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Eichstätt, Maria-Hilf-Kapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 172–179, geschrieben von Grimminger, Christina, Langenstein, Eva und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Maria-Hilf-Kapelle

Ehem. Wallfahrtskapelle in der Westenvorstadt, Westenstraße 68, Nebenkapelle der Pfarrei St. Walburg, Diözese Eichstätt. 1453 errichtet und unterhalten aus eigenen Mitteln bzw. Almosen von den in der Westenvorstadt angesiedelten Handwerkern (vor allem Tuchmachern), 1465 Kloster St. Walburg unterstellt, Ende 15. Jh. Stiftung eines Benefiziums. Entwicklung einer Marienwallfahrt; Gnadenbild war eine große, vergoldete Marienstatue aus Holz, wie Priefer 1602 berichtet. Ebenso alt wohl ist der »Gebrauch des allda vor der Capell abfliessenden Gesund- und Heil-Wassers, so vor Zeiten der Heil=Brunn genennet ward«, so Luidl. Mitte des 17. Jh.s erfolgte die Angliederung an den Maria-Hilf-Kult; das Patrozinium wurde umbenannt und das Gnadenbild (heute am Hochaltar), eine um 1650 entstandene Relief-Nachbildung des in Innsbruck und Passau verehrten Gnadenbildes Maria Hilf, angeschafft. Spätestens seit 1690 bestand hier das Pactum Marianum, eine Art Bruderschaft

Patrozinium: Ursprünglich Unsere Liebe Frau, spätestens ab 1656 Maria Hilf

Zum Bauwerk: Die Kapelle wurde 1453/57 errichtet: 1453 erteilte Fürstbischof Johann III. von Eych (1445-64) den Eichstätter Bürgern Herrmann Kallmünzer und Willibale Lederer die Erlaubnis zur Errichtung einer Liebfrauenkapelle; 1457 Weihe. Nach der Zerstörung 1634 Neuerrichtung des Langhauses unter Fürstbischof Marquard Graf Schenk zu Castell (1637–85) sowie Anschaffung neuer Altäre; Neuweihe 1656. Unmittelbar vor dem tausendjährigen Jubiläum des Bistums Eichstätt 1745 wurden Überlegungen angestellt, »wie zu Beförderung der Andacht die Capellen mit eingezogenster Uncosten jedoch in förmblicherem und besserem Stand könne hergestellet werden« (Heilingrechnungen der Maria-Hilfkapelle 1742-44). 1744 Barockisierung des Innenraums mit Pilastergliederung, Stuckierung der Raumschale und Fresken; Überschlag und Entwurf von Matthias Seybold; der Stuckator ist nicht bekannt (s.u.), 1784 Abbruch des Turms und Umgestaltung der Fassade samt der Brunnenanlage. 1858 Regotisierung des Chors und drei neugotische Altäre. 1942/43 Rebarockisierung des Chors durch den Einbau eines Rokokoaltars aus der Pfarrkirche in Mühlhausen, LKr. Kelheim, in dessen Schrein das Maria-Hilf-Gnadenbild eingesetzt wurde.

1–4 Maria als Helferin in Nöten und Gefahren

Das heilbringende Wasser wird von einem Stauweiher am Kapellbuck – dieser wurde im Mittelalter zwecks Wasserversorgung der hier angesiedelten Gewerbe angelegt – in einem früher sichtbaren, heute zugesetzten Kanal durch die Kirche geleitet und speist den gusseisernen Brunnen von 1869 vor der Westfassade. Bis 1784 barg die ehem. Wandbrunnenanlage über der Freitreppe in einer Muschelnische die steinerne Halbfigur der Madonna im Typus der Maria Hilf (jetzt über dem Portal in der Westwand).

