Wewelsfleth, Hof Haß, Großwisch 9
Inventarnummer: cbdd20172
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In der Stube aus dem Hof Haß von 1759 zeigt die Decke neun Malereien von Carl Christian Treuner aus dem Jahr 1767. Sie visualisieren die Hilfe und das Bekenntnis Gottes zu den Menschen mittels alttestamentlicher Historien. Treuner folgte den Darstellungen Merians in der Straßburger Bibel von 1630.

Hof Haß
Kurzbeschreibung und Lage
Der Hof Haß steht an der Nordseite von Großwisch. Das Haupthaus ergänzen weitere Wirtschaftsbauten.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Der Hof ist 1759 für Peter Hass erbaut worden.[1]
Beschreibung
Es handelt sich um ein so genanntes Husmannshaus. Es wird von Süden aus betreten. Ehemals durchmaß eine Diele das gesamte Haus von Süden nach Norden. Im südlichen Bereich befanden sich zu beiden Seiten die Wohn- und Wirtschaftsräume, im Norden lagen die Stallungen. Von der Diele aus zu erreichen war im Osten die beheizbare Stube an der Südostecke des Hauses. An sie grenzte im Norden die Küche an (die anschließende Stube war vermutlich nicht ursprünglich). Nach Westen gelangte man aus der Diele in die Sommerstube an der Südwestecke des Hauses. Nördlich von ihr – von der Diele aus zu erreichen – gab es eine weitere Stube.[2]
Die translozierte Stube
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Stube wurde 1759 für Peter Haß geschaffen und kam Anfang des 20. Jahrhunderts in das Altonaer Museum. Dabei wurde die Stube geringfügig umgestaltet: Für einen Museumsrundgang kam in die ehemals östliche Wand neben die Fenster eine Tür. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stube ausgelagert und 1948/49 wieder eingebaut.[3]
Beschreibung
Der Raum misst 2,92 auf 5,13 Meter und befand sich ehemals an der Südostecke des Hauses. Er wurde von der Diele im Westen aus betreten. Nach Süden und Osten gab es Fenster. Im Norden schloss sich die Küche an. Die Außenwände und der Bereich um den Beilegerofen an der Nordwand sind gefliest, die übrigen Wandflächen mit reich beschnitztem Eichenholz vertäfelt. An der Eingangsseite befinden sich links neben der Tür ein Alkoven und rechts ein Wandschrank. Neben der Tür öffnet sich ferner ein Fenster hin zur Diele. An der Nordwand ist rechts neben der Tür ein weiterer Alkoven gelegen. Über dem Ofen zeigt ein fünfundzwanzigzeiliges Fliesenbild ein Segelschiff.[4]
Die Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Kiefernholzdecke wurde 1767 von dem aus Wewelsfleth stammenden Carl Christian Treuner mit neun Bildern bemalt. Er hat seine Arbeit am ersten Balken an der Fensterseite signiert und datiert.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Zwei Balken teilen die Decke in drei Fachen. An den Seiten sind sie mit arkadischen Landschaften bemalt, die Unterseite ist rotgrün marmoriert. In jede Fache sind drei Bilder auf einem grünmarmorierten Grund gemalt, von dem sie durch einen schwarz-braunen Strich geschieden sind. Zu jedem Bild gehört ein erläuternder Zweizeiler über und unter der Darstellung. In der ersten Fache sind von links nach rechts zu sehen, wie Elias von Raben versorgt wird, wie Jakob die Himmelsleiter schaut und erneut Elias, wie er von einem Engel Brot und Wasser erhält. Die Bilder in der zweiten Fache zeigen die Opferung Isaaks, den Kampf Jakobs mit dem Engel sowie das Gastmahl Abrahams. Und in der dritten Fache kommen der Einzug der Tiere in die Arche, die Sintflut und der Ewige Bund zwischen Gott und den Menschen zur Darstellung.[6]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist vom Eingang her.
Vorlagen und Vergleiche
Die neun Darstellungen folgen alle den Illustrationen Merians d. Ä. in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
Programm
Die Bilder haben die Unterstützung des gläubigen Menschen durch Gott zum Inhalt. In der ersten Fache hilft er in der Not. Er versorgt Elias mit Speis und Trank und bekennt sich zum Flüchtling Jakob. Die Darstellungen in der zweiten Fache thematisieren das Versprechen Gottes auf Nachkommenschaft oder dieses übertragen auf die Verbreitung der Gläubigen. Die dritte Fache ist der Sintflut gewidmet und handelt damit zum einen von der Errettung der Gläubigen durch Gott und zum anderen von Gottes Versprechen, dass diese die Erde bevölkern und beherrschen sollen und er die Menschen nie wieder vernichten werde, sondern vielmehr zu ihnen stehen wird. Das letzte Bild ist damit sozusagen die Zusammenfassung aller vorherigen.
1. Elias wird von den Raben genährt

