Pansfelde, Burg Falkenstein
Inventarnummer: cbdd10563
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Auf Burg Falkenstein ist eine im Jahr 1595 ausgemalte Schlosskapelle erhalten. Ihr Bildprogramm hat die Erlösung der Gläubigen durch den Kreuzestod Christi zum Inhalt.

Burg Falkenstein
Kurzbeschreibung und Lage
Burg Falkenstein [1] erhebt sich oberhalb der Selke auf einem Felsrücken im Wald, rund drei Kilometer nördlich von Pansfelde.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Die Burg geht auf eine Anlage des 12. Jahrhunderts zurück und wurde beständig den sich wandelnden Anforderungen angepasst. Von 1437 bis 1945 befand sich die Burg im Besitz der Familie von der Asseburg. Ab 1769 diente Burg Falkenstein allerdings nicht mehr als Hauptwohnsitz der Familie und wurde seither überwiegend für Jagdaufenthalte genutzt. Vor allem vom späten 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert sowie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten viele, bis heute prägende, Modernisierungen und Umbauten. Seit 1946 wird die Burg als Museum genutzt. Sie wurde seitdem mehrfach saniert und im Innern behutsam an den Museumsbetrieb angepasst.[2]
Beschreibung
Die Burg misst rund 310 auf 90 Meter und setzte sich aus drei Vorburgen sowie einer Kernburg zusammen. Die vom Prinzip her dreieckige Kernburg ist etwa 40 x 40 Meter groß. Im Osten zur Angriffsseite steht vor einem Turm eine Schildmauer, welche die Spitze des Dreiecks abrundet. Die Einfahrt in den Burghof befindet sich gegenüber im Westen. Nördlich von dieser liegt die Burg- bzw. Schlosskapelle.
Die Kapelle
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Kapelle ist Anfang des 13. Jahrhunderts in das bestehende Gebäude eingefügt worden. Augustus I. von der Asseburg ließ sie 1593-94 modernisieren, wobei unter anderem eine Empore im Westen und ein neues Maßwerkfenster hinter dem Altar eingebaut wurden. 1595 folgte eine neue Ausmalung. Ende des 17. Jahrhunderts kam ein Herrschaftsstand an der Südwand hinzu. 1832 wurden umfangreiche Renovierungen durchgeführt. Ab 1981 sowie von 1999 bis 2001 erfolgten Restaurierungsarbeiten.[3]
Beschreibung
Die zweigeschossige Kapelle mit annähernd quadratischem Grundriss wird von einem Kreuzgratgewölbe überfangen. Der Zugang erfolgt von Süden. Über dem Eingang befindet sich in der Gewölbezone ein Herrschaftsstand. Im Osten steht der Altar vor dem großen Maßwerkfenster, im Westen steht sich die Empore. An der Nordwand hängt neben der Kanzel ein Kruzifix. Die Emporenbrüstung zeigt Malereien, welche die Erlösung des Menschen durch Gott thematisieren: die Verkündigung, die Flucht nach Ägypten, die Brotmehrung, Jakob schaut die Himmelsleiter, das Opfer Isaaks bzw. der Dank von Abraham und Isaak nach der Stellung des Widders als Ersatz für das Menschenopfer. Begleitende Texte geben die Interpretation der Darstellungen vor. Die Malerei ist inschriftliche auf 1594 datiert. Die Unterseite der Empore ziert gemaltes Rollwerk mit ebenfalls gemalten Diamantquadern.
Die Decken- und Wandmalerei in der Kapelle
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gewölbe und die Wände der Decke sind 1595 für Augustus I. von der Asseburg ausgemalt worden; die Malerei ist an der Nordwand inschriftlich datiert. 1832 wurden die Malereien durch Wilhelm Ruprecht aus Halberstadt und O. Müller aus Stettin in grellen Farben überarbeitet und vergröbert. Seit 1981 erfolgten Versuche zur Rückgewinnung der ursprünglichen Malerei. Eine weitere Restaurierung 1999-2001 beschränkte sich schließlich jedoch auf eine konservierende Sicherung im überkommenen Fassungsbestand.[4]
Beschreibung und Ikonographie
In die vier Gewölbekappen gemalt erscheinen auf weißem Grund vier Engel, welche die Marterwerkzeuge Christi vorzeigen: Einer trägt die Geißelsäule, ein weiterer eine Rute sowie eine Lanze mit Schwamm, einer ein Kreuz mit Dornenkrone und einer eine Geißel und Nägeln. Sie verweisen gemeinsam auf den Erlösertod Christi.
