Eichstätt, Frauenbergkapelle


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 180–185, geschrieben von Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Frauenbergkapelle

Wallfahrtskapelle, Dompfarrei Eichstätt, Diözese Eichstätt. Die Kapelle ist Ziel einer Marienwallfahrt. Ihre Entstehung verdankt sich einer 1720 am Platz der heutigen Kapelle von Fürstbischof Johann Anton I. Knebel von Katzenelnboger aufgestellten Madonnenstatue. Diese soll – so die Legende – aus einem Holzstamm gefertigt worden sein, der vor dem Eingang der Hofschreinerei im Schloss auf St. Willibaldsberg gelegen und, obwohl er völlig ausgetrocknet war, eines Tages einen Blätterzweig getrieben habe. Die so entstandene Statue wurde zunächst geschützt durch eine einfache Ummantelung aus Holz, am 28. 10. 1723 benediziert und fand schnelle Verehrung durch die Bevölkerung.

Patrozinium: Mariä Heimsuchung

Zum Bauwerk: Die Kapelle wurde in reizvoller Lage, auf einer kuppelartigen Anhöhe des südwestlich Eichstätts sich erstreckenden Bergrückens, in den Jahren 1738/39 errichtet. Sie ist ausweislich des Stils ein Werk von Gabriel de Gabrieli, dem Eichstätter Hofbaudirektor. Die Stuckierung in Form von Laub- und Bandlwerk, variantenreichem Muschelwerk sowie Blumenvasen wird dem Eichstätter Stuckator Franz Xaver Horneis zugeschrieben.

Kleiner, längsrechteckiger Zentralraum (9,10×7,20 m) mit abgerundeten Ecken, an die nordwestliche Schmalseite ist ein Vorraum mit dem Eingang angebaut, an die südöstliche der Chorraum mit späteren Anbauten (1747-99 als Klause dienend). Der Hauptraum ist durch je zwei stichbogenförmige Fenster an den Längsseiten belichtet; sparsame Wandgliederung; stuckiertes und mit Bildfeldern besetztes Spiegelgewölbe, weit ausgeschnittene Scheitelfläche, darüber zweites, gänzlich freskiertes Spiegelgewölbe mit zwei liegenden Ovalfenstern an den Längsseiten. Die mit einer Halbkuppel überwölbte, stuckierte Altarnische ist eingezogen und ausgeschnitten; der korbbogenförmige Chorbogen ist an der Innenseite stuckiert in Form einer Draperie mit Krone über dem Scheitel.

Auftraggeber: Stifter des Hauptfreskos A ist Karl Franz Anton Waldbott von Bassenheim (* um 1678, 1720 Landvogt in Eichstätt und Pfleger in Wellheim, † 1744 in Eichstätt). In der Mitte des Bildrandes findet sich in Blickrichtung zur Orgelempore das Wappen der Familie Waldbott von Bassenheim. Karl Franz Anton Waldbott von Bassenheim residierte als Landvogt im Schloss auf St. Willibaldsberg; daher dürfte er sich der Frauenbergkapelle besonders verbunden gefühlt haben.

Ferner finden sich über dem Chorbogen am unteren Spiegelgewölbe in reich gestalteten Stuckkartuschen mit Wappenmantel die Wappen der fürstbischöflichen Begründer der Wallfahrt bzw. des Baues, Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen (1705-25) und Johann Anton II. Freiherr zu Freyberg-Hopferau (1736–57). Die Chronogramme darunter erläutern die Entstehung des Heiligtums durch IOAN ANTON I S.R.I.P.E.E. im Jahre 1720 – hervorgehobene römische Ziffern – und weisen I ANTON II S.R.I.P.E.E. als Erbauer der Kapelle im Jahre 1739 – ebenso kenntlich gemacht – aus: QVAS STRVIT HVC SACRAS PRIMI SAPIENTIA SEDES / EXIMIA CAEPTAS AVXIT PIETATE SECVNDVS (Welchen geheiligten Sitz hier die Weisheit des Ersten errichtet hat/hat das Begonnene der Zweite mit außerordentlich frommer Gesinnung vermehrt).

