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Weihenlinden, Pfarr- und Wallfahrtskirche Heiligste Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frauen Hilf

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 520–534, geschrieben von kein Autorenvermerk (wahrscheinlich Bauer-Wild, Anna). Original (Passwortgeschützt)
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WEIHENLINDEN

Pfarrei Weihenlinden-Högling, Markt Bruckmühl Erzdiözese München und Freising. Ehem. Superiorat des Augustiner-Chorherrenstifts Weyarn Gericht Aibling

Pfarr- und Wallfahrtskirche S. 523 Chorraum über der Gandenkapelle S. 536 Räume über der Sakristei S. 539

Zur Geschichte: Die Stelle, wo heute die Wallfahrtskirche Weihenlinden steht, gehörte zum Dorf Högling. Hier standen in einem umzäunten Platz, »über Hundert unnd zwölf Schuech lang, 86 brait« (Marianischer Atlaß; = ca. 34,00) 25,00 m) zwei alte Linden bei einer steinernen Martersäule, die an drei Tote - nach der Überlieferung vornehme Männer - erinnerte, die dort begraben waren. Dieser kleine Bezirk »Weichlindten« genannt, wurde von den Höglingern mit Scheu betrachtet. Nach dem Volksglauben brachte es Unglück, wenn man ihn verwahrlosen ließ, oder wenn Vieh in die Umzäunung eindrang. Darum war es die Pflicht des Mesners von Högling, den Ort wie einen Gottesacker in Ordnung zu halten. Wahrscheinlich in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. spielten die Ereignisse, die schließlich zur Wallfahrt führten. In der Höglinger Kirche war von Alters her eine geschnitzte Statue von Maria und dem Kind, drei Fuß hoch. Diese fiel nach der Überlieferung einmal zu Boden, ohne zu zerbrechen. Das faßten die Höglinger als himmlisches Zeichen auf, brachten die Marienstatue mit Erlaubnis des Pfarrers in das kleine umzäunte Heiligtum zu den Gräbern der drei Toten, stellten sie auf die Martersäule und suchten in ihren Sorgen Zuflucht bei diesem Marienbild, im Glauben, daß sie wunderbare Erhörung finden könnten. Im Jahr 1632, als der Schwedeneinfall drohte, gelobten die Höglinger Bauern den Bau einer Kapelle beiden »Weihlinden«, wenn ihr Dorf vor den Schweden bewahrt würde, gaben es so in den Schutz Mariens und flohen. Bei der Wiederkehr fanden sie das Dorf unversehrt vor. Auch das Pestjahr 1634 ging an Högling glimpflich vorbei.

Die Hoffnung der Höglinger auf den Schutz Mariens erfüllte sich also, zum Bau einer Kapelle kam es aber wegen der Notzeiten zunächst nicht. Erst 1643 gingen die Bauern daran, ihr Gelübde zu erfüllen und fingen an, für den Kapellenbau nach Wasser zu graben. Dabei fanden sie ein Skelett und einen silbernen vergoldeten Ring mit zwei Granaten, was sie als wunderbares Zeichen betrachteten. Als ein Kapuziner, der Guardian P. Johann Chrisostomus Welser aus München, des Weges kam - Weihenlinden und Högling lagen einst an der Straße von München nach Rosenheim – zeigten sie ihm den Ring, worauf dieser sagte, der Ring sei ein Zeichen: Man solle »den Bau in die Rundt formieren« und neben der Dreifaltigkeit auch »Unser lieben Frauen Hilff zu ei zen«. Es geschahen noch weitere Zeichen: Als die Höglinger mit dem Bau in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, wurde der Anna Stöckl aus Lengendorf im Traum geweissagt, sie sollten mit dem Bau nur fortfahren, sie würden

aufstehn«. In dieser Zeit kamen drei fremdartige, rotgekleidete Personen des Wegs. Auch sie rieten zum Weiterbau. In diesen drei geheimnisvollen Pilgern sahen die Bauern in ihrer Bereitschaft, in allem, was Weihenlinden anging, an himmlisches und wunderbares Wirken zu glauben, die Dreifaltigkeit, was aber sogar der Maler Melchior Hofer, Wirt in Höhenrain, der die drei Personen malen sollte, mit dem Argument ablehnte, die Dreifaltigkeit sei nicht rot gewandet, und man könne drei Leute in roten Kleidern nicht »ins Gewilckh« malen (auf Wolken malen).

1645 war die kleine Kapelle fertig. Die Höglinger Bauern hatten die Fuhrdienste geleistet und die Bauhandwerker reihum entlohnt, sie verköstigt und beherbergt. Der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeck erlaubte am 3.6.1645, daß in der Kapelle auf einem >altare portatile< Messe gelesen werden dürfe. Zum Marienbild, das längst als Gnadenbild, und zum neugegrabenen Brunnen, der als wundertätige Heilquelle galt, war damals schon ein großer Zulauf des Volks und die Wallfahrt begann, berühmt und reich zu werden (sie besaß im September 1645 bereits 3000 fl.).

Die Kirche stand neuen Wallfahrten und ihren Wundern grundsätzlich skeptisch gegenüber, und so visitierten auf Weisung des Fürstbischof Veit Adam Propst Valentin Steyrer von Weyarn und Propst Christian Scheuchenstuel von Beyharting am 7.7. 1645 die entstehende Wallfahrt. Laut ihrem Protokoll sagte der Pfarrer von Högling, er hielte nichts von den angeblichen Wundern und die Kapelle sei ohne sein Wissen gebaut worden. Interessant ist die Aussage des Demelwirts Thomas Schönberger, er selbst habe den Brunnen mit eigenen Händen gegraben. »Zu welchem Zweck?« fragten die Visitatoren, und der Wirt antwortete bezeichnenderweise: »Es möchte wohl den Kranken geholfen werden«. Das Entstehen eines Orts, an dem Wunder geschehen, war also von vorneherein im Kalkül. Das erinnert an den Einsiedler Schöpfl von Kirchwald (S. 317), der um 1645/50 die vorhandene und bis dahin keineswegs heilkraftige Quelle bei seiner Klause zum Heilquell machte, indem er Reliquien in sie legte und sie mit Weihenlindener Wasser vermischte.

