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Berghausen, Filialkirche St. Nikolaus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 42–44, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

BERGHAUSEN

Filialkirche, Pfarrei und Markt Altmannstein, Bistum Regensburg; z. Z. der Ausmalung (bis 1959) Filialkirche der Pfarrei Sollern, Pfleggericht Abensberg, Rentamt München, ab 1779 Rentamt Straubing; 1803-1908 Landkreis Riedenburg, bis 1972 Landkreis Beilngries/OPf.

Patrozinium: St. Nikolaus, Nebenpatrone hll. Sebastian, Antonius und Andreas

Zum Bauwerk: Mittelalterliche Chorturmkirche bei einem Gehöft, um 1764 barock umgeformt.

Kleiner ungegliederter Saalbau (10,60 x 7,40 m) zu zwei Achsen mit eingezogenem Chor. Belichtung durch zwei Rundbogenfensterpaare. Die Altäre in Neorenaissance von 1893 — ein barocker Altar der Kirche wurde 1894 nach Kloster Windberg verkauft (BLfD, Akten Berghausen, Filialkirche St. Nikolaus handschriftliche Notiz) — enthalten zum Teil noch die barocken Heiligen, deren einige im Deckenbild wiederkehren: Nikolaus, Sebastian, Wendelin am Hochaltar, Sebastian, Franz Xaver?, Rochus, Florian an den Nebenaltären. Das Deckenbild befindet sich im Langhaus.

Auftraggeber: Andreas Ziegelmayr, Bauer in Berghausen Stifterinschrift am östlichen Bildrand Andreas ZieglMayr Pau alhier/hat disses Gemähl verfertigen lassen/1764.

Ein Andreas Zieglmayr (* 1688 † 1763) ist in den Pfarrmatrikeln nachweisbar. Die Sterbematrikel der Pfarrei Sollern verzeichnet sein Begräbnis am 16.8.1763: »sepultus est honoratus vir Andreas Zieglmayr agricola de Perghausen omnibus ecclesiae sacramentis saepius magna devotione sumptis et penitus in divinam voluntatem resignatus. Aetatis 75. Annorum. Pro funeralibus... 10fl.« (BZAR, Pfarrei Sollern Bd 2, S.142 FN 26, frdl. Mitt. Paul Mai, Regensburg). Das Fresko wäre dann allerdings erst im Jahr nach dem Tod des 75jährigen entstanden bzw. vollendet worden. Nachdem der Stifter als junger Mann dargestellt wird, kann es sich um ein länger zurückliegendes Ereignis oder auch um einen gleichnamigen (in den Matrikeln nicht verzeichneten) Sohn handeln.

Autor und Entstehungszeit: Der Maler der einfachen Malerei ist nicht bekannt, Datum im Deckenbild 1764.

Lokalgeschichtlich, zeitlich und stilistisch nahe liegend ist der Maler, der auch das Deckenbild in der Pfarrkirche von Markt Altmannstein geschaffen hat (siehe S. 24-26). Hypothetisch kommt ein Mitglied der aus Altmannstein stammenden Künstlerfamilie Günther in Frage.

Wie in Altmannstein ordnet der Maler die Komposition entlang des Bildrahmens an und strebt im Mittelgrund durch einen stark verkleinerten landschaftlichen Ausblick Tiefenillusion an. Details wie Hände, Gesten, Mitra oder Brosche sind sehr ähnlich gemalt. Der farbliche Gesamteindruck in heller Rot- und Gelbwerten entspricht dem Altmannsteiner Fresko

