Schwindkirchen, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
SCHWINDKIRCHEN
Pfarrkirche, Stadt Dorfen, Erzdiözese München und Freising; die Pfarrei Schwindkirchen war seit 1266 dem Domkapitel Freising inkorporiert. An der Kirche bestand eine große und vermögende Allerseelen-Bruderschaft. Gericht Haag
Patrozinium: Maria Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Der gotische Vorgängerbau wurde nach einer ungenügenden Gewölbereparatur (1762/63) wegen akuter Einsturzgefahr im März 1782 bis auf die Westmauern und den Turm abgebrochen. Ratifizierung der Neubaupläne am 17. 12. 1781, Grundsteinlegung am 19. 4. 1782; im gleichen Jahr wurde noch der Dachstuhl aufgesetzt. Inschrift in einer Kartusche am Bogen über der Orgelempore Diese Kirche / ist neuerbauet worden im Jahre, als / Pabst Pius VI Seine Kurfürstlichen Durchleucht zu Pfalz:/baiern, Karl Theodor in München, der Hauptstadt Baierns / heimsuchte 1782. Weihe am 28. 10. 1790 durch den Freisinger Fürstbischof Joseph Konrad von Schroffenberg. Baumeister war der Münchner Hofmaurermeister Leonhard Matthäus Gießl
Geräumiger Saalbau zu drei Jochen, im W ein halb so breites Vorjoch mit der Orgelempore, im O zum AR hin abgeschrägte Ecken mit Rechteck-Nischen für die Seitenaltäre. Wandgliederung an den Längsseiten durch Pilasterpaare mit jonisierenden Kapitellen über hohen gemeinsamen Sockeln, darüber ein gerades, profiliertes Gebälk. Eingang von N und S im westlichen Joch; Belichtung im LHs durch über die Gebälkhöhe bis in die Gewölbezone reichende Bogenfenster im N und S (im östlichen Joch der N-Seite wegen Kanzel und Turm ein Blindfenster). Eingezogener, durch zwei Stufen erhöhter Chor mit halbrundem Schluß, Wandgliederung durch vorspringende gekantete Pfeiler mit vorgestellten Pilastern, durchgehendes Gebälk; Sakristei an der S-Seite. Im N und seitlich vom Hochaltar bis in die Gebälkhöhe reichende Rechteck-Fenster, zusätzlich über dem Gebälk vier halbkreisförmige Fenster. Stuck von Franz Xaver Feichtmayr d.J.
Altäre 1787/93. Das Hochaltarblatt stammt aus der alten Kirche, es ist eine Darstellung der Himmelfahrt Mariens von Johann Degler 1720. Tabernakel und Altarfiguren von Christian Iorhan d. Ä., von ihm auch die Kanzel 1795.
Auftraggeber: Initiator und Verantwortlicher für den Neubau und die Ausstattung der Kirche war Pfarrer Johann Georg Wolfmüller (1769–1818). Er setzte, unterstützt vom Gericht Haag, die reiche Innendekoration gegen alle Widerstände durch, bestritt die Ausmalung zum großen Teil aus eigenen Mitteln und aus Spenden, die er sammelte, gab auch dem Freskanten Kost und Logis. Ein großer Teil der Baukosten wurde von der vermögenden Schwindkirchener Allerseelen-Bruderschaft getragen. Administrator der Grafschaft Haag war Graf Cajetan Joseph Fugger von Zinneberg, Pflegrichter Johann Baptist Lößl.
Autor und Entstehungszeit: Thomas Christian Wink (* 1738 Eichstätt † 1797 München) 1784; Signatur in B4 Christianus Wink / pictor Aulicus Monachii./ 1784
Wink freskierte Schwindkirchen unter der Mithilfe nur eines


Maurers und eines Farbenreibers von Mai bis Oktober 1784. Im gleichen Jahr schuf er das Chorfresko in Bettbrunn.
