Laß, Heiko:Wechmar, Landhaus Studnitz, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a0d17e44-7419-47cb-a49e-3c813edca596

Inventarnummer: cbdd10157

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Im Landhaus Studnitz hat sich eine Deckenmalerei von ca. 1750 erhalten, die die Freuden des Landlebens präsentiert. Das Hauptgemälde zeigt Ceres sowei ein Kinderbacchanal. Der Künstler war wahrscheinlich Johann Heinrich Ritter.

Landhaus Studnitz
Landhaus Studnitz

Das Landhaus Studnitz

Baugeschichte und Auftraggeber

Das sogenannte Landhaus Studnitz[1] in Wechmar wurde nach einem Brand des Vorgängerbaus 1626 errichtet. Um 1722 wurde das Gebäude erweitert bzw. umgebaut. 1732 erwarb es der Gothaer Oberkonsistorialpräsident Ernst Salomon Cyprian. 1747 kam es in den Besitz des Gothaer Oberhofmarschalls Hans Adam von Studnitz. Er ließ das Gut 1748–50 zu einem Landsitz umgestalten. Vermutlich waren die Umbauarbeiten 1750/51 abgeschlossen. Studnitz starb kinderlos 1788. 1795 kam das Gut in den Besitz des Johann Levin Clauss.

Bis 1974 wurde das Haus bewohnt und gelangte nach der Wende 1988 an die Gemeinde Wechmar. 1990 erfolgte der Abbruch des Ostflügels und im Westflügel wurden alle Decken des Obergeschosses entfernt. Der Hauptsaal konnte 1992 wieder hergestellt werden. 1998 kam das Haus an den Wechmarer Heimat- und Trachtenverein, der das Gebäude restaurieren ließ.

Architekten, Künstler

Es ist davon auszugehen, dass von Stundnitz dieselben Künstler beschäftigte, die damals auch im Residenzschloss Friedenstein in Gotha arbeiteten. Nachweise gibt es keine.

Beschreibung

Das zweigeschossige Gebäude von acht Achsen Breite hat einen um ein Halbgeschoss erhöhten Mittelteil. Dieser tritt risalitartig vor und wird von einer zentralen Durchfahrt im Erdgeschoss sowie drei hohen Fenstern im Oberschoss und einem abschließenden Dreiecksgiebel bestimmt. Die ehemaligen Seitenflügel und der originale Ostteil des Hauptflügels zur Straße hin fehlen heute. Der ehemalige Fassadenschmuck ist verloren. Im Inneren erschließt eine Treppe im Westflügel das erste Obergeschoss mit dem zentralen Hauptsaal.

Der Hauptsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Im ersten Obergeschoss, dem Hauptgeschoss, ist im erhöhten Mittelteil des Landhauses der die ganze Tiefe des Gebäudes durchmessende Hauptsaal[2] gelegen. Das Geschoss wurde zwischen 1748 und 1751 errichtet und ausgestattet. Lehfeldt berichtet 1898, der Saal werde als Fruchtboten genutzt und die Fenster zum Garten hin seien vermauert. 1992 wurde der Saal wieder hergestellt.

Beschreibung

Der Hauptsaal misst acht auf neuneinhalb Meter und ist knapp fünf Meter hoch. Er öffnet sich mit jeweils drei hohen Rundbogenfenstern nach Süden und Norden. Die Ost- und Westseite nehmen jeweils zwei Doppeltüren auf, die im Osten einen Ofen und im Westen einen Kamin flankieren. Die Wände sind von Stuckmarmor. Über einer hellgrauen Sockelzone erheben sich rosafarbene Lisenen vor dunkelgrauer Wand. Vergoldete Rocaillekartuschen als oberer Abschluss lassen die Lisenen wie Pilaster wirken. Weitere Gliederungselemente sind rosafarbene Wandfelder in ockerfarbenem Rahmen. Über den Türen befanden sich einst Supraporten, die aber bereits im 19. Jahrhundert veräußert wurden. Ein weißes Stuckgesims grenzt die Wand nach oben ab.

Die Decke

Befund

Die stuckierte Spiegeldecke[3] nimmt ein großes, zentrales Mittelfeld auf, das in den Ecken von vier Kartuschen ergänzt wird. Mittelfeld und Kartuschen, die mit Malerei ausgestattet sind, werden von geschwungenen Rocaillen begleitet. Hinzu kommen zwei weitere Kartusche an den Schmalseiten, die ähnlich gestaltet sind, aber keine Malerei zeigen.

Die Malerei ist in Secco ausgeführt worden. Es lassen sich eine rote Gemäldeuntermalung und Vorritzungen im 3-6 Millimeter starken Feinputz erkennen. Während das Hauptbild ausgeführt ist, finden sich in den vier Eckkartuschen nur Vorzeichnungen, wie sie sich in Kohlestift ausgeführt auch für das Hauptbild nachweisen lassen.

Beschreibung und Ikonographie

Das Hauptgemälde[4] ist quer zur Raumachse gestellt. Es besteht aus zwei bzw. drei Bereichen. Im Norden erblickt man Ceres mit Betrachterstandpunkt an der Südseite des Saals. In der Mitte ist ein Kinderbacchanal dargestellt, das ebenso wie musizierende und tanzende Putten im Süden von Norden aus wahrgenommen werden sollen.

