Schwäbisch Hall, KeckenturmHaus Sanwald, Untere Herrngasse 10
Inventarnummer: cbdd20209
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Bis 1729 erschloss Wolfgang Kaspar Sanwald das mittelalterliche Steinhaus mit Fachwerkaufbau hangseitig über die Untere Herrngasse. Den Musiksaal mit Deckenmalerei der fünf Sinne zumeist nach Samuel Bottschild von Johann Michael Roscher beauftragte vermutlich erst sein Sohn Johann Lorenz um 1736/39.

Keckenturm, seit 1722 im Besitz von Wolfgang Kaspar Sanwald
Mittelalterliche Baugeschichte mit Renaissance
Bei dem Keckenturm, der auch als Keckenburg bezeichnet wird, handelt es sich um ein frühes, der Bausubstanz zufolge aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammendes, urkundlich erstmals 1395 erwähntes Steinhaus.[1] Im Mittelalter erhob er sich über einem Keller über vier Geschosse, von denen das oberste möglicherweise einen Zinnenkranz miteinschloss.[2] 1507/1508 kam giebelständig zum Kocher ein eingeschossiger Fachwerkaufbau mit zweigeschossigem Satteldach hinzu.[3] Der dendrochronologisch 1507/1508 datierte Dachstuhl hat sich vollständig erhalten, lediglich der Fachwerkgiebel der Westseite musste im 18. Jahrhundert erneuert werden.[4] 1627 kam es zu Veränderungen im Keller.[5]
Seinen Namen trägt der Keckenturm seit die Familie Keck spätestens seit 1395/1403 das Anwesen besaß.[6] Im Jahr 1547 erwarb es Anton Feyerabend. 1588 wechselte es für 820 Gulden und 1597 für 920 Gulden den Besitzer.[6] 1623 stieg der Kaufpreis sogar auf 2400 Gulden, was mit einer zwischenzeitlich modernisierten Innenausstattung zusammenhängen könnte.[6] Seit 1666 gehörte es Andreas Tym (Thym), weshalb es in den Archivalien auch als „Thymischer Turm“ bezeichnet wurde.[7]
Barock- und Rokoko-Umbau sowie Erweiterung unter der Familie Sanwald
1722 erwarb der seit 1699 dem Stadtrat angehörende, 1725 zum Stättmeister gewählte Wolfgang Kaspar Sanwald (1669–1734) das Anwesen, für das er angeblich nur noch 475 Gulden bezahlte.[8] Da Sanwald am 22. August 1729 die Ratskommission um eine Erhöhung der bis dahin auf 400 Gulden festgesetzten Haussteuer, die sogenannte „Beet“, ersuchte, kann man davon ausgehen, dass er in den Jahren nach 1722 bis 1729 den barocken Ausbau der Keckenburg in Auftrag gegeben und durchgeführt hat.[9] Die "Beet" war eine Vermögenssteuer von 0,25%, die die Reichsstadt Schwäbisch Hall auf das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der Einwohnerschaft erhob. Die Steuerzahler hatten sich selbst zu veranlagen und dies zu beeiden.[10]
Der barocke Ausbau umfasste einen Anbau zur Unteren Herrngasse, durch den Wolfgang Kaspar Sanwald ein barockes Stadtpalais erhielt, das allerdings nur von der Unteren Herrngasse als solches wahrzunehmen war.[11] Der barocke Anbau erstreckte sich über das Gebäude Untere Herrngasse 8. Angeblich nutzte der Stadtrat die Keckenburg nach der Zerstörung des Rathauses bis 1732 für seine Sitzungen, die im Barocksaal, dem späteren Musiksaal stattgefunden haben sollen.[12]
Eine Generation später, also unter Wolfgang Kaspars Sohn Johann Lorenz Sanwald (1711–1778)[13] wurde am Gebäude Untere Herrngasse 10 ein kleiner quadratischer Garten angelegt, der zur Straße mit einer Mauer abschloss. Wegen der Rokokoornamentik sowohl am Portal der Gartenmauer mit dem Wappen der Familie Sanwald als auch an den Sockeln der im heutigen Hof stehenden Figuren der vier Erdteile ist diese Umgestaltung um 1750 anzusetzen. Damals entstand auch das Portal am (schon 1722–1729 angebauten?) Gebäude Untere Herrngasse 8, da es dieselbe Ornamentik, ebenfalls mit dem Wappen der Familie Sanwald, aufweist.
