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Fürstenfeld, Ehem. Zisterzienserabtei Fürstenfeld, Sommersakristei

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 104–112, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Hamacher, Bärbel und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Sommersakristei, im Süden an den Chor grenzend

Zum Bauwerk: Die Sakristei entstand im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau zwischen 1699 und 1731 nach Plänen Giovanni Antonio Viscardis, ab 1716 unter der Leitung Johann Georg Ettenhofers (s. S. 58). Stuckierung Jakob Appiani zugeschrieben und um 1730 datiert (Vollmer).

Die Sakristei (rechteckiger Raum, Höhe 6,00 m; 14,30 × 8,00; Beleuchtung von O und S, Eingang von W; Plan s. S. 59) befindet sich im S des Chors. Die N-Seite der Sakristei ist durch einen Wandpfeiler in zwei kleine Nischen geteilt, in deren westlicher die Sakristeischränke untergebracht sind. In der östlichen Nische befindet sich der Zugang zum Chor im Altarbereich. Die Decke dieser Nische bildet so einen erweiterten Türsturz (Höhe 3,60 m; 1,30 × 4,60). An dieser kleinen Deckenfläche befindet sich ein Bild (S); ein zweites (SW) füllt den Schildbogen über dem Türsturz.

Auftraggeber: Abt Liebhard Kellerer von Fürstenfeld (1714-34)

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Jakob Appiani (* 22. Juni 1687 Porto Morcote/Ceresio † ebd. 14. Juni 1742) um 1730 (Vollmer, Kat. Fürstenfeld II, S. 256 f.)

Die mit Stuckreliefs kombinierten blauen Ton-in-Ton-Malereien stehen technisch und stilistisch in engem Zusammenhang mit den Darstellungen ED1-10 in den zehn Emporenräumen über den Langhauskapellen (S. 104-09). In ihrer gegenüber den Emporendarstellungen ED1-10 eher zaghaften Kombination von Malerei und Stuck muten sie wie Probestücke zu diesen an. Sie dürften in der Zeit vor der Vollendung des Langhauses 1731 entstanden sein. Die Vorliebe für szenische Stuckreliefs ist auch in der von Jakob Appiani stuckierten benachbarten Wallfahrtskirche in Puch (S. 223-38) zu beobachten, aber auch von den Brüdern Asam gibt es vergleichbare Darstellungen im Kuppelring von Weltenburg (NB, um 1720).

Befund

Träger der Deckenmalerei: S Flachdecke; SW Schildbogen Rahmen: Stuckprofil Technik: Freskomalerei, kombiniert mit Stuckrelief; monochrom blau Maße: S Höhe 3,60 m; 0,90 × 2,60 SW Bildansatz in Höhe von 3,60 m; 1,40 × 4,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Malereien wirken original. In S viele kleine Netzrisse. SW ist durch die starke Belichtung des gegenüberliegenden Südfensters sehr verblaßt (Fortsetzung S. 110 f.).

ED1-10 Die Zehn Gebote, Stuckbilder mit Malerei von Jacopo Appiani an den Decken der Emporenumgänge
ED1 Erstes Gebot

ED1 ERSTES GEBOT »Ich bin der Herr, dein Gott. D sollst keine fremden Götter neben mir haben«. Josue, als Feldherr gekleidet, und Moses, der die Gesetzestafeln erzürnt zu Boden wirft, sehen die Götzenverehrung der Israeliten, die ums Goldene Kalb tanzen (Ex 32,17–20).

ED2 ZWEITES GEBOT »Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren«. Steinigung des Sabbathändlers vor Moses und Aaron (Num 15,32–37).

ED3 DRITTES GEBOT »Gedenke, daß du den Sabbat heiligest«. Die Bundeslade, die Gesetzestafeln, die Schaubrote, das Schofar und der siebenarmige Leuchter (Ex 25) und der Rauchaltar (Ex 30).

ED4 VIERTES GEBOT »Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden«. Die Stelle aus der Geschichte des Tobias, der seinen blinden Vater mit der Fischgalle heilt, steht für Elternliebe (Tob 10). Rechts der Erzengel Raphael, der Begleiter des jungen Tobias, links die Mutter mit dem vorausgeeilten Hündchen.

