Schmalkalden, Lustschloss Wilhelmsburg
Inventarnummer: cbdd10199
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Schloss Wilhelmsburg birgt herausragende Decken- und Wandmalereien aus der Zeit von 1585-1590. Sie sind in ihrer Fülle und künstlerischen Qualität einzigartig. Das Objekt wurde nicht bearbeitet.

Schloss Wilhlemsburg in Schmalkalden
Geschichte
"Schloß Wilhelmsburg, heute Museum, zählt zu den bedeutendsten Schloßbauten der deutschen Spätrenaissance. Benannt ist das Bauwerk nach dem baufreudigen Landgrafen Wilhelm IV. (1532–92) von Hessen, der nach 1583 die bis dahin gemeinsam mit den Grafen von Henneberg genutzte mittelalterliche Burg Wallraff und das am Burgberghang gelegene Egidienstift aus dem frühen 14. Jh. niederlegen und an dessen Stelle 1585–90 den Renaissancebau als Som-merresidenz und Jagdschloß neu errichten ließ. Der Bauherr hat selbst an den Entwürfen für das Schloß mitgewirkt. Baumeister und Künstler (mehr als 150 Steinmetze und Bildhauer) entstammten der Kasseler Hofwerkstätte, die in starkem Maße von niederländischen Einflüssen geprägt war. Die Bauleitung lag in den Händen des hessischen Hofbildhauers Wilhelm Vernuken, die Bauausführung erfolgte durch die Hofschreiner und Baumeister Christoph und Hans Müller, als Stukkateur wird Hans Becker genannt, an der Ausmalung war Georg Cornet beteiligt. Umbaumaßnahmen 1820, seit 1878 als landeskundliches Museum genutzt. Teilrestaurierung im Inneren in den 1920er Jahren und 1955/56, seit 1965 umfassende Restaurierungsarbeiten."[1]
Beschreibung
"Regelmäßige Vierflügelanlage um einen annähernd quadratischen Hof, in jeder Hofecke ein oktogonaler Wendeltreppenturm. Die weißen Putzflächen kontrastieren wirkungsvoll mit den rot gefaßten Eckquadern, Tür- und Fenstergewänden sowie den Gesimsen. Mittlere Hofdurchfahrten im West- und Ostflügel: Architektonischer Aufbau der prächtigen, einst farbig gefaßten Innenportale mit flankierenden toskanischen Säulen, kräftigem Gebälk und reich gestalteter Bekrönung. Die reiche Beschlagwerkdekoration dieser Portale wiederholt sich teilweise an den Erdgeschoßzugängen und Treppenportalen, letztere bekrönt vom hessischen Wappen. Die Verschiedenartigkeit und aufwendige Ausgestaltung der Portale beleben den Innenhof in eindrucksvoller Weise. Der Außenbau deutlich schlichter, die pilastergerahmten Portale mit zurückhaltendem Beschlagwerkdekor. Urspr. je drei ziergiebelgeschmückte Zwerchhäuser zur Hof- und Stadtseite, 1820 mit Ausnahme der jeweils mittleren beseitigt, letztere aber auch der Voluten ihrer Giebel beraubt. Reicher gegliedert heute nur noch der achteckige, laternenbekrönte Aufsatz des leicht vorspringenden, in seinen Grundmauern auf die mittelalterliche Burganlage zurückgehenden Turms an der Südwestecke, der als Schloßkirchenturm in die neue Anlage einbezogen wurde.“[2]
Raumprogramm
"Dem Raumprogrammliegt ein durchdachtes, jedoch nicht immer konsequent durchgehaltenes Ordnungssystem zugrunde. Die ausgedehnten tonnengewölbten Kelleranlagen enthalten den 21,5 m tiefen Brunnen der mittelalterlichen Burg. Das Erdgeschoß birgt neben der geschoßübergreifenden Schloßkirche das aus vier Räumen bestehende Landgrafengemach, die Wohnung des Burggrafen, die Badestube und vor allem den heute museal eingerichteten, einstmals noch größeren Küchenkomplex mit einem teilweise rekonstruierten, allseits offenen Kamin von imposanter Größe. Im Nordflügel die große, als Exerziersaal der Schloßwache wie auch als Speisesaal genutzte Hofstube, deren Holzbalkendecke auf mächtigem, von fünf Pfeilern getragenen Unterzug. Wohnräume der Bediensteten im Zwischengeschoß. Die Raumeinteilung des ersten Obergeschosses durch die Einrichtung einzelner Gemächer als eigentliche Wohnetage gekennzeichnet, benannt nach Fürstenhäusern, einzeln erreichbar über die Treppentürme und unter Verzicht auf Korridore und Flure direkt erschlossen durch sog. Vorgemächer, die gleichzeitig auch den Zugang zu den in der Flügelmitte gelegenen repräsentativen Sälen oder zur Schloßkirche ermöglichen. Die einstigen Wohnräume der landgräflichen Familie im Westflügel mit herrlichem Blick über die Stadt."[3]
