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Eschlbach, Pfarrkirche Mariä Geburt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 104–106, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ESCHLBACH

Pfarrkirche (Pfarrverband Bockhorn), Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Eschlbach mit den Filialen Oppolding und Hörgersdorf dem Kollegiatstift St. Johann auf dem Domberg in Freising inkorporiert. Gericht Erding

Patrozinium: Maria Gebur

Zum Bauwerk: 1679/80 durchgreifende Reparatur der baufälligen mittelalterlichen Kirche. Die beiden LHs-Mauern wurden abgetragen, der Chorbogen höher ausgebrochen, der Chor erhöht, das LHs verbreitert und eingewölbt. Baumeister war Hans Kogler von Erding (Turmbau 1719/20). Um 1765 Rokokodekoration und -ausstattung, der Stuck wird dem Dorfener Stuckator Johann Anton Bader zugeschrieben, Altäre von dem Dorfener Kistler Matthias Fackler.

LHs zu drei Jochen, Empore im W. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung mit geschwungenen Gebälkstücken, Belichtung durch zwei Fenster von N und eines von S. Das Fresko befindet sich im AR.

Auftraggeber: Ludwig Maximilian Dapsul von Rosenobles Pfarrvikar von Eschlbach (1745–87). Die berühmten Rokoko-

ausstattungen der drei Kirchen der Pfarrei Eschlbach sind der Bemühungen von Ludwig Max Dapsul zu danken, der 42 Jahre lang Pfarrvikar von Eschlbach war und in seinem Testament schreibt, er habe »jederzeit die Beförderung der Ehr Gottes und seiner geheiligten Wohnstetten gesuchet, aber ley der nit allzeit bewerkstelligen können«. Dapsul wurde 1716 als Sohn des Altfraunhofer Herrschaftspflegers Joseph Max Dapsul geboren, studierte in Salzburg, war Lizentiat beider Recht und Priester seit 1740. 1743 wurde er Pfarrer in Altfraunhofen, 1745 in Eschlbach. Er starb 71jährig am 18.11.1787 (Erinnerungstafel an der südlichen LHs-Wand).

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Johann Nikolaus Miller (* um 1708 † 1781 Erding; s. S. 245) um 1765

Das Deckenbild ist nicht datiert. Es dürfte im Zusammenhang mit der Altarausstattung um 1765 entstanden sein. Zuweisung an Miller erstmals durch Gerhard Koschade, Erding (mündl. Mitteilung). Die Zuweisung ist überzeugend. Verglichen mit dem signierten und 1766 datierten Fresko in Walpertskirchen (s. S. 312) zeigen sich viele Übereinstimmungen motivischer Art. Beim Vergleich mit den Fresken von Oberneuching (1765, s.S. 245) sind deutliche Übereinstimmungen bei der Figuren Christi, Mariens und der Putten. Vor allem aber wird ein typisches Detail von Eschlbach sowohl in Oberneuching als auch in Walpertskirchen wiederholt: die Puttenreihe unter dem Wolkenstreifen.

A Maria als Fürbitterin

Zeichnung

Maria als Fürbitterin, Feder in Braun, grau laviert, mit Blei quadriert, 31,2×26,5 cm, SGS Mü, Inv. Nr. 30433. Der Entwurf ist rechteckig, das Format stimmt also mit der Ausführung nicht überein, die Komposition aber bis ins Detail. Die Zeichnung kann als Entwurf für Eschlbach identifiziert werden.

Mit dieser Zeichnung hängt eine zweite (ebenfalls nicht datiert und signiert) stilistisch und in der Ausführung eng zusammen: Triumph des Kreuzes und der Arma Christi, Feder in Braun, grau laviert, mit Blei quadriert, 42,3×32,1 cm, SGS Mü, Inv. Nr. 30432. Möglicherweise war ursprünglich auch die Freskierung des Langhauses geplant (s. u.).

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR Wölbung, im O abgemuldet Rahmen: Stuckprofil mit Rocaillen in den Gelenken der C- Bögen und übergreifenden Rocaille-Kartuschen in der Querachse

Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 6,65 m; 4,50×3,35

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrenovierung 1859. Innenrestaurierung 1911 durch den Erdinger Maler Martin Irl: »Die jetzt in viel zu stark farbigen Tönen gehaltene Tünche an Gewölben und Wänden der Kirche wird abgewaschen ... das Gewölbe wird rein weiß, die Wände etwas gebrochen weiß mit Kalkmilch getüncht. Die Stuckornamente werden ausgebessert mit hellem Ocker ... und wo notwendig das Gold erneuert ... Das Deckengemälde wird mit Brod geputzt und der rote Einfaßstrich an der Innenseite des Rahmens entfernt. Die Blumen-Stukaturen und Engelsköpfe werden bunt gefaßt« (StAM, LRA). Nächste Restaurierung mit Reinigung des Deckenbildes 1961 durch Johann Eder, Vaterstetten unter der Leitung von Christian Seibold, Freising. 1986 wurden gegen die Rißbildung im Gewölbe, die den Stuck am Chorbogen gefährdete, provisorische Zugstangen eingezogen. 1994 Befunduntersuchungen durch die Fa. Erwin Wiegerling, Bad Tölz, Restaurierung der Raumschale durch Fa. Wiegerling, des Deckenbildes durch Stefan Hundbiß in Vorbereitung