ED5 FÜNFTES GEBOT
ED6 SECHSTES GEBOT

ED5 FÜNFTES GEBOT »Du sollst nicht töten«. Kain tötet Abel (Gen 4). Links der Altar Abels mit dem Lamm, von dem der Rauch aufsteigt, links der Altar Kains mit den Feldfrüchten, dessen Rauch schwer am Boden liegt.

ED6 SECHSTES GEBOT »Du sollst nicht Unkeuschheit treiben«. Potiphars Weib versucht Joseph zu verführen (Gen 39,7–13).

ED9 Neuntes Gebot
ED10 Zehntes Gebot

ED9 NEUNTES GEBOT »Du sollst nicht begehren deine Nächsten Weib«. »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib«. David begehrt die Frau des Urias, die er im Bad erblickt (2 Sam 11,2–5).

ED10 ZEHNTES GEBOT »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut«. »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut«. Achab begehrt den Weingarten Nabots, den er sich unrechtmäßig aneignet (3 Reg 21).

Sommersakristei: S Die Liebe zu Gott befreit die Seele aus dem Fegfeuer, Fresko über dem Zugang zum Chor
SW Memento Mei – Die Seele hofft auf Erlösung, Fresko an der Schildwand

Beschreibung und Ikonographie

Die beiden Bildfelder zeigen emblemähnliche Darstellungen, bei denen jeweils das Herz Gegenstand des Emblems ist. (Die Herz-Ikonographie Abt Liebhard Kellerers wird in Puch, S. 223–38, ausführlich behandelt.)

S Laqueu[s] contritus est (die Fessel ist zerrissen). Bildschauplatz ist eine weite ebene Landschaft mit mehreren Gruppen von Laubbäumen, die seitlich an den Bildrändern leicht in Stuckrelief übergehen. Rechts steigen vom Erdboden Flammen auf, die sich zur Bildtiefe hin in Rauchwolken fortsetzen. Aus ihnen erhebt sich, eine Kette unter sich lassend, ein geflügeltes, flammendes Herz (Stuckrelief), um das ein Schriftband mit dem Lemma flattert. - Das Emblem bezieht sich auf die Erlösung der Seele aus dem Fegfeuer; ihre Schuld würde sie dort festhalten (Kette), aber die Liebe zu Gott (flammendes Herz), die sie zu Lebzeiten gezeigt hat, läßt sie von der Sündenschuld frei werden. Abt Liebhard Kellerer drückt damit seine Erlösungshoffnung aus, gestützt auf die Bibelstelle »Remittuntur ei peccata multa, quoniam dilexit multum« (Lc 7,47).

SW MEMENTO MEI (Sei meiner eingedenk). Der Bildschauplatz ist wie in S eine ganz ähnliche weite flache Landschaft, in der Laubbäume gruppiert sind. (In der Wallfahrtskirche Puch befindet sich an der Unterseite der Orgelempore eine ähnliche Landschaft in Relief mit der Darstellung des Paradieses.) Im rechten und im linken Bildteil ist je eine Anhäufung von Steinen (aus Stuck) in der Art von Opferaltären zu sehen: Auf dem rechten liegen Totenkopf und Knochen, darüber stehen die Worte MEMENTO MEI, auf dem linken ein Herz mit vasenförmiger Öffnung, aus der Rauch zum Himmel steigt und das von Gnadenstrahlen aus dem Himmel getroffen wird.

Das Bild ist ähnlich zu deuten wie Fresko S. In Anspielung an die Opferaltäre von Kain und Abel, wo das Opfer des einen von Gott angenommen, das des anderen verschmäht wird, soll dieses Bild sagen, daß zwar der Gott liebende Mensch sich des ewigen Heils sicher sein kann, daß aber nach der Erlösungstat Christi auch der Mensch, der schuldbeladen ist und die vollkommene Liebe zu Gott nicht erreicht, sich vertrauensvoll der Gnade Gottes anheimgeben kann (memento mei).

Quellen und Literatur

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Kat. Fürstenfeld 1988, Bd II (Aufsätze)

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A. B./B. H./H.W.