Wewelsfleth, Hof Ehlers
Inventarnummer: cbdd20139
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Auf dem Museumsberg in Flensburg hat sich eine Sommerstube aus Wewelsfleth erhalten. Die präsentierte Deckenmalerei von 1750/80 zeigt die vier Evangelisten sowie drei Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die sich auf Speisen und Getränke beziehen, die Gott den Gläubigen gibt.

Der Hof Ehlers in Wewelsfleth
Kurzbeschreibung und Lage
Der von alten Bäumen umstandene Hof erhebt sich südlich der Straße Klein Wisch. Das Haupthaus ergänzen mehrere Wirtschaftsbauten.
Beschreibung
Es handelt sich um ein reetgedecktes Niederdeutsches Hallenhaus. Aufgrund seiner nördlichen Anbauten wird es zum Kreuzhaus. Ein weiterer Anbau befindet sich an der Ostseite. Das Haus wird von Norden aus betreten. Auf eine Diele folgte nach links ehemals ein Gemach und auf dieses eine Sommerstube.[1]
Die ehem. Sommerstube
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Stube stammt aus der Zeit von 1750 bis 1780. Sie wurde 1901 ausgebaut und in Flensburg im Museum wieder errichtet. Für den Einbau eines zweiten Fluchtwegs musste die Stube entfernt und eingelagert werden, doch konnte 2012 nach einer Restaurierung die Decke zum großen Teil wieder eingebaut werden.[2]
Beschreibung
Der Eckraum maß 6,40 auf 4,05 Meter. Ein Fenster ging nach Norden, eines nach Osten. Die Außenwände sowie die Ofenwand bedeckten Fliesen, die anderen Wände waren vertäfelt. Die Tür neben dem Ofen führte zur Küche, das Fenster neben der Eingangstür wies auf die Tenne.[3]
Die Decke der Stube - erhalten auf dem Museumsberg Flensburg
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde zusammen mit der Stube oder ein wenig später geschaffen und auf Kiefernholz gemalt. Sie wird zwischen 1750 und 1780 datiert. Beim Wiedereinbau 2012 konnte nicht die ganze Decke angebracht werden. Ein kleiner Teil befindet sich im Depot.[4]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke maß ursprünglich 6,40 auf 4,05 Meter. Deckenbalken teilten sie in drei gleichgroße querrechteckige Felder. Vor dem Ausbau war die Ansichtigkeit der Malerei gegen den Eingang gerichtet. Die Deckendielen sind hellblau bemalt, die Deckenbalken dunkelblau. In die drei Felder sind in fingierten rotbraunen Rahmen insgesamt fünf farbige bunte Bilder gemalt.
In den vier Ecken befinden sich kreisrunde Darstellungen der vier Evangelisten. Sie sind auf den Rahmen mit blauen Akanthusschlingen oben in Gold beschriftet mit: „St. Johannes“, „St. Lucas“, „St. Marcus“ und „St. Mattheus“. Die Evangelisten sitzen bis auf Marcus jeweils vor einer idealen mitteleuropäischen Landschaft und sind im Begriff, mit einer Feder in ein Buch zu schreiben. Vor ihnen lagern jeweils ihre Symbole Adler, Stier und Löwe. Der Engel des Matthäus steht hinter ihm. Die Umgebung der Evangelisten von links oben nach rechts unten wandelt sich langsam von der reinen Landschaft zu einem Innenraum. Während Johannes vor einem Baum auf dem Gras sitzt, hat sich Lucas auf einem Stuhl niedergelassen und ein seinen Rücken schützendes Tuch in die Äste eines Baumes gehängt. Marcus wiederum sitzt auf einer steinernen Bank vor einem Gebäude. Und Matthäus schließlich befindet sich vor einem Bett, dessen Vorhänge geöffnet sind, und blickt aus einem Raum hinaus auf eine Stadt.
In der oberen Reihe wird zwischen den Medaillons mit Johannes und Lucas der Prophet Elias in der Wüste gezeigt. Dargestellt ist jener Moment, in dem der Engel des Herren ihn weckt und auf Wasser und Brot verweist. Elias lagert vor einem grünen Gebüsch. Er ist gerade erwacht und wendet seinen Kopf dem Engel zu. Mit seiner linken Hand zeigt er auf das Brot und die Wasserflasche. Auf dem Rahmen erläutert eine Inschrift: „Er weckt ihn auf und Speise, bringt er zur langen Reise. I Reg 19 V 5 etc.“. Auch hier ist die Schrift in Gold gehalten und der Rahmen mit blauen Akanthusschlingen geschmückt. Zusätzlich sind die Rahmenecken mit Muschelwerk verziert. Rechts und links des Rahmens sind Weinreben mit blauen und roten Trauben gemalt.
