Zum Inhalt springen

Eitting, Pfarrkirche St. Georg

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 99–103, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, von Langenpreising aus betreut, Gemeinde Eitting, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war Eitting Hofmark im Besitz der Fürstbischöfe von Freising, die das freie Besetzungsrecht auf die Pfarrei hatten. An der Kirche bestand eine Skapulier-Bruderschaft, 1682 konfirmiert. Gericht Erding

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Konsens zum Neubau des LHs am 10.4. 1690 (AEM). Die gotischen Mauern wurden beibehalten, ebenso der gotische AR. Baumeister war Hans Kogler, auf den wohl auch die Stuckierung des LHs in der Miesbacher Tradition zurückgeht. Konsens zum Neubau des baufälligen Chors am 15.9. 1717, Bau 1718 durch Anton Kogler aus Erding, Zimmermeister Georg Diemer aus Bergarn. »Nicolas Liechten

Das Chorgewölbe mit Fresko A Putten mit Attributen des hl. Georg, seitlichen Inschriftkartuschen und der Chorbogenkartusch

Furttner, Burger, und Stuckateurer in Freysing, hat den neuerpauthen Chor ausgestuckt, welcher durch Guetthetter bezahlt worden« (BHStA, HL 3).

LHs zu vier Achsen, Pilastergliederung, Stichkappentonne mit einfach ornamentierter Stuckfelderung aus der Erbauungszeit. AR zu zwei Jochen mit halbrundem Schluß, Pilastergliederung, umlaufendes verkröpftes Gesims. Im N Oratorien mit stuckierten Brüstungen und Giebelkartuschen. Belichtung durch drei Fenster von S und eines von N. Die Fresken befinden sich im AR.

Auftraggeber: Martin Aigner, Pfarrer von Eitting (1689–1722) und Kammerer des Landkapitels Erding, ein großer Wohltäter der Kirche und vor allem der Skapulier-Bruderschaft. Er ließ auf eigene Kosten 1709 die Bruderschaftskapelle erweitern, er bezahlte 1721 alle Bildhauer- und Malerkosten des

neuen Hochaltars und er trug einen Großteil der Kosten beim Neubau des Chors. Dieser kostete die Kirche nur 403 fl., und es »ist zu wissen, daß den Pau Herr Cammerer gefiehrt, und disen neben andern Guetthettern ohne weitere Aufrechnung des Gottshaus bestritten ...«. Aigner starb am 18.4.1722 (Epitaph an der Chorbogenwand). Sein Vermögen hinterließ er der Skapulier-Bruderschaft.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Albert Aiglstorffer (* um 1675 Wartenberg † 1741 Wartenberg; s. S. 238) 1718. Das Datum befindet sich in zwei Kartuschen in den östlichen AR-Stichkappen MDCC / XVIII.

Die Zuweisung der Freskierung an Aiglstorffer (Brenninger 1982, S. 107) ist überzeugend und wurde nie bestritten. Während in Eitting für Malerarbeiten sonst, sowohl vor als nach 1718, der Erdinger Maler Peter Paul Hämerl beschäftigt wurde, gelang es dem Wartenberger Aiglstorffer 1715, von Pfarrer Aigner den Auftrag für die Fassung des neuen Heiligen Grabs zu bekommen (30 fl.) und schließlich 1718 den zur Freskierung. Mehrere der in Eitting vorkommenden lateinischen Inschriften und Embleme kommen später auch in andern Ausmalungen Aiglstorffers vor.

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR (A und B) Stichkappentonne, Jochteilung durch Gurte; Wa-d sind über dem Gebälk an den Schildwänden der beiden AR-Joche, W1-2 an den Schildwänden zu Beginn der Rundung des Chorschlusses angebracht.

Rahmen: A und B kräftig profilierte Stuckleisten in abgewandelter Vierpaßform, mit stuckierten Schriftbändern, die den Rahmen begleiten; Wa-d, W1-2 dreipaßförmige Bildfelder mit Stuckprofilleisten und Palmblatt-Ornamenten als Rahmen, die darüberliegenden Medaillons akantusgerahmt. Technik: Fresko; polychrom.

Maße: A Höhe 10,50 m; 2,45×2,45

B Höhe 10,50 m; 2,45×2,45

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung der barocken Dekoration im AR 1889 nach Plänen des »Kunstanstaltsbesitzers Rietzler« in München durch Kunstmaler Adal-

bert Kromer von Freising. Die Raumschale wurde damals im Stil der Zeit gefaßt, die Fresken wurden übertüncht. Neufassung des Raums nach Baureparaturen 1907 durch Martin Irl, Erding, wobei im Wesentlichen der Zustand von 1889 erhalten blieb. Nächste Restaurierung 1961: Neufassen der Raumschale, Restaurieren des Stucks. Unter den Bildern von 1889 wurden die barocken Fresken aufgedeckt und von Christian Seibold, Freising, restauriert. Gewölbesanierung 1987 mit Einbau von Zugstangen im LHs. 1988 Neufassung der Raumschale im Chor nach dem Befund von 1718 mit weißem Stuck auf gelbem, rosafarbenen und blauem Grund durch Harald Richter, Regensburg; Restaurierung der Deckenbilder durch Reiner Neugebauer, Prien.

Beschreibung und Ikonographie

Die LHs-Decke ist nicht freskiert. Am Chorbogen eine Stuckkartusche (Liechtenfurtner 1718), darüber eine Krone, in ihr ein Lorbeerkranz mit zwei Palmzweigen. Zwei stuckierte Engel flankieren sie und halten ein Schriftband mit der Inschrift »NON CORONABITUR NISI LEGITIME CERTAVERIT« (2 Tim 2,5).

