Laß, Heiko:Wöbbel, Haus Wöbbel, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/bbe2e99b-88f4-44a2-9f83-824be0086a6d

Inventarnummer: cbdd10358

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Im ehemaligen Rittergut Wöbbel befanden oder befinden sich noch Deckengemälde aus der Zeit um 1700-1720. Sie zeigen Allegorien auf Wolken oder weiten die Decken mittels Scheinarchitektur.

Haus Wöbbel
Haus Wöbbel

Haus Wöbbel

 
Haus Wöbbel

Kurzbeschreibung und Lage

Das Rittergut Wöbbel[1] liegt im Süden der gleichnamigen Ortschaft. Es setzt sich aus einem Wirtschaftshof im Norden, dem Hauptgebäude und einem Park im Süden zusammen. Die drei Flügel des Wirtschaftshofes öffnen sich nach Süden gegen das Hauptgebäude. Westlich sind die Reste einer ehemaligen Meierei gelegen, im Norden die örtliche Kirche.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Rittergut Wöbbel geht auf eine Burg des Mittelalters zurück. 1584 gelangte es an die Familie von Donop, die es modernisieren ließ. Diese Anlage wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Das gegenwärtige Gebäude ließ sich 1690 der lippische Landdrost Lewin Moritz von Donop errichten. Baumeister war wohl Peter Pictorius d. J. Die Ausstattung wird auf 1700-1720 datiert und wäre dann von seinem Sohn Carl Heinrich Casimir Moritz von Donop beauftragt worden. Eine Freitreppe soll bereits 1720 aufgrund eines tödlichen Sturzes abgebrochen worden sein. Seither ist der Haupteingang im Sockelgeschoss gelegen. 1870 wurde der Wassergraben um das Haupthaus verfüllt. 1958 verkaufte die Familie von Donop das Hauptgebäude.[2]

Beschreibung

Das zweigeschossige Haupthaus über hohem Sockelgeschoss unter einem Walmdach war ehemals von einem Wassergraben umgeben. Es misst elf auf fünf Achsen und hat der Eingangsseite zwei kurze Seitenflügel von zwei Achsen Breite und einer Achse Tiefe vorgestellt. Die mittleren drei Achsen sind unter einem schwach vortretenden Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel zusammengefasst. Vor den ehemaligen Eingang im Hauptgeschoss ist ein Balkon gesetzt. Die Gartenseite ist ähnlich gestaltet, aber ohne Seitenflügel. Der verputzte Bau hat eine Werksteingliederung mit Fensterverdachungen, Türbekrönungen und Gurtgesims. Das ehemalige Portal zeichnen Pilaster, die ein verkröpftes Gebälk tragen, aus. Im Giebel wird das Wappen der Bauherrn Lewin Moritz von Donop und seiner Frau Maria Juliane von Buwinghausen und Walmerode präsentiert, zusammen mit der Jahreszahl 1690. Vom Sockelgeschoss führt eine gewölbte Treppe in das ehemalige Vestibül im Erdgeschoss. Zur Gartenseite hin ist eine Sala Terrena gelegen. Im Obergeschoss befindet sich ein Hauptsaal.[3]

Das Jagdzimmer

Beschreibung

2006 befand sich in einem Jagdzimmer genannten Raum des Erdgeschosses ein Deckengemälde. Die Wände waren mit Pilastern gegliedert und mit einer Tapetenmalerei unbekannter Zeitstellung geschmückt.[4]

Das Deckengemälde des Jagdzimmers

Beschreibung und Ikonographie

2006 gab es an der Decke des Jagdzimmers ein Gemälde, das mehrere Personen sitzend hinter einer Balustrade zeigte, die in das Zimmer herabsahen. Auf den Ecken standen Zypressen.[4]

Das Treppenhaus

Beschreibung

Das Treppenhaus ist an der Nordseite des Hauses gelegen. Eine Holztreppe verbindet das ehemalige Vestibül mit dem Vorsaal im Obergeschoss.

Das Deckengemälde des Treppenhauses

Beschreibung und Ikonographie

2006 gab es ein kreisrundes Deckengemälde im ersten Obergeschoss des Treppenhauses. Es handelte sich um ein in den Deckenstuck eingelassenes Ölgemälde auf Leinwand. Zu sehen war die allegorische Darstellung einer auf Wolken lagernden und von Engeln oder Putten emporgetragenen weiblichen Figur. Sie wurde von zwei weiteren Engeln oder Putten begleitet, die ihr einen Lorbeerkranz und ein Füllhorn hielten.[4]

Mehrere Fotografien von 1969 zeigten, dass aus den Wolken Lichtstrahlen auf die Frau herniederfielen und dass der Putto das Füllhorn mit Obst leerte, während er zusätzlich einen sprossenden Zweig oder auch eine Fackel hielt. Am unteren Bildrand war ein weiterer Engelskopf auszumachen. Die Darstellung erinnert an die Personifikation der Ehre nach Cesare Ripa, der allerdings einen Jüngling vorsieht. Eine Fortuna ist ebenfalls denkbar.

Deckengemälde mit Friedenstaube in einem unbekannten Raum

Beschreibung und Ikonographie

Eine Fotografie von 1969 dokumentiert ein Deckengemälde, das hinter einer Balustrade den Blick in den Himmel freigibt. Dort fliegt eine Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel.[5]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Maoro, Wöbbel, 1986. – Maoro, Ernst: Schloss Wöbbel in Wöbbel, in: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe. Bielefeld 1986, S. 252–254.
  • Preuß, Lippe, 1881. – Preuß, Otto (bearb.): Die baulichen Alterthümer des Lippischen Landes. Detmold 1881.
  • Archivalien:
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Schloss Wöbbel, Am Kirchborn 6, Schieder-Schwalenberg-Wöbbel. Akte II ab 2004.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Westfalen, 2011, S. 960-961; Maoro, Wöbbel, 1986; Preuß, Lippe, 1881, S. 129-130.
  2. Dehio, Westfalen, 2011, S. 960; Maoro, Wöbbel, 1986, S. 253-254.
  3. Dehio, Westfalen, 2011, S. 960-961; Maoro, Wöbbel, 1986, S. 254.
  4. 4,0 4,1 4,2 Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Vermerk von 25.01.2006.
  5. LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Bildarchiv.