Die Grate und Schildbögen des Gewölbes sowie die Wand um die Fensteröffnung sind mit Roll- und Beschlagwerk zusammen mit Fruchtschnüren sowie Engelskindern, Cherubimköpfen und Maskarons verziert; Perlschnüre akzentuieren die Grate. Hinzu kommen zahlreiche Früchte und Pflanzen wie Granatäpfel und Rosen, die auf die Erlösung der Gläubigen verweisen. Die Engelskinder begleiten als Paar je einen Grat. Zwei Engelskinderpaare halten Siegesfahnen bzw. Posaunen.
Bis auf das Paar mit den Siegesfahnen halten alle Paare zudem Wappen. Links ist jeweils das Wappen derer von der Asseburg zu sehen, rechts jenes der Ehefrau eines der Burgherren. Das letzte Wappenpaar der Folge ist das des Auftraggebers der Überarbeitung der Malerei von 1832, Ludwig August Busso Konstantin von der Asseburg sowie das seiner damaligen Frau Bernhardine von Kerssenbrock. Ihre Wappen werden von den Engeln mit Posaunen präsentiert. Sie sind ein Zeugnis der starken Überarbeitung 1832.
In der Fensterlaibung sind weitere geringe Malereireste auszumachen. An der Nordwand befindet sich eine Inschrift und die Datierung auf 1595. Die übrigen Flächen sind weiß gefasst. Die Fensteröffnung wird zusätzlich von phantastischen Wächtern flankiert.
Programm
Die Decken- und Wandmalerei verweist auf die Erlösung der Menschen durch den Tod Jesu Christi und ergänzt damit entscheidend das Programm der Empore, in dem die Hoffnung im Mittelpunkt steht. Sie gibt die Gewissheit, dass die Hoffnung nicht vergebens ist, da Gottes Sohn bereits für die Menschheit gestorben ist.
Die tanslozierte Wandmalerei aus dem Fleischhof in Quedlinburg
Die Malerei aus dem sog. Fleischhof im so genannten Fräuleinzimmer ist an ihrem ursprünglichen Standort in Quedlinburg erfasst: https://www.deckenmalerei.eu/1dcff575-81c9-4fd0-a194-1175ee2d003a.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Sachsen-Anhalt I, 2002. – Dehio, Georg: Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearb. von Ute Bednarz u.a. München/Berlin 2002.
- Huth, Denkmalpflege, 2006. – Huth, Alexander: Denkmalpflege auf der Burg Falkenstein zwischen 1990 und 2006 – Ein Werkbericht. in: Boje E. Hans Schmuhl, in Verbindung mit Konrad Breitenborn (Hrsg.): Burg Falkenstein (Schriftenreihe der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, 4). Dößel 2006, S. 301-326.
- Korf, Falkenstein, 1976. – Korf, Winfried: Die Burg Falkenstein im Harz. Aschersleben 1976.
- Korf, Falkenstein, 1997. – Korf, Winfried: Burg Falkenstein (Kunstführer Nr. 21). Wettin 1997.
- Korf/Korf, Falkenstein, 1985. – Korf, Ilse/Korf, Winfried: Burg Falkenstein. Geschichte, Baugeschichte, Museum. Burg Falkenstein 1985.
- Schmitt, Falkenstein, 2006. – Schmitt, Reinhard: Burg Falkenstein. Zur Baugeschichte vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. in: Boje E. Hans Schmuhl, in Verbindung mit Konrad Breitenborn (Hrsg.): Burg Falkenstein (Schriftenreihe der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, 4). Dößel 2006, S. 85-122.
- Schmuhl, Falkenstein, 2006. – Schmuhl, Boje E. Hans in Verbindung mit Breitenborn, Konrad (Hrsg.): Burg Falkenstein (Schriftenreihe der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, 4). Dößel 2006.
Einzelnachweise
- ↑ Schmuhl, Falkenstein, 2006; Dehio, Sachsen-Anhalt I, 2002, S. 695-697; Korf, Falkenstein, 1997; Korf/Korf, Falkenstein, 1985; Korf, Falkenstein, 1976.
- ↑ Schmitt, Falkenstein, 2006; Dehio, Sachsen-Anhalt I, 2002, S. 695; Korf/Korf, Falkenstein, 1985, S. 12-26, 32-48.
- ↑ Schmitt, Falkenstein, 2006, S. 109-110; Huth, Denkmalpflege, 2006, S. 315-318; Korf, Falkenstein, 1997, S. 24-26; Korf/Korf, Falkenstein, 1985, S. 46.
- ↑ Schmitt, Falkenstein, 2006, S. 109; Huth, Denkmalpflege, 2006, S. 315-318; Korf, Falkenstein, 1997, S. 24; Korf/Korf, Falkenstein, 1985, S. 46; Korf, Falkenstein, 1976, S. 26.