Zum Inhalt springen

Zangberg, Schloß Zangberg, Fürstensaal

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 305–315, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kloster St. Joseph der Salesianerinnen Gemeinde Zangberg Ehem. Schloß der Freiherren von Neuhaus Hofmark Zangberg, Gericht Neumarkt

Fürstensaal Ahnensaal S. 316

Zur Geschichte. Nach mehrfachem Besitzerwechsel wurde Schloß und Hofmark Zangberg am 6. 10. 1663 um 26 000 fl. an Johann Sigismund Freiherr von Neuhaus verkauft, Herrn zu Greifenfels und Ehrenhaus in Kärnten, Domherrn zu Freising und Regensburg († 1683). Dieser bildete 1680 einen Primogenitur-Fideicommiß (erst in weltlicher, dann in geistlicher und schließlich in weiblicher Linie), als dessen nächster Erbe sein Neffe Franz von Neuhaus vorgesehen war, der aber 1682 bereits starb. Dessen 27jähriger Sohn Ferdinand Maria Franz von Neuhaus trat in die Erbfolge ein und erbte 1683 von Johann Sigismund die Herrschaft Zangberg; er hatte sie bis zu seinem Tod 1716 inne und hinterließ sie seinem ältesten Sohn Johann Franz Maria von Neuhaus (1716–52), der kinderlos starb. Erbe wurde sein Bruder Joseph Maria Nikolaus von Neuhaus (1752–58). Von dessen Kindern lebte bei seinem Tod nur noch die Tochter Maria Josepha, verh. Gräfin von der Wahl auf Aurolzmünster, die nun bis 1807 im Besitz von Zangberg war, die Herrschaft um mehrere Hofmarken und Edelsitze vermehrte und schließlich ohne Nachkommen starb. Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarben die Salesianerinnen von Dietramszell 1862 das Schloß um 25000 Mark und richteten auf Zangberg ein Mädcheninstitut ein; heute wird es als Tagungsort genutzt.

Erbauer des barocken Schlosses war Ferdinand Maria Franz von Neuhaus. Er ließ das alte, 1684 durch einen Brand beschädigte Schloß (Abb. im Ahnensaal auf der N-Seite und im Fürstensaal auf dem Bild der Schlacht von Ampfing) abtragen und in zwanzigjähriger Bauzeit die Vierflügelanlage mit Galerie und Gartenanlagen errichten. Die Pläne zum Neubau lieferte Antonio Riva, Bürger und Maurermeister in Landshut. Grundsteinlegung am 15.6.1684. Am 24.6.1684 wurde mit Riva der erste Vertrag über die Maurerarbeiten abgeschlossen. Der Rohbau war 1687 fertiggestellt, doch zogen sich Aus- und Umbauten, Nebengebäude sowie die Innendekoration lange hin. Von 1684–87 betreute den Bau ein Palier namens Julio Pini (Cini?), 1685/86 Johann Ricignano, 1689/96 Hans Peter Albertali; 1697 wurde mit Riva abgerechnet, der später in den Rechnungen nicht mehr aufscheint (ab 1698 hatte Riva die Bauleitung des Schlosses in Bonn für Kurfürst Joseph Clemens und nahm vielleicht auch Albertali mit). 1698 erschien von Riva geschickt, der Maurermeister Dominikus Glasl, der sich in Zangberg niederließ und bis 1715 alle baulichen Aufgaben für den Freiherrn von Neuhaus wahrnahm.

Das Schloß liegt bei Ampfing am nördlichen Hochufer der Isen auf einem steil abfallenden Hang. Es ist vierflügelig und umschließt einen rechteckigen Hof. Nord-, West- und Südflügel sind dreigeschossig, die O-Seite ist zweigeschossig. Die Süd- und die Westfront haben Eckrisalite in der Tiefe einer Fensterachse. Die Nordseite ist um spätere Anbauten erweitert. An die Ostseite des Baus schließt eine Galerie an, die in rechten Winkel einen Garten eingrenzt und mit dem Bau des ehem. Lusthauses nach S endet. Nach O steigt das Terrain an, sodaß das Lusthaus um eine Etage höher liegt. Der Höhenunterschied wurde für eine Kaskade genutzt. Der großangelegte französische Garten mit Zier-, Obst- und Kräutergärten, an den Steilhängen mit Weingärten, die zwischen zahlreicher Wasserbecken und Springbrunnen angelegt waren, und dessen Hauptattraktion ein schiffbarer Kanal war, ist mit dem damal gerade vollendeten Schloßbau auf dem Stich Wenings zu sehen.

