Burgheim, Pfarrkirche St. Kosmas und Damian
Pfarrkirche (Pfarrverband Burgheim), Markt Burgheim, Diözese Augsburg. Die Pfarrei war dem Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld inkorporiert, das das Jus nominandi et praesentandi innehatte. 1646 wurde eine Rosenkranzbruderschaft errichtet. Pflegamt Burgheim (Pfalz-Neuburg)
Patrozinium: St. Kosmas und Damian
Zum Bauwerk: Der älteste Teil der Anlage ist der Unterbau des quadratischen Westturms, vielleicht 12. Jh. Die Kirche wohl aus dem 13. Jh., brannte 1409 ab und wurde ein Jahr später wiederhergestellt. Der gotische Chor stammt von 1483–1502. 1633 steckten die Schweden die Kirche während des Dreißigjährigen Kriegs in Brand, wobei die Dachstühle vor Turm und Langhaus sowie die Einrichtung vernichtet wurden. Wiederherstellung 1636–40.
Im Dezember 1719 stürzte die verfaulte hölzerne Decke des LHs ein, »und eine ganze Seithenmaur solcher Gestalt vom übrigen Gebäu sich hinweg begibt, daß der Kirchen völliger Einfall stündlich zu besorgen ist« (BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 836, fol. 49). Die Kirche mußte geschlossen werden. Zur Instandsetzung war das Kloster Niederschönenfeld verpflichtet, das den Hauptanteil des Burgheimer Zehntaufkommens besaß, sich aber äußerst zahlungsunwillig zeigte. Es gab ständig Streitereien zwischen der Äbtissin Antonia von Prey und dem Magistrat in Burgheim, in die sich auch das Geistliche Offizium in Augsburg und der kurfürstliche Geheime Rat in Neuburg einschalteten. Im Frühjahr 1720 erklärte sich das
Kloster schließlich zur Reparatur bereit, lieferte einen Riß und stellte Material und Handwerker. Die Erneuerungsarbeiten waren offenbar recht weitgehend, denn im März ist von der »iezo völlig abgebrochenen Kirchen« die Rede (ebd., fol. 364). Ein Teil des aufgehenden Mauerwerks im LHs ist neu, auch der Höhenunterschied der Dächer von Chor und LHs, der heute die Silhouette der Kirche bestimmt, bestand vor dem Umbau nicht. Es war jedoch nach Aussage der Handwerker unmöglich, daß der neue Dachstuhl an den Chor hätte »angeschüfftet« werden können (ebd., fol. 547). Für die Ausstattung forderte Kloster Niederschönenfeld nachdrücklich, Überfluß und Prunk zu vermeiden. Aus Gründen der Sparsamkeit sollte wieder eine Holzdecke eingebaut werden. Die streitbaren Burgheimer kamen dem aber nicht nach. Sie ließen nicht nur eine prächtige Kanzel anfertigen, sowie neue Chorfenster und Sakristeischränke, sondern sorgten auch für Stuckierung und Freskierung des neuen LHs, das entgegen dem Wunsch des Klosters eingewölbt wurde. Am 28.4.1721 war die Kirche mitsamt der neuen Ausstattung fertig mit Ausnahme des Pflasters, dessen Kosten zu übernehmen sich Niederschönenfeld weigerte (ebd., fol. 58). Am 6.5.1721 trug der kurfürstliche Geheime Rat in Neuburg der Äbtissin jedoch auf, das Pflaster legen zu lassen (ebd., fol. 62). Gemeinsam vom »Heiligen«, d.h. aus dem Kirchenvermögen, und vom Markt Burgheim wurde die neue Kanzel bezahlt. Am 23. 1. 1722 heißt es: »Dem Stockator von Eichstett wegen der Canzl bezahlt 40 fl.« (ebd. fol. 442). Diesen Stuckator hat Siegfried Hofmann 1985/86 mit Jakob Egg aus Eichstätt identifiziert und ihm frageweise auch den Stuck der Decke zugeschrieben. (Vgl. auch die Kanzel von Egg in Monheim von 1721 sowie die Kanzel und die übrige Stuckierung in Waidhofen von 1718/19, die Egg zugeschrieben werden können, s. S. 313 ff.)

