Altmühldorf, Pfarrkirche St. Laurentius
Pfarrkirche (Pfarrverband Altmühldorf), Stadt Mühldorf, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei dem Kollegiatstift Mühldorf inkorporiert und gehörte zum Erzbistum Salzburg. Altmühldorf war eine Hofmark im Besitz des Erzstifts Salzburg, die teils im Salzburgischen Vogtgericht, teils im Salzburgischen Propstgericht Mühldorf, jedoch im Kurfürstentum Bayern lag.
Patrozinium: St. Laurentius
Zum Bauwerk: Turm und Langhaus der Kirche stammen aus den Jahren 1500-1518. 1758 beschädigte die im Sturm abgebrochene Turmhaube den Chor, so daß dieser neuerbaut werden mußte. Dabei ging der Sakristeianbau im Neubau auf; die Sakristei wurde auf die Südseite des Chors verlegt. Datum an der LHs-Seite des Chorbogens 1759. 1763 Einbau einer barocken Doppelempore im W.
Dreischiffige hohe Hallenkirche mit Rundpfeilern zu vier Jochen, an die der im Außenbau viel niedrigere, relativ kleine barocke, stark eingezogene AR (7,00×5,35 m) anschließt. Die Zwickel der Wölbung münden in die Pilaster der abgerundeten Ecken. Belichtung durch ein Baßgeigenfenster an der geraden Altarwand und durch ein hohes Rundbogenfenster auf der N-Seite (im S Sakristei mit darüberliegendem Oratorium). Das Fresko befindet sich im Chor.
Auftraggeber: Dekan Wolfgang Summerer vom Kollegiatstift in Mühldorf (1739–77). Pfarrvikar war Kanonikus Joseph Zacharias Enzensperger (1753–66).
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Paul Kurz (* 1721 Mühldorf † 1772 Mühldorf, s. S. 347) 1759. Das Fresko und die vier Wandbilder zeigen große Ähnlichkeit mit den Fresken in St. Katharina in Mühldorf (1755/56), die

ALTMÜHLDORF
Johann Paul Kurz mit Sicherheit zugeschrieben werden können, aber auch mit der von Kurz signierten Ausmalung der Frauenkirche in Wasserburg (1750). Für den in Mühldorf ansässigen Kurz spricht auch die historische Wahrscheinlichkeit. Vergleichbar mit den Fresken in St. Katharina ist die flächige Malweise, die mit Helldunkeleffekten Tiefenwirkung erzielt, was besonders in der Gewandbehandlung eingesetzt wird. Lebhaft bewegte Volksgruppen, die in temperamentvoller Gestik untereinander korrespondieren, sind ebenfalls eine Eigenart von Kurz. Die Figuren sind gelängt, mehr zeichnerisch als modellierend durchgestaltet, mit rotbraunen Konturlinien. Die Gesichter erkennt man an der typisierenden Art Ober- und Unterlippe mit einem dunklen ›Grübchen‹ zu verschatten. Die Entstehungszeit ist durch das Baudatum 1759 gegeben.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Längsgerichtete böhmische Kappe Rahmen: A, W1-4 Stuckprofil
Technik: A Fresko, W1-4 Fresko mit reichlich Secco bei der Binnenzeichnung und starkem Firniß; polychrom
Maße: A Höhe 11,40m; 5,50×4,40
W1-4 Basis in Höhe von 3,10 m; 2,00 × 1,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Mayer-Westermayer vermerkt eine Restaurierung 1858. Bei der Innenrestaurierung 1891/92 durch Josef Elsner versuchte man, den Chor des 18. Jh. dem gotischen LHs anzupassen. Das barocke Deckenbild wurde in einen himmelblauen Anstrich mit goldenen Sternen eingebettet und die AR-Wände mit Teppichmalereien dekoriert, die Gesimse »aus Stuck der Zopfzeit« abgeschlagen; in diesem Zusammenhang entfernte man den barocken Hochaltar, die barocke Kanzel und die barocken Emporenfresken. Zur Ausführung kamen nur ein neuer Hochaltar (wieder entfernt) und Seitenaltäre. Nächste Innenrestaurierung 1919/20 durch Peter Keilhacker aus Taufkirchen/Vils, wobei die Fassung des Chors von 1891/92 entfernt und nach alter Bemalung gesucht wurde (AEM, StAM). Letzte Restaurierung 1964 durch Martin Zunhamer, Altötting. Das