Im ersten Geschoß befinden sich die Repräsentationsräume mit Fürstensaal, Fürstenzimmern und Ahnensaal, die sich über Süd- und Ostseite erstrecken. Der Fürstensaal in der SW-Ecke des Schlosses, mit Blick auf das Isental, die Alper und in Richtung München, ist zweigeschossig, ebenso wie der Ahnensaal (auch Gartensaal genannt, weil er ebenerdig auf der Garten geht). Im Erdgeschoß ist unter dem Fürstensaal der kreuzgewölbte, mit Säulen geschmückte ehemalige Pferdestall, heute Speisesaal. Auf der Westseite waren Küche und Kaplanswohnung, auf der Nordseite seitlich des Hauptportals noch zwei kreuzgewölbte Räume mit Säulen. Die mit dem Neubau entstandene Kapelle mit Kapellenturm lag in der Nordostecke des Schlosses, wurde erst um 1760 dekoriert und dem hl. Erasmus geweiht. Sie wurde 1868 abgebrochen, weil sie für das Kloster der Salesianerinnen zu klein war, und durch die neuromanische Herz-Jesu-Kirche von M. Geisberger aus Wasserburg ersetzt.

In dem Verbindungsbau zwischen Kirche und Schloß ist heute die Klausurkapelle untergebracht.

Zum Bauwerk: Der Saal nimmt den ganzen südwestlichen Eckrisalit des Schlosses ein und übergreift Hauptgeschoß und Obergeschoß. Drei Fensterachsen nach W, wo am steilabfallenden Hang die Brauerei und andere gewerbliche Gebäude lagen, vier nach S, eine nach N und eine nach O mit Blick auf die ehemalige Gartenanlage und das Isental. Von den drei Türen führt eine zum Gang, eine zweite zur Zimmerflucht im Westflügel und eine dritte zur Fürstenzimmer-Enfilade im Südflügel, über die der Saal auch mit dem Ahnensaal verbunden ist.

Der Saal wurde gleich im ersten Jahr der Bautätigkeit, 1684, von Antonio Riva erbaut. Für die Stuckierung des Saals und der nach O anschließenden Fürstenzimmer wurde mit Giovanni Battista Brenni (Preni) am 22.2.1684 »wegen Verferttigung der deme per 119 fl. in das Schloß Zangberg angedingten Stuckatorarbeith« paktiert. Beginn der Stuckierung in sieben Fürstenzimmern im Dezember 1684, Fertigstellung 1685. Brenni erhielt für »in dem anno 1684 erbauten Stock verfertigte Stuckatorarbeit, als ab jedem Zimmer 17 fl.«. Der Saal wurde gewölbt und gedeckt, über ihm der Boden gelegt. 1686 stuckierte Brenni die Saaldecke und den Kamin. Die Saaltüren wurden eingesetzt. Im Januar 1687 wurde das große Deckengemälde geliefert und angebracht. Am 21./22.1. und am 18./20.2. »hat Andre Winckhl dem Peter Mahler Farban Aufdatz reiben, das groß zur Saaldöckhen verferttigte Stuckh besser aufspannen, naglen, aufziehen, und ein so anderes auß dem Zimmer bringen, und aufheben müssen«. 1687 vollendete Brenni den Stuck des Fürstensaals und bekam für »zu den Statuen gemachte 9 Muschlen (Muschelnischen der Kaiserbüsten) à 1 fl. 30x. = 13 fl. 30x.«. Der Saal wurde ausgeweißt. Damit war er fertig und wird in den Rechnungen nicht mehr erwähnt. Die Saalwände waren also offensichtlich nie stuckiert, von den Muschelnischen abgesehen.

Rechteckiger Raum (10,70×14,00m; 8,50m hoch) in Höhe von zwei Geschossen. Gliederung durch hohe 12teilige Fenster und darüberliegende 6teilige (im Außenbau durch Blindfenster als 8teilig erscheinende) im Obergaden. Zwischen Fenster und Obergaden halbkugelförmige Nischen, in die Muscheln mit neun römischen Kaiserbüsten stuckiert sind. Umlaufendes profiliertes Stuckgesims mit Blattstab, über dem eine Hohlkehle ansetzt und in den stuckierten Deckenspiegel übergeht. Die Wände sind glatt und ungegliedert. An den Wandabschnitten zwischen den Fenstern hängen Ölgemälde mit den Porträts der Wittelsbacher, jeweils ein fast quadratisches über einem hochrechteckigen. Die mittlere Achse der Südseite zeigt einen geschnitzten Kaminaufsatz und darüber ein - später hinzugekommenes - nazarenisches Madonnenbild; zeitweise führte auch eine neugotische Treppe vom Saal aus in die Schlafsäle im 2. Obergeschoß.

Über der Tür zu den Fürstenzimmern hängt ein breitformatiges Gemälde mit der Schlacht bei Ampfing 1322.

