Zum Inhalt springen

Frasdorf, Pfarrkirche St. Margareta

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 147–153, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Frasdorf, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Frasdorf, das bis 1680 zur Pfarrrei Prien gehört hatte, bildete zusammen mit Umratshausen eine Kuratie der Pfarrrei Niederaschau (Sitz des Kurats in Frasdorf), die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war. Kurat war im 18. Jh. stets ein Chorherr von Herrenchiemsee. An der Kirche wurde am 30.10.1760 die Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis Mariens eingerichtet. Herrschaftsgericht Hohenaschau

Patrozinium: St. Margareta

Zum Bauwerk: Neubau der Kirche um 1496, weitere umfangreiche Baumaßnahmen 1509/11: aus dieser Zeit stammen die Gewölbe. Neuweihe (Rekonziliation) am 5.4.1513 durch Berthold Pürstinger, Bischof von Chiemsee. 1563 neue Seitenaltäre anstelle der spätgotischen. Reparatur der bereits baufälligen Kirche 1676-78 mit Ausrunden der Fenster. Neuer Hochaltar 1683 (Kistlerarbeit von Michael Furtner d.J. aus Niederaschau, Faßarbeit von Ruprecht Schweindl aus Altenmarkt, Altarblatt von Jacob Carnutsch, Figuren vom Rosenheimer Bildhauer Blasius Maß). 1736 Abschlagen der gotischen Gewölberippen und Neuverputzen. Zwei neue Seitenaltäre 1760, Ausmalung 1761. Neubau des Kirchturms 1764/65, Neubau der Doppelempore 1821.1934/35 Verlängerung der Kirche nach W um ein Joch.

Neue Altarausstattung 1885/87 nach Plänen von Josef Elsner. Der Hochaltar bekam ein Altarblatt von Max Fürst, das 1932 wieder ersetzt wurde durch das alte Hochaltarblatt von Jacob Carnutsch, welches die Kirchenpatronin Margareta zeigt, wie sie mit dem Kreuz den Drachen besiegt. In den neuen Seitenaltären wurden die beiden Bilder >Herz Jesu und >Herz Mariä von Joseph Höttinger (1761) mit ihren prachtvollen vergoldeten Rahmen des Aiblinger Bildhauers Joseph Götsch beibehalten.

Weiter Saal zu vier Jochen (ursprünglich drei), gotische Wandvorlagen, Doppelempore im W, gleichmäßige Belichtung durch je drei Fenster von N und S. AR nur im N eingezogen zwei Joche, dreiseitiger Schluß, Belichtung durch zwei Fenster von N und zwei in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Georg Paur, Braumeister zu Hohenaschau, ein gebürtiger Frasdorfer (* 22. 1. 1706 im Petermesnerhof). An den Kosten beteiligte sich Michael Ebersperger, Stein von Ginnerting (* 13.8.1700 † 2.2.1765; der Stein-Hof war einer von drei Höfen in Ginnerting). Ebersperger stiftete auch das Bild, das die feierliche Einführung der Bruderschaft 1760 unter Teilnahme der benachbarten Pfarreien und Vikariate darstellt und an der nördlichen Chorwand hängt. »Anhero hat man vorzumörkhen, daß zwar dise Filialkürchen von neuem ausgemahlen: und in anderweeg Reparationes vorgenommen: Weillen aber der hieryber erloffene Vnkosten von Georgen Bauer Herrschaftl: Preuwmeister zu Hohenaschau freywillig bestritten: vnd deme von Michl Ebersperger, Stein zu Ginnerting etwelcher Beytrag gemacht worden, also trifft disorthen auszusezen ... Nihil« (StAM, HAA R 2897). Es ist anzunehmen, daß beide Geldgeber Mitglieder der Bruderschaft zur Unbefleckten Empfängnis waren. Die Einführung dieser Bruderschaft in Frasdorf 1760 war Anlaß für die Ausmalung und andere Reparaturen an der Kirche. Von der »Gwölb Mahlerey« ließ sich der Herrschaftsinhaber Graf Max IV. von Preysing-Hohenaschau, kurfürstlicher Obersthofmeister, von Höttinger eine Kopie malen (Bomhard S.484, Anm. 463) dabei dürfte es sich um das Bruderschaftsbild A gehandelt haben, auf dem er mit seiner Familie dargestellt war. Max IV stiftete 1760 auch den Bruderschaftsaltar. Der in Frasdorf exponierte Kurat war z. Z. der Ausmalung P. Patritius Moser von Herrenchiemsee (1761-67), der 1760/61 auch Provisor der Pfarrei Niederaschau war. Mosers Vorgänger war P. Sabinian Koppleder (1759–61).

