Taufkirchen (Kr. München), Pfarrkirche St. Johannes der Täufer
Pfarrkirche, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Oberhaching; mit der Kirche verbunden war ein Benefizium, das von den Jesuiten in München besetzt wurde; Hofmark Taufkirchen im Besitz der Jesuiten, Landgericht Wolfratshausen
Patrozinium: z. Z. der Ausmalung St. Johannes Evangelist und St. Johannes Baptist, seit der Pfarrgründung 1909 St. Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: Neubau des LHs und barocke Umgestaltung des ARs zwischen dem 25. 4. 1737 und dem 28. 6. 1738 durch die Jesuiten.
Baumeister Michael Pröbstl, Poliere Joseph Manz und Wolfgang Glasl, Zimmermeister Nikolaus Kraft
Saalbau zu drei Jochen, eingezogener, einjochiger AR gerade geschlossen. Belichtung von N und S durch je drei große Rundbogenfenster im LHs und zwei kleinere im AR
Auftraggeber: Die Jesuiten in München, amtierender Benefiziat Pater Peter Seemüller (1736–46)
Autor und Entstehungszeit: Nach der erhaltenen Kirchenrechnung von 1738 (BHStA I, GL Wolfratshausen 4580, Nr. 167) erhielt der Maler Ignaz Schilling 124 fl. 59 kr. Es muß sich dabei um die »Ausmalung des Gewölbes« handeln, wie ein Brief des Rektors der Jesuiten vom 26.7. 1737 belegt (Hobmair 1977, S. 91 f., 1979, S. 269). Joseph Ignaz Schilling, *1702 Villingen †2. 4. 1773 München, war seit 1726 in München Schüler des Johann Georg Sang. 1730 wird Ignaz Schilling als Geselle des Jakob Wörschi aus München in der Kirche von Beyharting (LKr. Rosenheim) erwähnt, die unter Leitung Johann Baptist Zimmermanns ausgemalt wurde. 1730 Heirat mit Maria Katharina Eleonora Sang, der Tochter Johann Georg Sangs, und Meister in München (Schilling erwarb die Meistergerechtigkeit des Dominikus Faistenberger, die nach seinem Tod an Franz Xaver Lamp überging). Nach dem Tod Nikolaus Gottfried Stubers 1749 wurde Schilling vom Kurfürstlichen Hof dessen Hofmalerstelle angetragen, die er ausschlug, »um etwa die Mutter nicht zu kränken« (Westenrieder 1783, S. 376–78). Schilling arbeitete überwiegend im Auftrag der Jesuiten, um 1730 malte er die Bibliothek des Münchner Jesuitenkollegs (S. 241–47) aus, 1738 Bibliothek und Treppenhäuser des Jesuitenkollegs in Dillingen (BSchw), daneben lieferte er zahlreiche Theaterdekorationen. Westenrieder (S. 409) berichtet auch, daß Schilling ein Fresko im Saal bei Herrn Albert gemalt habe.