Auftraggeber: Ferdinand Maria Franz von Neuhaus, Herr zu Greifenfels und Ehrenhaus, der aus einer Kärntner Adelsfamilie stammte, die seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. in Bayern ansässig war. Geboren am 5.2. 1655, studierte er in Ingolstadt, wurde 1680 zum kurfürstlichen Kämmerer ernannt und 1682 in der Nachfolge seines Vaters Pfleger in Traunstein. Er war 1688–96 bayerischer Gesandter beim Reichstag in Regensburg, 1689 geheimer Rat und 1696 wirklicher geheimer Rat. 1699 tauschte er die Traunsteiner Pflege mit der von Waldeck in der Oberpfalz; 1714 wurde er Pfleger von Friedburg im Innviertel. 1702 wurde er Obersthofmeister der Kurfürstin und kurz darauf Oberstkämmerer. Damit war er der zweithöchste Funktionsträger am bayerischen Hof. Etwa zur gleichen Zeit wurde er zum Generalbaudirektor ernannt. 1704–15, während der kaiserlichen Administration, kümmerte sich Neuhaus mit diplomatischem Geschick um die kurfürstlichen Bauten, insbesondere um die Schlösser Schleißheim und Nymphenburg. Ferdinand Maria Franz von Neuhaus hatte 1683 Zangberg von seinem Großonkel Johann Sigismund von Neuhaus, Domherrn in Freising und Regensburg († 3. 12. 1683) geerbt, dazu 150 000 fl., eine Summe, die ihm seine umfangreiche Bautätigkeit ermöglichte. 1703 erwarb er ein Stadtpalais in der Münchner Prannerstraße und beschäftigte bei dessen Umbau – wie auch in Zangberg – Münchner Hofkünstler. Er starb 1716 hochverschuldet (zu ihm s. auch sein Porträt, WIV, und Ikonographie des Ahnensaals S. 221f. und 240f.)

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt. Signatur im Deckenbild rechts unten P. Ayersch... / Pinxit 1687. Die letzten Buchstaben des Namens sind nicht zu erkennen, so daß verschiedene Lesarten in Betracht kommen: Ayerschetl, Ayerscheck, Ayerschmalz.

In den Baurechnungen StAM, Hofmark Zangberg Nr. 60 ist 1687 von einem großen, zur Saaldecke verfertigten »Stuckh« die Rede, das im Januar/Februar angebracht wurde. Bei dem dort genannten »Maler Peter« handelt es sich sicher um den Maler, der das Gemälde signiert hat. Ein Maler dieses Namens ist in München, Landshut oder Burghausen nicht nachweisbar. In Wessobrunn gab es eine Familie Ayrenschmalz. In Husum gab es im 17./18. Jh. eine Malerfamilie Eyerschöttel aus Nürnberg.

Über die Wittelsbacher Porträts wird in den Rechnungen nicht berichtet; sie dürften aus München geliefert worden sein: Bereits für 1685 ist unter der Rubrik »Botenlohn« die Rede von einer »großen Kisten mit Mallerey«, die am 4. 2. zusammen mit Pflanzen für den Garten auf der Isar von München nach Landshut verladen wurde. Im Rechnungsband des Palais Neuhaus in München 1705/06 (StAM) ist das Porträt des Kurfürsten Max Emanuel aus dieser Serie zweimal erwähnt; es wurde nach München geschafft, verändert und im Hauptzimmer über dem Kamin aufgestellt (Max Emanuel selbst war im Exil): »Der Maler Kendlpacher, so Ihro Churfst. Dlt. Contrafait, welches von Zangberg herauskommen und verlegt worden, ausgebessert, und anders gestöllt 4 fl.« (fol. 50 v.) und »Johann Michael Rhemble (= Remele), Steinmetzmeister, hat in dem oberen mittlern Haubtzimmer aufgesetzten Camin von rotem Marmor, worauf das Churfstl. Contrafait steht, verfertigt«.

A Genius Imperii Romani – Triumph des Heiligen Römischen Reichs

Befund

Träger der Deckenmalerei: Spiegelgewölbe

Rahmen: Das Gemälde ist umrahmt von einem prächtigen Stuckband von ca. 2,50 m Breite

Technik: Öl auf Leinwand

Maße: Höhe 8,50 (Stich ca. 1,00) m; 3,70 × 6,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1942 wurde der Fürstensaal durch Karl Schluttenhofer repariert und getüncht. 1954 hingen die Stuckdecken beider Säle rund 20 cm durch, verursacht durch Detonationen während des Krieges; die Aufhängung am Dachstuhl hatte sich gelöst. 1968 war eine Stuckfigur heruntergefallen. Daraufhin wurde die Saaldecke saniert und der Stuck sowie drei Ölbilder durch den Münchner Bildhauer Klaus von Vrieslander gefestigt und restauriert. 1978/82 wurden der Raum und die achtzehn Wittelsbacher-Porträts von Karl Holzner restauriert.

Das Deckenbild ist in ausgezeichnetem Zustand. Bis auf die Nachdunkelung sind keine Beeinträchtigungen und auch keine Übermalungen zu erkennen.

Das 2,50 × 6,80 große Leinwandgemälde »Schlacht bei Ampfing« hing im 19. Jahrhundert längere Zeit in der Schloßgalerie Schleißheim.

