Beyharting, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, ehem. Kapitelsaal
Ehem. Kapitelsaal, heute Augustinus-Saal
Zum Bauwerk: Der Kapitelsaal wurde in zeitlichem Zusammenhang mit der Sakristei, die früher als Kapitelsaal gedient hatte, um 1745/47 eingerichtet. Der Stuck ist wie der der Sakristei dem Aiblinger Stuckator Johann Schwarzenberger zuzuschreiben.
Einfacher rechteckiger Raum (7,00×5,60 m), im ersten Stock des östlichen Kreuzgangflügels gelegen; Eingang im W, zwei Fenster nach O, zwischen denen sich ein Aufbau in Form eines Altärchens befindet.
Auftraggeber: Propst Ildefons Golling (1746–49), s. Auftraggeber der Sakristei (S. 113).
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Balthasar Furtner (* unbekannt † 1764 Frauenchiemsee) 1746/47
Das Deckenbild zeigt große Ähnlichkeit mit Bild A in der Sakristei (S. 115) und den Fresken in der Taxakapelle in Au (S. 66). Vergleiche dieser Gruppe mit für Furtner gesicherten Werken und äußere Gründe sprechen für ihn als Autor.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 4,00 m; 3,30 x 2,95
17 7 777 177 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Jahr 1900 Wassereinbruch wegen Dachschäden. Vor der letzten Restaurierung war die Decke in sehr schlechtem Zustand: Risse, starke Feuchtigkeitsschäden im Deckenbild; große Schäden im Stuck; an der Fensterseite war er infolge Nachgebens der Holzträger bereits ausgebrochen. 1976 Restaurierung durch
Helmut Knorr, Grafing. Dabei wurden in den W-Ecken der Decke zwei Medaillons freigelegt. Die Decke zeigt Haarrisse, doch ist der Zustand der Deckenbilder recht gut.
Beschreibung und Ikonographie
B REGELÜBERGABE Ansicht nach O. Bildschauplatz ist eine offene Halle, deren brusthoher Abschluß links eine Ziervase mit Blumen trägt. Stufen führen in das Bild ein (die untere zeigt ein Charakteristikum von Furtners Werken, die Reparaturstelle mit der Eisenklammer). In der Mitte ist ein Ausblick auf einen Baum und den Himmel gegeben. Rechts ragt neben einer drapierten Säule ein Bücherregal auf. Davor steht Augustinus in Chorkleidung, das Haupt von einem Glorienschein umgeben, vor der Brust das flammende Herz. Er weist mit der Rechten zum Himmel, wo Christus als Weltenrichter mit dem Flammenschwert über dem Regenbogen erscheint. In der Linken hat Christus einen Siegeskranz; ein Engel hält das Kreuz.
Augustinus reicht einer Schar von Chorherren, die vor ihm knien, das Regelbuch mit der Aufschrift S. Regula. Auf einem Tischchen hinter ihm stehen neben der Mitra, seinem Würdezeichen als Bischof, zwei seiner Werke mit den Beschriftungen am Rücken Libri Confess: (Confessiones, um 400) und Liber Retractation: (Retractationes, um 428).
Bei den Chorherren handelt es sich offensichtlich um Porträts; im Vordersten kann man wohl Propst Ildefons Golling sehen
1-2 SZENEN AUS DEM NEUEN TESTAMENT In der Ecken der Decke befinden sich Bildfelder in Stuckkartuschen. Diese Bildfelder waren alle übermalt; bei der letzten Restaurierung konnten die beiden westlichen einigermaßen wiederhergestellt werden. Die beiden östlichen sind verloren. In schriftlichen Form jeweils auf einem Schriftband oben im Bild. Die Them und Inschriften der beiden Bilder lassen vermuten, daß sie sich einst mit den beiden verloren gegangenen Bildern zu einem kleinen Zyklus verbanden, der sich vielleicht auf die Bestimmung des Kapitelsaales oder auf die Pflichten der Mönche bezog, der sich aber aus den beiden erhaltenen Bildern nicht erschließen läßt.

1 DER BARMHERZIGE SAMARITER (Lc 10,30-35) Die Darstellung in der NW-Ecke zeigt eine Landschaft, in der der ausgeraubte und verletzte Reisende unter einem Baum liegt. Der Samariter, in reicher Kleidung und federgeschmücktem Turban, beugt sich über ihn, um ihm zu helfen. Rechts ist der Esel des Samariters zu sehen, im Hintergrund einer der beiden (Priester oder Levit), die an dem Verletzten vorbeigingen. Die Inschrift Vino et Oleo weist auf Wein und Öl hin, mit denen der Samariter die Wunden behandelte.

2 DER UNGLAUBIGE THOMAS (Jo 20,19–28) Das Bild in der SW-Ecke zeigt in einem weiten Saal die Apostel bei geschlossenen Türen versammelt. Vor Christus, der in ihrer Mitte erschienen ist, kniet Thomas und legt seinen Finger in die Seitenwunde. Die Inschrift Januis clausis weist auf die geschlossenen Türen des Saales hin: Es soll nichts nach außen dringen, was in diesem Saal verhandelt wird.
Quellen und Literatur
- s. S. 111
Weppelmann, Franz Josef, Im Kloster: Kreuzgang, Taverne, Kapitelsaal, in: Beyharting 2005, S. 222–25. A. B.
