Donath, Matthias:Niederjahna, Herrenhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/283e551c-3b06-470c-9a47-b5b4ca06c487

Inventarnummer: cbdd20203

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Im Herrenhaus Niederjahna erstrecken sich über drei Stockwerke mehrere bemalte Holzbalkendecken, die im späten 17. Jahrhundert von Hans Dietrich von Miltitz in Auftrag gegeben wurden. Alle bemalten Decken wurden 1724 verkleidet und erst zwischen 1999 und 2017 wieder freigelegt.

Das Herrenhaus Niederjahna

Niederjahna ist ein Dorf drei Kilometer westlich von Meißen. Der kleine Ort liegt am Rand der Lommatzscher Pflege, eines Gebiets zwischen Meißen, Nossen und Döbeln, das sich durch sehr hohe Bodenfruchtbarkeit auszeichnet. Der Ort war kein Bauerndorf, sondern ein reines Gutsdorf, geprägt durch das bis 1945 bestehende Rittergut Jahna, das aus einem mittelalterlichen Herrensitz mit Gutshof hervorging.[1] Dieser dürfte sich schon im 12. Jahrhundert herausgebildet haben und befand sich im Besitz der Meinheringer, der Burggrafen zu Meißen. Die königlichen Beamten erwarben selbst Grundbesitz und betrieben Landesbau. Damit versuchten sie sich, gegen die konkurrierenden Markgrafen von Meißen zu behaupten. Als 1426 der letzte Meinheringer in der Schlacht bei Aussig ums Leben kam, fiel der Grundbesitz der Burggrafen an die Markgrafen von Meißen und späteren Kurfürsten von Sachsen. Spätestens 1406 hatten die Burggrafen von Meißen ihren Hof in Niederjahna an die niederadlige Familie von Kundige verlehnt. Es folgten die Familien von Honsberg und Mönch (von Münch), die das Lehen seit dem Aussterben der Meinheringer vom Lehnhof Dresden empfingen. Das Rittergut, das bis 1945 den Namen „Jahna“ trug und nicht mit dem Rittergut Goldhausen in Jahna bei Ostrau verwechselt werden darf, umfasste Untertaten in den Dörfern Niederjahna, Questenberg, Korbitz, Stroischen, Mehren, Kaschka, Sieglitz, Seebschütz, Jesseritz, Seilitz und Obermeisa, Weinberge in Zitzschwig sowie zeitzweise einen Herrschaftskomplex südlich von Dresden mit den Dörfern Niederhermsdorf, Kohlsdorf und Wurgwitz. Als Stadthaus diente der Jahnaische Hof in Meißen.

Hans von Schleinitz (1540–1613) auf Schieritz, der seit 1565 mit Maria von Sundhausen verheiratet war, erwarb von der verschuldeten Familie Mönch 1565 den Jahnaischen Hof und 1579 das Rittergut Jahna. Er ließ das heute noch vorhandene Herrenhaus erbauen. Es erhebt sich anstelle der mittelalterlichen Burg, wie archäologische Untersuchungen nachgewiesen haben. Im nicht zugänglichen Kellerbereich unter dem Herrenhaus haben sich die Mauern eines mittelalterlichen Wohnturms erhalten. Dieser Standort befindet sich in der Aue der Jahnabaches, aber etwas oberhalb des Bachlaufes an einem leicht ansteigenden Hang. Das um 1580 erbaute Herrenhaus hat einen rechteckigen, fast quadratischen Grundriss. Das Renaissance-Portal mit den Wappen der von Familien von Schleinitz und von Sundhauen befindet sich an der Nordseite. Die Außenmauern von Erd- und Obergeschoss sind dieser Bauepoche zuzuordnen. Bewohnt wurde das Haus von Mitgliedern der Familie von Schleinitz. Ursula Perpetua von Schleinitz, geborene Pflug (1640–1709), heiratete 1685 in zweiter Ehe Hans Dietrich von Miltitz (1631–1697) auf Siebeneichen und Korbitz. Dieser kaufte 1689 von den Erben der Familie von Schleinitz das Rittergut Jahna, auf dem seine Ehefrau lebte. Umgehend nach diesem Erwerb ließ Hans Dietrich von Miltitz einen grundlegenden Umbau des Herrenhauses durchführen. Datiert ist er durch zwei Sandsteinreliefs mit Inschrift und der Jahreszahl 1691. Über dem Portal wurde eine Tafel ergänzt, die Hans Dietrich von Miltitz kniend und betend vor dem Kruzifix zeigt. Dieses ist von den seinem Wappen und dem seiner Frau umgeben, die mit „D. v. Miltitz“ und „D. Pfluge“ beschriftet sind. Ein Schriftband enthält die Inschrift: „Christi Blut allein / Macht von Sünden reyn“, unten ist als Datierung „A. 1691“ angegeben. An der Ostseite wurde über einem damals neu geschaffenen Eingang eine größere Sandsteinplatte mit folgender Inschrift angebracht: „Der diß Haus hatt auff gebaut / und zu Ende Steht benandt / Wünscht daß Gott ob man gleich Schaut / hier nicht großer Künstler hand / nur darinn Ihm und den Seinen / Stets mit hülffe Wohl erscheinen / Hanß Diettrich von Miltitz / uff Sieben-Eichen Jahna und Korbitz / Churfürstl. Sächß. Cammer Herr“. Darüber befinden sich sein Wappen und das seiner Frau Ursula Perpetua Pflug, versehen mit den Monogrammen HDVM und VPP. In einem Schriftband erscheint: „Anno 1691“.

Bei dem Umbau erhielt das Herrenhaus in allen Geschossen neue Holzbalkendecken. Die Balken über dem Erd- und über dem Obergeschoss messen im Querschnitt ca. 0,27-0,29 x 0,27-0,29 Meter, sind über 13 Meter lang und spannen in Nord-Süd-Richtung über die längste Ausdehnung des Hauses. Innen wurden die Raumgrößen verändert. Der Aufbau gleicht sich im Erd- und Obergeschoss: In der Mitte befindet sich breiter Flur, der in Nord-Süd-Richtung durch das Haus verläuft und von Außenwand und Außenwand spannt. An ihn gliedern sich beiderseits einzelne Räume an. Soweit verwendbar, wurden die Mauern aus der Bauepoche um 1580 übernommen. Der aus dem 16. Jahrhundert stammende Gewölberaum im Erdgeschoss wurde unverändert beibehalten. Mit einer Eisentür versehen, diente er vermutlich als Archiv. Das Dachgeschoss wurde um 1691 vollständig neu errichtet. Dabei verwendete man Balken mit einem deutlich geringeren Querschnitt als in den unteren Geschossen. Dieser beträgt 17,5 x 17,5 cm. An der Ost- und Westseite bildete man hohe Giebel aus. Der Ostgiebel wird von einer Katzentreppe eingefasst und wird von einem Bogengiebel bekrönt, während der Westgiebel wohl aufgrund späterer Umbauten heute einfacher gestaltet ist. Die Deckenbalken und Sparren des Dachbereichs, die zusammen gezimmert und aufgerichtet wurden, tragen ein steiles Satteldach. Innen teilt sich der Dachbereich in zwei Ebenen. Unten ist in der Mitte ein breiter Flur ausgebildet, der durch Fenster in den Dachgauben belichtet wird. An ihn schließen sich beiderseits Räume an. Die Mittelzimmer werden durch die Giebelfenster belichtet. In ihnen gibt es keine Dachschrägen, so dass sie nicht als Dachräume, sondern als vollwertige Innenräume wahrgenommen werden. Die zweite Dachebene enthielt Einbauten kleiner Kammern für die Dienstboten des Ritterguts. Erschlossen werden die Ebenen durch eine innenliegende Treppe in der Südwestecke des Hauses. Die steinerne Treppe von Erd- zum Obergeschoss gehört zur Bauepoche um 1691, während das Gelände um 1820 erneuert worden ist. Die Holztreppe vom Ober- zum Dachgeschoss wurde um 1820 errichtet, befindet sich aber am Standort der alten Treppe. Dies belegen die passgenauen Ausschnitte in der bemalten Holzbalkendecke. Die beiden Dachgeschossebenen sind durch eine Holztreppe verbunden, die an der Osteite des Mittelflurs verläuft.

Mit Ausnahme des Gewölberaums im Erdgeschoss und auch der Schwarzküche an der Südwestecke des Erdgeschosses erhielten alle Räume sichtbare bemalte Holzbalkendecken. Davon ist der größte Teil erhalten geblieben. Nicht erhalten ist die Decke in der heutigen Kapelle St. Donatus im Erdgeschoss. Die Decken in einem der Erdgeschossräume, in einem Obergeschossraum sowie im Saal sind bis heute durch untergehängte jüngere Decken verdeckt. In allen anderen Räumen erfolgte eine Freilegung.

Alle Malereien sind in Kaseinleimfarben ausgeführt. Diese Farbe ist wasserlöslich. Dort, wo es Wassereinbrüche gab oder die Bemalungen mit Lehm oder Putz in Berührung kam, sind die Malereien verloren.

Hans Dietrich von Miltitz hatte zwar Söhne, doch überlebten diese ihn nicht. Als er das Herrenhaus ausbaute, waren nur noch zwei erwachsene Töchter am Leben. Um den Besitz nach seinem Tod auf sie übertragen zu können, ließ er das Rittergut Jahna 1689 in ein Allodium umwandeln. Als er 1697 starb, zahlte Maria Elisabeth von Thumshirn, geborene von Miltitz (gest. 1703), ihre Schwester aus, um das Rittergut allein übernehmen zu können. Noch im gleichen Jahr übertrug sie den Besitz ihren beiden Söhnen. 1702 übernahm der jüngere Sohn Friedrich Wilhelm von Thumshirn (gest. 1729) das Rittergut in Alleinbesitz. Er ließ 1724 alle bemalten Decken verkleiden. Dies ist durch eine Kreideinschrift belegt, die die Arbeiter an einer der verschlossenen Decken hinterließen. Dort steht: „Verbaud / 1724 / HCH / xx“. Damals wurde auch der Saal im Obergeschoss barockisiert. Man schlug die Konsolen der Renaissance-Wandbogengliederung ab und baute eine Stuckdecke mit einfacher Profilierung ein.

Friedrich Wilhelm von Thumshirn hatte keine Kinder und entschloss sich daher, ein Fideikommiss zu stiften. Am 17. November 1716 legte er diese Stiftung, die mit seinem Tod wirksam wurde, in seinem letzten Willen nieder. Demnach sollte das Rittergut Niederjahna mit dem Freihaus in Meißen ungeteilt an seine nächsten Verwandten übergehen. Zunächst sollte seine Ehefrau nachfolgen, dann der ältere Bruder Hans Friedrich und dann die Schwestern. Danach sollte der Besitz als Majorat an den jeweils ältesten männlichen Nachkommen übergehen. Nur wenn keine männlichen Nachkommen vorhanden waren, durften auch weibliche Familienmitglieder nachfolgen. Nach dieser komplizierten Nachfolgeordnung erfolgte die Weitergabe des Ritterguts Jahna bis zur Auflösung des Fideikommisses im Jahr 1929. Da die Inhaber des Fideikomisses oftmals keine Kinder hatten, wechselte der Besitz an andere Verwandte, die andere Nachnamen trugen. Mehrfach gab es keine männlichen Nachkommen, so dass der Besitz an weibliche Verwandte übertragen werden mussten. Die letzte Inhaberin des Fideikomisses war Margarethe Freifrau von Bischoffshausen, geborene von Heineken (1868–1952). Das Rittergut wurde bis 1945 von ihrem Sohn Günther Freiherr von Bischoffshausen (1890–1971) bewirtschaftet, dem seit 1929 auch ein Viertel des Ritterguts gehörte. 1945 wurde der Besitz infolge der Bodenreform enteignet und das Rittergut in Neubauernstellen aufgeteilt. Die Neubauern in Niederjahna und Umgebung gründeten 1952 die LPG „Walter Ulbricht“ Jahna und damit die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft in Sachsen.

Nach der Enteignung und der Flucht der Familie von Bischoffshausen nahmen das Herrenhaus und das angrenzende Nebengebäude verschiedene Einrichtungen auf. Bis unter das Dach wurden alle Räume genutzt. Untergebracht waren Wohnungen für Flüchtlinge und Vertriebene, das Bürgermeisteramt (1947-1994), Kindergarten und Kinderkrippe (bis 1979), eine Konsum-Verkaufsstelle (1953-1990), Speisesaal der Schulspeisung (1990-1996) und eine öffentliche Nähstube. Der Saal wurde als Veranstaltungsraum der Gemeinde genutzt; auch diente er als Turn- und Veranstaltungssaal des Kindergartens und von 1949 bis 1990 als Wahllokal bei Kommunal- und Volkskammerwahlen. 1997 verkaufte die Gemeinde Käbschütztal das Herrenhaus an einen privaten Eigentümer. 2010 erfolgte nochmals ein Eigentumswechsel. Heute dient das Herrenhaus sowohl als Wohnhaus als auch als Sitz des Zentrums für Kultur//Geschichte. Im Erdgeschoss befindet sich die evangelisch-lutherische Kapelle St. Donatus.

Die bemalten Holzbalkendecken wurden zwischen 1999 und 2017 freigelegt. Dies erfolgte nicht systematisch, weil vollkommen unbekannt war, dass es diese Decken gab. Zufallsfunde bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen führten nach und nach zur Entdeckung der Bemalungen. Die untergehängte Konstruktion, die abgenommen wurde, bestand aus Latten, die mit Lehm und Stroh umwickelt waren und so eine geschlossene Deckenschicht bildeten. Darauf befand sich Rohrgeflecht, welches überputzt war. Im Saal wurde die Entscheidung getroffen, die zumindest teilweise vorhandene bemalte Decke nicht freizulegen, sondern den Zustand aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts zu belassen.

Der Eigentümer des Hauses, Dr. Matthias Donath, stellte die aufgefundenen Deckenmalereien mehrfach knapp vor.[2] Eine wissenschaftliche Bearbeitung hat bislang nur die emblematische Decke im Französischen Zimmer erfahren.[3]

Flur im Erdgeschoss

Der Flur reicht vom Portal an der Nordseite des Hauses bis zum Mittelfenster der Südseite des Hauses und durchspannt die gesamte Tiefe des Hauses. Am südlichen Ende befindet sich die steinerne Treppe, die ins Obergeschoss führt. Die Belichtung erfolgt lediglich durch ein Fenster. Der Raum ist – ohne Berücksichtigung der Tiefe der Türöffnung – 12,99 Meter lang, die Breite beträgt zwischen 3,50 und 3,53 Meter. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,40 Meter. An der Westwand führen zwei Türen in Nachbarräume, eine dritte Öffnung befindet sich unter der Treppe und führt ebenfalls in einen Nachbarraum. An der Ostwand befinden sich drei Türen. Die Deckenbalken verlaufen in Nord-Süd-Richtung und liegen auf den Außenmauern des Hauses auf. Der Raum wird von vier über 13 Meter langen Deckenballen überspannt, von denen die beiden äußeren unmittelbar auf den Längsmauern aufliegen. Ihre Flanken sind verputzt, so dass sie im Raum nicht sichtbar sind. Sehen kann man lediglich zwei Deckenbalken. Diese werden durch einen Unterzug getragen, der in der Mitte des Flures verläuft. Der originale Unterzug war gebrochen und wurde deshalb 2017 durch einen neuen Balken ersetzt, der jedoch die Profilierung des Ursprungsbalkens erhielt.

Die untergehängte Decke aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde 2017 abgenommen. Mit Ausnahme einer vorsichtigen Abnahme von Schmutz und Lehmspritzern erfolgte keine Konservierung oder Restaurierung. Die Decke wurde im Auffindungszustand belassen. An der Unterseite der Deckenbalken sind die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten sichtbar.

Die Decke des Flurs im Erdgeschoss

Die Deckenbalken messen im Querschnitt 0,28 x 0,28 Meter. Sie sind im Abstand von 0,97 Metern verlegt und tragen an den Kanten eine Fase, die ca. 0,25 Meter vor dem Wandanschluss in einer Schiffskehle ausläuft. Zwischen den Deckenbalken befinden sich im Abstand von ca. 0,94 Metern Querbretter. Diese nehmen eine Querteilung der Deckenbahnen vor und begrenzen die Bildfelder. In jeder Bahn gibt es 13 Bildfelder, insgesamt also 52 Bildfelder. Der Bildstreifen an der Südseite ist kürzer, weil bis zur südlichen Außenwand nicht ausreichend Platz war, um vollständige Felder auszubilden.

An den Deckenbalken ist mit Ausnahme eines grauen Streifens an der Oberseite der Seitenflächen, begrenzt von einer dunkelgrauen Linie, keine Farbgestaltung erkennbar. Vermutlich waren die Unterseite und die Flanken aber nicht holzsichtig, sondern mit einer hellen Kalkfassung bedeckt, die verlorenging. Die Querbretter haben profilierte Fasen. Sie tragen eine sehr einfache imitierte Marmorierung. Die Fasen sind hellrot, dann folgen ockerfarbene Streifen und dann nur auf einer Seite eine schwarze Linie als Schattenlinie. Die Fläche dazwischen ist weiß getönt. Kurze schwarze Linien, die auf jedem Querbrett anders ausgeführt sind, sollen eine Marmorierung andeuten.