Das erste Wunder in Weihenlinden war an der Ehefrau des Demelwirts geschehen, die zwei Jahre lang appetitlos gewesen war und der es nach dem ersten Trunk besser gegangen war. Die Visitatoren erfuhren noch von ähnlichen Wundern. Das Wasser des Brunnens, erklärte der Demelwirt, gebrauche man »zu drinckhen, waschen und paden«, und es helfe allen, die »krump, plindt und mangelhafft« waren. Die Kommission lehnte alle Wunder ab.

Um eine geregelte Seelsorge zu gewährleisten, wurde am 20.12.1650 die Pfarrei Högling mit Weihenlinden dem Augustiner-Chorherrenstift Weyarn auf die dringenden Bitten des Propstes Valentin Steyrer hin von Fürstbischof Veit Adam von Gepeck inkorporiert (Bestätigung der Witwe des Kurfürsten Maximilian I., Maria Anna, am 22.12.1651). Das Geld, das in Weihenlinden bis dahin eingegangen war, lag in Händen des Gerichts Aibling. Es sollte nun Weyarn übergeben werden, damit ein größerer Kirchenbau errichtet werden könne. (Geschichte der Wallfahrt nach BHStA, GL, Fasz. 107 Nr. 85/7 und Fasz. 109 Nr. 87/10; Protokoll der Visitation 1645 in AEM, Pfarrakten Högling, Weihenlinden 1645–1866; und nach Gumppenberg, Marianischer Atlas Bd 1, Nr. 184, S. 427. Die verschiedenen Überlieferungen widersprechen sich gelegentlich, was die zeitliche Abfolge der Ereignisse betrifft.) Mit der Inkorporierung der Wallfahrt zum Augustiner-Chorherrenstift Weyarn übernahmen bis zur Säkularisierung 1803 Weyarner Chorherren die Wallfahrtsseelsorge. Für die bis zu sechs Chorherren, die in Weihenlinden exponiert waren, wurde ein eigenes kleines Kloster östlich der Kirche erbaut. Dieses Gebäude – und die Wallfahrtsseelsorge – übernahmen 1962 Tiroler Serviten; 1998/99 wurde dieser Konvent wegen Nachwuchsmangels aufgegeben. Das Gebäude ist heute Pfarrhof der Pfarrei Högling-Weihenlinden.

Pfarr- und Wallfahrtskirche

Zur Zeit der Ausmalung Pfarrei Högling. Die Wallfahrtskirche wurde von Konventualen des Augustiner-Chorherrenstifts Weyarn versehen. An der Kirche bestanden drei Bruderschaften, die Bruderschaft Jesus, Maria, Joseph (Josephibruderschaft) seit 1664, die Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis Mariä seit 1712 und die Dreifaltigkeitsbruderschaft seit 1733. Das alte Mariengnadenbild steht in der Gnadenkapelle. Der Gnadenbrunnen besteht noch. Die Wallfahrt, lange Zeit fast vergessen, erlebt eine neue Blüte.

Patrozinium: Heiligste Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frauen Hilf

Zum Bauwerk: Der erste Kapellenbau, ein kleiner achteckiger Zentralbau, war 1645 unter Dach. Bei der raschen Entwicklung der Wallfahrt war eine größere Kirche zwingend notwendig. Zunächst plante man nur den Anbau eines Langhauses. Als Weihenlinden aber 1650 Weyarn inkorporiert worden war, entschloß man sich zu einem Neubau, der 1653-57 aufgeführt wurde. Nach der Überlieferung zeichnete die Baupläne Propst Valentin Steyrer von Weyarn, der sich leidenschaftlich für Architektur interessierte. Er ist schon in der ersten Ausgabe des >Puteus< 1688 als Architekt der Kirche genannt. »Basilicam celeberrimam ad fontem sanctum in Weihelinden prope Högling brevi tempore, magnis laboribus excitavit statuae Marianae crebris miraculis ibi propitiae« (AEM, Rotel). Daß Steyrer selbst der Architekt war, ist umso glaubhafter, als die Weihenlindener Kirche zwar ein origineller Bau ist, der verschiedene neue Ideen der Jahrhundertmitte aufnimmt und variiert, aber doch hinter der zeitgemäßen Architektur zurück bleibt. Einzelmotive wie die an die Türme angehängten Treppentürmchen, die unbelichteten Emporen mit den abgeschrägten Decken, die völlig ungestaltete Fassade und anderes mehr machen deutlich, daß es sich hier um eine Laienarchitektur handelt, mit all ihren Schwächen – aber auch Stärken.

1652 wurde der Grund gegraben und in Anwesenheit von Wolfgang Veit Graf von Hohenwaldeck und Maxlrain sowie Propst Christian Scheuchenstuel von Beyharting der Grundstein gelegt. Im Januar 1653 wurden die Linden gefällt und die Außenkanzel abgebaut. Baubeginn im Frühjahr 1653. Ende 1654 war der Rohbau unter Dach. In den folgenden Jahren Innenausbau und Turmbau. Feierliche Weihe mit neun Altären am 1.7.1657 durch den Freisinger Weihbischof Dr. Johannes Fiernhammer.

In den folgenden Jahren wurde an der Inneneinrichtung gearbeitet. Der gewaltige zweistöckige Wallfahrtsaltar stammt von 1657/60, die Kanzel schuf 1660 Constantin Pader. Die beiden Seitenaltäre, 1658 und 1659 aufgestellt, wurden 1790/93 durch Rokokoaltäre des Aiblinger Bildhauers Joseph Götsch ersetzt. Kirchturmeinsturz 1679, bei dem das Gewölbe durchschlagen und die Orgel zerstört wurden; anschließend Wiederaufbau. Nach der Einführung der Dreifaltigkeits-Bruderschaft 1733

Neudekoration des Kirchenraums: der Stuck wird Johann Schwarzenberger aus Aibling zugewiesen (Bomhard, S. 6) Schmidt schreibt zehn Jahre später: »Ecclesia haec multum magnifica, peregrinorum ad Beatissimam Virginem, hic miraculis et beneficiis clarescentem, concursu et frequentia, nec non publicis processionibus celebris, supra sacellum ad sanctum fontem nuncupatum, in quo Bmae Virginis statua residet aedificata est.«

Zur Hundertjahrfeier 1757 wurde in den beiden seitlich an die Kirche anschließenden Gängen der Zyklus mit der Geschichte der Wallfahrt gemalt. 1761 reiche Neudekoration der Gnadenkapelle unter Propst Augustin Hamel von Weyarn (1753–65) mit Stuck von Johann Martin Pichler.

