Laß, Heiko:Oppurg, Rittergut, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/37af01af-2627-452a-b199-11b4976206cf

Inventarnummer: cbdd10215

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Im sog. Schloss Oppurg befanden sich vor 1946 zahlreiche Wand- und Deckenmalereien aus der Zeit um 1710 und um 1750. Bis auf ein Deckengemälde mit einem Götterhimmel – das Auftraggeberpaar ist hier als Jupiter und Juno dargestellt – sind alle verloren gegangen.

Das so genannte Schloss in Oppurg

Kurzbeschreibung und Lage

Das Rittergut in Oppurg[1] steht am Südrand der gleichnamigen Ortschaft, jenseits des Flusslaufes der Orla, ein wenig erhöht und von einem künstlichen Wassergraben umgeben. Die nahezu quadratische Schlossinsel wird von Westen erschlossen. Im Osten jenseits des Grabens erstreckte sich ehemals ein Lustgarten. Der Wirtschaftshof befand sich ebenfalls außerhalb des eigentlichen Schlossbereichs. Innerhalb des Grabens erhebt sich der Hauptbau in der nördlichen Hälfte der Insel und öffnet sich als Dreiflügelanlage gegen eine geschwungene Remise an der vierten offenen Nordseite. Eingangsfassade ist die Südfront. In der Südwestecke des Areals wurde der Turm eines Vorgängerbaus stehen gelassen.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Rittergut in Oppurg stammt bereits aus dem Mittelalter und war lange im Besitz der von Brandenstein. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wechselten die Besitzer dann allerdings häufig und zuletzt erwarb es 1703 Graf Cai von Rumohr für seine Tochter. Er war dänischer Gesandter in Dresden und seine Tochter Anna Sophia war die Witwe des sächsischen Geheimrats Hans Haubold von Einsiedel. Die beiden ließen das Gut bis auf einen Turm abreißen und 1705-1708 das heute noch erhaltene Gebäude errichten. 1717 war die gesamte Anlage vollendet. Cai starb 1710, Anna Sophia 1725. Ihre Erben veräußerten Oppurg 1745 an Graf Julius Gebhard von Hoym. Er ließ das Haus 1746/47 modernisieren und im Zuge der Arbeiten die Fassaden umgestalten. Seine Witwe Christiane Charlotte nutzte es nach seinem Tod 1769 als Witwensitz. Auf dem Erbwege gelangte Oppurg dann an die Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen, in deren Besitz es bis 1945 verblieb. Nach 1945 ging die Ausstattung des Schlosses Stück für Stück verloren. 1985 gab es noch drei Deckengemälde im Schloss,[2] heute ist es nur noch eines. Auch die ehemals reiche Wandmalerei ging annähernd gänzlich verloren. 1991-93 erfolgte eine Sanierung des Schlosses.

Auftraggeber

Cai von Rumohr war dänischer Gesandter in Dresden[3] und stammte aus einer Schleswig-Holsteinischen Familie des Uradels. Graf Julius Gebhard von Hoym[4] war wirklicher Geheimer Rat am kursächsischen Hof.

Beschreibung

Das Hauptgebäude ist eine Dreiflügelanlage. Allerdings gibt es keinen Ehrenhof. Der Zugang erfolgt an der hofabgewandten Seite im Süden. Im Norden des Hauptflügels ist in den annährend quadratischen Hof ein Treppenhaus angefügt, sodass sich in der Gebäudeaufsicht die Form eines ‚E‘ ergibt, was man auf den Namen der Baufrau „Einsiedel“ bezogen hat. Der dreigeschossige Bau misst 17 auf neun Achsen. Das Erdgeschoss ist als Postamentzone für die ionische Kolossalordnung ausgebildet, die die beiden Obergeschosse zusammenfasst. Gurtgesimse trennen die Geschosse. Die mittleren drei bzw. fünf Achsen werden von einem Rundgiebel überfangen. An der Eingangsseite nimmt er zwei bohnenförmige Kartuschen auf, die die verschlungenen Initialen von Julius Gebhard Graf von Hoym „J.G.G.V.H.“ präsentieren. Die Fassadengestaltung mit Stuckapplikationen geht auf seine Umbaumaßnahmen zurück.