Die annähernd quadratischen Deckenfelder umfassen jeweils drei Bretter, zwischen denen sich schmale Fugen öffnen. Die schmale graue Einfassung wird von einer schwarzen Linie begrenzt. Das Mittelfeld hat einen weißen Grund. Auf diesem befinden sich Blattranken, die nahezu die gesamte Fläche ausfüllen. Gemalt sind sie mit schwarzen, grauen und ockerfarbenen Konturlinien. Die Höhungen erfolgen in Ocker. Die Gestaltung der Ranken unterscheidet sich von Deckenfeld zu Deckenfeld. Dabei wiederholt sich das Motiv von gerollten Akanthusblättern, deren Anordnung sich aber unterscheidet. In der Mitte können Blüten und Blütenkelche verschiedener Form angeordnet sein.

Die Bemalung ist in allen Deckenfeldern erhalten geblieben. In einem Feld im Bereich des Unterzugs gibt es einen minimalen Verlust, weil dort eine Elektroleitung durch die Decke verlegt wurde, ohne dass man damals wusste, dass sich dort eine Bemalung befindet. An den Randstreifen zu den Außenwänden sind die Farben teils abgegangen, weil dort beim Einbau der untergehängten Decke Wasser wie auch Lehm- und Putzspritzer eindringen konnten. An einigen Stellen haben sich Teile der Bemalung durch Alterung gelöst. Dabei wirkt es, als seinen die Farben ganz oder teilweise abgerieben.

Ikonographie/Vorlagen

Wie im ganzen Herrenhaus, sind die Holzbalkendecken in Einzelfelder untergliedert. Diese Deckenfelder tragen auf beiden Decken im Erdgeschoss das gleiche Dekorationssystem. Alle Felder sind mit Akanthusranken bemalt. Diese Ranken waren ein beliebtes Motiv der Deckenmalerei der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Eine konkrete Vorlage kann nicht benannt werden. Auch die Marmorierungen waren überaus beliebt und weit verbreitet. Sie sollten nur eine Anmutung von Marmor geben, denn schon allein das konstruktive System macht deutlich, dass die Deckenglieder aus Holz sind und nicht aus Stein bestehen können.

Archiv und Museum

Der Archiv- und Museumsraum erhielt im Jahr 2017 seine heutige Nutzung. Er befindet sich genau gegenüber dem mit einer Eisentür aus der Zeit um 1580 versehenen Archivraum des 16. Jahrhunderts. Dieser Raum ist in der Bauetappe um 1691 durch ein Portal von außen zugänglich gemacht worden. Genau über diesem Portal befindet sich das Wappen- und Inschriftenrelief von 1691. Die Portalöffnung wurde jedoch später, wohl im 18. Jahrhundert, in ein Fenster umgewandelt. Zugleich erfolgte durch Einbau einer Zwischenwand die Abtrennung eines weiter westlich liegenden Raumes,

Der Raum in seiner jetzigen Größe ist 2,54 Meter breit und – ohne Berücksichtigung der Fenster- und Türnische – 5,64 Meter lang. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,35 Meter. Der Raum kann an seiner westlichen Schmalseite durch eine rechteckige Tür betreten werden. Diese stellt die Verbindung zum Flur im Erdgeschoss her. An der Ostseite befindet sich ein querrechteckiges Fenster. Die fensterlose Nordwand war in den 1950er Jahren durch Einbau einer Tür geöffnet worden, doch wurde diese Öffnung 2017 wieder geschlossen. Die Südwand hat keine Türen oder Fenster.

Die Deckenbalken spannen in Nord-Süd-Richtung durch den Raum. Die untergehängte Decke wurde 2016 abgenommen. Mit Ausnahme einer vorsichtigen Abnahme von Schmutz und Lehmspritzern erfolgte keine Konservierung oder Restaurierung. Die Decke wurde im Auffindungszustand belassen. An der Unterseite der Deckenbalken sind die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten sichtbar.

Nahe der Westwand verläuft unter der Decke ein Strang aus Wasser- und Abwasserleitungen. Um diese Leitungen nicht sichtbar werden zu lassen, wurde 2017 eine Verkofferung aus Drahtgeflecht gebaut. Diese ist verputzt und weiß gestrichen und wird optisch damit den Putzflächen des Raumes zugeordnet.

Die Decke des Archivs und Museums

Die Deckenbalken messen im Querschnitt 0,28 x 0,28 Meter. Sie sind im Abstand von 0,97 Metern verlegt und tragen an den Kanten eine Fase, die ca. 0,25 Meter vor dem Wandanschluss der Nordwand in einer Schiffskehle beginnt. Auf der gegenüberliegenden Südwand fehlt die Schiffskehle, außerdem durchschneidet die Wand die Deckenfelder. Man erkennt daran, dass die Zwischenwand nachträglich eingebaut wurde und die Decke im Nachbarraum weitergeht. In diesem südöstlichen Eckraum des Hauses ist aber bislang keine Freilegung der bemalten Decke erfolgt, so dass vom Gesamtbestand der Decke nur etwa die Hälfte sichtbar ist.

Im Raum sind heute vier Deckenbalken sichtbar. Von einem weiteren Balken, der auf der Außenwand aufliegt, sieht man nur die zum Innenraum gerichtete Flanke. An der Oberseite der Seitenflächen der Deckenbalken verlaufen graue Streifen, begrenzt von einer dunkelgrauen Linie. Die weitere Farbgestaltung der Deckenbalken ist zerstört. Schemenhaft ist an einem Balken noch erkennbar, dass dort ein farblich abgesetzter Streifen verlief. Zwischen den Deckenbalken befinden sich im Abstand von ca. 0,94 Metern Querbretter. Diese nehmen eine Querteilung der Deckenbahnen vor und begrenzen die Bildfelder. In jeder Bahn gibt es zwei Bildfelder und an der Südwand einen schmalen Streifen, der etwa einem Fünftel eines Bildfelds entspricht. Insgesamt sind damit 12 Bildfelder ganz oder teilweise sichtbar. Drei Bildfelder sind durch die Verkofferung verdeckt. Rechnet man den angrenzenden Raum mit dazu, dessen Decke noch nicht freigelegt ist, dann gab es ursprünglich fünf Bahnen mit jeweils fünf Bildfeldern, insgesamt also 25 Bildfelder.

Das Dekorationssystem entspricht dem des Flures im Erdgeschoss: Die Querbretter haben profilierte Fasen. Sie tragen eine sehr einfache imitierte Marmorierung. Die Fasen sind hellrot, dann folgen ockerfarbene Streifen und dann nur auf einer Seite eine schwarze Linie als Schattenlinie. Die Fläche dazwischen ist weiß getönt. Schwarze Linien sollen eine Marmorierung andeuten.

Die annähernd quadratischen Deckenfelder umfassen jeweils drei Bretter, zwischen denen sich schmale Fugen öffnen. Die schmale graue Einfassung wird von einer schwarzen Linie begrenzt. Das Mittelfeld hat einen weißen Grund. Auf diesem befinden sich Blattranken, die nahezu die gesamte Fläche ausfüllen. Gemalt sind sie mit schwarzen, grauen und ockerfarbenen Konturlinien. Die Höhungen erfolgen in Ocker. Die Gestaltung der Ranken unterscheidet sich von Deckenfeld zu Deckenfeld. Dabei wiederholt sich das Motiv von gerollten Akanthusblättern, deren Anordnung sich aber unterscheidet. In der Mitte können Blüten und Blütenkelche verschiedener Form angeordnet sein.

Die Bemalung ist in allen Deckenfeldern, die heute sichtbar sind weitgehend erhalten geblieben. An den Randstreifen zu den Außenwänden sind die Farben teils abgegangen, weil dort beim Einbau der untergehängten Decke Wasser wie auch Lehm- und Putzspritzer eindringen konnten. An einigen Stellen haben sich Teile der Bemalung durch Alterung gelöst. Dabei wirkt es, als seien die Farben ganz oder teilweise abgerieben. Die Bemalung der Deckenbalken ist größtenteils verlorengegangen.

Ikonographie/Vorlagen

Wie im ganzen Herrenhaus, sind die Holzbalkendecken in Einzelfelder untergliedert. Diese Deckenfelder tragen auf beiden Decken im Erdgeschoss das gleiche Dekorationssystem. Alle Felder sind mit Akanthusranken bemalt. Diese Ranken waren ein beliebtes Motiv der Deckenmalerei der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Eine konkrete Vorlage kann nicht benannt werden. Auch die Marmorierungen waren überaus beliebt und weit verbreitet. Sie sollten nur eine Anmutung von Marmor geben, denn schon allein das konstruktive System macht deutlich, dass die Deckenglieder aus Holz sind und nicht aus Stein bestehen können.

Flur (Vorsaal) im Obergeschoss

Der Flur nimmt den Mittelbereich des Obergeschosses des Herrenhauses ein und spannt von der Südseite zur Nordseite. An beiden Schmalseiten wird er durch Fenster belichtet. Er ist – unter Einberechnung des 2012 erstellten Badeinbaus – 13,57 Meter lang und 3,65 Meter breit. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,42 Meter. An der Westseite öffnen sich zwei Türen in Nachbarräume. An der Ostwand befinden sich drei Türen. Die beiden äußeren befinden sich in Bogennischen und haben Sandsteingewände, welche der Bauetappe um 1580 zuzuordnen sind. Alle anderen Türen haben hölzerne Zargen aus dem 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Die nördliche Tür der Westwand gehört zum historischen Bestand, wurde aber 2012 versetzt. An der Westwand ist ein Schornstein angeordnet. In Südwestecke verläuft die Innentreppe des Herrenhauses. Sie mündet mit einem geraden Treppenlauf in den Flur. Vor dem Südfenster steigt die Treppe ins Dachgeschoss nach oben und führt zunächst zu einem Treppenpodest. Dann schließt sich, um 90 Grad abknickend, ein gerader Treppenlauf ins Dachgeschoss an.

Über dem Flur spannen in Nord-Süd-Richtung vier Deckenbalken. Die äußeren Deckenbalken liegen jeweils auf den Innenwänden auf, so dass nur ihre Seitenflanken sichtbar sind. Zwei Deckenbalken sind vollständig zu sehen. Vor den Fenstern sind die Deckenbalken abgesägt und mit einem quer verlaufenden Wechsel verzagt. Dieser Eingriff ist in das 18. Jahrhundert zu datieren. Er wurde notwendig, weil offenbar die Auflager der Deckenbalken im Mauerwerk verfault und nicht mehr tragfähig waren. In der Mitte ruhen die Deckenbalken auf einem profilierten Unterzug. Dieser war gebrochen und wurde deshalb 2012 durch einen neuen Balken ersetzt.

Der Raum ist wohl im 18. Jahrhundert durch eine Querwand in zwei Kompartimente geteilt worden. 2012 wurde diese Wand entfernt. Beim Austausch des Unterzugs stellte sich heraus, dass sich unter der abgehängten Decke eine bemalte Holzbalkendecke befand. Diese wurde vollständig freigelegt. Erfordernisse der Haustechnik machten es nicht möglich, den Raum in seiner ganzen Größe zu erhalten. Vor dem Nordfenster wurde ein Bad eingebaut. Dieser Einbau geschah jedoch so, dass die freigelegte Decke unverdeckt blieb, also nicht in den Badraum einbezogen. Jedoch ist der Abstand zwischen der Baddecke und der historischen Holzbalkendecke so gering, dass die dort befindlichen Deckenfelder nicht mehr sichtbar sind.

Die Deckenbemalung wurde durch Konservierung loser Malschichten gesichert. Ansonsten wurde sie im Auffindungszustand belassen. An der Unterseite der Deckenbalken sind die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten sichtbar.

Die Decke des Flurs im Obergeschoss

Die Deckenbalken verlaufen im Abstand von ca. 1,05 Metern und haben einen Querschnitt von 0,27 x 0,27 Metern. Die Kanten sind abgefast und liefen in Schiffskehlen aus. Durch den Einbau der Wechsel sind die jeweils Schiffskehlen abgeschnitten. Die Schiffskehlen hin zum Unterzug sind jedoch noch vorhanden. In jeder der vier Deckenbahnen sind im Abstand von 0,82 Metern je 13,5 cm breite Querbretter eingefügt. Die haben ein kräftiges Profil mit einer Tiefe von 5,5 cm. Dazwischen befinden sich querrechteckige Bildfelder mit einer Breite von 1,05 Metern und einer Höhe von 0,82 Metern. Die meisten Deckenfelder bestehen nur aus einem einzigen Brett. Die beiden östlichen Deckenbahnen umfassten jeweils 15 Bildfelder. Bei der dritten, westlichsten Deckenbahn waren es aufgrund der Deckenöffnung für den Treppenaufgang nur elf oder zwölf Felder.[4] Die zu großen Teilen verlorengegangene Bemalung der Deckenbalken war an allen Seiten gleich. Die Flächen sind von hellgrauen Streifen eingefasst, wobei der obere Streifen von einer schwarzen Schattenlinie begrenzt wird. Auf dem dunkelgrauen Mittelbereich befinden sich helle, lanzettenartige Blätter, bedeckt von schrägen Streifen in Ocker, die sich regelmäßig wiederholen. Damit soll offenbar ein Feston aus Lorbeer gemeint sein, der mit einem ockerfarbenen Band umwickelt ist. Die Fasen tragen eine Marmorierung. Imitiert wird ein brauner Marmor mit roten und weißen Adern. Dieselbe Marmorierung befindet sich auch auf den Querbrettern.

Die Deckenfelder zeigen eine schachbrettartige Anordnung von zwei Dekoren. Das erste Dekor zeigt Kaiserbildnisse in Medaillons. Jedes Feld ist von einem hellgrauen Rahmen umgeben, wobei weiße und schwarze Konturlinien Licht und Schatten andeuten sollen. Aus diesem rechteckigen Rahmen entwickelt sich die runde Medaillonrahmung. Die kleinen Zwickel, die sich aufgrund des querrechteckigen Formats ergeben, sind mit Marmorierungen gefüllt. Der Bildgrund im Medaillon ist ein leuchtender ockergelber Farbton. Davor sieht man jeweils den Büstenausschnitt eines Mannes. Die Bildnisse sind mit schwarzen Konturlinien gemalt, die Gründe sind weiß, darauf befinden sich graue und schwarze Höhungen, so dass die Darstellungen wie Grisaillemalereien wirken. Mehrere Bilder zeigen im Hintergrund einen von der Figur angeschnittenen Kreis. Dieses Kreissegment hebt sich in einem braunroten Farbton vom hellen Ockergelb des Bildgrundes ab. Beim zweiten Dekor gibt es ebenfalls einen grauen Rahmen, umgeben von schwarzen und weißen Konturlinien. Der Bildgrund ist hellgrau. Davor befinden sich Akanthusranken in schwarzer Konturzeichnung und mit grauen Höhungen. Beide Dekore wechseln sich jeweils ab. Die Bildfolge begann in der Südostseite mit einem Kaiserbildnis (das nicht erhalten ist), danach folgte eine Akanthusranke, und so weiter. Die Kaiserbildnisse sind so angeordnet, dass sie ein Betrachter nur richtig herum sieht, wenn er von Norden in Richtung Süden schaut. Die ist die umgekehrte Richtung, wenn man den Raum über die Treppe aus dem Erdgeschoss betritt. Die Bildinszenierung setzt also voraus, dass ein Betrachter den Flur vom Treppenaufgang aus bis zum Ende durchschreitet und sich dann um 180 Grad umwendet.

Die Deckenmalerei ist in Teilen abgängig. Die Bemalung der Deckenbalken selbst ist größtenteils verloren. In den Bildfeldern haben sich einzelne Farbschollen gelöst. An diesen Stellen ist die braune Oberfläche der Einschubbretter sichtbar. Aufgrund des Einbaus der Wechsel fehlt an beiden Schmalseiten des Raumes jeweils ein Teil der Decke und ihrer Bemalung. Außerdem ist an der Westseite durch den Einbau des Schornsteins ein ganzes Kaiserbildnis-Deckenfeld samt der begleitenden profilierten Querbretter verlorengegangen. Heute sind 32 Deckenfelder ganz oder teilweise erhalten. Auf 16 Deckenfeldern befinden sich Kaiserbildnisse. Sechs Deckenfelder befinden sich unter dem Badeinbau und sind daher für Betrachter nicht vollständig sichtbar.

Ikonographie/Vorlagen

Diese Decke wie auch andere im Herrenhaus Niederjahna zeichnen sich durch eine alternierende schachbrettartige Anordnung von zwei Dekoren aus. Dabei wechseln sich Akanthusranken mit Bildnismedaillons ab. Diese Medaillons zeigen Herrscher, wie an der Kleidung sichtbar wird. Fast alle Dargestellten tragen einen Lorbeerkranz. Diese Auszeichnung ist Kaisern und gekrönten Dichtern vorbehalten gewesen. Hier müssen es Kaiser sein, zumal sich ein Kaiser, Leopold I. (1640-1705), eindeutig bestimmen lässt. Auch Ferdinand II. (1578-1637) und Ferdinand III. (1608-1657) dürften dargestellt sein. Demzufolge stellt die Bildfolge römisch-deutsche Kaiser des Heiligen Römischen Reichs dar, einschließlich des regierenden Kaisers, möglicherweise ergänzt um Kaiser des römischen Reichs.