Deckenbild wirkt relativ original erhalten und ist in gutem Zustand. Wenige auseinanderlaufende Haarrisse, die von einem Scheitelriß ausgehen. Übermalungen in der Bodenzone und in den Gesichtern.
Beschreibung und Ikonographie
A MARTYRIUM DES HL. LAURENTIUS Einansichtige Darstellung mit geringen Untersichten. Durch die Aufhellung zum Hintergrund hin wurde im Schauplatz eine gewisse Tiefenwirkung erreicht; die Figuren sind dort in verkleinertem Maßstab wiedergegeben. Vor den Türmen und Mauern der Stadt Rom wird der hl. Laurentius auf dem Rost gemartert. Im Vordergrund liegen auf dem Boden die abgelegten Diakonskleider. Ein Henkersknecht facht mit einem Blasebalg das Feuer unter dem Rost an, ein anderer sticht auf den Heiligen, der nackt auf dem Rost liegt, mit einer Gabel ein. Ein heidnischer Priester versucht, Laurentius zu Jupiter zu bekehren, dessen vergoldete Statue auf einer Säule steht, aber dieser weist zum Himmel hinauf, wo aus einer lichten Wolke Putten mit Palmzweig und Lorbeerkranz entgegenkommen. Bewaffnete Soldaten und Reiter und andere Schaulustige umringen die Marterstätte.
W1-4 Vier Wandbilder an der Nord- und Südwand des Altarraums zeigen Heilige in ganzer Gestalt; ihre Auswahl weist auf in Oberbayern besonders beliebte Heilige des 18. Jh. hin: Der hl. Aloysius wurde 1726 heiliggesprochen und 1729 zum Patron der studierenden Jugend ernannt; 1729 heiliggesprochen wurden auch der Jesuit Stanislaus Kostka und Johann Nepomuk.
W1 ALOYSIUS VON GONZAGA (Jesuit, * 1568 in Castiglione bei Mantua †21.6.1591 in Rom, Fest 21.6.). Als Jugendlicher in Priesterkleidung mit Chorhemd dargestellt, einen Kruzifixus mit Lilien in der Hand. Die abgelegte Krone und Kette auf dem Tisch neben ihm weisen auf seine hohe Geburt hin, die Geißel auf sein asketisches Leben, die Lilien auf seine Reinheit.
W2 STANISLAUS KOSTKA (Jesuit, * 1550 in Polen † 14.8. 1568 in Rom, Fest 7.5.). Der Heilige steht vor einem Tisch mit dem Kruzifixus, darüber erscheint Maria mit dem Kind, das ihm entgegentritt.
W3 JOHANN NEPOMUK (* um 1340/50 in Pomuk †20.3.1393 in Prag, Fest 16.5.). Der Kanoniker von St. Veit in Prag trägt über Talar und Rochett die Almutia aus Pelz; er hat ein Kruzifix in der Hand und Sterne um das Haupt. Im Hintergrund sieht man die Moldau mit seiner Leiche, darüber die Brücke. Über dem Heiligen schwebt in einem Strahlenkranz seine unverweste Zunge, Erinnerung an sein unerschütterliches Bewahren des Beichtgeheimnisses.
W4 OTTILIA VON HOHENBURG (lebte um 700, Fest 13.12.). Die Patronin der Augenleidenden ist als Benediktineräbtissin dargestellt. Auf einem Tischchen liegt auf einem aufgeschlagenen Buch als ihr Attribut ein Augenpaar.





Quellen und Literatur
StAM, LRA 51570: Restaurierung 1891/92; LRA 51577: Restaurierung 1919/20.
AEM, Ptarrakten Altmühldorf 109000101 Pfarrbeschreibung 109300203 Restaurierungen 19. Jh.
BLfD, Akt Altmühldorf, Pfarrkirche St. Laurentius.
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 79–83. KDB I OB (3), S. 2144–46. Aumüller, Hans und Hans R. Spagl, Altmühldorf, Pfarrkirche St. Laurentius, 1970 Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf, München 1976, S. 312, 316. Dehio 1990, S. 20 f.