Johann Lorenz Sanwald war Jurist, seit 1736 Ratsherr und 1759 Stättmeister. Am 15. September 1739 heiratete er Sofia Katharina Susanna Drechsler (1713–1799).[14] Die Ehe blieb kinderlos.[15] An keinem die beiden erwähnten Portale ist ein Allianzwappen zu sehen.
Erschließung des Barockbaus über die Untere Herrngasse 10
Zum Keckenturm gehört talseitig der Keckenhof, der als Platz erhalten ist und von dem aus man heute das in der Keckenburg untergebrachte Hällisch-Fränkische Museum betritt. Der repräsentative Zugang zum barocken Stadtpalais der Familie Sanwald erfolgte jedoch bergseitig über die Obere Herrngasse. Dort betrat man das Gebäude über einen Hof, der spätestens um 1750 als Garten gestaltet wurde, dessen Mauer zur Straße ein Portal mit Rocaille aufweist.
Vom einstigen Garten, der sich heute wiederum als Hof darbietet, gelangt man über eine rechteckige Tür in einen kleinen Vorraum, vom dem aus eine hölzerne Treppe in die oberen Geschosse führt. Bei den oberen Geschossen handelt es sich – von der Oberen Herrngasse aus gerechnet – um das erste Obergeschoss (in Stein) mit dem Musiksaal und das zweite Obergeschoss (in Fachwerk) mit dem über dem Musiksaal liegenden Raum mit weiteren Deckenmalereien. Möchte man die mit barocker Deckenmalerei versehenen Geschosse vom heutigen Zugang zum Hällisch-Fränkischen Museum aus beschreiben, so handelt es sich um das dritte und das vierte Obergeschoss.
Musiksaal im ersten, beziehungsweise dritten Obergeschoss
Räumlicher Ausbau
Der Musiksaal, der seinen Namen von dem zentralen Deckengemälde mit einer Allegorie der Musik erhielt, befindet sich innerhalb der mittelalterlichen Mauern des Keckenturms. Im Barock wurden größere Fenster eingefügt, was in den Jahren 1722–1729 geschehen sein dürfte.[16] Seither öffnen sich zwei rechteckige Fenster nach Westen zum Kocher, eines nach Norden nahe der Nordwestecke.
Stuckierte Wandgliederung
Die in großen Teilen nicht durchfensterten Wände werden von großen rechteckigen Blendfeldern mit zumeist verkröpft abgerundeten Ecken gegliedert. Über ihnen verläuft ein mehrfach profiliertes Gesims, das sich um die segmentbogigen Fensternischen aufkröpft. Weitere Wandfelder werden als Pendants zu den Fenstern ebenfalls segmentbogig überfangen. Zwischen den beiden Fenstern der westlichen Schmalseite befindet sich ein etwas aufwendiger gerahmtes Feld mit großer Muschel. Vermutlich sollte sich dort ein Spiegel befinden. Einen Kamin scheint es nicht gegeben zu haben.
Die Wandgliederung und der noch zu besprechende Stuckplafond erinnern in ihrer großzügigen und doch raffinierten Gestaltung an die Ludwigsburger italienischen Stuckateure. Da sie erst 1736 für den Rathausneubau nach Schwäbisch Hall kamen, könnte man den Innenausbau des Musiksaals in die Zeit nach 1736, vielleicht sogar 1739, dem Jahr der Hochzeit von Johann Lorenz Sanwald mit Sofia Katharina Susanna Drechsler, datieren.
Raffinierter Aufbau der Stuckdecke
Die Ecken der Bandelwerk-Stuckdecke werden von dreigeschossigen Giebelstücken gebildet, deren mittleres Geschoss als Medaillon je ein ovales Deckengemälde einschließt. Als unterstes Geschoss tragen große Adler mit ausgebreiteten Flügeln einen Rundgiebel, dessen Scheitel sich mittels einer Spange mit dem Rahmen des Medaillons verbindet. Das Medaillon wiederum trägt auf seinem Scheitel eine Art Vase mit Lambrequin und darüberstehendem hochovalen Porträtmedaillon.
