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Raitenhaslach, ehem. Zisterzienserabtei, Lusthäuschen im Abtsgarten

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 214–216, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Lusthäuschen im Abtsgarten – »Aula minor«

Zum Bauwerk: Zwischen dem Festsaaltrakt und dem sog. Gartenstöckl lag zur Salzach hin geschützt nach Südosten der Garten des Abtes. Die Chronik Abt Robert Pendtners berichtet, dieser habe den Garten in eleganter Form wieder herstellen lassen, mit reich fließenden Wassern, Malereien und italienischen Bäumchen geschmückt: »Insuper...hortulum Salzam respicientem eleganti formae restituit, aquis jugiter manantibus, nec non picturis, ac arbusculis Italicis ad delicias usque locupletavit« (BSB, Clm 1429, fol. 196).

In diesem Abtsgarten war ein Gartenhaus, ein freistehender Rundbau mit flankierenden Räumen, der auf Glonners Bauaufnahme von 1803 an der Südseite des Abtsgartens zu sehen ist (P 1240). Auf der Ansicht des Klosters aus der Vogelschau (P 429, siehe S. 177) sieht man in der Querachse des geometrischen Gartenbeets direkt über dem Hochufer ein zweistöckiges Lusthaus. Der Brunnen ist in der Mitte des Gartens eingezeichnet, wo heute noch ein Brunnen besteht.

Auftraggeber: Abt Emanuel II. Mayr von Raitenhaslach (1759-80)

Autor und Entstehungszeit: Martin Heigl (* unbekannt † 1774 München) und Franz Joseph Soll (* 1735 Friedingen † 1780 Trostberg) um 1765

Das Datum für die Ausmalung ist aus den Annalen zu rekonstruieren. Der große Festsaal (Aula maior) wird im Zusammenhang mit dem Lusthäuschen (Aula minor) beschrieben und beide vor dem Erdrutsch im August 1766.

Die Chronik Abt Emanuels nennt die Zusammenarbeit von Heigl und Soll und beschreibt das Lusthaus, den Garten mit einem Springbrunnen, den süßen Duft der Orangenbäume, die Terrasse am Gartenhaus, und dieses selbst, innen und außen aufs anmutigste geschmückt durch den kunstreichen Pinsel Heigls und Solls: »...coronidem tandem elegantiarum imponi vicinum abbatiale viretum Salzam et meridiem versus declinans, quod aquae frigidae e fontana in altum prosiliente... admodum altitudinem protrudit:/ quosque advocat: Trahit e florum fragrantia, et suavissimo pomi aurantii odore, ac aula minoris terrae contiguae cum evagante solario, otio industrio utiliter deservientis, intus et foris artificiosissimo quum Heigeliano, tum Sollensi penicillo excultae amoenitatibus compellit« (BSB, Clm 12536, fol. 62 v).

Hauntinger nennt nur Heigl als Autor: »Von diesem (großen Saal führte man uns in ein kleines, aber sehr nidliches Gärtlein worin das Lusthäuschen von dem eben besagten Haygel sehr gut und kunstreich gemalt ist. Hier kann man auf einen Balkor hinaustreten, von wo die Aussicht auf die ganz nahe, wild vor beirauschende Salzach sehr entzückend ist«.

Quellen und Literatur: BSB, Clm 12536, fol. 62 v – 63 r. Hauntinger 1800

Quellen und Literatur

Quellen (Bei der Übersetzung der Annalen half mir Dr Johann Dorner, Burghausen)

BSB (Bayerische Staatsbibliothek), clm (codex latinus monacensis.) 1429: Annales Raitenhaslacensis Monasterii Pars III. Band 3 der Chronik von P. Joh. Tachler, Abschrift und Ergänzungen von P. Sebastian Feller 1738–59.

BSB, clm 12536: Emanuel II. huius nominis Abbas in Raiten haslach. Jahrbuch der Amtszeit Emanuel II. (8.3. 1759 - † 20.6. 1780) Fortsetzung der Annalen.

BHStA, GL 3049 Nr. 55 Gerichtsregistraturen Neuötting Geistl. Rat 1767–1804: Abtswahlen.

BHStA, KL 165: Säkularisationsakten von Raitenhaslach. Bü cherverzeichnis.