Die Entstehungsgeschichte der Ausmalung ist archivalisch gut dokumentiert (AEM; Pfarrarchiv Schwindkirchen; StAM Pfleggericht Haag, Nr. 74 und 75) und von Georg Brenninger 1984 (S. 129 f.) und Alois Lehrhuber 1986 (S. 62–72) ausführlich dargestellt worden. Ende 1782 war der Kirchenneubau unter Dach und mit einem hölzernen Gewölbe versehen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten beschied die Administration Anfang des Jahres 1783, man dürfe nur noch das unbe dingt Erforderliche erledigen; »auf innere Zier, Stukkado arbeit und anderes (sei) kein Antrag zu machen«. Pfarrer Wolf miller ließ Wink und Feichtmayr trotzdem Überschläge machen; der von Feichtmayr belief sich auf 1200 fl. Der Voranschlag Winks über 1300 fl. stammt vom 13. 2. 1783:
»Überschlag die Malerey bedrefend, in daß neue erbaute, würdige Pfaargotteshauß in Schwündkirchen. In diesem würdigen Pfaargotteshauß befinden sich zum malen folgende Plätze, alß da seind.
1. Das Haubt Plavond, in der Länge 50 Schuhe in der Breite 40 Schuhe, in dieses wird gemalen die Krönung Maria, wie beyliegende Sgitza zeiget.
2. Das ovale Plavond im Chor, in der Länge 27 Schuhe in der Breite 20 Schuhe, in dieses wird gemalt der Englische Gruß, wie ebenfahls die Sgitzen weiset.
3. Ist in dem Chor noch in bunten Farben zu malen die Kuppe ober dem Chor Altar, in welcher eine Glory von Engeln gemalet wird, zu diesen ist keine Sgitza gemacht worden.
4. Seind nebst dem Plavond des Englischen Gruses noch zum Malen 4 Eck Schildt, Farb in Farb und zeigen die freudenreichen Geheimnusse an, wie aus einer klein beyligenden Sgitza zu ersehen.
5. Ist auf dem Sing Chor ein Plavond in der Länge 10 Schuhe, in der Breite 6 Schuhe, wird in bunten Farben gemalt, wozu aber keine Sgitza gemacht worden.
6. Befünden sich in den Langhaus nebst den Haubt Plavond zwey grose Schildt gegen 20 Schuhe in der Breite nebst noch 6 etwas kleineren, und dise solten nach meiner Meinung, Farb in Farb gemalte werden, wie ebenfahls von den halben Theil Sgitzen vorgezeiget werden.
Ale diese Felder zusammen enthalten die Geheimnüße des Hl. Rosenkranzes, und seind sehr volkreiche Historien zum malen.
Wann ich also ale dise vorgeschribne Arbeit mit meinen möglichsten Fleiß guet und daurhaft machen solte, auch mir Farben dan anderes, was ich zu meiner Arbeit gebrauche mir selbst beyschafte, die nöthige Kost und Trunck, bezahlen mueß, die Hinn und Herreiße welche ich schon gemacht und noch zu machen werde haben, selbst bestreitte, auch die Mühe und Zeit rechne welche ich schon an dennen Sgitzen angewand habe, so glaube ich nit daß Maaß überschrüten zu haben, wan ich vor ein so mühsame Arbeit, vor meinen Verdienst und angewanden Unkosten dreyzehnhundert Gulden ansetze.« Maurer, Taglöhner, Kalk, Sand und Gerüst mußten von Seiten der Kirche gestellt werden. – Der Voranschlag Feichtmayrs lautete auf 1200 fl.
Im Mai 1783 wurde der Bau wieder aufgenommen und verputzt, aber es wurden nur eine einfache Gliederung der
Gewölbeflächen und Gesimse erlaubt, keine Stuckierung. Doch wurde Feichtmayr beim Ziehen dieses Stuckrahmenwerks zugezogen.