Die auf leicht ansteigendem Gelände unterhalb des Kapellbuck errichtete Kapelle ist ein Saalbau (10×8 m) zu drei Jochen mit dreistufiger Treppenanlage im LHs. Gliederung durch flache Doppelpilaster über hoher, glatter Sockelzone mit umlaufendem Gesims. Die von Halbpilastern begleiteten Ostecker des Schiffs sind ausgerundet und dienen den diagonal vor die Muldungen gestellten Seitenaltären als Folie, so dass ein verhaltener, zentralräumlicher Effekt erzielt wird. Belichtung durch ein hohes Korbbogenfensterpaar auf der Westseite und eines im östlichen LHs-Joch. Empore im W. Der gotische AF (6 x 4,30 m) zu zwei Jochen, eingezogen und dreiseitig geschlossen, ungegliedert, Belichtung durch zwei Fenster von N und drei im Chorschluss. Seitenaltäre des 17. Jh.s, im 18. Jh. verändert, Altarbilder 1744, Neuzuweisung an Joseph Dietrich.

Auftraggeber: Fürstbischof Johann Anton II. Freiherr zu Freyberg-Hopferau (1736-57). Auch wenn hierzu keine Beweise vorliegen, muss er Anteil an der Barockisierung gehabt haben, schließlich ist er mit dem im Hauptbild A abgebildeten Fürstbischof zu identifizieren (vgl. zwei Porträts Freybergs, das großformatige Ölgemälde mit dem Fürstbischof als Ganzfigur, heute im Bischofspalais, zugeschrieben dem Hofmaler Johann Michael Franz, s. KDB Fig. 460, sowie die Bildnisbüste auf dem Epitaph im Dom, s. KDB Fig. 71). Worauf die Überlieferung von Julius Sax – »1744 vor Beginn des Bisthums-Jubiläums verschönerte Johann Anton auch die Mariahilfs-Kapelle nächst St. Walburg« – beruht, lässt sich nicht nachvollziehen. Die Leichenpredigt anlässlich des Todes von Freyberg, 1757 in Eichstätt verlegt, bezeugt des Fürstbischofs Freigebigkeit: »Wie suchte Er nicht diesen Gott und dessen Ehr auch mit grossem Unkosten und aufgewändter fürstlichen Einkünften in Herstellung der Gottes=Hause deren Er einige von Grund auf neu erbauet noch mehrer erweitert erneuert verbessert oder ausgezieret hat, mit kostba resten Altären mit reichem Kirchen=Zierath und sogenannter ganzen Ornat von priesterlichen Kleidungen die sich auf viel tausend Gulden in den Werth belauffen versehen hat; wie i gegenwärtiger hohen Dom=Kirche zu sehen ist in des heilige Wilibalds Chor in der Kirche der heiligen Engeln unser min desten Gesellschaft ja fast in dem ganzen Lande; indeme nich viele Kirchen inner und außer der Stadt zu finden seind di nicht ein ansehnliches Merkmaal dieser fürstlichen Gottselig keit aufzuweisen haben.«

Weitere Geldgeber waren Philipp Anton Freiherr von Reinach (*1686 Obersteinbrunn, 1722 Domherr in Eichstätt, 1748 Domdechant, †1750 ebd.; s. Hugo A. Braun, Das Domkapitel zu Eichstätt, Stuttgart 1991, S. 410–12) und Marquard Willibald Anton Schenk Graf von Castell (* 1700 in Schelklingen, 1729 fürstbischöflich Eichstättischer Geheimer Rat und Pfleger zu Nassenfels, 1736 Obriststallmeister zu Eichstätt, † 1757; s. Johann Bauch, Nassenfels, Kipfenberg 1986, S. 164). Dies geht auf die Überlieferung von Anton Luidl 1750, S. 78 zurück: »Im Jahr 1744 ist dises Mariae Hülff Kirchlein erneuert worden, worzu sich der Hochw. Hr. Hr. Philipp. Anton von Reinach Dom= und Capitular=Herr, nochmahls Dom= Dechant zu Eichstätt mit einem freygebigen Beytrag an Geld; der Hochgebohrne Herr Graf Marquard von Schenck Hochfürstl. Eichstättischer Obrist Stallmeister mit Beyschaffung der Bildern auf die 2. Seiten Altär; das Closter zu St. Walburg mit Beylegung verschiedener Kirchen= Altär= und Meß= Kleidern als grosse Wohlthäter erzeiget haben.« Auch diese beiden Personen sind im Hauptbild A unter den Stiftern zu finden. Schenk ist der Herr links vom Fürstbischof, mit Allongeperücke und im vornehmen Rock; der daran befestigte Hubertusorden erlaubt die Identifizierung. Das Programm zur Leichenfeier für Fürstbischof Franz Ludwig Schenk von Castell (1725–36), bei der Marquard die Oberhofmarschallstelle vertreten hatte, nennt diesen u. a. als St.-Hubertus-Ordensritter. Den Hubertusorden hatte Marquard verliehen bekommen, da er auch kurpfälzischer Kämmerer war (vgl. Otto Rieder, Die vier Erbämter des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 11, 1896, S. 40f.). Domkapitular Reinach könnte folglich der kräftige Herr mit Doppelkinn und Allongeperücke sein; er steht rechts vom Fürstbischof im Hintergrund.