Die Darstellungsweise – Oberkörperausschnitte, in das Bildfeld hineinragende Schilde, Köpfe mit Kronen oder mit Lorbeerkranz – erinnert stark an die Bildnisserien römisch-deutscher Kaiser in Simon Bornmeisters „Schau-Platz der Römisch- und Teutsch Käiser / in welchem von J. Caesare an / biß auf gegenwärtigen LEOPOLDUM I. Deren Verrichtungen und Absterben kürtzlich vor Augen gestellet“. Dieses Werk erschien 1669 in erster, 1672 in zweiter und 1685 in dritter Auflage und gehörte zu den beliebtesten Kaiserbüchern des 17. Jahrhunderts. Die Kaiser sind jeweils in Medaillons abgebildet. Dabei handelt es sich überwiegend um Phantasieporträts. Die Kaiserbildnisse sind dieser Vorlage nicht entnommen. Dazu gibt es zu viele Abweichungen. Was etwa in Bornmeisters Grafiken nicht auftaucht, sind die angeschnittenen Kreis im Bildhintergrund, die möglicherweise jeweils eine Sonne darstellen sollen. Wenn eine Bildnisserie in der Druckgrafik als Vorlage diente, dann muss diese so ähnlich gestaltet gewesen sein wie die Kaiser in Simon Bornmeisters „Schau-Platz“. Die Überprüfung aller in VD 17 bekannten Bücher mit Bildnissen römischer und römischer-deutscher Kaiser ergab aber bislang keine Übereinstimmungen. Die Tatsache, dass für die Kaiserdecke in der Bautzener Ortenburg ein Skizzenbuch aus der Kunstsammlung des sächsischen Kurfürsten verwendet wurde, lässt die Vermutung zu, dass es auch hier eine gezeichnete Vorlage gegeben haben könnte – vielleicht ebenfalls aus der Dresdner Kunstsammlung. Dies ist insofern möglich, weil der Auftraggeber Hans Dietrich von Miltitz seit 22. April 1675 einer der Kammerherren des Kurfürsten Johann Georg III. von Sachsen war.[5] Mit der Kammerherrenwürde war der unmittelbare Zutritt zu den Räumen des Herrschers wie auch eine hohe Besoldung verbunden.

Das Bildprogramm ist für das Haus eines Angehörigen des niederen Adels durchaus ungewöhnlich. Während sich die Kurfürsten von Sachsen durchaus in der Nachfolge der römischen Kaiser verstanden, wie die Kaiserdecke der Bautzener Ortenburg und die Büsten römischer Kaiser am Japanischen Palais in Dresden zeigen, konnten Angehörige des niederen Adels einen solchen Anspruch nicht erheben. In ihren Häusern konnten Bildnisserien römischer und römisch-deutscher Kaiser allenfalls dazu dienen, die Treue zu Kaiser und Reich zu verdeutlichen. Bislang ist keine einzige ähnlich angelegte Kaiserbildnisserie in einem Herrenhaus oder Schloss des niederen Adels bekannt. Ungewöhnlich ist zudem, dass man die Kaiser der Gegenwart darstellte, auch den regierenden Kaiser Leopold I. Die Kaiserbildnisserien, die aus fürstlichem Kontext bekannt sind, bilden immer nur römische Kaiser ab.

Die Benennung der Kaiser lässt sich nur ermitteln, wenn die konkrete Vorlage bekannt ist.

Die Kaiserdecke ist sicherlich nicht nur vom Auftraggeber betrachtet worden. Das Herrenhaus Niederjahna war ein halböffentliches Gebäude. Der Rittergutsbesitzer war Gerichtsherr über die Untertanen, die sich an bestimmten Terminen zu Gerichtstagen einfinden musste. Außerdem empfing er Besucher seines Standes und Ranges: Hofleute und die sogenannten „Nachbarn“, die Mitglieder der Adelsfamilien aus der Nachbarschaft. So ist es möglich, dass Besucher einige der Räume mit bemalten Decken sehen konnten. Sicherlich die Kaiserdecke im Flur, den wer die Wohn- und Repräsentationsräume erreichen wollte, musste diesen zentralen Kommunikationsraum des Hauses passieren. Insofern richtete sich die Botschaft des Bildprogramms auch an eine begrenzte Öffentlichkeit.

Feld 1: Kaiser

Der unbekannte Kaiser ist in Seitenansicht dargestellt. Er trägt langes, gelocktes Haar, über das ein Lorbeerkranz gelegt ist. Charakteristisch ist der dünne Oberlippenbart, der der Mode des 17. Jahrhunderts entspricht. Es könnte demnach Kaiser Ferdinand III. sein, doch fehlt der spitze Kinnbart. Der Kaiser trägt einen Schuppenpanzer. Am rechten Arm ist ein Schulterstück sichtbar. Rechts im Bild ist ein ovaler Schild angeschnitten. Der Schildrand ist mit einer Damaszierung versehen. Der braune Begleitstrich am Schildrand wirkt wie ein Schattenwurf.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 2: Kaiser

Der Kaiser ist in Seitenansicht dargestellt und wendet sich nach rechts. Sein Kopf ist in Profilansicht zu sehen. In die halblangen Haare ist ein Lorbeerkranz mit einer Schleife eingebunden. Der Kaiser trägt einen Schupperpanzer, dessen sichtbares rechtes Schulterstück wie eine Maske gestaltet ist. Hinter dem Kaiser bauscht sich ein Tuch auf, vermutlich ein Mantel. Am linken Bildrand sieht man einen braunen Kreisausschnitt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 3: Kaiser

Der Kaiser ist frontal dargestellt. Er hat volles, langes, gewelltes Haar und trägt einen Vollbart. Auf seinem Haupt ruht eine Krone, während ein Lorbeerkranz fehlt. Der Oberkörper ist mit einem Gewand umhüllt, das am Hals einen rechteckigen Ausschnitt hat. Außerdem ist ein Mantel über die Schulter gelegt. Links sieht man den Rand eines runden Schildes, rechts im Hintergrund einen braunen Kreisausschnitt, der wie eine Sonne wirkt. Dem Bildtypus nach könnte es ein Bildnis Kaiser Karls IV. (1316-1378) sein.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 4: Kaiser

Der Kaiser im Feld 4 zeigt die gleiche Haltung wie der Kaiser im Feld 3. Er blickt frontal nach vorn und hat einen Lorbeerkranz im vollen, halblangen Haar. Sein Gewand ist größtenteils durch einen Mantel verdeckt, der sich hinter ihm aufbauscht. Ein Halstuch bedeckt die Halspartie. Links sieht man den Rand eines runden Schildes, rechts im Hintergrund einen braunen Kreisausschnitt, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 5: Kaiser

Der Kaiser wendet sich nach links. Sein Kopf ist in Profilansicht zu sehen. Er trägt einen langen, spitzen Bart und einen Lorbeerkranz. Der Oberkörper wirkt seltsam verdreht. Man sieht einen Schuppenpanzer, den Ansatz des rechten Ärmels sowie ein über die Schulter gelegten Mantel. Im Hintergrund erscheint ein brauner Bildausschnitt, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 6: Kaiser

Der Kaiser ist in leichter Seitenansicht wiedergegeben. Er hat halblanges, gewelltes Haar und einen dünnen Oberlippenbart, was der Mode des 17. Jahrhunderts entspricht. Sein Gewand hat einen rechteckigen Halsausschnitt. Ein Tuch oder Mantel ist über die linke Schulter gelegt. Vorn links ist ein Schild angeschnitten, während rechts im Hintergrund ein brauner Kreisausschnitt zu sehen ist, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 7: Kaiser

Der Kaiser ist in leichter Seitenansicht dargestellt und blickt nach links. Er hat halblanges, gewelltes Haar und einen dünnen Oberlippenbart, was der Mode des 17. Jahrhunderts entspricht. Ebenso zeittypisch ist das Halstuch aus gerafftem Stoff. Um den Oberkörper ist ein Mantel gelegt. Vorn links ist ein Schild angeschnitten, während rechts im Hintergrund ein brauner Kreisausschnitt zu sehen ist, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren. Möglich wäre es, ihn als Kaiser Ferdinand II. oder Ferdinand III. anzusprechen. Dafür sprechen die vollen Lippen, die wohl als Habsburger-Lippe zu lesen sind.

Feld 8: Kaiser

Der Kaiser blickt nach rechts. Er hat halblanges gewelltes Haar, in das ein Lorbeerkranz mit einer Schleife eingebunden ist. Der Oberkörper ist vollkommen mit einem Mantel verhüllt. Armansätze sind nicht sichtbar. Ein Schild fehlt, dafür ist rechts im Hintergrund ein brauner Kreisausschnitt zu sehen, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren. Wahrscheinlich ist es ein Habsburger, denn die vollen Lippen sind als Habsburger-Lippe zu lesen.

Feld 9: Kaiser Leopold I.

Dargestellt ist der bei der Entstehung der Decke regierende Kaiser Leopold I. (1640-1705). Das Porträt ist mit größerer Detailgenauigkeit gemalt als die anderen Bildnisse. Man erkennt, dass Leopold I. in einen Harnisch gekleidet ist, von dem man die rechte Schulter- und Armpartie sieht. Er trägt ein Halstuch und hat auf dem Kopf eine Allongeperücke mit langen herabfallenden Locken. Der Lorbeerkranz ist in diese Perücke gesteckt. Links hinten bauscht sich der Mantel des Kaisers auf, während rechts eine große braune Fläche zu sehen ist, die wie eine Sonne wirkt. Das Gesicht ist detaikgetreu in Grisaille gemalt. Über den vollen Habsburger-Lippen sieht man einen noch kleinen, zweigeteilten Oberlippenbart. Dies ermöglicht eine Datierung der Bildvorlage, eines Porträts des Kaisers Leopold I. Diesen kleinen Oberlippenbart trug Leopold etwa zwischen 1660 und 1770. Davor war er bartlos, später trug er einen starken Schnauzbart.

Als Vorlage ist ein Kupferstich zu vermuten. Bisher war aber kein Kupferstich aufzufinden, der alle hier sichtbaren Merkmale aufweist.

Feld 10: Kaiser

Der Kaiser ist in Seitenansicht zu sehen, sein Kopf erscheint im Profil. Das halblange, gewellte Haar ist nicht verdeckt. Es fehlen Lorbeerkranz oder Krone. Um den Oberkörper ist ein Mantel gewickelt, wobei ein großer Brustausschnitt frei blieb. Ein Schild fehlt, doch es wiederholt sich der braune Kreisausschnitt im Hintergrund.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 11: Kaiser

Der an seinem Lorbeerkranz erkennbare Kaiser blickt nach links. Er erscheint in strenger Profilansicht. Die Haare sind gelockt. Er trägt ein Obergewand, von dem nur wenig sichtbar ist, weil der größte Teil des Oberkörpers von einem Schild verdeckt wird. Hinter dem Schild ist ein aufgebauschtes Tuch zu sehen, dahinter kehrt ein brauner Kreisschnitt wieder, der wohl als Sonne zu deuten ist.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 12: Kaiser

Der Kaiser wendet sich leicht nach links. Er trägt ein bis zum Hals geschlossenes Gewand, wobei der rechte Ärmel wie eine Maske gestaltet ist. Ein Mantel, der sich hinter dem Kaiser aufbauscht, ist über die linke Schulter gelegt. Der Kaiser ist bartlos, in das schulterlange gewellte Haar ist ein Lorbeerkranz mit einer Schleife eingebunden. Rechts ist ein brauner Kreisausschnitt zu sehen.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 13: Kaiser

Der Kaiser trägt keinen Lorbeerkranz, sondern einen Helm mit Federbusch. Das hochgeklappte Visier lässt ein bartloses Gesicht frei. Offenbar trägt der Dargestellte einen Harnisch, dem die Platte über der rechten Schulter zuzuordnen ist. Über die linke Schulter ist ein Mantel gelegt. Links ist ein Schild angeschnitten, während rechts ein brauner Kreisausschnitt erscheint, der wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Feld 14: Kaiser

Der Kaiser ist in frontaler Ansicht dargestellt und wendet seinen Kopf leicht zur Seite. In das volle, gelockte Haar ist ein Lorbeerkranz gesteckt. Beim Obergewand ist nicht klar zu erkennen, um sich um Stoff oder um einen Brustpanzer handelt. Der rechte Arm ist durch ein Schild verdeckt, welches angeschnitten ist. Hinter dem linken Arm erscheint im Hintergrund ein braunes Kreissegment.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Das Bildnis kann aber aufgrund des darunter befindlichen Badeinbaus nicht mit Abstand betrachtet werden.

Feld 15: Kaiser

Der Kaiser tägt keinen Lorbeerkranz, somdern eine Krone. Das zweite Herrschaftszeichen ist der Zepter, den er in seiner rechten Hand zu halten scheint. Man sieht außerdem die rechte Schulter- und Armpartie seines Harnischs. Über den Harnisch ist ein Mantel gelegt, der sich im Hintergrund aufbauscht. Der Kaiser trägt langes, gelocktes Haar und einen langen Vollbart. Eine weiße Kalkspur verdeckt Teile des Gesichts. Rechts ist im Hintergrund eine braune Kreisfläche zu sehen, die wie eine Sonne wirkt.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Das Bildnis kann aber aufgrund des darunter befindlichen Badeinbaus nicht mit Abstand betrachtet werden.

Feld 16: Kaiser

Der Kaiser ist in Seitenansicht dargestellt und ähnelt dem Kaiser in Feld 2. Man sieht ein bartloses Gesicht mit schulterlangen gewellten Haaren und einem Lorbeerkranz, der mittels einer Schleife in das Haar eingebunden ist. Der Kaiser trägt einen Schuppenpanzer sowie einen Mantel. Das Schulterstück des Schuppenpanzers ist wie eine Maske gestaltet. Rechts erscheint ein vom Bildrand angeschnittener Schild, dahinter eine braune Kreisfläche.

Die Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Namen des Kaisers ist nicht sich zu identifizieren.

Das Bildnis kann aber aufgrund des darunter befindlichen Badeinbaus nicht mit Abstand betrachtet werden.

Jagdzimmer

Der Raum befindet sich im Obergeschoss an der Südostecke des Hauses. Er misst – ohne Berücksichtigung der Fenster- und Türnischen – 6,18 x 5,87 Meter. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,62 Meter. An der Westseite ist ein Versprung, der sich dadurch ergibt, dass ein Abort und ein Rauchabzug in die Raumfläche hineingreifen. Diese Einbauten sind nachträglich in den Raum eingefügt worden. An der Ecke dieses Versprungs erhebt sich ein Schornstein, von dem alle vier Seiten sichtbar sind. Aufgrund der Ecklage des Raumes sind die Süd- und die Ostwand durchfenstert. An der Ostwand befinden sich zwei Bogennischen jeweils mit einem rechteckigen Fenster, an der Ostwand ist eine Bogennische mit Fenster ausgebildet. An der gegenüberliegenden fensterlosen Nordwand öffnet sich eine Tür zum Saal. Die Sandsteingewände stammen aus der Bauetappe um 1580. Daneben befindet sich eine Bogennische. Es ist anzunehmen, dass in dieser Nische ehemals ein Kachelofen stand. Eine weitere Tür an der Westwand innerhalb einer Bogennische verbindet das Jagdzimmer mit dem Flur.

Die Deckenbalken über dem Raum verlaufen in Nord-Süd-Richtung. Dabei sind vier Deckenbalken sichtbar. Die Deckenbalken und die dazwischenliegenden Einschubbretter tragen eine farbige Bemalung. Diese ist 1724 durch eine abgehängte Decke verdeckt worden. Auf der Kreideinschrift, die auf den Einbau der neuen Decke verweist, unterzeichnete einer der Arbeiter mit dem Monogramm HCH, der zweite, der offenbar nicht schreiben konnte, unterzeichnete mit zwei Kreuzen. Während diese Kreideinschrift noch vorhanden ist, ging eine zweite Inschrift auf einem Brett der untergehängten Decke verloren. Sie ist jedoch durch ein Foto dokumentiert. Die in Rot ausgeführte Aufschrift lautete: „Die Decke ist vor baud worden / Anno 1724 / Hanß Leonhard Flemel, [...]“.

Der Raum ist spätestens im 18. Jahrhundert in zwei Zimmer geteilt worden. Die Zwischenwand verlief quer zu den Deckenbalken neben dem Schornstein.

Die Abnahme der untergehängten Decke im südlichen Raumteil erfolgte um 1999. Im nördlichen Raumteil ist die Decke im Jahr 2012 entfernt worden. Zugleich erfolgte der Abbruch der Zwischenwand. Beide Deckenteile verblieben im Auffindungszustand. Eine Konservierung oder Restaurierung ist nicht durchgeführt worden. An der Unterseite der Deckenbalken sind die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten sichtbar.

Die Decke des Jagdzimmers

Die Deckenbalken verlaufen im Abstand von 1,06 Meter. Die östliche Deckenbahn reicht bis zur Außenmauer des Hauses und ist nur 0,82 Meter breit. Auch die westliche Deckenbahn ist schmaler. Zwischen dem Deckenbalken und der Binnenlängswand sind es 0,76 Meter. Die Deckenbalken haben eine Breite von 0,27 bis 0,29 Meter. Die Kanten der Deckenbalken haben Fasen, die vor den Außenwänden in Schiffskehlen auslaufen. Die eingeschobenen Querbretter sind 0,14 Meter breit und bestehen aus einem profilierten Brett und einer mittig aufgesetzten Profilleiste. Sie sind im Abstand von 0,88 bis 0,92 Meter angeordnet. Die Felder dazwischen sind mit Einschubbrettern verschlossen. Dabei wurden sehr breite Bretter verwendet, die maximal 1,06 x 0,92 Meter messen.

In vier Bahnen befinden sich sechs Deckenfelder. In der fünften Deckenbahn waren es ehemals auch sechs Felder, doch sind heute aufgrund späterer Einbauten nur drei sichtbar. Im ursprünglichen Zustand umfasste die Decke 30 Deckenfelder.