Autor und Entstehungszeit: Joseph Anton Höttinger (* 1722 Schwaz †1798 Rosenheim) 1761. Signatur in A Josephus Antonius Höttinger Pinx: 1761.

Joseph Anton Höttinger stammte aus einer Malerfamilie aus Schwaz in Tirol und war seit 1747 in Rosenheim als Bürger und Maler ansässig. Er war im Bereich des alten Gerichts Rosenheim und in den angrenzenden Gebieten gut beschäftigt, mehrfach auch mit Freskierungen. Für Frasdorf malte er außer den Fresken 1761 das Bruderschaftsbild der Mutter der schönen Liebe von Wessobrunn auf dem nördlichen Seitenaltar (Bruderschaftsaltar), den er auch faßte, und das Bild des hl. Joseph mit dem Jesuskind auf dem südlichen Seitenaltar. Beide Bilder wurden beim Bau der neuen Seitenaltäre 1887 übernommen und sind erhalten. 1763 faßte Höttinger das Altarantependium und 1765 malte er in Frasdorf noch die Sonnenunr.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B) ehem. Netzrippengewölbe; die Rippen sind abgeschlagen

Rahmen: Gemalte Rahmung; A und B einfache imitierte Stuckprofile

Technik: Fresko; A und B polychrom; 1–4 und a–d polychrom.

Maße: A Höhe 9,30 m; 8,60 × 4,09

B Höhe 9,40 m; 5,40 × 3,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Innenrenovierung 1854 ist die Rokokoausmalung durch »eine grünlich-gelbliche Tönung ersetzt (übertüncht) worden«. Änderung der Raumfassung 1885/87. 1912 wurde der Raum neu gefaßt mit Grautönung der architektonischen Gliederungen und Anbringen »religiöser Symbole« durch Fritz Gumpertsberger aus Westerndorf.

Nach der Kirchenerweiterung im Jahr 1934 Innenrestaurierung mit neuer Raumfassung 1935 im Stil des 18. Jh. durch Max Faltner, Rosenheim. Dabei wurden die barocker Deckenbilder aufgefunden. Die beiden Hauptbilder A und B wurden freigelegt und durch Oskar Wieleitner, Perlach restauriert. Die Kartuschenfelder und die ornamentalen Malereien außerhalb der Rahmenfelder wurden wegen ihres sehr schlechten Zustands wieder übertüncht, die Stichkappen mit Brokatmuster bemalt

Letzte Restaurierung der Fresken im Zuge einer Gesamtrestaurierung der Kirche 1982/83 durch Alois Stein, Inzell: Reinigung und Festigung der Bildfelder, Reparatur der Fehlstellen mit Ergänzungen; Abnahme der ornamentalen Malereien vor 1935, Aufdecken der ursprünglichen ornamentalen Malerei und der Kartuschen. Die Kartuschen wurden, soweit möglich, ergänzt. Zwei Felder über dem Hochaltar im AR konnten nicht mehr wiederhergestellt werden und wurden mit Wolken bemalt. Die Fa. Stein restaurierte auch die Inneneinrichtung. Der Zustand der Fresken A und B ist verhältnismäßig gut, die Kartuschen zeigen die blasse Farbigkeit und die Abriebschäden aufgedeckter Bilder.

Beschreibung und Ikonographie

Die aufgedeckten Gewölbemalereien im LHs und AR bestehen aus Rocaillen, Blumengirlanden und Bandwerkmotiven. Sie bilden zusammen mit den ohne plastische Rahmung auf die Gewölbe gemalten Kartuschen eine ornamentale Einheit, im Chor und im LHs jeweils eine aus- und einschwingende girlandenartige Ornamentformation, die das Hauptbild umzieht und in die die Kartuschenbilder eingebunden sind.

A BRUDERSCHAFTSBILD Einansichtige Szene, Ansicht nach O. Das extrem lange Bildfeld wird zum größten Teil von einer triumphbogenähnlichen Säulenarchitektur eingenommen, die über Stufenanlagen errichtet ist. Der architektonische Aufbau ist in gewagter Untersicht gegeben, die Einfügung der Figuren in diese jähe Perspektive machte dem Freskanten große Schwierigkeiten.

