Zum Inhalt springen

Wermsdorf, Schloss Hubertusburg, Schlosskapelle

Aus Deckenmalerei-Lab
Burioni, Matteo:Wermsdorf, Schloss Hubertusburg, Schlosskapelle, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/c44a62f0-bb1f-4aed-aa94-b194084d49eb

Inventarnummer: cbdd10380

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Schloss Hubertusburg, zunächst als Jagdschloss und dann als Nebenresidenz genutzt, beherbergt in der Schlosskapelle Deckenmalerei von Giovanni Battista Grone und eine Altarskulptur von Lorenzo Mattielli.

Giovanni Battista Grone, Die Bekehrung des Heiligen Hubertus, 1747-1748
Giovanni Battista Grone, Die Bekehrung des Heiligen Hubertus, 1747-1748

Baugeschichte

Erste Bauphase 1721-24

In Wermsdorf bestand bereits ein Jagdschloss, das sogenannte Alte Jagdschloss, das sich seit 1698 im Besitz des Fürsten Anton Egon von Fürstenberg befand. Nach dem Tod Fürstenbergs übergab August der Starke das alte Jagdschloss und den Besitz seinem Sohn. 1721-1724 errichtete der Architekt Johann Christoph Naumann im Auftrag August des Starken für seinen Sohn Friedrich August und dessen Frau Maria Josepha Jagdschloss Hubertusburg südwestlich des Alten Schlosses als Dreiflügelanlage mit Mittelpavillon und Ehrenhofgitter. Die neu errichtete Anlage begründet gegenüber dem Alten Jagdschloss wie auch der Siedlung ein neues Achssystem, das 1726 mit einer axial auf das Schloß zuführenden Achse durch den Wald vollendet wurde. Dafür musste die Poststraße von Dresden nach Leipzig in die Nähe des Schlosses umverlegt werden. Über ein Vestibül im Mittelpavillon erschloß sich Jadgschloß Hubertusburg über zwei symmetrisch liegende Treppen, Rückwärtig befand sich eine Sala Terrena. Im Hauptgeschoß zum Hof hin ein Saal und zum Garten hin ein Saal, in dem Tafel gehalten wird. Im Kopf des östlichen Trakts befand sich über zwei Stockwerke die Schloßkapelle, in der 1726 der erste Gottesdienst begangen wurde. Im Erdgeschoß des östlichen Traktes befand sich das Appartment des Kronprinzen mit zwei Vorgemachen, einem Audienzgemach, Retirade und Schlafgemach. Im Hauptgeschoß des östlichen Traktes befand sich das Appartment der Kronprinessin mit Vorgemach, Audienzgemach, Retirade und Schlafgemach (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Inv.-Nr. M30, B. Bl. 14 und 17). Die Schloßkapelle war bereits dem Heiligen Hubertus geweiht und verfügte über ein Altarbild von Louis de Silvestre, das noch heute in der späteren Kapelle zu sehen ist. Die Kapelle hatte eine umlaufende Empore, eine von Appartement der Kronprinzessin zugängliche Fürstenloge und ein von zwei korinthischen Doppelsäulen flankierten Altaraufbau mit hebräischen Gotteswort in Wolke über dem Altarbild und bekrönendem Baldachin. Den Altar schmückte das Monogramm des Jesuitenordens, dem der Beichtvater der Kronprinzen angehörte. Es befand sich bereits eine Deckengemälde mit Wolken und Cherubim in dieser ersten Kapelle. Über dem Mittelpavillon erhobt sich ein hölzerner Turmhelm mit bekrönendem Hirschen, über dem Eingang ein Balkon mit zwei eingezeichneten Statuen. Im zum Garten liegenden Saal des Mittelpavillon im Hauptgeschosses wurde ein Theater eingerichtet, wo im Oktober 1737 die Opern Atalanta und Asteria von Johann Adolf Hasse aufgeführt wurden.

Zweite Bauphase 1743-1753

Eine der ersten Baumaßnahmen von Kurfürst Friedrich August II. und König August III. und Maria Josepha war die Errichtung eines Opernhauses 1741 durch Johann Christoph Knöffel. Zuerst beabsichtigte man die bestehende Dreiflügelanlage im Osten zu schließen, dann 1743 entschloß man sich das Jadgschloss abzutragen und eine Vierflügelanlage um den mittig im neuen Hof liegende Vorgängerbau zu errichten. Im südlichen Teil des östlichen Flügel brachte man die neue Schloßkapelle unter, nördlich schloß sich mit direktem Zugang zur Kapelle über einem Ovalsaal das Appartement der Königin an. Dieses wurde über ein seitlich des Mittelpavillons liegenden Treppenhauses erschloßen. Die Gartenseite nahm die Gemäldegalerie ein von der nach Norden hin sich das Appartement des Königs erschloß, mit einem gemeinsamen Schlafzimmer im Nordflügel. Es war geplant, das Appartement des Königs über eine monumentale Treppe mit Deckenmalerei zu erschließen, was jedoch nicht zur Ausführung kam. Die Verflügelanlage wurde nach dem Tod von Johann Christoph Knöffel von Julius Heinrich Schwarze fertiggestellt. Für die Innenausstattung sind 34 Supraporten von Christian Wilhelm Dietrich, vier Bilder im Ovalraum mit Jagdszenen von Adam Friedrich Oeser und Vergoldungsarbeiten von Johann Adolf Pöppelmann nachgewiesen.