Beschreibung und Ikonographie

GENIUS IMPERII ROMANI – TRIUMPH DES HEILIGEN ROMISCHEN REICHS

Schauplatz ist ein antiker Götterhimmel, dunkle und dichtgeballte Wolken auf tiefblauem flockigen Hintergrund. In der linken oberen Ecke thront Jupiter auf einem Blitzbündel, von rötlichem Licht hinterfangen, begleitet vom Adler. Bei ihm erscheinen Merkur und Herkules (links), sowie Juno mit dem Pfau (rechts). Darunter im Gespräch sieht man Minerva und Mars auf Wolken thronen, den Kriegsgott in Rückenansicht. Von rechts fährt über die Wolken ein goldener, zweirädriger antikisierender Wagen, gezogen von zwei Adlern. Im Wagen sitzt, den Fuß auf ein blaues Seidenkissen gesetzt, ein junger Herrscher mit idealischen Zügen. Er trägt ein römisches rotes Soldatenkleid mit blauen Bändern, hat einen blauen Umhang über die Schulter drapiert, die nackten Beine bis zu den Waden in blauweiße Sandalen geschnürt. Mit seiner Linken berührt er den Reichsapfel, in der Rechten hält er ein Zepter mit kreuzförmigem Kopf. Der Wagen hat Saturn überrollt; dieser stürzt kopfüber in die Tiefe, Sense und Sanduhr mit sich reißend. Zwei Personifikationen schweben über dem jungen Herrscher: Victoria im weißen Gewand hält einen lorbeerumwundenen Palmzweig und weist zum Himmel. Fortitudo, bekleidet mit einem goldenen Harnisch und einer roten Draperie um die Hüften, hat das Löwenfell des Herkules über dem Haupt. Sie hält über die Figur im Wagen einen Lorbeerkranz. Hinter dem Wagen ist ein Schwarm von Genien dargestellt.

I Stephan II. mit der Hafte

RAHMENSTÜCKIERUNG Ein etwa zwei Meter breiter Stuckfries umgibt das rechteckige Gemälde, das in eine verkröpfte Rahmenleiste eingespannt ist. Der Fries ist eingefaßt von einer Blatt- und einer Akanthusgirlande. Aus dem musterartig mit Blättern und Kriegswerkzeugen bedeckten Grund, der in Flachrelief gehalten ist, erheben sich fast vollplastische lebensgroße Figuren, Siegesallegorien mit Posaunen in Art der antiken Victorien, die Schwert, Lorbeer und Palmzweig präsentieren. Sie neigen sich über gefangene Türken, die als kauernde nackte und glatzköpfige Männer mit Schnauzbärten gezeigt sind. In den Ecken des Deckenrahmens befinden sich große Trophäen.

In den vier Seitenmitten ist jeweils dasselbe stuckierte Wappen zu sehen: mit aufsteigender, eingebogener Spitze, auf dem (heraldisch) rechten Feld der steigende Löwe, auf dem linken die Rauten; auf der eingebogenen Spitze der Reichsapfel; es ist das Wappen der bayerischen Kurfürsten mit dem Reichsapfel als Zeichen der Erztruchsessenwürde. Dieses Wappen kann an der Stelle nur als Wappen des regierenden Kurfürsten Max Emanuel gedeutet werden.

Das Wappen ist auf nicht übliche Weise mit kaiserlichen Zeichen hinterlegt. Über ihm, ohne Berührung mit dem Schild, schwebt die Kaiserkrone, nicht als Bestandteil des Wappens, denn als zugehöriges Würdezeichen (Rangkrone) müßte sie unmittelbar auf den oberen Schildrand fest aufgesetzt sein. Hinterlegt ist das Wappen vom Doppeladler.

Es ist also das Wappen Max Emanuels in einer engen Verbindung mit kaiserlichen Insignien gezeigt, und das, wie die übrigen Rahmenmotive aussagen, aufgrund von Max Emanuels Türkensiegen.

I–XVIII HERRSCHER AUS DEM HAUS WITTELSBACH Zur ursprünglichen Bildausstattung gehören siebzehn der achtzehn Porträts der Herrscher aus dem Haus Wittelsbach. Bild XVI, das Porträt Karl Albrechts (1726–45), ist später hinzugefügt. Die Bildnisse sind an den Wänden angebracht, jedes ist mit Namen und Titel beschriftet, eine rote römische Ziffer nennt den Platz in der Abfolge. I–III, die Bilder der drei ältesten Wittelbacher, sind größer als die anderen (2,80×1,90), sie zeigen die Herrscher jeweils in einem Innenraum. IV–XI sind annähernd quadratisch (1,90 x ca. 1,60/170), sie zeigen die Herrscher im Dreiviertelporträt. XII–XVIII sind hochformatige Ganzporträts (2,45 x 1,60/170).