 
Der Kapellenraum
 

Wie eine »Lizenz« vom 21.7.1738 besagt, wurde die Frauenbergkapelle durch eine Kollekte vollendet: »Von Hochfürstl. Bischöflichen General-Vicariat allhier in Eichstätt wirdet auf sichers vernehme, was gestalten die zur Herstellung des neu angefangenen Gebäued unser Lieben Frauen-Kapellen ob den Berg allhier verhanden gewesene Gelder nicht zuelänglich erfunden werden, berührten Kapellen-Bau zu völliger Endschaft bringen zue können, hirmit in Kraft Dispens die Verlaub ertheillet, bei christmilden Gutthättern zur glicklicher Vollendung ermelten Gebäud ein Beysteuer einsamlen zur dürfen.« (DAEI, ln7).

Amtierender Stadtpfarrer bei Unserer Lieben Frau war Anton Destalles (1729–44).

Autor und Entstehungszeit: Joseph Dietrich (* 1696 Wernfels bei Spalt † 1745 Eichstätt) 1739. Signatur in A: Josef Dietrich / inv: pinx. 1739.

Die Malersignatur befindet sich im Hauptfresko A am rechten Eck der zur Orgelempore gerichteten Schmalseite. Sie wurde 1951 von dem Eichstätter Hochschulprofessor Dr. J. Kürzinger entdeckt (DAEI, Nachlass Neuhofer 74).

Die Fresken stehen für das Spätwerk Dietrichs. Die aus Gottvater, Christus und Maria bestehende Komposition verwendete Dietrich mehrfach in seinen Fresken, so in Möckenlohe (S. 357), Enkering (S. 250) und Gungolding (S. 261), die Figuren von Christus und Gottvater in Euerwang (Lkr. Roth) und Rebdorf (S. 404).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs zwei übereinanderliegende Spiegelgewölbe, A am oberen, 1–3, a–d am unteren Gewölbe. Rahmen: A stark profilierter Stuckrahmen mit Stuckkartuschen an der Öffnung des unteren Gewölbes, 1–3, a–d variantenreiche, profilierte Stuckrahmen.

Technik: Fresko; polychrom.

Maße: A Höhe 10,20 (Stich 1,80) m; 4,00 × 3,20.

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine erste Restaurierung der Kapelle ist für die Zeit um 1853 überliefert. Damals dürften die Neben- und Puttenszenen übermalt worden sein. Diesen Zustand beschreibt auch das BLfD-Gutachten vom 19.7. 1939 im Vorfeld der Restaurierung des Innenraums von 1940–42: Während das Hauptbild »wenig oder gar keine Übermalungen aufweist, sind die 7 Medaillons stark und entstellend übermalt«. Damals wurden die Deckenbilder von Kirchenmaler Konrad Schmer »konserviert«, der Stuck ausgebessert, vermutlich auch die Chronogramme unter den Bischofswappen rekonstruiert (deren Wortlaut sind in den

 
Wappen der Fürstbischöfe Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen und Johann Anton II. von Freyberg-Hopferau

KDB von 1924 nach den Kollektaneen von Joseph Brems überliefert, jedoch als »nicht erhalten« beschrieben). Die nächste Innenrestaurierung erfolgte 1972, die Malerarbeiter besorgte ebenfalls Konrad Schmer, Eichstätt, größere Maßnahmen an den Fresken wurden wohl nicht durchgeführt. Einer Information des Eichstätter Kirchenmalers Alfons Hirschbeck zufolge wurden 1987 im Zuge der letzten Innenrestaurierung das Deckenfresko A gereinigt und die Medaillons »mit Farbe aufgefrischt«. Das Hauptfresko ist als original wenn auch aufgrund der starken Verschmutzung in seiner Strahlkraft deutlich dezimiert, anzusehen, die Nebenszenen und die Puttenmedaillons müssen als stark übergangen bezeichnet werden.