Pfarrer von St. Walburg war Pater Augustin Tröster von St. Emmeram in Regensburg (* 1703 Amberg, 1724 Profess, Studium in Ingolstadt, ordiniert 1730, bis 1735 Subprior, Bibliothekar und Pfarrer von Harting, 1735-51 Pfarrer in Eichstätt/St. Walburg, † 8. 10. 1751; Schrift: Cultus divae Walburgae virg. Augsburg 1751, vgl. Pirmin August Lindner, Die Schriftsteller und die um Wissenschaft und Kunst verdienten Mitglieder des Benediktiner-Ordens im heutigen Königreich Bayern, Bd 1, Schrobenhausen 1880, S. 108). Tröster ist in den Benediktinerpater links hinter Fürstbischof Freyberg porträfiert.

Das spätestens nach 1690 gegründete Pactum Marianum, eine Art Bruderschaft, kommt ebenfalls als Geldgeberin in Frage; sie deckte bei Bedarf die Rechnungsdefekte z. B. bei Baufällen. Das viergeteilte Wappen am Chorbogen mit dem Eichstätter Bistumswappen bezieht sich auf Fürstbischof Marquard II Schenk von Castell (1637–85), den zweiten Stifter der Kapelle, der die Neuerrichtung des Langhauses initiiert und einen Choraltar gestiftet und geweiht hatte.

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1673/75 (nicht erhalten): Chorfresko von Johann Flieger

Den Maler Johann Flieger bezahlte man für ein Fresko am Chorgewölbe und für ein Antependium in der Sakristei (Ms. Ziesemer; Quelle Klosterarchiv St. Walburg, Rechnungsbuch Maria-Hilfkapelle 1673/74 und 1674/75). Das Gemälde ist nicht erhalten; der Bildgegenstand ist nicht bekannt. - Johann Flieger war 1673/95 als Maler und Bürgermeister in Eichstätt ätig; er starb 1695. Seine Witwe heiratete 1695 Hans Georg Frey, der die Werkstatt fortführte; s. Theodor Neuhofer, Eichstätt (= GKF Nr. 15), München-Zürich 51984, S. 51; Ders., Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 58f.

Der Kapellenraum

Ausmalung 1744: Johann Michael Franz (* 1715 Dirlewang † 1793 Eichstätt) 1744. Signatur in B auf der rechten Armlehne Ioh. Mich. Franz.

