Stade, Haus Wasser West 19 21, sog Goebenhaus
Inventarnummer: cbdd20386
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Im Goebenhaus von 1780/1800 hat sich translozierte Malerei von ca. 1600 mit Tierdarstellungen in Beschlagwerkkartuschen erhalten. Ihre Herkunft ist unbekannt.

Das sog. Goebenhaus
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Goebenhaus [1] steht am ehemaligen Hafen der Stadt am Westufer. Seinen Namen erhielt es nach August Karl von Goeben, der hier 1816 geboren wurde.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Im 19. Jahrhundert erfolgten Umbauten in seinem Inneren, zu denen auch der Einzug von Stuckdecken gehörte. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde das Erdgeschoss zum Café umgestaltet.[2]
Beschreibung
Das dreigeschossige giebelständige Doppelhaus ist in Fachwerk mit Vorkragungen errichtet. Jeder Hausteil besitzt eine eigene Eingangstür. Die beiden Teile sind annähernd spiegelsymmetrisch konzipiert. Zur Mitte hin liegt der Eingang mit anschließender Treppenhausdiele. An der Außenseite befindet sich je ein Zimmer zur Straße hin, zur Rückseite schließen sich jeweils zwei Räume an. Hinzu kommt ein Raum in der Mitte. Das zentrale Treppenhaus erschließt die Stockwerke. Diese nehmen jeweils fünf – teilweise später untergliederte – Räume auf.
Der südliche Raum
Beschreibung
Durch den südlichen Gastraum wird das Café im Goebenhaus heute betreten. An seiner Decke befindet sich eine translozierte Decke mit Malerei.
Die translozierte Deckenmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei in Leimfarbentechnik wurde in diesen Raum versetzt. Sie stammt nicht aus dem zwischen ca. 1780 und 1800 errichteten Goebenhaus, sondern ist bereits um 1600 entstanden. Die Malerei muss daher bei der Errichtung des Hauses aus einem unbekannten Gebäude hierher transloziert worden sein. 1985 gab es im zweiten Obergeschoss mehrere Räume mit Deckenfragmenten. Die ursprüngliche Decke war vermutlich auseinandergenommen und auf die Räume verteilt worden. Nur in Ausnahmefällen wurden die Motive dabei auseinandergerissen. Im Jahr 1985 wurde ein Teil ausgebaut und später im Erdgeschoss an seinem heutigen (2025) Platz wieder eingebaut. Die ursprünglichen Deckenbalken fehlen und wurden ergänzt.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Sechs Balken unterteilen die Decke in sechs Fachen. Die erste Fache im Osten nimmt keine Malerei auf, die letzte im Westen ist durch einen Querbalken nochmals unterteilt. Die Malerei in den mittleren drei Fachen ist weitgehend im ursprünglichen Zusammenhang erhalten und stammt wohl aus demselben Raum. Auf den Brettern sind in zentralen Kartuschen Tierszenen und an den Rändern in Halbkreisen Fruchtdarstellungen zu sehen. Sie werden jeweils von grauem Schweif- und Beschlagwerk auf hellem Fond gerahmt. Hinzu kommen goldgelbe Schmuckelemente. Auf dem Beschlagwerk der Halbkreise sitzt je ein Vogel. In der vorletzten Fache im Westen ist allerdings ein Brett vertauscht worden, weshalb der Vogel dort auf der zentralen Kartusche sitzt. Die mittleren Kartuschen präsentieren verschiedene Tiere: Einen Ziegenbock, einen Hund (?) und einen Esel. Die Tiere bewegen sich dabei von rechts nach links auf einer gewellten Wiese. Im Hintergrund sind staffageartige Gebäude zu erkennen. Den Übergang von der Decke zur Wand bildete im ursprünglichen Kontext ein mit Tierszenen versehener Fries von 30 Zentimetern Breite.[4] Die letzte Fache bewahrt im südlichen Feld zwei weitere Fragmente dieser Decke: Zwei der seitlichen Halbkreise. Das nördliche Feld zeigt ein Früchtestillleben, das an jene der Decke erinnert. Die Malerei in der ersten Fache im Osten gleicht vom Prinzip her der in den mittleren Fachen: Eine zentrale Beschlagwerkkartusche mit Tierdarstellung (ein Hirsch) wird an den Seiten zur Wand hin von zwei Fruchtstillleben in Beschlagwerkhalbkreisen flankiert. Auf den Halbkreisen sitzen Vögel. Die Farbgebung ist jedoch eine andere und die Darstellung ist bei weitem ausgearbeiteter sowie in den Details abweichend. Zur höheren malerischen Qualität passt zudem, dass das Medaillon – im Gegensatz zu den übrigen Kartuschen – mit dem Hirsch ein im Sinne der Zeit edles Tier präsentiert und kein Haustier.
Vergleiche
Im Haus Bungenstraße 2 in Stade hat sich eine vergleichbare Malerei erhalten mit nahezu identischen Kartuschen, auf denen ebenfalls Vögel sitzen und ähnlich naiven Tier- und Pflanzendarstellungen wie in den mittleren Fachen.[5]
Der nördliche Raum
Beschreibung
Der nördliche Gastraum schließt an den südlichen Gastraum an und wird durch diesen betreten. An seiner Decke befindet sich ebenfalls eine translozierte Deckenmalerei.
Die translozierte Deckenmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Leimfarbenmalerei könnte stilistisch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen und wäre somit ebenfalls aus einem anderen Haus in das Goebenhaus verbracht worden. Allerdings wurde eine derartige Rankenornamentik in der Region bis um 1800 gemalt. An einer Decke im zweiten Obergeschoss des Goebenhauses fügt sich die Malerei zudem exakt in den Raum ein.[6] Daher könnte sie auch ursprünglich für das Goebenhaus geschaffen worden sein. Für ihren gegenwärtigen (2025) Anbringungsort war sie jedoch in keinem Fall bestimmt; sie ist an die Decke des Raumes transloziert worden.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke zeigt in vier Fachen ornamentale blaue Akanthusranken mit schwarzer Konturierung auf hellem Grund.
Bibliographie
- Literatur:
- Clasen/Kiecker/Kiesow, Stade, 1960. – Clasen, Carl-Wilhelm/Kiecker, Sokar/Kiesow, Gottfried (bearb.): Die Kunstdenkmale der Stadt Stade (Die Kunstdenkmale des Landes Niedersachsen, 46). Textband. München/Berlin 1960.
- Dehio, Niedersachsen, 1992. — Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Katalog. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
- Archivalien:
- NLD, Restaurierungsakten, 033-1203-003-02. – Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung. 033-1203-003-02. Stade. Am Wasser West 19-21. Wohnhaus.
- Seefried, 08.08.1985. – Schreiben Restaurator Matthias Seefried vom 8.08.1985. in: NLD, Restaurierungsakten, 033-1203-003-02. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung. 033-1203-003-02. Stade. Am Wasser West 19-21. Wohnhaus.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1227; Clasen/Kiecker/Kiesow, Stade, 1960, S. 210.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1227. NLD, Restaurierungsakten, 033-1203-003-02; Seefried, 08.08.1985, S. 10.
- ↑ NLD, Restaurierungsakten, 033-1203-003-02; Seefried, 08.08.1985, S. 3-4, 6-7, 10.
- ↑ Seefried, 08.08.1985, S. 7.
- ↑ https://www.deckenmalerei.eu/b6a4deb9-fc3d-4c7b-ab3f-b955bfb263db.
- ↑ Seefried, 08.08.1985, S. 2, 11.