Plünderung im Siebenjährigen Krieg

Schloß Hubertusburg war 1756-1761 durch Preußische Truppen besetzt. 1761 erfolgte eine systematische Plünderung und Zerstörung der Innenausstattung, wie es im Krieg durch Zerstörung und Plünderung mehrere Schlösser auch an anderen Orten belegt ist. Die Zerstörung der Innenausstattung von Schloß Hubertusburg hat jedoch Züge eine Damnatio memoriae, die Gemäldegalerie wurde nicht in die Preußischen Sammlungen übernommen, sondern in Berlin einzeln verkauft und in alle Winde zerstreut. Lediglich die Schloßkapelle erhielt sich samt Ausstattung.

Die Schloßkapelle

Die Schloßkapelle wurde ab 1746 errichtet und bis 1748 fertiggestellt. Die Widmung an den Heiligen Hubertus blieb erhalten.

Der Hauptaltar zeigt ein Figurengruppe aus Marmor von Lorenzo Mattieli mit Maria dem Heiligen Joseph und dem Heiligen Franz Xaver. Der kniende Franz Xaver blickt zur Mutter Gottes auf, die ihm ihr Kind hinstreckt, neben ihr ist Joseph auf seinen Stab gelehnt. In der Idee, den Altar der Schloßkapelle des Jagdschlosses und der Nebenresidenz, mit einer Statue der Mutter Gottes zu verzieren, ist ein selbstbewusste Zeichen des katholischen Hofes zu sehen. Die Problematik, dass die vollplastische Mutter Gottes auf dem Altar wie ein Götzenbildnis wirken musste, wird dadurch vollkommen entkräftet, dass diese dem Heiligen Franz Xaver in einer Vision erscheint. Dass die Mutter Gottes als Vision des Heiligen erscheint, zeigen die Wolkenbände unter ihren Füßen und die Hinwendung der Mutter und des Kindes zum Heiligen. Lorenzo Mattieli hat es vermocht, die Statue so auszurichten, dass sie zentral platzierte Mutter Gottes für die Gläubigen im Kirchenraum wirksam wird, aber zugleich zur Seite gewandt ist und so deutlich als Erscheinung des Heiligen gekennzeichnet wird. Der Gläubige wird Franz Xaver als Vorbild im Glauben vor Augen gestellt, so wie der Heiligen soll der Gläubige vor sich seinem innerem Auge die Heilige Familie vorstellen. Damit zeigt sich, die Kapelle auf den ersten Blick vom Jesuitenorden geprägt, was in abgeschwächter Form bereits für die Ausstattung der Vorgängerbaus galt. Die besondere Verehrung des Heiligen durch die Königin Maria Josepha ist bekannt.

Die beiden seitlichen Altäre sind beide aus der Hand Louis de Silvestres die Heilige Ida von Togenburg, deren Kult zu Beginn des 18. Jahrhunderts erneuert wurde, und der Heilige Hubertus mit dem Altarbild aus dem Vorgängerbau. Weitere Heiliggenbildnisse zeigen eine Reihe von Heiligen des Jesuitenordens: Ignatius von Loyola in einer Höhle, Franz Xaver in einer Hütte und Aloysius Gonzaga. Die ersten beiden von einem unbekannten Meister, letzteres Bild von Stefano Torelli, von dem ebenfalls ein sehr qualitätsvoller Schutzengel, der Heilige Johann Nepomuk und der Heilige Antonius von Padua stammt.

Über den Altar befinden sich die Reliefs der Vier Evangelisten. Im Relief von Matthäus hat sich eine Signatur von Carlo Alberto Bossi gefunden. Unterhalb der Kanzel ein monumentaler Stuckengel, seitlich zu den Fenster hin auf der einen Seite der Kanzel eine Maria Immaculata und auf der anderen Seite ein Christus als Salvator Mundi, über dem Taufbecken eine Taufe Jesu als Relief. Über dem Eingang eine Verehrung des Lammes, seitlich davon vier Stuckreliefs mit zweimal Maria Magdalena, Petrus und Paulus. Die Empore ist mit sehr qualitätsvollen vergoldeten Trophäen geschmückt und mit eine Reihe von Stuckreliefs: Cäcilia, Mirjam, David, Moses, Genoveva von Brabant, Maria Aegyptiaca, Hubertus, Vision des Eustachius, Ida von Toggenburg, Maria Magdalena, Franziska von Assisi, Kain tötet Abel und drei unbekannte Szenen.

Die Schloßkapellee verfügt über eine Königs- und eine Pagenloge. In der Königsloge sind in einem Inventar "8 schöne Stücke en Pastel gemahlet von Leiden Xsti" nachgewiesen (Syndram 2013, S.56).