Hohe Saalkirche zu vier Achsen, etwas eingezogener, gegenüber dem LHs erhöhter Chor mit dreiseitigem Schluß, im W quadratischer Turm. LHs mit Pilastergliederung und Flachdecke mit gewölbter Randzone mit Stichkappen; auf jeder Seite vier große segmentbogige Fenster. Im Chor Netzgewölbe und Maßwerkfenster auf Figurenkonsolen. Im W doppelte Empore (erneuert), die obere etwas zurückgesetzt, unter mit gerader, oben mit vorschwingender Brüstung. Nördlich an den Chor angebaut Sakristei mit flacher Decke und drei Rechteckfenstern in Segmentbogennischen. Reicher Stuck mit Akanthus und Blütenranken, geflügelten Engelsköpfen und einzelnen Bandwerkmotiven.
Auftraggeber: Die Freskierung wie auch die Stuckierung wurden von der Marktgemeinde Burgheim veranlaßt, die gemeinsam mit ungenannten Stiftern die Kosten trug. In einem Schreiben von Bürgermeister und Räten von Burgheim an den kurfürstlichen Geheimen Rat in Neuburg heißt es am 3. 1. 1722 anläßlich der Bitte, das Kirchenpflaster legen zu lassen, »damit die neue Kirchen und darin vorhandene kostbare und schöne. mehrentheils aus hiesiger MarckthsCassa und der Gutstätter Mittel angeschaffte Mahlerey und Arbeit wegen Abgang des Pflasters und hierdurch entstandenen Staub und Unflat nit gan ruinirt und verderbt werden möchte« (ebd. fol. 69). Pfarrvikar in Burgheim war Johann Georg Mayr (1701–37).
Autor und Entstehungszeit: Johann Anton Zächenberger (* Um 1690 Salzburg † 1773 München) 1720. Signatur in A auf der Pyramide: Joha. Anthoni / Zechenperger / fecit./ 1720 Von Zächenberger sind auch die freskierten Darstellungen der Vier Evangelisten an der Kanzel und die Altarblätter der Seitenaltäre, von denen das nördliche, das Maria als Apokalyptisches Weib über der Seeschlacht von Lepanto darstellt, signiert ist: ANTHONY ZACHENPERGER FECIT IN INGOL- STADT 1720
Zächenberger wurde am 19.4.1719 in Ingolstadt als Bürger aufgenommen. 1720 sind die Fresken und Altarbilder in Burgheim entstanden sowie die Deckenbilder in Puch bei Pfaffenhofen. Bald darauf wandte sich der Maler nach München, wo er am 5.3.1725 die Malergerechtigkeit des Daniel Horapöckh von der Zunft erwarb (CBD Bd 3/I, S. 93 f.). Bei dieser Gelegenheit gab er an, er habe in München bei Joseph Ruffin gelernt und sei im Römischen Reich, sowie in Salzburg, Trient und Wien auf Wanderschaft gewesen und habe bei bürgerlichen Malern gearbeitet. Charakteristisch für Zächenbergers Stil sind nebeneinander aufgereihte schlanke Figuren mit sehr langen Unterkörpern und dünnen Beinen, oder, falls sie Gewänder tragen, mit senkrechten Falten, die die Beine herausmodellieren und Röhrenfalten in den Zwischenräumen. Häufig werden die zierlichen, etwas kraftlosen Personen vor einem schalartig dünnen Gewandstreifen umflattert. Obwohl Brauntöne überwiegen, wirkt die Farbigkeit sehr licht, vor allem durch den hellblauen Himmel mit weißen geballten Wolken und durch das sparsame Grün der Vegetation.