Durch den von Doppelsäulen geschmückten Haupteingang betritt man ein Vestibül, von dem aus man direkt über die an den Seiten anschließenden Treppenläufe das erste Obergeschoss erreicht. Ab hier erschließt eine Treppe im rückwärtigen Treppenturm die Geschosse. An der Hofseite erschließen Korridore die an den Außenseiten der Flügel gelegenen Räume. Im zweiten Obergeschoss ist über dem Vestibül der Hauptsaal gelegen.

Forschungsstand

Die Bau- und Ausstattungsgeschichte des Ritterguts wurde bislang nicht erforscht.

Der Hauptsaal

 
Oppurg, Hauptsaal

Beschreibung

Der Hauptsaal[5] im zweiten Obergeschoss ist der einzige Raum, an dessen Decke sich ein Deckengemälde erhalten hat. Der Raum schließt an den zum Treppenhaus hin offenen Korridor an der Südseite an und öffnet sich mit fünf Fenstern nach Süden. Betreten wird er durch eine zentrale Tür an der Nordwand. An der Südseite der Ost- und Westwand befinden sich Türen, die in Enfilade angeordnete Zimmer erschließen. Sie haben an der Nordseite als Pendants je einen Kamin.

Das Deckengemälde

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde[6] wurde um 1710 im Auftrag von Anna Sophia von Einsiedel und Cai von Rumohr geschaffen. Der Künstler ist unbekannt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke nimmt in ihrer Mitte ein großes in Öl auf Leinwand gemaltes Deckengemälde[7] auf. Es zeigt eine Götterversammlung auf Wolken. Etwas links der Mitte thronen Jupiter und Juno, kenntlich durch Adler und Pfau. Jupiter hält zusätzlich ein Blitzbündel in der Hand, Juno ein Zepter. Während Jupiter in einen roten Umhang gehüllt ist, trägt Juno ein blaues Kleid mit goldenem Umhang, der am Saum mit Edelsteinen besetzt ist. Die Gruppe wird durch ein weißes Tuch betont, das hinter ihnen von drei Putten aufgespannt wird. Beide blicken den Betrachter zudem direkt an. Die Gesichtszüge wirken individuell und zeitgenössisch. Die Forschung hat in ihnen daher das Auftraggeberpaar Cai von Rumohr und Anna Sophia von Einsiedel erkannt.

Unterhalb von Juno erkennt man einen gedeckten Tisch, um den sich verschiedene Götter versammelt haben, ohne aber zu tafeln. Ganz links im Bild sitzen der lorbeerbekrönte Apoll mit seiner Leier und eine Triangel spielende Frau – vielleicht die Muse Polhymnia – und begleiten die Gesellschaft musikalisch. Unterhalb von Apoll lagert die mit einem Monddiadem bekrönte Diana. Sie wird von einem Jagdhund begleitet, hat ihren Bogen abgelegt und blickt zu Jupiter empor. Rechts von ihr lagert der bärtige Herkules. Er stützt sich auf seine Keule und hat das Löwenfell lässig über den Arm gelegt. Rechts von ihm – vor der Tafel – sitzt der eselsohrige Pan. Er stützt sich auf einen Weinschlauch und reicht seine Panflöte nach rechts. Dort sitzt der mit Weinlaub bekrönte Bacchus, zu dem auch der Weinschlauch gehört. Er blickt zusammen mit Pan auf einen kleinen Wein trinkenden Satyr. Ganz rechts am Tisch sitzt Neptun mit seinem Dreizack. Rechts über ihm erkennt man Vulkan mit einem Schmiedehammer und ganz rechts außen Merkur mit Flügelhelm und Caducaeus. Neben Jupiter und Juno ist er der einzige der Götter, der Blickkontakt zu den Betrachtenden herstellt. Links von Vulkan – oberhalb der Tafel – erblickt man die Dreiergruppe von Amor mit Pfeil, Venus mit Taube und Pluto mit Zerberus. Abseits der Versammlung, auf einer Wolke rechts oben, befinden sich Ceres mit Ährenkrone und Minerva mit Lanze und Schild. Über der gesamten Gesellschaft schweben zwei Putten, die Tamburin und Becken spielen.

Auffallend ist, dass die Götter kaum miteinander interagieren. Sie sitzen weitgehend teilnahmslos nebeneinander. Ebenfalls auffallend ist, dass Mars in der Versammlung fehlt. Die Nähe der Gruppe von Amor, Venus und Pluto zu Juno/Anna Sophia von Einsiedel könnte auf ihre den Tod überdauernde Liebe hinweisen.