Ende 1783 wurde Wink mit Feichtmayr beim Landrichter von Haag, Johann Baptist Lößl, erneut vorstellig, um den Auftrag zur Innenausstattung der Kirche zu bekommen. Wink sprach sich in diesem Brief gegen eine zu reiche Stuckierung aus: »Denn es ist keine Sorge zu haben, daß heute zu Tage, wo ganz ein anderer Gusto herrscht, eine schwere Stukadorarbeit die Mahlerey einschränken werde, denn diese Art ist Gott sei Dank verbannt worden, und ich bin versichert, daß das eine weniger Stukadorarbeit, ein größeres zur Zierde beytragen werde«. Der Landrichter bemerkt dazu, »es soll und muß auch Stukadorarbeit angebracht werden, doch nichts Überflüssiges und Ungereimtes, sondern nur was zur Erzielung seines Zweckes notwendig seyn mag«. Die Skizzen, die Wink seinem Voranschlag beigefügt hatte (s.o.), befanden sich damals in Händen des Grafen Fugger. Lößl kannte sie und fand, sie seien »ungemein reich in Erfindung und Gedanken«. Er stellte am 12.1.1784 den Antrag auf Genehmigung der Dekoration und erhielt sie von München am 12.2.1784. Für die Stuckierung wurden statt der veranschlagten 1200 fl. Feichtmayrs nur 600 fl. genehmigt. Der Vertrag zwischen Wink und Pfarrer Wolfmüller wurde am 25.2.1784 geschlossen (Wortlaut bei Lehrhuber, S. 70 f.). Die Bezahlung bestritt Pfarrer Wolfmüller mit 500 fl. aus seinem Vermögen, mit ca. 300 fl. aus einer Sammlung und mit ca. 200 fl. aus weiteren Spenden. 200 fl. rechnete Wink auf Kost und Logis an, die ihm der Pfarrer gab. Die fehlenden 100 fl. sollte Wink durch verringerte Arbeit entgelten. Mitte April begann Feichtmayr mit dem Ziehen der Rahmen, Ende April begann Wink zu freskieren.
Am 30. 10. 1784 war Winks Arbeit beendet. Er verlangte nun auch die Restsumme von 100 fl. mit der Begründung, die Arbeit habe einige Wochen länger als vorgesehen gedauert und er habe aufwendiger gemalt als »Farb in Farb«. Die Auszahlung wurde bewilligt.
1789 machte Wink für den Allerseelenaltar in Schwindkirchen eine farbige Entwurfskizze: der Gekreuzigte mit der Muttergottes, die Erlösung der Armen Seelen aus dem Fegfeuer, doch kam 1794 nur der Hintergrund für eine Gruppe des Gekreuzigten mit Maria von Christian Jorhan zur Ausführung (100 fl.). Die Auftragslage war im späten 18. Jh. äußerst schwierig und Möglichkeiten für Künstler und Kunsthandwerker, wie sie der Kirchenbau von Schwindkirchen bot, waren sehr selten. Der Auftrag für den linken Seitenaltar (St. Anna) erhielt der Münchner Akademieprofessor Franz Ignaz Öfele (150 fl.) der 1795 auch den Kreuzweg malte
Entwurf
Bozzetto zum Hauptfresko B, Krönung Mariens und Heiligenhimmel, Öl auf Leinwand, 1,02×0,79 m, Pfarrhof Schwindkirchen. Von den Entwurfskizzen, die Wink in seinem Voranschlag erwähnte, ist keine erhalten.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Tonne, B, 1-8 Tonne mit kleinen Stichkappen, C, C1-4 querelliptische Kuppel mit Hängezwickeln, D Segmentkuppel mit Stichkappen


Rahmen: A einfaches Stuckprofil; B Stuckprofil, goldene Innenleiste, von einer goldenen Blattgirlande umwunden; C Stuckprofil, innen vergoldeter Blattstab/Lorbeerkranz; D ohne Rahmen;1-8 Stuckprofil mit feinen vergoldeten Leisten, oben von Blattgirlanden umschlungen; C1-4 Stuckprofil mit feinen vergoldeten Leisten, unten und seitlich von vergoldeten Ranken umschlungen, oben mit Girlanden belegt und einem Ornamentmotiv übergriffen
Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; sämtlich polychrom M - 0 - A TT'1
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Mit den Malerarbeiten der Innenrestaurierung 1876 war der Dorfener Maler Ludwig Hack betraut. Da er während der Arbeit starb, blieb manches unausgeführt. 1908 wurde vom Generalkonservatorium eine erneute Restaurierung befürwortet, »da durch die letzte Restauration die Schönheit der Kirche empfindliche Einbußen erlitt« (BLfD, 8. 1. 1908). Kirchenmalerarbeiten durch Ludwig Ametsberger, München, Restaurierung der »sehr stark übermalten Bilder« durch Hans V" 1 M" 1 D :