Befund
Träger der Malerei: LHs (A-D) Flachdecke mit gewölbter Randzone mit Stichkappen; 1–5 obere Emporenbrüstung; 6–13 Stichkappen; 14–17 untere Emporenbrüstung; Sakristei S Flachdecke
Rahmen: A-D geschwungener Stuckprofilrahmen; 2–17 teilweise ohne Rahmen, 1 Vierpaß, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 12–17 oval, 6, 7, 10, 11 Dreipässe; S Stuckprofilrahmen, umgeben von Eichenblättern und Akanthus (neu)
Technik: Fresko; A-D, S, 1 polychrom; 2–17 camaieu zweifarbig: 2, 3, 6, 7, 10, 11, 14, 17 violette Figuren auf Braun, 4, 5, 8, 9, 12, 13, 15, 16 blaue Figuren auf Grün
Maße: A–D Höhe 10,31 m; 3,40×3,90
S Höhe 3,63 m; 2,80×2,00, oval
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Fresken haben viel von ihrer originalen Substanz verloren. Anläßlich einer geplanten Innenrestaurierung schrieb die Kirchenverwaltung am 20.9. 1903, die Darstellungen der Apostel in den Stichkappen und an der Emporenbrüstung seien »teilweise beinahe bis zu Unkenntlichkeit ruinös«. An der unteren Empore befanden sich damals gar keine Bilder mehr (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4125). Deren Verlust hängt möglicherweise mit dem Einbau einer neuen Orgel im Jahr 1898 zusammen, wozu die Empore vergrößert und die Brüstung erneuert werden mußte. Die Bilder der Decke bezeichnete das Generalkonservatorium in einem Gutachten vom 31.12.1903 (BLfD) als ziemlich gut erhalten, nur drückten sich die Latten der Decke zu sehr durch. Die Innenrestaurierung von 1903 übernahm der Murnauer Malermeister Alexander Hinkert, der seine Arbeit aber bald nach Beanstandungen durch das Generalkonservatorium einstellen mußte. 1906/07 wurde die Restaurierung durch Paul Jackisch, Neuburg, weitergeführt. Nach seinem Kostenvoranschlag vom 8.5.1906 sollten die Fresken gereinigt und schadhafte Stellen ausgebessert werden, vier der Aposteldarstellungen in den Stichkappen sowie drei der Darstellungen an der oberen Empore sollten »aufgemalt« werden (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4125). Damit ist wohl eine weitgehende Erneuerung gemeint. Das entspricht auch der Schadensfeststellung von 1903. Die Darstellungen an der Kanzel und an der Decke der Sakristei waren ebenfalls einbezogen; die vier leeren Ovalfelder an der unteren Emporenbrüstung wurden von Jakisch marmoriert.
1934 plante man bereits eine neue Innenrestaurierung. 1938 erhielten Chor und LHs ein neues Dach, die Chorfenster wurden erneuert, das Äußere verputzt und getüncht (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4127). 1945 beschädigten Granateinschläge die Kirche, die man zunächst nur notdürftig reparierte. Im Rahmen einer Gesamtinstandsetzung im Jahr 1968 durch die Fa. Alfred Binapfel, Augsburg, lag die Restaurierung der Deckenbilder in der Hand von Severin Walter, Augsburg. Wie schon die Gutachten des BLfD (1942 und 8.2.1963) bezeichnete auch Walter die Bilder, vor allem die der Apostel, als stellenweise übermalt. Die Fresken der Decke wiesen Risse auf und waren teilweise geschraubt. Vorgesehen war, die Übermalung zu entfernen und nach den Originalresten einzustimmen, ferner an der unteren Emporenbrüstung die vier fehlenden Bilder in den 1907 durch Jackisch marmorierten Feldern ganz neu zu malen. Nach mündl. Mitteilung des ehem. Pfarrers von

Burgheim, Josef Dolp, und des Restaurators Severin Walter (Februar 1995) wurden diese Darstellungen jedoch nicht völlig neu gemalt, sondern für drei von ihnen (14, 15, 16) konnte man von aufgefundenen Resten ausgehen, während die Darstellung des hl. Paulus (17) neu gemalt und die Inschrift dazu von Pfarrer Dolp entworfen wurde. 1983 Putz- und Stucksanierung durch die Kirchenmalerfirma Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Bei den Deckenfresken wurden Risse geschlossen und eine trockene Reinigung vorgenommen. Die durch Granatbeschuß beschädigte Sakristei wurde jetzt erstmals nach dem Krieg instandgesetzt, der Stuck ergänzt und ein ca. 1 Quadratmeter großes Loch bei der Darstellung des hl. Nepomuk (S) geschlossen und die Malerei ebenfalls ergänzt.
Beschreibung und Ikonographie
Die breitformatigen Deckenbilder A-D, die der Jocheinteilung des LHs folgen, sind sich in der Komposition sehr ähnlich. Es handelt sich um einansichtige Darstellungen in leichter Untersicht, bei denen die Figuren in der vorderen Bildschicht agieren; sie sind hart an den unteren Rand gerückt oder ragen, unten überschnitten, in das Bild hinein. Seitlich werden die Kompositionen durch Architekturkulissen gerahmt, nach hinten öffnet sich der Blick in die Landschaft.