Beschreibung und Ikonographie
Man erblickt einen Mann vor einem Gebüsch, der sich aufgerichtet hat und seinen rechten Arm einem Raben entgegenstreckt, der ihm ein Stück Fleisch bringt. Weiter links kommt ein zweiter Rabe mit einem Brotstück angeflogen. Es handelt sich um den Propheten Elias, der in der Wüste im Auftrag Gottes von Raben mit Fleisch und Brot versorgt wurde. Links geht der Blick in die Tiefe der Landschaft. Über dem Bild steht geschrieben: „Gott nährt Eliam in der Hungers Noht“ und unter dem Bild: „Und sendet ihm durch Raben Fleisch und Brodt.“[8]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
2. Die Jakobsleiter

Beschreibung und Ikonographie
Auf seiner Flucht von zu Hause legte sich Jakob im Freien zum Schlafen nieder. Im Traum erschien ihm eine große Leiter, die vom Himmel zur Erde reichte. Auf ihr schritten Engel auf und nieder. Am oberen Ende war Gott zu sehen, der sich zu Jakob bekannte. Gott ist auf der Malerei an der Decke zwar nicht zu erkennen, dafür aber ein Engel, der die Arme zu Jakob hinausstreckt, der unter einem Baum schläft. Der Text über dem Bild lautet: „Wer so wie Jacob schläft in Gott wird sehn“, der unter dem Bild: „Die Engeln auf der Himmels Leiter gehn“.[9]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
3. Elias in der Wüste

Beschreibung und Ikonographie
Während der Prophet Elias sich in der Wüste befand und dort schlief, kam ein Engel des Herrn zu ihm, brachte ihm Brot und Wasser und weckte ihn. Auf der Darstellung aus dem Hof Haß ist Elias noch im Schlaf, Brot und Wasser sind jedoch bereits am Platz. Der Engel steht hinter ihm. Wieder gibt es einen großen Baum am Bildrand sowie in der Mitte Büsche und Sträucher, die aber am anderen Rand Raum lassen für einen Blick in die Tiefe der Landschaft. Über dem Bild steht: „Führt Gott Eliam in ein wüstes Land.“ und unter dem Bild: „Sorgt er für ihn im Schlaf durch Engels Hand.“[9]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
4. Die Opferung Isaacs

Beschreibung und Ikonographie
Nach der Geburt des langersehnten Sohnes Isaak stellte Gott den Glauben seines Vaters Abraham auf die Probe und forderte ihn auf, Isaak zu opfern. Abraham kam diesem Auftrag nach, errichtete einen Opferaltar und war im Begriff, seinen Sohn zu töten. Allerdings fiel ihm in jenem Moment ein Engel in den Arm und verwies auf einen Widder, der anstatt des Menschen geopfert werden sollte. Die Malerei zeigt links Abraham mit einem Messer in der Hand, um den vor ihm auf dem Scheiterhaufen gefesselten Isaak zu töten. Rechts oben öffnet sich der Himmel und der Engel erscheint. Der Blick geht von einer Anhöhe in die Weite einer hügeligen Landschaft. Im Mittelgrund befinden sich zwei Staffagefiguren mit einem Esel. Die Zeile über dem Bild lautet: „Wie Abraham bei Isaac gethan,“ und die untere Zeile: „So sieht der Glaube Gott, im Opfer an.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
5. Der Kampf Jakobs mit dem Engel

Beschreibung und Ikonographie
Als Jakob von seiner Flucht in die Heimat zurückkehrt, wird er in der Nacht vor seiner Ankunft von einem Fremden angegriffen. Die beiden ringen die ganze Nacht miteinander. Der Fremde verletzt ihn schwer an der Hüfte. Als der Morgen anbricht, lässt Jakob seinen Gegner erst ziehen, als dieser ihn gesegnet hat. Der Fremde wird mit Gott gleichgesetzt. An der Stubendecke erblickt man rechts die beiden Kämpfenden. Gott ist als Engel dargestellt und hebt gerade Jakobs Bein empor. Der Blick fällt in eine mitteleuropäische Berglandschaft mit Wäldern und einer Gipfelburg. Über der Darstellung steht: „Wer Hülf und Trost begehrt in alle Noht.“, und darunter ist zu lesen: „Der ringe recht, wie Jacob that, mit Gott.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
6. Das Gastmahl Abrahams

