Preetz, ehem Haus Mühlenstraße 6
Inventarnummer: cbdd20190
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Aus dem 1962 abgerissenen Haus Mühlenstraße haben sich einige Decken- und Wandgemälde aus der Zeit von ca. 1680 erhalten. Sie befinden sich transloziert im Freiluft Museum Molfsee in einem Pfarrhaus aus Grube und zeigen biblische Szenen.

Preetz, das ehem. Haus Mühlenstraße 6
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus[1]stand an der Ostseite der Mühlenstraße, unweit des Marktplatzes von Preetz.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude stammte im Kern wohl aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Um 1680 und erneut am Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Umgestaltung im Innern. 1962 wurde das Haus gegen den Rat der Denkmalpflege und trotz Proteste von Bürgern abgebrochen, um den Marktplatz zu verbreitern.[2]Über die historische Funktion des Gebäudes gibt es unterschiedliche Meinungen. Es wird sowohl als Bürgerhaus als auch als Patrizierhaus bezeichnet. Es wurde sogar vermutet, dass es sich um eine repräsentative Adelsherberge gehandelt haben könnte.[3] Teile der Decken- und Wandmalerei des Hauses wurden 1962 gerettet und später in das Kammerfach des Pfarrhauses Grube im Freilichtmuseum Molfsee wieder eingebaut.[4]
Beschreibung
Das eingeschossige verhältnismäßig breite Giebelhaus von Fachwerk unter einem zur Straße hin abgewalmten Satteldach hatte eine Grundfläche von 12,60 auf 16,90 Metern. Zur Straße hin lagen drei Räume. Durch einen Flur erreichte man einen Raum in der Tiefe des Hauses, der wohl ehemals Bestandteil einer großen Querdiele in der Hausmitte gewesen war. Von hier führte eine Treppe in das Obergeschoss. Die Diele wurde später unterteilt. Aus dem angrenzenden zentralen Restraum der ehemaligen Diele führte eine Treppe zu einem an der Hofseite über einem Keller erhöht gelegenen Schlafzimmer mit Alkoven. Das Schlafzimmer war teilweise ausgemalt. Im Dachgeschoss gab es zur Straßenseite hin ebenfalls Räume mit Alkoven und Malereien.[5]
Das Kammerfach im Pfarrhaus aus Grube und die translozierten Malereireste aus Preetz
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Reste der malerischen Ausstattung haben sich im Pfarrhaus aus Grube im Freilichtmuseum Molfsee erhalten. Sie wurden dort in das ehemalige Kammerfach (die südliche Stube) eingebaut. Unklar ist, ob die Malerei ursprünglich für das Haus Mühlenstraße 6 geschaffen oder dort in Zweitverwendung angebracht wurde. Janzen vermutete 2022, sie könnte aus einem der Gebäude des Klosters in Preetz stammen. Nach dem Abbruch des Hauses 1962 sollte die Malerei ursprünglich in das im Aufbau befindliche Kreisheimatmuseum in Plön kommen. Um 1970 gelangte sie dann aber nach Molfsee, wurde 1972 restauriert und kam anschließend in das Pfarrhaus aus Grube.[6]
Beschreibung
In Molfsee werden im Kammerfach des Pfarrhauses eine bemalte Decke und vier Wandbilder präsentiert. Die erheblich kleinere Decke aus Preetz wurde an der Fensterseite der Decke aus Grube eingebaut. Beiderseits der Eingangstür wurden zwei bemalte Bretterwände aus dem Erdgeschoss eingepasst. Ein drittes Bild ist verloren. Gegenüber dem Eingang sind zwei Wandbilder aus dem Zwischen- oder Obergeschoss über Eck an die Wand gehängt. Sie wurden verkleinert und gerahmt.[7]
Die Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei der Holzbretterdecke dürfte der Ausstattungsphase um 1680 entstammen. 1962 wurde diese ausgebaut, 1972 restauriert und anschließend an seinen gegenwärtigen Platz gebracht. Es handelt sich nur um eine Fache der ursprünglichen Decke.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke ist mittels malerischer Mittel in drei unterschiedlich große Felder unterteilt: Ein annähernd quadratisches Mittelfeld und zwei schmale Seitenfelder. Mit bunten Blumen bemalte fingierte Unterzüge scheinen die Felder voneinander zu trennen. Diese nehmen jeweils ein großes Medaillon auf. Sie sind von monochromem Blattwerk hinterfangen. Innerhalb der fingierten vergoldeten Stuckrahmen der Medaillons ist heute keine Malerei mehr sichtbar. Auch auf Fotografien vor 1962 ist keine zu erkennen.