Die jetzige Hängung ist nicht die originale, sie folgt weder einer Größen- noch einer chronologischen Ordnung. Ältere Photographien, die sich noch im Kloster befinden, zeigen andere Bildanordnungen. Unverändert ist die Art der Anordnung (wenn auch nicht die Reihenfolge) an den beiden Fensterseiten (S-Wand und W-Wand), wo die kleineren, halbfigurigen Porträts oben und die hochrechteckigen Bilder unten mit den Fenstern alternieren. Die großen Bilder der drei ersten Herrscher (I–III) hängen heute an der N-Wand, eng gedrängt mit XVI, XII und XIII, darunter zwei niedrigere Porträts VI und X. An der O-Wand hängen seitlich der Tür zwei Herrscher, IX und XI, darüber das breite Gemälde ›Die Schlacht bei Ampfing«.

Der Zyklus bringt in lückenloser Folge die in Bayern (bzw. bei Linienteilung in Bayern-München) herrschenden Wittelsbacher. Die Porträtähnlichkeit geht direkt auf einen Gemäldezyklus im Theatinergang bzw. auf die 1605 in München erschienene »Genealogia Boiariae Ducum« des Christoph Gewold mit Stichen von Lukas Kilian zurück (s. den Theatinergang in der Münchner Residenz, CBD, Bd 3/II, S. 206–10).

III Otto II. der Erlauchte
Albrecht III. der Fromme
I VVIII Homoshaman Jan II W. 11 1

Zu den bildlichen Vorlagen im einzelnen s. Lorenz See-1 den Wittelsbachern die Stammtafel in: Die Wittelsr und ihre Künstler in acht Jahrhunderten, Hg. Hans entin u.a., München 1980, S.484–493).

III (in chronologischer Reihenfolge; vgl. Rekonstruk orschlag):

Pfalzgraf Otto I. von Wittelsbach wurde am 16.9. 1180 riedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehmt -83). Ganzporträt im Harnisch in einem Innenraum ick ins Freie. Dieses und die beiden folgenden Porträtsrößer als d

UDOVICVS PRIMVS COMES WITTELSBACHIV. AV Ludwig I. der Kelheimer, Sohn Ottos I., Herzog ayern (1183–1231). Ganzporträt im Harnisch in einen raum. Der Helm liegt auf dem Tisch.

OTTO SECVNDVS COMES WITTELSBACHIVS V. Otto II. der Erlauchte, einziger Sohn Ludwigs I., g von Bayern (1231–1253). Ganzporträt in Innenraum, n Tisch liegt ein Brief.

e, älterer Sohn Ottos II., Herzog von Bayern (1253–94), e die Herrschaft mit seinem jüngeren Bruder Heinrich, Niederbayern herrschte. Dargestellt wie die ersten drei her mit Hermelinumhang und -kappe, die Hand an Schriftst

LVDOVICVS SEVERVS D: BAV. Ludwig II. der Strengen, älterer Sohn Ottos II., Herzog von Bayern (1253–94), teilte die Herrschaft mit seinem jüngeren Bruder Heinrich, der Niederbayern regierte. Dargestellt wie die ersten drei Herrscher mit Hermelinumhang und -kappe, die Hand am Schriftstück.

DQVICVS ROM IMPERATOR D: BAV. Kaiser Ludwig der Bayer (deutscher König 1314, Kaiser 1328, † 1347) und sein älterer Bruder Rudolf waren Söhne Ludwigs des Strengen. Die Brüder teilten die Herrschaft in Bayern, Ludwig regierte in Bayern-Ingolstadt-Amberg, Rudolf in München. Nach dem Aussterben der Niederbayrischen Linie übten sie gemeinsam die Vormundschaft über Niederbayern aus. Rudolf starb 1319 und Ludwig vereinte die beiden Landesteile Oberbayern und Niederbayern, trennte aber die Pfalz als eigene Herrschaft für die Nachkommen Rudolfs ab. Kaiser Ludwig der Bayer ist im Profil dargestellt, im Krönungsornat, mit Reichskrone, Zepter, Reichsapfel.

VI STEPHANVS DVX BAV. Stephan II. mit der Hafte, zweiter Sohn Ludwigs des Bayern, Herzog von Niederbayern seit 1347, dem nach dem Tod seines Bruders Albrecht des Brandenburgers († 1361) und dessen Sohn Meinrad († 1363) auch die Herrschaft über Oberbayern zufiel (1363–75). Dargestellt in Harnisch mit Herzogshut.

VII JOHANNES D: BAV: Johann II., dritter Sohn Ste phans II., Herzog von Bayern-München (1375–97); sein Bru der Stephan III. regierte Bayern-Ingolstadt, sein Bruder Fried rich Bayern-Landshut. Johann ist barhäuptig und bärtig in Rüstung wie ein Feldherr dargestellt.

VIII ERNESTVS D: BAV. Ernst, Sohn Johanns II., Herzog von Bayern-München (1397–1438). Ernst regierte zusammer mit seinem Bruder Wilhelm, der 1435 starb. Er ist wie sein Vater barhäuptig und in Rüstung dargestellt, die Hand am Herzogshut.