BHStA, KL 616/4, Kiste Nr. 80: Säkularisationsakten von Ra tenhaslach: Gemäldeverzeichnis von G. Dillis.

Hauntinger, P. Blasius, Reiseaufzeichnungen vom 19.6.1800 s. Krausen 1954.

StA Burghausen, Krick, Lothar, Die ehemalige Klosterkirche nunmehrige Pfarrkirche Raitenhaslach und die Filial- und Wallfahrtskirche in Marienberg, Ms. 1897.

Quellen und Literatur

Wening 1721, S. 32-34: Raitenhaslach (mit Auflistung der Grab legen), Abb. S. 64–65.

Bonaventura Regenstauffensis (Kapuziner), Trauerrede auf Abt Robertus ... als ein der Baukunst Besterfahrender Salomon, Burghausen 1756 (BSB 2 Bavar. 970, XI, 19)

Jacobus von Straubing (Kapuziner), Trauerrede auf den todtlichen Hintritt...Abt Emanuels 1780 (BSB Fiche 2 Bavar 970,IV,11).

Meidinger, Franz Sebastian, Historische Beschreibung der kurfürstlichen Haupt- und Regierungsstädte in Niederbayern, Landshut und Straubing, mit einer ansehnlichen Gemäldensammlung der Kirchen verschiedener Städte und hohen Prälaturen, Landshut 1787, S. 362 f.

Meidinger, Franz Sebastian, Historische Beschreibung verschiedener Städte und Märkte der kurfürstlich pfalzbaierischen Rentämter München, Burghausen, Landshut und Straubing, Landshut 1790, S. 88.

Jansens, Joseph Aloys, Trauerrede auf den tödtlichen Hintritt...Herrn Theobalds, Burghausen 1792 (BSB 2 Bavar. 970,XII-3).

KDB IOB (8), S. 2304-05, 2592-2621.

Krausen, Edgar, Raitenhaslach (=KKF Nr. 22) 1934.

-, Das Zisterzienserstift Raitenhaslach im Jahr 1800, in: Heimatland, Beilage zum Oettinger und Burghauser Anzeiger 1954, Nr. 12 (kommentierte Fassung der Reiseaufzeichnungen des P. Blasius Hauntinger, Benediktiners aus Rheinau/ Schweiz, vom 19.6. 1800).

-, Künstler und Kunsthandwerker im Dienst der Zisterzienser in Raitenhaslach (=Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 8), 1974.

Kreilinger, Kilian, Der bayerische Rokokobaumeister Franz Alois Mayr (= Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 9) 1976.

Thon, Christina, Johann Baptist Zimmermann, München- Zürich 1977, S. 175–78.

Krausen, Edgar, Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach, in: Germania Sacra. Neue Folge 11, Das Erzbistum Salzburg, Band 1, Berlin - New York 1977 (Monographie von Raitenhaslach unter Auswertung sämtlicher bekannter Quellen, BSB Hbh Lp 2358/11 oder Z 64.784-11).

Dorner, Johann, Die Inschriften von Raitenhaslach (= Burghauser Geschichtsblätter 38) 1982.

Burger, Hannes, Festschrift 800 Jahre Klosterkirche Raitenhaslach, hg. von der Pfarrgemeinde St. Georg, Grafenau 1987. Hopfgartner, Wolfgang, 1200 Jahre Raitenhaslach (= Burghauser Geschichtsblätter 43), 1987 (mit Plänen und Ansichten).

Goerge, Dieter, Ein Burghauser Barockjuwel strahlt im neuen Glanz, in: Oettinger Land 9, 1989, S. 245 (Zuschreibung des Hochaltars an Jakob Schnabel).

Kupterschmied, Thomas Johannes, Der Freskant J. Martin Heigl. Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbständige Werke (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1989.