Weitere Hinweise fanden sich in den Quellen. Felix Mader überliefert in den KDB: »Die Gemälde schuf. Joh. Michael Franz, wie die Kirchenrechnung (i. Pfarrarchiv St. Walburg) ausweist. Er bekam dafür 42 fl.«; diese Rechnungsnotiz konnte im DAEI, wo das Pfarrarchiv St. Walburg verwahrt wird, nicht nachgewiesen werden. Erhalten hat sich ein »Zuverlässiger Überschlag vor wenigen hernach benanter Maurer unnd Stocador arbeith, welche über inwendtige Verneuerung Unser Lieben Frauen Maria Hilff Capellen in der Westen alhir zur Eichstätt vorzunemen erforderlich« des »Hofbildhauers« – es handelt sich um Matthias Seybold – vom 20.4.1744 (DAEI, Pfarrarchiv Eichstätt-St. Walburg, VII1a). Nach dieser Aufstellung »ist erforderlich, nach dem gemachten Riss, eine weisse Deckhen von Maurer und etwas Stocador Arbeith, sambt dem Chor, und dessen Pogen mit gleicher Arbeith zuverferttigen und saubr herzustellen. Vor all und ides nun, dass sowohl vor Arbeith und alle hiezue geherige Materialien, ausgenommen allienige des Christ, ist berichts mit deme Stocadore über haubt pactiert worden, 46 fl.« Der Stuckator, mit dem paktiert wird und der nach dem Entwurf Seybolds arbeiten soll, ist namentlich nicht genannt; in Frage kommt der

Eichstätter Bildhauer Caspar Aicher, der laut Heilingrechnung die Antependien der Seitenaltäre schnitzte (DAEI, R10, 1745-47, fol. 32 v.). Diese und weitere Baumaßnahmen - Ausbrechen der »zwey Haubt Fenster« und des »alten ungeformbten Chorbogen... stattdessen einen regularn Zwerckhpogen darin zu gwelben« sowie »zwey Endtungen, in welche die beede Altär zu stellen kommen« einzurichten und ein neues Chorpflaster zu legen – sichern das Datum 1744 für die Innenausstattung. In den Rechnungen der Maria-Hilf-Kapelle für die Jahre 1745-47 (DAEI, R10) ist keine dieser Arbeiten mehr verrechnet. Dafür belegen Rechnungsnotiz und Schein von Johann Michael Franz eine nicht mehr erhaltene Arbeit. Am 21.9. 1745 bescheinigte Franz, dass er »an der dasselbstigen Kirchenpahr eine Gallerie gemahlen« und dafür 6 Gulden erhalten habe (DAEI, Pfarrarchiv Eichstätt-St. Walburg, Rechnungsbelege Maria-Hilf-Kapelle). Die Rechnungsnotiz lautet: »Es hat Johann Michael Franz Maller in der Maria Hilf Capellen an dem Musicalischen Chor eisserlich eine Gallerie gemahlen, welche dem Lieben Gotteshaus eine besondere Zierte gibt« (ebd., Rechnung über Alles Einnemmen und Ausgeben an gelt bey Unser Lieben Frauen Capellen in äußeren Vösten alhier zu Aichstätt von... 1745, 1746, 1747 = DAEI, R10, 1745-47, fol. 31r). Den Angaben nach handelte es sich um eine Malerei an der Brüstung der Orgelempore.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit schmaler Hohlkehle, AR verschliffenes gotisches Gewölbe mit Stichkappen

Rahmen: A Stuckprofil vergoldet und ornamentiert, 1-4 kreisrunde Kartuschen mit weißem Profilrahmen, B Stuckprofil mit vergoldeten Leisten

Technik: Fresko; A, B polychrom, 1-4 monochrom graugrün Maße: A Höhe 7,70 m; 4,00 × 4,00

