Wegscheid, Pestkapelle St. Anton
Pestkapelle, Gemeinde und Pfarrei Lenggries, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Landgericht Tölz
Patrozinium: St. Anton
Zum Bauwerk: Am 5. Juli 1688 Konsekration durch Elias Kaiser, Pfarrvikar von St. Jakob, Lenggries; barocker Rundbau mit angeschobenem Chor (15,70 × 8,10 m), gleichmäßige Beleuchtung von N und S durch zwei Stichbogenfenster
Autor und Entstehungszeit: Das Bild ist nicht signiert, der Autor unbekannt. Wegen der fast völligen Übermalung im 19. Jh. und der Rekonstruktion nach Freilegung läßt sich das Deckenbild nur nach seiner Komposition in das 3. Jahrzehnt des 18. Jh. datieren und dürfte damit nach den großen Pestepidemien im Isarwinkel entstanden sein.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flache, im Scheitel abgeplattete Kuppel mit Stichkappen
Rahmen: Stuckprofil
Technik: ursprünglich wohl Fresko; polychrom
Maße: Höhe 5,25 m; 3,70 × 2,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Jahre 1877 ölübermalt; 1910 Entfernung der Ölmalerei und Freilegung des Freskos; dieses wurde bei der letzten Restaurierung von 1939 stark übermalt.
Beschreibung und Ikonographie
HL. ANTONIUS VON PADUA Einansichtiges Bild im Hochoval; tafelbildmäßige Komposition ohne Untersicht und Verkürzung, Betrachterstandpunkt unter der Mitte. An der östlichen Bildbasis sind auf einem schmalen Erdstreifen Flehende dargestellt, die sich an den Heiligen auf Wolken wenden. St. Antonius von Padua ist hier in der seltenen Darstellung als Pestpatron gezeigt (vgl. LCI, Bd 5, Sp. 219), bekleidet mit der Franziskanerkutte, das Jesuskind, das seine Lilie trägt, auf seinem Arm; ein Engel hält das geläufige Attribut des Heiligen, die Bibel, zu seiner Rechten. Über Antonius schließen Putti und Engelsköpfchen das Bild mit einer Art Glorie ab. Auf die Anrufung des
Heiligen als Pestpatron weisen die Attribute, das Pestglöckschen und die Ratsche hin, die zwei bürgerlich gekleidete Frauen schwingen. Die bärtigen Männer, einer von ihnen mit umwickelten Beinen und einer Krücke, ein Alter links mit entblößtem Oberkörper und ein weiterer im Mantel stellen Sieche und Kranke dar, die junge Frau rechts, mit abgewendetem Blick, ruft möglicherweise den Heiligen gegen Unfruchtbarkeit, als Beschützer der Frauen und der Ehe an. Ein brennender Bau mit Türmen auf einem Berg am nördlichen Bildrand kann Hinweis auf die Pestepidemie im Isarwinkel sein.

Quellen und Literatur
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 446. Murböck, Jakob u. a., Die Pfarrei Lenggries (= KKF, Nr 126), München 31972, S. 11–13.
LANDKREIS GARMISCH-PARTENKIRCHEN