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko mit Secco; polychrom Maße: Höhe 5,80 m; 5,80 x 4,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Kirche liegt auf bröckelndem Grund und leidet unter Feuchtigkeit. 1894 Innenrenovierung, 1904 Neutünchung des Innenraums durch Fa. Vogl und Glaubacker, Regensburg. 1956 Entfeuchtung und notdürftige Restaurierung des Deckenbildes durch Sigmund Spitzner, Parsberg, dabei Freilegen »unsachgemäßer Übermalungen«. Eine seit 1962 geplante gründliche Innenrestaurierung konnte erst 1981/83 durchgeführt werden. Beim Deckenbild traten leimartige Tropfen aus, bei denen es sich nach dem vom Doerner Institut, München, erstellten Gutachten um eine bereits in kaltem Wasser lösliche Leim-Fixierung handelte Die Entfernung »mit lauwarmem Wasser, evtl. Kompressen. möglicherweise unter Zusatz einer geringen Menge Äthyloder Isopropylalkohol« führte die Fa. Preis, Parsberg, durch Das Deckenbild ist technisch in gutem Zustand; teilweise Retuschen

Beschreibung und Ikonographie

DER STIFTER VOR DER MUTTERGOTTES UND HEILIGEN Das Fresko ist einansichtig und mit unwesentlichen Verkürzungen dem Bildrahmen folgend im Halbrund komponiert. Es zeigt eine Gruppe von Heiligen auf Wolken. Zuoberst die Muttergottes mit dem Jesuskind als Himmelskönigin mit Krone und Zepter, den Fuß auf der Mondsichel, flankiert von

Der Stifter vor der Muttergottes und Heiligen (1764)

4.

den heiligen Bischöfen Nikolaus und Ulrich (Attribute Buch mit drei goldenen Kugeln bzw. Buch mit Fisch). Der dritte Bischof links ist der Bistumspatron von Regensburg, St. Wolfgang mit dem Kirchenmodell. Auf der rechten Seite folgen zwei Pestpatrone, der hl. Sebastian mit Pfeilen (Nebenpatron) und der hl. Rochus, der auf seine Pestbeule am entblößten Knie zeigt. Das Hündchen, das ihm Brot in die Zurückgezogenheit brachte, kauert hinter ihm. Die vordersten beiden Heiligen beziehen sich auf den Stifter selbst, es ist links sein Namenspatron, der hl. Andreas (Nebenpatron) mit Andreaskreuz, und rechts der hl. Wendelin, Patron des Viehs. Kuh, Schaf und Zicklein weiden zu seinen Füßen, die Krone, die Wendelin sozusagen aus den Händen gleiten lässt, ist der königliche Anspruch, den er zugunsten eines Lebens als Hirte in der Einöde verschmähte. Und endlich der Stifter selbst, kleiner als die Heiligen steht er bescheiden auf der linken Seite und blickt zu den von ihm erwählten Patronen auf. Er hat die Hände gefaltet, im Arm den Dreschflegel. Sein Bauernhof – heute kaum verändert – ist hinter ihm wiedergegeben, die Kirche von Berghausen, die bis auf die Turmzwiebel noch genau so aussieht, vor ihm. Am verblüffendsten ist ein großes Segelschiff, das die aufreißenden rosa Wolken dem Blick freigibt und das offenbar von stürmischen Meereswellen bedroht wird. Es lässt die Vermutung zu, dass der Stifter in Seenot dieses Deckenbild gelobt und nach glücklicher Heimkunft gestiftet hat. Die Inschriftkartusche am Bildrand weist darauf hin: Andreas ZieglMayr Paur alhier / hat disses Gemähl verfertigen lassen / 1764. Zur Person des Andreas Zieglmayr und zu seiner Beziehung zu einem Schiff auf hoher See ließen sich im Bistumsarchiv Regensburg keine näheren Angaben ermitteln.

Quellen und Literatur

BZAR, Pfarrakten Altmannstein 18 (Auswertung Xaver Luderböck); Pfarrmatrikeln Sollern.

BLfD, Akt Berghausen, Filialkirche St. Nikolaus.

Kunstinventar Bistum Regensburg, Berghausen, bearbeitet von Friedrich Fuchs, 1995.

DB II OP (13), S. 26.

Die Beschreibung des Bistums Regensburg von 1723/24, hg. Von Manfred Heim (= BGBR, Beiband 9), Regensburg 1996, S. 287.

BETTBRUNN