Strieder, Barbara, Johann Zick (1702–1762), Die Fresken und Deckengemälde (= Manuskripte zur Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft, hg. von Ferdinand Werner), Worms 1990, S. 26–33. (BSB Art. 85, 1117–33)

Leutheußer, Sabine, Die barocken Ausstattungsprogramme der ehemaligen Zisterzienser-Abteikirchen Waldsassen, Fürstenfeld und Raitenhaslach, Diss. Freiburg 1990 (= tuduv Bd 61), München 1993. (BSB Art. 93, 2877)

Demmel, Fritz und Wolfgang Hopfgartner, Die Kirchen der Raitenhaslacher Klosterannalen des 18. Jh., Teil 1 und 2, in: Oettinger Land 10, 1990, S. 212–251 und 11, 1991, S. 132–148. Hopfgartner, Wolfgang, Raitenhaslach (=KKF Nr. 22), 1992.

Die Barockisierung der Klosterkirche Raitenhaslach – Zum 250. Jahrestag einer Bauphase, in: Oettinger Land 13, 1993, S. 166–208.

Demmel, Fritz, Die Burghauser Stadtmaurermeister Franz Anton und Joseph Glonner. Ein Beitrag zur Architektur der Stadt zwischen 1777 und 1842 (= Burghauser Geschichtsblätter 48) 1995.

Hopfgartner, Wolfgang, Ausstellungskatalog zur 850. Wiederkehr der Besiedelung des ehem. Zisterzienserklosters Raitenhaslach, hg. von der Stadt Burghausen 1996.

Pläne von Raitenhaslach

Folgende Pläne sind herangezogen worden (alle Stadtarchiv Burghausen; Abb. bei Hopfgartner 1987, Demmel 1995): Der gesamte Klosterkomplex:

P 321 Topographische Aufnahme des Klosters Raitenhaslach aus dem Jahr 1806 (F. A. Glonner; Demmel, Abb. 59)

P 429 Vogelschau auf Raitenhaslach mit Scheuerhof, Marienberg, Burghausen, um 1792. Federzeichnung, Wiese grün aquarelliert, 46×31,5 cm (Abb. S. 177)

P 430a-c »Das ganze Klostergebäu zu Raittenhaslach wie selbes bey Auffebung 1803 gestanden ist, Ausgemessen und aufgenumen von Franz Anton Glonner K:B: provincial Hofbauwerckmeister Burghausen.«

P 430a »Erster Grund zu ebner Erd« (KDB, S. 2609, Hopfgartner, Abb. 83)

P 430b r. »2ter Grund Plan«

P 430b v. »3ter Grundplan

P 435 »Kloster Raitenhaslach gänzliche Aufnam von Glonner in Burghausen« 1803, 1. OG, Bleistift, Entwurfszeichnung zu P 1240? (60 Schuh = 12 cm)

P 1237 Kolorierte Bleistiftzeichnung der Klosteranlage von 1812, gefertigt von Ignatz Pfitzer (Hopfgartner, Abb. 29).

P 1240 Großer Plan der Klosteranlage um 1803 (70×100 cm) P 436a-d Konventgebäude, Neubaupläne von Franz Alois Mayr um 1766. Die vorhandenen Bauten schwarz, das neu zu Erbauende »rot ausgeduscht«, mit ausführlicher Beschriftung

10, 10 P 436a Zeichnung zu P 436h Erdgeschoß

P 436b Erdgeschoß (Der Prälatentrakt hat 4+17+4 Achsen; gebaut sind 4+16+4)

P 436c 1. Obergeschoß (der Festsaal ist mit 7 Fensterachsen eingezeichnet)

P 436d 2. Obergeschoß (die »Stuba aulica minor« ist um eine Achse verschoben und hat nur 2 Fensterachsen)

P 323 a – b Prälatenstock:

P 323 a »Der Große Hofstock von Kloster Raitenhaslach, aufgenommen Ant: Glonner jun.« (3 Geschosse auf einem Plan) P 323b (Gleicher Plan mit drei Umbauvorschlägen in eine Schule)

P 1236–1239 Aufrisse des Festsaalstocks:

P 1236 »Profil vom Speissaal inwendig« (Glonner jun. nach Mayr um 1763; Hopfgartner, Abb. 87)

P 1238 »Profil vom Speissaal in: und auswendig« (Glonner jun. nach Mayr um 1763; Hopfgartner, Abb. 86)

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , P 1239 »Profil vom kleinen Gartenstöckl und großen Saalstock« (Glonner sen.; Demmel, Abb. 59a) C. B.

SANKT JOHANN bei OBERESCHLBACH