B Höhe 6,90 m: 1,60 × 1,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1858 Restaurierung im Geiste der Neugotik; das Deckengemälde im Chor wurde übertüncht. 1942 Rebarockisierung des Raums. Im Zusammenhang mit dem Austausch des Hochaltars wurden im Chor das barocke Deckenbild und die Konturen der Stuckierung aufgefunden. Das Deckenbild wurde durch Fa. Schellinger und Schmer, München, freigelegt und in Leimfarbentechnik z. T. verfälschend übermalt; den Stuck ließ man nach erhaltenen Vorzeichnungen in Anlehnung an die noch vorhandenen Ornamente im Langhaus von Stephan Killer, München, wiederherstellen. 1969 Neutünchung des Raums. 1992/93 grundlegende Innensanierung mit sorgfältiger Rekonstruktion des barocken Raum- und Fassungskonzeptes (es wurden acht Raumfassungen seit 1744 nachgewiesen): Die Raumschale wurde durch Kirchenmaler Albert Fromm, Parsberg, mit der Marmorierung der Langhauspilaster wieder hergestellt, die Treppenanlage zum Chor rekonstruiert, die barocken Seitenaltarbilder von 1744 wieder eingesetzt. Die Deckenbilder, die laut Inventar schon 1924 »durch Restauration gelitten« hatten, wurden durch die Restauratoren Franz Müller, Grönenbach und Cornelia Stegmeier, Wäschenbeuren, gereinigt und gesichert. Das Deckenbild A im Langhaus zeigte Salzausblühungen, war stark verschmutzt, aber relativ stabil und gut erhalten; es wurde nur trocken gereinigt. Die Restauratoren zählten ca. 10 Tagwerkgrenzen in Fresko A. In den Grisaillen 1-4 war die Malerei vom Grund gelöst und rollte sich schollig auf. Die Schollen wurden mit Japanpapier gesichert und niedergelegt. Die durch die Alterung der Kaseinfixierung entstandenen weißlichen Schlieren und Flecken wurden nur insoweit korrigiert, als sie bei der Betrachtung aus dem Kirchenschiff sichtbar waren. Das Fresko B im Chor war schlecht erhalten, es zeigte Versalzungen und Versinterungen und großflächige teilweise verfälschende Übermalungen. Die mit der Leimfarbenfassung abgenommenen stark reduzierten Teile des Bildes wurden in Tratteggio-Technik eingestimmt (BLfD, Akt Eichstätt, Maria-Hilf-Kapelle und Photodokumentation von Müller/Stegmeier, 1993). Die Bilder zeigen sich jetzt in gutem Zustand

Beschreibung und Ikonographie

0 A MARIA ALS GNADENBRUNNEN Das einansichtige, im perspektivischen Aufbau uneinheitlich aufgebaute Bild zeigt eine Landschafts- und Architekturszenerie. Über einer in die Raumtiefe führende Stufenanlage, die seitlich von Architekturkulissen und Vorhangdraperien gerahmt wird, erhebt sich ein Brunnen mit gebauchtem Becken, in das Wasser aus einer mit Muschelrippen besetzten Schale fließt, und um den sich verschiedene Personengruppen scharen. Am Himmel erscheint auf einem Wolkenkissen sitzend und von Engeln getragen und begleitet Maria mit dem Kind als sitzende Ganzfigur, das Haupt von einer Lichtgloriole umgeben.

0, Rechts im Bild lagern Kranke, die sich von dem Wasser Heilung erhoffen; zwei von ihnen weisen auf den Brunnen. Ein Kind, das seine Mutter begleitet, blickt zur Marienerscheinung und betet. Die Stufen steigt ein Mann, in Lumpen gekleidet und am Krückstock gehend, empor; er fängt Wasser in eine Schale auf und lässt es von dort weiterfließen auf den bereitgehaltenen Teller eines links im Bild sitzenden Bettlers mit Krücke. Auf der einleitenden Podestzone sitzt ebenso ein Bettlerjunge mit Pestglöckchen; er zeigt auf seinen Mund, weil auch er trinken möchte.