Vase, Lambrequin und Porträtmedaillon werden als oberste Zone des dreigeschossigen Aufbaus von allegorischen Figuren flankiert, die auf den seitlichen Ausläufern des mittleren Giebels sitzen. Sie halten mit einer Hand eingerollte Spangen, die konvexe Giebelstücke tragen, die zugleich die Ecken des geschweift konturierten zentralen Deckengemäldes bilden. Da die Figuren keine Attribute bei sich tragen, lassen sie sich in ihrer Aussage nicht spezifizieren.
Entlang der Langseiten umfassen große Rundbögen, die ebenfalls den Rahmen des geschweift konturierten zentralen Deckengemäldes bilden, Bandelwerkornamente. Der komplexe Aufbau der Stuckdecke setzt nach Ansicht der Autorin die Anwesenheit der Ludwigsburger Stuckateure in Schwäbisch Hall voraus, ohne dass ihr Entwurf vom einem der Ludwigsburger Stuckateure stammen müsste.[17] Hermann Mildenberger datierte sie „vor oder um 1730“,[18] doch hat man nach Ansicht der Autorin ihre Entstehung vermutlich erst um 1736/1739 anzunehmen.
Allegorie der Musik und des Gehörs als Teil der fünf Sinne
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Musizierende Frauen, Radierung von Samuel Bottschild
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Thema und Vorlagen
Das zentrale Deckengemälde wird mit seinen musizierenden Frauen und den beiden ein Notenblatt haltenden Putti als Allegorie der Musik gedeutet. Als Vorlage für das Gemälde diente eine Radierung von Samuel Bottschild (1641–1706), was erstmals Hermann Mildenberger erkannte.[19] Ergänzt wird das Gemälde in den vier Medaillons durch Personifikationen des Geschmackssinns, des Geruchssinns, des Tastsinns und des Sehsinns, sodass insgesamt das Programm als das der fünf Sinne angesehen werden darf. Für zwei der Medaillons griff der Haller Maler auf ein weiteres Blatt von Bottschild ebenfalls mit musizierenden Frauen zurück, was ebenfalls Hermann Mildenberger erkannte.[20]
Eine ähnliche Hervorhebung der Musik innerhalb des Programms der fünf Sinne findet sich um 1775 in Königsbronn im dortigen Haus Blezinger.[21]
Zuschreibungs- und Datierungsproblematik
Da die Deckengemälde weder datiert noch signiert sind, gestaltet sich ihre Zuweisung an einen Maler schwierig. Hermann Mildenberger schrieb die seiner Ansicht nach zwischen 1722 und 1734 entstandenen Gemälde Livio Retti zu. Als einziges Argument führte er die Überlieferung der Auftragserteilung an Retti durch den 1734 verstorbenen Ratsherrn Wolfgang Kaspar Sanwald an, deren Ursprung er jedoch nicht benennt.[18]
Ewald Jeutter erkannte den Maler der Deckengemälde in Johann Michael Roscher.[22] Mildenbergs Zuschreibung an Retti wies er zurück, da Retti erstmals 1736 in Schwäbisch Hall belegt ist, also zu Lebzeiten von Wolfgang Kaspar Sanwald noch nicht zur Verfügung stand.[23] Für Roscher, dessen Arbeit im Keckenturm Jeutter 1729 datiert, obwohl Roscher erst 1732 in Schwäbisch Hall nachgewiesen ist, sprechen nach Jeutter die lichte Lokalfarbigkeit, die hölzerne Figurenauffassung und der Umstand, dass sich der Maler an graphische Vorlagen hielt.[23]
Die Autorin des vorliegenden Beitrags folgt Jeutter in der Zuschreibung der Gemälde an Johann Michael Roscher. Die Datierung hat man jedoch nach 1732 anzusetzen, da Roscher erst in diesem Jahr in Schwäbisch Hall bezeugt ist.[24] In Anbetracht der Stuckierung und des Umstandes, dass Livio Retti im Rathaus sich in einem 1736 (??) zu datierenden Gemälde ebenfalls an Bottschild anlehnte, hat man als Entstehungsjahr wahrscheinlich sogar nach 1736 anzunehmen. Vielleicht kann man sogar die Hochzeit von Johann Lorenz Sanwald im Jahr 1739 mit Sofia Katharina Susanna Drechsler als Anlass der malerischen Ausgestaltung sowohl des Musiksaals als auch des darüberliegenden Raums in Betracht ziehen.