Das mittlere Feld präsentiert die Hochzeit zu Kana. Das Gemälde ist dreigeilt: In der breiten Mitte erblickt man eine Hochzeitsgesellschaft am Tisch, rechts und links fällt der Blick in gewölbte Hallen mit Säulen, wo Diener damit beschäftigt sind, Getränke für die Feiernden herbeizuschaffen bzw. ihnen das Essen zuzubereiten. Auf der Hochzeit sind auch Jesus und seine Jünger sowie seine Mutter Maria anwesend. Als der Wein ausgeht, weist Maria ihren Sohn Jesus darauf hin. Dieser fordert infolgedessen die Diener auf, sechs Wasserkrüge, die für die rituelle Reinigung bestimmt sind, mit Wasser zu füllen. Als ein Diener davon kostet, stellt sich heraus, dass sich das Wasser in Wein verwandelt hat. Auf der Darstellung sitzt Jesus rechts — kenntlich durch seinen Nimbus. Ihm schräg gegenüber sitzt Maria blau-rot gewandet. Im Vordergrund füllt einer der Diener gerade einen der Krüge mit Wasser. Wieder erläutert ein Text in goldenen Lettern die Szene: „Zu Cana ist der Herr der Beste Hochzeits Gast. Er macht aus Wasser Wein, trägt aller Sorgen Last. Joh: 2 V I etc.“. Der Rahmen weist denselben Schmuck auf wie der obere. Rechts und links des Bildes sind Akanthusschlingen mit Weinreben gemalt.
Die untere Reihe ist wie die obere aufgebaut. Das Bild in der Mitte zeigt die Rückkehr der Kundschafter aus dem Land Kanaan. Diese waren ausgeschickt worden, das Land auszukundschaften. Ferner hatten sie den Auftrag erhalten, Früchte mit zurückzubringen. Zu sehen sind zwei der Kundschafter, die eine Weinrebe transportieren, die so groß ist, dass sie nur zwei Personen an einer Stange tragen können. Der zugehörige Text lautet: „Ein Segen volles Canaan, Zeigt sich in dieser Traube an. Num 13 V 24 etc.“.[5]
Vorlagen
Die Malerei orientiert sich an den Illustrationen Matthäus Merians zur Straßburger Bibel von 1630 bzw. kopiert sie.
Die vier Evangelisten sind alle von dort übernommen, wurden jedoch teilweise in der Darstellung verändert. So sitzt Lucas bei Merian in einem geschlossenen Raum. Von diesem wurde nur das schützende Tuch übernommen. Und bei Marcus wurde ein anderer Löwe rechts des Evangelisten gesetzt statt links, wie es bei Merian der Fall ist.
Elias in der Wüste wird bei Merian von einem Engel am Himmel geweckt. Direktes Vorbild für das Bild an der Decke ist Merians Illustration nicht. Anders ist dies bei der Hochzeit zu Kana. Der Mittelteil folgt sehr genau der Invention Merians. Die Seitenteile stammen von anderen Szenen. Das Gewölbe links wurde von der Darstellung Davids mit dem Weib des Potiphar übernommen. Die Personen sind neu in den Raum gestellt. Der Raum rechts der Hochzeit entstammt der Abbildung vom Empfang der Söhne Jakobs durch David. Das geschäftige Personal ist der Darstellung von Martha und Maria entnommen. Die Darstellung der heimkehrenden Kundschafter folgt eng Merian.
Programm
Abgesehen von den vier Evangelisten beziehen sich die drei Hauptbilder auf die Darstellung von Speisen und Getränken, die Gott den Gläubigen gibt. Auch die diese Bilder flankierenden Weinreben gehören dazu. Das Programm bezieht sich auf die Funktion des Raumes als Ort von Hochzeiten und Festen.
Bibliographie
- Literatur:
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
- Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1903. — Sauermann, Heinrich: Führer durch das Kunstgewerbe-Museum der Stadt Flensburg. Flensburg 1903.
- Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1906. — Sauermann, Heinrich: Führer durch das Kunstgewerbe-Museum der Stadt Flensburg. Flensburg 1906.
Einzelnachweise
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1100; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1906, S. 52; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1903, S. 83.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1100; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1906, S. 52; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1903, S. 82.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1100; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1906, S. 52; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1903, S. 83-84.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1100.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1100; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1906, S. 52; Sauermann, Kunstgewerbe-Museum, 1903, S. 84.