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Oberweikertshofen, Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 214–217, geschrieben von Sauerländer, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

OBERWEIKERTSHOFEN

Pfarrkirche, Pfarrverband Aufkirchen, Gemeinde Egenhofen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung hatte der Fürstbischof von Freising das Präsentationsrecht auf die Pfarrei Oberweikertshofen. Gericht Dachau, Amt Esting

Patrozinium: St. Johannes der Täufer

Zum Bauwerk: Spätgotische Anlage aus der zweiten Hälfte des 15. Jh., in der ersten Hälfte des 18. Jh. erneuert (Schmidtsche Matrikel 1739: »Ecclesia parochialis reparata«) und barockisiert. 1918/19 Verlängerung des ursprünglich nur dreiachsigen LHs nach W, Emporenbrüstung ebenfalls 1919 (Zauner, S. 5).

Flachgedeckter Saalraum mit gleichlaufendem Chor mit 5/8-Schluß, der gegen das LHs durch einen eingezogenen Chorbogen abgesetzt ist. Im LHs keine Wandgliederung. LHs-Decke und AR-Gewölbe zeigen reichen figürlichen und ornamentalen Stuckdekor aus der Zeit um 1720, der nach Paula (S. 164, gestützt auf: Heimatbuch Fürstenfeldbruck, 1952, S. 287 f.) von dem Dachauer Benedikt Heiß 1738–40 geschaffen wurde, von Zauner (S. 34) jedoch richtiger um 1720 datiert wird. Es besteht nahe Verwandtschaft zu dem nachweislich von Benedikt Heiß 1722 geschaffenen Deckenstuck der Maisacher Pfarrkirche (S. 191). Belichtung der S-Seite durch Rundbogenfenster, die N-Seite des ursprünglichen LHs und des AR ist fensterlos. Die Deckenbilder befinden sich im LHs

Auftraggeber: Für den Stuckdekor wahrscheinlich Pfarrer Augustin Ruecklinger (1719–51), für die LHs-Deckenfresken A, A1-4 wahrscheinlich Pfarrer Judas Thaddäus Neumayr (1768–97). In einer von Pfarrer Michael Biebl 1844 aufgestellten »Reihenfolge der Pfarrer in Oberweikertshofen« heißt es:

»Augustin Ruecklinger ... fand die hiesige Pfarrkirche in schlechtem Zustande. Er fieng gleich mit Verschönerung derselben durch Stokkadeur = Arbeit... an... Thad. Neumayr ... hat durch Wohltäter und eigne Mitwirkung zur Verschönerung der Pfarrkirche recht viel gethan«. (AEM)

Autor und Entstehungszeit: Johann Georg Dieffenbrunner (* 1718 Mittenwald † 1785 Augsburg, s. S. 218, 220) 1778 Signatur im LHs-Fresko A, an der untersten Treppenstufe.

A Enthauptung Johannes des Täufers

über dem östlichen Bildrahmen: GD(ligiert)ieffenbruner Pinxit. 1778.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs stuckierte Flachdecke Rahmen: A rechteckiger, verkröpfter Stuckprofilrahmen A1-4 runde Stuckprofilrahmen, von je zwei Putten gehalten die Rahmungen gehören zu dem übrigen Stuckdekor aus der Zeit um 1720

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 4,90 m; 4,50 × 2,10

A1-4 Höhe 4,90 m; ∅ 0,65

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Renovierung 1849/50 (Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 318); Übermalungen und Übertünchungen im späteren 19. Jh.; Restaurierung 1919 im Zusammenhang mit der LHs-Erweiterung, die Fresken von Kunstmaler Jakob Huwyler aus Valley bei Holzkirchen wiederhergestellt; er schuf gleichzeitig das Deckenbild über der Empore mit der Darstellung des Apokalyptischen Lammes. Letzte Restaurierung 1972 (Restaurator nicht mehr feststellbar): Entfernen der Übermalungen und des Deckenbildes von Huwyler, Ausbessern von Fehlstellen und Wasserschäden, Verkitten und Einstimmen der Risse – besonders am Kopf des Henkers –, Wiederherstellung der Originaltöne des Stuckdekors und seiner Zwischenflächen (für den Stuck: Kirchenmaler Hans Hausch, Fürstenfeldbruck). Der heutige Zustand ist relativ gut; die Medaillons wirken überarbeitet.

Beschreibung und Ikonographie

A ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 14, 1–12; Mc 6, 14–28) Das stark längsgestreckte LHs-Fresko zeigt als einansichtige, nach O gerichtete Szene die Enthauptung des Kirchenpatrons. Der Betrachterstandpunkt ist in der LHs-Mitte.

