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Stein a. d. Traun, Schlosskapelle St. Georg und Heilige Drei Könige

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 160–162, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

STEIN AN DER TRAUN

Ehem. Schloß mit Hofmark Stadt Traunreut Pfarrei St. Georgen (Pfarrverband Traunwalchen/St. Georgen) Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Gericht Trostberg

Schloßkapelle Feldkapelle St. Johann Nepomuk S. 162

Zur Geschichte: Östlich der Traun erhebt sich nahe ihrer Mündung in die Alz eine ca. 50 m hohe und 500 m lange, senkrecht aufsteigende Nagelfluhwand über das Tal und bildet den Abschluß einer Hochebene, die sich nach Osten fast bis zur Salzach hinzieht. Schloß Stein besteht aus drei Gebäudekomplexen: dem oberen Schloß, einer mittelalterlichen Anlage auf der steilen Höhe, an der Ostseite durch einen hohen Erdwall bewehrt; dem unteren Schloß, das zu Füßen des Burgbergs liegt, und der Höhlenburg in der Felswand dazwischen. Das untere Schloß ist eine unregelmäßige Anlage des frühen 15. Jh., unter Oswald I. Törring von Stein († 1418) und Oswald II. Törring von Stein († 1463) erbaut, die im Krieg 1504 teilweise zerstört und samt Nebengebäuden in den folgenden Jahrhunderten immer wieder verändert und erweitert wurde und heute vor allem durch neogotische Bauten bestimmt ist.

Schloßkapelle: 1–4 Kirchenväter (um 1730)

Um 1200 kam das Geschlecht der Törringer in den Besitz der Herrschaft Stein. Zur Zeit Otto von Törrings (1254–75), dem ersten, der sich >Törring von Stein< nannte, wurde die neue Grenze zwischen Bayern und Salzburg festgelegt, wodurch das obere Schloß salzburgisch wurde, die Höhlenburg und das untere Schloß bayrisch blieben. Oswald I. von Stein errichtete in Baumburg als Grablege seiner Familie die Törringer Kapelle (Weihe 1383; heute Nordteil der Sakristei, mit der Grabplatte Oswalds I.). Seyfried Törring erwarb 1508 die benachbarte Herrschaft Pertenstein; die Herrschaftsinhaber nannten sich ab da >Törring von Stein und Pertenstein< (bis 1661). Unter Ladislaus Törring von Stein und Pertenstein († 1638, s. S. 188) wurden die Törring 1630 auf dem Kurfürstentag in Regensburg in den Grafenstand erhoben. Der letzte Törring auf Stein und Pertenstein war Graf Johann Albrecht, der Stein 1661 an Karl Graf Fugger von Kirchberg und Weißenhorn verkaufte. Dessen Tochter Maria Johanna heiratete in erster Ehe Albrecht Wilhelm Freiherrn von Lösch auf Hilgertshausen, in zweiter Ehe den kaiserlichen Oberpostmeister Franz Graf von Thurn and Taxis, der in Stein eine Poststation einrichten ließ (heute Gasthaus zur Post). Maria Johanna († 1712) hinterließ die Herrschaft Stein ihrem Sohn aus erster Ehe, Max Felix von Lösch. Bis 1829 blieb Stein im Besitz der Freiherren von Lösch auf Hilgertshausen. Nach zweimaligem Besitzerwechsel erwarb Donna Amalia, Kaiserinwitwe von Brasilien, geb. Leuchtenberg († 1872) Stein zugleich mit Seeon (s.S.91). Ihr Neffe, Herzog Nikolaus von Leuchtenberg, erbte das riesige Gebiet mit der bedeutenden Brauerei Stein, die heute noch besteht. Unter ihm wurde in Stein das neogotische Schloß erbaut. Seine Söhne verkauften Stein an Joseph Graf Arco- Zinneberg und von von diesen erwarb es 1934 Dr. Max Wistott, dessen Frau Ilse das heute noch existierende Landerzieungsheim mit Gymnasium gründete.

Schloßkapelle, Nebenkirche der Pfarrei St. Georgen, die z.Z. der Ausmalung dem Augustiner-Chorherrenstift Baumburg inkorporiert war. Heute ist der Teil des Schlosses, wo sich die Kapelle befindet, im Besitz der Schloßbrauerei Stein. An der Kapelle bestand ein Benefizium mit einer täglichen Messe, gestiftet 1457 von Oswald II. Törring von Stein für seine verstorbene Gemahlin, erneuert und erweitert von Ladislaus Freiherr Törring von Stein und Pertenstein.

