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Alb, Kapelle St. Anianus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 447–450, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kapelle, Gemeinde und Pfarrei Irschenberg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung befand sich bei der Kapelle (bis 1804) eine Eremitage des Dritten Ordens der Mindesten Brüder (Minimen), Gericht Aibling

Patrozinium: St. Anianus

Zum Bauwerk: Von Kloster Rott am Inn wurde 1373 an der Stelle, wo nach der Überlieferung die Klause des hl. Anianus war, eine kleine Kirche errichtet, die sicher einen früheren Kultbau ersetzte. Diese Kirche wurde im 18. Jh. unter Pfarrer Alexander Joseph Streiter von Irschenberg (1759–97) neu eingewölbt und dekoriert. Der Hochaltar ist 1765 datiert (Inschrift am Altar: »dise Arbeit hath gefass der Sebastian Troger, Mahler in Elbach. Ao: 1765«).

LHs zu zwei Jochen, AR nicht eingezogen, vom LHs durch einen doppelten Chorbogen getrennt; gerader Chorschluß; Pilastergliederung; gleichmäßige Beleuchtung von N und S in allen Jochen

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder sind nicht signiert und datiert. Eine Inschriftkartusche östlich von B IHS 1759, die bei der letzten Restaurierung wieder aufgedeckt wurde, gibt das Jahr der Ausmalung an. Der Stilvergleich mit den Fresken in Wilparting (S. 628–33), die ebenfalls 1759 entstanden sind, ergibt eindeutig, daß die Fresken von Alb vom gleichen Autor, von Joseph Martin Heigl (* Konstanz † 1776 München) stammen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B) und AR (C) böhmische Kappen

Rahmen: A, B und C Stuckprofil in C-Bogen-Form, von Rocaillekartuschen überlappt

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,20 m; 2,20 × 3,80

B Höhe 5,20 m; 2,30 × 3,60

C Höhe 5,30 m; 2,70 × 3,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Inschriftkartusche westlich von C Renov. / 1890. / J.L. Giebl (?). Letzte Restaurierung 1976/77 durch Helmut Knorr, Grafing. Da das Gewölbe nicht massiv ist (Lattengewölbe), waren einzelne Partien der Fresken vom Gewölbe abgeprellt. Diese Stellen wurden wieder gefestigt, Übermalungen früherer Restaurierungen entfernt (besonders in A) und Fehlstellen ausgebessert. In den Stuckkartuschen um B ist die originale Farbigkeit aufgedeckt. Die Hütte in A (am linken Bildrand) wurde bei einer früheren Restaurierung über eine Fehlstelle gemalt. Der Zustand der Deckenbilder ist jetzt gut.

A Marinus besucht Anianus
B Anianus in der Einsiedelei

Beschreibung und Ikonographie

Die drei querformatigen Bildfelder zeigen einansichtige Szenen. Kaum Untersicht und Verkürzungen; dagegen Neigung der einzelnen Figuren und Gegenstände ohne konsequentes Perspektivsystem. (Aufnahmestandpunkt jeweils unter dem westlichen Bildrand.)

Die Kompositionen der drei Bilder sind annähernd achsensymmetrisch, wobei die Gruppe der beiden Heiliger Marinus und Anianus (in B Anianus allein) die Mitte des Bildfeldes einnimmt. Die Versatzstücke, die den Schauplatz bezeichnen, sind um die Figuren geradezu attributiv angeordnet. In der Charakterisierung der Schauplätze zeigt sich Heigl als Zimmermannschüler, ebenso in der Behandlung der Gestalt- und Bewegungstypen. Die Farbigkeit der Fresken ist auf wenige Werte reduziert, vor allem auf Violett und Goldgelb vor hellem Hintergrund, dazu Grün in den Landschaftsschauplätzen.

A MARINUS BESUCHT ANIANUS Schauplatz der Szene ist eine weite Wiesenlandschaft mit Baumgruppen und einer Hütte im Hintergrund. Auf einer kleinen felsigen Erhebung in der Bildmitte sitzt der hl. Marinus in Bischofshabit unter einem Baum; zu ihm tritt Anianus und reicht ihm einen Krug, wobei er zugleich auf einen runden steinernen Ziehbrunnen deutet.