Letzte Restaurierung 1963 durch Alban Wolf, München. Nach seinem Befund hatten alle Fresken Feuchtigkeitsschäden und Stockflecken, die Farbe war oft ohne Haftung und stellenweise abgefallen. Das Hauptbild B war stark verschimmelt, »an manchen Stellen so stark, daß ganze Figuren, ja Figurengruppen nur noch undeutlich sichtbar waren. Von allen vier
Ecken zogen sich lange starke Risse der Mitte zu. Übermalungen waren häufig und oft nur auf mechanische Weise (Messer) zu entfernen.« Über B6 »zeigte sich ein sehr starker Wassereinbruch und eine fast quadratmetergroße Fläche, die salpeterte bzw. den Putz stark angefressen hatte. Sonst jedoch zeigte sich das Mauerwerk der Rabitzdecke gesund« (BLfD, Arbeitsbericht Wolfs). Das Deckenbild A über der Orgel war fast ganz übermalt. Beim Pfingstbild gingen zwei große Risse durch das ganze Bild. Die Fresken im Chor waren durch Risse weniger geschädigt, doch war beim Hauptbild C stellenweise bereits die Farbschicht abgefallen, und es fand sich ein »starker Wassereinbruch mit Salpetern am südöstlichen unteren Bildteil«. Reinigung, wo möglich mit feuchtem Schwamm, Sicherung und Ergänzung der abblätternden und abgefallenen Farbpartien, Abnahme der – mit Ausnahme der Chorfresken C1-4 – in allen Fresken »ungeschickt angebrachten« ungeschickt angebrachten früheren Übermalungen, Kitten der Risse und Sprünge, Beseitigung der Feuchtigkeits- und Stockflecken.
Erneute Rißbildung führte zu einer Dachstuhlsanierung 1991. In Vorbereitung einer geplanten Innenrestaurierung machte Erwin Wiegerling 1997 die Befunduntersuchungen.
Beschreibung und Ikonographie
Feichtmayrs Stuck ist im wesentlichen auf die Gurtbögen – klassizistische Ornamentbänder – und auf die Bild- und Fensterrahmen beschränkt, die von Blumen- und Blattgirlanden verziert und in den Scheitelpunkten agraffenartig akzentuiert bzw. miteinander verknüpft sind. Vielfach sind für diese Verknüpfungen auch figürliche Motive, Putten oder geflügelte Puttenköpfchen vor vergoldeten Wölkchen verwendet.
Nach dem Voranschlag Winks sollten in Schwindkirchen die fünfzehn Geheimnisse des Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranzes dergestellt werden. Der Freudenreiche sollte in C und C1-4 Platz finden; die Verteilung der übrigen Geheimnisse geht aus dem Text nicht hervor (von B abgesehen). In der Ausführung wurde auf den Schmerzhaften Rosenkranz verzichtet, der Freudenreiche wurde in C und B5-8, der Glorreiche in B und B1-4 dargestellt. Die monochrom geplanten Felder C1-4 und B1-8 wurden farbig ausgeführt.
Das Bildprogramm ist vom Kirchenpatrozinium Mariä Himmelfahrt bestimmt, das im Hochaltargemälde von Johann Degler dargestellt ist (aus der Vorgängerkirche übernommen). Das westliche Fresko A ist auf die Orgel, das östliche D auf den Hochaltar bezogen.
A MUSIZIERENDE ENGEL Querovales Fresko über der Orgel, Ansicht nach W. In ockergrauen Wolken sind musizierende Engel dargestellt. Die seitlichen spielen auf Baßgeige, Flöte, Posaune und Pauken, die beiden mittleren singen. Die kompositionelle Symmetrie wird durch die Farbigkeit der Engelsgewänder betont: die mittleren sind von lichtem Blau, die seitlichen braunrot.
Diese Darstellung sollte Wink 1789 im Fresko über der Orgel in Rettenbach (LKr. Deggendorf/NB) wiederholen.
B und 1-4 GEHEIMNISSE DES GLORREICHEN ROSENKRANZES Die Zwickelbilder in den Gewölbeecken des LHs bringen die ersten vier Geheimnisse des Glorreichen Rosenkranzes, in B ist das fünfte Geheimnis dargestellt. Die Felder B1-4 sind unregelmäßig trapezförmig; B1 und B4 ziehen sich je über die Ecke und wirken in der photographischen Aufnahme verzerrt.