Die langgezogene Kirche mit dem hohen Dach und der Doppelturmfassade liegt in der Ebene und ist schon von weitem sichtbar. Durch den Anbau von Arkadengängen im Norden und Süden wirkt der dreischiffige Bau nach außen noch einmal abgetreppt und breit gelagert. An den nördlichen Umgang ist die achteckige Brunnenkapelle angebaut. Die Türme sind eher zierlich gegliedert und enden in schlanken Kuppeln. Drei Reihen von Querovalfenster belichten den Ober- und Unterbau sowie die seitlich angebauten Gänge. Im Osten setzt sich der Bau in einem vierstöckigen Gebäude fort, unter einem Dach mit dem Kirchenraum.

Der Innenraum ist im Grunde nur ein fünfjochiges und dreischiffiges Langhaus ohne Chor. Die hohen Seitenschiffe sind durch breite, von Pfeilern getragene Bögen vom Langhaus geschieden. Gliederung durch Pilaster vor den Pfeilern; die Pilaster übergreifen beide Geschosse und tragen ein umlaufendes, verkröpftes Gebälk. Erdgeschoß und Obergeschoß sind durch ein hinter den Pilastern umlaufendes Gebälkband geschieden. Jedem der breiten Arkadenbögen im Erdgeschoß entsprechen im Emporengeschoß zwei Bögen. Der Kirchenraum ist hell, in allen fünf Jochen durch Querovalfenster in den Seitenschiffen und über dem Abschlußgesims im Gewölbebereich belichtet.

Im Westen liegt ein Vorraum mit dem Portal und die Orgel empore darüber im Bereich der Doppelturmfassade. Das östliche Joch des Mittelschiffs nimmt die alte achteckige Gnadenkapelle ein. Mit drei Seiten des Achtecks ragt sie nach vorn ins Mittelschiff hinein. Davor steht der Josephsaltar, der Bruderschaftsaltar der Josephsbruderschaft. Das Altarblatt von Carl Pfleger zeigt die Heilige Familie. Im ersten Geschoß ist die Altarfront zurückgesetzt und gibt Raum für die Zelebrierenden am oberen Altar. Hier sind auch die beiden Emporen verbunden. Der mächtige dreiteilige Altar im Obergeschoß nimmt die Form der drei Achteckseiten der Gnadenkapelle mit dem Josephsaltar auf. In den drei hohen Nischen dieser Altarfront erscheinen drei völlig gleiche bärtige Gestalten mit Tiara und Weltkugel: die drei Personen der Heiligsten Dreifaltigkeit - wohl Arbeiten des Münchner Bildhauers Matthias Schütz - denen auch die jeweils darunter liegenden Altäre geweiht sind.

Die Gnadenkapelle wird vom Mittelschiff aus durch zwei Türen zu seiten des Josephsaltars betreten. Sie ist nur einstöckig, der Innenraum erbaut auf rundem Grundriß; erst in der Höhe des Gewölbeansatzes geht er in ein Achteck über. Sie wurde 1761 ausgestattet: Inschriften als Chronogramme in zwei Stuckkartuschen an der Westwand der Gnadenkapelle CLI/entes DeCora/VerVnt / Me (= 1761; links) und ALso zIer/ten MICh / aVs eInIge / LIebe pfLeg/kInDer (= 1761; rechts). Darüber ist das Wappen des Weyarner Propstes Augustin Hamel (1753–65), des Auftraggebers der Neuausstattung. Im Gewölbe der Gnadenkapelle befindet sich eine runde Öffnung, durch die man in einen darüberliegenden Chorraum sieht, von dem allerdings ein Teil durch die Hinterseite des großen oberen Altars eingenommen ist (mit den Fresken Ia-f, s. S. 536). Im Osten schließt an die Kirche die Sakristei mit den schrägen Nebengebäuden und den darüber liegenden drei Stockwerken an.

Auftraggeber: Propst Patritius Zwick von Weyarn (1731–53) »... wie dann der heut zu Tag würdigist regierende Hochwürdige, Gnädige Herr, Herr Patritius Propst zu Weyarn ... auf das schönste sie mit subtiler Stockador-Arbeit der Allerheilisten Dreyfaltigkeit, der Allerseeligsten Mutter Gottes, und ihres Jungfräulichen Gespons Josephi gemahlten Sinnbilderen zu jedermans Verwunderung hatte ausschmücken und ziehren lassen« (Puteus 1745). Pfarrvikar während der Ausmalung war der Weyarner Konventuale P. Laetus Egger (1733–38), der auch Superior von Weihenlinden war.

Vier Wappen sind innerhalb der Dekoration an der Hochschiffwand angebracht. Im dritten Joch von Westen links das Wappen Kurbayerns, rechts das Wappen des Freisinger Fürstbischofs Veit Adam von Gepeck. Im zweiten Joch von Westen links weist das Wappen des Propstes Valentin Steyrer von Weyarn auf den Erbauer der Kirche hin; rechts das Wappen des Weyarner Propstes Patritius Zwick auf den Auftraggeber der Ausstattung.

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Anton Zächenberger (* um 1690 Straßwalchen bei Salzburg † 1773 München) 1736.

Der Kirchenraum

An dem Gewölbebogen über dem Hochaltar befindet sich eine Stuckkartusche mit der Weiheinschrift, die als Chronogramm das Datum der Innenausstattung angibt: DEO VNI & TRINO / PATRI FILIO & SPIRITVI S. / ATQVE / MARIAE TRINITATIS TRICLINIO. / SPONSOQVE S. IOSEPHO (= 1736).

Die Baurechnungen sind nicht erhalten, und in den weniger Nachrichten zum Bau findet sich kein Hinweis auf den Autor der Fresken. Kloster Weyarn lag wie Weihenlinden im Gericht Aibling, und so liegt es an sich nahe, den Maler dort zu suchen (wie Weyarn ja auch in den 50er und 60er Jahren für mehrere Kirchen - darunter Högling - den Aiblinger Maler Johann Georg Gaill verpflichtete. 1736 gab es in Aibling die Maler Joseph Höttinger (tätig in Aibling ab 1726, † 24. 2. 1737, den älteren Bruder oder Onkel des Rosenheimer Malers Joseph Anton Höttinger), und Johann Blasius Vicelli (tätig in Aibling 1720-70). Keinem von ihnen kann man aber die Weihenlindener Deckenbilder zuweisen. Möglich ist bei einem Kloster als Auftraggeber immer auch die Verpflichtung eines auswärtigen Malers, wie Weyarn mit der Ausmalung seiner Stiftskirche 1729 Johann Baptist Zimmermann beauftragt hatte.