Diese einfache Szene schildert das asketische Leben der Heiligen: Marinus, der seinen Neffen Anianus in seiner Einsiedelei in Alb besucht, die von Wilparting durch das tiefe, waldige Kaltental getrennt ist, wird von ihm mit einem Krug Wasser bewirtet.

Die Legende berichtet: »Bis vero in sabatho . . . alimoniam recepit, nihilque nisi panem & salem, parumque herbarum commedit, neque potum, nisi aquam tantum bibit« (Legenda vetusta, S. 343, s. Literatur und Quellen zur Vita der Heiligen Marinus und Anianus, Wilparting S. 634)

B ANIANUS IN DER EINSIEDELEI Der Diakon Anianus wird hier in seiner Klause gezeigt. Er ist im Zentrum des Bildes sitzend dargestellt, ein Buch in Händen, vor einem aus Asten roh zusammengefügten Kreuz. Auf einem Tisch zu seiner Linken liegen Gegenstände, die auf sein asketisches Leben und auf die Vergänglichkeit und Eitelkeit irdischen Lebens hinweisen: Rüben (die Heiligen ernährten sich nach der Legende von Wurzeln und Kräutern), eine Geißel, ein Totenkopf und ein Stundenglas. Zu Füßen des Heiligen sieht man den rechteckig behauenen Stein, der ihm als Lagerstatt diente und der heute noch in Alb gezeigt wird.

Mit wenigen Mitteln ist die Enge und Abgeschiedenheit der Klause anschaulich gemacht: ein Bretterverschlag, flankiert von zwei Bäumen, dessen linker in seinen Asten einen primitiven Dachansatz aus Brettern trägt, stellt die Klause dar. Dach, Bäume und Bretterwand stehen nicht in einem logisch faßbaren räumlichen Zusammenhang, sondern charakterisieren die Hütte im anschaulichen Bereich. Die Enge und Armut wird durch das einfache Kreuz aus Asten betont, das zusammen mit dem Dachansatz und einigen Steinen als Repoussoir im Vordergrund den Lebensbereich des Heiligen nach vorn abschließt. Der Ausblick in eine öde, bergige Landschaft am rechten Bildrand zeigt die Abgeschiedenheit des Ortes.

C GLORIE DER HLL. MARINUS UND ANIANUS Vor einem lichten Himmelsraum mit kreisförmig angeordneten hellen Wolkenbänken thront der hl. Bischof Marinus; bei ihm kniet der hl. Diakon Anianus, die Hl. Schrift in Händen. Ein Engel trägt die entschwebende weiße Taube, das Attribut des hl. Anianus. Ein Putto reicht dem hl. Marinus Martyrerkranz und Palme.

Die Gruppe dieser Figuren ist einansichtig wiedergegeben, ohne Untersicht und Verkürzungen; sie steht wie eine Kulisse vor der hellen Glorie, die sich dahinter in die Tiefe zu öffnen scheint. Auffallend ist dabei, daß nicht die göttlichen Gestalten in der Glorie erscheinen, sondern diese wie ein Nimbus die Heiligen hinterfängt. Das Chorfresko ist ikonographisch eine Weiterführung der Darstellung auf dem Altarblatt, das den Tod der beiden Heiligen zeigt. Während Marinus in Wilparting von der Hand räuberischer Horden den Martertod erlitt, starb Anianus in seiner Zelle in Alb, und seine Seele entfloh dem Körper in Gestalt einer weißen Taube.

Fresko B ist von vier Rocaillekartuschen umgeben, die Darstellungen in Stuck tragen. Die nordöstliche Kartusche zeigt einen kleinen achteckigen Bau mit dem dreifachen Kreuz über der Kuppel, ein Symbol der Ecclesia. Die südöstliche Kartusche zeigt ein großes Schiff auf dem

Meer, ebenfalls ein Ecclesia-Symbol. Südwestlich sind zwei Kirchen dargestellt, und zwar Kirche und Kapelle von Wilparting. In der nordwestlichen Kartusche sind eine Kirche und ein Haus zu sehen; hier handelt es sich wahrscheinlich um Alb.

Die vier Bilder könnten auch auf Begebenheiten aus der Vita der beiden Heiligen hinweisen: das Schiff auf die Fahrt

der Missionare von Irland nach dem Festland, der Rundtempel als Symbol der römischen Kirche auf St. Peter in Rom und die Aussendung durch den Papst, Alb und Wilparting auf die Orte ihres Wirkens.

Literatur siehe Wilparting, S. 634

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