Die ehemalige Wandmalerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei[8] ist bis auf geringe Bereiche oberhalb der Kamine und in den Fensterlaibungen verloren bzw. überstrichen. Sie wird aus stilistischen Gründen der Ausstattungsphase unter Julius Gebhard von Hoym nach 1745 zugeschrieben. Eventuell wurde sie aber bereits um 1710 geschaffen. Sie ging zwischen 1945 und 1990 verloren, ist aber zum großen Teil über Fotos von Rolf-Werner Nehrdich aus den Jahren 1943/45 dokumentiert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wandmalerei öffnete den Raum in perspektivische Erweiterungen. Unter gerafften roten Vorhängen hindurch fiel der Blick an der Nordwand rechts und links in eine runde Galerie, die scheinbar hinter der Eingangstür verlief. Links der Tür flankierten zwei Puttenstatuen den Zugang, die mit Sense und Korngarbe eine Allegorie des Sommers darstellten. Es steht zu vermuten, dass rechts der Tür eine Allegorie des Herbstes zu sehen war. An der Westwand wurde der Raum zwischen Tür und Kamin in einen Gang geöffnet, an dessen Ende eine halboffene Tür zu sehen war. Das Puttenpaar hier allegorisierte den Frühling. Es ist zu vermuten, dass an der Ostwand der Winter allegorisiert wurde. Über der gemalten Tür an der Westwand sind in einer von Putten gehalten Kartusche unter einer Adelskrone die Initialen CR zu erkennen. Keiner der Bewohner von Oppurg hatte einen Namen, der derartige Initialen zulassen würde außer dem Bauherrn Cai von Rumor. Das lässt eine Datierung der Malerei um 1710 als möglich erscheinen. Über Türen und Kaminen waren in gemalten Nischen antikisierende Statuen zu sehen. An der Nordwand standen zwischen den Fenstern auf Postamenten gemalt Statuen, die angeblich Stadt und Land personifizierten.[9] Es handelt sich jedoch um Kybele mit Stadtkrone und Schlüssel sowie Ceres mit Korngarbe und Sichel.

Das ehemalige Fremdenzimmer im zweiten Obergeschoss

Im Osten schloss an den Hauptsaal das so genannte Fremdenzimmer an. Lehfeldt nennt 1897 gemalte Tapeten in Webteppichnachahmung mit „etwas kindlichen Landschaften in leichter Ausführung, braun und weiß mit wenigem Cobaltblau“.[6] Mehr ist nicht bekannt.

Das ehemalige Rote Zimmer

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Oppurg, Schloss

Beschreibung

Das Rote Zimmer[10] wurde auch als Großes Fremdenzimmer bezeichnet. Es handelt sich um den ersten Raum westlich des Treppenhauses im ersten Obergeschoss. Es wird direkt vom Treppenhaus aus betreten und nicht vom Korridor. Es erschloss im Westen zwei Räume: das sogenannten Kleine Rote Fremdenzimmer und ein weiteres Fremdenzimmer. Nach Süden hat der Raum drei Fenster.

Die ehemalige Wandmalerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die ehemalige Wandmalerei[6] ist komplett verloren. Sie ist teilweise durch Fotos von Rolf-Werner Nehrdich aus den Jahren 1943/45 dokumentiert. Die Malerei ist undatiert. Vermutlich stammt sie aber aus der Ausstattungsphase von Hoym ca. 1750.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände waren komplett mit Malerei versehen. Sie waren in sechs Felder unterteilt. Vor einem roten floralen Ornament auf schwarzem Grund standen gedrehte Säulen, die von Früchten und Blumen umwunden wurden. Zwischen ihnen erblickte man fingierte Rahmen mit sechs Darstellungen aus den Metamorphosen des Ovid mit großen Figuren am vorderen Bildrand. Zu jedem Bild gehörte unten im Rahmen eine kleine Kartusche mit einer blau-weißen Landschaftsdarstellung. Die Wandgestaltung im folgenden Kleinen Roten Zimmer glich der des Großen Roten Zimmers.

Merkur schläfert Argus durch Flötenspiel ein

Auf einem Bild sah man, wie Merkur mit seinem Flötenspiel den hundertäugigen Riesen Argus einschläferte. Argus bewachte die in eine Kuh verwandelte Io, eine Geliebte des Jupiter. Mit ihrer Befreiung beauftragte Jupiter den Merkur. Er schläferte den Riesen ein, um ihn dann im Schlaf mit einem Schwert zu töten. Links sitzt Merkur und spielt Flöte. Das todbringende Schwert liegt zu seinen Füßen. Rechts sitzt Argus und hört dem Spiel zu.

