Zittau, Altes Gymnasium, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/f629ae3e-3207-4efa-87b3-e28bdf6becdf

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In dem 1586 gegründeten Gymnasium haben sich ein Raum mit ausgemalter Holzbalkendecke und lateinischen Inschriften aus dem 17. Jh. sowie ein Raum mit einem mythologischen Gemälde aus dem 18. Jh. nach einer Vorlage von Samuel Bottschild erhalten.

Altes Gymnasium Zittau, Deckenbild: Venus, Amor, Merkur und Paris, um 1723
Altes Gymnasium Zittau, Deckenbild: Venus, Amor, Merkur und Paris, um 1723

Das 'Alte' Gymnasium

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte

Das heute sogenannte 'Alte' Gymnasium wurde 1586 eingeweiht. Es geht zurück auf eine bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert von den Johannitern betriebenen Stadtschule im Kreuzhof der Johanniter-Kommende.[1]Diese befand sich im Zentrum der Zittauer Altstadt (heute Johannisplatz). Nicolaus von Dornspach, der seit 1536 selbst dort lehrte, engagierte sich in seinen insgesamt zehn Regierungsperioden als Zittauer Bürgermeister für die Förderung und Neuerrichtung der Schule. 1571 erwarb der Rat der Stadt das Gelände des Kreuzhofs und ließ diesen niederlegen. Dornspach erhielt die kaiserliche Genehmigung, ein neues Schulgebäude und westlich davon ein ursprünglich separat stehendes Rektorat mit Rektorwohnung errichten zu lassen – sie ersetzen den früheren Schulbau und die Wohnung des Kommendators. 1586 wurde die neue Schule eingeweiht.[2]

1602 wurde die Rektorgasse, die zwischen den Häusern verläuft, durch einen Mittelbau mit gewölbter Durchfahrt überbaut – Schulgebäude und Rektorat sind seither verbunden. Diesem Umbau sind die mehrstufigen Dachgiebel mit Voluten und Obelisk-Spitzen sowie die Gestaltung des Portals auf der Südseite des Gebäudes, der Schauseite in Richtung des Johannisplatzes, zuzurechnen. Eine entsprechende Datierung sowie der Name des federführenden Rektors Melchior Gerlach findet sich in einer Inschrift am Portal.[3]

1708 wurde an den Rektoratsbau ein weiterer Flügel angefügt, um Schüler von außerhalb zu beherbergen.[4]Dieser wurde nach 1947 abgetragen.

Eine weitere Inschrift hält eine Sanierung des zu diesem Zeitpunkt wohl für den Schulbetrieb etwas beengten oder auch davon abgenutzten Gebäudes im Auftrag des Stadtrates im Jahr 1723 fest ("[…] hoc musarum domicilium situm quem contraxerat deposuit novamque faciem induit" [dieses Heim der Musen, dessen Bauwerk sich verengt hatte, legte sein Gesicht ab und nahm ein neues an] übers. d. A.).[5]

Das Gymnasium erlitt beim Beschuss der Stadt durch Kaiserlich-Königliche Truppen im Zuge des Siebenjährigen Krieges am 23. Juli 1757 schweren Schaden; der Angriff verursachte einen verheerenden Stadtbrand, bei dem zahlreiche Gebäude "gäntzlich zernichtet und verzehret" wurden, darunter auch "Die gantzen denen Herren Geistlichen und Schul-Bedienten gehörenden Häuser, an der Zahl achte, nebst dem Gymnasio".[6]Wirklich "gäntzlich" war die Vernichtung des Gymnasiums dabei jedoch nicht, zerstört wurde nur der Ostflügel, der die eigentliche Schule beherbergte. Die frühesten Darstellungen des Gymnasiums, zwei Kupferstiche von Johann Daniel de Montalegre um 1758, zeigen vergleichbare Ansichten des Gebäudes vor und nach der Verheerung. Der Propect des GYMNASII | Nach den Ruin zeigt auf der rechten Seite den wohl bis auf die Grundmauern abgebrannten Ostflügel ohne Dach. (https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70402021/df_dk_0001740) Bis 1786 wurde der zerstörte Teil wieder "ganz schmucklos aus den Ruinen hergerichtet".[7] Eine zeitgenössische Inschrift an der wiederhergestellten Südfassade beschreibt, dass der Flügel prachtvoller als zuvor wieder aufgeführt wurde („[…] ut nunc multo ornatior pristinam gloriam recorder“ [… [ich wurde wiederhergestellt,] sodass ich mich nun in viel prachtvollerer Gestalt an meine frühere Herrlichkeit erinnere.]);[8]der mehrstufige Volutengiebel, den Montalegres Stiche zeigen, wurde dabei abgetragen und durch ein dem Zeitgeschmack gefälligeres Mansardwalmdach ersetzt.