Wegen der parataktischen Folge von vier gleich großen Jochen im LHs konnte man keines der Deckenbilder formal besonders hervorheben. Einen gewissen Akzent setzte man unmittelbar vor dem gotischen Chor mit der Marienkrönung (A). In den übrigen drei Deckenfeldern (B-D) ist die Legende der beiden Titelheiligen Kosmas und Damian geschildert; den verschiedenen Phasen ihres Martyriums entspricht die Abfolge B, C, D von Osten nach Westen. D Blickrichtung nach Westen, A–C Blickrichtung nach Osten.
A MARIENKRÖNUNG Auf einer vom unteren Bildrand überschnittenen Wolkenbank ist Maria in den Himmel emporgeschwebt, unterstützt von kleinen Engeln. Sie trägt ein rosa Kleid und einen blauen Umhang, in der Linken hält sie das gesenkte Zepter, das Haupt schmückt ein Kranz aus Rosenblüten. Von unten ragt links eine Pyramide empor mit der Künstlersignatur (s.o.). Die Gottesmutter wird von der Dreifaltigkeit empfangen, über ihr schwebt die Taube auf dem Deckel der Heilig-Geist-Öffnung, links hält Christus, der mit der Rechten ein großes Kreuz umfaßt, eine Krone für sie bereit, und rechts ist Gottvater mit dem Dreiecksnimbus zu sehen, neben ihm die Weltkugel.

B-D MARTYRIUM DER HLL. KOSMAS UND DA- MIAN In den Bildfeldern der drei ersten Joche ist das Martyrium der Titelheiligen der Kirche Kosmas und Damian dargestellt. Sie waren arabische Ärzte und wurden mit ihren drei Brüdern unter Diokletian lange gefoltert und schließlich enthauptet (LA-Benz, S. 737–739).
B MARTYRIUM DURCH FEUER Kosmas und Damian weigerten sich, den heidnischen Idolen zu opfern und wurden daraufhin in Aegae in Kilikien von dem kaiserlichen Statthalter Lysias verhört und zum Verbrennen bei lebendigem Leib verurteilt. - Rechts thront Lysias erhöht vor einer Art Exedra, deren Kalotte durchbrochen und mit einer Blütengirlande verziert ist, neben ihm steht sein Diener. Auf hohem Sockel neben Lysias ist das Kultbild zu sehen, auf das ein heidnischer Priester, zu den beiden Heiligen gewandt, hindeutet. Diese sitzen in einer großen, vorne geöffneten Kugel, aus der die Flammen schlagen. Sie wenden sich betend nach oben, wo ein großer Engel zu sehen ist vor einer sich öffnenden Wolke, aus der ein breiter Gnadenstrahl zu ihnen fällt. Als Folge des Gebets schlägt das Feuer vorne aus der Kugel heraus und richtet sich gegen die Peiniger, die entsetzt die Arme heben. Kosmas und Damian bleiben unversehrt.
C MARTYRIUM DURCH STEINE UND PFEILE Nachdem ihnen das Feuer nichts hatte anhaben können (vgl. Darstellung C), wurden Kosmas und Damian der Zauberei angeklagt und zunächst zur Steinigung verurteilt, die erfolglos blieb. Auch den anschließenden Beschuß mit Pfeilen überlebten sie unbeschadet. - Vor einer hoch aufragenden Architektur, betont durch eine Säule, um die ein großer Vorhang geschlungen ist, steht links der Statthalter und erteilt Befehle. Hinter ihm weist der Priester wieder auf ein Kultbild - eine Herme – hin. In der Bildmitte hängen die beiden Heiligen an Kreuzen, den Steinen und Pfeilen ausgesetzt, die jedoch von ihnen abprallen und zu den Verursachern zurückkehren, etwa zu der zum Wurf ausholenden großen Rückenfigur vorne. Rechts erscheint in himmlischem Licht ein großer Engel auf einer Wolke und steht den beiden Heiligen bei.