Die Balken sind an den drei sichtbaren Seiten jeweils gleich gestaltet. Hellgraue Streifen, begleitet von einer schwarzen Konturlinie, fassen einen Mittelstreifen ein. Dort befinden sich lanzettartige Blätter, gemalt in Grün und hellem Grau und mit schwarzen Konturen. Um diese Blätter legen sich schräge hellgraue Bänder. Dargestellt sind mit Bändern umwickelte Festons. Die Fasen sind mit einer brauen Lasur („Biermalerei“) abgesetzt. Mit der gleichen Lasur wurden auch die Querbretter bemalt. Alle erhaltenen Deckenfelder besitzen eine hellgraue Rahmung, begleitet von schwarzen und weißen Linien. In der Mitte befinden sich Akanthusranken, die in jedem Feld anders dargestellt sind. Man sieht einzelne, aber auch mehrere, miteinander verschlungene Ranken sowie Blüten und Fruchtkörper. Indem die Hintergründe jeweils anders gefasst sind, wechseln sich schachbrettartig zwei Farbsysteme ab. Beim ersten Dekor ist der Hintergrund hellgrau, beim zweiten Dekor wurde ein leuchtendes Ocker verwendet. Die Blätter sind jeweils in Grün und Hellgrau gemalt und durch schwarze Linien konturiert. Beim zweiten Dekor kommen noch ockerbraune Schatten dazu, die eine räumliche Tiefe andeuten sollen.

Die Bemalung ist in unterschiedlichem Maße erhalten geblieben. In einigen Deckenfeldern ist sie nahezu unangetastet, in anderen Bereich ist sie weitgehend oder ganz verlorengegangen. Beim östlichsten Deckenbalken wurde beim Einbau der untergehängten Decke ein Stück der Unterseite abgebeilt. Im Bereich, an dem die heute nicht mehr vorhandenen Zwischenwand anschloss, sind starke Farbverluste zu erkennen. In der vierten Deckenbahn, gezählt von Osten, fehlt ein ganzes Feld aufgrund des Einbaus des Schornsteins. Die Lücke, die in der Decke klaffte, wurde 2012 durch eine Verkofferung aus Holzbrettern geschlossen. Der Schornstein muss ca. 1970 erbaut worden sein und ersetzte einen älteren Schornstein. Dieser war von einem Schwelbrand betroffen gewesen. Durch eine undichte Stelle war Ruß in die Deckenbahn gezogen. Dabei sind zwei Deckenfelder vier vierten Bahn und die angrenzenden Flanken der Deckenbalken mit einer Rußschicht bedeckt worden, die noch heute vorhanden ist. Die drei Deckenfelder südlich des Schornsteins sind nicht original erhalten. Es handelt sich um eine Ergänzung aus vorhandenem älterem Holz, ausgeführt um 1999. Die Querbretter sind einfacher profiliert und schmaler als die anderen Querbretter im Raum. Die Bretter tragen eine monochrome graue bzw. weiße Fassung. In der fünften Bahn sind drei Deckenfelder sichtbar. Davon tragen zwei die originale Bemalung. Das dritte Feld fehlte, als 2012 dieser Teil der Decke freigelegt wurde. Hier wurde eine Ergänzung mit einem im Haus aufgefundenen Brett vorgenommen, das auf der Unterseite die weitgehend abgewaschenen Reste einer Bemalung zeigt.

Ikonographie/Vorlagen

Wie im ganzen Herrenhaus, sind die Holzbalkendecken im Obergeschoss in Einzelfelder untergliedert. Dabei ist im Ober- und Dachgeschoss ein alternierender schachbrettartiger Wechsel von zwei Dekoren zu beobachten, und zwar unabhängig davon, ob Bildszenen integriert wurden oder nicht. Dieser Wechsel begegnet bei vielen Holzbalkendecken des 17. Jahrhunderts. Auch die Akanthusranken sind typisch für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Eine konkrete Vorlage ist nicht zu vermuten. Vielmehr hat der Maler ein bestimmtes Grundmuster mehrfach wiederholt und variiert.

Saal

Der rechteckige Saal nimmt den nordöstlichen Eckbereich im Obergeschoss des Herrenhauses ein. Alle Umfassungsmauern stammen aus der Bauepoche um 1580. Der Raum ist – die Fensternischen nicht eingerechnet – 6,02 Meter breit und 7,03 Meter lang. Die Raumhöhe beträgt 3,18 Meter. An der Nord- und Ostseite befinden sich jeweils breite Nischen, in denen sich nochmals zwei Fensternischen öffnen. Die Fensterbögen werden in der Mitte durch einen Konsolstein abgefangen. Der Konsolstein kragte aus und besaß eine Verzierung, doch wurde diese bei der Barockisierung des Raumes abgeschlagen. In der Westwand befindet sich eine Tür mit Sandsteingewänden, die zum Flur führt. In der Südwand ist eine Türnische ausgebildet. In dieser sitzt eine Tür mit Sandsteingewänden, die in das Jagdzimmer führt. In der Südwestecke verläuft ein moderner Schornstein.

Der Raum besaß ehemals eine sichtbare Holzbalkendecke. Diese wurde durch vier Deckenbalken gegliedert. Vermutlich 1724, als im ganzen Haus die Balkendecken verkleidet wurde, erhielt auch dieser Raum eine abgehängte Decke mit Stuckgliederung. Zugleich wurden die Renaissance-Konsolen abgearbeitet und in ihre Gestalt vereinfacht.

Bei den Bauarbeiten 2012 wurde an einer Stelle der Fußboden über der Decke geöffnet. Dabei war es möglich, in den Zwischenbereich zwischen den Deckenbalken und der abgehängten Stuckdecke zu schauen. Dabei war zu erkennen, dass es Einschubbretter mit Bemalung gab. Diese waren aber nicht vollständig erhalten; Teile der Einschubbretter fehlten. Auch aufgrund des fragmentarischen Bestandes wurde entschieden, die Stuckdecke nicht abzunehmen, sondern beizubehalten.

Die Decke des Saals

Die vier Deckenbalken trennen fünf Deckenbahnen voneinander. Dort befinden sich, sofern noch vorhanden, eingeschobene profilierte Querbretter, die die einzelnen Deckenfelder voneinander trennen. Es ist anzunehmen, dass es in jeder Bahn sieben Deckenfelder gab. Demzufolge teilte sich die Decke in 35 Deckenfelder. Bei der Öffnung von oben konnte nur ein Deckenfeld untersucht werden. Dort befinden sich auf einem hellgrauen Hintergrund grüne Blätter und eine Frucht mit roten Fruchtkörpern. Anzunehmen ist, dass sich auch bei dieser Decke zwei Dekore abwechselten. Wie das zweite Dekor ausgesehen hat, konnte nicht festgestellt werden. Es muss offenbleiben, ob sich dort bildliche Darstellungen befinden.

Die untergehängte Decke ist von einer stark profilierten Außenkante umgeben. Es folgt eine umlaufende rechteckige Stuckleiste, dann eine mehrfach verspringende Stuckleiste und dann im Deckenfond eine kreisrunde Einfassung. In der befindet sich eine Rosette. Die Stuckprofile wurden mehrfach überstreichen, was die feine Profilierung des Stucks verunklarte. 2012 wurde nach einem Freilegungsversuch durch einen Restaurator entschieden, die Farbschichten nicht abzunehmen. Das Bild wurde durch eine neu aufgetragene weiße Farbschicht beruhigt.

Ikonographie/Vorlagen

Wie im ganzen Herrenhaus, sind die Holzbalkendecken im Obergeschoss in Einzelfelder untergliedert. Von der Saaldecke konnte nur ein Feld in Augenschein genommen werden. Die Blüte, die dort zu sehen ist, gehört zum üblichen Repertoire von bemalten Holzbalkendecken aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert. Eine konkrete Vorlage ist nicht zu vermuten. Wahrscheinlich ist, dass es auch bei dieser Decke ein schachbrettartiger Wechsel von zwei Dekoren gab.

Wohnräume

Der westliche Teil des Obergeschosses nimmt heute zwei Räume auf. Die Raumeinteilung entspricht aber nicht der ursprünglichen Raumgliederung. Wie an der Deckenbemalung sichtbar ist, verlief die Zwischenwand im Zustand um 1690 weiter nördlich als heute. Dabei ergaben sich zwei annähernd gleich große Räume mit einer Breite von 5,18 Metern und einer Länge von 6,59 Metern (nördlicher Raum) und 7,06 Metern (südlicher Raum). Die maximale Raumhöhe beträgt 3,31 Meter.

Die folgende Beschreibung nimmt die beiden heute vorhandenen Räume zusammen. In der fensterlosen Ostwand, die zum Flur gerichtet ist, befinden sich zwei Türen mit hölzernen Zargen. Die gegenüberliegende Westwand enthält einen Türbogen mit einer Fenstertür und zwei Fensternischen mit Fenstern. Weiterhin wurde 2012 eine Nische aufgefunden. Möglicherweise gehörte sie zu einer Tür, über die man in einen außen angebauten Abort gelangte. Diese Öffnung wurde 2012 geöffnet und mit einer Fenstertür versehen. An den beiden Schmalseiten ist jeweils eine Fensternische mit Fenster ausgebildet. Die Zwischenwand, die heute eine Raumtrennung, dürfte im 18. Jahrhundert errichtet worden sein. Darauf verweist das original erhaltene Türblatt mit einer barocken Felderteilung.

Über den beiden Räumen verlaufen drei Deckenbalken, die ursprünglich eine Länge von mehr als 13 Metern hatten. An der Nordseite sind sie abgesägt und durch einen quer verlaufenden Wechsel abgefangen worden. Da der Wechselbalken nicht gesägt, sondern abgebeilt wurde, ist der Einbau des Wechsels noch ins 18. Jahrhundert zu datieren. An der Südseite gibt es vermutlich ebenfalls einen solchen Wechsel. Dieser Bereich ist jedoch nicht sichtbar.

Wohl im 18. Jahrhundert erhielt dieser Teil des Herrenhauses abgehängte Decken. Im nördlichen Raumteil wurde diese Decke im Jahr 2012 abgenommen. Dabei wurde sichtbar, dass sich die originalen Deckenfelder nur in den beiden mittleren Deckenbahnen erhalten hatten. In den beiden äußeren Bahnen waren – wohl bei Fußbodenarbeiten im Dachgeschoss – die originalen Einschubbretter in Teilen entfernt und neue eingebaut worden. Teils fehlten die Einschubbretter ganz. Die Fehlstellen waren so groß, dass entschieden wurde, diese Deckenbahnen mit Gipskarton auszukleiden. Der Bestand ist unter den untergehängten Gipskartonbahnen erhalten geblieben. Die drei Deckenbalken wie auch die Mittelbahnen wurden sichtbar gelassen. Die aufgefundenen Bemalungen wurden allerdings weder konservatorisch noch restauratorisch behandelt. Sie befinden sich im Auffindungszustand.

Weiterhin erfolgte der Einbau von zwei hölzernen Unterzügen. In dem Teil südlich der um 1690 bestehenden Zwischenwand war eine zweite Deckengestaltung zu erkennen. Diese hatte sich ebenfalls nur in den beiden Mittelbahnen erhalten. In den Außenbahnen waren Bretter verschiedenster Dekorationen in Zweitverwendung aneinandergefügt. Um dieses disparate Bild zu beruhigen, wurde entschieden, diesen Bereich vollständig mit einer untergehängten Gipskartondecke zu verkleiden.

Im Raumteil südlich der Zwischenwand blieb die abgehängte Decke des 18. Jahrhunderts erhalten.

Die Decken der Wohnräume

Die folgende Beschreibung bezieht sich auf die um 1690 vorhandene Raumgliederung. Im nördlichen Raum verlaufen drei Deckenbalken. Die beiden mittleren Deckenbahnen sind 1,17 und 1,13 Meter breit, die beiden äußeren 0,91 und 1,27 Meter. Die Deckenbalken haben einen Querschnitt von 0,27 x 0,27 Metern. Sie besitzen – anders als die übrigen Decken im Erd- und Obergeschoss – keine Fasen und Schiffskehlen. Im Abstand von 0,80 Metern sind profilierte Querbretter eingeschoben. Sie bestehen aus jeweils zwei aufeinander genagelten Brettern, sind 13 cm breit und 6,5 cm hoch. Zwischen den Querbrettern befinden sich breite Einschubbretter. Die meisten Deckenfelder bestehen nur aus einem einzigen Brett. In jeder Bahn gab es – vor dem Einbau des Wechsels – sieben Deckenfelder. Bei vier Bahnen waren es insgesamt 28 Deckenfelder. Davon sind heute nur noch zwölf sichtbar.

Die Flanken der Deckenbalken tragen oben einen grauen Streifen, der von einer schwarzen Konturlinie begrenzt wird. Darunter befinden sich auf hellgrauem Grund weiße Festons mit schwarzer Konturierung. Die Girlanden scheinen an den Querbrettern aufgehängt zu sein und hängen durch. Die Unterseite der Deckenbalken wird von hellgrauen Streifen eingefasst, begrenzt einerseits von einer schwarzen und andererseits von einer weißen Linie. Die Mitte ist weißgrau getönt. Immer dort, wo die Querbretter verlaufen, sind Rosetten mit grünem Mittelkreis und blauen Blättern angeordnet. Dazwischen befindet sich graues Blattwerk mit schwarzer Konturierung.

Die Querbretter sind in dunkelbrauner Farbe abgesetzt. Die Deckenfelder besitzen jeweils einen hellgrauen Rahmen, der teils von einer schwarzen, teils von einer weißen Linie eingefasst wird. Zwei Dekore wechseln sich schachbrettartig ab. Das erste Dekor umfasst zwei grüne Palmetten, die über Kreuz auf einem grauen imitierten Marmor mit weißen Adern angeordnet sind. Dort, wo sich die Palmetten überkreuzen, befindet sich eine graue Rosette. Die Palmetten sind in abgestuften Grüntönen gemalt. Schwarze Linien sorgen für eine Konturierung, während braune Partien einen Schattenwurf andeuten sollen. Das zweite Dekor befindet sich auf einer imitierten Marmorierung. Vorgetäuscht wurde ein hellblauer Marmor mit schwarzen Adern. In der Mitte befindet sich ein weißes Zierfeld, umgeben von einem schwarzen Schattenwurf. In der Mitte dieses Feldes sitzt jeweils eine Rosette mit drei Blattkränzen. Der Mittelkreis ist grün, der innere Blattkranz besteht aus roten Blättern mit schwarzen und hellgrauen Konturen. Die beiden äußeren Blattkränze sind hellgrau und von braunen Konturlinien eingefasst.

Die Deckenbalken setzen sich im südlichen Raum fort. Dort wiesen die Deckenbalken eine Fase auf. Eine Bemalung war nicht zu erkennen, doch kann man vermuten, dass sie verloren gegangen ist. Die profilierten Querbretter sind weiß getönt. In jeder der vier Bahnen gab es vermutlich acht Deckenfelder. Bei den Bauarbeiten im Jahr 2012 sind davon nur sechs sichtbar geworden. An ihnen kann man erkennen, wie das Gestaltungssystem angelegt ist. Die Deckenfelder haben keine Rahmung. Es wechseln sich zwei Dekore ab. Das erste Dekor umfasst grüne Blattranken auf hellgrauem Grund. Graue Linien sollen einen Schattenwurf andeuten. Das zweite Dekor zeigt in hellem Grau gemalte Blattranken auf ebenso hellem Grund mit grauen Kontur- und Schattenlinien. Wahrscheinlich war die Bemalung ursprünglich differenzierter, als sie sich im Jahr 2012 darbot. Vermutlich sind Teile der Bemalung verblasst oder sie haben sich zersetzt.

In den erhaltenen Bereichen beider Decken sind die Bemalungen zu großen Teilen noch vorhanden. Es gibt aber auch viele Fehlstellen und Beschädigungen, die durch Eindringen von Wasser, durch mechanische Beschädigungen und durch ein Abblättern von Farbschichten verursacht worden sind. An der Unterseite der Deckenbalken sind diese Partien beschädigt, an denen die Latten der Unterkonstruktion aufgenagelt waren. Zu sehen sind außerdem die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten.

Ikonographie/Vorlagen

Wie im ganzen Herrenhaus, sind die Holzbalkendecken im Obergeschoss in Einzelfelder untergliedert. Dabei ist ein alternierender schachbrettartiger Wechsel von zwei Dekoren zu beobachten, und zwar unabhängig davon, ob Bildszenen integriert wurden oder nicht. Dieser Wechsel begegnet bei vielen Holzbalkendecken des 17. Jahrhunderts. Auch die Akanthusranken, Palmetten, Blüten und Girlanden sind typisch für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Eine konkrete Vorlage ist nicht zu vermuten. Vielmehr hat der Maler ihm bekannte Grundmuster mehrfach wiederholt und variiert. Auch die Marmorierungen waren überaus beliebt und weit verbreitet. Sie sollten nur eine Anmutung von Marmor geben, denn schon allein das konstruktive System macht deutlich, dass die Deckenglieder aus Holz sind und nicht aus Stein bestehen können.

Flur im Dachgeschoss

Das Satteldach des Herrenhauses ist in zwei Ebenen geteilt. Die untere Ebene ist ein voll ausgebildetes Wohngeschoss. Die zu den Giebelseiten gerichteten Räume werden durch einen breiten Mittelflur erschlossen. Man erreicht ihn über eine Treppe vom Obergeschoss, die in der südwestlichen Raumecke einmündet. Die beiden Längsseiten sind fensterlos. Die östliche Längsseite enthält zwei, die westliche Längsseite drei Türen. An den beiden Schmalseiten sind die Dachschrägen sichtbar. An der Nordseite befindet sich eine breite Gaube mit zwei Fenstern. Diese gehörte zum Originalbestand, wurde um 1980 abgetragen und wurde 2012 in der alten Größe rekonstruiert. An der Südseite ist eine schmale Gaube mit einem hochrechteckigen Fenster angeordnet. Diese wurde 2012 in Holzkonstruktion errichtet und ersetzt eine steinerne, gemauerte Gaube, die um 1980 abgetragen worden ist. An beiden Längsseiten erheben sich Schornsteine.

