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Ellmosen, Filialkirche St. Margareta

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 124–130, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ELLMOSEN

Filialkirche, Pfarrei Maria Himmelfahrt Bad Aibling, Stadt Bad Aibling, Erzdiözese München und Freising. Ellmosen war einst Pfarrkirche: »Dicitur fuisse aliquando ecclesia parochialis ... « (Schmidt, S. 9); der Pfarrsitz wurde angeblich 1484 nach Aibling verlegt. Seit 1732 bestand an der Kirche eine Isidor-Bruderschaft, Gericht Aibling

Patrozinium: St. Margareta

Zum Bauwerk: Tuffquaderbau wohl noch aus dem 14. Jh (Nadler/Hildebrandt), der Turm ist noch älter. Instandsetzungen und Erneuerungen im 17. Jh.: Dachreparatur und neuer Hochaltar 1668. Neues Gestühl, neue Kanzel 1671 von dem Aiblinger Kistler Hans Berberich. Empore 1673 von Hans Kürmayr, Zimmermeister aus Högling. Barockisierung des Baus 1677 mit Vergrößerung und Systematisierung der Fenster in der typischen Zweipaß-Form (sog. Krumper-Fenster) durch den Aiblinger Maurermeister Simon Mayr. Ab 1715 Vorbereitungen zu einem neuen Hochaltar, der 1721 von Johann Blasius Vicelli gefaßt wurde. Neuer Dachstuhl 1732 (mit Maurerarbeit 500 fl.), neue Seitenaltäre 1734 (Kistler Joseph Haimbetsreiter, Bildhauer Anton Niggl, Faßmaler Johann Blasius Vicelli, alle Aibling). »Ecclesia haec firmae ex quadro structurae« (Schmidt). 1788/90 Baureparatur durch Johann Recheis, Maurermeister von Aibling, dabei Abschlagen der z. T. schon abgefallenen Gewölberippen. Neuer Hochaltar vom Aiblinger Bildhauer Joseph Götsch und dem Kistler Christoph Köglsperger; von Götsch ist auch die sehr hübsche Rokokokanzel. Innendekoration 1790 mit Neugestaltung der Wandglieder und des Gewölbes, anschließend neues Pflaster. Inschrift am Chorbogen MDCCLXXXX. Neues Gestühl

1819, Sakristeibau 1826/27, Neubau der zwei Emporen 1844. Langhaus zu vier Jochen, Gliederung durch Wandpfeiler mit vorgelegten Pilastern, tiefe Doppelempore im W, Belichtung durch drei Fenster von N und vier (davon ein kleines Fenster im Emporenbereich) von S. Kaum eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung, gleichmäßige Belichtung durch zwei Fenster von S und zwei in der Schlußschrägen.

Auftraggeber: Pfarrer von Aibling zur Ausmalungszeit war Franz Joseph Isinger (1766–94), doch scheint sich besonders der für Ellmosen zuständige langjährige Kooperator Johann Nepomuk Hegerle um die Neugestaltung 1790 verdient gemacht zu haben. In einer von ihm verfaßten Übersicht über die Pflichten eines Kooperators in Ellmosen (AEM) schrieb er 1820: »Übrigens war die Kirche Elmosen ihres Alters wegen fast kein Tempel der Andacht mehr, und sie mußte einer Veränderung unterliegen. Das, was sie seit meinem Hiersein wurde, mag die Gemeinde sagen ...«. Es ließen »einige Gut thäter in diesem Filial Gottshaus das Gewölb mit einem Fresco Gemählde versechen, den Choraltar daselbst mit feinen Gold und Marmor fassen, die Emporkirche hingegen mit Zwischgold vergolden und die Aposteln als ein Gemälde hinaufmallen« (GL Aibling).

Autor und Entstehungszeit: Johann Baptist Böham (* 1752 Westerndorf bei Zinneberg/Glonn † 1838 Aibling) 1790. Signatur in D J. Beham Pinx. 1790.