Bis ins 20. Jahrhundert diente das Alte Gymnasium als Schule und Internat. 1869-71 wurde mit dem Johanneum am Theaterring bereits ein deutlich größeres neues Schulgebäude errichtet, in dem seither ein Großteil des Unterrichts stattfand und das bis heute das Christian-Weise-Gymnasium beherbergt.[9]

Das Alte Gymnasium ist derweil seit 1996 Sitz der Zittauer Wohnungsbaugesellschaft. Für diese Nutzung wurde es 1996-7 und erneut 2020 instandgesetzt. Von den frühneuzeitlichen Raumausstattungen sind zwei Räume im ersten Obergeschoss des westlichen Gebäudeteils mit Stuckdecken erhalten geblieben (2 und 3 im Grundriss), einer davon mit einem Deckengemälde (3); außerdem ein mit Rankenornamenten und Inschriften ausgemalter Raum im Mittelbau über der Rektorgasse (1).

Einer Besichtigung und Fotodokumentation der historischen Räume wurde vom Eigentümer leider nicht zugestimmt. Die folgenden Betrachtungen konnten dementsprechend nur anhand von Bildmaterial vorgenommen werden, das die Städtischen Museen Zittau freundlicherweise bereitgestellt haben.

Baubeschreibung

Wie in der Baugeschichte bereits angesprochen, entstanden bis 1586 zunächst die Schule östlich der Rektorgasse und das Rektorat westlich davon als jeweils zweigeschossige Einzelgebäude. 1602 wurden diese verbunden durch einen Mitteltrakt, der eine überwölbte Durchfahrt für offen ließ. Der unregelmäßige Grundriss, aus dem sich das frühere Schulgebäude in Richtung Süden, das Rektorat dagegen mit einem Doppelgiebel in Richtung Norden herausschiebt, gibt noch einen Hinweis darauf; ebenso das Fehlen eines zentralen Eingangs, stattdessen gibt es separate Eingänge an der Westseite des Schultraktes und an der Ostseite des Rektoratsgebäudes. Durch den Verbindungstrakt bildete sich eine langgezogene Südfassade, die sich dem Johannisplatz mit der ursprünglich spätgotischen, 1757 abgebrannten und bis 1837 klassizistisch wiederaufgebauten Johanniskirche zuwendet. Obwohl die Fensteröffnungen des ehemaligen Rektoratsbaus etwas größer sind, verleihen die schlichten Sprossenfenster mit einfachen Steingewänden dem Gebäude einen einheitlichen Eindruck; allein über der Durchfahrt ist in der Südfassade ein Doppelfenster eingesetzt. Drei geschweifte, mit kleinen Obelisken bekrönte Giebelgauben und das mit plastischen Inschriften und unterschiedlich geschnittenen Quadersteinen versehene Sandsteinportal der Durchfahrt inszenieren die Südseite insgesamt als Hauptfassade. Die Stiche von de Montalegre überliefern zudem einen Schweifgiebel an der Südseite des Schulgebäudes. Das beim Stadtbrand 1757 zerstörte Dach und die Innengestaltung wurden bei der Wiedererrichtung durch ein flacheres Mansardwalmdach ersetzt. Auch von einem mit Arkaden zum Johannisplatz geöffneter Laufgang, der von der südwestlichen Gebäudeecke in Richtung der Kirche verlief, ist nur die Außenmauer mit einigen Wandepitaphien erhalten. Aus der schlichteren Nordfassade sticht heute das ehemalige Rektorat mit zwei Giebeln heraus; der westliche ist ein schmuckloser Dreiecksgiebel, der östliche ist dagegen geschweift und durch Gesimse gestuft. Zwischen ihnen öffnet sich der Blick in einen Lichthof, der laut dem Grundriss von 1907 ursprünglich geschlossen war. Verloren ist heute ein nach Norden vor den Schweifgiebel gesetzter Anbau, der Wohnraum für auswärtige Schüler beherbergte. In Gurlitts Kunstdenkmälern ist noch sein Grundriss überliefert, seine frühere Lage ist noch nachzuvollziehen anhand der ca. 2,5 Meter hohen Mauern, die heute als Umfassung eines Parkplatzes dienen.

