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Rammertshofen, Filialkirche Inventio Crucis

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 239–242, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Gemeinde Egenhofen, Pfarrei Aufkirchen, Erz diözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Auf kirchen Wechselpfarrei. Die Kirche von Rammertshofen wa sehr arm. Gericht Dachau

Patrozinium: Inventio Crucis

Zum Bauwerk: Im Kern noch gotischer Bau, zu Anfang des 18. Jh. umgestaltet, Datum am Dachstuhl 1715, an Chorbogen 1729 (Schmidt: Ecclesia haec exiguae structu rae().

Saalbau (9,00 × 7,20 m) zu zwei Achsen mit Empore im W. eingezogener, einachsiger AR (4,45 × 5,50 m), dreiseitig geschlossen, Turm an der N-Seite des Chors. Belichtung von S und von den Schrägseiten des ARs. In LHs und Chor Flachdecken mit guter Stuckdekoration, die aufgrund der großen Ähnlichkeit mit der von Maisach ebenso wie die von Aufkirchen und Unterschweinbach Benedikt Heiß von Dachau zugeschrieben werden kann. Die drei Altäre zeigen wie in Aufkirchen qualitätvolle lebensgroße Figuren aus dem Umkreis von Luidl, am Hochaltar eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Magdalena, an den Seitenaltären der Gegeißelten und eine Pieta-Gruppe.

Auftraggeber: Pfarrer Martin Prugger von Aufkirchen (1699–1732), der aus eigenem Vermögen seine Pfarrkirche und die vier Filialen restaurieren ließ (s. S. 24).

Autor und Entstehungszeit: Jahreszahl 1729 in der Kartusche am Triumphbogen, der Autor ist nicht bekannt.

Die Ausmalung ist einem Maler zuzuordnen, der zeitlich und stilistisch im Umkreis der Münchner Schule zu suchen ist. Anklänge an die Freskomalerei von Johann Anton Gumpp und Melchior Steidl, aber auch an Johann Degler sind unverkennbar. Die Behandlung des Inkarnats mit roter Binnenzeichnung, die changierenden Gewänder und die viel verwendeten Weißhöhungen, die gleichgewichtige helle Farbgebung sind gemeinsame Kennzeichen dieses Stils. Andererseits zeigt der Maler einen ganz eigenwilligen figuralen Stil mit - häufig mißlungenen - Gesichts- und Körperverrenkungen und Gesichter, die teilweise eklektizistisch anmuten. Die Beurteilung der Fresken ist daher zwiespältig und differiert auch in der Literatur von stark erneuert (Kunst- und Kulturdenkmäler) bis zur Datierung 1937 (Dehio). Die derzeitigen Befunduntersuchungen und Freilegungsproben an den Wänden verweisen jedoch auf eine barocke Ausmalung (frdl. Mitt. Franz Debold).

Das rechte Seitenaltarbild in der Pfarrkirche Aufkirchen, zu datieren um 1720, zeigt eine Darstellung der Auferstehung Christi. Die Soldaten am Grab sind in Typus und Habitus denen in Medaillon 5 Geißelung ähnlich.

Lokalhistorisch in Frage kommt Joseph Krenauer aus Bruck der die Fresken in Maisach schuf. Der überarbeitete Befund der Maisacher Bilder erschwert einen stilistischen Vergleich, läßt ihn aber für möglich gelten.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachdecke mit Hohlkehle, im AR dreiseitig geschlossen

Rahmen: A mehrfach verkröpftes Stuckprofil, B Stuck rahmen mit vollplastischem Blütenkranz; 1-6 einfaches Stuckprofil

Technik: Fresko; polychron

Maße: A Höhe 5,40 m; 4,60 × 2,80

B Höhe 6,00 m; Ø 2,0

1,3,4,6 1,40 × 1,20

2,5 2,00 × 2,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Um 1888 dürftei die Hauptbilder restauriert und die Medaillons übermalt bzw rekonstruiert worden sein. Weitere Restaurierungen 1937 (Dehio) und 1951 (Datum am Chorbogen, Kunst- und Kul turdenkmäler: 1961!). 1976 Gesamtinstandsetzung geplant 1983 durchgeführt (Dehio). 1989 wurde eine durchgreifend Restaurierung in Angriff genommen, die zur Zeit noch nicht abgeschlossen ist; Befunderstellung für die Fresken durch Franz Debold, München. In der Sockelzone wurden ein rote Lambrequin, in der unteren Wandzone ockerfarbene Apostel kreuze mit Blattkranz sowie gemalte Fensterrahmungen in Proben freigelegt. Unter Schäden am Dach hatten die - an scheinend aus diesem Grund schon früher überarbeiteten Medaillonfresken gelitten, die auch jetzt große Fehlsteller zeigen. Von den sechs Medaillonfresken zeigt nur eines noch barocke Substanz, die übrigen sind vermutlich Neuschöpfun gen von Josef Albrecht, der auch in Aufkirchen 1903 und 1934 mit der Langhausausmalung bzw. Restaurierung befaß war.

