Schmidmühlen, Oberes Schloss
Inventarnummer: cbdd10544
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Das Obere Schloss von Schmidmühlen, das nach zahlreichen Besitzerwechseln und starker Beschädigung im Zweiten Weltkrieg heute dem Markt von Schmidmühlen als Rathaus dient, wurde zwischen 1977 und 1980 restauriert, wobei das Erscheinungsbild von Schloss und Schlossgarten verändert wurde.

Das Schloss
Baugeschichte
An der Stelle des Oberen Schlosses in Schmidmühlen stand ursprünglich eine Wasserburg, die bis 1270 Hofmarksitz der Ministerialen der Hohenburger Grafen waren, danach der Wittelsbacher.[1]Um 1353 ließ Karl von Schmidmühlen, der letzte dieses Geschlechtes, die Burg neu- oder umbauen.[1]Von 1527 bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts war sie im Besitz der Hausner von Winbuch.[2]Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Schloss neu erbaut, darauf deutet eine Inschriftentafel am westlichen Anbau hin, welche die Jahreszahl 158(?) trägt.[3]Der auf ihr genannte Name kann auf Georg Hausner von Winbuch, der Pfleger zu Regenstauf und von 1595 bis 1614 Besitzer der Hofmark war, als Erbauer hindeuten.[4]Aber auch Hans Jakob Hausner von Winbuch, der von 1614 bis 1655 dort ansässig war, wird als Bauherr angeführt.[5]
Nach vielen Besitzerwechsel war das Schloss um 1900 unbewohnt und diente der Aufbewahrung von Hopfen und Getreide.[6]1919 wurde der Bau an einen Architekten verkauft, der ihn renovierte.[6]Nach dem Übergang an die Marktgemeinde Schmidmühlen im Jahr 1937 diente er als Rathaus, erlitt aber während des Zweiten Weltkrieges und der folgenden Einquartierungen schwere Schäden.[6]In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude als Kindergarten und dann als Schule zweitgenutzt.[6]Eine gründliche Restaurierung von Schloss und Garten folgte von 1977 bis 1980.[6]
Außen
Das Obere Schloss ist ein rechteckiger, dreigeschossiger Satteldachbau mit zwei Giebeln.[7]An der südlichen Giebelseite befindet sich ein oktogonaler Turm mit hölzerner Wendeltreppe, die bis in das Dachgeschoss führt.[8]Die westliche Längsseite ist um einen rechteckigen Anbau erweitert, dessen Satteldach bis unter die Dachtraufe des Hauptgebäudes reicht. An ihm ist eine mit Rollwerk gerahmte Inschriftentafel mit der Jahreszahl 158(?) angebracht.[3]Der Hauptbau verfügt über vier Eckrustika, welche wie die Fensterrahmungen in Ockergelb ausgeführt sind.
Innen
Die ersten beiden Stockwerke sind mit Deckenstuck aus Akanthusranken von ca. 1700 ausgestattet, der durch Palmwedel und große Wappen ergänzt wird.[3]Letztere deuten auf den Schlossherrn Wilhelm Franz Freiherr von Spiering, der das Schloss von 1676 bis 1720 besaß und kurfürstlicher Rat und Kämmerer war.[9]Im zweiten Obergeschoss sind nach einem Vorraum drei Zimmer angeordnet, die durch Fachwerkwände getrennt sind und über ädikulaförmige Türrahmungen verfügen. [10]In einer ist die Jahreszahl 1600 angebracht, die als Datierung der Ausstattung und der an den Wänden erhaltenen Malereien dienen kann.[8]
Malerei
Der Vorraum und alle drei Räume des zweiten Obergeschosses sind mit floral bemalten Balkendecken ausgestattet. Die Blüten sind in kräftigem schwarz ausgeführt und mit Rot und Gelb ausgefüllt.[8]In diesen Zimmern haben sich auch Wandmalereien von ca. 1600 erhalten, welche 1980 restauriert wurden.[3]
Im Vorraum ist nur noch die Darstellung eines türhohen Trabanten, eines Leibwächters, zu erkennen.[3]Dagegen enthält der südöstliche Raum, sogenannter Rittersaal, umfangreiche Malereien: In den Quadratfeldern des Fachwerks an Süd- und Ostwand sind die vier Jahreszeiten zu sehen, während an der Nord- und Westwand Tugend-Allegorien vorherrschen.[3]Die einzelnen Felder sind mit Roll- und Beschlagwerk gerahmt.[3]Über den Darstellungen der Jahreszeiten befinden sich in zwei Kartuschen zwei Wappen, wovon eines mit rotem Schrägbalken als das der Hausner zu identifizieren ist.[8]Auf den Balken der Scheidewände finden sich noch Überreste von Sprüchen.[11]Die flache Holzdecke des Turms ist mit Rosetten- und Blumenranken bemalt.[3]Die Ausmalung des Oberen Schlosses imitiert die 20 Jahre früher entstandene Malereien im herzoglichen Schloss Trausnitz in Landshut im Kleinen und gibt somit ein seltenes Bild der profanen Raumausstattung von Herrensitzen aus der Zeit der Renaissance in Bayern.[12]
Bibliographie
- Drexler, Jolanda/ Hubel, Joachim: Bayern. Regensburg und Oberpfalz. Bd. 5 (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, hrsg. v. Georg Dehio). München, Berlin 2008.
- Hager, Georg: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg. Bezirksamt Burglengenfeld. Bd. 5 (Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern). München, Wien 1906.
- Lampl, Sixtus: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler. Bd. 3 (Denkmäler in Bayern). München 1986.
- Popp, Josef: Das Obere Schloss (Rathaus) in Schmidmühlen, in: Mittelbayerische Zeitung, 20.08.2005
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Popp, Obere Schloss, 2005; Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720.
- ↑ Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 121.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720.
- ↑ Siehe die Auflistung der Besitzer bei: Popp, Obere Schloss, 2005.
- ↑ Popp widerspricht sich selbst, indem er an unterschiedlichen Stellen beide als Erbauer aufführt, während im Dehio Hans Jakob als Bauherr genannt wird: Popp, Obere Schloss, 2005; Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Popp, Obere Schloss, 2005.
- ↑ Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720; Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 122.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 122.
- ↑ Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720; Popp, Obere Schloss, 2005.
- ↑ Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 122; Dehio, Oberfpalz, 2008, S. 720.
- ↑ „[…] seltzham kunst erdenckt […] wirst mir mein hirn verwirn. […] Die huner gatzeneyer legen / Suonst […] haben klein gewin-[…] /Laß mich nur bleiben bey mein sinn.“ Zitiert nach: Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 122.
- ↑ Hager, Kunstdenkmäler, 1906 (1983), S. 124.