Der Raum mit der bemalten Balkendecke

Im 1602 errichteten Verbindungstrakt zwischen Schule und Rektorat hat sich im ersten Obergeschoss ein kleiner Raum mit einer bemalten Holzdecke sowie Fragmenten einer umfangreichen, möglicherweise auf das 17. Jahrhundert zurückgehenden Fassung der Wände mit Inschriften und Ornamenten erhalten. Allerdings sind nur Teile der Wanddekoration an der Süd- und Westwand, jeweils in einem schmalen Streifen unterhalb der Decke, erhalten. Es ist zu bemerken, dass außer dem Doppelfenster in der Südwand keine der ursprünglichen Raumöffnungen mehr vorhanden zu sein scheint. Der Grundriss von 1907 zeigt den Raum noch mit einem Zugang in der Westwand über das Zimmer mit der Stuckdecke (2 im Grundriss) und einem Zugang in der gegenüberliegenden Ostwand, sowie einer weiteren Tür in der Nordwand, die zu einem anschließenden Zimmer führte, das nur von dem ausgemalten Raum aus betreten werden konnte. Auffällig ist dabei die geringe Wanddicke zwischen dem Raum mit der Rankendecke und dem letztgenannten Nebenraum, die darauf hindeutet, dass es sich um eine später eingebaute Trennwand handelt. Der Zugang zum ausgemalten Raum erfolgt heute über eine einzige Tür in der Nordwand, die aber nicht der im Grundriss von 1907 entspricht, sondern nach Westen versetzt liegt. Diese führt außerdem nicht mehr in den Raum mit der Stuckdecke - von diesem wurde ein schmaler Gang abgetrennt, der den Raum mit der Balkendecke nun über den Nebenraum mit dem Flur des westlichen Gebäudeteils verbindet.

Der Raum kann über eine Matterport-Aufnahme betrachtet werden:

https://www.stadtsanierung-zittau.de/vr/index.htm?media=altes%20Gymnasium

Die Unterzüge der Holzbalkendecke sind mit Blätterranken bemalt, die den Eindruck erwecken sollen, als wären sie um die Trägerbalken herumgewickelt. Die Deckenbretter sind ebenfalls mit floralen Motiven gestaltet; sie liegen auf Latten auf, die mit einer schwarzbraunen, netzartigen Marmorierung gefasst sind.

Jeweils im oberen Bereich der Südwand (Fensterwand) und der Westwand sind Inschriften erhalten. An der Südwand werden diese ergänzt durch leider stark fragmentierte Ornamente, möglicherweise Blumen, sowie Andeutungen von Scheinarchitektur. So ist der abgerundete Fenstersturz im oberen Teil durch ein aufgemaltes Kordelprofil eingerahmt. An der Westwand hat sich dagegen wenigstens auf der linken Seite die sanfte Andeutung von in Bögen aufgehängten Stoffbannern erhalten, die von der Decke herabhängen und auf denen die Schriftzüge aufgebracht sind. In der Mitte der Wand unmittelbar unterhalb des Deckenbalkens ist außerdem ein Gesicht zu erkennen, das sich mit diesem Banner überlappt – es könnte sich dabei um eine groteske Maske handeln, aber auch um die Andeutung eines Sprechers, von dem Inschrift als eine Art Wortblase ausgeht – eine flüchtige Botschaft, die festgehalten wurde.

Die Inschriften sind auf Lateinisch verfasst und weisen einige ungewöhnliche Schreibweisen auf, die für das nicht-standardisierte Latein der Zeit aber nicht untypisch sind. Inhaltlich sind sie, soweit zu erkennen, auf das Bewusstsein um den unausweichlichen Tod bzw. die Aufforderung zur Sorge um das Seelenheil ausgerichtet.[10]

Der Raum mit dem Deckengemälde

Der Raum (3 im Grundriss) stand vermutlich im Zusammenhang mit der Funktion des westlichen Gebäudeteils als Rektorat bzw. Rektorwohnung. Aufgrund seiner Größe und den erhaltenen Ausstattungselementen ist als einer der repräsentativen Haupträume des Gebäudekomplexes zu verstehen. Vertieft wird dieser Eindruck davon, dass jeweils zwei Fenster an der Ostwand (zur Rektorgasse) und der Westwand (zum Innenhof) das Zimmer beleuchten. Wände und Fußboden sind modern renoviert, aber die Decke mit einem mythologischen Gemälde hat sich erhalten.