Der Flur hat saalartige Dimensionen. Er hat eine Länge von 12,70 Metern (unter Einrechnung der Gaube auf der Nordseite) und eine Breite von 5,21 Metern. Die maximale Raumhöhe beträgt 3,54 Meter. In Nord-Süd-Richtung spannen fünf Deckenbalken über den Raum. Die beiden äußeren Deckenbalken liegen jeweils auf den Längswänden auf, so dass nur die Flanken sichtbar sind. Bei den Deckenbalken handelt es sich um die Kehlbalken des Sparrendaches. Sie haben den gleichen Querschnitt wie die Dachsparren, nämlich 0,17 x 0,17 Meter. Der – äußerst weite – Abstand der Deckenbalken von 1,15 bis 1,20 Metern entspricht dem Abstand der Dachsparren.

Die sichtbare Holzbalkendecke wurde im 18. Jahrhundert durch eine untergehängte Decke verkleidet. Diese ist um 1999 abgenommen worden. Dabei wurden die starken Schäden durch eingedrungenes Wasser sichtbar. Vier Deckenfelder im Bereich der Schornsteine fehlten. Diese Öffnungen wurden um 2002 durch den Einbau von Holztafeln geschlossen. 2012 erfolgte eine Entfernung von Verschmutzungen und noch immer anhaftenden Lehm. Mit Ausnahme dieser vorsichtigen Abnahme von Schmutz und Lehm erfolgte keine Konservierung oder Restaurierung. Die Decke wurde im Auffindungszustand belassen. An der Unterseite der Deckenbalken sind die Nagellöcher der ehemals aufgenagelten Latten sichtbar, auch haften immer noch Lehmreste an den Balken.

Die Decke des Flurs im Dachgeschoss

Die Holzbalkendecke teilt sich in fünf Bahnen. Jeder dieser Bahnen besteht aus acht Deckenfeldern, die jeweils durch Querbretter getrennt werden. In der östlichen Bahn sind es nur 5 ½ Deckenfelder, da sich dort ein Einschnitt befindet. In diesem verläuft die Treppe zur oberen Ebene des Dachgeschosses. Damit sind es insgesamt 37 ½ Felder. Die Querbretter sind im Abstand von 0,95 Metern verlegt. Nur die beiden Reihen im Osten sind mit 0,72 und maximal 0,83 Metern schmaler. Ihre Größe ergab sich daraus, dass man aufgrund der Dimensionen des Dachtragwerks keine vollständigen Felder hätte ausbilden können. Der östliche Randbereich trägt keine Bemalung. Das liegt daran, dass dort die Dachschräge passgenau angeschlossen war.

Die Deckenbalken tragen eine Bemalung, die zu großen Teilen verloren gegangen ist. An vorhandenen Resten kann man erkennen, dass es sich um eine Marmorierung handelt. Auf hellgrauem Hintergrund sind schwarze Linien aufgemalt, die eine Aderung des Marmors andeuten sollen. Die Querbretter haben profilierte Kanten. Auf der Unterseite befand sich eine imitierte Marmorierung, gemalt in Grau- und Weißtönen. Diese Bemalungen sind größtenteils abgewaschen und verloren.

Bei den Deckenfeldern wechseln schachbrettartig zwei Muster ab. Die Rahmung besteht aus einer schmalen schwarzen Linie. Das erste Muster umfasst Akanthusranken, die in jedem Feld etwas anders ausgeführt sind. Die Ranken sind in Grautönen gemalt. Schwarze Linien sollen einen Schatten andeuten. Der Hintergrund ist monochrom hellblau. Das zweite Muster sind Fruchtgehänge. Man sieht Girlanden, die mit Blüten und Früchten besteckt sind. Bei diesem zweiten Muster gibt es wiederum einen alternierenden Wechsel: Das erste Dekor hat einen roten Marmorhintergrund. Imitiert wurde ein roter Marmor mit dunkelroten bis braunen Adern. Die Fruchtgehänge sind in Grisaille aufgemalt. Beim zweiten Dekor ist der Marmorhintergrund grau. Die Marmorierung wird durch weiße und schwarze Adern angedeutet. Die Fruchtgehänge sind farbig und nicht in Grisaille gestaltet. Die Girlande ist in Grüntönen gemalt, die Blüten und Früchte sind rot, ocker und hellblau. Die Bemalung dieser Fruchtgehänge ist deutlich detaillierter und feiner als die hier und in anderen Räumen des Hauses anzutreffende Akanthusmalerei.

Um die Fruchtgehänge richtig herum zu sehen, muss man nach Betreten des Dachgeschosses den Flur in seiner ganzen Länge durchschreiten und sich dann um 180 Grad umwenden. Das heißt, dass die Blickrichtung von Norden nach Süden verläuft.

Die Deckenbemalung hat durch Wassereinbrüche, die wahrscheinlich schon älteren Datums sind, stark gelitten. Im südlichen Bereich sind die Bemalungen in sechs Feldern ganz oder teilweise durch Wasser beschädigt bzw. ganz vernichtet worden. In den anderen Deckenfeldern sind die Bemalungen noch gut zu sehen, doch sieht man auch dort Partien, in denen der Farbauftrag abgängig ist. Im Bereich der beiden Schornsteine, die offenbar nach 1690 in der heutigen Form eingebaut worden sind, fehlen zwei historische Deckenfelder. In der Nordostecke, zwischen der Deckenschräge und der Treppenöffnung, fehlte ein schmales Deckenfeld. Es wurde 2012 mit drei historischen Brettern geschlossen, die eine zusammenhängende, größtenteils jedoch abgewaschene Bemalung tragen. Diese Bretter waren auf dem Dachboden aufgefunden worden. Man erkennt ein Rankenmuster mit schwarzen Schattenlinien.

Ikonographie/Vorlagen

Die bemalte Holzbalkendecke im Flur des Dachgeschosses setzt die Dekorationssystem fort, die im Obergeschoss begegnen, ist aber dabei noch raffinierter gestaltet. Denn zum alternierenden Wechsel von zwei Dekoren, die sich schachbrettartig verteilen, kommt ein nochmaliger Wechsel innerhalb des zweiten Dekors dazu. Es ist nicht anzunehmen, dass für die Akanthusranken und Festons konkrete Vorlagen Verwendung fanden. Vielmehr haben der oder die Maler bestimmte Grundmuster, die sie beherrschten, variiert.

Die Festons mit ihren Früchten und Blüten sind sehr fein und detailliert gemalt, möglicherweise von einem anderen Maler als dem, der im ganzen Haus die Akanthusranken mit wenigen breiten Pinselstrichen gestaltete. Auch die Marmorierungen sind deutlich feiner gemalt als in anderen Räumen. Generell waren Marmorierungen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts äußerst beliebt. Im Herrenhaus Niederjahna findet man sie bei mehreren Decken.

Französisches Zimmer

Das Französische Zimmer ist die Giebelstube auf der Ostseite des Dachgeschosses. Der Raum unmittelbar am Ostgiebel wird so begrenzt, dass keine Dachschrägen sichtbar sind. Dass man sich im Dachbereich befindet, erkennt man nicht. Der Raum misst 5,27 Meter mal 4,55 Meter und hat demnach einen annähernd quadratischen Grundriss. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,55 Meter. Auf der Ostseite befinden sich zwei Fenster. Die Nordseite ist fensterlos, während die gegenüberliegende Südwand eine Tür in einen Nebenraum (mit Dachschräge) enthält. In der Westwand öffnet sich eine rechteckige Tür mit Holzzarge. Sie verbindet das Französische Zimmer mit dem Flur.

Über dem Raum spannen in Nord-Süd-Richtung fünf Deckenbalken. Der östliche Deckenbalken ist in den Ostgiebel eingebettet, der westliche verläuft auf der Längswand, so dass nur die Flanken sichtbar sind. Bei den Deckenbalken handelt es sich um die Kehlbalken des Sparrendaches. Sie haben den gleichen Querschnitt wie die Dachsparren, nämlich 0,17 x 0,17 Meter. Der Abstand der Deckenbalken von 1,14 bis 1,30 Metern entspricht dem Abstand der Dachsparren. Zudem besitzt der Raum einen – entweder bauzeitlichen oder nachträglich eingebauten – Unterzug. Er ist mit zwei Balken verzapft, die schräg in die Dachkonstruktion eingefügt sind und in der oberen Dachebene eine Auskreuzung bilden.

Die vier Deckenbahnen sind mit Einschubbrettern versehen. Dabei nehmen Profilleisten eine Felderteilung vor. Die Höhe der Felder richtet sich nach dem Balkenabstand und beträgt zwischen 1,14 und 1,30 Meter. Die Breite ist unterschiedlich und schwankt zwischen 0,87 und 0,87 Metern. Es gibt schmalere und breitere Felder. Demnach verlaufen die Profilleisten in Ost-West-Richtung auch nicht in einer Linie. An der Südseite befinden sich aus Platzgründen nur schmale Felder mit einer Breite von 0,40 bis 0,44 Meter.[6]

Es lässt sich nicht klar entscheiden, ob Unterzug und Auskreuzung bauzeitlich sind oder eine spätere Ergänzung darstellen. Für eine bauzeitliche Entstehung spricht, dass die Balken der Auskreuzungen mit möglichst kleinen Öffnungen durch die Deckenfelder geführt wurden. Der Unterzug verläuft dort, wo Profilleisten in Ost-West-Richtung angeordnet sind. Das heißt, er verdeckt die Bildfelder nicht. Allerdings liegen die Profilleisten und der Unterzug nicht exakt übereinander.

Die bemalte Decke wurde im 18. Jahrhundert mit einer untergehängten Deckenkonstruktion versehen. Diese wurde um 1999 abgenommen. Im Jahr 2010 fehlten sämtliche Profilleisten. Diese wurden auf dem Dachboden vollständig entdeckt und wieder angebracht. Nicht bekannt ist, wann die Profilleisten entfernt worden sind: entweder schon im 18. Jahrhundert oder bei der Freilegung der Decke. Nach der Freilegung erfolgte keine Konservierung und Restaurierung, nur eine vorsichtige Abnahme des auf die Deckenbalken geworfenen Lehms. An der Unterseite der Deckenbalken sieht man noch heute Lehmspuren sowie die Nagellöcher der dort aufgenagelten Latten. Die Streben der Auskreuzung wurden um 2000 durch neue Holzbalken ersetzt.

Die Decke des Französischen Zimmers

Die bemalte Holzbalkendecke umfasst vier Bahnen mit jeweils sechs Deckenfelder. Insgesamt sind es 24 Felder. 20 der 24 Felder tragen bildliche Darstellungen und Inschriften. Die Bildmotive sind nur richtig herumzusehen, wenn man von Osten nach Westen schaut. Wenn man den Raum betritt, muss man zunächst die gesamte Raumtiefe durchschreiten und sich vor dem Ostgiebel um 180 Grad umwenden, um dann die Deckenfelder in Untersicht und nicht auf dem Kopf stehend zu sehen.

Die Bemalung der Deckenbalken ist stark abgängig. Die wenigen Fragmente lassen vermuten, dass eine Marmorierung in Hellgrau und Schwarz aufgemalt war. In diesem Raum lässt sich eine Besonderheit nachweisen: Teile der Deckenbalken waren mit Leinwand überzogen, und die Malschicht lag auf der Leinwand. Durch dieses Verfahren überdeckte man Risse in den Deckenbalken, die man als störend empfand. Fragmente dieser ehemals aufgenagelten Leinwandbespannung sind noch vorhanden. An der Südwand befand sich zwischen den Deckenbalken ein Farbstreifen, von sich Fragmente erhalten haben. Dieser Farbstreifen hat einen grauen Grund. Aufgelegt ist eine Schmucklinie, oben schwarz und unten weiß, in die in regelmäßigem Abstand Kreissegmente mit Knauf eingefügt sind.

Die Profilleisten besten jeweils aus zwei übereinandergesetzten Leisten. Die Tiefe beträgt 7 cm. Die äußere Leiste ist jeweils dunkelgrau gefasst, die innere Leiste trägt eine hellgraue Fassung. Die Bildfelder sind zudem durch eine schwarze Linie gerahmt.

Die Bildfelder haben jeweils einen hellgrauen Grund. Sie enthalten ein ovales Medaillon. Die Einfassung besteht aus einem breiten grauen Streifen, der außen von einer schwarzen, innen von einer erst schwarzen, dann weißen Linie eingefasst wird. Auf dieser grauen Einfassung befindet sich oben eine französische Inschrift, ausgeführt in schwarzer Kurrentschrift. Sind die Inschriften nur kurz, wurde jeweils ein Ornament angefügt. Die Medaillons enthalten Bilddarstellungen, die jeweils ähnlich aufgebaut sind. Meist gibt es eine Landschaft mit Himmel, in der im Vordergrund Personen, Tiere oder Gegenstände angeordnet sind. Die Zwickel sind mit zwei verschiedenen Dekorationen gefüllt: Zum einen sieht man graue Akanthusblätter mit schwarzen sowie gelbgrünen Konturen, zum anderen angedeutete Festons in Grau und Schwarz. Diese beiden Dekorationen wechseln alternierend in schachbrettartiger Anordnung, mit Ausnahme der Felder 11 und 12, die zweimal nebeneinander Festons enthalten.

Eine Besonderheit stellen die schmalen Randfelder dar. Hier konnten aufgrund der geringen Breite keine vollständigen Bilddarstellungen gezeigt werden. Die Felder enthalten ebenfalls ovale Rahmungen, jedoch sind die Ovale stark gestaucht. Die Zwickeldekorationen sind entfallen. In drei dieser Randfelder sind die Medaillons mit Bäumen gefüllt, die sich vor einem Landschaftshintergrund erheben. Einer der Bäume steht vor einem hohen, blaugetönten Berg. Das Randfeld in der Südwestecke des Raumes trägt keine Bemalung. Diese ist offensichtlich durch Wassereinwirkung verlorengegangen

Die Deckenbemalungen sind mit Ausnahme des Randfelds in der Südwestecke gut erhalten. Jedoch sind partiell Farbschichten verlorengegangen. Im Feld 5 zeichnet sich ein Wassereinbruch ab, wobei das Wasser Teile des Bildfeldes abgewaschen hat. Die Bemalung der Deckenbalken ist überwiegend verlorengegangen.

Ikonographie/Vorlagen

Der Maler verwendete eine konkrete Vorlage, und zwar das Buch „Emblematische Gemüths-Vergnügung bey betrachtung 715 der curieusten und ergözlichsten Sinnbildern mit ihren zuständigen Deutsch-Lateinisch-Französ.- u. italianische beyschrifften“, und zwar die erste Auflage, die 1693 in Augsburg erschien.[7] Folglich kann die Farbgestaltung dieser Decke frühesten 1693 geschaffen worden sein. Der Terminus ante quem ist das Todesjahr des Auftraggebers Hans Dietrich von Miltitz, 1697.

Das Emblembuch enthält 51 Doppelseiten, die immer gleich aufgebaut sind. Rechts erscheinen 15 kreisrunde Embleme, und links erfolgt eine kurze Beschreibung, gefolgt von der Inscriptio (auch: Motto, Devise, Lemma) in lateinischer, französischer, italienischer und deutscher Fassung. Der Auftraggeber, bei dem es sich um Hans Dietrich von Miltitz handeln muss, wählte bestimmte Embleme aus. Bei der Inscriptio entschied er sich für die französische Fassung, die vom Maler genau so, wie sie im Buch steht, auf die Bilderdecke übertragen wurde. Auch offenkundige Fehler wurden übernommen. Die Embleme stammen von den Seiten 4, 6, 14, 19, 23, 36, 41, 42, 43, 45, 50 und 51. Dabei erfolgte eine gezielte Anordnung in der Reihenfolge des Buches. Die Reihe beginnt in der nordöstlichen Raumecke und verläuft zunächst innerhalb der ersten Deckenbahn. Dann folgt die zweite Deckenbahn in umgekehrter Richtung, dann die dritte Bahn in gleicher Richtung und die vierte Bahn in umgekehrter Richtung. Allerdings fallen die letzten drei Motive aus der Reihenfolge heraus. Das Feld 17 zeigt Emblem 15 der Tafel 15. Das ist das letzte Emblem des Buches. Da man aber noch drei Deckenfelder frei hatte, griff man auf Embleme zurück, die weiter vorn im Buch stehen, und zwar auf den Seiten 36 und 51. Zwei Deckenfelder sind offenkundig nachträglich vertauscht worden. Bei den Feldern 12 und 13 stimmen weder inhaltliche Reihenfolge noch Rahmendekor. Tauscht man sie aus, ist alles stimmig.