Am meisten Übereinstimmung zeigen die Fresken in Weihenlinden mit den Fresken von Ottendichl (Lkr. München), die dem Münchner Maler Anton Zächenberger zugeschrieben sind (um 1720/30, CBD Bd 3/I, S. 144-48). Signierte Arbeiten Zächenbergers sind die Ausmalung des Chors in Perlach 1729 und die Ausmalung von Puch (Lkr. Pfaffenhofen) 1720. Für eine Zuweisung der Weihenlindener Ausmalung an Zächenberger spricht zunächst der Aufbau der architektonischen Schauplätze sowie Details von deren Ornamentierung z. B. in den Kapitellen und Appliken, ferner die Komposition der Figurengruppen in Form gleichförmiger Reihung. Die Übereinstimmung ist besonders groß in Details wie in der Gewandung der Engel mit der über den Oberschenkeln geschlitzten Kleidern, in den Gesichtstypen der zeitgenössischen Figuren wie Bauern, Geistlichen und Wallfahrern.

Anton Zächenberger lernte in München bei Joseph Ruffini, verbrachte Lehrjahre in Salzburg, Wien und Trient, übernahm 1725 in München die Malergerechtigkeit des Daniel Hörapöckh und war 1742–49 Vierer der Zunft (CBD, Bd 3/I, S. 93 f.).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Mittelschiff (A, B, C, a-d) Stichkappentonne; Seitenschiffe (1-5, 7-11) verschliffene Kreuzgratgewölbe; Emporenunterseite (6) verschliffenes Kreuzgratgewölbe

Rahmen: A, B, C ornamentierte Stuckleisten; a-d stuckierte Ornamentkartuschen; 1–11 Stuckprofilleisten

Technik: Fresko; A, B, C, 1–11, EB1–3, Ea-k polychrom; a–d monochrom rötlich ocker

Maße: A Höhe 13,10m; 5,40×5,10 B Höhe 13,10m; 7,70×4,65 C Höhe 13,10m; 5,40×5,10 1 und 11 Höhe 5,80m; 3,05 × 2,50 2 und 10 Höhe 5,80m; 2,75 × 3,60 3 und 9 Höhe 5,80 m; 2,40 x 3,00 4 und 8 Höhe 5,80m; 2,75 × 3,60 5 und 7 Höhe 5,80 m; 2,40 × 7,00 6 Höhe 5,80m: 2,45 x 3,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Restaurierung 1857 zur Säkularfeier wurde wohl der Stuck in der Weise farbig gefaßt, wie es die KDB beschreiben: »Die Stukkaturer heben sich an der Tonne von einem hellen lilafarbenen, in der Stichkappen von einem lichten rosafarbenen Grunde weiss ab« (S. 1687). Innenrestaurierung der Gnadenkapelle (1946) und der Brunnenkapelle (1948) durch Georg Hilz, Bad Aibling. Beginn einer durchgreifenden Innenrestaurierung mit Wiederherstellung der originalen Raumtönung 1969 zunächst mit dem südlichen Seitenschiff durch Helmut Knorr, Grafing. Damals waren laut Bericht des Restaurators die Deckenbilder teilweise übermalt und hatten beträchtliche Risse. Nach der Bausanierung und Außenrestaurierung, die 1971 begann, Weiterarbeit Helmut Knorrs ab 1973: Restaurierung des Haupt- und des nördlichen Seitenschiffs, 1975 die der Gnadenkapelle. Wegen Arbeitsüberlastung Knorrs arbeitete auch der Restaurator Walter Campidell, Feistritz an der Drau. 2003 nach Hagelschlag erneute Innenrestaurierung durch Fa. Erwin Wiegerling (Stefan Hundbiß) mit Ausbessern der Wasserschäden an den Altären und Wänden, Reinigen der Wandflächen und Ergänzen der Fehlstellen. Die Fresken sind in gutem Zustand.

Beschreibung und Ikonographie

Das Langhausgewölbe, die Hochwände und die Seitenschiffgewölbe sind stuckiert. Der Stuck zeigt noch keine Ansätze von Rocaille-Formen, bringt aber alle die schönen und phantasievollen Ornamentmotive der Zeit vor der Rocaille: Bandwerk, Muscheln, Palmetten, Füllhörner, Lambrequins, Blatt- und Blütenranken sowie immer wieder vollplastische Putten. Besonders am Langhausgewölbe ist der Stuck sehr reich und fein ausgearbeitet. Im Bereich des Hochaltars raffen Putten einen stuckierten – und etwas übertrieben gefältelten – rotgoldenen Vorhang, mit dem der eigentliche Kirchenraum abgeschlossen ist (dahinter liegen im Erdgeschoß die Sakristei, im Obergeschoß der Chorraum).

A NAMEN JOSEPHS Ansicht nach W. Der Name Josephs OSIP mit dem darüberliegenden Omega ist von einem überaus hellen, fast weißen Glorienlicht umgeben. Wolken, die äußeren grau, die inneren ockerfarben und zur Mitte hin aufgelichtet umgeben das Monogramm kreisförmig. In den Wolken sind Putten dargestellt, die Lilie, grünenden Stab, Ähren und Rosen halten.