A PUTTEN MIT ATTRIBUTEN DES HL. GEORG Putten in Wolken, die Fahne, Schwert und Kranz halten. Zwei von ihnen töten mit einem langen Speer einen Drachen, der über dem unteren Bildrand dargestellt ist.

W. Betende Hände
W2 Kirche von Eitting

In einer kleinen Stuckkartusche, die im O an den Bildrahmen anschließt, ist die Inschrift GEORGI/VS. Um den Bildrahmen ist ein stuckiertes Schriftband geführt EccleSiae / Defen- Sor / Sub Christi / Vexillo.

B ST. GEORG IN DER GLORIE In Wolken ist der Heilige dargestellt, in römischer Kriegertracht, einen weiten roten Mantel um die Schultern. In der Linken hält er einen Palmzweig, das Zeichen seines Martyriums. St. Georg blickt zum Himmel, wo über ihm eine strahlende Glorie zu sehen ist. Inschriftband um den Rahmen Veni Dilecte Mi, Vt / Mecum Epuleris in Con/Vivio Meo, qd autem ... (Rest zerstört).

W1-2 ST. GEORG ALS PATRON An den Schildbogen der Stichkappen im Ansatz des Chorschlusses beziehen sich zwei Darstellungen auf das Hauptbild B. Inschriften in Medaillons an den darüberliegenden Stichkappen.

W1 IN/VOCA ME / IN DIE / TRIBULATIONIS / ERI- PIAM / TE (Ps 49,15. Ruf mich an in der Not, so werde ich dich erretten). Zwei bittend gefaltete Hände; in Wolken erscheint, von Strahlen umgeben, der Name S. GEORGI/VS. Dieses Bild fordert die Gläubigen auf, in jeder Not den Kirchenpatron anzurufen.

W1 IN / HAC AEDE / VIRESCIT (In diesem Haus grünt er) Kirche von Eitting, darüber ein Lorbeerkranz und ein Palmzweig. W2 führt den Gedanken von W1 fort: Die Bitte um Hilfe wird nicht vergebens sein, denn in dieser Kirche (von Eitting) ist der Patron St. Georg gegenwärtig.

Wa-d EMBLEME Kartuschen an den Schildbögen der zwei AR-Joche, Lemma bzw. Überschrift jeweils in einem ovalen Medaillon in der Stichkappe darüber.

Wa VIR / MAGNVS / CORAM / OMNI PO/PULO (Ein großer Mann vor allem Volk). Pyramidenförmiger Obelisk, dessen Spitze in die Wolken ragt; dort erscheint im Strahlenkranz der Name S./ GEORGI/VS. Wie die Pyramide von allen Seiten von der Sonne beleuchtet wird, so auch der Heilige vom Glanz des Ruhms (s. dazu Picinelli, Lib. XVI, Nr. 139 141, s. v. pyramis. obeliscus).

Wb NE / LAEDA/RIS (Damit du nicht verletzt werdest). Mehrere kleine, brennende Herzen liegen gedrängt unter einem Schild mit der Inschrift S. GEORGI/VS. Am Himmel ein Unwetter. Der Schild ist Symbol für den Schutz, den der Patron den Menschen in Eitting gewährt (Picinelli, Lib. XXII, Nr. 134, s. v. scutum).

Wc PERIMIT / ET / TUETUR (Vernichtet und schützt). Fester Turm mit angrenzender Wehrmauer. Vor dem Turm erscheint ein Drache. Eine Hand geht vom Turm aus, die mit einem Schild (Aufschrift S./ GEOR/GI/VS.) den Drachen abwehrt. Wie der hl. Georg den Drachen getötet hat, so schützt er auch das ihm anvertraute Dorf Eitting vor dem bösen Feind.

Wd STAT / FIRMA / TAMEN (Steht trotzdem fest). Pyramide, auf die Winde blasen. Die Pyramide hält auch den heftigsten Stürmen Stand und ist damit Bild des Menschen, der dem wechselnden Geschick standhält (Picinelli, Lib. XVI, Nr. 148, s. v. pyramis. obeliscus), hier angewandt auf die Standhaftigkeit des hl. Georg im Martyrium (ähnlich Burgharting, S. 75 f.).

Quellen und Literatur

BHStA, HL 3, Fasz. 497 und 498: Kirchenrechnungen der in den Freisingischen Hofmarken Zolling, Eitting, Ober- und Niederhummel, Burg- und Wippenhausen, wie auch Märzling gelegenen Gottshäusern. Anno 1692-1700, 1702-03, 1705-22 StAM, LRA 147598: Restaurierung 1888/89, 1907.

AEM, Pfarrakten Eitting, 167 0001 01: Pfarrbeschreibung; 167 200205: Verlassenschaft Martin Aigners; 167 4001 01: Altäre Ablässe, Kirchenweihe; 167 3002 01: Baufälle 1882–1927.

BLfD, Akt Eitting, Pfarrkirche St. Martin. Wening, Rentamt Landshut, 1723, S. 11. Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 544–46. Mayer-Westermayer, Bd, S. 368. KDRIOR(2) $ 1218f

Hartig, Michael, Die in den Jahren 1661-1710 genehmigten und vollzogenen Kirchenbauten des Bistums Freising, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 6, S. 286–94, Nr. 53. Landkreis Erding 1963, S. 241.

Kemp, S. 187f.

Brenninger 1982, S. 107

Landkreis Erding 1985, S. 329 f.

Dehio 1990, S. 243.

Historischer Atlas I, Bd 58, Erding (Susanne Margarethe Herleth-Krentz), 1997, S. 170f.

Niedermayr, Hans, Eitting. Geschichte einer Landgemeinde, Eitting 1998, Die neue Pfarrkirche S. 54–60. A. B.