Als weiteres Argument für eine Datierung während oder nach der Anwesenheit der Ludwigsburger italienischen Künstler in Schwäbisch Hall kommt hinzu, dass ungeachtet des graphischen Vorbilds die Gestaltung der Personifikationen als große sitzende Frau mehr oder weniger im Profil mit einem Putto als Begleitfigur zu deren Repertoire gehörte. Sie findet sich prominent in den beiden 1730–1731 von Carlo Innocenzo Carlone ausgemalten Korridoren im Piano nobile des Neuen Corps de logis.[25]
Der Blickpunkt des zentralen Gemäldes befindet sich mit dem Rücken zur Tür. Der Blick des Eintretenden schweift also vom himmlischen Konzert zur Fensterwand.
Allegorie der Musik – Gehör
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Musizierende Frauen, Radierung von Samuel Bottschild
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Beschreibung und Vergleich mit der Radierung Bottschilds
Auf einer ocker-purpurfarbenen Wolkenbank über leuchtend blauem Himmel haben sich sieben Frauen zum gemeinsamen Musizieren zusammengefunden. Ihre Instrumente sind auffallend groß, was dem himmlischen Konzert etwas Volltönendes verleiht. Den Rahmen bilden rechts und links zwei große Frauen im Profil. Im blauen Gewand hat sich rechts eine Frau mit Viola da gamba / Kontrabass postiert. Ihr Pendant links im braun-golden Mantel spielt eine große Knickhalslaute. In der Bildmitte sitzen en face und deutlich kleiner eine Frau an einem Tasteninstrument, eine singende Frau und eine, die zu einer stehenden Bassflötistin emporblickt. Als siebte Figur sitzt am rechten Bildrand im grünen Gewand eine Querflötistin.
Abgesehen von der Querflötistin benötigen die himmlischen Musikerinnen keine Noten. Mehrere Putti halten sie zwar bereit, doch liegen sie zumeist achtlos auf dem Boden. Ein dickes Buch mit geöffneten Lederbändern und grünem Schnitt wurde explizit zugeschlagen, was die Dynamik der ohnehin volltönenden Musik veranschaulicht. Am oberen Bildrand halten zwei herbeifliegende Putti zusammen ein großes Notenblatt.
Die Komposition folgt seitenrichtig einer Radierung von Samuel Bottschild (1641–1706), die dieser im Tafelband „Opera varia Historica, Poetica & Iconologica“ 1693 bei Johann Christoph Weigel d. J. (1661–1726) in Nürnberg verlegen ließ.[26] Roschers einzige Veränderung bestand im Austausch der (als Signatur zu begreifenden?) Malerutensilien am linken unteren Bildrand durch ein zusammengerolltes Blatt neben einem geöffneten Notenheft auf einem Buch. Eine freie Zutat stellen die beiden Putten mit Notenblatt im Zenit dar.
Stilistische Merkmale
Für Roscher als Urheber spricht – im Einklang mit der Einschätzung von Ewald Jeutter – die lichte, ockerfarbene Farbgebung sowie die starke Konturierung der Figuren.[27] Die sehr gelungene Komposition hat Roscher durch eine lichte ausgewogene Farbgebung belebt. Die Technik scheint in weiten Teilen freskal zu sein.
Geschmackssinn
Die Personifikation des Geschmackssinns sitzt frontal zum Betrachter. Sie trägt einen Hermelinmantel. In der rechten Bildhälfte reicht ihr ein Putto mit einer Karaffe in der Hand ein gefülltes Weinglas. Im Hintergrund steht versatzstückhaft ein grün verhängter Tisch mit einem gebratenen Vogel und einem goldenen Trinkbecher.
Geruchssinn
Für die Personifikation des Geruchssinns wählte Roscher eine sitzende Frau im Profil, die mit Blumenkranz im Haar und einen kleinen Strauß in der Hand den Duft einer Nelke kostet. Ein Putto bringt weitere Blumen in einem Korb herbei.
Tastsinn
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Auch in der Personifikation des Tastsinns verband Roscher eine weibliche Figur im Profil mit einem Putto. Amor hat einen Liebespfeil auf sein mit schmerzverzerrtem Gesicht zurückweichendes Opfer abgesandt. Für die zurückweichende Frau orientierte sich Roscher an einer weiteren Radierung von Bottschild mit musizierenden Frauen, wo das Vorbild mit einem Triangel in der Hand nach oben blickt.