Beschreibung und Ikonographie
Auf dem Bild erblickt man drei Männer vor einem Haus an einem gedeckten Tisch. Sie werden von einem vierten Mann bedient, während eine Frau aus der Tür des Hauses herausschaut. Im Hintergrund fällt der Blick in eine weite Ebene mit wenigen Häusern und einem hohen Berg, auf dem ebenfalls Gebäude stehen. Es handelt sich um das Gastmahl Abrahams. Eines Tages kamen drei Besucher bzw. Engel zu ihm und sagten ihm voraus, dass seine Frau Sarah innerhalb eines Jahres einen Sohn bekommen werde. Abraham bewirtete die Gäste üppig mit einem Festmahl, anschließend zogen sie weiter. Der ergänzende Text erläutert: „Willst du wie Abraham gesegnet sein“ „So lade Gott zu deiner Wohnung ein.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
7. Die Tiere ziehen in die Arche

Beschreibung und Ikonographie
Nachdem Noah die Arche vollendet hatte, zogen die Tiere – immer paarweise – in die Arche ein, um der angekündigten Flut zu entkommen. Rechts im Bildmittelgrund steht die Arche. Die Tiere erreichen sie über eine Rampe. Links im Bildvordergrund kniet Noah und dankt Gott, der am Himmel in einer Lichtaureole zu erahnen ist. Über dem Bild ist zu lesen: „Was auf der Erden lebt und soll bestehn,“ und darunter steht: „Das muß mit Noah in den Kasten gehn.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
8. Die Sintflut

Beschreibung und Ikonographie
Als die Sintflut kam, versuchten sich die Menschen vergeblich zu retten: Sie stiegen in Boote, suchten höher gelegenes Gelände auf oder kletterten sogar auf Bäume. Die Bildmitte wird von den tödlichen Wassermassen eingenommen. Am Rand sind die Hilfe suchenden Menschen zu sehen, am Horizont entschwindet die Arche. Über dem Bild steht: „Die Sündfluth strömet über alles Land,“ und unten: „Verkehrt die Welt und drücket Jeden Stand.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
9. Der Bund Gottes mit Noah

Beschreibung und Ikonographie
Nach der Errettung von der Sintflut schloss Gott einen Bund mit Noah. Er versprach, dass es nie wieder eine derartige Flut geben werde und setzte zum Zeichen dafür den Regenbogen an den Himmel. Ganz oben rechts blickt Gott aus den Wolken hervor. Unten links knien der dankbare Noah und die Seinen vor einem Altar und blicken zu Gott empor. Über ihnen ist auf einem Berg die Arche zu sehen. Auf den Bund bezieht sich auch der Text über und unter dem Bild: „Gott macht mit Noah einen Gnaden Bund,“ „Und seinen Segen in dem Bogen kund.“[10]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Illustration Merians in der Straßburger Bibel von 1630. Die Herkunft der Verse ist unbekannt.[7]
Bibliographie
- Literatur:
- Kaufmann, Bauernstuben, 1979. — Kaufmann, Gerhard: Bauernstuben. Vortrag im Altonaer Museum am 18.1.1977 in der Reihe „Das Altonaer Museum – Ein Norddeutsches Landesmuseum“, in: Altonaer Museum in Hamburg. Norddeutsches Landesmuseum 16/17 (1978/79), S. 93-139.
- Lehmann, Bauernstuben, 1926. — Lehmann, Otto: Die Bauernstuben der Kremper- und Wilstermarsch. Vortrag im Altonaer Museum am Freitag, 26. November 1926, von Prof. Dr. Lehmann. Altona 1926.
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
- Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967. – Schwindrazheim, Hildamarie: Führer durch die Bauernstuben des Altonaer Museums (Altonaer Museum Hamburg. Schausammlungen des Altonaer Museums, 2). Hamburg 1967.
Einzelnachweise
- ↑ Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16; Lehmann, Bauernstuben, 1926.
- ↑ Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16-18.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1069-1071; Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 100; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 18; Lehmann, Bauernstuben, 1926.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1068-1082; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16-20; Lehmann, Bauernstuben, 1926.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1072, 1074, 1079; Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 121.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1072-1073, 1079; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 17.
- ↑ 7,00 7,01 7,02 7,03 7,04 7,05 7,06 7,07 7,08 7,09 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1072; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 17; Lehmann, Bauernstuben, 1926.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1072; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 17.
- ↑ 9,0 9,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1072, 1079; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 17.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1073, 1079; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 17.