Tading, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt
TADING
Pfarr- und Wallfahrtskirche, Pfarrei Forstern-Tading, Gemeinde Forstern, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Buch am Buchrain. Seit 1969 ist Tading Pfarrei. Die Wallfahrt zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Tading besteht heute noch. Gericht Erding
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Der Vorgängerbau war eine kleine gotische Kirche, die im 17. Jh. erweitert worden war. Abbruch 1713, Neubau 1714–17 durch den Erdinger Baumeister Anton Kogler, Weihe am 5.10.1719 durch Fürstbischof Johann Franz Eckher. Hochaltar 1721/22, umgebaut 1766; im Altar befinder sich das Gnadenbild aus der Zeit um 1500.
Saal zu vier Volljochen, im W und O je ein Halbjoch, gerundete Ecken, Gliederung durch Pilaster vor flachen Wandvorlagen, umlaufendes Gebälk; Eingänge im westlichen Joch von N und S, im W durch den Turm. W-Empore. Gleichmäßige Belichtung von N und S in allen Jochen durch Kleeblatt-Fenster, wie die gerundeten Ecken für Kogler typische Architekturmotive. Ornamentierter Chorbogen mit Voluten. Leicht eingezogener AR zu einem Joch mit halbrundem Schluß, Gliederung wie im LHs; Belichtung durch je zwei Fenster von N und S. Das Fresko befindet sich im LHs.
Auftraggeber: Gabriel Caspar Parzer, Pfarrer von Buch am Buchrain (1747-74). Er ware die Hilf seiner Gotteshäuser, welche er in Zeit der 27 Jahr / lang mit größtem Ruhm versehenen / Pfarr zu herrlichen Stand gebracht (Inschrift auf dem Epitaph links am Chorbogen). Er übernahm bei seinem Amtsantritt in Buch die im steten Anwachsen begriffene Tadinger Wallfahrt und tat viel für deren weiteres Aufblühen. Drei Jahre nach der Ausmalung seiner Pfarrkirche Buch durch Heigl bat Parzer um Erlaubnis zur Ausmalung von Tading durch Heigl, mit dem Anerbieten, Heigl und seine Leute während der Arbeit zu verköstigen und zu beherbergen (StAL).
Autor und Entstehungszeit: Johann Martin Heigl (* unbekannt † 1774 München) 1765. Chronogramm in der Kartusche
A, A1-4 Szenen aus dem Marienleben
Anbetung der Hirten (M.Gottschalk 1937)
A3 A4
m O-Rand von Fresko A CLeMentI sIt DeCVs / VIrgInI = 1765).
Der Überschlag Heigls lautet: »Überschlag über die bey dem Gnaden Gottshaus zu Däding gemacht werden wollente Frescho Mallerey. Erstl: das Veld im Langhaus, worinen Mariä Himmelfart solle gemallen werden, betragt in der Länge 56 und in der Braite 34 Werckhschuech, darzue kommen 4 grosse Schilt, und in solche Symbola. Das Veld auf dem Chor halt 26 Werckhschuech in der Länge, und 14 in der Braite, in welches eine Glori zustehen kommet nebst 6 proportionierlichen Schilten. Die ansonst hierzue nöthige Stockhador Arbeit solle gleich mit Farben entworffen werden. Für welch sammentl müehesame Arbeit ich endtsgesezter ein mehreres nit fordere als 160f:- weillen mir von dem Pfarrhof aus die Kosst Trunckh, und Ligerstatt nebst andern gratis versprochen worden ist. Joh: Martin Heigl, Chfl. privileg. Mahler« (StAL) Nach Kerer (S. 9) bekam Heigl aber 300 fl. für die Ausmalung neben Kost, Trunk und Liegestatt.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Tonne mit Stichkappen, die über Lünettenbögen ansetzen, im W und O abgemuldet