Jupiter vergewaltigt Callisto in der Gestalt der Diana

Eine weitere Malerei zeigte die Geschichte von Jupiter und Callisto. Jupiter begegnete Callisto, einer Nymphe der Diana und begehrte sie. Er verwandelte sich in die Gestalt ihrer Herrin Diana und schwängerte die arglose Jungfrau. Gezeigt wird der Moment der Kontaktaufnahme. Die Frau rechts ist mit dem Adler als Jupiter gekennzeichnet und legt gerade ihren Arm um Callisto links.

Glaukus wirbt um Skylla

Auf einem anderen Gemälde war der Meeresgott Glaukus zu sehen, der sich in Skylla verliebte. Skylla wies seine Werbung jedoch ab und Glaukos wandte sich daher an die Zauberin Kirke um Hilfe. Diese war jedoch selbst in Glaukus verliebt und verwandelte Skylla daher in ein Monster. In Oppurg sah man, wie Glaukus vom Pfeil Amors getroffen wurde, als er Skylla erblickte.

Prometheus bringt den Menschen das Feuer

Auf einem der Bilder an der Ostwand erblickte man Apoll im Sonnenwagen. Im Vordergrund beugten sich Prometheus und Minverva über die Wolken und blickten hinab auf die Erde. Entgegen dem Befehl Jupiters will Prometheus den dort lebenden Menschen das Feuer bringen. Minerva wird ihm dabei helfen, indem sie ihn zum Sonnenwagen begleiten wird, wo sich der Riesenfenchel, den Prometheus in der Hand hält, entzünden soll. Dieses Feuer wird er dann gleich einer Fackel den Menschen übergeben.

Verwandlung der Heliaden in Bäume und des Cycnus in einen Schwan

Das mittlere Bild an der Nordwand zeigte, was nach dem Sturz des Phaeton geschah. Seine Schwestern – die Heliaden – waren sehr über seinen Tod betrübt und klagten und weinten an seinem Grabmal. Sie wurden daraufhin zur Strafe in Pappeln verwandelt. Ihre Tränen tropften als Harz herab und wurden zu Bernstein. Der Geliebte des Phaeton – König Cycnus von Ligurien – eilte untröstlich herbei. Aus Mitleid verwandelte ihn Apoll in einen Schwan. Beide Erzählungen sind in diesem Bild vereint. Die Heliaden sind vor dem Grabmonument im Moment der Verwandlung zu sehen: Aus ihren Fingern sprießen bereits die Pappelzweige. Rechts des Grabes ist der bereits in einen Schwan verwandelte Cycnus zu sehen.

Perseus befreit Andromeda

Ein weiteres Bild an der Nordwand rechts zeigte, wie Perseus Andromeda rettete. Andromeda war unschuldiges Opfer ihrer hochmütigen Mutter. Diese hatte geprahlt, dass sie schöner als die Nereiden sei. Der erzürnte Neptun ließ die Küste daraufhin von dem Meeresungeheuer Ketos heimsuchen. Nur eine Opferung der Andromeda konnte es besänftigen. Sie wurde daher an einen Felsen gefesselt, damit Ketos sie holen könne. Der Halbgott Perseus aber rettete sie für das Versprechen ihrer Eltern, sie zur Frau zu bekommen. Man sieht rechts die an den Felsen gekettete Andromeda. Links steigt aus den Fluten das Ungeheuer empor, während vom Himmel der rettende Perseus herniederkommt und mit seinem Medusenschild den Ketos versteinert.

Das ehemalige Kleine Rote Zimmer

Beschreibung

Das Kleine Rote Zimmer[6] wurde auch als Kleines Fremdenzimmer bezeichnet. Es schloss sich direkt an das Große Fremdenzimmer an. Es handelt sich um ein Eckzimmer mit drei Fenstern nach Süden und zwei Fenstern nach Westen. Die gleiche Wandgestaltung wie im Großen Roten Zimmer lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass beide Zimmer zusammengehörten und gleichzeitig ausgestattet wurden.