Johann Baptist Böham war seit 1785 Bürger und Maler in Aibling. 1784 hatte er an Nebenfresken in Wall gearbeitet, wo Julian Breymeyer aus Holzkirchen 1755 einen Margareta-Altar

Der Kirchenraum

Zyklus freskiert hatte. Böham wiederholt in B (Margareta in Kerker) die Komposition gleichen Themas von Breymeyer in Wall (s. CBD Bd 2, S. 606). Böham faßte in Ellmosen den neuen Hochaltar und 1827/28 die Seitenaltäre neu (1832 Renovierung einer Auferstehungsfigur durch Balthasar Böham). Von Johann Baptist Böham stammt auch die Folge der Emporenbrüstungsbilder EB1-8.

D Enthauptung der hl. Margareta, c-d Embleme (Johann Baptist Böham 1790)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A-C) und AR (D) leicht spitzbogige Tonne mit Stichkappen; die Nebenbilder a-d und 1–4 liegen an den Gewölbezwickeln

Rahmen: A, B und D gemalter Profilrahmen mit umgebenden gemalten Rocailleornamenten; C ohne Rahmung; a-d und 1-4 gemalte Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; A, B, C und D polychrom, a-d und 1-4 monochrom ocker

Maße: A Höhe 8,65 m; 3,40 × 3,30

B Höhe 8,65 m; 4,00 × 3,50

C Höhe 8,65 m; Ø 2,20

D Höhe 8,50 m; 3,50 × 3,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1853 Tünchung des Raums durch den Aiblinger Maurermeister Johann Feichtinger. 1870 bemalte Joseph Osendorfer die Seitenwände im Chor mit rotem Ölfarben-Tapetenmuster. 1894/96 Gesamtrenovierung mit Anbringen bunter Fenster, Reinigung der Altäre und Übermalung der Deckenbilder durch Joseph Osendorfer, Bad Aibling. 1920 war eine Innenrestaurierung geplant: »Die gute Raumwirkung ist durch die derzeitige geschmacklose Leimfarb-Ausmalung, die gänzlich dilettantisch durchgeführte Übermalung der Deckenbilder, durch die schlechte Fassung der Altäre und Figuren stark beeinträchtigt und entwertet« (Gutachten BLfD 4.8.1920). Zur Innenrestaurierung kam es erst 1940 durch die Aiblinger Maler Georg Hilz (Raumfassung) und Sepp Hilz (Restaurierung der Fresken). Der Leimfarbenanstrich des 19. Jh. wurde entfernt und der Raum kalkweiß gefaßt; am Gewölbe wurde ornamentale Malerei und die Bilder a-d und 1-4 freigelegt, konserviert und ergänzt. Die Hauptfresken wurden von Übermalungen befreit und restauriert. Die Bilder an der oberen Empore wurden neu gemalt. Neufassung der Altäre, wobei man sich an der ursprünglichen Fassung orientierte.

Letzte Innenrestaurierung 2002. Veränderungen der barocken Ausmalung durch Hilz 1940 wurden festgestellt: »Dem Augenschein zufolge gehen auf die Restaurierungsphase von 1940 auch die jetzt vorhandenen Ornamentmalereien zurück« (Gutachten BLfD 13.11.1998). Die Befunduntersuchung durch Wolfgang Lauber ergab, daß die Ergebnisse der Restaurierung 1940 »nicht umkehrbar sind ... So hat man einerseits spätbarock-klassizistische Fassungen und Malereien freigelegt, andererseits hat man die Ergebnisse der späthistoristischen Ausmalung von 1890 belassen und in das >Konzept 1939 integriert «. Da der originale Zustand nicht mehr rekonstruierbar war, entschloß man sich, die Fassung von 1940 zu restaurieren, ohne die Übermalungen von 1890 und 1940 abzunehmen. Reinigen der Deckenbilder, Sichern pudernder Stellen, Retuschieren von Fehlstellen durch Wolfgang Lauber, Bad Endorf. Restaurierung der Raumfassung durch die Kirchenmalerfirma Enzinger, Oberteisendorf: die Wandflächen sind weiß, die Pilaster hellgrün; Gewölbe und Stichkappen sind hellgrün, gelb und weiß abgesetzt.