Beschreibung und Ikonographie

A KRONUNG MARIENS Die das gesamte Bildfeld einnehmende, an den Rändern allseitig konzipierte Himmelsszenerie stellt im Zentrum des Bildfeldes eine einseitige Marienkrönung vor. Maria kniet auf einer Wolke und schwebt zum Himmel empor, begleitet von Engeln und Putten, die die Lilie als Zeichen der Reinheit Mariens halten. Ihr von Lichtstrahlen umrahmtes Haupt schmückt ein Lilienkranz. Über ihr erscheinen Christus im Typus des Auferstandenen und begleitet von einem das Kreuz der Erlösung tragenden Engel sowie Gottvater, als Weltenherrscher über der Weltkugel sitzend. Sie vollziehen die Krönung, indem sie eine Krone über Marias Haupt halten. Darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes und sendet Strahlen herab. Der umlaufende Freskorand wird von Putten bevölkert. Am Bildrand in Blickrichtung zur Orgel finden sich in der Mitte das Wappen der Familie Waldbott von Bassenheim (die richtigen Farben sind Rot auf Silber) und rechts in der Ecke die Malersignatur.

a-d PUTTEN MIT KRÄNZEN AUS MARIENSYMBOLEN Vier ovale Bildfelder am unteren Spiegelgewölbe

 
 
Die Decke der Kapelle: A Krönung Mariens, 1-3 Szenen aus dem Leben Mariens, a-d Putten mit Kränzen aus Mariensymbolen
 

== EICHSTÄTT FRAUENBERGKAPELLE == jeweils die Ecke einnehmend, mit ganzfigurigen Puttendarstellungen, die Kränze mit Mariensymbolen in Händen halten: a Putto mit Kranz aus zwölf Sternen, b Putto mit Palmkrone, c Putto mit Kranz aus Rosen, d Putto mit Lilienkranz. Bei drei der vier Medaillons ist eine in steiler Untersicht wiedergegebene Maueröffnung vorgetäuscht, durch die die Putten die Kränze emportragen, zusätzlich fallen Strahlen von oben durch die Gebinde.

 
1 Geburt Mariens
 

Quellen und Literatur

DAEI, Kirchenbücher Eichstätt Unsere Liebe Frau 44, fol. 278 (Sterbeeintrag Waldbott von Bassenheims vom 19.3.1744); In7; Nachlass Neuhofer 74 (Joseph Dietrich); Register zu den Bestallungsakten im StAN; Buchner, Franz Xaver, Adelige und Beamte des Hochstifts und Bistums Eichstätt, 2 Bde, Ms. BLfD, Akt Eichstätt, Frauenbergkapelle.

KDB V MF (1), S. 306-10 mit Fig. 233

Buchner, Franz Xaver, Bistum Eichstätt, in: Christian Schreiber (Hg.), Wallfahrten durchs deutsche Land. Eine Pilgerfahrt zu Deutschlands heiligen Stätten, Berlin 1928, S. 72–101, hier: 5.79.

-, Die Frauenbergkapelle, in: Sebastian Englert (Hg.), Eichstätt (= Deutsche Illustrierte Rundschau Nr. 6), München 1928, S. 32.

Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 233, 257.

Weigl, Adolf Arno, Maria Hilf. Die marianischen Gnadenstätten Deutschlands und die wichtigsten der Welt in Geschichte und Überlieferung, Bd I: Bistum Eichstätt, Schwabach 1950, S. 193-250, hier: S. 205.

Raschauer, Helga, Der Stilwandel der österreichischen Malerei in der Mitte des 18. Jh. und die süddeutsche Komponente der Kunst Maulbertsch’ in diesem Zusammenhang, Wien 1951, S. 81.

Denkmaltopographie Eichstätt, S. 52f.

Kreitmeir, Klaus, Frauenbergkapelle, Eichstätt [1989]

Grimminger, Christina, Der Eichstätter Maler Joseph Dietrich (1696-1745). Leben und Werk, ungedr. Magisterarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt 1991, S. 98–101.

Flachenecker, Helmut und Emanuel Braun, Eichstätt Geschichte und Kunst (= GKF Nr.15), München-Zürich 1992, S. 59, Abb. S. 60.

Grund, Claudia, Die Frauenbergkapelle zu Eichstätt, hg. von der Dompfarrei Eichstätt, Eichstätt 2000.

Dehio OB 1990, S. 228f.; 2006, S. 246.

CG