Die ehemalige Wandmalerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Lehfeldt nennt 1897 fünf allegorische Darstellungen,[6] die denen des Großen Roten Zimmers gleichen würden. Die Malerei ist komplett verloren, aber durch Fotos von Rolf-Werner Nehrdich aus den Jahren 1943/45 dokumentiert. Die Malerei ist undatiert. Vermutlich stammt sie aus der Ausstattungsphase von Hoym ca. 1750.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände waren auch hier komplett mit Malerei versehen. Die einzelnen Szenen wurden ebenfalls von den gedrehten umrankten Säulen vor rotem Ornament auf schwarzem Grund voneinander geschieden. Auch im Kleinen Roten Zimmer gehörte zu jeder großen Darstellung eine kleine Landschaft in einer Kartusche unten am Rahmen. Und auch hier agierten die großen Figuren am vorderen Bildrand.

Ceres und Arethusa

Ein Wandbild zeigte, wie die Quellnymphe Arethusa die Ceres darum bittet, die Welt zu verschonen. Nachdem Pluto die Proserpina entführt hatte, war Ceres so erzürnt, dass sie drohte, die ganze Welt zu vernichten. Arethusa aber bat für die unschuldige Erde um Gnade und offenbarte Ceres, wer ihre Tochter geraubt hatte und wo sie sich befand. Dieser Moment ist zu sehen.

Vertumnus und Pomona

Ein weiteres Wandbild war Vertumnus und Pomona gewidmet. Die leidenschaftliche Gärtnerin Pomona interessierte sich nur für ihren Garten und hatte kein Interesse an einer Beziehung. Der Vegetationsgott Vertumnus verliebte sich in sie und umwarb sie in verschiedener Gestalt – ohne Erfolg. Erst in der Gestalt einer alten Frau konnte er sie mit einem Vergleich von einer Beziehung überzeugen. Man erblickt Vertumnus als alte Frau, wie er auf Pomona einredet.

Apoll tötet Python

Auch die Geschichte von Apoll und Python wurde gezeigt. Der Drache Python gab am Berg Parnass Orakel. Im Auftrag der Juno verfolgte er Leto, die schwangere Geliebte des Jupiter, konnte sie jedoch nicht finden. Leto gebar Apoll und Diana. Apoll aber erschoss Python aus Rache für die Verfolgung seiner Mutter. In Oppurg ist diese Tat bereits geschehen und Apoll weist auf den von mehreren Pfeilen tödlich getroffenen Python.

Kybele

Ein Bild fällt aus der Reihe heraus, da es nicht auf die Metamorphosen des Ovid zurückgeht. Die auf einem Löwen sitzende Kybele trägt eine Stadtkrone und hält ein Füllhorn in der Hand, während ihr eine Dienerin Früchte reicht.

Geburt der Venus

Das fünfte Wandbild zeigte eine reich geschmückte Frau auf einer Muschel über dem Wasser. Eine Putte hält ihre eine Korbschale mit Blumen vor. Es dürfte sich um die Geburt der Venus handeln.

Das ehemalige Speisezimmer

Beschreibung

Das ehemalige Speisezimmer[11] befindet sich im ersten Obergeschoss. Es ist der erste Raum, der sich im Osten an das obere Vestibül anschließt. Er wird direkt vom Treppenhaus aus betreten und nicht vom Korridor. Es öffnet sich mit drei Fenstern nach Süden und erschließt im Osten das südöstliche Eckzimmer sowie den ehemaligen Großen Salon.

Die ehemalige Wandmalerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die ehemalige Wandmalerei[11] ist komplett verloren. Sie ist teilweise durch Fotos von Rolf-Werner Nehrdich aus den Jahren 1943/45 dokumentiert. Die Ölmalerei auf Leinwand ist undatiert. Aufgrund der Rocaillen kann sie in die Ausstattungsphase unter Hoym ca. 1750 datiert werden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Gemälde zeigten gesellige Szenen mit großen Figuren.

Das Mittelbild an der Westwand

An der Westwand befand sich ein hochrechteckiges Bildfeld zwischen einem Ofen und einem Kamin. Es zeigte ein Paar und zwei musizierende Knaben. Während die Frau einen Arm in die Luft warf, als ob sie tanze, stützte sich der von ihr eingehakte Mann auf einen Stock.