IX ALBERTVS PIVS D: BAV. Albrecht III. der Fromme, Sohn Ernsts, Herzog von Bayern-München (1438–60). Er ist im Typus des Humanisten dargestellt, mit blondem wallendem Haar, in einem langen goldenen Mantel, um den Hals die Kette mit dem Goldenen Vlies.

X SIGISMVNDVS D: BAV. Sigismund, dritter Sohn Albrechts III., regierte zusammen mit seinen Brüdern Johann († 1463) und Albrecht Bayern-München (1460–67). Sigismund ist in prächtiger Renaissancekleidung in Schwarz und Rot mit einem Samtbarett gezeigt. Auf dem Tisch entrollt sich ein Plan, der die Frauenkirche mit den Kuppelhauben darstellt.

VII Kurfürst Max Emanuel
VII. Kurfürstin Maria Antonia
Datei:Band08 chunk007 p007 img009

XI ALBERTVS SAPIENS D: BAV (1465–1508). Albrecht IV der Weise, Sohn Albrechts III., regierte nach dem Tod des Bruders Johann und der Resignation des Bruders Sigismund zusammen mit den jüngeren Brüdern, setzte aber schließlich die Alleinregierung und 1506 die Primogenitur in Bayern durch. Sein Bild in Zangberg erinnert an ein Porträt von Holbein: eine stattliche Person im roten Mantel mit großem Schulterpelz; auf dem Tisch steht eine Glocke.

XII WILHELMVS CONSTANS D: BAV. Wilhelm IV. der Beständige, ältester Sohn Albrechts IV., Herzog von Bayern (1508–50). Trotz dem Primogeniturgesetz, mit dem die Gemahlin Albrechts IV. nicht einverstanden war, regierte Wilhelm zusammen mit seinem Bruder Ludwig bis zu dessen Tod († 1545). Er ist in schwarzen Samt mit goldenen Borten gekleidet, mit Pluderhosen und weitem kurzen Mantel. Auf dem Tisch liegt ein Schriftstück, zu seinen Füßen ein Löwe.

XIII ALBERTVS MAGNANIMVS D: BAV. Albrecht V. der Großmütige, einziger überlebender Sohn Wilhelms IV., Herzog von Bayern (1550–79). Er trägt eine Halskrause und auf der Brust das Goldene Vlies; die Hand ist auf einen Römerkopf gestützt, der ihn als den Sammler römischer Skulpturen und den Erbauer des Antiquariums ausweist. Der Ausblick rechts zeigt auf eine Burg, vermutlich die Trausnitz, die er unter seiner Herrschaft ausbaute.

XIV WILHELMVS DEVOTVS D: BAV. Wilhelm V. der Fromme, Sohn Albrechts V., Herzog von Bayern (1579–98). Er ist dargestellt mit Spitzbart und Barett und hält an der Hand seinen Sohn Maximilian als etwa zehnjährigen Buben; mit der Linken weist er auf ein Schriftstück.

XV MAXIMILIANVS PRIMVS ELECT: BAV. Maximilian I., Sohn Wilhelms V., Herzog von Bayern (seit 1598), Kurfürst (1623–51). Maximilian ist im Harnisch und mit dem Reichsapfel dargestellt. Der Harnisch spielt auf Maximilians Rolle im Dreißigjährigen Krieg an, der Reichsapfel auf das mit der ersten weltlichen Kur 1623 erworbene Reichs-Truchsessenamt.

XVI FERDINANDVS MARIA ELECT: BAV. Ferdinand Maria, Sohn Maximilians I., Kurfürst von Bayern (1651–79). Von allen Herrschern ist Ferdinand Maria am prächtigsten gekleidet, in einen langen goldfarbenen Hermelinmantel. Die Hand liegt am Reichsapfel auf einem Samtkissen. Durch Säulen geht der Blick ins Freie.

XVII MAXIMILIANVS EMANVEL ELECT: BAV. Max Emanuel, Sohn Ferdinand Marias, Kurfürst von Bayern (1679–1726). Der zur Zeit der Ausstattung des Saals regierende Kurfürst steht an einem Tisch mit roter Draperie, auf dem Helm und Visier, Kurfürstenhut und Reichsapfel liegen. Max Emanuel ist als Feldherr mit Rüstung und Stab gezeigt, im roten, hermelingefütterten Mantel. Rechts eine Landschaft, wo eine Schlacht tobt (dieses Gemälde wurde 1705/06 überarbeitet, s. unter Autor).

XVIII KARL ALBRECHT, Sohn Max Emanuels, Kurfürst von Bayern (seit 1726), Kaiser Karl VII. (1742–45). Dieses Gemälde ist vor Albrechts Wahl zum Kaiser entstanden, also 1726/1742. Das sehr qualitätvolle Bild ist ein später der Reihe hinzugefügtes Porträt (Zuschreibung an Franz Joseph Winter durch P. Laurentius Koch).