Die extreme Längserstreckung des schmalen Freskos ist bedingt durch den vorgegebenen Rahmen, der von der wesentlich älteren Stuckdekoration stammt. Dieffenbrunner gliedert daher das Bild in drei Schichten, wobei die eigentliche Handlung nur die östliche Bildhälfte einnimmt.

A. Markus
A, Lukas

sprechen, daß es sich um Salome handelt, doch zeigt auch der hl. Jakobus im Chorfresko von Vierkirchen (1767; s. CBD Bd 5; s. Paula, S. 45, 172–78) bereits ein ähnlich grobes Profil mit Knollennase und wulstigen Lippen. Ferner entspricht die Darstellung - wenn auch in gedrängter Form - dem in Barockfresken gängigen Typus, bei dem Salome entweder allein oder mit einer Dienerin, die die Schüssel hält, im Kerker erscheint.

Der im Bild neben ihr stehende ältere Mann hat sein Haupt bedeckt und blickt mit bedauerndem Gestus auf den Leichnam; seine Linke ruht in der Haltung einer Schwurhand auf der Brust. Die Schwurfinger könnten auf Herodes verweisen und seinen Schwur, Salome alles zu geben, was sie verlange (s. hierzu auch Paula, S. 52, 165 f.). Der nur angedeutete Kerkerraum löst sich nach oben in eine Wolkenformation auf, die im westlichen Bildteil einen Himmelsdurchblick umschließt. Hier erscheint, von Licht umfangen, ein Engel mit Martyrerkrone und Palmzweig, begleitet von Puttenköpfchen.

Im Vergleich mit den früheren Arbeiten Dieffenbrunners ist diese seine letzte Freskoarbeit ein schwaches Werk (Paula S. 52). Der Versuch, durch Kippen der Senkrechten und starke Untersicht der Architekturteile sowie fast gewaltsame Verkürzungen bei den Figuren Höhenillusion zu erreichen, ist nur teilweise geglückt. Vor allem mangelt es der seitlich eintretenden, vom Bildrand überschnittenen Figurengruppe an perspektivisch richtiger Körperdurchbildung. Die Palette ist völlig unbunt geworden; braunrosa und grauviolette Töne herrschen vor, durchsetzt von dem abschattierten Weiß einiger Gewandpartien und dem etwas kräftigeren Rostrot von Feder und Wams des Henkers. Die Gloriole zeigt ein lichtes Gelb. Dieffenbrunners nie sehr kraftvolle Gestik wirkt hier erstarrt und matt und verweist das Fresko, zusammen mit der müden Farbigkeit, in die Endphase des Rokoko.

A1-4 EVANGELISTEN Als Medaillons in ockerfarbenen Stuckrahmen, die von weißen Putten gehalten werden, sind Brustbilder der Evangelisten an den Ecken der Rahmung von A in den Stuckdekor eingebunden, der allseitig das Hauptbild umgibt. Die blassen Gewandfarben (Grün, Braun, Rot und Blau) heben sich kaum ab gegen den graugrünen Grund der Medaillons. Paula (S. 52 f.) verweist darauf, dass die Evangelistenbilder in der Typisierung die Grisaille-Bilder der Evangelisten von Gutenzell (1755/56) farbig wiederholen.

Uber dem Chorbogen befindet sich eine kleine Kartusche mit der Inschrift St. Johannes.

A1-4 Evangeliste

Quellen und Literatur AEM, PfB Oberweikertshofen.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 311 f. Mayer-Westermayer Bd 1, S. 247 f., 318. KDB I OB (1), S. 471.

Welisch, Ernst, Augsburger Maler im 18. Jh. Ein Beitrag zur Geschichte des Barock und Rokoko, Augsburg 1901, S. 78 f. Zauner, Paul, Kunstgeschichtliche Wanderungen im Bezirk Fürstenfeldbruck, in: Unsere Heimat, Beilage zum Fürstenfeldbrucker Wochenblatt, Oberweikertshofen: 1921, Nr. 1, S. 1–3; Nr. 2, S. 5; Herrenzell: 1921, Nr. 9, S. 34.

Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952 S. 287 f.

Historischer Atlas I, Bd 11/12, S. 39.

Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 186.

Dehio-Gall OB S. 142

Gruber, Max, Johann Georg Dieffenbrunner, in: Amperland 1969, Heft 4, S. 90.

Kraft, Klaus und Florian Hufnagel, Landkreis Fürstenfeldbruck (= Baudenkmäler in Bayern, Bd 12), München 1978, S 70 f

Kunst- und Kulturdenkmäler, S. 318

Paula, Georg, Johann Georg Dieffenbrunner (= tuduv-Studien, Reihe Kunstgeschichte Bd 8), München 1983.

Dehio 1990, S. 929. B. S