Die Stuckdecke ist durch ein mehrstufiges Gesims mit Hohlkehle von den Wänden abgesetzt. Flache, aber feine florale Stuckornamente verlaufen in klar umrissenen Bändern am Rand, in den Ecken fassen sie runde, leere Kartuschen ein. Der mittlere Teil des Plafonds ist leicht abgetreppt. Im Zentrum steht das ovale Deckengemälde, das von geometrischen Ranken- und Muschelornamenten und einem schlichten Rahmen eingefasst wird.

Der Raum kann über eine Matterport-Aufnahme betrachtet werden:

https://www.stadtsanierung-zittau.de/vr/index.htm?media=altes%20Gymnasium

Das Deckenbild: Venus, Amor, Merkur und Paris

 
Altes Gymnasium Zittau, Deckenbild: Venus, Amor, Merkur und Paris, um 1723

Externes Bild
Samuel Bottschild: Paris, Merkur, Venus und Amor, 1693
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Das ovale Deckenbild ist direkt auf den Putz gemalt und befindet sich in einem durch die Renovierungen des Alten Gymnasiums gesicherten, aber insgesamt beschädigten Zustand. Mehrere geflickte Risse durchziehen die Oberfläche, die Farben sind deutlich abgerieben, doch in graubraunen Konturen hat sich die Szene dennoch erkennbar erhalten: Vor einem goldgelben Hintergrund lagert in der linken Bildhälfte Venus auf einer Wolke. Den rechten Arm hat sie um den kindlichen Amor gelegt, der mit geschultertem Köcher neben ihr kniet, sein Bogen liegt unterhalb der Gruppe. Im Zentrum des Bildes ragt Merkur hinter der Göttin hervor - er wendet sich mit erhobenem Caduceus-Stab ihr und ihrem Sohn zu. Die rechte Bildhälfte wird derweil eingenommen von einem jungen Mann, der mit dem Rücken an einem Felsen gelehnt sitzt und das Treiben der Götter verfolgt. Sein Gewand und der Stab, auf den er sich stützt, weisen ihn als einfachen Hirten aus, sein langes Haar und der entblößte, muskulöse Oberkörper betonen dabei Jugend und Kraft. Er ist Paris, der Sohn des Priamos von Troja, der verstoßen wurde und als Hirte aufwuchs - dies bestätigt die Vorlage, nach der das Deckengemälde gemalt wurde. Es ist ein Blatt aus Samuel Bottschilds Opera varia historica, poetica & iconologia (s. Abb.). Der Stich offenbart zudem ein zentrales Bilddetail, das im Deckengemälde nicht mehr zu erkennen ist: Venus hält den goldenen Apfel in der (im Gemälde völlig verlorenen) Hand, den Paris ihr zugesprochen hat. Auch Merkur weist mit einer Geste seiner linken Hand auf den Apfel hin. Die Darstellung lässt dabei offen, ob er selbst das Schmuckstück gerade der Göttin ausgehändigt hat, oder ob seine Geste den Apfel in ihrer Hand nur zusätzlich betonen soll.

Die Szene kann als eine augenzwinkernde Verquickung zweier unterschiedlicher Motive gelesen werden. Zum einen zeigt sie das Urteil des Paris, dem von Jupiter die Aufgabe übertragen wurde, zu entscheiden, welcher Göttin der goldene Apfel mit der Aufschrift "der Schönsten" gehören soll, den Eris, die Göttin der Zwietracht, auf der Hochzeit der Thetis mit dem sterblichen Peleus unter die Feiernden geworfen hatte. Die Konkurrentinnen Juno und Minerva fehlen in der Darstellung, doch die Quintessenz - die Entscheidung für Venus und ihr Versprechen, dass als Belohnung für ihre Wahl die schönste Frau der Welt ihm gehören soll - ist in der Anwesenheit der Siegerin und ihres Sohnes, des Liebesstifters Amor, sowie dem goldenen Apfel gegenwärtig.