XVIa, XVIIa, XVIIIa Als Pendants zu den Herrscherporträts im Fürstensaal existieren in gleichem Format und gleicher Rahmung drei Porträts der Kurfürstinnen Henriette Adelaide (1652–76), Maria Antonia (1685–92) und Maria Amalia (1722–56), die heute im angrenzenden Blauen Salon hängen. Das Bildnis der Kurfürstin Maria Amalia ist wie sein Pendant, Kurfürst Karl Albrecht (XVIII), eine später hinzugekommene Ergänzung.

XVIIIa Kurfürstin Maria Amalia

DIE SCHLACHT VON AMPFING Zur ursprünglichen Bildausstattung gehörte das querformatige, sehr breite Ölbild mit der Darstellung der Schlacht von Ampfing im Jahr 1322. Es ist 6,80 m breit, ebensobreit wie das Deckenbild, eine Kopie nach dem Bild Hans Werles, das sich im Filialmuseum Burghausen befindet. Autor war vielleicht Joseph Anton Haas, der Motive daraus auch in seinem Deckenbild in der Kapelle von Wimpasing verwendet hat (s. S. 294–297). Interessant ist die topographische Ansicht der Ebene von Ampfing mit dem Hochufer der Isen und dem alten Schloß Zangberg.

KAISERBÜSTEN Jeweils zwischen den oberen und unteren Fenstern der neun Fensterachsen befinden sich Muschelnischen mit Büsten römischer Kaiser (an der W-Seite der N-Wand Blindfenster). Es sind im ganzen neun und waren laut Rechnung nie mehr. Die Darstellung der ersten zwölf römischen Kaiser von Caesar bis Titus in der von Sueton beschriebenen Reihenfolge findet sich häufig in Sälen, wo ein Fürst oder ein Kloster sich im Zusammenhang der höheren Ordnung des Heiligen Römischen Reichs darstellt. Wenn es auch hier in Zangberg aus unbekannten Gründen nur neun Kaiser waren, so stellen sie doch den gleichen ikonologischen Zusammenhang her. Nach Kupferschmied (1986) waren einige Namen auf den Büsten in Spuren noch erkennbar: Augustus, Caligula, Claudius, Galba. Nach den Kaiserbüsten im Antiquarium der Münchner Residenz lassen sich die Büsten in Zangberg teilweise identifizieren (Beginn auf der O-Seite in Richtung S): 1 Claudius?, 2 Caesar, 3 Tiberius, 4 Augustus, 5 Caius dictus Caligula, 6 Aulus Vitellius? oder Nero?, 7 Titus?, 8 Claudius?, 9 Vespasian?.

KAMIN Zur ursprünglichen Ausstattung gehört wohl auch der geschnitzte, schwarzgefaßte und teilvergoldete Kaminaufsatz, der sich heute an der S-Wand befindet (der in ihn eingelassene Spiegelrahmen mit seiner Bandwerkornamentierung dürfte eine spätere Veränderung sein). Zwei gefangene, halbnackte Türken sitzen seitlich (wohl ursprünglich auf dem Kaminsims) und flankieren einen Trophäenaufbau aus Schild mit Halbmonden, Rüstung, Helm, Fahnen, Kanonen. Der (heute) obere Abschluß mit Kurwappen und Kurhut sitzt dem übrigen unorganisch auf und läßt wie der Spiegelrahmen an eine spätere Versetzung des Kaminaufsatzes denken, vor allem, nachdem sich in der Fensterwand kein Kamin befindet.

Rekonstruktionsvorschlag (siehe Skizze S. 307)

Die ursprüngliche Anordnung der Porträts ist nicht mehr sicher zu rekonstruieren. Die großen Bilder I–III mit den ersten Wittelsbachern waren wohl zusammen an der O-Wand angebracht und darüber drei der acht kleineren, fast quadratischen Bilder IV–XI. Fünf hatten ihren Platz sicher an den Wandstücken zwischen den oberen Fenstern, für fünf der sechs etwas größeren hochrechteckigen Bilder XII–XVII war Platz an den unteren Fensterzwischenräumen.

Auf die N-Seite, die Hauptansichtseite mit den besten Lichtverhältnissen, ist das Deckenbild ausgerichtet. Zwischen den beiden Türen auf der N-Seite nimmt eine Achse des Kamins ein – vermutlich mit dem geschnitzten Spiegelaufsatz, der heute an der Wand gegenüber steht. Hier kann man sich die aktuellen Herrscher vorstellen, möglicherweise zusammen mit den Porträts ihrer Gemahlinnen. (Dafür spricht ein Inventar des Fürstensaals von 1765, in dem »22 Gemälde mit braunen Rahmen, welche lauter Porträt von Bayerischen Ehrenhaus« aufgeführt werden, also vier mehr als jetzt. Auf einer alten Fotografie in Zangberg sieht man Ferdinand Maria und Henriette Adelaide seitlich der Tür an der Nordwand des Saals.) Vom Format her würde darüber gut das Bild mit der Schlacht von Ampfing passen, das genau so breit ist wie das Deckenbild.