Der weiß strahlende Kapellenraum ist von einer starken Reduktion der Farben und eine bestechenden Eleganz geprägt, die fast schon klassizistische Züge trägt. Diese zurückhaltende Eleganz entspricht der reduzierten Architektursprache Knöffels.

Die Deckenmalerei mit der Bekehrung des Heiligen Hubertus

Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das einzig erhaltene Deckengemälde von Giovanni Battista Grone hat sich im Hubertusburg erhalten, da seine Deckenmalerei für die Frauenkirche in Dresden verloren ist. Es war vor 1748 fertiggestellt. Das Gemälde von 1985-1990 und 2006-2013 restauriert. Die Erhaltungszustand ist abgesehen von zahlreichen Abreibungen der Maloberfläche und Fehlstellen gut.

Beschreibung und Ikonografie

Dargestellt ist die Bekehrung des Heiligen Hubertus. Der Heilige kniet mit geöffneten Armen mit einer Lanze bewaffnet und eiem roten Umhang und blickt zu einem Felsvorsprung empor. Rechts hinter ihm sein Pferd in Rückansicht und zwei Jagdhunde. Auf dem Felsvorsprung erhebt sich ein weißer Hirsch mit einem Kruzifixus auf dem Kopf, von dem Strahlen ausgehen. Von rechts tragen Engel Bischofshut und Hirtenstab für den zukünftigen Bischof heran. Es handelt sich um eine leicht lesbare und klar strukturierte Darstellung der Bekehrung.

Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit

Für eine Deckenmalerei in einer Schloßkapelle ist die kompositorische Anlage mit der Besiedlung des in der Altarzone gelegenen Partie mit dem Bekehrungsgeschehen und den restlichen Zweidrittel des Gemäldes mit Wolken, Engeln und einer himmlischen Lichterscheinung ungewöhnlich. Die Anlage wirkt theatral und erscheint wie ein monumentales, an die Decke verlegtes Altarbild. Dass Grone auch anders malen konnte, zeigt die verlorenen Deckenmalerei der Frauenkirche. Die Komposition der Decke in Hubertusburg lässt den Theatermalern erkennen. Von der Eingangsseite her wird der anschaulich geschilderte, bewölkte Himmel von himmlischen Strahlen durchwirkt, die sich etwa über zwei Drittel des Darstellung erstrecken. Der Himmel ist von zahlreichen kunstvoll arrangierten, kleinen und wenigen großen Engel bevölkert. Eine solch große Fläche des Gemäldes allein dem Himmel, der Lichterscheinung und den Engeln vorzubehalten, stellte den Maler vor die erhebliche Herausforderung, diesen Teil mit beschränkten Bildmittel zu einem interessanten Anblick zu machen. Ein hell strahlendes Wolkenband emfpängt die himmlischen Strahlen und teilt gleichzeitig das letzte Drittel der Decke ab, in der sich die Bekehrung ereignet. Hier erstrahlt einzig und allein der Kruzifix über dem Hirschen. Die Anlage des Deckengemälde lässt die Absicht erkennen, die Hauptszene in die Altarzone zu verlegen, um eine Ansichtigkeit sowohl vom Kirchenraum, von der Empore wie auch von der Königs- und Pagenloge zu ermöglichen. Besonders vom Eingang der Schloßkapelle wie auch unter dem Altar ist die Bekehrung gut zu sehen. Grone hat die Hauptszene für eine Schrägansicht komponiert und so jede unangenehme Kopfhaltung vermieden.

Entwürfe

Entwürfe sind nicht bekannt.

Programm und Synthese

Die Bekehrung der Heiligen Hubertus als Thema und Patronat der Kapelle bezieht sich einerseits auf die Funktion als Jagdresidenz und auf den Kurfürsten von Sachsen als Erzjägermeister des Reiches. Die auf Franz Xaver und die Mutter Gottes ausgerichtete Altargruppe zeigt eine klar katholische und jesuitische Prägung. Der Vision der Franz Xaver am Altar entspricht damit die Vision des Hubertus an der Decke. Die Vision der Kreuzigung antwortet auf die Marienvision. Im weißen Kirchenraum bildet die Deckenmalerei den einzigen farblichen Akzent. Der weißen Skulpturengruppe am Altar entspricht der weiße Hirsch an der Decke. Der Gesamtkonzeption der Schloßkapelle unterliegt eine theatrale Regie, die die einzelnen Ausstattungselemente aufeinander abstimmt. Wie der Hubertus kniet und zur Vision aufschaut, so knien die Gläubigen im Kirchenraum und die Könige in den Königesloge und schauen zur Decke auf, ebenso kniet Franz Xaver vor der ihm erscheinenden Mutter Gottes. In der Dedizierung der Seitenaltäre und den Themen des Reliefs ist die Absicht erkennbar, männlich und weibliche Identifikationsfiguren für die Gläubigen wie auch für König und Königin zu bieten.

Bibliographie

  • Dirk Syndram/Claudia Brink (Hg.): Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Friede von 1763, Ausst.-Kat. Wermsdorf, Dresden 2013.
  • Schloss Hubertusburg, Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, 2 Bände, 30, 2022.

Einzelnachweise