Ungewöhnlich ist jedoch die Rollenverteilung: Paris wohnt dem Geschehen zwar bei, hat aber keinen aktiv Teil daran. Venus hält den Apfel bereits in der Hand und Merkur steht zwischen ihr und dem Sterblichen. Auch ist auffällig, dass Venus sich von Paris ab- und stattdessen dem Amorknaben an ihrer Seite zuwendet, der verlangend die Hand nach dem goldenen Schmuckstück ausstreckt. Diese Konstellation offenbart als weiteres Bildthema die Belehrung des Amor durch Venus und Merkur - ein nicht durch antike Quellen, sondern in der frühen Neuzeit entstandenes humanistisches Motiv, das mit den bekannten mythologischen Charakteren spielt. Darin wirkt Merkur, der Götterbote und Gott des Handels, als Sinnbild der Vernunft und klugen Voraussicht, der den verspielten und ungezügelten jungen Liebesgott zum umsichtigeren Handeln zu motivieren versucht. Die Verknüpfung mit dem Urteil des Paris kann dabei als Lektion darüber verstanden werden, dass eine Entscheidung, die man aus Leidenschaft und allein für sich selbst trifft, schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann: Paris hatte die Gaben der Minerva, die ihm ein Leben als weiser, ruhm- und siegreicher Krieger verschaffen wollte, und der Juno, die ihm Macht und Herrschaft über die Welt anbot, zugunsten der Gabe der Venus ausgeschlagen, die ihm die Liebe der schönsten sterblichen Frau versprach. Dies war Helena, die bereits die Gemahlin des Königs Menelaos von Sparta war. Zwar erfüllte Venus ihr Versprechen, denn als Paris nach Sparta reiste, verliebte sich Helena unsterblich in ihn und gemeinsam flohen sie nach Troja. Die Folge war jedoch eine jahrelange Belagerung und letztlich die Vernichtung der Stadt, wobei auch Paris und die meisten Mitglieder seine Familie starben. Aus der leidenschaftlichen Entscheidung eines Einzelnen hatte sich Tod und Verderben für viele entwickelt – ein Ausgang, der dem jungen Amor im Bild eine Lehre über die Konsequenzen des eigenen Handelns sein soll. An seinem Anbringungsort im Rektorat der Schule wirkt das Deckenbild als ein mythologisches Beispiel für die humanistische Idee von Bildung, bei der der Lehrer seinen Schüler zu Selbstreflexion und vernunftgeleitetem Denken und Handeln anleiten soll.

Durch die Vorlage lässt sich die Erschaffungszeit eingrenzen - die Opera varia wurden 1693 publiziert und im 18. Jahrhundert vielfach rezipiert. Bottschild war überdies Hofkünstler am nahen Dresdner Hof. Dementsprechend ist naheliegend, dass das Deckengemälde entweder bei der inschriftlich festgehaltenen Sanierung 1723, oder aber im Zuge der Rekonstruktion und damit möglicherweise einhergehenden Erneuerungen der erhaltenen Bauteile nach dem Stadtbrand 1757 entstanden ist. Als Urheber ist ein regionaler Künstler anzunehmen, der die detailreiche Vorlage in einem etwas schlichteren Stil umsetzte.

Bibliographie

  • Dehio, Kunstdenkmäler Sachsen I, 1996 = Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath (Bearb.): Georg Dehio. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I: Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin: Deutscher Kunstverlag 1996, S. 880.
  • Gärtner, Quellenbuch, 1905 = Theodor Gärtner, Quellenbuch zur Geschichte des Gymnasiums zu Zittau,1. Heft: Bis zum Tode des Rektors Christian Weise (1708), Leipzig 1905.
  • Gurlitt, Kunstdenkmäler Zittau, 1907 = Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, unter Mitwirkung des Königlichen Sächsischen Altertumsvereins, hrsg. vom Königlichen Sächsischen Ministerium des Innern, Heft 30: Zittau (Stadt), Dresden 1907, S. 187-190.