B WALLFAHRT ZUM GNADENBILD WEIHENLINDE Langgestrecktes Bildfeld mit vier Ausbuchtungen, von denen die nördliche und südliche Ausbuchtung nach N bzw. S zu betrachten sind. Die Darstellungen in der östlichen und westlichen Ausbuchtung sind auf die Ansicht nach O bezogen. Der mittlere Teil des Bildes ist freigeblieben bzw. nur mit Himmel und Gnadenstrahlen gefüllt. Die drei irdischen Schauplätze im O, S und N sind ausschließlich auf die jeweilige Ausbuchtung beschränkt und haben illusionistisch miteinander nichts zu tun. Der Maler war mit der Realisierung des

Gewölbe des Mittelschiffs mit A Namen Josephs, B Wallfahrt zum Gnadenbild in Weihenlinden, C Engel, a–d Embleme (Anton Zächenberger? 1736)
E. Gnadensonne

Themas, bei dem er nicht auf graphische Vorlagen zurückgreifen konnte, offenbar überfordert und wußte sich nur mit dieser merkwürdigen, vierteiligen Komposition zu helfen. Die westliche Ausbuchtung zeigt einen himmlischen Schauplatz. Hier erscheint die Gnadenmutter von Weihenlinden in hellem Licht vor Wolken, von Putten kreisförmig umgeben. Breite Gnadenstrahlen fallen fächerförmig über den weiten Himmel, der den ganzen Mittelteil des Bildfeldes einnimmt, und auf die Darstellungen in den übrigen Ausbuchtungen. Im Osten ist in einer weiten Landschaft mit Bergen am Horizont eine kleine offene Kapelle zu sehen, in der ein Brunnen fließt: das heilkräftige Wasser von Weihenlinden; nahebei zwei Bäume (wohl die beiden Linden). An der Nordseite sind Bittflehende dargestellt, ein Bauer mit seinem offenbar kranken Vieh, zwei junge Männer, die einen Besessenen bändigen, weitere Männer, Frauen und Kinder sowie ein Mann, der ein Bündel trägt. An der Südseite sieht man zuvorderst einen knienden Mann mit wildem Haar und geballter Faust, darauf Frauen, die einen Kranken halten; es folgen wieder Bittflehende. Ganz hinten ist ein auf einer Wiese liegender Mann dargestellt. Das Bild ist vor allem ein Devotionsbild: die Wallfahrer und Bittflehenden suchen bei der Muttergottes von Weihenlinden und bei dem wundertätigen Wasser Hilfe. Zugleich erinnert die Darstellung an schon geschehene Wunder und mit der Darstellung der alten Gnadenkapelle an die Geschichte der Wallfahrt.

C ENGEL IN WOLKEN Um den Holzdeckel, der die Heilig-Geist-Öffnung abschließt und auf dem das strahlenumgebene Trinitätssymbol mit der Inschrift an den drei Seiten gemalt ist, sind in einem fast rechteckigen Wolkenkranz Engelsköpfchen zu sehen. Die Worte »Sanctus, Sanctus, Sanctus« zu bestimmten Zeiten und Anlässen sagen, gehörte zu den Pflichten der Mitglieder der Dreifaltigkeits-Bruderschaft. Wie die Engel so betet die Dreifaltigkeitsbruderschaft den dreifaltigen Gott an.

SANCTUS / SANCTUS / SANCTUS gemalt ist, sind in einem fast rechteckigen Wolkenkranz Engelsköpfchen zu sehen. Die Worte »Sanctus, Sanctus, Sanctus« zu bestimmten Zeiten und Anlässen sagen, gehörte zu den Pflichten der Mitglieder der Dreifaltigkeits-Bruderschaft. Wie die Engel so betet die Dreifaltigkeitsbruderschaft den dreifaltigen Gott an

a-d EMBLEME Vier Stuckkartuschen an den Gewölbezwickeln umgeben das Hauptbild B. Sie zeigen Embleme, die sich auf das Gnadenbild beziehen. Die rötlich monochromen Darstellungen haben das Lemma jeweils in einem Stuckband über der Kartusche (Abb. S. S. 524)

a Miraculis claret (Durch Wunder ist er berühmt). Bergige Landschaft. Eine Hand aus Wolken schlägt mit einem Stal Wasser aus einem hochaufragenden Felsen. Das Bild erinnert an das Quellwunder Moses' in der Wüste und bringt es mit dem Gnadenbrunnen in Weihenlinden in Zusammenhang

b Tutela Receptis (Schutz den Aufgenommenen). Stadtmauer mit Wehrturm und Tor. Über dem Torbogen strahlt hell das Monogramm Mariens. Ein Engelwächter mit Schild steht vor dem Tor und winkt einer Frau, die vor zwei Teufeln und einem Untier in den Schutz der Mauern flieht. Die Stadt ist Bild Mariens als »civitas refugii«, und das Emblem bezieht sich wie auch das folgende auf Maria als Schutzherrin. »Iure tamen optimo Maria virgo hanc ideam sibi propriam vendicat, quae, utpote civitas refugii, omnes in sinum suum receptos validissime protegit« (Picinelli, Lib. XVI, Nr. 3, s.v. arx, mit gleichem Lemma).

c Servat immunes (Sie bewahrt sie unversehrt). Eine Henne mit ausgebreiteten Flügeln bei ihren Küchlein, darüber kreisen drohend zwei Falken. »Securae ac felicis tutelae symbolum Gallina exhibet, quando minitante, iamiam per aera insidias struente milvo, pullitiem suam sub alas recipit« (Picinelli, Lib. IV, Nr. 357, s.v. gallina, mit gleichem Lemma).

d Aegrotos sanat (Heilt die Kranken). Palme zwischen zwei anderen Bäumen auf einer Wiese an einem Fluß. De Palme wurden von Alters her heilende Kräfte zugesprochen.

Ea-k EMBLEMAHNLICHE DARSTELLUNGEN An den Emporenbrüstungen der vier westlichen Mittelschiffsjoche sind querformatige Bildfelder in Stuckrahmen angebracht, die sich mit Ehrentiteln Mariens und Josephs beschäftigen. Thematisch und motivisch gehören die sich gegenüber liegenden Bilder jeweils zusammen; danach richtet sich die Zählung, beginnend im westlichen Joch.

Die zugehörigen Inschriften befinden sich innerhalb des Stuckdekors rechts (deutsch) und links (lateinisch) vom Bild auf stuckierten Inschriftbändern. Bei den beiden Bildern im östlichen Joch (Eg und Eh) gibt es jeweils nur eine Inschrift (deutsch), da die östliche Seite der Emporenbrüstung vom Hochaltareinbau überschnitten ist.

Ea, Eb, Eg und Eh haben als Bekrönung der Stuckkartusche Muscheln, Ec, Ed, Ee und Ef Kronen, wobei sich die Kronen jeweils als Krone Mariens – auf die darunterliegenden Darstellungen beziehen.

Ea WERKSTATT JOSEPHS Breit hingelagertes Gebäude, rechts ein Trakt mit offenem Dachstuhl. In einem kleinen Hof in der Mitte ist ein Putto an einer Hobelbank beschäftigt. IO/SEPHUS IUS/TUS / Joseph der Gerechte.