B KRÖNUNG MARIENS UND HEILIGENHIMMEL Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. Konzentrische Bildanlage mit umlaufender Wolkenszenerie, Hauptansicht nach O, die Mittelgruppe ist nach W verschoben.
Der Allerheiligenhimmel ist Winks figurenreichstes Fresko und seine erste große Bildanlage ohne terrestrische Szenerie: der Verzicht auf die irdische Szenerie im Deckenbild war eine Forderung der klassizistischen Theoretiker. Die Hauptansicht ist in drei Figurenreihen übereinander angelegt. Der inhaltliche Bildmittelpunkt ist die Krönungsszene. In weißem Kleid und blauem Mantel ist Maria auf einer Wolke zwischen Gottvater und Christus dargestellt, welche die Krone über ihr Haupt halten. Darüber schwebt die Taube des Hl. Geistes. Engel beten die Dreifaltigkeit an, halten das Kreuz Christi und die Weltkugel Gottvaters. Die Szene ist von einer leuchtend gelben, kreisförmigen Glorie hinterfangen, von der radial Strahlen zu den umgebenden Figurengruppen ausgehen. Der innerste, von Puttenköpfchen (außer an der W-Seite) gesäumte Wolkenkreis löst sich nahezu in der Lichtgloriole auf.
In der Hauptansicht sind auf Wolken darunter Engel dargestellt, bei denen durch verschiedene Haltungen und Attribute auf das Thema der neun Engelschöre angespielt ist. Für die Erzengel steht Michael, die Lanze wird den Gewalten (potestates) zugeordnet, die Herrschaftsinsignien den Thronen und Herrschaften (throni et dominationes), die Haltung äußerster liebender Anbetung, aber auch das Weihrauchfaß den Seraphim. Da Maria durch ihre Aufnahme in den Himmel auch zur Königin der Engel wurde, ist die Verbindung von Marienkrönung und Engelschören nicht selten. Doch ist hier in Schwindkirchen die Unterscheidung der Chöre nicht konsequent durchgeführt. Auf einer großen Wolke an der W-Seite sind ebenfalls Engel dargestellt, in einer Komposition, die Wink 1789 im Hauptfresko von Rettenbach wiederholt.
Die Ansichten über den vier Seiten zeigen den Schwingungen des Rahmens folgend ein- und ausbuchtende Wolkenbänke, auf der O-, S- und N-Seite mit neu- und alttestamentlichen Gestalten besetzt. Nur ein kleiner Teil der Figuren ist durch Typus, Tracht oder Attribute ausreichend kenntlich gemacht. Alle Szenen – wie auch die Engelsgruppen – sind in sich jeweils symmetrisch von der Mittelachse her aufgebaut.
O-Seite In der Hauptachse sieht man die Stammväter Israels. Abraham mit erhobenem Schwert steht hinter dem knienden Isaak, der wie sein Vater als alter Mann wiedergegeben ist, und umfaßt ihn mit der Linken, die den Mantel wie schützend um den Sohn führt. In dem jüngeren bärtigen Mann in grünem Kleid und rostrotem Mantel ist Jakob zu erkennen. Links von dieser Gruppe ist Moses mit den Gesetzestafeln dargestellt, daneben sein Hoherpriester Aaron mit dem Zwölf-Stämme-Schild auf der Brust, das Weihrauchfaß schwingend. Diese Gruppe wird links abgeschlossen durch zwei Engelsfiguren. Auf einer kleineren Wolke weiter links sind Adam und Eva zu sehen, mit Laub um ihre Hüften; bei ihnen sitzt ein mit einem Fell bekleideter Jüngling, wohl Abel, weiter links ein weißbärtiger alter Mann in demütig betender Haltung, das Gewand graublau, der Mantel gelb, über ihm eine Frau. Die Gruppe wird links durch ein Paar abgeschlossen. Der jugendliche Mann trägt ein grünes Kleid mit roten Armeln, sein Umhang ist braun. Von der Frau sind nur Kopf und Hals sichtbar. Diese letzten Figuren sind alle nicht gekennzeichnet, es dürften Nachkommen Adams und Evas gemeint sein.
