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Unterhausen, Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 549–550, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarr- und Wallfahrtskirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung (seit 1754) hatten die Hofmarksherren von Tutzing, Freiherren von Vieregg, das Präsentationsrecht, Gericht Weilheim

Patrozinium: Unsere Liebe Frau

Zum Bauwerk: Die mittelalterliche, von den Edlen von Schondorf erbaute Kirche wurde 1657 neu ausgestattet (Inschrift hinter dem Hochaltar). Unter Pfarrer Joseph Ignatius Manz (für 1774 bezeugt) 1773 Verlängerung nach W und Neuausstattung: Chronogramm am Gurtbogen zwischen dem Anbau und dem alten Teil des Langhauses TVO VIRGO MATER HONORI AEDES SACRA PIO RELVCET ORNATV (= 1773). - Saal mit kaum eingezogenem AR und dreiseitigem Schluß, LHs zu drei Jochen, Anbau des 18. Jh. etwas breiter, fast quadratisch; im W Empore

Autor und Entstehungszeit: Signatur am W-Rand von A I. Baader Pinxit / 1773 (Johann Baptist Baader)

Befund

Träger der Deckenmalerei: A Stichkappentonne; B und C zu Stichkappentonnen verschliffene ehemalige Kreuzgratgewölbe

Rahmen: A, B, C Stuckprofil mit Rocailleornamentik; B1-4 und C1-2 Rocaille-Kartuschen

Technik: Fresko; A, B, C polychrom; B1-4 monochrom grau grün, C1-2 monochrom braun-ocker

Maße: A Höhe 7,00 m; 3,40 × 3,10

B Höhe 6,50 m; 5,10 × 3,00

C Höhe 6,70 m; 4,10 × 3,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung in den 30er Jahren. Alle Fresken sind leicht verschmutzt und weisen gekittete Risse und Haarrisse auf. Feuchtigkeitsschäden finden sich in der südlichen Bildhälfte von A und im östlichen Bildviertel von B; am SO- Rand in C ist eine ausgebesserte Stelle (Korb und Stufen) zu erkennen

Beschreibung und Ikonographie

A MARIÄ HIMMELFAHRT Das Bild, über der Orgelempore gelegen, hat seine Basis im Westen. Wegen des späteren Orgeleinbaus ist es nicht mehr ganz sichtbar (westliches Drittel zum Teil verdeckt). Der Betrachterstandpunkt liegt im ersten Joch des älteren Langhauses, weit außerhalb des Bildfeldes.

Über drei parallel laufenden Stufen steht der leere Sarg schräg ins Bild gerückt. Die zwölf Apostel umringen ihn erregt gestikulierend. Maria wird von Engeln nach oben getragen, wo Christus und Gottvater, auf Wolken thronend, sie mit der Krone empfangen.

Die Bildvorstellung der Himmelfahrt Mariens ist im 18. Jh. so fest, daß kaum Variationen in der Darstellung auftreten. Das Fresko zeigt mehr allgemeinverbindliche als persönliche Züge. Sogar farblich fällt das Bild mit seinen diffusen und verschwimmenden Tönen aus dem Rahmen der für Baader typischen Farbigkeit.

Himmelfahrt Mariens
A Mariä Himmelfahrt
4 Rosenkranzspende

B HEIMSUCHUNG (Lc 1,39 ff.)

Die architektonische Szenerie des einansichtigen Bildes ist in starker Untersicht wiedergegeben. Die Basis der Szene ist illusionistisch »hinter« den Rahmen verlegt. Der Standort des Betrachters liegt unterhalb des westlichen Bilddrittels.

Auf einem steilen Felsen steht links das Haus der Elisabeth; nur ein hoher Säulenportikus ist im Bild zu sehen. Zu der Eingangshalle führt eine schmale Treppenanlage, die in der Mitte unten beginnt und das Haus über einer Brücke erreicht. Auf dieser Brücke wird Maria von Elisabeth begrüßt; Zacharias nimmt Joseph, der eben die letzten Stufen emporsteigt, ein schweres Bündel ab. Über der ganzen Szene schwebt in den Wolken ein Engel, von Putti begleitet, mit dem Inschriftband *Benedicta Tu in Mulieribus* (= Lc 1,42). Ein himmlischer Lichtstrahl fällt von oben auf die Szene.