Rahmen: Gemalte Rahmung, A imitierter vergoldeter und ornamentierter Profilrahmen, von üppigen gemalten Rocaillen überspielt; A1-4 gemalte Rocaille-Kartuschen, an der Spitze den Rahmen des Hauptbildes übergreifend
Technik: Fresko; A polychrom, A1-4 Grisaillen
Maße: A Höhe 14,20 m; 15,50×8,00 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Umfassungsmauern der Kirche waren für die Gewölbe zu schwach, was im Lauf der Zeit zu immer erneuten Reparaturen und 1890 zum Abbruch des Gewölbes über dem Chorschluß führte, das durch ein Lattengewölbe ersetzt wurde. Im westlichen Teil des Chors blieb das steinerne Gewölbe erhalten. Das Deckenbild im Chor wurde dabei zerstört (»vom Chorbild wurde nicht einmal eine Skizze abgenommen«, s. Reindl), das Gewölbe wurde »in zu den Gemälden im Kirchenschiff passender Weise ausgemalt« (StAM). 1906 Restaurierung des Innern durch Martin Irl, Erding. Restaurierung der LHs-Fresken 1937 durch Michael Gottschalk, Taufkirchen an der Vils. Sie zeigten – bei sonst gutem Erhaltungszustand – Feuchtigkeitsschäden, das Gewölbe Risse. Die Bemalung des Chorgewölbes (1890) wurde von Gottschalk durch ein Fresko mit der Darstellung
der Anbetung der Hirten ersetzt. Erneute Innenrestaurierung 1969. 1997 wurde die Kirche wegen gravierender Bauschäder geschlossen. Fundamentsanierung und Sanierung der Dachkonstruktion 1998/99. Restaurierung der Raumschale in der Farbigkeit von 1765 durch Fa. Erwin Wiegerling. Restaurierung der Deckenbilder im LHs, Reinigung, Ausbesserungen und Retuschen durch Stefan Hundbiß 1999, der auch die teilweise übertünchten Randbereiche der Ornamentmalerei mit den gemalten Schatten freilegte. Die Deckenbilder sind in sehr gutem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Thema der LHs-Ausmalung ist das Kirchenpatrozinium. Im Chor befand sich laut Heigls Überschlag ein kleineres Hauptfresko (ca. 7,80×3,20 m) mit einer »Glori«, also wohl der Darstellung der Dreifaltigkeit. Von den Themen der sechs Nebenbilder in gemalten Kartuschen, die Heigl nennt, haben wir keine Nachricht.
A MARIÄ HIMMELFAHRT UND KRÖNUNG Das große LHs-Fresko überspannt die vier LHs-Joche, wobei der geschwungene Rahmenverlauf den einschneidenden Stichkappen folgt. Das Bild ist einsichtig bis auf eine Gruppe von Engeln in Wolken, die an der Gegenseite auf die Ansicht nach W angelegt ist. Der Bildraum entsteht hier in Tading aus einer Schichtung hintereinander- und übereinander gestaffelter Motive, die im Wechsel von Hell und Dunkel klar gegeneinander abgesetzt werden.

Dunkelfarbige terrestrische Versatzstücke im Vordergrund Felsen, stürzendes Wasser, Grashügel und Pflanzen distanzieren den Mittelgrund. Dahinter steigt eine helle hügelige Wiese an, auf der der offene Sarkophag Mariens und die um ihn versammelten Apostel zu sehen sind. Einer von ihnen, Thomas, eilt durch einen Torbogen herbei, der in eine aufwendige balustradenbekrönte Gartenarchitektur an der linken Bildseite eingeschnitten ist. Der Schauplatz selbst ist von dichten Bäumen umgeben. Rechts wird er von einer rahmenden Zierarchitektur begrenzt, einem geschwungenen Sockel mit krönender Ziervase. Im Gegensatz von wild wuchernder, unter Bäumen tief verschatteter Natur und künstlichen Gartenbauten entsteht der Eindruck einer Gartenlandschaft, die von der Natur wieder zurückgewonnen wird, eine für Heigl typische Szenerie, die den Tendenzen der gleichzeitigen Landschaftsmalerei entspricht.
Über dem irdischen Geschehen weitet sich der Himmel mit der Strahlenglorie, in der die Geisttaube erscheint. Auf einer Wolkenbank rechts darunter erwarten Gottvater und Christus die zum Himmel auffahrende Maria. Christus hält eine Krone in der Rechten. Dieser Krönungsgestus wird dadurch ausgeführt und Krönung



