Weimar, Palais Schardt
Inventarnummer: cbdd20244
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Im Festsaal wird an der Decke Psalm 85, Vers 11 visualisiert mit einem Friedenskuss sowie einem Zusammentreffen von Fides und Bonitas. Die Malerei wurde um 1750 entweder von Adam Friedrich Oeser oder von Christian Wilhelm Ernst Dietrich geschaffen. Im Haus sind weitere Malereireste erhalten.

Das Palais Schardt in Weimar
Kurzbeschreibung und Lage
Das sogenannte Palais Schardt[1] liegt am Rand der Weimarer Altstadt an der Westseite der Scherfgasse. Hinter dem Haus erstreckt sich ein Garten bis hin zur ehemaligen Stadtmauer.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus wurde 1597 erbaut und hieß damals „Schwarzenfelsisches Haus“. Es war damals schmaler als das heutige Palais und hatte auch nur zwei Geschosse. 1674 wurde das Dachgeschoss mit seinen Erkern zum zweiten Vollgeschoss umgestaltet. Ferner wurde das Haus wohl noch im 17. Jahrhundert nach Norden erweitert. Inzwischen in landesherrlichen Besitz gelangt, wurde das Haus 1743 dem Hofmarschall Johann Christian Wilhelm von Schardt, mietfrei als Dienstwohnung zur Verfügung gestellt. Schard ließ das Gebäude daraufhin aufwendig zum Palais umbauen und im Garten einen Pavillon aufführen, der über einen Laubengang mit dem Haupthaus verbunden wurde. Der Seitenflügel entstand erst im 19. Jahrhundert. 1997-2007 erfolgte die Instandsetzung und Restaurierung des Palais.[2]
Beschreibung
Das traufständige dreigeschossige Palais setzt sich aus dem fünf Achsen breiten Altbau sowie dem zwei Achsen breiten Anbau im Norden zusammen. Die historische Eingangssituation ist heute verändert. Im ersten Obergeschoss lagen die Repräsentationsräume zur Straße hin. Sie sind durch die Umbauten Schardts um 1750 geprägt.[3]
Der so genannte "Festsaal"
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Festsaal ist in seiner heutigen Form im Rahmen der Umbaumaßnahmen Schardts um 1750 entstanden. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde der Raum saniert.
Beschreibung
Der Raum ist im ersten Obergeschoss in der Südostecke des Hauses gelegen. Er wird von Westen aus betreten. Nach Norden schließt sich ein weiterer Raum an. Der Saal hat zwei Fenster nach Osten zur Scherfgasse hin.[3]
Die Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde um 1750 im Auftrag von Johann Christian Wilhelm von Schardt gestaltet.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke wird durch einen Unterzug in zwei ungleichgroße Bereiche geteilt. Jedes Feld nimmt in einem profilierten Stuckrahmen ein Gemälde auf.
Pax und Astraea
Externes Bild
Samuel Bottschild: Pax und Astraea, 1693
Bild beim Anbieter ansehen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde um 1750 im Auftrag von Johann Christian Wilhelm von Schardt geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. In Frage kommen Adam Friedrich Oeser oder Christian Wilhelm Ernst Dietrich, genannt Dietricy.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigt auf Wolken das Zusammentreffen und Pax und Astraea, wobei Astraea mit Dike, der Göttin der Gerechtigkeit, gleichzusetzen ist. Es handelt sich damit um eine Abwandlung des Friedenskusses von Pax und Justitia. Pax ist mit Lorbeerkranz im Haar und erhobenem Ölzweig kenntlich gemacht, Astraea trägt eine Krone sowie einen Hermelinmantel. Beide werden von Putti begleitet. Hinter Pax trägt ein Putto einen weiteren Ölzweig, hinter Astraea präsentiert ein Putto die Symbole der Rechtsprechung: Schwert, Waage und Liktorenbündel. Unter der Gruppe schütten zwei weitere Putti ein Füllhorn aus. Der hiermit visualisierte Wohlstand ist das Ergebnis des Zusammengehens von Frieden und Gerechtigkeit. Damit illustriert die Darstellung Psalm 85, Vers 11, in dem es heißt, dass sich Gnade und Wahrheit begegnen sowie Gerechtigkeit und Friede küssen. Daraufhin werde Gott das Land mit allem Guten bedenken und das Land werde reichen Ertrag bringen.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Eintretenden im Osten hin ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Das Gemälde folgt gespiegelt eng einer Radierung von Samuel Bottschild aus dem Jahr 1693.
Fides und Bonitas
Externes Bild
Samuel Bottschild: Fides und Bonitas, 1693
Bild beim Anbieter ansehen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde um 1750 im Auftrag von Johann Christian Wilhelm von Schardt geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. In Frage kommen Adam Friedrich Oeser oder Christian Wilhelm Ernst Dietrich, genannt Dietricy. Das Gemälde wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer Replik nach François Boucher übermalt.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die ursprüngliche Malerei wird fast komplett verdeckt. Ursprünglich erblickte man wie Fides und Bonitas sich auf Wolken begegneten. Die lorbeerbekränzte Bonitas rechts zog Fides links im Hermelinmantel zu sich heran. Links von Fides war ein Pelikan dargestellt, der sich selbstlos die Brust aufriss, um damit seine Brut zu nähren. Eigentlich illustrierte die Darstellung ebenfalls Psalm 85, Vers 11, in dem es heißt, dass sich Gnade und Wahrheit begegnen sowie Gerechtigkeit und Friede küssen. Gnade und Wahrheit sind hier durch Güte (Bonitas) und Fides (Glaube) dargestellt.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit war auf die Eintretenden im Osten hin ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Das Gemälde folgte gespiegelt eng einer Radierung von Samuel Bottschild aus dem Jahr 1693.
Weitere Wand- und Deckenmalereireste im Palais Schardt
Beschreibung und Ikonographie
Im Palais haben sich weitere Wandmalereireste erhalten. Zu diesen gehören Säulenstellungen in einem Raum des ersten Obergeschosses sowie ausgebaute Bretter, die im Dachgeschoss gelagert werden. Sie entstammen wohl aus zwei verschiedenen Stuben und wurden Mitte des 18. Jahrhunderts bemalt. Die Rocailledarstellungen und Cherubimköpfe stammen vermutlich von einer Decke, die gemalten Rechteckspiegel von einer Wandverkleidung.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Müller, Weimar, 2009. – Müller, Rainer (bearb.): Stadt Weimar. Bd. 1., Altstadt (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmale in Thüringen, 4). Altenburg 2009.