Das Bild zeigt die Einführung der Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Frasdorf 1760. Im Zentrum des Bildes, unter dem Bogen, erscheint das Bruderschaftsbild, auf Wolken von Engeln getragen. Es zeigt Maria mit Rosen bekränzt, als Gnadenbild »Mutter der schönen Liebe« vor Wessobrunn, das Haupt von Sternen umgeben (dieses Bild, eine Kopie des Wessobrunner Gnadenbilds von Höttinger, stand und steht am nördlichen Seitenaltar, dem Bruderschaftsaltar). Auf ihrer Brust trägt Maria ein Medaillon mit dem Monogramm IHS. Über dem Bild ist eine Krone, dahinter sind Waffen und Fahnen zu sehen; links die vorderste ist die bayerische Rautenfahne. Die Taube des Hl. Geists schwebt über dem Marienbild in der Bogenwölbung. Über der Architektur erscheinen in Wolken Gottvater und Christus, von Engeln begleitet.

Am untersten Bildende sind auf Stufen, die in ein kleines Vordergrundsplateau einführen, links die Consultoren der Bruderschaft in Frasdorf dargestellt, die vordersten in der Tracht der Bruderschaft, Stäbe mit Abzeichen in Händen. Sie werden angeführt vom Kuraten von Frasdorf (in der fraglichen Zeit P. Patritius Moser bzw. nach Wörndl P. Sabinian Koppleder). Dieser Gruppe gegenübergestellt ist eine weitere Gruppe von Bruderschaftsmitgliedern, Männern und Frauen. Dazwischen steht auf einem teppichbedeckten Tischchen eine Schale mit Herzen, Symbol für die Liebe und Hingabe der Bruderschaftsmitglieder (Wörndl 2001 nimmt an, auch die Frauen rechts seien Consultoren gewesen, was nicht üblich war).

Hinter dieser Gruppe mit ihren vergleichsweise kleinen Figuren erheben sich hohe Stufen, auf denen die weltliche und geistliche Obrigkeit Frasdorfs aufgereiht ist. Höttinger, der kein Porträtmaler war, bringt in den Gesichtern kaum individuelle Züge, doch kann man von der Kleidung auf die Identität der Dargestellten schließen. Auf der linken Seite sieht man die weltliche Obrigkeit, Angehörige der Familie Preysing-Hohenaschau, an ihrer Spitze den regierenden Graf Max IV. Emanuel Franz Xaver Adam Pankraz (1739–64), neben ihm wohl seinen Bruder Johann Carl Joseph. Der junge Mann ganz rechts dürfte dessen Sohn und der präsumptive Nachfolger des kinderlosen Max IV. sein, Johann Maximilian Franz Xaver (* 1736, Max V. 1764–1827). Die drei Grafen Preysing tragen die Kette des St.-Georgs-Ritterordens über dem Festornat des Ordens, der aus einem silberbestickten, mit weißer Seide gefütterten Talar (Mantel ohne Ärmel) aus himmelblauem Samt über seidener Kleidung besteht. Die Kette vom Orden des hl. Georg schlingt sich auch um das Preysingische Wappen, das an einem Sockel angebracht ist, auf dem wieder eine Schale brennender Herzen steht.

Der Kirchenraum

Bei den Damen, deren Köpfe hinter den drei männlichen Vertretern der Familie zu sehen sind, könnte es sich um die zweite Gemahlin Max’ IV., Maria Theresia Gräfin Fugger von Nordendorf handeln, sowie um die Gemahlin Johann Karl Josephs und Mutter des Erben, Maria Theresia Gräfin von Rechberg (der spätere Max V. heiratete erst 1762).

