Dorfen, Marktkirche St. Vitus

Marktkirche
Nebenkirche der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Stadt Dorfen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Oberdorfen. An der Marktkirche bestand ein Frühmeßbenefizium, auf das der Magistrat das Präsentationsrecht hatte. Ehem. Markt Dorfen, Gericht Dorfen
Patrozinium: St. Vitus, ursprünglich St. Petrus
Zum Bauwerk: Der spätgotische Vorgängerbau wurde mehrfach verändert: Erweiterung des spitzen Chorbogens 1672, Erneuerung der Empore 1687, Baureparaturen 1754. Das eingestürzte Chorgewölbe wurde 1799 erneuert (der Ostteil mit den Rippen blieb erhalten) und im LHs eine neue Weißdecke eingezogen.
Einfacher Saal zu drei Fensterachsen, Empore im W, in deren Bereich der Turm einschneidet. Gleichmäßige Belichtung durch je zwei große und ein kleines Fenster im N und S. Stark eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Stark Belichtung durch zwei Fenster im S und zwei Fenster in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Die Darstellung des Marktes Dorfen in Fresko A mit dem dominierenden Gebäude des ehem. Rathauses südlich der Kirche läßt an eine Finanzierung durch den Magistrat oder Bürger denken. Inhaber des Frühmeßbenefiziums in St Veit war Franz Ignaz Wagner (1775–1803), Sohn des Markt schreibers Johann Georg Wagner.
Autor und Entstehungszeit: Johann Evangelist Mang (* 25.12.1757 Buchbach † 25.7.1816 Dorfen) 1799. Signatur in A Jh. Ev. Mang pinx. 1799.
Johann Evangelist Mang war der älteste Sohn des Buchbacher Malers Balthasar Mang und dessen zweiter Frau Maria Anna Ludwig. Am 27.11.1798 heiratete er Elisabeth Eder aus Dorfen und ließ sich in Dorfen als Maler nieder. In der Gasteigkappe bei Kraiburg (OB, Lkr. Mühldorf) ist eine weitere, 1788 datierte Freskierung von seiner Hand erhalten.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Flachdecke mit Hohlkehle, Chor (B) Tonne mit Stichkappen
Rahmen: Gemalte Rahmenleisten, bei A von einem Band umwunden
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 5,30 m; 7,50×3,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1869 wurde die Raumschale mit bunter dekorativer Malerei neu gefaßt und nur das Deckengemälde des LHs belassen. Neufassung 1902 durch den Dorfener Maler Kaspar Auer von Dorfen, neue Deckenbilder vom Freisinger Maler Adalbert Kromer (Gammel 1958, S. 30). Innenrestaurierung 1932/33 und Wiederaufdecken der ursprünglichen Deckenbilder. Weitere Innenrestaurierung 1962: Die Mauern wurden trockengelegt, die Deckenbilder restauriert. Vor der letzten Restaurierung 1996 durch Michael Hornsteiner aus Dorfen zeigten sich an der Lhs-Decke und am Chorgewölbe zahlreiche Risse, die Fresken waren verrußt, nachgedunkelt durch spätere Fixierungen und vielfach retuschiert, die Rahmen im Chor waren übermalt. Die Raumschale wurde nach Abnehmen der alten Tünchschichten neu gefaßt. Die Fresken wurden trocken gereinigt, die Risse geschlossen und an den Ausbesserungsstellen retuschiert. Im Chor wurden Reste der malerischen Wand- und Deckengestaltung des 19. Jh. aufgedeckt und dokumentiert.

Beschreibung und Ikonographie
A ST. VITUS ALS PATRON DES MARKTES DORFEN Das langgezogene ovale Deckenbild zeigt im unteren Drittel eine genaue und interessante Ansicht des Marktes Dorfen mit den vier Toren und der Marktkirche. Im Hintergrund ist der Ruprechtsberg zu sehen und auf ihm die Wallfahrtskirche Maria Dorfen, zu der eine gemauerte Treppe mit Stationskapellen hinaufführt. Links von der Kirche sieht man den großen Komplex des Priesterhauses. Im Himmel erscheinen die Dreifaltigkeit und darunter in Wolken drei Heilige. Der Kirchenpatron Vitus in der Mitte ist fürstlich gekleidet, hat die Martyrerpalme in der Hand und zu seinen Füßen den Ölkessel. Ein Putto hält den Fürstenhut. Vitus weist nach unten auf den Markt Dorfen, ihn dem Schutz der Dreifaltigkeit empfehlend. Die beiden Heiligen, die den Kirchenpatron begleiten, knien auf etwas tiefer angeordneten Wolken: links der Apostel Petrus, der ursprüngliche Kirchenpatron, Buch und Schlüssel in der Linken, die Hand ebenfalls empfehlend auf die irdische Szenerie gerichtet. Rechts kniet der Apostel Paulus mit Schwert und Buch.

B VITUS HEILT DIE TOCHTER DES KAISERS Die Szene spielt im Portikus eines Palastes, links sieht man eine Landschaft mit einem See, in dem ein Schiff liegt. Kaiser Diokletian sitzt auf seinem erhöhten Thron. In der Bildmitte steht Vitus als Knabe in vornehmer Kleidung. Sein Haupt ist von einem kleinen Strahlenkranz umgeben, aus einer Himmelsöffnung fallen Strahlen auf ihn. Er hat die Hand auf die Schulter der neben ihm stehenden Prinzessin gelegt und die Rechte segnend erhoben. Aus dem Mund der Prinzessin entweicht der böse Geist in Gestalt einer spiralförmigen grauen Wolke. Kaiser Diokletian blickt erschrocken auf das Geschehen. Neben Vitus stehen sein Lehrer Modestus und seine Amme Crescentia, beides Christen, die mit dem jungen Vitus vor dem Zorn des Vaters über das Meer geflohen sind, woran das Schiff im Hintergrund erinnert. Die Szene ist eine Variante zu der Vitus-Legende von der Heilung des Sohnes von Kaiser Diokletian (zur Vita von Vitus, Modestus und Crescentia s. S. 73).
B1-2 WAPPEN BAYERNS UND DORFENS (neu) Das Hauptbild B ist von zwei Medaillons begleitet, von denen das nördliche die Rauten Bayerns und das südliche das Wappen Dorfens, die drei Stadttore, zeigt.
Quellen und Literatur
StAM, Landbauämter 151: Restaurierung 1869. AEM, Pfarrakten Dorfen 155 0001 01: Pfarrbeschreibung. BLfD, Akt Dorfen, Marktkirche St. Veit.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 123. Kalender für katholische Christen 1847, S. 96. KDB I OB (2), S. 1217. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 212. Gammel, Josef, Die Marktkirche in Dorfen und ihre Geschichte, in: Das Mühlrad. Blätter zur Geschichte des Inn- und Isengaues, Nr. 8, Oktober 1958, S. 29-31 (Neudruck in Gammel/Gribl 1980, S. 228–32).
-, Das Dorfener Rathaus und seine Geschichte, in: Gammel/Gribl 1980, S. 219–21.
-, Zum Patrozinium der Dorfener Marktkirche, in: Gammel/Gribl 1980, S. 310 f. D1: 0 6
Dehio 1990, S. 195 f.
Brenninger, Georg, Maria Dorfen (Neubearbeitung von KKF Nr. 65, 11934), München und Zürich 31990, S. 23 f. A.B.

