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Wegscheid, Pestkapelle St. Anton

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 265, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pestkapelle, Gemeinde und Pfarrei Lenggries, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Landgericht Tölz

Patrozinium: St. Anton

Zum Bauwerk: Am 5. Juli 1688 Konsekration durch Elias Kaiser, Pfarrvikar von St. Jakob, Lenggries; barocker Rundbau mit angeschobenem Chor (15,70 × 8,10 m), gleichmäßige Beleuchtung von N und S durch zwei Stichbogenfenster

Autor und Entstehungszeit: Das Bild ist nicht signiert, der Autor unbekannt. Wegen der fast völligen Übermalung im 19. Jh. und der Rekonstruktion nach Freilegung läßt sich das Deckenbild nur nach seiner Komposition in das 3. Jahrzehnt des 18. Jh. datieren und dürfte damit nach den großen Pestepidemien im Isarwinkel entstanden sein.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flache, im Scheitel abgeplattete Kuppel mit Stichkappen

Rahmen: Stuckprofil

Technik: ursprünglich wohl Fresko; polychrom

Maße: Höhe 5,25 m; 3,70 × 2,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Jahre 1877 ölübermalt; 1910 Entfernung der Ölmalerei und Freilegung des Freskos; dieses wurde bei der letzten Restaurierung von 1939 stark übermalt.

Beschreibung und Ikonographie

HL. ANTONIUS VON PADUA Einansichtiges Bild im Hochoval; tafelbildmäßige Komposition ohne Untersicht und Verkürzung, Betrachterstandpunkt unter der Mitte. An der östlichen Bildbasis sind auf einem schmalen Erdstreifen Flehende dargestellt, die sich an den Heiligen auf Wolken wenden. St. Antonius von Padua ist hier in der seltenen Darstellung als Pestpatron gezeigt (vgl. LCI, Bd 5, Sp. 219), bekleidet mit der Franziskanerkutte, das Jesuskind, das seine Lilie trägt, auf seinem Arm; ein Engel hält das geläufige Attribut des Heiligen, die Bibel, zu seiner Rechten. Über Antonius schließen Putti und Engelsköpfchen das Bild mit einer Art Glorie ab. Auf die Anrufung des

Heiligen als Pestpatron weisen die Attribute, das Pestglöckschen und die Ratsche hin, die zwei bürgerlich gekleidete Frauen schwingen. Die bärtigen Männer, einer von ihnen mit umwickelten Beinen und einer Krücke, ein Alter links mit entblößtem Oberkörper und ein weiterer im Mantel stellen Sieche und Kranke dar, die junge Frau rechts, mit abgewendetem Blick, ruft möglicherweise den Heiligen gegen Unfruchtbarkeit, als Beschützer der Frauen und der Ehe an. Ein brennender Bau mit Türmen auf einem Berg am nördlichen Bildrand kann Hinweis auf die Pestepidemie im Isarwinkel sein.

Hl. Antonius von Padua

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 446. Murböck, Jakob u. a., Die Pfarrei Lenggries (= KKF, Nr 126), München 31972, S. 11–13.

LANDKREIS GARMISCH-PARTENKIRCHEN