Das Bacchanal ist wie alle Szenen in Wolken dargestellt. Um eine weiß gedeckte Tafel sind zwölf Putten bzw. Kinder versammelt. Die meisten haben sich niedergelassen und trinken. Einige sind offenbar bereits betrunken. Rechts befindet sich ein Tablett mit mehreren Flaschen und Karaffen, aus denen nachgeschenkt wird. Es steht aber auch eine Obstschale auf dem Tisch und von links trägt ein Kind einen Korb mit weiterem Obst herbei.

Unter der Tafel sind zwei Kindergruppen auszumachen. Rechts ist eine Vierergruppe dargestellt. Drei der Kinder musizieren: Sie spielen Blockflöte, Geige und Laute. Zu ihren Füßen lagert offensichtlich ein Jäger, der von einem Jagdhund betrachtet wird. Er trägt eine Jagdtasche und hat seine Jagdbeute – eine Ente und einen Fuchs – auf einer Wolke abgelegt. Links tanzen drei Kinder. Eines hält eine Theatermaske in seiner rechten Hand.

Gegenüber hat sich Ceres auf Wolken niedergelassen. Sie ist mit Ährenkrone, Füllhorn, Fackel und Schlange eindeutig charakterisiert. In ihrem Umfeld tummeln sich vier Kinder, von denen drei Sichel, Rechen und einen Krebs tragen. Das vierte ist als Jakobspilger gekleidet.

Die vier Eckkartuschen[5] zeigen nur kolorierte Vorzeichnungen mit Hilfslinien für später vorgesehene, kleinfigurige Malereien. Gezeigt werden Szenen des höfischen Landlebens wie etwa eine Dame auf einer Schaukel mit zwei Cavalieren, Musikanten oder auch eine Frau, die Schlitten fährt.

Künstler

Als Künstler wird Johann Heinrich Ritter vermutet. Da dieser 1751 starb, kann als Ursache für die unvollendeten Malereien der Eckkartuschen eventuell sein Tod gesehen werden.

Programm

Die Deckenmalerei hat das höfisch-adelige Landleben zum Thema. Das Hauptbild ist mit Ceres dem Sommer und mit dem Bacchanal dem Herbst gewidmet. Der Krebs ist das Tierkreiszeichen des Juni. Die Jagd findet im Herbst statt. Ein Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem Feiern. Der Saal wird als ein Ort unbeschwerter Feste in der warmen Jahreszeit definiert.

Es ist verlockend, aufgrund der Dame im Schlitten für die Eckkartuschen ein Jahreszeitenprogramm zu vermuten. Die Darstellungen sind jedoch zu unklar, um sie einzelnen Jahreszeiten zuordnen zu können. Sie haben aber ebenfalls das unbeschwerte Landleben des Adels zum Thema und unterstützen damit die Aussage des Hauptbildes.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Lehfeldt, KDM Ohdruf, 1898. – Lehfeldt, Paul: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Band II, Landrathsamt Ohrdruf. Amtsgerichtsbezirke Ohrdruf, Liebenstein und Zella. Jena 1898.
  • Studnitz, Studnitz, 2001. – Studnitz, Ernst Bernhard von: Der Gothaer Oberhofmarschall Hans Adam von Studnitz und sein Wechmarer Landhaus. In: Kreuch, Knut (Hrsg.): Im Tal des wilden Wassers. Chronik d. Ortschaften Günthersleben und Wechmar. Wechmar 2001, S.293–297.
  • Archivalien:
  • Keilwerth, Stephan: Untersuchungsbericht über die historischen Farbgebungen der Räume des Westflügels im Landhaus Studnitz zu Wechmar. 1998. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935.
  • Keilwerth, Stephan: Restaurierung der Stuckdecke und der Deckengemälde des Landhaues Studnitz zu Wechmar. 1999. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935.
  • Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv: Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935.

Einzelnachweise

  1. Studnitz, Studnitz, 2001; Lehfeldt, KDM Ohrdruf, 1898, S. 128–129. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935. Keilwerth, Stephan: Restaurierung der Stuckdecke und der Deckengemälde des Landhaues Studnitz zu Wechmar. 1999. In: Ebd. Keilwerth, Stephan: Untersuchungsbericht über die historischen Farbgebungen der Räume des Westflügels im Landhaus Studnitz zu Wechmar. 1998, in: Ebd., S. 5–6.
  2. Lehfeldt, KDM Ohrdruf, 1898, S. 128–129. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935. Keilwerth, Stephan: Untersuchungsbericht über die historischen Farbgebungen der Räume des Westflügels im Landhaus Studnitz zu Wechmar. 1998. In: Ebd.
  3. Lehfeldt, KDM Ohrdruf, 1898, S. 129; Keilwerth, Stephan: Restaurierung der Stuckdecke und der Deckengemälde des Landhaues Studnitz zu Wechmar. 1999. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935, bes. S. 3, 6, 10.
  4. Lehfeldt, KDM Ohrdruf, 1898, S. 129; Keilwerth, Stephan: Restaurierung der Stuckdecke und der Deckengemälde des Landhaues Studnitz zu Wechmar. 1999. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935, S. 5
  5. Lehfeldt, KDM Ohdruf, 1898, S. 128-129; Keilwerth, Stephan: Restaurierung der Stuckdecke und der Deckengemälde des Landhaues Studnitz zu Wechmar. 1999. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [67.088-0013]. Wechmar, Herrenschloß, Hohenkirchner Straße 13, ab 1935, S. 4–5.