Oberschleißheim, Neues Schloss Schleißheim, Südliche Antecamera


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 2: Stadt und Landkreis München. Profanbauten. Hirmer, München 1989, ISBN 978-3-7991-6358-3, S. 496–499, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Vorraum zum Appartement des Kurprinzen (Raum 40)

Zum Bauwerk: Der im Erdgeschoß an der SO-Ecke des Mitteltrakts gelegene Raum stand mit dem Neubau 1701/04 fest. Die Ausstattung der Wände mit Stuck geht auf Entwürfe Effners nach dem Stichwerk Jean Bérains zurück, seit 1723 von Johann Baptist Zimmermann stuckiert, entsprechend dem nördlichen Vorzimmer.

Rechteckiger Saal (7,50 × 14,50 m) zu drei Jochen, durch drei Rundbogenfenster von O und einem von S her belichtet, Zugang zum Garten, zum Treppenhaus und zum Appartement des Kurprinzen.

Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1680-1726).

Autor und Entstehungszeit: Cosmas Damian Asam (* 1686 Benediktbeuern † 1739 München), 1724. Im Gemäldeinventar von Schleißheim 1770 ist die Ausmalung zum ersten Mal erwähnt (BHStA I HR 211/21, S. 16 v): » ... die Oberdecke ist grau in grau auf nassen Anwurf gemalet, und hat in der Mitte zum Gegenstand den Zephyrus, dan ob dem Hauptgesims einerseits die Flora, und andererseits die Pomona, bey welcher sich der Vertumnus in Gestalt einer alten Frau befindet – Cosmas Damian Asam.«

Nach einer Anweisung von 1724, vielleicht von Max Emanuel eigenhändig geschrieben, ist die Malerei in den Winter 1724/25 zu datieren (BHStA I FS 147 d, fol. 199 v): »Ce qu’il a a faire pendent cette hiver a Schleißheimb fait le 10 Décembre 1724 ... pos. 9. Asam finira son plafon et Stuber le sien, dans le deux pießes sur le jardin« (die entsprechende, für Stuber vorgesehene Ausmalung der nördlichen Antecamera kam nicht zur Ausführung, siehe S. 499 f.).

In den Abrechnungen für Cosmas Damian Asam ist für diese Malerei nichts aufgeführt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonne

Rahmen: A, A1-2 gemalte Stuckrahmung innerhalb der imitierten Stuckdekoration und Jochteilung, W1-2 Schildbögen mit gemalter Rahmenleiste mit Bandwerk-Ornamentik, die Darstellungen werden an ihrer schmalen Bodenzone von den Doppelkonsolen des umlaufenden Stuckgesimses überschnitten; in den Schildbogenwinkeln spielt Bandwerkornament in die Szene hinein.

Technik: Fresko; monochrom grau

Maße: Höhe 8,00 m; Raummaße 7,50 × 14,50

A 4,00 × 3,50; A1-9 Ø 2,00

W1-2 1,90 × 7,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1975/76 durch Johann Peskoller, Bruneck/Tirol. Die Deckenbilder sind weitgehend übermalt, der Stil Asams ist nur noch in einigen Details zu erkennen, am besten in A2.

 
Südliche Antecamera Mittleres Joch mit A Zephyr

Beschreibung und Ikonographie

Die gesamte Tonnenwölbung ist von imitierter Stuckdekoration in Grisaille-Technik überzogen. Breite Gurte teilen die Decke in drei Hauptabschnitte, entsprechend den Fensterachsen. In jedem Abschnitt ist im Scheitel der Wölbung ein Bildfeld mit Ansicht gegen W in die Dekorationsmalerei eingeschlossen, das mittlere Bildfeld A ist hochoval von symmetrisch gekurvten Ranken gerahmt, A1-2 sind Tondi. Zum Fresko A sind flankierend zwei Konsolen mit Frauenbüsten gemalt, die von Putti und Amoretten bekränzt werden. Sie sitzen unmittelbar auf der realen Stuckleiste auf, die den Raum umläuft, im W Frauenbüste mit Putti und Lorbeerkranz, im Rankenornament rechts und links Störche mit Schlangen. Im O Frauenbüste mit Amoretten, Pfeilköcher und Bogen, die die Büste mit Rosen schmücken, im Rankenornament rechts und links davon Pfauen.

 

Die Bandwerk-Ornamentik entspricht dem Stuck der frühen zwanziger Jahre des 18. Jh.

 

Apfeln, ein dritter Putto fängt herabfallende Äpfel auf. Das Rundbild schließt ikonographisch an das Fresko W2 des nördlichen Schildbogens an.

W1 FLORA UND ZEPHYR Schauplatz ist eine Gartenlandschaft mit einer Blumenamphore in der Mitte. Die Frühlingsgöttin Flora lagert am Boden auf einer großen Draperie, die vor ihr ausgebreitet und mit Blumen gefüllt ist. Zu ihr kommt ein geflügelter Jüngling mit Blumen, der Frühlingsbote und Westwind Zephyr (vgl. A), der um Flora wirbt. Rechts im Bildfeld Putti, die einen mit Blumen gefüllten Korb über ihren Köpfen tragen, daneben im Hintergrund eine weibliche Gestalt mit Blüten in Händen

W2 POMONA UND VERTUMNUS Im flachen Schildbogen ist Pomona in ihrem Garten auf einer Steinbank sitzend dargestellt. Vertumnus nähert sich ihr in Gestalt einer alten Frau; vor den beiden sind Körbe mit Früchten zu sehen. Zu der Szene gehört rechts der Amorknabe mit Pfeilen und Bogen; mit der Maske, die er in Händen hält, symbolisiert er auch Fraus (Betrug, Täuschung). Bei Vertumnus sitzt am Boden ein Adler. –

Vertumnus nahm verschiedene Gestalten an, um die Nymphe Pomona zu erobern (Ovid, Metamorphosen XIV 687 ff.).

In der südlichen Antecamera sind die Darstellungen von Zephyr, dem lauen Wind, Pomona, der Fruchtbarkeit, Vertumnus, dem Jahreszeitenwechsel und Flora, der Blüte entsprechend der Lage des Raumes – er führt in den Garten hinaus – auf dessen Themenkreis abgestimmt.

Literatur siehe S. 502

 
Südliche Antecamera, N-Seite mit A. Putti mit Früchtekorb und W. Pomona und Vertumnus

NORDLICHE ANTECAMERA