Beschreibung und Ikonographie

A MARGARETA UND OLIBRIUS Ansicht nach W. Das Fresko ist zum großen Teil von der Orgel auf der oberen Empore verdeckt. Margareta ist als Hirtin gekleidet, sie sitzt unter einem Baum in weiter Landschaft und hütet Schafe. Von rechts naht sich ihr ein Reiter in höfischer Tracht mit seinem Begleiter. »Als sie fünfzehn Jahre alt war, geschah es eines Tages, da sie mit anderen Jungfrauen die Schafe ihrer Amme hütete, daß der Präfekt Olibrius daselbst vorüberzog; und da er die schöne Jungfrau erblickte, entbrannte er alsbald in Liebe zu ihr« (LA-Benz, S. 463). Die Szene der Begegnung ist in naiver ländlicher Manier dargestellt, buntfarbig und kleinfigurig. Der Horizont mit einer hochragenden Burg rechts und den Bergen im Hintergrund verläuft waagrecht.

A Margareta vor Olibrius

a-b EMBLEME Dem Fresko A sind zwei Kartuschenbilder zugeordnet, die sich motivisch auf das Hauptbild beziehen. Sie haben je zwei Inschriften, einen Vers als Unterschrift und eine Bibelstelle als Überschrift in einem Schriftband, das oben über die Kartusche gelegt ist. Inwieweit die originale Substanz der Bilder bei der Restaurierung 1940 noch erhalten werden konnte und inwieweit sie und die Inschriften neu gemalt sind, ist nicht mehr zu klären. Die Art der Bibelzitate spricht für eine Erneuerung, die Form der Schrift aber eher dafür, daß den Inschriften der originale Bestand noch zugrunde liegt. Das gilt auch für die übrigen Kartuschenbilder.

a Links weiße Schafe auf einer Weide; von rechts kommen mehrere dunklere Schafe (Wölfe im Schafspelz) herbei. Überschrift: Inwendig sind sie reißende Wölf Mt.7.15. Unterschrift: Die Wölf, die sich im Schafspelz kleiden,/ Werden die erwürgen die sie nicht meiden.

b Hirte inmitten einer Schafherde. Überschrift: Meine Schaf hören meine Stimm Und folgen mir nach. Io. 10.27. Unterschrift: Die Schaf müssen beysammen bleiben, / Sons kann der Hirte sie nicht weiden!

B MARGARETA IM KERKER Bildschauplatz ist ein gewaltiges Quadergewölbe mit Pfeilen und Bögen, in perspektivischer Verkürzung mit stürzenden Linien. Margareta ist mit Ketten an einen Pfeiler gefesselt; zu ihren Füßen liegt ebenfalls an einer Kette eine gewaltig große Steinkugel. Von rechts naht sich ein riesiger feuerspeiender Drache, dem die Heilige ein Kreuz entgegenhält. Aus der Höhe des Gewölbes fällt ein Lichtstrahl auf sie.

Nach Margaretas Weigerung, den Präfekten Olibrius zu heiraten, ließ dieser sie ins Gefängnis werfen: »... das ward alsbald von einem wunderbaren Glanz erleuchtet. Als sie nun daselbs war, bat sie den Herrn, daß er ihr den Feind sichtbarlich zeige der wider sie streite. Und siehe, es erschien ein ungeheure Drache; als der sich auf sie stürzte und sie wollte verschlingen machte sie das Kreuzeszeichen, und er verschwand« (LA-Benz, S. 464).

Das Himelreich gleicht dem Manne der juden Gomen auf dem Hefter füte Math. 13 24
Überall ist Volk zu sehen, Soldaten, Berittene und eine Mutter mit Kind, die auf die Heilige weist.
a-b Embleme bei Fresko A

Nach vielen Martern wurde Margareta endlich enthauptet In ihrer Todesstunde versprach sie, »... welche Frau ihrer Namen in Kindsnöten anrufe, die sollte eines gesunden Kinde genesen« (LA-Benz, S. 466). Die Mutter mit Kind im Vordergrund könnte an dieses Patronat erinnern.

c-d EMBLEME Die zwei Kartuschen, die D flankieren, zeigen Emblembilder mit je einer Bibelstelle als Unterschrift, und einer als Überschrift in einem Band, das über die Kartuschen verläuft.