Stilistisch ist Schilling von Johann Baptist Zimmermann und stärker noch von Nikolaus Gottfried Stuber beeinflußt, besonders im Figuralen. Oefele (Oefeleana 5, V, S. 253) rühmt seine Illusionsmalerei: »gut in fresco und perspectiv pingit pro spectaculis Jesuitorum, excelliert in perspectif« Ein 1764 von seinem Sohn Felix Nepomuk für die Jesuitenkirche in Ebersberg gemalter Sebastians-Zyklus (1780 zerstört; Entwürfe in der SGS Mü) zeigt, daß der Sohn stilistisch ganz in der Tradition seines Vaters stand.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A–C, 1–6, a–d) Flachtönne mit Stichkappen (Holzlattenkonstruktion)
Rahmen: A–C, 1–6, a–d geschweifte Stuckprofile, rotgelb getönt
Technik: Fresko; A–c polychrom, 1–6 monochrom ocker, a–d monochrom lila
Maße: A Höhe 8,00 m; 2,70 × 3,20
B Höhe 8,00 m; 5,20 × 5,20
C Höhe 8,00 m; 2,70 × 3,90


Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen fanden 1823, 1883, 1921 durch Kunstmaler Staudenmayer und 1939/40 durch Johann Michael Schmitt statt. Inschrift am Chorbogen innen: Renoviert im Jahr d. H. / 1939. In allen Fresken Risse, Verschmutzungen. Feuchtigkeitsschäden und Abblätterungen in der SW-Ecke (d und 5). In der Längsachse der Fresken A–C je drei faustgroße gekittete Löcher. Farbsubstanz im ganzen gut erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
Das LHs-Gewölbe ist mit drei relativ kleinen Fresken dekoriert, wobei das mittlere (B) durch die Vierpaßform, durch die Größe und durch sechs Begleitbilder gegenüber den äußeren (A, C), mit jeweils zwei Nebenbildern, deutlich betont wird. A und C haben das gleiche, von konvexen und konkaven Segmenten umrissene Format. Das Mittelfresko ist auch ikonologisch ausgezeichnet: es enthält die Gloriendarstellung, die beiden Kirchenpatrone als himmlische Fürsprecher. Alle übrigen Fresken enthalten Szenen aus dem Leben der Patrone.
A ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 14,10-11) Schauplatz ist ein Kerkerraum über einer Rampe, der trotz perspektivischer Konstruktion kaum einen räumlichen Eindruck vermittelt. Die Gruppe des Johannes mit dem Henker, der das abgetrennte Haupt hochhält, ist in den Bogen eines schmiedeeisernen Tores komponiert und von dem hellen Hintergrund plastisch abgehoben. In Begleitung einer Magd steht Salome links an der Rampe und hält einen Teller bereit.
Die figürliche Komposition ist im Größenmaßstab uneinheitlich und gegenüber der räumlichen überproportional. – Ocker als Raumfarbe und Karminrot in der Rampe sind die beiden beherrschenden Farben, auch in den Gewändern. Einen Kontrast bildet das Himmelsblau im Torausschnitt.
B JOHANNES DER TÄUFER UND JOHANNES EVANGELIST ALS FÜRSPRECHER Himmelsdarstellung (Aufnahmestandpunkt aus der Mitte etwas gegen W. verschoben). In dem vierpaßförmigen Bildfeld sind die Figuren regelmäßig angeordnet. In der Mitte thront Maria mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß, hinterfangen vor einer Lichtglorie in Form der Sonne und überwölbt vor einem puttogesäumten Wolkenbogen. Maria, geschmückt mit dem Sternenkranz, und Jesus wenden sich den beiden Fürsprechern zu ihren Füßen zu. Links kniet Johannes der Täufer mit Fellschurz und übergeworfenem Mantel, der Kreuzstab mit dem ECCE-A(gnus)-DEI-Band in der Hand und dem Lamm zur Seite. Ihm gegenüber ist ein huldigender Engel dargestellt. In der Mitte unten, ganz im Vordergrund wie auch Johannes der Täufer, erhebt Johannes Evangelist bittend seine Rechte zu Jesus und Maria; er hält das aufgeschlagene Evangelienbuch und die Schreibfeder an der Seite der Adler.
Die figürlichen und farblichen Details dieses Freskos sind wie bei C von größerer Qualität als bei Fresko A und den Nebenfresken. Der duftig-helle Wolken- und Himmelsgrund, die Inkarnat- und Gewandbehandlung sind in sorgfältig differenzierten Werten mit weichen Farbübergängen gemalt.
C TAUFE JESU (Mt 3,13–17 u. Par.) In der Mitte des Bildes der breit dahinfließende Jordan mit der Gestalt Jesu im Vordergrund. Vor den steilen Bergabbrüchen der Flußufer steht rechts Johannes der Täufer in barock-bewegter Pose und tauft Jesus. Ein Lichtstrahl senkt sich mit der Geist-Taube auf Jesus hinab (Lk 3,16–17). Am linken Ufer nimmt das versammelte Volk an dem Ereignis teil.