Der gesamte Schauplatz – Himmel, Architektur und Landschaftsbühne – ist in einer Ocker-Grün-Skala gemalt. Darin eingebettet sind die Buntfarben der Gewänder: Blau, Rot, Karmin, Gelb, alle sehr blaß und an den beleuchteter Stellen ins Weißliche spielend.

Die Engelserscheinung und die monumentale Bildarchitektur betonen den sakralen Charakter des Dargestellten. Der Säulenportikus und der Obelisk geben wie die Palme und der Weinstock symbolische Hinweise auf Maria und ihr göttliches Kind. Die alltäglichen Einzelheiten, der Reisehut Mariens, die Behilflichkeit des Zacharias, des Knechtes und der Magd, sowie der fressende Esel, vergegenwärtigen das biblische Geschehen zugleich in einer vertrauten, ländlichen Umwelt. Baaders Darstellungen haben etwa den Charakter der gleichzeitigen volkstümlichen Krippen mit ihrem bunten und kleinteiligen Realismus. A. Simon findet für diese Art einer Andachtsbildkunst die Begriffe »erbauliche Einfalt und einfältige Erbauung« (S. 188–90).

C GEBURT MARIENS (apokryph)

Der Betrachterstandpunkt der einansichtigen Szene liegt unterhalb des westlichen Viertels des Deckenbildes. Mäßige Untersicht, uneinheitliche Verkürzungen.

Von einer dunklen Rampe führt eine steile Treppe zu einem tonnengewölbten, durch Pilaster gegliederten Raum von kirchenähnlichem Charakter. Durch einen Arkadenbogen sieht man im Hintergrund in einen kreuzgratgewölbten Nebenraum, in dem das Bett der hl. Anna unter einem Baldachin steht. Häusliche Einrichtung kontrastiert zu dem monumentalen Charakter der architektonischen Formen: das erwähnte Bett, ein Kamin rechts im Vordergrund, auf dessen Gesims Küchengefäße stehen. In diesem Raum entwickelt sich die Betriebsamkeit einer Wochenstube. Vor dem Kamin steht der Kessel zum Bad für das Kind bereit, eine Magd gießt Wasser zu, eine andere hat das Kind entkleidet und läßt es von Joachim, dem Vater, und einer älteren Frau bewundern. Eine Magd wärmt vor dem Feuer die Windel, eine andere macht im Vordergrund die Wiege fertig. Links ist eine Magd mit dem Wickeln von Nabelbinden beschäftigt, während eine Frau ein Hühnchen als Geschenk bringt. Der Wöchnerin im Nebenraum wird eine heiße Suppe serviert.

Die grauockerfarbige Tonigkeit des architektonischen Schauplatzes steht in schwachem Kontrast zu der karminfarbenen Draperie links und oben. In den Gewändern treten außer Karminrot und wenig Blau fast keine Buntfarben auf. Dazu kommt noch ein helles, kaltes Grün im Baldachin über dem Bett und im Kleid des Engels.

Die an handgreiflichen Einzelheiten reiche Szene steht ganz in der Tradition der mittelalterlichen Ikonographie dieses Themas (Nachweis der Bildmotive in der zeitgenössischen Malerei bei Simon).

Der Kirchenraum als Schauplatz – hier nur angedeutet – deutet auf die Geburt der »Tempeljungfrau« Maria hin (vgl. LCI, Bd 2, Sp. 120–25).

B Heimsuchung
2 Vermählung

B1-4 und C1-2 MARIENSZENEN in den Kartuschen

Die drei Hauptthemen des Marienleben-Zyklus werden ergänzt durch die vier B und C (östlich) flankierenden Kartuschenbilder, in ikonographischer Ordnung:

    • C1 TEMPELGANG (apokryph)**

Das Kind Maria wird von ihren Eltern zum Tempel geführt und vom Hohenpriester in Empfang genommen.