Die Bilder und das Motto der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ stammen aus verschiedenen Emblem-Publikationen. Daher zeigt die Decken viele Embleme berühmter Emblembücher des 16. und 17. Jahrhunderts. Die meisten Embleme, die Hans Dietrich von Miltitz für seine Decke auswählte, stammen ursprünglich von Joachim Camerarius („Symbolorum & emblematum“, 1590-1604) und Diego de Saavedra Fajardo („Idea de un pricipe politoco christiano“, 1659). Anzunehmen ist, dass Hans Dietrich von Miltitz die „Emblematische Gemüths-Vergnügung“ in seiner eigenen Bibliothek hatte. Möglich ist auch, dass er das Buch in der kurfürstlichen Bibliothek in Dresden einsah und auslieh. Die SLUB Dresden, die aus der Königlichen Öffentlichen Bibliothek hervorgegangen ist und daher auch die Bestände der kurfürstlichen Bibliothek enthält, hat in ihrem Bestand die 1. Auflage von 1693 allerdings nicht, nur die zweite Auflage von 1695.[8]

Die ausgewählten Embleme und Motti beinhalten Regeln und Normen für ein gelungenes Leben. Es sind Regeln, die die sich gezielt an einen Mann richten, der Verantwortung im öffentlichen Leben wahrnahm. Offenbar dienten die Bilder der Selbstvergewisserung des Auftraggebers. Auch wenn das Herrenhaus Niederjahna ein halböffentliches Haus war, so ist doch nicht davon auszugehen, dass Fremde ins Dachgeschoss gelassen wurden. Es scheint sich um einen privaten Raum gehandelt zu haben, möglicherweise um ein Schlafzimmer. Demnach richtete sich das Bildprogramm wahrscheinlich an den Hausbesitzer und seine Ehefrau. Die Embleme sollen die Regeln und Ratschläge in Erinnerung rufen, die Miltitz für sein Leben gewählt hatte. Gleichzeitig zeigt das Programm Miltitz' eigene Bildung und Gelehrsamkeit. Er wählte die französische Sprache wohl mit Absicht – um seine eigenen Sprachkenntnisse und seine Zugehörigkeit zum französischsprachigen Hof zu demonstrieren. Wenn er einen Besucher in den Raum ließ, konnte er durch die Erklärung der Embleme seine Weltoffenheit zum Ausdruck bringen und möglicherweise auf seine Bibliothek verweisen, die die „Emblematische Gemüths-Vergnügung“ enthielt. Auch wenn es sich bei dem Raum mit der symbolträchtigen Decke lediglich um einen Privatraum gehandelt hat, ist die Decke dennoch als Medium der Selbstvergewisserung eines gebildeten und selbstbewussten Adligen des 17. Jahrhunderts anzusehen.

Feld 1: Nutze die Zeit

Im Bildfeld sind zwei nackte geflügelte Putten (Amores) zu sehen. Die erheben jeweils einen Hammer und schmieden ein Stück Eisen. Dieses liegt auf einem altarähnlichen Amboss. Die Szene ist in eine Landschaft eingebettet. Auf einem grünen Grund stehen Büsche und Bäume, darunter rechts ein Baum, dessen Krone sich über die Puttengruppe beugt. Vorlage für diese Darstellung ist das Emblem 11 auf Seite 4 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Die Bildszene wurde detailgetreu übernommen, einschließlich der Gestaltung des Ambosses. Eine Ergänzung des Malers ist die Landschaft mit den Bäumen. Die Beschreibung im Emblembuch lautet: „Zwei Cupidines schmidten auf einem Amboß ein glüendes Eisen“. Dazu werden Motti in vier Sprachen angeboten. Übernommen wurde die französische Fassung: „Profitons du temps“, wörtlich übersetzt: „Nutze die Zeit“. Die deutsche Fassung im Emblembuch lautet: „Man muß das Eisen schmidten / weil es warm ist.“ Heute ist das Sprichwort in dieser Fassung bekannt: „Man muß das Eisen schmieden, solange es heiß ist“. Das Emblem beinhaltet die Aufforderung, zur rechten Zeit das Rechte zu tun. Damit ist auch gemeint, passende Gelegenheiten zu nutzen.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus einer Emblemsammlung von Daniel de La Feuille (um 1640–1709), die 1691 in Amsterdam in erster Auflage erschien. In dem Werk von de La Feuille ist es das Emblem 11 auf Seite 4.

Feld 2: Zu viel Aufmerksamkeit schadet

Auf einem Baumstumpf sitzt ein Vogel mit erhobenen Schwingen. Er pickt mit seinem Schnabel in das rechte erhobene Bein. Im Hintergrund erscheint eine Landschaft mit einem Berg. Links vom Vogel wächst ein Baum mit dunkelgrünen Blättern. Die Vorlage für die Bilddarstellung ist das Emblem 1 auf Seite 6 der „Emlematischen Gemüths-Vergnügung“. Es wird beschrieben: „Ein Falck, der an seinen angelegten Schellen picket.“ Die Schellen sind nicht mit abgebildet, der Maler hat sie auf der kleinen Vorlage offenbar nicht richtig gesehen und deshalb weggelassen. Daher ist der Sinngehalt auch nicht recht verständlich. Das französische Motto lautet: „Son bruit lui nuit“, deutsch wörtlich „Sein Lärm schadet ihm.“ Als deutsches Motto wird in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ angeboten: „Das Gerücht ist ihm schädlich.“ Das Emblem bezieht sich auf einen in Gefangenschaft lebenden Vogel, der an seinem Bein Schellen trägt, damit ihn der Besitzer jederzeit finden kann. Der Lärm, der von den Schellen ausgeht, wird laut Motto als Schaden wahrgenommen. Indem der Vogel seine Schellen abmacht, befreit er sich. Übertragen bedeutet dies die Aufforderung, nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen bzw. sich von schädlicher Aufmerksamkeit zu befreien.

Das Emblem zeigt selbst einen Landschaftshintergrund. Diesen hat der Maler weiter ausgeschmückt, etwa mit dem Baum, der im Mittelgrund des Bildes wächst.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus den „Empresas politicas“ des spanischen Diplomaten Diego Saavedra Fajardo (1584-1648), die in der ersten Auflage 1640 in Müchen erschienen. Dort ist es das Emblem 10 mit dem lateinischen Motto „Fama nocet“.

Feld 3: Höre dir auch andere Meinungen an

Auf dem ovalen Bildfeld sieht man ein Meer. Im Hintergrund erscheint eine Küstenlinie, davor schwimmt ein Segelboot mit Mast. Der Blick richtet sich auf ein Schiff im Vordergrund, das vom linken Bildrand abgeschnitten wird. In einer Dolle (Rudergabel) hängt ein Ruder (Riemen), das ins Wasser taucht. Der Maler übernahm dabei das Emblem 4 auf Seite 6 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Er hat aber den Sinn des Bildes nicht verstanden und das Ruder so gemalt, als tauche es gerade in das Wasser ein. Gemeint ist hier aber der Effekt, das der Teil des Ruders, der ins Wasser taucht, aufgrund der optischen Brechung des Lichts im Wasser wie abgeknickt erscheint. Das Boot samt Dolle sind von der Vorlage detailgetreu übernommen, dagegn stellen das zweite Schiff und die Küstenlinie eine Hinzufügung des Malers dar. Die Beschriebung im Emblembuch lautet: „Das eusserste Theil von einem Schiff / dessen in das Wasser tauchende Ruder-Stange gekrümmet erscheint.“ Das Motto im Buch lautet „Nôtte opinion nous trompe”. Dabei muss das erste Wort in korrektem Französisch „Notre” heißen. Der Maler hat diesen Fehler so übernommen. Wörtlich übersetzt heißt das französische Motto: „Unsere Meinung täuscht uns”. Die deutsche Fassung im Emblembuch lautet: „Die Meinungen betriegen [gemeint ist betrügen].“ Auf das Bild bezogen, bedeutet das, dass das Ruder zwar an der Wasserlinie gebrochen erscheint, tatsächlich aber gerade ins Wasser taucht. Übertragen ist damit gemeint, dass er erste Blick täuschen kann. Das Motto bezieht diese Aussage auf Meinungen. Es sagt aus, dass man seine Meinungen und Ansichten überprüfen soll, weil auf den zweiten Blick oder mit einer zweiten Meinung Dinge anders erscheinen als beim ersten Blick.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus den „Empresas politicas“ des spanischen Diplomaten Diego Saavedra Fajardo (1584-1648), die in der ersten Auflage 1640 in Müchen erschienen. Dort ist es das Emblem 46 mit dem lateinischen Motto „Fallimur opinione“.

Feld 4: Bedenke, dass du sterben wirst

Auf einer angeschnittenen Kugel, wohl der Weltkugel, erhebt sich ein Kenotaph. Es besteht aus einem Sockel, einem Scheinsarg, dekoriert mit einem Schädel und Festons, sowie einer Giebelarchitektur mit bekrönendem Dreiecksgiebel. Darauf liegt ein rotes Kissen, auf welchem eine Krone und ein Zepter abgelegt sind. Der Maler hat allerdings nicht erkannt, dass auf der Vorlage – dem Emblem 12 auf Seite 14 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ – ein Kissen abgebildet ist. Er malte stattdessen eine rote Wolke. Der Maler übernahme die auf- oder untergehende, mit Strahlen versehene gelbe Sonne links neben dem Kenotaph, ergänzte aber den Baum rechts, der auf einem Feldbrocken hervorzuwachsen scheint. Das französische Motto lautet: „Il Prouostique lavenir.“ Dabei unterliefen dem Maler zwei Übertragungsfehler. Im Original lautet es: „Il pronostique l´avenir“. Die wörtliche Übersetzung lautet: „Er sagt die Zukunft voraus“. Im Emblembuch wird angeboten: „Zeigt das Künfftige an“. Die Bilddarstellung wird knapp beschrieben als „Ein Grabmahl“. Gemeint ist, dass alle Menschen sterben müssen. Diese Unausweichlichkeit des Todes betrifft auch alle Herscher. Das wird mit Krone und Zepter über dem Grabmal angedeutet. Das Emblem ermahnt dazu, immer zu bedenken, dass man sterben muss.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus den „Empresas politicas“ des spanischen Diplomaten Diego Saavedra Fajardo (1584-1648), die in der ersten Auflage 1640 in Müchen erschienen. Dort ist es das Emblem 101 mit dem lateinischen Motto „Futurum indicat“.

Feld 5: Lass dich nicht täuschen

In der Mitte des Bildes sieht man einen nackten Menschen, der sich lediglich ein Tuch umgehängt hat. Ein Putto oder Amor ist nicht gemeint, denn es fehlen die Flügel. Er umfasst mit einem Arm eine angedeutete Wolke. Die Szene spielt in einem Landschaftsausschnitt. Man sieht Büsche und Bäume. Links ist ein brauner Baumstamm oder Felsen angeordnet, der einen geraden Abschluss besitzt. Dieses Landschaftsmotiv lenkt stark von der Wolke ab. Der Maler hat es der Bildvorlage hinzugefügt. Das Emblem 9 auf Seite 19 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ zeigt nur einen Menschen, der eine Wolke umarmt. Die Beschreibung lautet: „Ein Mensch / der eine Wolcken umfasset“. Das französische Motto „La feinte ne fert de rien.“ Bedeutet wörtlich „Vortäuschen nützt nichts“. Als deutsche Fassung wird im Emblembuch angeboten: „Das Leugnen hilfft nicht.“ Gemeint ist, dass man sich nicht täuschen lassen soll, so wie der Mensch auf dem Emblem durch die Wolke getäuscht wird.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem wahrscheinlich einer Vorlage entnommen. Diese ist jedoch nicht bekannt.

Feld 6: Die Liebe setzt sich durch

Das Bildfeld zeigt einen Fluss, der von einer Uferlinie mit Bäumen begrenzt wird. Ein geflügelter nackter Amor sitzt auf seinem Pfeilköcher, erkennbar an den Befiederungen der Pfeile, die aus dem Köcher herausracken. In beiden Händen hält er einen schwarzen Stab, mit dem im Wasser rudert. Bildvorlage für dieses Darstellung war das Emblem 15 auf Seite 19 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Ergänzt wurden lediglich die Bäume und Büsche an der Uferlinie des Flusses. Die Beschreibung der Vorlage lautet: „Ein Cupido, der auf seinem Köcher über das Wasser fähret.“ Das über dem Bildfeld angebrachte französische Motto lautet: „L`Amour trouve des moyens.“ Wörtlich bedeutet das „Die Liebe findet Mittel“. Die deutsche Entsprechung im Emblembuch lautet: „Die Liebe findet Mittel und Weg“. So wie der Amor einen Weg findet, um von einem Flussufer zum anderem übersetzen, sich dabei ungewöhnlicher Mittel wie hier dem Pfeilköcher bedienend, so kommt die Liebe letztlich zum Ziel. Das kann, muss aber nicht auf die erotische Liebe hinweisen. Die Liebesemblematik kann auch im übertragenenen Sinne gedeutet werden. So ist hier vielleicht gemeint, dass Zielstrebigkeit zum Erfolg führt.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Buch „Amorum Emblemata“ von Otto van Veen, gedruckt 1608 in Antwerpen. Das Emblem befindet sich dort, allerdings seitenverkehrt, auf S. 93. Bei der Übernahme in die „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ wurden die Details der Landschaftsumgebung, das Schiff im Hintergrund wie auch eine Frau im Wasser weggelassen.

Feld 7: Lass dich nicht verführen

Auf einer Fläche, die im Hintergrund von einer horizontalen Linie begrenzt wird, steht ein Kerzenständer mit grauer Kerze und brennender Flamme. Dieser Flamme nähert sich ein schwarzes Insekt, das mit groben schwarzen und grauen Strichen skizziert wurde und daher nicht eindeutig anzusprechen ist. Im Hintergrund erscheinen Berge und ein Baum. Nach der Beschreibung auf Seite 23 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ ist dargestellt: „Ein Sommer-Vogel / so sich selbsten in dem Liecht verbrennt.“ Der Sommervogel ist nach Grimms „Deutschem Wörterbuch“ ein Schmetterling. Dieser wird vom Licht der Kerze angezogen, kommt ihm zu nahe und verbrennt in der Flamme. Das Motto lautet: „Mon plaisir me coûte la vie”, zu deutsch: „Mein Vergnügen kostet mich das Leben”. Dieser Spruch soll vor Vergnügungssucht warnen. In Verbindung mit dem Bild mahnt er, dass es tödlich enden kann, wenn man seinen Begierden nachgeht. In diesem Sinne warnt das Emblem vor der Verführung, weil sie in den Untergang führt.

Die Bildvorlage ist das Emblem 13 der Seite 23. Die Kerze steht dort auf einem abgegrenzten Tisch. Diesen Tisch wandelte der Maler der Niederjahnaer Emblemdecke in eine Art Landschaft um. Die deutsche Fassung des Mottos lautet dort: „Eine schädliche Belustigung“.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Buch „Amorum Emblemata“ von Otto van Veen, gedruckt 1608 in Antwerpen. Das Emblem befindet sich dort auf Seite 103. Bei der Übernahme in die „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ wurde das Motiv stark vereinfacht. Man ließ den Amor, große Teile des Tisches und die Umgebung des Tisches weg.

Feld 8: Wende List und Erfindungsreichtum an

In einer Landschaft, die am Horizont von Bäumen begrenzt wird, steht ein Vogel. Er wirft mit seinem Schnabel einen Stein in einen Krug mit einem schmalen Hals. Die Szene wird von zwei grünen Büschen flankiert. Dargestellt ist Äsops Fabel von der Krähe und dem Wasserkrug. Die Krähe sucht nach Wasser, um zu trinken, und findet einen mit Wasser gefüllten Krug. Es gelingt ihr allerdings nicht, mit dem Schnabel das Wasser zu erreichen, weil der Hals des Gefäßes so eng ist. Daher wirft die Krähe so lange Steine in den halb vollen Krug, bis das Wasser den Rand des Gefäßes erreicht und sie trinken kann. Vorlage für diese Darstellung war das Emblem 9 auf Seite 23 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Nur die Landschaft wurde gegenüber der Vorlage reicher ausgeschmückt. Das französische Motto „J´en profitarai par mon esprit“ wurde mit einem Rechtschreibfehler aus der Vorlage übernommen. In der „Emblematischen Gemüths-Vergügung heißt es „profiterai“ statt „profitarai“. Die Übersetzung lautet: „Ich werde es mit meinem Verstand genießen“. Als deutsche Fassung ist im Emblembuch angeboten: „Durch List und Verschlagenheit“. Die deutsche Beschreibung lautet: „Eine Krehe läßt in ein mit Oel gefülltes Gefäß Steine fallen / damit das Oel überlauffen und sie trincken könne.“

Fabel und Emblem erklären, dass man mit Erfindungsreichtum an ein Ziel gelangen kann, das momentan nicht erreichbar scheint. Die Moral lautet, dass Ausdauer und Verstand immer zum Ziel führen. Der Betrachter wird aufgefordert, sich des Verstandes zu bedienen, um zum Erfolg zu gelangen. List und Erfindungsreichtum führen zum Ziel.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem möglichweise selbst aus der Fabel Äsops entwickelt. Im Emblembuch „„Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius kommt im Teil III, Nr. 79 (erste Auflage 1596) ein ähnliches Emblem vor. Es zeigt einen Vogel, der von oben Steine in ein deutlich größeres Gefäß hineinwirft, was mit dem Emblem im Augsburger Enblembuch jedoch nicht genau übereinstimmt. Das lateinische Motto „Ingenio experiar“ ist in beiden Fassungen gleich.

Feld 9: Klugheit führt zum Ziel

Eine grüne Graslandschaft, in der ein Baum wächst, säumt einen Fluss. Auf dem Wasser schwimmt ein Brett, und auf diesem sitzt ein Eichhörchen mit erhobenem Schweif. Ganz im Hintergrund sind hellblau und weiß getönte Berge zu sehen. Vorlage war Emblem 1 auf Seite 41 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Das Bild wird dort so beschrieben: „Ein Eichhorn mit aufgerecktem Schweiff fähret auf einem Brett über einen Fluß.“ Ergänzt wurde die Landschaft im Hintergrund. Das französische Motto „L´adresse surpasse la force.“ entspricht der Vorlage. Wörtlich heißt das „Geschick übertrifft Stärke“. Im Emblembuch wird „Klugheit übertrifft die Stärcke“ angeboten.