Die Malerei an der Nordwand

Die gesamte Nordwand wurde von einer Wandmalerei eingenommen, die eine festliche Gesellschaft in einem Garten vorstellte. Am linken Bildrand führte eine geschwungene Treppe zu einer Schlossterrasse empor. Auf ihrer Brüstung befand sich ein – skulptiertes – ungleiches Paar: ein alter Mann und eine junge Frau mit einem Tonkrug zwischen sich, aus dem Wasser floss. Die Darstellung erinnerte so an Quellgottheiten. Etwas rechts der Bildmitte erblickte man einen gedeckten Tisch mit Obst. Drei Frauen und drei Männer hatten sich um ihn herum niedergelassen und flirteten offenbar miteinander. Links daneben machte ein Mann einer Frau den Hof, neben der eine Dienerin am Boden kauerte. Noch weiter links – schon an der Treppe – befanden sich drei weitere Frauen und ein Mann. Ganz rechts am Bildrand stand ein Musiker und begleitete das galante Treiben. Vor dem Wandbild stand ein Buffet, auf das die Malerei formal Rücksicht nahm.

Die Malerei an der Ostwand

An der Ostwand stand ebenfalls ein Büffet. Die Wand zwischen den Türen wurde von einer Wandmalerei eingenommen, die eine weitere festliche Gesellschaft in einem Garten präsentierte. Rund um das Buffet hatten sich drei galante Paare versammelt – zwei recht und eines links. Sie tanzten, unterhielten sich oder sahen einfach nur zu. Links am Rand stand ein Musiker, der sie auf der Flöte begleitete.

Gestalterische Mittel

Die Wandgemälde waren gänzlich in Blautönen gehalten. Diese Art der Malerei war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr beliebt und findet sich ähnlich in ganz Deutschland und darüber hinaus.[12] Viele der Figuren hatten leicht genrehafte Züge und wirken im Sinne der Zeit eher bäurisch als höfisch. Die Körperhaltung und Gestik war sehr ungezwungen und ebenfalls jenseits höfischer Konventionen. Die Szenerie passte so gut in die ländliche Umgebung des Hauses, die man durch die Fenster am der Südseite erblicken konnte.

Das südöstliche Eckzimmer

Das südöstliche Eckzimmer öffnet sich mit drei Fenstern nach Süden und zwei Fenstern nach Osten. Es war vom Speisezimmer im Westen und vom Großen Salon im Norden aus zu erreichen. Paul Lehfeldt scheibt 1897, der Raum habe eine Stuckdecke „mit (erneuerten) Malereien“.[10] Die Malerei ist nicht erhalten.

Der ehemalige Große Salon

Beschreibung

Der ehemalige Große Salon[10] liegt an der Ostseite im ersten Obergeschoss. Er wird von Westen her über eine mittige Tür und eine weitere Tür direkt aus dem Korridor betreten. Nach Norden und Süden kann man die beiden angrenzenden Zimmer durch weitere Türen erreichen. Im Osten gewähren drei Fenster den Blick auf den ehemaligen Garten.

Die ehemalige Wandmalerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[13] stammt aus der Zeit von Hoym aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach 1945 wurde sie ausgebaut und teilweise in veränderter Anordnung auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt im heute nach ihr benannten Tapetenzimmer wieder eingebaut.

Beschreibung und Ikonographie

Die Leinwandmalerei ahmt Webeteppiche nach und zeigt reich gekleidete Paare in der freien Natur, und zwar im Wechsel der vier Jahreszeiten. Das große Sommerbild nimmt in Rudolstadt die Längswand ein. Im Hintergrund wird das Korn geerntet. Links im Vordergrund ist eine Garbe mit einer Sichel zu sehen. Im Vordergrund sitzen Paare mit Vogelkäfigen. Einer der Männer hat einen Käfig geöffnet und der Vogel ist frei – ein Verweis auf die verlorene Unschuld der Frau. Für den Herbst steht die Obsternte in der Nordwestecke. Ein Mann steht auf einer Leiter und reicht einer Frau vom Baum Obst herunter. Auf den Frühling verweist ein Konzert in einem Schlossgarten an der Ostwand. Hier hat sich ein galantes Paar in einem Garten vor einem Lusthaus niedergelassen. Der Winter ist an der Westwand links der Tür zu sehen, wo im Hintergrund schlittschuhlaufende Paare auf einer zugefrorenen Wasserfläche ihre Runden drehen.