Die Täufergruppe ist zentral in Szene gesetzt und plastisch durchgezeichnet. In der Figur des Johannes ist Stuber unmittelbar als stilistisches Vorbild zu erkennen. Die Landschaftsszenerie mit der Volksmenge, gegeben in fein differenzierten, dunstig überhauchten Grünblau-Ocker-Farben, wirkt als lichter Grund.
1–6 JOHANNES DER TÄUFER-SZENEN Der Taufe Jesu in C sind in den Begleitfresken 1–2 zwei Szenen aus der Jugend des Täufers beigeordnet. Im mittleren LHs-Joch folgen im Querformat Szenen des öffentlichen Wirkens (3–4), die sich zwischen den Johannes-Evangelist-Szenen (a–d) befinden. Die Begleitfresken (5–6) von A (Enthauptung Johannes des Täufers) haben auch Gefangenschaft und Tod zum Thema.


[[File:Band03-1_chunk004_p011_img004.jpg|thumb|4 Bußpredigt Johannes d. T.])








und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen« (Apoc 12,1).
Quellen und Literatur
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 458f. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 646.
Eismann Joseph, Taufkirchens schönes Gotteshaus, in Oberbayerischer Gebirgsbote (= Holzkirchner Merkur) 18./19. 10. 1952
Hobmair, Karl, Neue Forschungen zur Ausstattung der Kirche zu Taufkirchen bei München, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst, Bd 10, 1978, S. 90–93. –, Hachinger Heimatbuch, Oberhaching 1979, S. 269–72.
Geburt und Namensgebung Johannes d. T. Geburt und Namensgebung (Lc 1,57–66) Links wird der Mutter Elisabeth im Bett eine Suppe gereicht, davor ist eine Magd mit dem Bad des Kindes beschäftigt. Die Darstellung der Pflege von Wöchnerin und Neugeborenem entspricht ikonographisch der Geburt Mariens. – Rechts Zacharias in Priestertracht: Er schreibt den vom Engel bestimmten Namen auf Joan/est.
2 Johannes der Täufer in der Wüste Der jugendliche Johannes, bekleidet mit einem Fell um die Hüften, in der Hand sein Attribut, den Kreuzstab, sitzt unter einem Baum. Er wendet sich von einer in der Ferne am Fuß eines Berges liegenden mauerbewehrten Stadt (seinem Geburtsort) ab. Nach Lukas (1,80) hielt sich Johannes vor seinem öffentlichen Auftreten in der Wüste auf; er war »gekleidet mit Kamelhaaren« (Mc 1,6 vgl. Mt 3,4).
3 Johannes der Täufer bezeugt Jesus In einer weiten Landschaft ist rechts im Vordergrund Johannes im Gespräch mit fünf Männern wiedergegeben. Er weist auf die Gestalt Jesu in der Ferne hin.
a Johannes Ev. schreibt das Evang. b Johannes Ev. auf Patmos 1 Johannes d. T. in der Wüste
Es fällt auf, dass in dieser wie in der folgenden Predigt-Szene der Ecce-agnus-Dei-Kreuzstab fehlt, der als Hinweis auf die Johannesstelle 1,29 unmittelbar zum Bildthema gehört. – Die Zuhörer des Johannes sind wie bei der Predigt bärtig und mit bedecktem Haupt gegeben (als die ausgesandten Priester und Leviten, denen der Täufer sein Zeugnis über Jesus ablegt? vgl. Mt 1,19–28). Die Johannesgruppe ist dem von Bäumen bestandenen Landschaftsteil zugeordnet, während Jesus allein in der freien, lichten an vo den Männern im Vordergrund entrückt ist.