1 Fall unter dem Kreuz, Neuschöpfung von 1937? in Öl oder Öltempera; Signatur J. A. (= Josef Albrecht)

2 Kreuzigung, rekonstruierende Malerei um 1888, überarbeitet, Malschicht vom Grund gelöst.

Beweinung Christi, Rekonstruktion, überarbeitet

4 Ölbergszene, Neuschöpfung von Josef Albrecht

5 Geißelung, barocker Befund mit geringen Überarbei tungen

6 Dornenkrönung, Neuschöpfung von Josef Albrecht, große Fehlstelle

Die Fresken A und B zeigen nur geringfügige Retuschen und sind bis auf Rißbildung und Hohlstellen in gutem Zustand. (Für die freundliche Überlassung des Restaurierungsbefunds sei Restaurator Franz Debold gedankt.)

Beschreibung und Ikonographie

A KREUZABNAHME Einansichtige Bildanlage mit ger ingen Untersichten. Nur ein grüner Boden- und ein rötlich brauner Wolkenzug kennzeichnen einen Schauplatz an den beiden Bildenden. Die Komposition zeigt eine dichtgedrängte und ineinander verflochtene Figurengruppe um das hochaufgerichtete Kreuz Christi, zusammen mit zwei Leitern bildet es ein trapezförmiges Kompositionsgerüst. Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz gelöst, der linke Arm hängt schlaff herunter, während ein bärtiger kurzärmeliger Helfer mit dem Hammer die rechte Hand vom Kreuz zu lösen sucht. Ein älterer bärtiger Mann mit würdigem Aussehen, Joseph von Arimathia?, beugt sich über den Querbalken, um das Haupt Jesu zu stützen. Ein junger Mann in karminrotem Kleid mit aufgebauschtem grünem Mantel steht auf der Leiter und ergreift den Leichnam an den Oberschenkeln, ein zweiter, am Boden stehender mit blauem Umhang, an den Unterschenkeln, während ein dritter in ockerfarbenem Gewand von rückwärts Kreuz und Leiter stützt. Von der rechten Leiter klettert ein Helfer mit Zange. Am Boden sitzt die trauernde Maria mit einem weißen Tränentuch in der Hand, hinter ihr steht Johannes mit einem Tuch an den Augen, rechts am Boden kauert Magdalena, das Haar zum Zopf geflochten. Auch sie hält ein

B Verehrung des Kreuzes

Tüchlein ans Gesicht und ergreift mit der Linken die Dornenkrone. Vor ihr steht ein Salbgefäß, in der Mitte eine Schale mit Schwamm. Eine dritte Frau in grünem Kleid und gelbem Umhang führt die beiden trauernden Frauen mit einer weitausholenden Gebärde zusammen. – Matthäus (27,55–56 und 61) und Markus (15,40 und 47) benennen die Frauen, die bei

Kreuzigung und Grablegung zugegen waren: Maria von Magdala, Maria, Mutter des Jakobus (d. J.) und Maria Salome, Mutter der Zebedäussöhne. Die Mutter Gottes und Johannes Evangelist sind bei den Grablegungsberichten nicht erwähnt, in bildlichen Darstellungen aber meistens anwesend.

B VEREHRUNG DES KREUZES Kreisrundes Bildfeld mit Himmelsszenerie. Auf dem rosagelben Wolkengrund schweben elf große Engel mit dem Kreuz Christi. So wie im Langhausfresko Helfer sich am Kreuz zu schaffen machen, so umfangen hier Engel die Balken des Kreuzes. Nur zwei von ihnen tragen Attribute: Lanze und Schwamm und ein

weißes Tuch. Die Farbigkeit ist insgesamt hell und kontrastarm: Blau, Türkis, Grün, Ocker und Karmin mit vielen Weißbeimischungen und Schattierungen. Bei der Behandlung des Inkarnats fallen Weiß- und Rothöhungen auf.

I–6 PASSIONSSZENEN Begleitende Medaillons im LHs, die mittleren kreisrund, die äußeren leicht hochoval; thematisch auf die Kreuzthematik bezogen (s. Erhaltungszustand).

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Aufkirchen, 127000101: Pfarrbeschreibung.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 269 f. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 255. KDB I (OB) Bd 1, S. 474. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 341. Dehio 1990, S. 1003. Landkreisbuch Fürstenfeldbruck 1992, S. 571. C. B.