Daß die Mittelachse der S-Wand auch akzentuiert war, bezeugt ein altes Foto in den Akten des BLfD, das jedenfalls nicht die heute dort aufgehängte Rosenkranzmadonna zeigt; Bauer-Mühldorf schreibt 1924 von »einer schönen Malerei, ebenfalls die Türkensiege Max Emanuels verherrlichend, welche die Südseite bedeckt«.

Schlacht bei Ampfing

Zur Ikonologie

Bisher wurde das Deckenbild als Apotheose Max Emanuels gedeutet. Diese Deutung ist nicht zutreffend. Die Hauptperson im Wagen stellt keine historische Person dar – nichts weist auf eine feste Identität hin. Es mögen zwar Details auf Bayern anspielen, wie die weißblauen Sandalen oder der blaue Mantel, vor allem aber die weißblaue Kordel, an der die beiden Adler den Wagen ziehen. Der Reichsapfel aber ist kein klarer Hinweis auf Bayern (das ihn als Zeichen der Truchsessenwürde im Herzschild des Wappens führt), weil er wie das Zepter in erster Linie Kaiserinsigne ist und damit für das Reich steht. Die beiden Adler, die den Triumphwagen ziehen, sind Hinweis auf das Reich.

Der ikonologische Gedankengang des Fürstensaals geht von Ruhm des Hauses Wittelsbach aus, für den die Herrscherreihe steht. Hervorgehoben ist der erste (und bis dahin einzige) Kaiser aus dem Haus Wittelsbach durch das Gemälde der Schlacht von Ampfing, wo Ludwig der Bayer siegte und dadurch sein Königtum und damit den Anspruch auf die Kaiserwürde bestätigte.

Vor diesem Hintergrund wird auf Max Emanuel als Türkensieger angespielt, sowohl im Deckenbild als auch in den Motiven des stuckierten Rahmens. Angesichts der 1683 nach Wien vordringenden Türken erfüllte der gerade zwanzigjährige Max Emanuel das Versprechen, das er dem Kaiser kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1680 in Altötting gegeben hatte. Er verteidigte nicht nur das Kaiserreich im Entsatz bei Wien (1683), er griff in den folgenden Jahren an und schlug die Türken in mehreren Schlachten bei Neuhäusel, bei Gran, bei Buda, bei Mohacz und schließlich am 6. 9. 1688 bei Belgrad. Er war einer der Helden in den Türkenkriegen.

Der Anspruch Max Emanuels auf die Kaiserkrone spielte zu dieser Zeit ikonographisch noch keine Rolle. Seine Verdienste in den Türkenkriegen wurden eher so gedeutet: Durch das Bündnis von Löwe und Adler, von Bayern und Österreich (foedus aquilae et leonis) wurden die Türken überwunden und das Reich gerettet.

In Thesenblättern und Medaillen aus diesen Jahren ist der Gedanke deutlich ausgesprochen, daß Max Emanuel seine Siege dem Kaiser widmete: »PRO DEO CAESARE ET IMPERIO – NIL CAVSA FECIT IN ARMIS IPSE SVA – AUGUSTO REDEUNT GENERI VIRTUTE TRIVMPHI« (Für Gott, Kaiser und Reich. Er focht nie für die eigene Sache. Dank der Tugend des Schwiegersohnes fallen dem Kaiser Triumphe zu. Siehe Lorenz Seelig, Aspekte des Herrscherlobs - Max Emanuel in Bildnis und Allegorie, in: Katalog Kurfürst Max Emanuel, Bayern und Europa um 1700. Band 1, 1976, S. 8–9).

Der Bildgedanke des Fürstensaals ist so zu verstehen: Max Emanuel, selbst von hoher, und im Fall Ludwigs des Bayers kaiserlicher Abkunft, verteidigt und rettet das Reich durch seine Heldentaten in den Türkenkriegen. Der Genius des Reichs fährt im Triumphwagen, Victoria hält ihm die Siegestrophäe. Fortitudo im goldenen Harnisch fliegt triumphal über dem Genius und hält über sein Haupt den Lorbeerkranz. Sie trägt das Fell des Herkules, das auf den bayrischen Löwen anspielt: Durch die bayrische Stärke und Tapferkeit wurde der Sieg errungen, sie garantiert dem Reich ewige Dauer, was dadurch angezeigt ist, daß Saturn mit Sense und Sanduhr gestürzt ist.

Zangberg lag auf dem Weg nach Altötting, der Wallfahrt des kurfürstlichen Hauses, das Max Emanuel jedes Jahr zu seinem Geburtstag besuchte und dabei öfters in Zangberg Station machte. Mit den Fürstenzimmern und dem Fürstensaal bot der Schloßherr seinem kurfürstlichen Besuch einen standesgemäßen Empfang. Das Thema Österreich und Bayern, dem das Geschlecht der Neuhaus durch Herkunft und Aufstieg verpflichtet war, sollte auch in dem 20 Jahre später ausgestatteten Ahnensaal eine Rolle spielen.

A. B.