Die Bildaussage bezieht sich auf das Eichhörnchen. Es kann nicht schwimmen, kommt aber trotzdem über den Fluss, indem es ein Hilfsmittel verwendet, hier ein schwimmendes Brett. Das soll aussagen, dass Klugheit zum Ziel führt. Zusammen mit dem Motto wird deutlich, dass Klugheit wichtiger als Stärke ist.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „„Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius. Dort befindet es sich im Teil II (erste Auflage 1595) unter Nr. 88. Das Motto lautet dort „Vincit solertia viris“, was der lateinischen Fassung in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ entspricht.

Feld 10: Hüte dich vor trügerischem Schein

Aus dem Meer taucht eine nackte Schönheit auf. Die junge Frau hat langes, gelocktes Haar und spielt auf einer Bratsche. Das Musikinstrument verdeckt ihre Brüste. Neben ihr kommt aus dem Wasser ein Fischschwanz hervor. Gemeint ist das Seeungeheuer Skylla, das nach der griechischen Mythologie den Oberkörper einer jungen Frau besitzt und mit betörendem Gesang die Seeleute anlockt. Ihr Unterkörper besteht jedoch aus sechs Hunden. In dieser Darstellung hat die Frau einen Fischschwanz. Dies geht auf die „Ars poetica“ von Horaz zurück. Um vor falscher Dichtung zu warnen, schreibt er: „Desinit in piscem mulier formosa superne“, zu deutsch Oben eine schöne Frau, unten in einem Fischschwanz endend.“ Bildvorlage war das Emblem 8 auf Seite 42 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Der Bildaufbau ist genau gleich. Die Beschreibung dort lautet: „Ein Syrene in dem Meer“. Das französische Motto heißt „Belle par en haut“, zu deutsch „Schön von oben“. So lautet auch das deutsche Motto. Die lateinische Fassung „Formosa superne“ geht auf Horaz zurück. Das Emblem warnt vor der Verführung und erklärt, dass das, was auf den ersten Blick schön aussieht, böse und gefährlich sein kann. Es warnt vor trügerischem Schein.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus den „Empresas politicas“ des spanischen Diplomaten Diego Saavedra Fajardo (1584-1648), die in der ersten Auflage 1640 in Müchen erschienen. Dort ist es das Emblem 78 mit dem lateinischen Motto „Formosa superne“.

Feld 11: Übernehme keine Aufgaben, die du nicht bewältigen kannst

In einer braun getönten Landschaft hat sich ein Kamel niedergelassen. Es hat seine Vorderbeine von sich gestreckt. Auf seinem Rücken trägt es ein rotes, mit schwarzen Schnüren versehenes Bündel. Zur Ladung des Kamels gehört zudem eine seitlich befestigte Kiste. Über das Tier wölbt sich ein Baum mit grünen Blättern. Im Hintergrund sind in Hellblau und Weiß getönte Berge zu erkennen. Das Motiv entspricht dem Emblem 1 auf Seite 43 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Dort ist beschrieben: „Ein Cameel erligt unter seiner aufgeladenen Bürde.“ Bei der Bildaustattung der ersten Auflage passierte jedoch ein Fehler. Der Drucker ordnete die Bildtafel 43 der Seite 34 zu und umgekehrt. Die Benutzer des Emblembuchs konnten damit umgehen, denn sie verbanden die Beschreibung mit dem richtigen Emblem. Das Kamel ist so in der Vorlage abgebildet. Der landschaftliche Hintergrund stellt eine Ergänzung dar. Das französische Motto „Il ne faut rien entreprendre au dessus de se forces“ wurde buchstabengenau dem Emblembuch entnommen. Wörtlich heißt das: „Sie sollten nichts unternehmen, was Ihre Kräfte übersteigt.“ Die deutsche Fassung weicht davon ab und lautet „Nicht über Macht“. Das Kamel, das unter der Last zusammenbricht, ist ein Sinnbild für eine zu große Belastung, was auch im übertragenen Sinne gemeint ist. Das Emblem fordert den Betrachter auf, nur diejenigen Lasten zu tragen, die man auch tragen kann. Weiter gefasst, heißt das, dass man keine Aufgaben übernehmen soll, die man nicht bewältigen kann.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „„Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius. Dort befindet es sich seitenverkehrt im Teil II (erste Auflage 1595) unter Nr. 16. Das Motto lautet dort „Nil ultra vires“, was der lateinischen Fassung in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ entspricht.

Feld 12: Strebe nach Ruhm

Eine Landschaft mit Büschen und einem großen Baum, der sich über die Bildszene beugt, wird im Hintergrund von blau und weiß getönten Bergen begrenzt. Im Mittelgrund fängt ein Jagdhund einen Hasen. Er wird von den Vorderläufen des Hundes am Boden gehalten und wendet seinen Kopf um. Buschwerk nimmt den Vordergrund ein. Die Beschreibung befindet sich auf Seite 43 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Zu Emblem 10 heißt es: „Ein Windspiel hält einen Hasen unter seinen Füssen.“ Bei der Bildaustattung der ersten Auflage passierte jedoch ein Fehler. Der Drucker ordnete die Bildtafel 43 der Seite 34 zu und umgekehrt. Die Benutzer des Emblembuchs konnten damit umgehen, denn verbanden die Beschreibung mit dem richtigen Emblem. Wiederum wurde die Landschaftsumgebung ergänzt, während das Hauptmotiv der Vorlage entstammt. Das Motto im Emblembuch und auf der Decke lautet: „Il n´en regarde que la gloire“, wörtlich: „Er blickt nur auf den Ruhm“. Das deutsche Motto im Emblembuch lautet: „Ehre ist der Zweck“. Die Verbindung zwischen Bild und Text ist nicht sofort verständlich. Offenbar geht es bei dem Jagderfolg des Hundes allein um den Sieg über den Hasen, nicht um das Töten des Hasen. In diesem Sinne wird der Jagderfolg als Ruhm gedeutet. Man kann das Emblem so verstehen, dass man nach Ruhm streben soll.

Die Bildrahmung durchbricht das Gestaltungsschema der Decke. Um dem schachbrettartigen Wechsel gerecht zu werden, hätten in den Zwickeln Akanthusranken und nicht Girlanden abgebildet werden müssen. Wahrscheinlich erfolgte ein Austausch mit dem nachfolgenden Feld 13. Dafür spricht, dass Feld 13 dem Emblem 7 und Feld 12 dem Emblem 10 der gleichen Seite entspricht. Bei einem wechselseitigen Austausch wäre die richtige Reihenfolge laut Buchvorlage gewahrt.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius. Dort befindet es sich im Teil II (erste Auflage 1595) unter Nr. 63. Das Motto lautet dort „Gloria finis“, was der lateinischen Fassung in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ entspricht.

Feld 13: Prüfe alles sorgfältig

Im unteren Teil des ovalen Bildausschnittes befindet sich ein Gewässer mit Eisdecke. Die kahlen Bäume im Hintergrund deuten an, dass diese Szene im Winter spielt. Ein Fuchs läuft über das Eis. Er scheint zu horchen, ob die Eisdecke ihn trägt oder zu brechen droht. Das Eis ist mit grauen und weißen Pinselstrichen gemalt. Der dunkle Schatten des Fuches deutet eine Bildtiefe an. Übernommen wurde das Motiv von der Tafel 43 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Zu Emblem 7 heißt es: „Ein Fuchs hält sein Ohr an einen gefrorenen Fluß“. Bei der Bildaustattung der ersten Auflage passierte jedoch ein Fehler. Der Drucker ordnete die Bildtafel 43 der Seite 34 zu und umgekehrt. Die Benutzer des Emblembuchs konnten damit umgehen, denn verbanden die Beschreibung mit dem richtigen Emblem. Wiederum wurde die Landschaftsumgebung ergänzt, während das Hauptmotiv der Vorlage entstammt. Das französische Motto der Vorlage lautet: „Ne t´y fie, nie ne t´en de fie“, zu Deutsch: „Vertraue ihm nicht, vertraue ihm überhaupt nicht“. Das deutsche Motto lautet: Traue / und mißtraue.“ Bild und Text lassen sich folgermaßen verbinden: So wie der Fuchs dem Eis nicht vertraut, sondern aufmerksam schaut, ob es brechen kann, so muss darf auch Mensch nicht blind vertrauen. Das Emblem trägt auf, alles sorgfältig zu prüfen.

Die Bildrahmung durchbricht das Gestaltungsschema der Decke. Um dem schachbrettartigen Wechsel gerecht zu werden, hätten in den Zwickeln Girlanden und nicht Akanthusranken abgebildet werden müssen. Wahrscheinlich erfolgte ein Austausch mit dem vorhergehenden Feld 12. Dafür spricht, dass Feld 13 dem Emblem 7 und Feld 12 dem Emblem 10 der gleichen Seite entspricht. Bei einem wechselseitigen Austausch wäre die richtige Reihenfolge laut Buchvorlage gewahrt.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius. Dort befindet es sich im Teil II (erste Auflage 1595) unter Nr. 55. Das Motto lautet dort „Fide et diffide“, was der lateinischen Fassung in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ entspricht.

Feld 14: Diene anderen

Im unteren Teil und in der Mitte des Bildfelds erstreckt sich ein Gewässer. Es wird links und rechts von Häusern mit roten Dächern begrenzt, die unmittelbar ans Wasser gebaut wurden. Eine Brücke in Gestalt eines Bogens führt von der einen zur anderen Seite. Auf dieser Brücke stehen zwei Personen, unter darunter rudert ein Mann ein kleines Schiff. Die Szenerie erinnert an Venedig, seine Kanäle und Brücken. Die Vorlage stammt aus Tafel 44 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung”. Das Emblem 8 zeigt laut Beschreibung „Eine große Brucke“, doch weicht die Gestaltung erheblich voneinander ab. Auf der Vorlage ist die Brücke weniger steil gebogen. Sie verbindet zwei steinerne Kaimauern, was schlüssiger erscheint als die Darstellung auf der Decke. Außerdem wird die Brücke von einer durchbrochenen Balustrade begrenzt. Anstelle von nur zwei Personen schiebt sich ein Menschenstrom über die Brücke, und das kleine Boot ist auch nicht identisch übernommen worden. Das französische Motto lautet: „Je me consume au service de autres”, zu deutsch: „Ich verzehre mich im Dienst anderer”. Die deutsche Fassung lautet: „Indem ich andern diene / werd ich abgenutzt“. So wie die Brücke hohe Lasten aufnimmt und nicht einbrechen darf, so muss auch jemand in öffentlicher Verantwortung des Dienst für andere übernehmen. Das Emblem beinhaltet die Aufforderung, so zu dienen, wie es eine Brücke tut, und zugleich die Lasten auszuhalten, die mit dieser Verantwortung verbunden sind.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „Symbola divina et humana“ von Jacobus Typotius, dessen erste Auflage 1601 in Prag erschien. Das Brückenemblem befindet sich in Band II auf Seite 140 (Nr. 6/3).

Feld 15: Lass dich nicht mit dem Bösen ein

Im Bildfeld wachsen in einer braun und grün getönten Landschaft zwei Bäume. Zwischen ihnen hat eine Spinne ihr Netz gesponnen. Eine Schlange windet sich und erhebt ihren Kopf zu diesem Spinnennetz. Im Vordergrund ist Gras abgebildet. Vorlage war das Emblem 10 auf Tafel 45 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung”. Es wird mit folgenden Worten beschrieben: „Eine Schlange frist eine Spinne”. Allerdings hat der Maler die Vorlage abgewandelt, indem er die beiden Bäume ergänzte. Das französische Motto im Emblembuch lautet: „Les méchans usent de leurs semblables.” Der Maler des Deckenbilds übernahm den fehlenden Buchstaben in „méchants”, veränderte aber in „usent” das e in ein a. Die korrekte französische Beschriftung hätte gelautet: „Les méchants usent de leurs semblables“, ins Deutsche übersetzt: „Die Bösen benutzen diejenigen, die ebenfalls böse sind“ oder „Die Bösen gesellen sich zu Bösen“. Das deutsche Motto im Emblembuch lautet: „Ein Bößwicht ernehrt den andern.“ Diese Version erläutert das Bild treffender als der französische Spruch. Gemeint ist, dass die Bösen einander Böses antun. Damit verbunden ist die Warnung, Böses zu tun oder sich mit Bösen einzulassen.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus dem Emblembuch „Symbolorum & emblematum“ von Joachim Camerarius. Dort befindet es sich im Teil IV (erste Auflage 1604) unter Nr. 92. Das Motto lautet dort „Dira pascuntur diris“, was der lateinischen Fassung in der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ entspricht. Allerdings entspricht die Canerarius-Bildfassung nicht der des jüngeren Emblembuchs.

Feld 16: Suche dir deine Freunde genau aus

An einem Fluss- oder Seeufer sitzt ein Armor und angelt. Der Amor trägt ein dünnes Kleid und besitzt rote Flügel. Die Landzunge, auf der er sitzt, ist braun und grün getönt. Auf ihr wächst ein Baum, dessen Krone sich über die Angelszene wölbt. Im Hintergrund sind eine Uferlinie und grün angedeutete Berge zu erkennen. Vorlage war das Emblem 2 auf Tafel 50 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung”. Die Darstellung ist beschriftet: „Ein Cupido fischet”. Der Bildaufbau folgt dem Emblem im Emblembuch, doch ergänzte der Maler den Baum und die Berge im Hintergrund. Das französische Motto lautet: „Je m´attache á ceux qui le meritent”, ins Deutsche übertragen: „Ich schließe mich denen an, die es verdienen“. Das deutsche Motto im Emblembuch lautet hingegen: „Ich liebe nur die es werth seyn“. Diese beiden Motti erlauben es, dass Bild in den Kontext zu stellen: Das Angeln ist als Sinnbild für die Suche nach passenden Freunden zu verstehen. Wie die Inschriften sagen, muss man bei der Suche aufpassen. Man soll sich nur mit denen einlassen, die es verdienen und die es wert sind. Das Emblem drückt somit aus, dass man sich seine Freunde gut aussuchen soll.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem nicht selbst erfunden. Er übernahm es aus einer Emblemsammlung von Daniel de La Feuille (um 1640–1709), die 1691 in Amsterdam in erster Auflage erschien. In dem Werk von de La Feuille ist es das Emblem 2 auf Seite 50. Hier zeigt sich, wie stark die „Emblematische Gemüths-Gemütsvergnügung“ auf de La Feuille fußt: Beide Embleme stehen exakt an der gleichen Stelle im Emblembuch, jeweils an zweiter Position auf Tafel 50. Natürlich stimmen auch die Motti überein. Die lateinische Fassung lautet: „Dignos prosequor“.

Feld 17: Bewahre Erinnerungen im Herzen

In einer Hügellandschaft erhebt sich ein rotes Herz. Auf diesem ist in schwarzer Kontur das Bildnis einer Frau aufgemalt. Im Hintergrund schimmern die hellblau und weiß getönten Bergspitzen eines Hochgebirges. Ein Baum mit großen grünen Blättern wölbt sich über das Herz. Herzen gehören zu den beliebtesten Motiven der Emblematik. Auch die „Emblematische Gemüths-Vergnügung“ enthält zahlreiche Herzembleme. Die Vorlage hierfür befindet sich auf Tafel 51, der letzten Seite des Buches. Dort ist es das Emblem 15, also das letzte Emblem auf der Seite. Die Beschriftung lautet: „Ein Hertz / worin ein Conterfait gegraben ist“. Der Maler in Niederjahna wich beim Frauenbildnis etwas von der Vorlage ab und ergänzte die Landschaftsumgebung, darunter auch den Baum. Das französische Motto auf der Emblemdecke lautet: „Il yrestera tant que je vivray”. Dabei hat der Maler das zweite und das dritte Wort zusammengezogen. Auf Deutsch heißt das: „Er wird dort bleiben, solange ich lebe“. Das deutsche Motto kürzt das ab: „Solang ich lebe“. Gemeint ist, dass ein Gefühl oder eine Erinnerung, die einmal in das Herz gelangt sind, dort dauerhaft bleiben. Man kann das Emblem als Mahnung zu verstehen, gute Erinnerungen dauerhaft im Herzen zu tragen.

Die literarische Vorlage für das Emblem ist die Geschichte von Dido und Aeneas. Im vierten Buch der „Aeneis“ heißt es in Zeile 336: „dum memor ipse mei, dum spiritus hos regit artus“, wovon sich das lateinische Motto „Dum memor ipse mei“ ableitet. Der vollständige Satz lautet in deutscher Übersetzung: „Nie werd ich, solang ich mir meiner bewusst bin / Und mein Geist noch die Glieder mir lenkt, Elissas vergessen.“ Eine Bildvorlage für die „Emblematische Gemüths-Vergnügung“ ist nicht bekannt.

Feld 18: Liebe dich nicht selbst

Durch den Landschaftsausschnitt fließt ein Bach, der hier in einem Bogen verläuft. Am Ufer kniet ein nackter Jüngling. Er blickt in das spiegelklare Wasser und erblickt dort sein Spiegelbild. Der Jüngling hat die Arme ausgebreitet, so, als ob er sich gleich ins Wasser stürzen würde. Abgebildet ist hier die Geschichte von Narziss (Narkissos, Narcissus), der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte und an seiner unerfüllten Liebe starb. Nach den „Metamorphosen” des Ovid verwandelte er sich in eine Blume, die Narzisse. Vorlage für das Deckenfeld war das Emblem 2 auf Tafel 36 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung”. Da man auf dem vorigen Feld bis ans Ende des Emblembuchs gekommen war, sind die letzten drei Bildfeldern mit Motiven gefüllt, die aus vorderen Bildtafeln des Buches stammen. Die Haltung des Narziss wurde genauso aus der Vorlage übernommen, doch sieht die Umsetzung etwas unbeholfen aus. Der Baum links befindet sich in der Vorlage, der Baum rechts nichts. Das sehr lange französische Motto ist dem Emblembuch übernommen: „C´est une chose perilleuse de tomber dans l´amour de soi même.”, zu deutsch: „Es ist gefährlich, in Selbstliebe zu verfallen.“ Das deutsche Motto lautet: „Ein gefährlichs Ding um die Selbst-Liebe“. Die Botschaft des Emblems ist sehr klar: Bild und Text warnen davor, in Selbstliebe zu verfallen und nur auf sich selbst bezogen zu handeln. Damit ist auch gemeint, dass man auf die Mitmenschen achten und diese respektieren muss.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem wahrscheinlich einer Vorlage entnommen. Diese ist jedoch nicht bekannt.

