieses Bild über dem Hochaltar stellt den Bezug her zwischen der Vollendung des Erlösungswerkes Christi durch sein blutiges Opfer und dem unblutigen Erneuerungsopfer am Altar.
Sechs Inschriften befinden sich in Kartuschen, die die halbrunden Nischen des AR krönen. Die Inschriften im N und S beziehen sich auf das jeweils darüberliegende Bild, die Inschriften im NO und SO auf die Darstellung der Kreuzigung (B) und die Inschriften im NW und SW auf die Darstellung des Kreuzwegs (B). Zumindest bei der Restaurierung 1869 wurde an den Inschriften gearbeitet. Ob und was verändert wurde, ist nicht bekannt.
NW Quasi Agnus colram Tondente / Is. 53.7
N Flagella/bunt eum Marc. 10.34
NO Consummatum | est! Joh. 19.30
SO Crucifige eum / Joan Cap. 19. V. 15
S Ecce Rex vester | Joan Cap. 19. V. 14
SW Sicut Ovis ad / occisionem ducetur / Is. 53.7
CB WUNDERBARE BOTVERMEHRUNG Wandbild an der LHs-Seite des Chorbogens. Putten halten und raffen wie einen Bühnenvorhang eine reiche karminfarbene Draperie mit Stickerei und Fransen in Gold. In der Mitte blickt man auf gemalten reichen Rokokostuck und eine Kartusche, in der in blauer Camaieu-Malerei die Wunderbare Brotvermehrung dargestellt ist als Präfiguration der Eucharistiefeier am Altar.
Quellen und Literatur
AEM, Domkapitelprotokolle, Bde 87 (1222), 88 (1223), 89 (1224), 96 (1230).
AEM, Pfarrakten St. Georg 2 (neue Nr.), Pfarrbeschreibung 1758; 531: Erbauung der Kapelle; 536: Veränderungen unter Kurat Ertle.
AEM, Ehem. Archiv der Wies, I, 1: Bauakten der Kirche.
J(ohann), M(agnus), Die Wallfahrtskirche Wies (Wis) bei Freising in Oberbayern, in: Kalender für katholische Christen 1868, S. 49-51.
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A.B.