Sehsinn
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Für die Personifikation des Sehsinns, die Roscher ähnlich der Göttin Juno mit Pfau und einem zusätzlichen Handspiegel darstellte, nutzte er die Frau mit Lyra links in Bottschilds weiterer Radierung mit musizierenden Frauen.[28] Seine Personifikation weicht am linken Bildrand erschrocken vor ihrem Spiegelbild zurück. Der zwischen dem Spiegel und seiner Herrin sitzende Pfau, der mit seinen 1000 Augen den Sehsinn verkörpert, scheint seiner Herrin etwas zuzurufen.
Raum über dem Musiksaal im zweiten, beziehungsweise vierten Obergeschoss

Über dem Musiksaal befindet sich innerhalb des aufgesetzten Fachwerkgeschosses ein weiterer Raum mit Deckengemälden. Die Decke wird durch einen Unterzug in zwei Hälften unterteilt, die jeweils von großen ovalen Gemälden in weißen Decken mit Rahmenstuck eingenommen werden. Der Blickpunkt beider Deckengemälde befindet sich mit dem Rücken zur Tür, sodass der Blick von den Deckenfresken zur Fensterwand Richtung Kocher schweift.
Frau mit Notenblatt, nahezu unkenntlich

Das hochovale Deckenfresko mit einer Frau mit einem Art Thyrsosstab und einem Notenblatt ist zwar nahezu unkenntlich, doch gehört es thematisch und im Duktus der großen Figuren zu den Deckengemälden im darunterliegenden Musiksaal. Gegenüber der Frau mit Notenblatt scheint in der linken Bildhälfte eine Frau mit Laute zu sitzen.
Liebespaar vor einem Zelt, nahezu unkenntlich

Im Zentrum des hochovalen Deckengemäldes sitzt ein Liebespaar vor einem Zelt. Die weibliche Figur trägt eine Krone, die männliche in der Art eines antiken Dichters einen Blattkranz. Am linken oberen Bildrand könnte der sitzende Putto mit blauem Band den Hochzeitsgott Hymenaeus bezeichnen, der allerdings meist mit Fackel dargestellt wird. Unabhängig von einer Identifikation mit dem Hochzeitsgott Hymenaeus könnte der Putto (Amor?) den erhofften Kindersegen des Liebespaars versinnbildlichen, was für eine Datierung der gesamten freskalen Ausstattung von Roscher in das Jahr der Hochzeit 1739 sprechen würde.
Bibliographie
- Bedal, Haller Häuserbuch, 2020 = Albrecht Bedal, Haller Häuserbuch, Schwäbisch Hall 2te und verbesserte Auflage 2020.
- Bedal, Keckenburg, 1991 = Albrecht Bedal, Die Keckenburg in Schwäbisch Hall wird 750 Jahre alt, in: Württembergisch Franken 75 (1991), S. 57–74.
- Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020 = Albrecht Bedal, Untere Herrngasse 10 (HallerHausHefte), Schwäbisch Hall 2020.
- Deutsch, Denkmale, 2015 = Wolfgang Deutsch, Denkmale der Michaelskirche in Schwäbisch Hall. Anhang von Christoph Weismann, hg. vom Historischen Verein für Württembergisch Franken, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall und dem Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall 2015.
- Gebäudeverzeichnis – Stadt Schwäbisch Hall
- Kreil, Stadthaushalt, 1967 = Dieter Kreil, Der Stadthaushalt von Schwäbisch Hall im 15./16. Jahrhundert. Eine finanzgeschichtliche Untersuchung (Forschungen aus Württembergisch Franken, 1), Schwäbisch Hall 1967.
- Krüger, Rathaus, 1955 = Eduard Krüger, Das barocke Rathaus, in: Das Hällische Rathausbüchlein, hg. von Eduard Krüger, Schwäbisch Hall 1955, S. 25–76.
- KDM, Jagstkreis, 1907 = Eugen Gradmann (Bearb.), Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg, Jagstkreis (Erste Hälfte), Esslingen am Neckar 1907.
- Jeutter, Raumdekorationen, 1995 = Ewald Jeutter, Raumdekorationen aus dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts in Bürgerhäusern der ehemals „Freyen Reichsstadt“ Hall. Ein Beitrag zu den Auftraggebern und den Dekorateuren, in: Württembergisch Franken, 79 (1995), S. 243–312.