Auf der links sich erhebenden Estrade hat sich vor der Kulisse eines kolonnadenähnlichen Architekturprospektes eine Gruppe von Standespersonen zusammengefunden. Bei den Personen, die den Blick auf die Marienerscheinung gerichtet haben, handelt es sich um die Stifter der Barockisierung der Maria-Hilf-Kapelle bzw. um die zuständigen Geistlichen (vgl. Auftraggeber). An hervorragender Stelle steht Fürstbischof Johann Anton II. Freiherr zu Freyberg-Hopferau, in Albe und Rochett, einer violetten Mozzetta um die Schultern und dem fürstbischöflichen Brustkreuz. Er hat die linke Hand auf seine Brust gelegt und deutet auf das von ihm und einem Putto gehaltene Schriftband mit zwei Versen aus dem Marienhymnus »Ave maris stella«; die Textstelle verweist auf die Mittlerrolle der Gottesmutter: Sumat per te preces, qui pro nobis natus (Er möge durch dich Gebete annehmen, der für uns geboren ist; Strophe 4,2-3). Links von ihm steht Oberststallmeister Marquard Willibald Anton Schenk Graf von Castell im roten Rock, darunter eine rote Schärpe quer über der Brust, den Hubertusorden mit einem Band durch das Knopfloch seines Rockes tragend; er hat die rechte Hand auf die Brust gelegt. Ir dem dicken Geistlichen in Chorkleidung und mit Perücke rechts im Hintergrund kann Domherr Philipp Anton Freiherr von Reinach gesehen werden. Der zwischen Fürstbischof Freyberg und Graf von Castell herausschauende Benediktiner ist Pater Augustin Tröster von St. Emmeram in Regensburg Pfarrer und Beichtvater von St. Walburg. Ganz links ist ein Weltgeistlicher auszumachen; damit dürfte der Benefiziat der Kapelle gemeint sein (der Name des Benefiziaten, der nach Christoph Ignaz Eisenhut 1743 folgte, ist nicht überliefert). Das Bild zeigt den Marienbrunnen als heilkräftigen Ort: Er gibt den Kranken Hoffnung auf Heilung und den Durstigen zu trinken; den Frommen - im Hintergrund steht ein betendes

Die Decke des Langhauses: A Maria als Gnadenbrunnen, 1-4 Maria als Helferin in Nöten und Gefahren (Johann Michael Franz 1744)

Paar - ist er ein Ort des Gebets. Die Mariendarstellung entspricht dem geschnitzten Gnadenbild am Hochaltar aus der Zeit um 1650, das seinerseits auf das Innsbrucker Maria-Hilf-Gemälde von Lukas Cranach zurückgeht. Doch ist die Darstellung des über dem Brunnen schwebenden Gnadenbildes auch eine Umsetzung der tatsächlichen Brunnenanlage, die bis 1784 vor der Straßenfassade über der Freitreppe bestand; hierzu gehörte die Maria-Hilf-Darstellung über einer Muschelschale, die heute in der Außenfassade eingemauert ist.

1–4 MARIA ALS HELFERIN IN NÖTEN UND GEFAHREN Allegorische Darstellungen nach Versen des

A Maria als Gnadenbrunnen
2 Putto mit Füllhorn

176

B Sapientia als Mater Pulchrae Dilectionis

Marienhymnus »Ave maris stella« aus »Officium Beata Mariae ad Vesperas« (s.u.)

Alle fünf Deckenbilder im Schiff zitieren durch Inschriften den alten Marienhymnus »Ave maris stella«, einen lateinischen Hymnus, der im Stundengebet zu Marienfesttagen gesungen wird. Er ist Bestandteil der Marienvesper (Analecta hymnica medii aevi, Leipzig 1886–1922, Reprint London-New York 1961, Bd 15, S.114f.; Gotteslob Nr. 596, deutsch Nr. 578 LTHK Bd 1, Sp. 865, s.v. Ave maris stella; Marienlexikon Bd 1 S. 317f., s.v. Ave maris stella.) Als Verfasser gilt der Benediktinerabt Ambrosius Autpertus († 784). Zitiert sind die Strophen 3,3-4, 4,1-3, 6,2. Die Identifikation Mariens mit dem »Meer-

