Wilster, Altes Rathaus
Inventarnummer: cbdd20184
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Im Alten Rathaus in Wilster haben sich Reste einer Wandmalerei aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten. Zu sehen sind von Palmwedeln umrahmte Texte aus dem Alten Testament, die von Engeln präsentiert werden.

Das Alte Rathaus in Wilster
Kurzbeschreibung und Lage
Das Alte Rathaus in Wilster[1] steht an der Südseite der Straße Op de Göten. Dort fand ehemals der Markt statt. Im Westen floss ein Arm der Wilsterau direkt am Haus vorbei.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Alte Rathaus wurde 1585 als Ersatz für einen Vorgängerbau errichtet. Im Erdgeschoss befanden sich eine Markthalle und die Ratsweinstube. Im Obergeschoss gab es Versammlungsräume und unter dem Dach sowie im Keller Lagerflächen. Abgesehen von einer Renovierung 1749 und dem Einbau der heute noch vorhandenen Treppe 1775 blieb der Bau bis 1784 weitgehend unverändert. Dann kam es in seinem Innern zu einer baulichen Instandsetzung sowie zeitgemäßen Modernisierung einschließlich des Einziehens neuer Wände und Zwischendecken. 1835 erfolgte die Verlagerung der Verwaltungsräume in das Dosse‘sche Palais. Anschließend wurden im Jahr 1839 Gefängniszellen in den Saal im Obergeschoss eingefügt. Nach 1866 befanden sich dann auch in den meisten Räumen Zellen. Ab 1912 fand eine notwendige bautechnische Instandsetzung des Hauses statt, kombiniert mit einem historisierenden Rück- bzw. Umbau nach Plänen von Albrecht Haupt, der erst 1919 abgeschlossen werden konnte. Die Veränderungen an Fassaden, Türen und Fenstern prägen das Alte Rathaus bis heute. Im Innern wurden die Räume neu ausgemalt, nicht nur teilweise in Anlehnung an den alten Bestand, sondern oft in Analogie zu anderen Bauten der Zeit. Seit 1960 steht das Alte Rathaus frei. Damals wurde ein links im Osten angrenzendes Fachwerkgebäude niedergelegt. 1965/66 gelangte eine translozierte Wilstermarschstube in die ehemalige Ratsweinstube. Heute dient das Alte Rathaus als Bibliothek sowie musealen Zwecken.[2]
Beschreibung
Das Alte Rathaus hat zwei Vollgeschosse sowie ein nachträglich eingezogenes Zwischengeschoss. Das hohe Untergeschoss ist von Backstein, das vorkragende Obergeschoss von Fachwerk mit einem aus der Mitte verschobenen Zwerchhaus mit Lastenaufzug. Das Walmdach weist mit der Traufe zur Straße im Norden. Weitgehend original ist nur noch das nach Norden weisende Fachwerkobergeschoss mit dem Zwerchhaus. Durch eine seit 1914/19 aus der Mitte versetzten Tür betritt man die ehemalige Markthalle. Nach links geht es in die Wilstermarschstube. Von der Halle aus führt die Treppe von 1775 in das Obergeschoss und dort in einen Saal. Von diesem aus wird die im Osten gelegene Gerichtsstube erreicht. Im Zwischengeschoss ist zwischen Weinstube und Gerichtsstube die niedrige Kämmereistube mit angrenzendem Archiv untergebracht.[3]
Der Saal im Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Saal im Obergeschoss ist 1914/15 durch Albrecht Haupt aus mehreren Räumen zusammengefügt worden. 1585 waren es zwei; ab 1829 befanden sich hier sogar vier Räume. 1951 trennte man über der Treppe vom Saal einen Windfang ab. 1975/76 wurde der Saal zur Bibliothek mit entsprechenden Regalen eingerichtet. In den 1990er Jahren restaurierte man die Hauptschen Wandfassungen.[4]
Beschreibung
Der Raum nimmt die westlichen zwei Drittel des Obergeschosses ein, abzüglich des Windfangs in seiner Südostecke. Die beiden ehemaligen Räume sind gut anhand der unterschiedlich verlaufenden Deckenbalken zu unterscheiden. Die Wandvertäfelung und die Bücherregale entstammen dem 20. Jahrhundert. Lediglich das Türportal zur angrenzenden Gerichtsstube mit königlich dänischem Wappen ist ursprünglich und inschriftlich auf 1600 datiert. Die Schriftzüge oberhalb der Vertäfelung datieren auf 1914/15.[4]
Die Deckenmalerei des Saals
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke ist sehr wahrscheinlich 1585 bemalt worden. Die Reste der Malerei wurden 1914/15 überfasst.