Die Wandmalereireste aus dem Erdgeschoss
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Bemalung der Bretterwände dürfte zusammen mit der Umgestaltung des Hauses um 1680 entstanden sein. 1962 wurden die Bretter ausgebaut, 1972 restauriert und anschließend an ihren gegenwärtigen Platz gebracht.[8] Nach Fotografien von 1962 befanden sich an den Wänden im Untergeschoss fünf Malereien, die sich thematisch drei verschiedenen Gruppen zuordnen lassen. Zwei Gruppen mit biblischen Szenen stammten dabei aus einem Raum. Zwei Malereien davon haben sich erhalten. Zwei weitere mit Landschaftsdarstellungen aus einem anderen Raum sind verloren.[9]
Beschreibung und Ikonographie
Die einzelnen Bilder sind von bunten Blumen gerahmt. Diese Rahmungen gleichen jenen der fingierten Balken an der Decke. Links der Eingangstür sieht man eine Frau und drei kleine Kinder. Der Blick fällt durch eine Tür auf die Frau. Die teilweise nur mit Windeln bekleideten Kinder verlassen das Haus. Das Thema der Darstellung ist unbekannt. Es könnte sich um eine Verbildung der strengen Erziehung gemäß Sirach 42 handeln.[10]Rechts der Eingangstür ist eine Szene aus dem Buch Tobit zu sehen. Man erblickt mehrere Männer, die sich nach links orientieren. Rechts steht ein Engel. Es handelt sich um jenen Moment, in dem Tobit, der nach Hause gekommen ist, seinen blinden Vater heilt. Das Bild ist rechts stark verkürzt, was ein Vergleich mit Fotografien von 1962 offenbart.[11] Des Weiteren gab es eine heute verlorene Malerei, die zeigte, wie Tobit unter Anleitung des Engels Raffael einen Fisch fängt und die Galle herausnimmt, mit der er seinen Vater heilen wird. Eine Fotografie von 1962 zeigt einen Teil des Gemäldes. Tobit kniet am Wasser und nimmt den Fisch aus, links hinter ihm steht Raffael.[12]
Die Wandmalereireste aus dem Zwischengeschoss
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist vermutlich zusammen mit der Umgestaltung des Hauses um 1680 entstanden. 1962 wurde sie ausgebaut, 1972 restauriert sowie gerahmt und anschließend an ihren gegenwärtigen Platz gebracht.[8]Sie befand sich ursprünglich in einem Alkoven im Zwischengeschoss. Damals war sie größer, wie eine Fotografie von 1962 belegt.
Beschreibung und Ikonographie
Die beiden Darstellungen sind schwer zu bestimmen. Jedes Bild zeigt zwei Menschen in einer Landschaft. Auf dem ersten hilft eine Frau einem nackten oder auch kranken Mann. Auf dem zweiten weist ein Mann aufgeregt auf eine Frau bzw. deren Kopf, die ihre rechte Hand abwehrend emporhält. Janzen hat vorgeschlagen, in der ersten Darstellung eine Verbildlichung der Seligpreisung der Barmherzigkeit zu sehen und in der zweiten einen Verweis auf ein Gleichnis: „Was siehst Du den Splitter in Deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in Deinem Auge?“ (Mt 7,3 f.).[13]
Zwei verlorende Landschaften aus dem Erdgeschoss
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Fotografisch sind zwei Wandmalereien aus dem Erdgeschoss dokumentiert, deren Verbleib nach 1962 unbekannt ist.[14]
Beschreibung und Ikonographie
Die Malereien zeigten zwei idyllische Landschaften. Im Bildvordergrund war jeweils ein Baum zu sehen, im Bildmittelgrund der dunkle Umriss eines Menschen.[15]
Bibliographie
- Literatur:
- Heintzen/Pauselius, Preetz, 1998. – Heintzen, Heinke/Pauselius, Peter: Häuserbruch der Stadt Preetz. Dokumentation aller Häuser des Stadtkerns und ihrer Eigentümer zwischen 1733 und 1880. Großbarkau 1998.
- Janzen, Pfarrhaus, 2022. – Janzen, Johann-Albrecht G. H.: Eine Klasse für sich — Das ehemalige Pfarrhaus aus Grube, in: Berichte aus dem Freilichtmuseum Molfsee 52 (2022), S. 126-141.
- Janzen, Preetzer Schätzen, 2021. – Janzen, Johann-Albrecht G. H.: Von Preetzer Schätzen im Freilichtmuseum Molfsee, in: „… aus Preetzer Geschichte ...“. Informationsblatt des Heimatvereins Preetz und Umgebung e.V. 28 (2021), S. 33-43.
- Kamphausen, Grube, 1972. – Kamphausen, Alfred: Das alte Pfarrhaus von Grube, in: Berichte aus dem Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum 9 (1972), S. 5-22.
- Stender, Bürgerhaus, 1971. – Stender, Friedrich: Das Bürgerhaus in Schleswig-Holstein. Tübingen 1971.
Einzelnachweise
- ↑ Heintzen/Pauselius, Preetz, 1998, S. 72-75; Stender, Bürgerhaus, 1971, S. 103.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 132; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 33-34; Heintzen/Pauselius, Preetz, 1998, S. 73-74; Stender, Bürgerhaus, 1971, S. 103, 232.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 132; Heintzen/Pauselius, Preetz, 1998, S. 75.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 131.
- ↑ Stender, Bürgerhaus, 1971, S. 103, 232.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 131-132; Kamphausen, Grube, 1972; Stender, Bürgerhaus, 1971, S. 232.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133-135.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 33; Kamphausen, Grube, 1972; Stender, Bürgerhaus, 1971, S. 103.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 33, 35.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S 135; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 37-38.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133-135; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 36-38.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133-135; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 35-37.
- ↑ Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 39-40.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133.
- ↑ Janzen, Pfarrhaus, 2022, S. 133; Janzen, Preetzer Schätze, 2021, S. 35-36.