Stellung der Malerei
"Die Wilhelmsburg erhält ihre herausragende Bedeutung durch manieristische Wandmalereiensowie Stuck- und Bildhauerarbeiten im Inneren, die in ihrer Fülle und künstlerischen Qualität einzigartig sind. Die in Temperafarben auf den Wandputz aufgetragen Malereien umrahmen in differenzierten und phantasievollen Roll- und Beschlagwerkformen groteskenartig vornehmlich Fenster und Türen, bereichert u. a. durch Putten, Tiere, Frucht- und Blumengehänge sowie biblische, antike und allegorische Figuren. Die gemalten und stuckierten Dekorationen unter dem Einfluß niederländischer Ornamentstichwerke aus dem Umkreis von Cornelis Floris und Johann Vredemann de Vries. Im Erdgeschoß durch reizvolle Wandmalereien entsprechend herausgehoben das Landgrafengemach, zwei Räume mit Kassettendecken, die des Arbeitszimmer bemalt mit allegorischen Figuren der Wissenschaft."[4]
Das Landgräfliche Eckgemach (Wilhelmsgemach)

Das Hessische Gemach
Das Tafelzimmer
"Auch das Tafelgemach (nach einer um 1680 angebrachten blau-goldenen Tapete auch Blauer Saal genannt) im Hauptgeschoß mit einer Kassettendecke, bemalt vom hessischen Hofmaler Caspar van der Borchtmit Arabesken, Bukranions, Puttenköpfen und zahlreichen Planzenmotiven. Die Wandmalereien des Tafelgemachs zählen zu den qualitätvollsten des Schlosses. Ausgesprochen phantasievolles Roll- und Beschlagwerk in Verbindung mit Fruchtschnüren, Tierfratzen, Haushaltsgeräten, Musikinstrumenten, Zirkeln und Winkeln. Auf den Fenstergewänden überlebensgroße Allegorien, an der Hofseite von links nach rechts: Justitia, Prudentia, Caritas und Temperantia, auf der Gegenseite: Spes, Pietàs, Fortitudo und Fides. Im Kontrast zu der Wasser und Wein verdünnenden Temperantia zwei den Völler mit Wein versorgende Putten an der Westwand. Grotesk auch die Maske der Ofenumrahmung."[4]
Die Süd- und Nordwand des Tafelzimmers
Die Westwand des Tafelzimmers
Der so genannte Festsaalbereich
Der Nördliche Vorraum zum Hauptsaal
Trabanten fassen die Tür im Vorraum zum Hauptsaal ein, die "in Landsknechttracht mit Hellebarden dargestellte Leibwache des Landgrafen, wohl weitgehend durch den Hofmaler Jost vom Hoff".[4]
Das nördliche Nebenzimmer
Der Hauptsaal (Festsaal, Riesensaal)
"Der mit 13 × 26 m größte Raum des Obergeschosses ist der als Tanz-, Bankett- und Festsaal genutzte Riesensaal, benannt nach den sog. Trabanten, der im Vorraum die Tür zum Saal einfassenden, in Landsknechttracht mit Hellebarden dargestellten Leibwache des Landgrafen, ausgestaltet wohl weitgehend durch den Hofmaler Jost vom Hoff." "Eine wohl aus der Hand Wilhelm Vernukens stammende bildhauerische Meisterleistung ist der Kamin, überzogen u. a. mit Roll- und Beschlagwerk, Löwenfratzen, Diamantierungen, Fruchtbündeln, gefaßt in den Farben Rot, Schwarz und Grau, bekrönt vom Hessenwappen."[5]
Die Wände des Hauptsaals
"Architekturmalerei um Fenster und Türen, die südl. Portalarchitektur mit Herme und Karyatide als Gebälkträger, in der von zwei Löwen gehaltenen Rollwerkkartusche das Hessenwappen. Über der Nordtür das Porträt des Bauherrn in Halbfigur. In den Fensternischen Gestalten der biblischen Geschichte (u. a. Adam und Eva, König Salomo, Königin von Saba, Verkündigungsengel und Maria, König Saul (?), Judith mit dem Haupt des Holofernes, David und Goliath, Urania und Argus).[6]
Die Decke des Hauptsaals
"Die mit Malereien überzogene Kassettendecke des ausgesprochen repräsentativ wirkenden Saales ruht auf einem gewaltigen, im Dachwerk verankerten Unterzug. Die Malereien der Deckenfelder auf Leinwand ausgeführt. Die acht zentralen Kassetten urspr. mit einem allegorischen Programm analog zum Tafelgemach, heute lediglich die Caritas erhalten. Mit Bezügen zu den Allegorien in den Seitenfeldern szenische Darstellungen aus dem AT und der antiken Sagenwelt.[5]
Der Südliche Vorraum zum Hauptsaal, zugl. Pfälzisches Vorgemach
Das südliche Nebenzimmer
Das Sächsische Gemach
Das Württembergische Gemach