Über der Gruppe mit Adam und Eva erscheint noch eine Gruppe von Figuren ohne Attribute, sie ist farblich so zurückhaltend wiedergegeben, daß sie fast in den Wolken verschwindet. Ausgezeichnet ist in ihrer Mitte ein König mit Krone und goldenem Mantel (Saul?), eine rot und grün gekleidete Rückenfigur weist zur Dreifaltigkeit. Von den übrigen Personen sind nur zwei bärtige Männerköpfe, ein dritter mit Turban, und drei Frauenköpfe sichtbar.
Das Pendant dazu bildet rechts von der zentralen Abraham-Isaak-Gruppe eine dynamisch zum Bildrand hin größer und farbiger gestaltete Figurenreihe. Man erkennt Jeremias mit Wächterstab, Isaias mit Säge, David mit Harfe und Noah mit der Arche, die von zwei Engeln hochgestemmt wird. Knapp oberhalb wird die Hauptansicht abgeschlossen von Josua mit dem Sonnenschild und der Witwe von Sarepta.
S-Seite Auf einer nach S anschließenden Wolkenbank sitzen Heilige des Neuen Testaments, die sich zur Zeit des Marientodes bereits im Himmel befanden (solch »historisch richtige« Heiligenhimmel sind im späten 18. Jh. immer wieder zu finden, z. B. im Ettaler Chorfresko von Martin Knoller 1769, CBD, Bd 2, S. 289–95 und 314–16). Zwei Halbfiguren im Hintergrund, ein bärtiger Mann mit Turban und eine weißgekleidete...
SCHWINDKIRCHEN dete, betende Frau sind nicht zu benennen. Es folgt in Pilgertracht, mit Pilgerstab und Schwert Jakobus Maior, der als erster Apostel um 44 in Jerusalem enthauptet wurde und der als Bruder Jesu angesehen wird. Zurückgesetzt von ihm ist wiederum ein unbezeichnetes Paar zu sehen. Das darauffolgende Paar in lebhafter Gestik sind Joachim (mit Hirtenschippe) und Anna, die Eltern Mariens. Vor Anna sitzt Joseph von Nazareth mit einer Lilie in der Hand. Der nächste mit den hochaufragenden Kreuz ist der reuige Schächer Dismas, an das Kreuz gelehnt sitzt eine in Tücher gehüllte Frau (eine der dreien Marien?).



Der äußerste in dieser Gruppe, ein in den Kirchenraum schauender junger Mann, grün und violett bekleidet, der mit der Linken auf die Hl. Dreifaltigkeit weist, ist als der auftraggebende Pfarrer oder als der Maler gedeutet worden, wogegen jedoch die »historische« Auffassung des Heiligenhimmels spricht.
In der Südwestecke erscheint in hellerem Licht und in lichter Farben wiedergegeben eine Gruppe von zehn Männern und Frauen, die alle nicht gekennzeichnet sind.
Im Anschluß nach N folgt auf dem entfernter liegenden Wol kenzug wieder eine Reihe von nicht näher gekennzeichneten Männern und Frauen. Hervorgehoben ist ein diskutierende Paar auf einer eigenen Wolke, ein jüngerer Mann in Rückenansicht in rotem Gewand, dessen Gegenüber einen Turban und ein goldgesäumtes blaues Gewand trägt. Weiter rechts sind zwei ältere Männer in alttestamentlicher Tracht dargestellt, die zum Himmel weisen.


Die Figur ganz links, in gelbem Gewand und blauem Mantel, entspricht in Farbigkeit und Gesichtstypus dem Apostel Petrus. Attribute sind ihr nicht beigegeben. Die Figur mit gefalteten Händen auf der Gegenseite, in grünem Gewand und rotem Mantel, deutet nach Farbe und Gesichtstypus auf den Apostel Paulus. Beide Apostel erlitten im Jahr 68 den Martertod. Vermutlich sind mit diesen Figuren zwar Petrus und Paulus gemeint, sie sind aber nicht ausdrücklich als solche gekennzeichnet, da der Zeitpunkt des Marientods nicht feststeht und dem Verfasser des Programms offenbar nicht daran lag, kühne Hypothesen ins Bild zu setzen.