Eb LILIE In einem von einer Balustrade umgebenen Gärtchen blüht eine Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit Josephs. Eine Hand wird aus den Wolken über sie gehalten. Auf den Sockeln der Balustrade Ziervasen, dahinter Bäume. CASTUS IOSEPHUS / Joseph der keusche.

E. GNADENBILD VON WEIHENLINDEN Kirchenraum, links in einem Bogen Ausblick auf zwei Bäume (Weihlinden). In der Apsis steht der Altar mit dem Gnadenbild, rechts und links davon hängen an den Wänden Votivtafeln. Ein Engel daneben weist auf sie. OMNIUM MATER ADMIRABILIS / Wunderbare Mutter. Diese Darstellung bezieht sich mit der gegenüberliegenden und dem nächsten Bildpaar auf Maria als Schutzherrin und Helferin in Nöten.

Ed GNADENBRUNNEN Springbrunnen in einem Gärtchen, das von einer barocken Gartenmauer umschlossen ist. Auf der Mauer stehen Statuen, Ziervasen und Obelisken. GRATIAE MATER / Mutter der Gnaden Reich. Der Ehrentitel Mariens »Puteus aquarum viventium« erhält hier durch die Anspielung auf den Gnadenbrunnen engen Bezug auf Weihenlinden.

E GNADENSONNE Über einer weiten Landschaft mit baumumgebener Lichtung und Bergen am Horizont scheint die Sonne. Auf der Wiese sind zahlreiche Tiere dargestellt, rechts ein Bauernpaar. OMNIBUS IDEM / gegen alle gleich gesinnt.

Ef GNADENSCHIFF Auf aufgewühltem Meer sieht man ein Schiff, in dem Maria sitzt, den Jesusknaben auf dem Schoß. Das Kind hat eine Waage in der Hand. Joseph und ein Engel visch. Es sind die einzigen Hochformate der Reihe, die Bilde 2-10 sind Querformate. Der Zyklus vom Leben Mariens wird durch die Darstellung ›Ratschluß der Erlösung‹ im zweiten Joch von Osten im südlichen Seitenschiff (2) eingeleitet, wird nach Westen hin (Bild 4 und 5) und unter der Empore (Bild 6) weitergeführt, setzt sich im nördlichen S Westen nach Osten fort (7-9) und endet mit Bild 10 im zweiten Joch von Osten. 1 und 11 Ansicht nach O; 2-5 Ansicht nach S; 7-10 Ansicht nach N; 6 Ansicht nach W.

Mariä Verkündigung
Krönung Marien

I SCHMERZENSREICHES HERZ MARIENS Vor dem großen Kreuz Christi erscheint das flammende Herz Mariens, von sieben Schwertern (den sieben Schmerzen) durchbohrt. Um das Kreuz ist ein heller Glorienschein. Am Fuß des Kreuzes halten Putten das Schweißtuch der Veronika und Schale mit Kännchen, zusammen mit dem Kreuz Hinweise auf das Leiden Christi. Die Sieben Schmerzen Mariä sind: die Weissagung des Simeon (»deine Brust wird ein Schwert durchdringen«), die Flucht nach Ägypten, das Verlieren Jesu im Tempel, das Stehen unter dem Kreuz, der Tod Jesu, der Leichnam Jesu in ihrem Schoß, das Begräbnis Jesu.

Unter dem Fresko liegt der Seitenaltar des südlichen Seiten- schiffs, der Heilig-Blut-Altar

2 MARIA ALS WERKZEUG DER ERLOSUNG In Wolken thronen Gottvater und Christus, über ihnen in der Mitte schwebt in einem Strahlenkranz die Taube des Heiliger Geistes. Von der drei Göttlichen Personen gehen Strahlen aus, die sich etwa in der Bildmitte in einem großen Stern treffen. In diesem Stern ist das Kind Maria dargestellt. Von ihr geht wiederum ein Strahl aus und fällt nach unten auf die Erdkugel, die von der Schlange umwunden ist, die den Apfel des Sündenfalls im Maul hält. Links sind unter dem Baum der Erkenntnis Adam und Eva zu sehen, rechts unter einer Palme Joachim und Anna, die Eltern Mariens. An den Bildseiten, im Himmelsbereich, halten zwei Engel den Namen Jesu IHS und das Marienmonogramm hoch.

Sinn der Darstellung ist: Durch den Ratschluß Gottes (in der drei Göttlichen Personen) wurde Maria als Werkzeug der Erlösung bestimmt. Durch sie als Mutter Christi – worauf die beiden Monogramme hinweisen – wurde die Welt, die durch die Sünde Adams und Evas dem Tod verfallen war, erlöst. Den ersten Menschenpaar, durch das Sünde und Tod in die Welt kamen, wird hier das Paar Joachim und Anna gegenübergestellt, durch das eine Vorbedingung erfüllt wurde, die Maria erst würdig machte, Mutter Jesu zu werden: die Immaculati Conceptio.

dessen Rauch zum Himmel steigt, wo in Wolken Gottvater erscheint und die Arme ausbreitet.

weißbärtige Hohepriester mit Ephod und Mitra und segnet den Bund. Auf den Stufen im Vordergrund sind Zuschauer dargestellt, links ein älterer Mann mit Gabenkorb und Stab neben ihm eine Frau (Anna und Joachim); bei ihnen liegt ein Hund auf den Stufen. Rechts beobachten zwei Männer und eine Frau deutend und staunend die Vermählungsszene.

9 Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Fresko unter der Orgelempore

ken thront und an seiner Seite die Weltkugel hat, von Engeln getragen. Er breitet den linken Arm weit aus zu Mariens Empfang. Die zweite Krone hält Christus über sie, der links auf Wolken thront und dessen Kreuz ein großer Engel hält. Die dritte Krone schwebt über Maria, von zwei Putten gehalten. Über der Krone erscheint von vielen Puttenköpfchen umgeben die Taube des Heiligen Geistes. Er sendet einen breiten Gnadenstrahl auf Maria, der durch das Rund der Krone auf sie fällt

II FREUDENREICHES HERZ MARIENS

Vor einer Strahlenglorie erscheint das Herz Mariens, aus dem oben Flammen schlagen. Seitlich wachsen aus ihm sieben Lilien, die die sieben Freuden Mariä bedeuten. Rund um die Glorie sind Puttenköpfen vor Wolken am Bildrand zu sehen. In der Hauptansicht halten zwei Putten eine Lilie und eine Rose. Als die sieben Freuden gelten die Verkündigung, die Heimsuchung, die Geburt Jesu, die Anbetung der Könige, die Begegnung mit Simeon, das Wiederfinden Jesu im Tempel und die Krönung. Vier von ihnen sind im Weihenlindener Marienleben dargestellt.