Rechts, in der Gruppe der geistlichen Obrigkeit, führt der Propst von Herrenchiemsee, Martin Held (1759–64) eine Gruppe von fünf Chorherren an. Der Propst ist durch einen Hermelinkragen ausgezeichnet; neben ihm auf einem Tischchen befinden sich seine Würdezeichen, Mitra und zwei Stäbe (die beiden Stäbe bezeichnen seine Doppelwürde als Propst von Herrenchiemsee und Dompropst des Bistums Chiemsee, s.S. 187ff.). Unter den Chorherren befindet sich sicher der für Umrathshausen und Frasdorf zuständige Niederaschauer Kooperator P. Patritius Moser, der 1760/61 auch Provisor in Niederaschau war. Auch auf dieser Seite ist ein Sockel mit einer Schale brennender Herzen dargestellt, auf dem das Doppelwappen von Herrenchiemsee und von Propst Martin Held angebracht ist, gekrönt von der Mitra und den beiden Stäben. Zwischen den beiden Stufenaufbauten, in der Mitte des Bildes, sieht man in einem schmalen Durchblick in der Ferne vor dem Hügelrücken des Samerbergs Frasdorf mit seiner Kirche (noch mit dem alten Sattelturm) liegen, auf das vom Gnadenbild aus ein Gnadenstrahl fällt. Hinter einer Balustrade links in der jäh aufragenden Säulenarchitektur ließ sich der Stifter der Ausmalung, der Braumeister Georg Paur, mit gefalteten Händen zum Gnadenbild aufblickend, darstellen. Am oberen Abschluß der Architektur führen einige Ornamente weiter, so als setze sich der obere Abschluß des Triumphbogens nach vorn fort. Doch werden diese Ansätze von eindringenden Wolken überdeckt, in denen Christus und Gottvater, von Engeln begleitet, erscheinen.

Außer dem Ocker in Schauplatz und Architektur und dem Rot der Säulen und Teppiche (Rot und Ocker treten auch in Gewändern auf) zeigt das Bild nur wenig Grün im Landschaftsausblick und Graublau in Gewändern; es ist in der Gesamtwirkung eher unbunt.

Die Inschrift in einer gemalten Kartusche am Chorbogen lautet ITE IN DOMUM / MATRIS VESTRAE (Geht in das Haus eurer Mutter). Die Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis, die das Bild der »Mutter der schönen Liebe« als Bru-

FRASDORF derschaftsbild hat, wurde 1711 in Wessobrunn gegründet und hatte um 1760 bereits um 600 000 Mitglieder. Sie war die größte bayerische Marienbruderschaft des 18. Jahrhunderts.

Langhausgewölbe mit A Bruderschaftsbild, 3–4 Tugenden (Joseph Anton Höttinger 1761)

1-4 TUGENDEN Sechs gemalte Kartuschen befinden sich an den Gewölbezwickeln um A. Die vier östlichen, 1-4 zeigen Personifikationen der Kardinaltugenden in Ganzfigur in Wolken. Über ihnen befindet sich jeweils ein Schriftband mit Inschrift (Zählung nach dem Wortlaut der Inschriften) Die Darstellungen beziehen sich auf die Art und Weise, in der die Bruderschaftsmitglieder leben sollen: In Glauben und Liebe, in Gerechtigkeit und Stärke. Inschriften IN FIDE (1) ET CHARITATE (2), IN IUSTITIA (3) ET FORTITUDINE (4).

B MARGARETA VOR OLIBRIUS

Auch im Chorfresko versucht Höttinger, mit kühnen untersichtigen Konstruktionen und jähen Verkürzungen einen Illusionsraum zu schaffen, doch verhindern die Unstimmigkeiten in der perspektivischen Konstruktion jede Illusionswirkung. Über dunklen Stufen, die in das Bild einführen, erhebt sich eine Quadersubstruktion mit vergittertem Kerkerfenster, die den Schauplatz der Handlung trägt, eine weite Halle mit Bogenöffnungen und Apsiden, in der rechts ein säulenflankierter Thronbau aufragt. Links steht die hl. Margareta ihrem Vater gegenüber, der ein heidnischer Priester war, und hat die Hände im Redegestus erhoben. Der Vater, in Mantel und Hut, weist mit der Rechten auf eine Götterstatue, die er im Arm hält. Dahinter erscheint ein Trupp Soldaten, deren erster Handfesseln für die Heilige herbeibringt. Auf dem Thronsessel, der auf teppichbelegten Stufen steht, sitzt unter einem Baldachin der heidnische Präfekt Olibrius, der Margareta zur Gattin begehrte und über ihre Weigerung erzürnt war, und weist mit seinem Stab auf sie. An das bevorstehende Martyrium der Heiligen wird durch die Marternstrumente (Geißel, Feuerkessel, Schwert, Haken), die im Vordergrund auf den Stufen dargestellt sind, erinnert: Margareta wurde auf die Weigerung hin, dem Olibrius anzugehören, zunächst mit Geißeln geschlagen, dann mit Haken gerissen, mit Fackel gebrannt und schließlich enthauptet (LA-Benz, S. 463-666; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 72 f.). Oben dringen Wolken in den Raum ein. Hier erscheint Christus wie herbeifliegend und bringt den Märtyrerkranz für Margareta. Er ist von Engeln begleitet, die sein Kreuz tragen.