stern« geht ursprünglich auf den hl. Hieronymus (* 347 † 420) zurück, der die beiden Silben »mar-jam« des hebräischen Namens Maria allerdings nicht mit »stella maris« = Meerstern sondern mit »stilla maris« = Tropfen des Meeres übersetzte. Erst in der Folgezeit hat sich »stilla« wohl irrtümlich zu »stella« gewandelt, um später als »stella« in den Hymnus des Ambrosius einzugehen. Dass dem Entwerfer des Bilderzyklus der Wortwandel bekannt war, kann vermutet werden. Der Bezug des Marienhymnus zu dem in dieser Kapelle bedeutungsvollen Brunnenthema gibt mit dem Begriff »stilla maris« mehr Sinn. Maria ist der Tropfen süßen Wassers im salzigen Meer der Sünder, weil sie ohne Erbsünde geboren und gänzlich sündenfrei ist. Zugleich erinnert der »Heil=Brunn« der Maria-Hilf-Kapelle an den heilbringenden Ölfluss St. Walburgs. So zeigt das zentrale Deckenbild verschiedene Sichtweisen auf, mit denen Menschen dem Gnadenort begegnen. Dieser reiht sich nahtlos in die zahlreichen blühenden Quellkulte ein, die sich an bereits bestehenden Marienwallfahrten gebildet haben (vgl. Marienlexikon Bd 1, S. 599-602, s.v. Brunnen).

B SAPIENTIA ALS MATER PULCHRAE DILECTIONIS Gekrönte, sitzende Frauengestalt mit weißem und rötlichem Nimbus. Mit der rechten Hand hält sie einen Spiegel. Ihren linken Arm stützt sie auf einen ovalen Schild, auf dem der Baum der Erkenntnis mit der Schlange dargestellt ist. Das Kind auf ihrem Schoß hält ein brennendes Herz in die Höhe. An weiteren Attributen sind ihr ein weißer Hase und ein Anker beigegeben.

Die Bildunterschrift Ego Mater pulchrae Dilectionis, timoris agnitionis, et Sanctae spej. Eccl. 24,18 (Ich bin die Mutter der schönen/reinen Liebe, der Furcht, der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung) ist ein Vers aus der Rede der Weisheit über sich selbst in Jesus Sirach, der, obwohl er in den meisten griechischen Handschriften nicht enthalten war, in den lateinischen Sirach überging.

Die Personifikation der Weisheit gilt als Präfiguration Mariens. Ihre Attribute beziehen sich wörtlich auf die zitierten Eigenschaften in dem Bibelzitat: Der Spiegel ist Symbol der Weisheit, das Kind mit dem flammenden Herzen Symbol der reinen Liebe, der Hase Symbol der Furcht, der Paradiesesbaum steht für Erkenntnis und der Anker für Hoffnung.

Die Komposition geht auf Gottfried Bernhard Göz zurück und findet sich als Illustration in dem 1737 in Augsburg erschienenen Erbauungsbuch »Insignia Mariano-Encomias tica...« (Herausgeber und Stecher Tobias Lobeck; s. dazu Sabine von Poschinger, Die Augsburger Lauretanischen Litaneien und ihr Bildschmuck, ungedr. Mag. München 1988, S. 55–58 und 86, Nr. 53, Regina Confessorum).

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrarchiv Eichstätt-St. Walburg VII1a mit »Zuverlässiger Überschlag« vom 20.4. 1744; Rechnungsbelege Maria-Hilf-Kapelle »Verificationes zu dennen Capell Rechnung gehörig pro annis 1745 1746 et 1747«; Rechnung über Alles Einnemmen und Ausgeben an Gelt bey Unser Lieben Frauen Capellen in äußeren Vösten alhier zu Aichstätt von... 1745 1746, 1747 = R10, 1745-47; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche

BLfD, Akt Eichstätt, Maria-Hilf-Kapelle; Manuskripte zur Neubearbeitung des KDB Eichstätt, Maria-Hilf-Kapelle, bearbeitet von John Ziesemer und Dagmar Dietrich 2000.

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Strauss, Andreas, Versuch einer historisch-topographischen Beschreibung der Hochfürstl. Bischöfl. Residenzstadt Eichstätt in Franken, Eichstätt 1791, S. 125.

Lang, Franz Xaver, Topographische Beschreibung und Geschichte der Königl. Baier. Kreishauptstadt Eichstätt, Eichstätt 1815, S. 28.

Sax, Julius, Geschichte des Hochstifts und der Stadt Eichstätt, Nürnberg 1857, S. 311.

Suttner, Joseph Georg, Lieb-Frauen-Chronik des Bistums Eichstätt 5,1858, S. 207.

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C. G./E. L./C. B