N-Seite An der N-Seite gipfeln wieder Wolken im Vordergrund über dem Bildrand auf. Hier ist die beherrschende


Figur, stehend und mit ausgebreiteten Armen, der Hohepriester Zacharias, der Vater Johannes des Täufers. Dieser sitzt zu Füßen seines Vaters, in Fellgewand und rotem Mantel, den Kreuzstab (Ecce Agnus Dei) in Händen. Die Mutter des Täufers, Elisabeth, sitzt mit gefalteten Händen neben Zacharias, einen Schleier auf dem Haupt, mit violettem Gewand und gelbem Mantel. Nach rechts folgen Engel.
Links von Johannes dem Täufer sitzt auf Wolken der Erzmartyrer Stephanus im Diakonsgewand, mit der Palme in Händen. Ein Putto hält auf einem Buch sein Attribut, die Steine. Es folgt nach links ein bärtiger Greis mit Turban, den man wohl als Joseph von Arimathia sehen darf. Das Paar im Hintergrund zwischen Stephanus und Johannes dem Täufer ist nicht zu bestimmen.
Den farblichen Hintergrund für den Heiligenhimmel bildet der in weißlichem Gelb wiedergegebene Wolkenhimmel, der von einem schmalen Streifen blauen Himmels eingefaßt ist. Buntfarben treten in Figuren und Gewändern auf: Gelb, Blau, Rot, dazu Grün in klassizistisch kühlen Werten, zu dem rötliches Goldgelb und Ockerrot lebhafte Gegensätze bilden. Die kräftigere Farbgebung ist auf die Rahmenzone konzentriert zur Bildmitte hin wird die Farbpalette heller bis zum fast farblos grau-weißen Kreis der Sonnenstrahlen. Nur in der zentralen Gruppe sind sehr differenziert noch einmal die Buntfarben eingesetzt.


Die farbige Ölskizze (im Pfarrhof) ist bewegter und lebendiger, mit stärkeren Hell-Dunkel-Kontrasten angelegt; ihr gegenüber ist die Ausführung eher formelhaft ausgefallen. Die sehr schematischen radialen Strahlen der Glorie sind in der Skizze nicht angegeben, die Wolkengruppen quellen ineinander über, während sie im Fresko streng symmetrisch und als isolierende Bildteile eingesetzt worden sind. Der Entwurf zeigt - was für Entwürfe im allgemeinen gilt - eine größere kompositorische Dichte, was auch auf den größeren Figurenmaßstab zurückzuführen ist.
1 AUFERSTEHUNG Der von den Toten auferstandene ist. Engel wälzen die steinerne Grabplatte beiseite, hinter der Christus als Lichtgestalt in durchscheinend weißen Tüchern, ausgezeichnet mit Siegerpalme und Fahne, aufschwebt; seitlich zwei Grabwächter, der rechte schlafend, der linke erschrocken davonstürzend.


Das von der Mitte ausgehende dominierende gelbe Licht wird nach allen Seiten ins Graubraun verschattet. Die Farbakzente sind differenziert gesetzt, die Farben in den Gewändern Marias und des Verkündigungsengels sind stark aufgelichtet, seitlich kontrastieren bunte Farbakzente, rechts Grün (Tisch und Vorhang), links Grün und Rostrot (Engel)

Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Schwindkirchen. StAM, Pfleggericht Haag, Nr. 74 und 75 Pfarrarchiv Schwindkirchen.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 142 f. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 226–31. KDB I OB (3), S. 2284–87.
Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 39–41. Rambold, Franz Xaver, Schwindkirchen, in: Bayerische Heimat 6, 1924, S. 18–20.
Clementschitsch, Heide, Thomas Christian Wink, ungedr. Diss. Wien 1968, S. 130-33.
Gammel/Gribl, Die Kirchenweihe Anno 1790, in: Gammel/Gribl, S. 316–19.
Brenninger, Georg, Schwindkirchen - ein seltenes Beispiel klassizistischen Kirchenbaus in Oberbayern, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst Bd 14, 1984, S. 127-41.
Lehrhuber, Alois, St. Maria Himmelfahrt Schwindkirchen (1983).
-, Schwindkirchen. Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt (1986).
Dehio 1990, S. 1103 f.