- Mildenberger, Musik, 1980 = Hermann Mildenberger, Allegorie der Musik und der Fünf Sinne. Deckenfresken von Livio A. Retti (1692/93 bis 1751) im Musiksaal der Keckenburg in Schwäbisch Hall, in: Württembergisch Franken, 64 (1980), S. 161–178.
Einzelnachweise
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 57–59; Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 3–11. Eine erste knappe Würdigung in KDM, Jagstkreis, 1907, S. 540.
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 62–63; Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 3–11.
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 61; Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 3–11.
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 61.
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 60–61.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Gebäudeverzeichnis – Stadt Schwäbisch Hall
- ↑ Gebäudeverzeichnis – Stadt Schwäbisch Hall, Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 256–257.
- ↑ Mildenberger, Musik, 1980, S. 163; Gebäudeverzeichnis – Stadt Schwäbisch Hall. Zu Wolfgang Kaspar Sanwald: Wunder, Ratsherren, 1962, S. 150, Nr. 332. Nur der Erwerb, ohne Kaufsumme: Bedal, Haller Häuserbuch, 2020, S. 497 sowie Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 17.
- ↑ Die Angabe bei Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 256–257. Die Quelle: StadtA Schwäb. Hall, 4/338, Ratsprotokolle, 22. August 1729, p. 336v (10). Bedal, Haller Häuserbuch, 2020, S. 497 datiert den „barock-rokokohaften“ Ausbau „um 1730“; ebenso: Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 17–18.
- ↑ Freundliche Auskunft von Herrn Dipl.-Archivar Daniel Stihler, Stadtarchiv Schwäbisch Hall. Zur „Beet“: Kreil, Stadthaushalt, 1967, S. 162–170.
- ↑ Bedal, Haller Häuserbuch, 2020, S. 497 sowie Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 17.
- ↑ Bedal, Haller Häuserbuch, 2020, S. 498. Nach anderer Überlieferung (Krüger, Rathaus, 1955, S. 29) wichen die Ratsherren bis zur Fertigstellung der Bürgertrinkstube 1732 in die Häuser Am Markt 5 und Am Markt 12 aus.
- ↑ Zu Johann Lorenz Sanwald: Wunder, Ratsherren, 1962, S. 153, Nr. 374.
- ↑ Wunder, Ratsherren, 1962, S. 153, Nr. 374.
- ↑ Dies geht aus dem von Johann Lorenz Sanwald verfügten Epitaph in der Michaelskirche in Schwäbisch Hall hervor (Deutsch, Denkmale, 2015, S. 179–186, 407–408).
- ↑ Bedal, Keckenburg, 1991, S. 60. Siehe auch Bedal, Untere Herrngasse 10, 2020, S. 9, Abb. 22.
- ↑ Vgl. ähnlich Mildenberger, Musik, 1980, S. 163, 177 (Anm. 6), der den Stuck allerdings „nicht nach 1730“ datiert.
- ↑ 18,0 18,1 Mildenberger, Musik, 1980, S. 163.
- ↑ Mildenberger, Musik, 1980, S. 173; http://kk.haum-bs.de/?id=s-bottschild-ab3-0036
- ↑ Mildenberger, Musik, 1980, S. 173; http://kk.haum-bs.de/?id=s-bottschild-ab3-0035
- ↑ Seeger, Ulrike: Königsbronn, Gasthaus Goldener Löwe, Haus Blezinger, heute Rathaus (cbdd20176), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/a6aef3af-3e82-4f0d-9dda-e9f14c2c6ed4, letzter Zugriff: 2025-04-14
- ↑ Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 256–260.
- ↑ 23,0 23,1 Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 258.
- ↑ Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 259.
- ↑ https://www.deckenmalerei.eu/e9d516ee-af43-4ae8-a70c-51a0efcb4ae8#309563ac-920f-461a-bc60-9e09b22b56e3; https://www.deckenmalerei.eu/e9d516ee-af43-4ae8-a70c-51a0efcb4ae8#b08b22d3-f1c3-4cf1-8474-ae78f1846b31
- ↑ http://kk.haum-bs.de/?id=s-bottschild-ab3-0035. Das Titelblatt: http://kk.haum-bs.de/?id=m-bodenehr-ab3-0001. Die Datierung geht aus dem Widmungsblatt hervor: http://kk.haum-bs.de/?id=m-bodenehr-ab3-0002.
- ↑ Vgl. Jeutter, Raumdekorationen, 1995, S. 258.
- ↑ Vgl. Mildenberger, Musik, 1980, S. 175.