Beschreibung und Ikonographie

MARIA ALS FÜRBITTERIN Über einer großen grauen Weltkugel, die von unten ins Bild ragt, fliegen Putten zu Maria auf, die auf einer Wolke rechts kniet. Über ihr erscheint, auf Wolken thronend, die Gestalt Christi, von Engeln umgeben, deren einer das Kreuz hält. Am oberen Bildrand zieht sich ein

GEISLBACH

Wolkenstreifen quer über das Bild, unter dem in langer Reihe Puttenköpfchen hervorlugen.

Das Bild illustriert die Bitten der Menschen (Weltkugel), die durch die Vermittlung Mariens von Christus gewährt werden: die Engel tragen Blätter nach oben zu Maria, auf denen die Bitten der Menschen stehen: Von allem / ybel.; Von deinem / Zorn; Vom gächen / Todt.; Von allem / schaur; Vom Ewigen / Todt. Maria reicht ein Blatt mit der Inschrift erlöse sie / o Herr nach oben zu Christus, der vor sich bereits ein Bittblatt liegen hat Von aller / Sündt.

Die Bitten sind Teil der Allerheiligen-Litanei, die an den drei Bitt-Tagen (Wochentage vor Christi Himmelfahrt) zu den üblichen Bittprozessionen gesungen wurde: »Ab omni malo; Ab omni peccatu; Ab ira tua; A subitanea et improvisa morte; A fulgure et tempestate; A morte perpetua.« Maria tritt im Bild als Mittlerin auf, die sich den Bitten der Menschen »libera nos, Domine« anschließt: Christus schreibt auf das Bittblatt, das ihm der Engel vorhält, die Gewährung der Bitten FIAT.

Eine weitere Bekräftigung, daß die Bitten Erhörung finden werden, bringt die Inschrift auf der Weltkugel sic deprecatus / exaudietur / Eccli 33. (Eccli 33,4).

Der Hochaltar in Eschlbach war der Unbefleckten Empfängnis geweiht, als Seitenaltäre nennt Schmidt 1738/40 »altare Christi crucifixi« und »altare Resurrectionis Domini«. Bei der Neuanfertigung der Seitenaltäre bekam der rechte als Altarblatt eine Darstellung des Auferstandenen, der linke in Abwandlung des eigentlichen Patroziniums eine Darstellung von Christus am Olberg. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Entwurf Millers für ein Deckenbild mit der Darstellung vom Triumph des Kreuzes (s.o.) ursprünglich für das Langhaus gedacht war, wo sich dann der Bedeutungsbogen Leiden Christi – Auferstehung – Glorie des Kreuzes als Erlösungsinstrument ergeben hätte. Vielleicht bezieht sich die Klage Dapsuls, er habe die Verschönerung seiner Kirchen »leyder nit allzeit bewerkstelligen können« auch auf diesen Vorgang, denn das Langhaus blieb außer einigen Stuckmotiven undekoriert.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 147647: Restaurierung 1911. StAL, Kirchenrechnungen Gericht Erding, passim. StAL, Regierung Landshut A 4075: Seitenaltäre 1759. AEM, Pfarrakten Eschlbach: 177 0001 01, Pfarrbeschreibung; 177 2002 09 und 177 2002 10, zu Ludwig Max Dapsul, mit Testament und Inventar; 177 3002 01, Pfarrkirchenbau 1679; 177 3002 02, Pfarrkirche 1875–1920. BLfD, Akt Eschlbach, Pfarrkirche Mariä Geburt.

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 550–53. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 371–74. KDB I OB, S. 241. Seisenberger, Sebastian, Eschlbach. Gemeinde und Pfarrei, Erding 1938. Landkreis Erding 1963, S. 244. Blatner, Josef, Barock und Rokoko, in: Landkreis Erding 1963,

5.130-30, 5.1401. Niedermeier, Valentin und Bernhard Schütz, Hörgersdorf, Eschlbach, Oppolding (= KKF Nr. 934), München und Zürich 1006

Bekh, Johannes, Dapsul von Rosenobel – und seine Kirchen. Nachforschungen im Erdinger Holzland, in: Erdinger Neueste Nachrichten, 27. 8.-10. 9. 1979.

-, Dapsul von Rosenobel, in: Tassilonisches Land. Bilder aus Bayern und Österreich, Pfaffenhofen 21988, S. 59–88. Landkreis Erding 1985, S. 323 f.