D ENTHAUPTUNG DER HLL. KOSMAS UND DA- MIAN Das Fresko ist von der Orgel halb verdeckt, sodaß nur das Martyrium eines der beiden Heiligen zu sehen ist. Er kniet betend im Vordergrund, ein breiter goldener Lichtschein fällt vom Himmel auf ihn herab. Hinter ihm steht der Scharfrichter, das erhobene Schwert in den Händen, weit zum Schlag ausholend. Auf einem mit Widderköpfen verzierten Sockel ist rechts die Statue Jupiters (ergänzt) mit dem Adler zu sehen. Von dort nähert sich ein ganz in Weiß gekleideter Priester, auf dem Haupt den Lorbeerkranz und in der Hand ein Rauchfaß. Etwas weiter im Hintergrund sieht man zuschauende Frauen mit einem Kind und einen Reiter, vorne links sitzt ein Soldat mit Lanze vor einem von einer Kugel bekrönten Sockel. Im Hintergrund wird eine rot-lila marmorierte Pyramide sichtbar. Gut erhaltene Partien, etwa der ausdrucksvolle Kopf des



Scharfrichters mit geöffnetem Mund und lockigem Haupt- und Barthaar, erweisen Zächenberger, der später Stadtmaler in München wurde, als einen durchaus befähigten Künstler.
1–13 ALLEGORIE DER ECCLESIA UND DIE ZWÖLF APOSTEL Die Allegorie der Ecclesia erscheint an beherrschender Stelle in der Mitte der oberen Emporenbrüstung. Dieser Darstellung ist die Reihe der Zwölf Apostel zuzuordnen. Das Bild der Ecclesia wird flankiert von den vier zuerst berufenen Aposteln. Der Zyklus setzt sich am Gewölbe des LHs in den Stichkappen alternierend fort. Die Apostel, die Träger der Kirche, sind als Urheber des Apostolischen Glaubensbekenntnisses wiedergegeben, dessen einzelne Artikel in Schriftbändern über ihnen aufgezeichnet sind. Auf ihr Missionsgebiet sowie auf Art und Zeitpunkt ihres Todes verweisen Inschriften auf einem Tisch oder Sockel neben ihnen. Sie sind an der Emporenbrüstung als Halbfiguren, in den Stichkappen als Dreiviertelfiguren dargestellt.
Obere Emporenbrüstung
1 ALLEGORIE DER ECCLESIA Auf einem Felsen in der Brandung erhebt sich ein Kirchengebäude, darüber steht das Dreieck mit dem Auge Gottes; rechts sieht man Schiffe im Sturm, links einen Gestrandeten. Oben in der Mitte ein Spruchband: Extra ecclesiam nulla salas (salus).


In den Stichkappen
6 PHILIPPUS mit Kreuz und Buch Oben: Descendit ad Inferos tertia Die Resurexit a Mortuis. Unten: Hierapoli / Phrygiae / Crucifixus / A. C. 54. - Philippus war tätig in Vorderasien und Südrußland. Er soll in Hierapolis gekreuzigt worden sein (legendär).
Untere Emporenbrüstung
14–17 JOHANNES D. T., CHRISTUS, MARIA, PAULUS sind an der unteren Emporenbrüstung dargestellt in Fortführung des Themas der Apostelreihe (aufgrund von freigelegten Resten erneuert, Christus erhielt irrtümlich das Aussehen Gottvaters, Paulus ist ganz neu).
14 JOHANNES D. T. mit Kreuz und Lamm Oben: Poenitentiam Agite: approquinquavit (appropinquavit) enim reg- num Caelorum. Unten: Decollatus Mach. / Herode Antip.31 Johannes wurde unter Herodes Antipas enthauptet.

num Caelorum. Unten: Decollatus Mach. / Herode Antip.31 Johannes wurde unter Herodes Antipas enthauptet.
Sakristei
S HL. JOHANNES VON NEPOMUK (Blickrichtung nach O) Der Heilige im Kanonikergewand mit dem Birett auf dem Haupt steht frontal über Stufen erhöht neben einem Altar. Er hält in der Rechten ein Kruzifix und wendet der Blick nach oben einem Engel zu, der den Finger zum Schweigegestus an den Mund legt. Rechts im Hintergrund sieht man Soldaten auf einer Brücke als Hinweis auf das Martyrium in der Moldau.
