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Ramerberg, Pfarrkirche St. Leonhard

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 417–420, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (seit 1815), von Rott am Inn aus betreut, Gemeinde Ramerberg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Attel (seit 1604), die der Benediktinerabtei Attel inkorporiert war und von dortigen Konventualen versehen wurde. Gericht Wasserburg

Patrozinium: St. Leonhard

Zum Bauwerk: Spätgotische Kirche, deren Langhaus auf romanischen Mauern basiert. Als Weihedatum des Hochaltars ist der 25.4.1440 überliefert. Barocker Hochaltar wohl 1680/1700. Umgestaltung des Raums in spätem Rokokostil 1777, damals wurden die Gewölberippen abgeschlagen. Zwei neue Spätrokoko-Seitenaltäre, Maria vom Siege und Josephsaltar; die Figur des hl. Joseph ist Joseph Götsch zuzuschreiben, wie auch zwei Figuren am Hochaltar, die Heiligen Nikolaus und Benedikt. Die Auszugsbilder der Seitenaltäre sind nach Scheglmann von Franz Ignaz Oefele. 1937 Erweiterung des LHs nach Westen um zwei Joche.

Der Kirchenraum

Saal zu fünf Jochen (die zwei westlichen neu), Gliederung durch Wandpfeiler, Westempore in der Tiefe von drei Jochen. Belichtung im Bereich des ursprünglichen LHs durch ein Fenster im N und zwei im S. AR nicht eingezogen, drei Joche, dreiseitiger Schluß, Gliederung durch Wandpfeiler, Belichtung durch drei Fenster im S.

Auftraggeber: Abt Dominikus I. Gerl von Attel (1757-89), der im darauffolgenden Jahr den Mönchschor in Attel ebenfalls durch Franz Xaver Lamp ausmalen ließ. Die drei Figuren in Fresko B, die zeitgenössische Tracht tragen und individuelle Züge zeigen, sind wohl Hinweis auf private Spender.

Autor und Entstehungszeit: Franz Xaver Lamp (* Rottweil/Württemberg † 1816 München unbekannt) 1777. Signatur in A F: Xaverij Lamp Pinxit Monachi 1777.

Der Kirchenraum

Franz Xaver Lamp war 1771 Schüler des Hofmalers Franz Ignaz Oefele in München. Er hatte 1775 bereits die zu Attel gehörige Kirche in Griesstätt ausgemalt – sein erstes bekanntes Werk – und im Jahr 1776 den Mönchschor in Attel freskiert (s. S. 172 und 61).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B) verschliffene Netzgewölbe

Rahmen: A gemalter Blattkranz mit in den Achsen und Diagonalen übergreifenden Rocailleornamenten; B gemalter Blattkranz, in den Achsen von dünnem Akanthus umwunden und von Rocailleornamenten übergriffen

Technik: Fresko; beide Deckenbilder sind polychrom

B St. Leonhard als Patron von Ramerberg (Franz Xaver Lamp 1777)

A St. Leonhard als Patron der Besessenen, Kranken und Gefangenen

Maße: A Höhe 7,15 m; 5,50 × 3,45 B Höhe 6,70 m; 5,70 × 2,75

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Innenrestaurierung 1810 wurde die ursprüngliche ornamentale Malerei in Rot übermalt und der Raum bis auf die Deckenbilder weiß getüncht. 1845/48 plante man eine »innere Verschönerung« der Kirche. Der Maler Harwand aus Rott am Inn machte Skizzen zu einer Grünfassung des Raums, »mit weißen Stockhatur-Malereien verziert«. Die Fresken, als »läpische Bildfelder« bezeichnet, sollten überstrichen werden. Die Bauinspektion Rosenheim gab Harwands Pläne zurück: der Wasserburger Maler Johann Baptist Lueginger solle sie überarbeiten. Über die Ausführung ist nichts bekannt. Neue, »gotische« Raumfassung (steinfarbene Felderung im Muster eines Netzgewölbes) 1889 durch Korbinian Rothhuber von Laufen, der im Chor ein Deckenbild >Lamm Gottes malte, begleitet von vier großen Engeln (Photo im Pfarrarchiv). Gutachten 1910 vor einer geplanten Restaurierung: »Die jetzige Bemalung ist in einfacher Weise gothisch ausgeführt.« Damals war im Langhaus unter den Tünchschichten das Bildfeld von 1777 erkennbar. Nach der Erweiterung des Langhauses 1937 Weißfassung des Raums. Die Fresken wurden durch den Wasserburger Maler Peter Fellner aufgedeckt und von Johann Baumann aus München restauriert. Befunduntersuchung 1989 durch Helmut Knorr, Grafing. Starker Längsriß in A, Verschmutzungen; Haarrisse in B. Veränderungen durch Übermalungen bei der Auffrischung der Fresken nach der Aufdeckung.