Der Altar unter dem Fresko im nördlichen Seitenschiff ist der Bruderschaftsaltar der Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis. Auf ihm steht ein Bild der Wessobrunner Madonna.

EB1-3 Die drei Bruderschaften von Weihenlinden, über der Eingangstür W. Traum Jakobe

W TRAUM JAKOBS (Gen 28,10-17) Im westlichen Vorjoch, an der Stirnwand über dem Türbogen in der Westwand befindet sich ein Wandbild mit einem Inschriftband darunter: Vere haec est Domus Dei et Porta Coeli (Gen 28,16f. »Vere Dominus est in loco isto, et ego nesciebam ... non est hic aliud nisi domus Die, et porta caeli«). Bildschauplatz ist eine weite Landschaft mit Ausblick auf baumbestandene Wiesen: ein turmähnliches Gebäude steht vor den Bergen in der Ferne. Links liegt Jakob schlafend unter einem hohen Baum. Sein Haupt ruht auf dem Arm, der auf einen Stein gestützt ist. Links von ihm sieht man seinen Traum: Engel, die auf einer Leiter auf- und niedersteigen und darüber Gottvater in Wolken. Neben Jakob schläft sein Hund.

EB1-3 BRUDERSCHAFTSBILDER An der Brüstung der Westempore ist ein querformatiges Bildfeld angebracht (EB1) flankiert von zwei schrägliegenden Ovalkartuschen (EB2-3). Die Darstellungen und die Inschriften beziehen sich auf die drei an der Kirche Weihenlinden bestehenden Bruderschaften. In diesen Bildern werden die Bruderschaften als Hilfsmittel und sicheres Geleit auf dem Weg zum Heil dargestellt.

EB, DREIFALTIGKEITS-BRUDERSCHAFT In Wolken thronen die drei Göttlichen Personen, alle als bärtige Männer in Tiara und Rauchmantel dargestellt wie auf dem großen Dreifaltigkeitsaltar. Die beiden äußeren halten je einen Reichsapfel, der mittlere ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift Buech / deß / Lebens. Darunter stehen zwei Engel mit Kartuschen in den Händen, auf denen steht Brueder/ schafft / der (links) Allerheiligsten / Drey/faltigkeit (rechts). Von links kommen männliche Bruderschaftsmitglieder heran, an ihrer Spitze der Präses, von rechts weibliche. Alle tragen Festtracht, viele haben einen Rosenkranz in Händen. Die Szene wird hinterfangen von einer konkav ausschwingenden Arkadenwand, die zum größten Teil von der Wolken verdeckt ist, auf denen die Göttlichen Personen thronen.

In einem Schriftband unter dem Bildfeld steht: Wer in den Buch ist geschriben ein, wird gewiß ein Kind deß Himmels sein. Die Dreifaltigkeitsbruderschaft wurde in Weihenlinden am 15.7.1733 eingeführt.

EB2 BRUDERSCHAFT DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS MARIÄ Maria erscheint auf Wolken stehend, das Haupt von einem Sternenkranz umgeben, mit ausgebreiteten Armen. Links neben ihr geht auf Wolken eine ganze Schar weißgekleideter Mädchen himmelan und vereinigt sich dort mit den Seligen. Unterschrift im Bild: Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis MARIAE. In einem Schriftband unter dem Bild steht: Dieser Weg wird kein verwehrt, der die reine Jungfrau ehrt. Die Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis Mariä wurde zwar 1712 in Weihenlinden schon eingeführt, aber erst am 16.11.1767 konfirmiert.

EB, JOSEPHSBRUDERSCHAFT In Wolken ist Joseph zu sehen, der das Jesuskind auf dem Arm hat. Das Kind schreibt auf ein Blatt. Ein weiteres Blatt – wohl einen Bruderschaftsbrief, eine Form der Mitgliedsbestätigung – reicht Joseph nach unten, wo festlich gekleidete Bruderschaftsangehörige, links zwei Männer und rechts drei Frauen knien. Inschrift im Bild: Bruderschaft des Heiligen Joseph. Unterschrift in einem Schriftband: Wer in den schutz Josephi steht, dißen hier und dort wohl geht. Die Bruderschaft Jesus, Maria und Joseph, von den Münchner Karmeliten gefördert, wurde in Weihenlinden schon 1664 eingeführt.

Zur Ikonologie

In dem reichen und vielfältigen Bildprogramm wurde versucht, den beiden Patrozinien, dem wundertätigen Gnadenbild und den drei Bruderschaften gerecht zu werden. Die einzelnen Themenstränge sind so eng verflochten, weil überall neben der himmlischen Trinität (Patrozinium) die irdische Trinität Jesus, Maria und Joseph (Bruderschaft) präsent ist und Christus beiden Trinitäten angehört.

Es wurde ganz offensichtlich darauf geachtet, daß sowohl die Dreifaltigkeit, als auch Maria und Joseph im Bildprogramm würdig und genügend vertreten waren. Das ist nicht nur bei den Deckenbildern, sondern auch bei der Verteilung der Altäre zu beobachten.

Maria, die Gnadenmutter von Weihenlinden, steht im Mittelpunkt des Programms. Ihr ist A, das Hauptfresko des Mittelschiffs, gewidmet, außerdem die Fresken in den Seitenschiffen 1–11, das Bruderschaftsbild EB2, die Brüstungsbilder Ec-f und Eh. Ihr Bild steht als Gnadenbild in der eingebauten Gnadenkapelle, deren Altar ihr geweiht ist. Der Altar am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffs ist ebenfalls ihr geweiht: Es ist der Altar der Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis. Auf ihm steht ein Bild der Wessobrunner Madonna (Mutter der schönen Liebe). In Ed wird sie als »puteus aquarum viventium« gezeigt, im Hinweis auf das heilkräftige Wasser des Gnadenbrunnens.