Ocker und Ockergrau in Schauplatz und Wolken bestimmen zusammen mit dem reichlich verwendeten Purpur bis Rosa in Gewändern, Säulen und Teppichen die Farbigkeit. Das wenige Goldgelb und Blaugrau kommt nie zur Intensität einer Kontrastwirkung.

Am Ostrand des Deckenbildes die nicht originale Inschrift Hl. / Margaret / für uns bet!

a-d EMBLEME

An den Gewölbezwickeln im Chor befinden sich sechs gemalte Kartuschen. In den vier westlichen Kartuschen sind Embleme, die sich auf die Kirchenpatronin Margareta und ihr Verhalten im Leben und im Martyrium beziehen. Die Darstellungen in den beiden östlichen Kartuschen sind nicht erhalten.

a STABIT UT ANTE (Er wird stehen wie vorher)

Fels im Meer. Das Emblem bezieht sich auf die Standhaftigkeit der hl. Margareta in Versuchung und Martyrium. »Animum generosum, et ad omnes hostium assultus imperterritum, scopulus in mari eminens repraesentat« (Picinelli Lib. II, Nr. 637, s.v. scopulus, mit Lemma SEMPER IDEM).

b NEC PERDIT VIRES (Und er zerstört die Kräfte nicht)

Amboß, auf dem ein Diamant liegt; zwei Hämmer, die vor Händen gehalten werden, schlagen auf ihn ein. Der Diamant, den man am Amboß nicht zerschlagen kann, ist Bild für die Standhaftigkeit: »Adamas, nec flammis, nec malleis frangendus, epigraphen sustinet ... semper constans. Talem se generosus ac invictus hominis animus inter adversitates quasvis gravissimas probat« (Picinelli Lib. XII, Nr. 7, s.v. adamas).

c FRUSTRA BLANDITUR (Vergebens wird er umschmeichelt)

Odysseus mit einem Gefährten im Schiff. Ein zweiter Gefährte rudert. In den Wellen sind vier nackte Gestalten zu sehen, die Sirenen. Das Emblem bezieht sich auf die Standhaftigkeit Margaretas den Lockungen und Versprechungen des Präfekten Olibrius gegenüber. Bei Picinelli stehen die Sirener als Bild der Schmeichelei und damit der tödlichen Verlockung zur Sinnlichkeit (Lib. III, Nr. 135-38, s.v. siren, mit den Lemmata MORTEM DABIT IPSA VOLUPTAS; BLANDITIIS PERIMIT; CUM BLANDITUR, OCCIDIT).

d ALTA PETIT (Er sucht die Höhen)

Adler, der zur Sonne fliegt. Er ist ein häufig gebrauchtes Bild für die Liebe zu Gott.

d Adler

Quellen und Literatur

StAM, Herrschaft Hohenaschau, Kirchenrechnung aller in der Herrschaft Hohenaschau und Hofmark Söllhuben sich befindtenden Pfarr- und Filial Gotteshäuser pro anno 1761. AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 172: Exzerpte aus der Pfarrakten Frasdorf im AEM; Exzerpte aus dem Pfarrarchiv Frasdorf; und aus den Kirchenrechnungen. BLfD, Akt Frasdorf, Pfarrkirche St. Margareta.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 199–202

KDB I (OB) 5, S. 1590. Hans Steinberger, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 60–64.

Mayr, Georg, Chronik von Frasdorf und Umgebung, Frasdorf 1921.

Heichele, Otto, Kircheneinweihungen in Südostbayern, in: Der Inn-Salzachgau XIII, 1935, S. 14.

Linsenmann, J., Wiederentdeckte Fresken in der Pfarrkirche Frasdorf, in: Sonntagszeitung Rosenheim, 1938, Nr. 4.

Bomhard Bd 2, S. 257-67, 482-85, 526 f.

Osterhammer, Hildegard, Frasdorf. Geschichte der Pfarrei. Baugeschichte der Kirche (Kirchenführer), Frasdorf 1986. Dehio 1990, S. 295 f.

Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit, S. 56. Wörndl, Rupert, Kirchengeschichtliches aus dem Priental. Die Pfarreien Aschau und Sachrang (= Quellenband XIV), Aschau 2001. S. 155, 164–68, 438–41. A. B.