Am westlichen Bildrand übergreift eine unten stark abgedunkelte Wolke den Bildrahmen. Hier sind - in der Ansicht nach W - ein großer Engel und ein Putto dargestellt, die eine Schale mit brennenden Herzen bei sich haben, deren Rauch bis zur Glorie aufsteigt. Sie symbolisieren die Herzen der Wallfahrer, deren Gebete und deren Andacht zum Himmel steigen.
Das Bild zeigt - wie in Maria Thalheim - leuchtende Farben mit einer deutlichen Dominanz der Grünwerte in der irdischen Szene. Die Buntfarben Blau, Gelb und Rot erscheinen hier - eingebettet in das Grün - weit unbunter als die gleicher Werte vor dem hellen Himmelsgrund, dessen Farben von lichem Weißgrau über das Graurosa der Wolken und ockerfarbene Schatten im W die Folie für die leuchtenden Buntfarben in den Gewändern der himmlischen Figuren bilden.
A1-4 SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN In den Diagonalen wird das Hauptfresko von vier gemalten Ornament- Kartuschen begleitet.
A, MARIA TEMPELGANG (apokryph) Ein Hoherpriester steht auf den Stufen des Tempels, dessen Eingang von einem Vorhang verschlossen ist. Auf den Stufen kniet das Mädchen Maria, begleitet von den Eltern Joachim und Anna.

A2 MARIA VERKÜNDIGUNG (Lc 1, 26–38) Maria kniet an einem Betpult. Vor ihr erscheint der Verkündigungsengel mit Lilie und weist zum Himmel. In der Höhe schwebt die Taube des Hl. Geistes und sendet einen Gnadenstrahl auf Maria.
A, HEIMSUCHUNG (Lc 1,39-56) Vor einem hochaufragenden Gebäude begegnen sich auf einer nach oben führenden Treppe Elisabeth und die emporeilende Maria.
A4 DARSTELLUNG IM TEMPEL (Lc 2, 21–38) Im Innern des Tempels steht ein Hoherpriester und hält den Jesusknaben in den Armen. Maria und Joseph knien vor ihm auf einer Stufe.
Quellen und Literatur
BHStA, Landshuter Abgabe 1993, 211: Neubau und Hochaltar 1712/21; 212: Seitenaltar 1738.
StAM, LRA 147541: Baureparaturen 1859/62; LRA 147542: Baureparaturen und Restaurierungen 1881, 1890/91, 1905/06, 1936/37.

StAL, Regierung Landshut A 4119 (Ausmalung 1765, Hochaltar 1766).
AEM, Pfarrakten Buch am Buchrain, 148 0001 01: Pfarrbeschreibung 1818 von Pfr. Jakob Hauber.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding, Pfarrei Tading, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Georg Brenninger).
Pfarrarchiv Buch, MS von Josef Reindl, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Buch am Buchrain und der dazugehöriger Orte.
BLfD, Akt Tading, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Gumppenberg, Wilhelm SJ, Atlas Marianus 1673, S. 279. Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 88 f.
Zimmermann, Joseph Anton, Chur-Bayrisch Geistliche Calender, Dritter Theil, Das Rent-Amt Landshuet, Müncher 1756, S. 182.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 98 f.
Kerer, Franz Xaver, Tadinger Liebfrauenbüchlein. Geschichte der Kirche und Wallfahrt zu U. L. F. von Tading, Münche 1901.
KDB I OB (2), S. 1292
Schierl, Wolfgang, Maria Tading und die Kirchen der Gemeinde Forstern (= KKF Nr. 1191), München-Zürich 1979, S. 1-9.
Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 63–65
Kupferschmied, Thomas Johannes, Der Freskant J. Martin Heigl. Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbständige Werke (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1989, S. 72-75.
Dehio 1990, S. 1146
Marienlexikon, s. v. Heigl, s. v. Tading (Gerhard Koschade)
A. B.