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Wangels, Gut Farve

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Wangels, Gut Farve, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a6d29a60-712d-48c8-b407-6afb1037c40f

Inventarnummer: cbdd10420

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Auf Gut Farve befindet oder befand sich in einem Raum ein Deckengemälde von ca. 1700 mit einer allegorischen Darstellung der fünf Sinne.

Gut Farve im Maj 2012
Gut Farve im Maj 2012

Das Herrenhaus von Gut Farve

Gut Farve im Maj 2012

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Farve[1] liegt heute inmitten eines Landschaftsgartens. Im Norden stehen einige Wirtschaftsbauten, die aber nicht axial auf das Herrenhaus bezogen sind.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die mittelalterliche Burg in Farve wurde 1480 durch König Christian I. von Dänemark zerstört. Bereits damals gehörte Farve der Familie von Pogwisch, die es bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts wieder aufbaute. Von 1663 bis 1803 besaßen mit einer kurzen Unterbrechung die von Blome Farve. Christoph von Blome ließ die Gutsgebäude Anfang des 18. Jahrhunderts erneuern. Um 1700 erfolgte der Bau des Ostflügels mit einer Ausgestaltung der Innenräume. Ab 1837 wurde das Herrenhaus historisierend in Formen des englischen Castle Style tiefgreifend umgestaltet. Diese Maßnahme prägt das Haus bis heute.

Auftraggeber

Christoph von Blome hatte Gut Farve nach dem Tod seines Vaters 1686 geerbt. Er war Gouverneur von Süderdithmarschen, Landrat in den Herzogtümern, 1700 für Dänemark einer der Unterzeichner des Frieden von Traventhal, Amtmann von Steinburg, Jägermeister in Schleswig und Holstein und Träger des Großkreuzes von Dannebrog.[2]

Beschreibung

Das Herrenhaus in Farve ist heute eine unregelmäßige zweigeschossige Vierflügelanlage. An der Nordwest- und Südostecke steht je ein Rundturm. Aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1480 stammt noch der Kern des schmalen Nordflügels mit der Hofeinfahrt. Der Hauptflügel ist heute der Ostflügel mit einer breiten Freitreppe zum Garten. Im Südostturm ist ein „Rittersaal“ des 19. Jahrhunderts gelegen. Vor dem Südflügel ist heute eine große Terrasse gelegen. Im Westflügel haben sich Stuckdecken aus der Zeit um 1700 erhalten, deren Mittelfelder sehr wahrscheinlich ehemals Malerei aufnahmen. Im Obergeschoss des Nordflügels hat sich Deckenmalerei des frühen 18. Jahrhunderts erhalten.

Raum im Obergeschoss des Nordflügels

Beschreibung

Im Obergeschoss des Nordflügels haben sich in zwei Räumen reiche Stuckdecken der Zeit um 1700 erhalten, die Guiseppe Mogia unter Beteiligung Domenico Carbonettis zugeschrieben werden. [3] Die größere der beiden nimmt in der Mitte ein Deckengemälde auf. Der Stuck zeigt Masken und Festons, Landschaftsreliefs als Jahreszeitenallegorien in den Seitenfeldern und Büsten der vier Temperamente in den Ecken.

Allegorie der fünf Sinne

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde[4] mit geschweiftem Umriss ist um 1700 entstanden. Bekannt sind nur zwei Fotografien von 1953 vor der Restaurierung. Danach zeigt es Personifikationen bzw. Allegorien der fünf Sinne. Der Sehsinn wird durch eine lesende Dame dargestellt, der Geschmackssinn durch einen trinkenden Herrn, der Tastsinn durch ein kosendes Paar und der Geruchssinn durch eine an Blumen riechende Dame. Der Hörsinn ganz links ist auf den Fotografien nicht zu erkennen.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Rumohr, Ostholstein, 1989. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. 3. Aufl. Frankfurt a. M. 1989.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster1985.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.

Einzelnachweise

  1. Stilling, Herregårde, 2021, S. 379-382; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 161-164; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 955-956; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 143-147; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 289-302; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 202-206.
  2. Stilling, Herregårde, 2021, S. 381; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 143-144.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 164; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 144-145.
  4. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 164; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 356; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 147; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 297; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 205.