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke ist farbig bemalt. Balken, Stichbalken und Fachen sind gleichermaßen gefasst. In den Fachen gliedern fingierte Leisten die Fläche in querrechteckige Felder. In diese sind mittels weiterer gemalter Leisten im Wechsel querrechteckige oder rhombische Felder geschaffen. Auf im Wechsel rotem oder goldenem Grund sind dunkle, überwiegend graue Akanthusschlingen gemalt. In den Rhomben zieren die Mitte Cherubimköpfe oder auch Sterne. Unter der Fassung des frühen 20. Jahrhunderts ist an wenigen Stellen eine ältere Bemalung sichtbar. Es ist bisher nicht geklärt, ob die erhaltenen Reste rekonstruierend überfasst wurden, oder ob es sich um eine Neuschöpfung handelt.[5]
Die ehemalige Gerichtsstube im Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die ehemalige Gerichtsstube stammt von 1585. 1749 erhielt sie vermutlich eine neue Ausstattung, zu der neben der Wandmalerei auch eine Stuckkehle und wohl auch eine neue Decke gehörte. 1914/15 wurde die Stuckkehle entfernt und der Raum erhielt eine Kassettendecke.[6]
Beschreibung
Der Raum liegt an der Nordostecke des Gebäudes. Er hatte ursprünglich lediglich nach Norden Fenster, seit 1960 gibt es auch welche nach Osten. Nach Westen zum vorgelagerten Saal sind ebenfalls Fenster vorhanden. Die Wände sind bemalt, die Decke stammt aus 1914/15.[5]
Die Wandmalerei der Gerichtsstube
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei in Öl auf Putz (Gips) stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Spätestens 1749 wurde sie ausgeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Wände geweißt. Albrecht Haupt ließ 1914/15 eine neue Wandfassung schaffen. 1965 wurde diese Fassung wieder entfernt und die Malerei des 18. Jahrhunderts freigelegt, restauriert und laienhaft ergänzt. 2013 wurde die Malerei erneut restauriert.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Auf ockerfarbenem Grund sind große grüne Akanthusschlingen gemalt. Vor allem die Malerei der Südwand ist original. Zwei Texte aus dem Alten Testament, die von Palmwedeln umgeben sind, werden von jeweils zwei Engeln präsentiert.[8]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Jensen, Wilster, 1926. – Jensen, W[ilhelm]: Die Stadt Wilster, in: Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 3, Glückstadt 1926, S. 126-171.
- Rathaus, 1985. – Wilster. Rathaus von 1585. Wilster 1985.
- Schlee, Rathäuser, 1976. – Schlee, Ernst: Kulturgeschichte schleswig-holsteinischer Rathäuser. Heide 1976.
- Schulz, Wilster, 1932. – Schulz, Heinrich (bearb.): Wilster, eine kurze Geschichte der Stadt und ihrer Baudenkmäler. Wilster 1932.
- Theen, Instandsetzung, 1996. – Theen, Heinz-Detlef: Die Instandsetzung des Alten Rathauses in Wilster, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 3 (1996), S. 43-45.
- Archivalien:
- Fey, Brief, 1950. – Brief von Carl Fey an Landeskonservator P. Hirschfeld am 8.1.1950, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Wilster, Altes Rathaus Wilster. ONR 3921. RM 3645.
- Friedrichsen, Wilster, 2013. – Friedrichsen, Marion: Altes Rathaus der Stadt Wilster. Kurzbericht zu restauratorischen Maßnahmen an der bemalten Ausstattung. 2012/13, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Wilster, Altes Rathaus Wilster. ONR 3921. RM 3645.
- ONR 3921. — Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Wilster, Altes Rathaus Wilster. ONR 3921. RM 3639.
- Scheer, Wilster, 2007. – Scheer, Christine: Altes Rathaus der Stadt Wilster von 1585. Bauhistorische Untersuchung. Juli 2007. Architekturbüro Christine Scheer, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Wilster, Altes Rathaus Wilster. ONR 3921. RM 3645. (unpaginiert).
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 972-973; Rathaus, 1985; Schlee, Rathäuser, 1976, o. S.; Schulz, Wilster, 1932, S. 134-142; Jensen, Wilster, 1926, S. 152-156. Scheer, Wilster, 2007.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 972; Theen, Instandsetzung, 1996, S. 43; Schlee, Rathäuser, 1976, o. S.. Scheer, Wilster, 2007.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 972-973. Scheer, Wilster, 2007.
- ↑ 4,0 4,1 Theen, Instandsetzung, 1996, S. 44. Scheer, Wilster, 2007.
- ↑ 5,0 5,1 Rathaus, 1985. Scheer, Wilster, 2007.
- ↑ Rathaus, 1985. ONR 3921; Scheer, Wilster, 2007; Fey, Brief, 1950.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 973; Theen, Instandsetzung, 1996, S. 44; Rathaus, 1985. ONR 3921; Friedrichsen, Wilster, 2013, S. 13-14; Scheer, Wilster, 2007; Fey, Brief, 1950.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 973; Rathaus, 1985. Friedrichsen, Wilster, 2013, S. 14; Scheer, Wilster, 2007; Fey, Brief, 1950.