Einzelnachweise

  1. siehe Gärtner, Quellenbuch,1905, S. 1-2.
  2. Gärtner, Quellenbuch, 1905, S. 13; Gurlitt, Kunstdenkmäler Zittau, 1907, S. 187.
  3. Jhs. Chri.(Jesus Christus) | Piet. Virt. Mor. et Lit. officinam (Pietatis, Virtutis, Morum et Litterarum officinam) | ecclesiae et reipub. seminar. (ecclesiae et reipublicae seminarium) In pace | regat et foecvndet. Renovatvm | et auctvm. M. Proc. Nassa. Cos. et syndico (Magistro Procuratore Nassaoviensi Consule et syndico) | excvltvm a M. Mel. Ger-lach. R[ectore].(excultum a Magistro Melchior Gerlach Rectore) | A. C. MDCII. (Anno Christi MDCII) Jesus Christus | eine Schmiede der Frömmigkeit, Tugend, Sitten und Wissenschaften | eine Stätte für Kirche und Staat möge in Frieden | leiten und fruchtbar machen. Erneuert | und erweitert durch den Nassauischen Magister-Prokurator, Konsul und Syndikus | vollendet von Magister Melchior Gerlach, Rektor | im Jahr Christi 1602. [übers. d. A.]
  4. Gurlitt, Kunstdenkmäler Zittau, 1907, S. 190.
  5. Vollständige Inschrift: Fortunam debet quisque manere suam, Sumptibus amplissimi Senatus Zittaviensis sub Consulatu Johannis Benedicti Carpzovii J. U. D. Consiliarii Regii et Electoralis nec non Consulis atque Syndici curantibus Scholarchis Carolo Philippo Stollio J. U. D. et Consule ut et memorato Johanne Benedicto Carpzovio J. U. D. Consule et Syndico avitum hoc musarum domicilium situm quem contraxerat deposuit novamque faciem induit. Anno 1723.
  6. Siehe Plan und Ansicht von Zittau vor und während der Zerstörung, Kupferstich, nach 1757, SLUB Dresden, Inventar-Nr. SLUB/KS A14646. Vor allem unterer Teil: Die Stadt Zittau in ihrer Grund-Lage, und wie solche von den Kayserlich-Königlichen Trouppen beschossen wird, nebst einer Beschreibung des Kampfverlaufes. https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70400403 (11.6.2025)
  7. Gurlitt, Kunstdenkmäler Zittau, 1907, 187 und 189 (Zitat); auch Dehio, Kunstdenkmäler Sachsen I, 1996, S. 880.
  8. Vollständige Inschrift: Belli flamma qvae hvic vrbi svavissimae die oppvygnationis | fvnestissimo X. Kal. Avgvst. MDCCLVII interitvm minabatvr | me qvoqve Evsebiae et Palladis sedem ex parte combvsserat | donec insigni senatvs mvnificentia ex pvlvere et cineribvs | revocabar vt nvonc mvlto ornatior pristinam gloriam recorder. | Tv alme civis et honorate peregrine qvi haec legis | apprecare restitvtoribvs meis mihiqve favstissima qvaevis, | Cvm renovata schola est vlgeat spes avrea tradvx.
  9. https://www.gymnasium-zittau.de/
  10. Nicht ohne Fehlstellen, aber am deutlichsten lesbar ist die in zwei Spalten aufgeteilte Inschrift an der Westwand: MORS CERTA EST: INCERTA _ES.MODU HORAQ _IOR IS CONSULAT ERGO ANIMAE QVI SAPIT IPSI SVAE. SI MORIMVR: DOMINO MORIMVR. SI VIVIMVS. IPSI VIVIMVS ET DOMINI SORTE IN VTRA | MAXIMA _oSSE MORI VI__ EST SAiEN QVI MORIV_ SIMSV_ER. _ DISCI SI CHRISTo MORERIS M_ Rs_ EsT SV_To IANVA DIFCeIC_ TV_ Der Tod ist gewiss. Ungewiss ist Art und Stunde des Gerichts Also kümmere sich um seine Seele, wer für sich selbst weise ist. Wenn wir sterben, sterben wir dem Herrn. Wenn wir leben, leben wir dem Herrn So gehören wir in beidem dem Herrn | Die größte Tugend des Weisen ist, sterben zu können. Wer stirbt, möge wahrhaftig sein, lerne das Wenn du in Christus stirbst, ist der Tod Heil. Die Tür [der Tod] ist schwierig, aber sicher. (Übers. d. A., der zweite, an der Wand rechte Abschnitt recht vage durch die Lücken)