Freising, Altöttinger Kapelle
Altöttinger Kapelle, Brunnhausgasse 2, vor dem Münchner Tor (daher auch Münchner Kapelle genannt) an der Moosach gelegen, im Baukomplex des Vincentinums, Stadtpfarrei St. Georg; z. Z. der Ausmalung gehörte die Kapelle zum sog. Bruderhaus und war nach einer Kopie des Altöttinger Gnadenbilds benannt, die sich auf dem Altar befindet. Nach der Säkularisation war die Kapelle als Heustadl profaniert, 1845 wurde sie ihrem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt. Seit 1854 im Besitz des Vincentiusvereins
Patrozinium: Maria Rosenkranzkönigin
Zum Bauwerk: Das Bruderhaus entstand um 1580, die Kapelle wurde 1669 errichtet. Erbauer war der Freisinger Bürgermeister Christoph Schauermaier, der auch eine Kopie des Altöttinger Gnadenbildes, die nach dem Dreißigjährigen Krieg von Bischof Veit Adam nach Freising gebracht worden war, in die Kapelle übertragen ließ. 1673 Erweiterung, 1698 Weihe der Kapelle.
An der LHs-Wand befinden sich zwei Inschrifttafeln, welche die Geschichte der Kapelle berichten:
1. Nach den schweren Zeiten des dreißigjährigen Krieges wurde zur Ehre der gnadenreichen Himmelskönigin Maria diese Kapelle an der Moosach erbaut, und in dieselbe das Bild, welches in Altötting am Gnadenaltar während des Krieges gestanden, eingesetzt. Die Stadt Freysing baute für fromme Verehrer der allzeit unbefleckten Jungfrau das Bruderhaus, welches im Jahre 1798 gänzlich abbrannte. Die Säkularisation hat wie so viel Anderes auch diese Kapelle zerstört. Im Jahre 1843 wurde sie durch den HH. Priester und Stadtpfarrer Simon Plank in schönerem Glanze als zuvor wiederhergestellt mit Beihilfe der Opfer besonderer Verehrer Mariens. Derselbe stiftete hiezu ein Benefizium, zu welchem Anna Oswald Wirthswittwe 5000 fl. legte. Maria lohne ihre treuen Verehrer.
2. Im Jahre 1842 am 14. August wurde diese Kapelle, seit 1804 verödet, wieder erneuert und geweiht u: das alte Gnadenbild, welches H: Johann Herzensfroh Schlossermeister dahier, 40 Jahre in seinem Hause mit Andacht verehrte, wieder hier eingesetzt. Die größte Wohltäterin dieser Kapelle wie des Hauses, war Frau Ursula Frauenhofer, Sondermüllerswittwe, und besondere Verehrerin der hl: Jungfrau und Himmelskönigin Maria.
Der ursprüngliche Bau, der heutige AR, ist ein längsgerichteter oktogonaler Raum, der genordet ist. Gliederung durch Doppelpilaster, die über breitem Gesims eine elliptische Flachkuppel tragen. Belichtung durch sechs Lünettenfenster im Gewölbebereich über der Attikazone. Langhaus zu drei Achsen. Das Deckenbild befindet sich im AR.
Autor und Entstehungszeit: Der Überlieferung nach soll das Deckenbild von 1782 stammen (Dehio-Gall; AEM, Kunsttopographie). Man kann davon ausgehen, daß im Gewölbespiegel ursprünglich ein barockes Deckengemälde war, das die Profanierung der Kapelle nicht überlebte. Der stilistische Befund spricht jedenfalls für eine neubarocke Malerei. Aus den Restaurierungsakten geht hervor, daß der Maler Michael Gottschalk 1916/30 anstelle einer - vermutlich auch nicht mehr barocken – Ölmalerei die Komposition neu entwarf.

Befund
Träger der Deckenmalerei: längselliptische Flachkuppel, in deren Spiegel sich das ovale Deckenbild befindet. Rahmen: Stuckprofil. Technik: Fresko; polychrom. Maße: Höhe 5,70 m; 1,90 × 1,40. Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1842; 1930 und 1942 durch Kirchenmaler Christian Seibold, Freising; 1972 durch Restaurator Wilhelm Böck, Langenbach. Das jetzige Deckenbild stammt mit großer Sicherheit von Michael Gottschalk, Taufkirchen/Vils. In den Akten des BLfD befindet sich ein Schreiben vom 14. 6. 1916: »Zu der an uns von Maler Gottschalk übersandten Skizze für das geplante Bild im Oval der Kuppel des Presbyteriums besteht unsererseits im allgemeinen keine Erinnerung. Jedoch sollen die Korrekturen, die wir mit Kohle und Kreide flüchtig einzeichneten, bei der Ausführung von Gottschalk berücksichtigt werden. Außerdem soll das z. Zeit vorhandene, jedoch unpassende Ölbild bis auf den Kalkmörtelgrund abgekratzt werden, damit das neue Bild in Kalk und Kaseintechnik bar aufgemalt werden kann. Der Kostenvoranschlag wolle uns zur Prüfung vorgelegt werden.«
Darstellung
Verkündigung an Maria
Quellen und Literatur
AEM, Kunsttopographie, Dekanat Freising, Pfarrei St. Georg (Georg Brenninger).
Prechtl, Johann, Das ehemalige Bruderhaus vor München, jetzt Vincentinum genannt. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Freising, Feising 1877, S. 96–101.
Birkner, Rudolf, Die Schicksale der Münchner Kapelle seit dem Bruderhaus-Brand von 1796, in: Frigisinga 7, 1930, S. 254-65.
Dehio 1990, S. 318.
CD