Da die Raummaße in Rudolstadt nicht denen in Oppurg entsprechen, wurden die Bildteile in der Heidecksburg neu zusammengesetzt und nicht alle übernommen. In Oppurg befand sich der Frühling an der Südwand und das Paar vor dem Lusthaus in der Wandmitte. Ein Paar mit Blumen und Schaufel bei der für die Jahreszeit typischen Gartenarbeit fehlt heute. An der Westwand links war der Winter zu sehen. Das im Vordergrund stehende Paar war noch komplett. Wo sich Sommer und Herbst befanden, ist unbekannt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Czech, Legitimation, 2003. – Czech, Vinzenz: Legitimation und Repräsentation. Zum Selbstverständnis thüringisch-sächsischer Reichsgrafen in der Frühen Neuzeit (Schriften zur Residenzkultur, 2). Berlin 2003.
  • Dedié, Oppurg, 1933. – Dedié, Friedrich Heinrich: Oppurg und seine Besitzer im Laufe der Jahrhunderte. Neustadt a. d. Orla 1933.
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
  • Laß/Paulus/Timm/Unbehaun, Heidecksburg, 2013. – Laß, Heiko/Paulus, Helmut-Eberhard/Timm, Günther/Unbehaun, Lutz (Bearb.): Schloss Heidecksburg in Rudolstadt. Amtlicher Führer. München/Berlin 2013.
  • Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897. – Lehfeldt, Paul: Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Band V. Verwaltungsbezirk Neustadt. Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida. Jena 1897.
  • Mannlehen, 1997. – Blaha, Dagmar (Bearb.): ... zum rechten Mannlehen gereicht und geliehen. Feudale Strukturen in der Herrschaft Oppurg vom Ende des Mittelalters bis zum 19. Jahrhundert (Quellen zur Geschichte Thüringens, 6). Erfurt 1997.
  • Meixner, Oppurg, 1985. – Meixner, L.: Um- und Neugestaltungskonzeption für den Park- und Schloßkomplex Oppurg, Kr. Pößneck, zu einem Kulturzentrum. Diplomarbeit, Weimar 1984.
  • Reitinger, Epoche, 2016. – Reitinger, Franz: Die blaue Epoche. Reduktive Farbigkeit im Rokoko. Berlin 2016.
  • Archivalien:
  • TLDA Erfurt, Archiv, 12-75.116.003. –Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [12-75.116.003]. Oppurg. Schloßstraße 2, Schloß, Diplomarbeiten.
  • TLDA Erfurt, Archiv, 12-75.116.003. –Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [12-75.116.003]. Oppurg. Schloßstraße 2, Schloß, Raumbücher.
  • TLDA Untersuchungen, 1999. – Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [12-75.116.003]. Oppurg. Schloßstraße 2 Schloß, Raumbücher. Historische und restauratorische Untersuchungen. Fassaden und Innenräume. 1999.
  • Brasche, Farbuntersuchungen, 1988. – Brasche, Hans Jörg: Farbuntersuchungen Schloss Oppurg 1988. In: TLDA Erfurt, Archiv, 12-75.116.003. –Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [12-75.116.003]. Oppurg. Schloßstraße 2, Schloß, Diplomarbeiten.
  • Müller, Raumbuch 2, 1993. – Müller, Hermann: Raumbuch Schloß Oppurg. Teil 2. Treppenhaus, Korridore, Erdgeschoß Zimmer 1-5, 2. Obergeschoß Zimmer 16-24a, Dachgeschoss. 1993. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [12-75.116.003]. Oppurg. Schloßstraße 2, Schloß, Raumbücher.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Thüringen, 2003, S. 865-866; Mannlehen, 1997, S. 12-15, 18-22; Dedié, Oppurg, 1933; Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 138-140, 149-157.
  2. Meixner, Oppurg, 1985, S. 22.
  3. Czech, Legitimation, 2003, S. 344; Mannlehen, 1997, S. 20.
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Gebhard_von_Hoym; Mannlehen, 1997, S. 21, 70.
  5. Brasche, Farbuntersuchungen, 1988 S. 28.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 154.
  7. Meixner, Oppurg, 1985, S. 21; Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 154.
  8. Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 153; Müller, Raumbuch 2, 1993, Raum 20.
  9. https://www.zi.fotothek.org/objekte/19004521.
  10. 10,0 10,1 10,2 Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 153.
  11. 11,0 11,1 Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 152.
  12. Reitinger, Epoche, 2016.
  13. Laß/Paulus/Timm/Unbehaun, Heidecksburg, 2013, S. 51-52; Lehfeldt, KDM Neustadt, 1897, S. 153.