Patrozinium: St. Georg und Heilige Drei König

Zum Bauwerk: Die Schloßkapelle liegt im alten Teil des unteren Schlosses, der in einem NW-Trakt und einem W-Trakt besteht, an den im Winkel nach O der Südtrakt mit der Kapelle angebaut ist, mit einem Türmchen gekrönt (Abb. bei Wening) Die Schloßkapelle liegt im Obergeschoß des Südtraktes. 1977 wurden Wandfresken aufgedeckt, die 1420/30 zu datieren sind, wohl in die Erbauungszeit der Kapelle. Erste Erwähnung der Kapelle 1457 anläßlich der Meßstiftung Oswalds II. Brand 1504 und anschließender Wiederaufbau unter Seitz von Törring, Weihe am 22.4.1522 durch Berthold Pürstinger, Bischof von Chiemsee. Der Chor wird um 1600 datiert. Veränderungen im Westteil um 1780/81.

Saal zu drei Jochen, das westliche Joch mit nach W anschließendem Oratorium auf gleicher Ebene. Belichtung im Mitteljoch durch je ein Fenster von N und S. Nicht eingezogener AR zu einem Joch mit 5/8 Schluß. Die Deckenbilder befinden sich im mittleren LHs-Joch (4,40×4,40).

Auftraggeber: Als der Hofmarksinhaber Maximilian Felix Freiherr von Lösch auf Hilgertshausen 1728 starb, übernahm seine Ehefrau Maria Anna Kunigunde Freifrau von Lösch geb. Gräfin Törring-Seefeld, für ihren Sohn Joseph Adam vor Lösch (* 1707 † 1777) die Verwaltung. Sie war eine sehr fromme Frau (s.u.) und wohl die Auftraggeberin der bescheidenen Ausmalung. Joseph Adam von Lösch übernahm der Besitz erst 1735/36. Benefiziat zur Ausmalungszeit war Franz Mühler (1704–39).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1730

Zur Datierung kann das entwickelte Bandwerkornament in den Ecken der Rippenfelder dienen, das Felder mit angedeutetem Brokatmuster ausbildet, Ornamentmotive, die man in Anbetracht der provinziellen Qualität gegen 1730 datieren muß. Für die unbedeutende Malerei kommt nur ein örtlicher Maler in Betracht, vielleicht Andreas Junker, der z. Z. der Ausmalung in der Klosterhofmark Altenmarkt ansässig war. Die Malerei muß als Restaurierungsmalerei eingestuft werden; der persönliche Stil des ursprünglichen Autors ist nicht mehr zu erkennen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Einfaches gotisches Kreuzgewölbe Rahmen: Die Bilder sind ohne Rahmen auf die vier Gewölbeteile gemalt, die Grate sind durch gemalte Blattstäbe betont, ebenso die Schildbogenfuge. Zu seiten der figürlichen Darstellungen Ornamente bis in die Ecken der Bildfelder

Technik: Fresko, polychrom

Maße: 1-4 Höhe 5,00 m; 2,20×4,40

Westansicht mit 1 Beichte der Königin und 2 Predigt des hl. Johann Nepomuk

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung der Schloßkapelle 1880; damals wurden der Raum farbig gefaßt und die Deckenbilder übermalt. 1922 erwog man eine Erweiterung der Kapelle, ließ den Plan aber fallen. 1923 Restaurierung des Altars, bei dessen farbiger Fassung man bereits Rücksicht nahm auf eine zukünftige weiße Raumfassung. Neufassung des Raums 1976/77 durch Georg Huber, Stein an der Traun. Die Deckenbilder wurden unter der Farbfassung von 1880 aufgefunden, freigelegt und von Hans-Heinrich Müller-Werther, Ebersberg, restauriert. Damals wurden auch die Reste gotischer Wandmalereien freigelegt.

Beschreibung und Ikonographie

4 HIERONYMUS mit dem Löwen zu seinen Füßen, ein Putto hält Kardinalshut und zweifachen Kreuzstab. Von oben ragt eine Posaune in die Darstellung.

Quellen und Literatur s. S. 16

Johann-Nepomuk-Kapelle