Hertzig, Stefan:Pirna, Lange Straße 30, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/df81e536-6425-4da4-b967-88dabf34ddbf

Inventarnummer: cbdd20058

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das spätgotische Haus, im 16. und 17. Jh. umgebaut, beeindruckt mit Renaissancefenstergewänden, Ecklisenen und einem auffälligen Staffelgiebel zur Langen Straße hin. Im 1. OG befindet sich eine reich verzierte Holzbalkendecke aus dem 17. Jh. mit Akanthusblattvoluten und einer Justitia-Darstellung.

Pirna, Lange Straße 30
Pirna, Lange Straße 30

Das Bauwerk

 
Pirna, Lange Straße 30

Das spätgotische Haus war zur Mitte des 16. Jahrhunderts überformt und im 17. Jahrhundert mit einem Giebel versehen worden. Das große, dreigeschossige Gebäude von acht (Lange Straße) zu sieben (Niederere Burgstraße) Achsen weist ein durchgängig genutetes Erdgeschoss, Renaissancefenstergewände, sowie Ecklisenen und durchgehende Stockwerksgesimse auf. Ein hohes Satteldach mit Schleppgaupen in zwei Reihen bildet den Abschluss. Der einzige größere Zierrat des Hauses bildet aber der zur Langen Straße hin gelegene, schöne, zweiachsige und drei Geschosse hohe Staffelgiebel, welcher mit Voluten, Stockwerksgesimsen und kleinen Pilastern geschmückt ist.[1]

Die Deckenmalerei im 1. Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss des Hauses befindet sich eine reich geschmückte Holzbalkendecke mit einer Bemalung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Wechselweise ist diese in lichtgrauen, dunkelgrau-anthrazitfarben oder auch hellbräunlichen Tönen gehalten.[2] Die profilierten Unterzugsbalken sind durchgängig mit hellgrauen Marmorierungen bemalt, welche sich auch an einem Teil der schmalen Felder befinden, die an der Decke durch kleinere, profilierte Querbalken abgetrennt werden. Die zweite Gruppe der schmalen Abschnitte ist hingegen mit breiten, vierteiligen Blütenketten mit jeweils einer einzelnen Blüte in der Mitte geschmückt. Die breiten Hauptfelder der Decke zieren schließlich in die Fläche ausgebreitete und dabei plastisch wiedergegebene Akanthusblattvoluten. Als eine Besonderheit ist einer der Ranken in der Mitte durch eine kleine emblematische Darstellung bereichert: Eine inmitten der Blätter stehende, kleine Justitia mit Augenbinde, Schwert, Waage sowie der Aufschrift „Nisi Justitiam qua […]“.[3]

Bibliographie

  • Dehio, Handbuch, 1996 – Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin 1996
  • Sandner, Die Bemalung, 2006 – Sandner, Ingo,: Die Bemalung historischer Holzdecken in Pirnaer Bürgerhäusern – Funde seit 1990, in: Pirnaer Hefte. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte, Baugeschichte und Denkmalpflege, 6 (2006), S. 23–45.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Handbuch, 1996, S. 706.
  2. Die Braunfärbung einiger Deckenfelder kann auch auf spätere Bauschäden zurückzuführen sein, wie etwa thermische Veränderungen oder Nässeschäden.
  3. Sandner, Die Bemalung, 2006, S. 38f.