Obere Empore mit Engeln (modern), untere Empore mit EB1-8 Apostelzyklus

schneebekrönung gelegt ist. Die Inschriften sind keine eigentlichen Lemmata; zumindest eine von ihnen dürfte jeweils von der Restaurierung 1940 stammen. Die Embleme beziehen sich auf die hl. Margareta (c) und mit dem Hinweis auf das Gebet bei der Arbeit (d) auf den hl. Isidor.

c Perle in einer Muschel im Meer. Im Hintergrund Uferlandschaft. Strahlende Sonne. Überschrift Selig, die wandeln nach dem Gesetze des Herrn Ps 118.1 (Ps 119,1). Unterschrift Das Himmelreich gleicht dem Manne,/ der eine kostbare Perle sucht Math. 13.45.

d Geflügelter Pflug in weiter Landschaft Überschrift Viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten. Iac. 5. 16. Unterschrift Das Himmelreich gleicht dem Manne,/ der guten Samen auf dem Acker säte. Math. 13.24.

EB1-8 APOSTEL-ZYKLUS In acht großen Bildfeldern an der unteren Empore (die Bilder an der oberen Empore sind neueren Datums) sind die zwölf Apostel, Maria und Christus in Ganzfiguren vor einfachen Landschaften gezeigt. Die Folge wird von zwei schmalen Bildfeldern mit Landschaften flankiert. Der Apostel-Zyklus stammt aus dem späten 18. Jh. und ist Johann Baptist Böham zuzuweisen. Zählung von S nach N. EB1 PETRUS UND ANDREAS Petrus hält Schlüssel und Buch, Andreas das Andreaskreuz.

EB2 JAKOBUS MAIOR UND JOHANNES Jakobus trägt Pilgertracht, hat Stab und Gurde. Johannes hält eine offene Schriftrolle und den Kelch mit der Schlange.

EB3 BARTHOLOMÄUS UND PHILIPPUS Bartholomäus, graubärtig, hält das Messer, der jugendliche Philippus den Kreuzstab.

EB4 MARIA Maria in weißblauem Gewand trägt einen Blumenkranz im Haar. Ihr Haupt ist von Sternen umgeben, sie tritt auf die Mondsichel und hält das Lilienzepter.

EB5 CHRISTUS SALVATOR Christus, in blauem Gewand und rotem Mantel hält in der Linken die vom Kreuz bekrönte Weltkugel, die Rechte hat er im Segensgestus erhoben. EB6 SIMON UND JAKOBUS MINOR Der Apostel Simon ist als Greis dargestellt, mit der Säge in Händen; Jakobus Minor, ein Mann in mittlerem Alter, hält als Attribut die Keule.

EB7 JUDAS THADDÄUS UND MATTHÄUS Judas Thaddäus ist durch die Hellebarde gekennzeichnet, Matthäus durch das Beil.

EB8 MATTHIAS UND THOMAS Der Apostel Matthias hält die Lanze, Thomas den Winkel.

Quellen und Literatur

BHStA, GL Aibling, Fasz. 98 Nr. 81: Hochaltar und Kanzel 1766. Fasz. 98 Nr. 107: Hochaltar 1788/90; Dekoration 1790. StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Aibling; Pfleggericht Aibling, Kirchenrechnungen.

StAM, LRA 118956: Restaurierung 1939/40

AEM, Pfarrakten Aibling, vor allem 103 2003 02: Ellmosen, Hilfspriester. Ms. von Johann Nepomuk Hegerle 1820, Übersicht über die Pflichten des Kooperators in Ellmosen.

Kunstreferat der Erzdiözese München und Freising: Stefan Nadler und Maria Hildebrandt, Kath. Filialkirche St. Margaretha in Ellmosen. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte, November 1998. BLfD, Akt Ellmosen, Filialkirche St. Margareta.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 9

Bayern in seinen alterthümlichen, geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten, 3. Bd, S. 91–100.

Grassinger, Joseph, Die Geschichte der Pfarrei und des Marktes Aibling III, in: OAVG 18, 1857, S. 16-112. Ellmosen S. 90-93.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 36f.

KDB I OB (2), S. 1587

o.V., Ellmosen bei Aibling, in: Altheimatland 2, 1926, S. 195 f. Albrecht, Jakob, Bad Aibling in der Geschichte und seinen Kirchen, Erolzheim 1958, S. 21.

-, Bad Aibling in Geschichte und Gegenwart, Stuttgart2 1963, S. 17.

Engel, Rudolf, Land zwischen Isar und Inn, München-Zürich 1975, S. 188.

Dehio 1990, S. 244 f.

o.V., St. Margareta Ellmosen, Kirchenführer, Bad Aibling A. B.