    • C2 VERMÄHLUNG (apokryph)**

Die junge Maria wird vom Hohenpriester mit Joseph vermählt, der zum Zeichen seiner Auserwähltheit den grünenden Stab in Händen hält.

    • B1 VERKÜNDIGUNG (Lc 1,26 ff.)**

Der Erzengel Gabriel bringt der am Betpult knienden Maria die Botschaft Gottes.

    • B2 DARBRINGUNG JESU IM TEMPEL (Lc 2,22 ff.)**

Der greise Simeon hält das Kind Gott preisend in seinen Armen. Im Vordergrund Joseph mit der Opfergabe, zwei weißen Tauben.

Zu diesen Szenen aus dem Marienleben kommen noch zwei bekannte Marienerscheinungen, die auf spezifische Formen der Marienverehrung hinweisen.

    • B3 VERLEIHUNG DES SKAPULIERS an den hl. Simon Stock**

Der Ordenstradition folgend erschien die Muttergottes dem hl. Simon Stock, einem bedeutenden Karmelitergeneral in einer Vision im Jahre 1251 in Cambridge und übergab ihm das Skapulier zum Unterpfand des Heils für alle, die mit diesem bekleidet sterben. Das Skapulier ist zum Heilszeichen der danach benannten Skapulierbruderschaften geworden (LThK1, Bd 9, Sp. 578 s.v. Simon Stock, Sp. 617 s.v. Skapulier).

    • B4 ROSENKRANZSPENDE**

Maria mit dem Kinde, in einem angedeuteten Innenraum auf einer Wolke erscheinend, überreicht dem hl. Dominikus einen Rosenkranz. Neben Dominikus sein Attribut: der Hund mit der Fackel im Maul, deren Flamme die Erdkugel entzündet. Dieses Attribut leitet sich von der Legende her, seine Mutter habe einst geträumt, sie gebäre einen Hund mit einer Fackel im Maul, der die ganze Welt in Flammen setzen werde (vgl. Ribadeneira – Hornig, Bd. 2, 4. 8., S. 150). Nach einer Legende hat der hl. Dominikus während der Albigensermission, als er die Hilfe Mariens im Kampf gegen den Unglauben erflehte, eine Erscheinung der Gottesmutter gehabt, die ihm den Rosenkranz als Waffe in...

WEILHEIM

diesem Kampf überreichte. (Die Rosenkranzerzählung wurde unter dem Dominikanerpapst Benedikt XIII., 1724-30, in die Brevierlektion zum Rosenkranzfest aufgenommen, vgl. Heribert Holzapfel, St. Dominikus und der Rosenkranz, Veröffentlichungen aus dem Kirchenhistorischen Seminar München, Nr. 12, München 1903, S. 36.)

Rechts kniet die hl. Katharina von Siena in Dominikanerinnentracht mit Dornenkrone und Lilie. Das Attribut der Dornenkrone geht auf eine legendäre Vision Katharinas zurück, in der Christus der Heiligen die Wahl zwischen einer goldenen Krone und einer Dornenkrone ließ, für welche sie sich entschied (AASS Aprilii, Tomus 3, 30.4. S. 892 f., Abschn. 158).

Das Jesuskind überreicht der hl. Katharina einen Kranz aus Rosen. Die Überreichung von Rosenkranz oder Kranz aus Rosen an Heilige des Dominikanerordens ist ein gebräuchlicher Bestandteil der sog. Rosenkranzbilder (vgl. LCI, Bd 3, Sp. 568–72, s. v. Rosenkranz).

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 20 und 44. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 344 (Hausen). KDB I OB (1), S. 729

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau zu Unterhausen (o. V.), in: Weilheimer Tagblatt 1913, S. 195, 199, 203, 207, 211.

Fuchs, Adolf, Johann Baptist Baader, der Lechhansl, Kaufbeuren 1959. S. 35 f.

Simon, Adelheid, Die Fresken des Johann Baptist Baader mit einem kritischen Katalog des Gesamtwerkes, ungedruckte Diss. München 1972.