4 Bußpredigt Johannes des Täufers (Mt 3,1-12 u. Par.) Johannes steht über dem Jordantal auf einem Hügel. Die Zuhörer sind in drei Gruppen in großem Abstand um den Prediger angeordnet.
5 Gastmahl des Herodes (Mt 14,3-11) Die Szene zeigt in unmittelbarer Fortsetzung zur Enthauptung des Täufers im Mittelfresko A, wie Salome das Haupt des Johannes auf einem Teller in den festlichen Arkadensaal trägt, wo König Herodes und Herodias mit den Gästen noch beim Mahl sitzen.
c Johannes Ev. nimmt den Gifttrank d Ölmarter des Johannes Ev. 5 Gastmahl des Herodes
6 Johannes der Täufer sendet Jünger zu Jesus (Mt 11,2-6, Lc 7,18) Als Gefangener des Herodes in einem runden Kerkerturm sitzend, spricht Johannes gestenreich zu seinen zwei Jüngern, denen der Wache haltende Soldat die Tür aufhält. Links ein Ausblick in eine Hügellandschaft. Chronologisch gehört die Kerkerszene vor A und 5 eingeordnet.
a-d JOHANNES EVANGELIST-SZENEN Durch die Farbwahl und das Hochformat sind die um die Gloriendarstellung B angeordneten Johannes Evangelist-Szenen formal von den zwei benachbarten Johannes der Täufer-Szenen (3-4) abgehoben.
a Johannes schreibt das Evangelium. In einer gebirgigen, baumlosen Wüstenlandschaft ist Johannes groß im Vordergrund sitzend dargestellt. Der links im Hintergrund aufragende Kruzifixus sowie Blick und Handgeste des Schreibenden verweisen auf den Gegenstand des Evangeliums und auf Inspiration und Visionen des Lieblingsjüngers, der mit Maria in besonderer Weise an der Passion Christi teilgenommen hat. In dem legendären Vitabericht heißt es zur Abfassung des Prologs (Jo 1) auf Patmos: Johannes stieg »auf einen hohen Berg, und senkte sein Herz in die tieffeste Beschaulichkeit von Göttlichen Dingen, also zwar, dass sein Gemüth gäntzlich in Gott entzuckt...« (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 27. 12., S. 1045).
b Johannes Evangelist auf Patmos zeichnet die Geheime Öffenbarung auf. Im Vergleich zu a ist der Gebirgsschauplatz mit Baum und Strauch belebt gegeben, und die Figur des Johannes ist in Stellung und Gebärde etwas variiert. Am Himmel als lichte Erscheinung das apokalyptische Weib, »umkleidet mit der Sonne, der Mond unter ihren Füßen« und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen« (Apoc 12,1).
c Johannes Evangelist nimmt den Gifttrank von Aristodemus. Auf einem freien Platz vor einem mächtigen Bauwerk stehen in der Mitte die beiden Hauptfiguren, links und rechts römische Soldaten. Kenntlich ist die Szene an dem Kelch mit der Schlange, den Johannes emporhebt. Nach der Legende forderte der heidnische Priester Aristodemus Johannes auf, Gift zu trinken, um die Macht des Christengottes zu prüfen (vgl. LA-Benz, 4 1963, S. 76).
d Ölmarter des Johannes Evangelist Soldaten führen Johannes gefesselt zu dem Ölkessel, unter dem das Feuer geschürt wird; davor ein liegendes Faß (Ol?); im Hintergrund weitere Soldaten und Häuser der Stadt Rom. Der Legende nach wurde Johannes unter Domitian vor der Porta Latina in siedendem Öl gemartert; er entstieg dem Öl wie von einem Bad erfrischt. Die Ölmarter geht der Verbannung auf die Insel Patmos unmittelbar voraus (vgl. LA-Benz, loc. cit., S. 72, Ribadeneira-Hornig, loc. cit., S. 1043 f.).