Der Dreifaltigkeit, dem Hauptpatrozinium der Kirche, ist der obere Wallfahrtsaltar (aus der Erbauungszeit um 1660) geweiht. Hier erscheinen die drei Göttlichen Personen, völlig gleich gestaltet, in drei überlebensgroßen Statuen in einem dreiteiligen Nischenaufbau (Altarfiguren wahrscheinlich von dem Münchner Bildhauer Matthias Schütz, s. Bauer/Bomhard, S. 10). Die Inschrift auf dem Altar lautet Deus unus / Qualis Pater / Talis Filius Talis Spiritus sanctus. Von den drei Deckenbildern bezieht sich C mit dem dreifachen Sanctus-Ruf auf die Dreifaltigkeit. Die Dreifaltigkeits-Bruderschaft, deren Einführung in Weihenlinden 1733 wohl Anlaß für die Neudekoration der Kirche war, wird in dem Bruderschaftsbild EB1, an der Brüstung der Westempore dargestellt. Weiter tritt die Dreifaltigkeit in dem Seitenschiff-Fresko 2 (Ratschluß der Erlösung) auf, ebenso wie in 10 (Marienkrönung). Maria und Joseph werden in Ea und Eb in ihrem Verhältnis zur Dreifaltigkeit definiert: Maria ist FILIA Gottvaters, SPONSA des Heiligen Geistes und PARENS Jesu. »Joseph hingegen saget auch mit underthäniger Ehrnbietigkeit, gehorsamen Danck Gott dem Vatter, daß er ihn für seinen Statthalter auff Erden bestelt hat (VIRGO. Josephs Jungfräulichkeit war Voraussetzung für

diese Würde); Gott dem Sohn, daß er ihn für seinen Pflegvatter hat angenommen (PARENS): Gott dem H. Geist, daß er ihn für einen Mitgesponß erwöhlet hat« (SPONSUS. S. Predigt des Karmeliters P. Andreas à S. Theresia zur Einsetzung der Josephsbruderschaft 1664).

Der Göttlichen, unerschaffenen Trinität steht die irdische Trinität Jesus, Maria und Joseph gegenüber, die Gegenstand der Verehrung durch die Josephsbruderschaft ist (Bruderschaft Jesus, Maria und Joseph). Der Kult der ›irdischen Dreifaltigkeit‹ war bedingt durch die neueinsetzende Verehrung Josephs im 17. Jh. Sie wurde hauptsächlich durch die Karmeliter, aber auch durch die Jesuiten propagiert. Dem hl. Joseph ist das Hauptfresko A gewidmet, E1-3, Eg und das Bruderschaftsbild EB3. Im Marienzyklus 1–11 tritt er mehrmals auf (6, 7, 8, 9). Der untere Hochaltar ist ihm geweiht; die Rückwand des Josephsaltars ist dreiteilig. Das Altarblatt zeigt die Sippe Christi und erinnert damit an die Irdische Trinität, der im oberen Altar die Himmlische Trinität gegenübergestellt ist. Die großen Bilder an der rechten und linken Seite des Josephsaltars zeigen die Bekehrung des hl. Augustinus (N), den die Augustiner-Chorherren als ihren Ordensstifter verehrten. Auf der anderen Seiten (S) ist mit dem hl. Patritius der Namenspatron des Auftraggebers, des Propstes Patritius Zwick dargestellt, außerdem die Mutter des hl. Augustinus, Monika.

Auf den Kirchenbau bezieht sich das Bild vom Traum Jakobs (W1) und die Inschriften über den Türen im Süden und Norden jeweils im dritten Joch von Westen: Replebimur in bonis domus tuae / Psalm 64. V.5. (»An deines Hauses Gütern werden wir satt.« Südseite) und Beati, qui habitant / in domo tua Psalm 83. V.3. (Ps 83,5: »Selig, die wohnen in deinem Hause.« Nordseite). Dadurch wird die Heiligkeit des Ortes bekräftigt und die Heilsgewißheit der Pilger, die durch die Bruderschaftsbilder EB1 ausgedrückt ist, bestärkt.

Quellen und Literatur

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AEM, Pfarrakten Högling, Baubeschreibung; Bauten II; Weihenlinden 1645–1866: Visitation 1645; Weihenlinden Einnahmen und Ausgaben 1649–1861.

AEM, Heckenstalleriana, KB 130: Inkorporierung, Weihe; KB 140: Annales Canoniae Weyarensis, Einführung der Dreifaltigkeits-Bruderschaft, 600-Jahr-Feier von Weyarn; KB 149, Baubuch des Propstes Valentin Steyrer: Bau von Kirche und Priesterhaus.

Pfarrarchiv Högling-Weihenlinden, Kirchenrechnung 1761. BLfD, Akten Weihenlinden, Pfarrkirche Hlste Dreifaltigkeit.

Andreas a S. Theresia OCarm, Die Hochheilige, Wunderbare, Erschaffene Dreifaltigkeit Jesu, Maria, Joseph ..., Predigt zur Einführung der »Bruderschaft des h. Ertzvatters Joseph« oder »Bruderschaft der Allerheiligsten Gesellschaft Jesu, Maria, Joseph« in Weihenlinden, München 1664. Gumppenberg, P. Wilhelm S. J., Marianischer Atlaß. Vom Anfang und Ursprung zwölffhundert wunderthätiger Maria-Bilder (Übersetzung von P. Maximilian Wartenberg S. J. des Atlas Marianus, München 1672), München 1673, Bd I, Nr. 184, S. 427–29.

WEIHENLINDEN

Wening, Bd I, München 1701 > S. 30.

(P. Stephan Weinberger), Maria Puteus aquarum viventium. Ein Bronn der lebendigen Wässeren, so Allen zum Heyl an den wunderthätigen, dem Closter Weyarn der Regulirten Chor-Herren einverleibten Gnaden-Orth Weichenlindten, bey den Heyl. Bronn genannt, nächst dem Dorff Högling, ohne Unterlaß flüsset ... (unpaginiert), München 1745 (1688 21733).

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Reiter, Matthäus, Kurzgefaßte geschichtliche Darstellung des Wallfahrts-Ortes Weihenlinden, München 1835, 21857. Wiedemann, Theodor, Geschichte der Pfarrey Hegling im Landgerichte und Decanate Aibling, in: Deutingers Beiträge 2, München 1851, S. 295–396. III. Die Wallfahrtskirche Weihenlinden S. 322–31.

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