Beschreibung und Ikonographie

A ST. LEONHARD ALS PATRON DER BESESSENEN KRANKEN UND GEFANGENEN Das Freskofeld erstreckt sich über die zwei östlichen Langhausjoche. Das Bild zeigt eine weite hügelige Landschaft mit Bäumen und einem Bächlein im Vordergrund. Darüber öffnet sich im Himmel eine runde Strahlenglorie, von Wolken und Engeln umgeben. Im Zentrum des Bildes steht der hl. Leonhard von Noblac in Benediktinertracht. Er legt einem Besessenen, der vor ihm am Boden sitzt und von einem Begleiter gehalten wird, die Rechte auf das Haupt; mit der Linken hält er ein Kreuz hoch. Der böse Geist entflieht aus dem Mund des Besessenen in Gestalt eines kleinen schwarzen Drachens. Links kniet unter einem Baum ein bärtiger Greis mit Turban und Kette. Rechts sieht man eine Gruppe von Kranken und Krüppeln; eine Bäuerin, deren Krücken neben ihr liegen, ist im Vordergrund dargestellt; sie hebt die Hände flehend zu Leonhard auf. Aus dem Hintergrund kommt über einen steilen Pfad ein Blinder, der von einem Begleiter am Stock geführt wird. Hinter der Gestalt des Heiligen sieht man zu Seiten eines kleinen Hügels eine rohgezimmerte Klause mit grasbewachsenem Strohdach, in der ein Totenkopf zu erkennen ist.

Mit der Heilung eines Besessenen ist hier keine bestimmte überlieferte Szene gemeint. Die Hütte im Hintergrund zeigt, daß sich die Darstellung auf Leonhards Leben in der Einsiedelei bezieht, an einem Platz, den ihm der König von Frankreich geschenkt hatte. Dort erbaute er sich eine Hütte und eine Kapelle. Zunächst litt er unter Wassermangel, doch ließ Gott auf sein Gebet hin eine Quelle entspringen: sie ist im Vordergrund des Bildes zu sehen. In dieser Einsiedelei wirkte Leonhard viele Wunder: es »beehrete ihn der allmächtige Gott mit dem Gewalt und Gnad der Wunderthaten, also daß er die böse Feind aus den Besessenen triebe, den Tauben das Gehör, den Blinden das Gesicht, den Lahmen die geraden Glieder, und vilen anderen Presthafften die verlangte Gesundheit vilfältig verliehe« (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 698). Leonhard war in erster Linie Patron der Gefangenen: darauf bezieht sich die Kette als Attribut sowie der Mann in Turban und Ketten links. »Was aber aus allen das verwunderlichste ware die Erledigung der Gefangenen: dann es möchten dise in Thürnen, Gewölberen und untererdigen Klufften so vest beschlossen und verwahret stecken, als immer möglich, entkamen sie dannoch, nach Anruffung der Fürbitt Leonardi ...« (ebd. S. 600).

B ST. LEONHARD ALS PATRON VON RAMERBERG Das langgestreckte Chorfresko zeigt eine bäuerliche Landschaft, wo inmitten von Feldern, Zaun, Wiesen und Wäldern sowie einem kleinen Gehöft im Hintergrund die Kirche von Ramerberg dargestellt ist. Bauern mit ihrem Vieh haben sich hier schutzsuchend versammelt und blicken zu dem Heiligen als dem Viehpatron auf, der auf einer Wolke kniet. Enge umgeben ihn und halten seine Attribute: Buch und Kette sowie Mitra und Stab, die ihn als Abt des Klosters Noblac auszeichnen. Der Heilige blickt nach oben, wo in Wolken und von Licht umgeben Christus Salvator erscheint, und weist diese mit einer Handbewegung auf die Bittflehenden hin, die sich an ihn als Vermittler wenden.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Attel, 122 8500 00: Beschreibung der Expositur Ramerberg; 122 8532 01: Filialkirche Ramerberg 1889-1934.

Kunstreferat der Erzdiözese, Stefan Nadler und Maria Hildebrandt, Kath. Pfarrkirche St. Leonhard in Ramerberg. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte, Ms 2004.

Pfarrarchiv Ramerberg, Akt Baufälle und Restaurierungen ab 1825, mit zahlreichen Plänen.

BLtD, Akt Ramerberg, Pfarrkirche St. Leonhard.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 62. Kalender für katholische Christen 27, 1876, S. 105 f. Geographisch-Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern, Ulm 1796, S. 807. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 519f., 524.

KDB LOB (2) S 2024

Mitterwieser, Alois, Geschichte der Benediktinerabteien Rott und Attel am Inn, Watzling 1929.

Schinagl, Paul, Die Abtei Attel in der Neuzeit (1500–1803), (= Münchener Theologische Studien, Historische Abteilung

Pehio 1990, S. 1002.

Birkmaier, Willi, »Dem hl. Leonard hechsten Danckh...«. Das Mirakelbuch von Ramerberg, in: Heimat am Inn 14/15, 1994/95, Wasserburg 1996, S. 195-252. A. B.

ROSENHEIM

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