Ergänzungen zur Ikonographie
Die Deckenbilder verherrlichen die Gottesmutter und die beiden Kirchenpatrone, die Medaillons an der oberen Emporen brüstung und in den Stichkappen beziehen sich auf die Apostel, die zur Errichtung der Kirche in die Welt geschickt wurden, missionierten und das Martyrium erlitten. Mit ihrem Tod zeugten sie für den Glauben. Sie gruppieren sich um die Allegorie der Ecclesia, deren Inschrift auf den theologischen Grundsatz verweist, daß außerhalb der Kirche niemand gerettet werden kann (Vgl. J. Beumer, in: LThK2 3, 1959 Sp. 1320 f.). Die zwölf Jünger, die Christus unter seinen Anhängern auswählte, sind in der Reihenfolge dargestellt (2-13), wie sie Act 1,13 aufzählt. Der Verräter Judas ist durch Matthias ersetzt (ebd. Vers 23–26). Nach einer Pseudo-Augustinischen Predigt des 6. Jh. (PL 39, 2189 f.) sollen diese zwölf Auserwählten an Pfingsten, bevor sie sich trennten, gemeinsam das Glaubensbekenntnis verfaßt und nacheinander jede einen Artikel gesprochen haben. In Burgheim ist die Verteilung der einzelnen Abschnitte an die Apostel gegenüber dieser Vorlage variiert. In den Inschriften werden die Jünger nicht nur als Urheber des Credo kenntlich gemacht, sondern es wird auch auf ihre zwölf Missionsgebiete verwiesen und auf ihr Martyrium. Die Bildthematik kommt bereits im Mittelalter vor, im 16. Jh. trug die niederländische Druckgraphik dann zur weiteren Verbreitung bei. Im Rahmen barocker Kirchenausmalungen begegnet ein Zyklus der Apostel als Schöpfer des Credo in St. Andreas in Sachsenkam, Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen, gemalt von Caspar Weidinger, 1787 (CBD Bd 2, S. 232 f.). In Burgheim erscheinen an der unteren Emporenbrüstung (14-17) Christus als Salvator und seine Mutter Maria, sein Vorläufer Johannes der Täufer und der in die Zwölfzahl nicht einbezogene Paulus, dessen Apostelwürde in der Urkirche anerkannt wurde.

Quellen und Literatur
ABA, Pfarrarchiv Burgheim (161/2): Restaurierungen u. a. BHS, PNA, NA 1989, Nr. 836.: Burgheim, Baufälle Instandsetzung.
BLfD, Registratur, Akten Burgheim, Pfarrkirche St. Kosmas und Damian.
StA Augsburg, BA Neuburg, Nrn. 4125, 4127, 4128: Restaurierungen; ebd. Regierung Nr. 12327: Restaurierungen.
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 481; Bd 2, S. 256.
o. V., Monographien des Landgerichts Neuburg a.d. Donau: Burgheim in: NK 15, 1849, S. 116.
Steichele, Bd 2, S. 584-595.
Hopp, Bd 1, S. 121 f.
Horn/Meyer 1958, S. 432–441.
Pötzl III, S. 46.
Liedke, Volker, Das Meisterbuch der Münchner Zunft der Maler, Bildhauer, Seidensticker und Glaser (1566-1825), in: Ars Bavarica 10, 1978, S. 21-53, hier S. 43 f.
Hofmann, Siegfried, Werke des Stukkateurs Jakob Egg aus Eichstätt in Baar, Burgheim, Ingolstadt, Marxheim, Rohrbach und Treuchtlingen. Eine Vorstudie, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 94/95, 1985/86, S. 339–351.
-, Notizen zur Geschichte der Kirche von Lenting mit einem Exkurs über die Fresken in der Kirche Burgheim bei Neuburg, ebd., S. 352–391.
Dehio 1990, S. 165 f.
Friedrich, Verena, Burgheim St. Cosmas und Damian (Peda-Kunstführer Nr. 388), Passau 1996.
Literatur zur Ikonographie
Male, Emile, L'art religieux de la fin du Moyen age en France, Paris 1908, S. 259-67.
RDK Bd 1, 1937, Sp. 811-829, hier Sp. 823: Apostel (Adolf Katzenellenbogen).
Pigler, Adolf, Barockthemen, Bd 1, Budapest-Berlin 1956, S. 497.
LCI Bd 1, 1968, Sp. 150-173, hier Sp. 155: Apostel (J. Myslivec); Sp. 461–464: Credo (H. W. van Os).
B. V.-K.