Feld 19: Beständigkeit führt zum Ziel

In einer grünen Landschaft erhebt sich ein Felsmassiv, das vom Bildrand angeschnitten wird. Vor diesem Felsen steht ein nackter Amor, der in beiden erhobenen Armen eine Spitzhacke hält und offenbar im Begriff ist, auf den Felsen einzuhacken. Um seinen Oberkörper ist eine rote Schärpe gelegt, über ihm schwebt ein rotes Herz. Links sieht man einen einzelnen Baum, dahinter schimmert ein blau und weiß getöntes Hochgebirge. Die Vorlage befindet sich auf Tafel 51, der letzten Seite der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung”. Das Emblem 4 hat dem gleichen Bildaufbau, nur ist in der Vorlage deutlicher zu erkennen, dass der Amor eine Höhle in den Felsen hackt. Der Baum und der Gebirgszug im Hintergrund sind Ergänzungen des Malers. Die Beschreibung lautet: „Ein Hertz auf einem Felsen / in den ein Cupido eine Bresse machet“. Das französische Motto „J´en jouirai a la fin” bedeutet auf Deutsch: „Ich werde es am Ende genießen“. Das Bildmotiv lässt erkennen, dass vor dem Amor viel Arbeit liegt. Er muss lang auf den Felsen einhacken, um das zu erreichen, was er vorhat. Die Inschrift aber macht deutlich, dass diese Arbeit zu einem glücklichen Ende geführt wird, wenn man beharrlich bei der Sache bleibt. Im übertragenen Sinne ermutigt das Emblem zu Beständigkeit und Ausdauer, die letztlich ans Ziel führen.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem wahrscheinlich einer Vorlage entnommen. Diese ist jedoch nicht bekannt.

Feld 20: Sei freigiebig

Im Bildfeld erhebt sich ein kegelförmiger Berg. An seinen steilen Hängen wachsen Bäume und Büsche. In der Mitte entspringt aus dem Berg ein Wasserfall. Das Wasser stürzt nach unten und mündet in einen Fluss, der das untere Drittel des Bildfeldes einnimmt. Das Emblem stammt von Tafel 51 der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“, der letzten Seite des Emblembuch. Emblem 11 ist beschriftet: „Ein Berg / von welchem das Wasser herab fliesset.“ Das französische Motto, das hier ausgewählt wurde, lautet: „Elle rend, ce qui luy est donne”, zu deutsch: „Sie gibt zurück, was ihr gegeben wird“. Davon abweichend lautet das deutsche Motto: „Theilet mit“. Die lateinische Fassung „Et data reddit“ ist in ihrer Aussage deutlicher: Es geht darum, dass Gegebenes zurückgegeben wird. Dies wird im Emblem auf den Kreislauf des Wassers übertragen: Das Wasser kommt aus dem Gebirge und fließt in den Fluss, kehrt aber eines Tages durch Regen wieder ins Gebirge zurück. Bild und Motto haben die Aussage, dass man freigiebig sein soll. Das, was man an andere gibt, kehrt zurück.

Der namentlich nicht genannte Autor der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“ hat das Emblem wahrscheinlich einer Vorlage entnommen. Diese ist jedoch nicht bekannt.

Chinesisches Zimmer

Das Chinesische Zimmer liegt gegenüber dem Französischen Zimmer. Es handelt sich ebenfalls um eine Giebelstube. Der Raum unmittelbar am Westgiebel wird so begrenzt, dass keine Dachschrägen sichtbar sind. Dass man sich im Dachbereich befindet, erkennt man nicht. Der Raum misst 5,57 mal 4,79 Meter und hat demnach einen annähernd quadratischen Grundriss. Die Raumhöhe beträgt maximal 3,56 Meter. Auf der Westseite befinden sich zwei Fenster. Die Südseite ist fensterlos, während die gegenüberliegende Nordwand eine Tür in einen Nebenraum (mit Dachschräge) enthält. In der Westwand öffnet sich eine rechteckige Tür mit Holzzarge. Sie verbindet das Chinesische Zimmer mit dem Flur.

Über dem Raum spannen in Nord-Süd-Richtung fünf Deckenbalken. Der westliche Deckenbalken ist in den Westgiebel eingebettet, der östliche verläuft auf der Längswand, so dass nur die Flanken sichtbar sind. Bei den Deckenbalken handelt es sich um die Kehlbalken des Sparrendaches. Sie haben den gleichen Querschnitt wie die Dachsparren, nämlich 0,17 x 0,17 Meter. Der Abstand der Deckenbalken beträgt in drei Bahnen zwischen 1,20 und 1,22 Meter und in der vierten Bahn, am Westgiebel, 1,32 Meter. Zudem besitzt der Raum einen – entweder bauzeitlichen oder nachträglich eingebauten – eingebauten Unterzug. Er ist mit zwei Balken verzapft, die schräg in die Dachkonstruktion eingefügt sind und in der oberen Dachebene eine Auskreuzung bilden.

Die vier Deckenbahnen sind mit Einschubbrettern versehen. Dabei nehmen Profilleisten eine Felderteilung vor. Die Höhe der Felder richtet sich nach dem Balkenabstand und beträgt zwischen 1,20 und 1,32 Meter. Die beträgt zwischen 0,94 und 1,02 Metern. Anders als im Französischen Zimmer gibt es keine starken Größenunterschiede zwischen den Felder. Die Profilleisten verlaufen in Ost-West-Richtung immer in einer Linie. An der Südseite befinden sich aus Platzgründen nur sehr schmale Felder mit einer Breite von 0,14 bis 0,34 Meter.[6]

Es lässt sich nicht klar entscheiden, ob Unterzug und Auskreuzung bauzeitlich sind oder eine spätere Ergänzung darstellen. Für eine bauzeitliche Entstehung spricht, dass die Balken der Auskreuzungen mit möglichst kleinen Öffnungen durch die Deckenfelder geführt wurden. Der Unterzug verläuft dort, wo Profilleisten in Ost-West-Richtung angeordnet sind. Das heißt, er verdeckt die Bildfelder nicht. Gegen die bauzeitliche Entstehung spricht, dass die Deckenbalken ursprünglich eine Bemalung trugen, der Unterzug und die Auskreuzungen aber nicht.

Die bemalte Decke wurde im 18. Jahrhundert mit einer untergehängten Deckenkonstruktion versehen. Diese wurde um 1999 abgenommen. Im Jahr 2002 erfolgte eine Restaurierung und rekonstruierende Ergänzung, die Restaurator Oliver Helle aus Rhinow vornahm. Alle erhaltenen Bemalungen wurden einer Feinretusche unterzogen, was bedeutet, dass der Restaurator Fehlstelle behutsam ergänzte. Sämtliche Balken erhielten eine Marmorierung nach Befund. Auch der Unterzug und die Auskreuzungsbalken wurden mit dieser Marmormierung versehen, obwohl es dafür keinen Befund gab. Die letzte Bahn auf der Westseite, vor dem Giebel, besaß nicht mehr die originalen Einschubbretter. Dort lagen verschiedenste Bretter in Zweitverwendung, darunter auch drei Bretter, die sich der Decke des Chinesischen Zimmers zuordnen ließen. Restaurator Oliver Helle rekonstruierte die verlorenen Deckenfelder unter Verwendung der drei erhaltenen Bretter. Um das Dekorationssystem fortzusetzen, mussten zwei chinesischen Landschaftsdarstellungen vollständig bzw. zum überwiegenden Teil rekonstruiert werden.

Die Decke des Chinesischen Zimmers

Die bemalte Holzbalkendecke umfasst vier Bahnen mit jeweils sechs Deckenfelder. Insgesamt sind es 24 Felder. 12 der 24 Felder tragen bildliche Darstellungen. Die Bildmotive sind nur richtigherum zu sehen, wenn man von Westen nach Osten schaut. Wenn man den Raum betritt, muss man zunächst die gesamte Raumtiefe durchschreiten und sich vor dem Westgiebel um 180 Grad umwenden, um dann die Deckenfelder in Untersicht und nicht auf dem Kopf stehend zu sehen.

Die Deckenbalken sind mit einer Marmorierung versehen, die nach Befund auch dort, wo sie fehlte, rekonstruiert wurde. Dabei wechseln rotgetönte und blaugetönte Bereiche. Diese werden von schwarzen Adern und weißen Flächen durchzogen. Die Marmorierung wurde auch auf den Unterzug und die um 2000 erneuerten Balken der Auskreuzung übertragen, obwohl es dort keine Befunde gab. Die Flanken der äußeren Deckenbalken und die Bereiche zwischen den Deckenballen sind als an vier Seiten umlaufendes Dekorband gestaltet. Der graue Streifen wird oben von einer schwarzen und unten von einer weißen Linie begrenzt. Er enthält eine umlaufende Doppellinie, oben schwarz und unten weiß, auf der in regelmäßigem Abstand Kreissegmente mit Knauf aufliegen.

Die Profilleisten besten jeweils aus zwei übereinandergesetzten Leisten. Die Tiefe beträgt 7 cm. Die äußere Leiste ist jeweils hellgrau gefasst, die innere Leiste trägt braun-schwarze Marmorierung.

Alle Bildfelder – mit Ausnahme der sehr schmalen Streifen am südlichen Rand – haben einen braunen Rahmen. Dieser wird von einer teils schwarzen, teils weißen Linie begrenzt. Es wechseln sich schachbrettartige zwei Dekore ab. Das erste Dekor hat einen hellblauen Grund. Darauf befinden sich in Grisaille-Malerei gestaltete Akanthusranken. Um diese winden sich hellrote Girlanden. Das zweite Dekor sind Darstellungen ostasiatischer Landschaften.

Die vier schmalen Bildfelder der Südseite ordnen sich in diese Abfolge ein. Das erste Feld, gezählt von der Ostseite, ist so schmal, dass nur ein blau getönter Grund angebracht werden konnte. Im zweiten und vierten Feld sieht man Bäume vor einem angedeuteten Landschaftsausschnitt. Das dritte Feld enthält eine stark reduzierte graue Akanthusranke mit kurzer roter Girlande.

Die Decke sieht in ihrer farblichen Gestaltung annähernd so aus, wie sie sich um 1690 dargeboten hat. Die liegt an der tiefgreifenden Restaurierung, die mit einer Feinretusche sämtlicher Fehlstellen und einer Rekonstruktion fehlender Deckenfelder verbunden war. Für den Betrachter ist aber auf den ersten Blick nicht erkennbar, welche Teile die ursprüngliche Bemalung tragen und welche rekonstruiert sind.

Ikonographie/Vorlagen

In den Deckenfeldern sieht Landschaften dargestellt, die sich über mehrere Ebenen in die Tiefe staffeln. Als Hintergrund dient fast überwiegend ein Hochgebirge mit schneebedeckten Gipfeln. In diese Landschaft sind kleine Staffagefiguren eingestellt, jeweils ein oder zwei, sowie auch Tiere wie Kühe, Esel oder ein Hund. Einige Bildfelder zeigen auch Gebäude. Die Kuppeltürme in den Bildfeldern 11 und 12 erinnern an Pagoden, denn die geschweiften Dächer ragen mit Dachüberstand über die Laternen hinaus. Gemeint sind offenbar chinesische bzw. ostasiatische Landschaften. Gerd-Helge Vogel verwies auf Illustrationen zeitgenössischer Reisebeschreibungen, die ähnlich aufgebaut sind, etwa von Johann Neuhof (Joan Nieuhof) („Die Gesantschafft der Ost Indischen Geselschaft in den Vereinigten Niederländern an den Tartarischen Cham und nunmehr auch Sinischen Keiser“, Amsterdam 1666), Olfert Dappert („Gedenkwürdige Verrichtung der niederländischen Ost-Indischen Gesellschaft in dem Käiserreich Taising oder Sina“, Amsterdam 1676) oder in Athanasius Kirchners kompilierten Kompendium „China illustrata“ (Amsterdam 1667).[9] Die Vorlagen müssen der Druckgrafik entnommen worden sein, doch konnte diese Buchvorlage bislang nicht ermittelt werden.

Die Datierung der Deckenbemalung ergibt sich aus der Jahreszahl 1691, die zweimal den Umbau des Hauses datiert, und dem Todesjahr des Bauherrn Hans Dietrich von Miltitz 1697. Dieser zeitlichen Einordnung folgend, handelt es sich um den frühesten Beleg für die Chinamode in Sachsen außerhalb des Dresdner Hofs.[10] Es ist zudem das früheste Beispiel in Sachsen für die Übernahme von Chinoiserien in die Architektur.

Vogel urteilte, die monumentalen Pflanzendarstellungen seien der „Flora sinensis“ (Wien 1656) des polnischen Jesuitenmissionars Michael Boym (um 1612-1659) entnommen, wobei der Maler die vergrößerten Früchte weggelassen und Landschaften ergänzt habe. Dem ist zu widersprechen, weil die Bäume typisch für den Maler der Niederjahnaer Decken sind. Ähnliche Bäume erscheinen auch auf der Emblemdecke, dort als Hinzufügung zu den Emblemen der „Emblematischen Gemüths-Vergnügung“. Der Maler konnte zwei verschiedene Baumtypen malen: Beim ersten Baumtyp sitzen an den Ästen viel zu große, lanzettartige Blätter. Beim zweiten Baumtyp sind die Blätter in Hellgrün und Dunkelgrün getupft und teilweise mit braunroten Höhungen versehen. Möglicherweise waren bei den Decken zwei Maler im Einsatz, die die Bäume jeweils unterschiedlich malten.

Geprägt wird der Raum außerdem durch die Marmorierung der Deckenbalken. Solche Marmorierungen waren im 17. Jahrhundert überaus beliebt. Sie sollten nur eine Anmutung von Marmor geben, denn schon allein das konstruktive System macht deutlich, dass die Deckenglieder aus Holz sind und nicht aus Stein bestehen können.

Feld 1: Landschaft mit Fischer

Das Deckenfeld zeigt einen Flusslauf. Auf einem Boot steht eine Person mit einem chinesisch anmutenden Hut und fischt. Im Vordergrund befinden sich Steine und ein Baum, im Hintergrund blickt man in eine Hügellandschaft, die von einem Gebirgszug begrenzt wird. Das Deckenfeld war beim Auffinden der bemalten Holzbalkendecke nicht mehr vorhanden. Es wurde von Restaurator Oliver Helle vollkommen neu gestaltet. Dieser übernahm dabei Motive, die auf anderen Deckenfelder vorkommen. Die Szene des Fischens ist jedoch frei erfunden.

Feld 2: Bäume

Von diesem Deckenfeld blieben nur das linke und das rechte Brett erhalten, während das Mittelbrett beim Freilegen der bemalten Holzbalkendecke nicht mehr vorhanden war. Auf dem linken Brett befindet sich ein Baum, außerdem ist im Hintergrund ein blau und weiß getönter Berg zu erkennen. Auf dem rechten Brett erscheint ein turmartiges Gebäude mit Zeltdach, hinter welchem ein Baum aufwächst. Restaurator Oliver Helle ergänzte um 2002 die Szenerie in der Mitte. Das Gebäude rechts ergänzte er zu einem Turm mit Pagodendach. Ausgehend von den Randbrettern, gestaltete er eine Hügellandschaft, die im Hintergrund von einem Hochgebirge begrenzt wird. Der Reiter auf einem Esel ist eine freie Erfindung des Restaurators.

Feld 3: Baum

In dem schmalen Randfeld ließ sich keine vollständige Bildszene abbilden. Der Maler beschränkte die Darstellung auf einen Baum, an dessen Wurzeln ein grüner Busch wächst. Im Hintergrund sind hellblau und weiß getönte Berge angedeutet. Im Unterschied zu den anderen Deckenfeldern ist dieses Brett erhalten geblieben.

Feld 4: Landschaft mit Ruderer

Das Bild ist in mehreren Ebenen aufgebaut. Im Vordergrund befinden sich Büsche. Dann folgt ein Fluss, auf dem ein Boot mit einem Ruderer schwimmt. An der Uferzone wachsen ein hoher Baum und Büsche. Es folgt ein Felsmassiv, das sich hoch auftürmt. Rechts erhebt sich auf einem Sattel des Felsmassivs ein weißes Gebäude, dessen Konturen nicht genau zu erkennen sind. Links ergibt sich ein Ausblick in das dahinterliegende Hochgebirge mit einem hellblau und weiß getönten Berg.

Feld 5: Landschaft mit Reisendem

Im Bild wechseln sich verschiedene Ebenen miteinander ab. Im Vordergrund wächst auf einem braun und grün getönten Hügel ein Baum mit dichtem grünem Blätterwerk. Er begrenzt das Bildfeld nach links. Begrenzt durch den Hügel, ist die Rückenfigur eines Reisenden zu sehen. Er trägt einen Hut und hat Gepäck auf dem Rücken. Dahinter sieht man grüne Büsche und Bäume. Ein Baum ragt weit hervor und bildet die Begrenzung auf der rechten Seite. Hinter dem Waldland steht auf einem Berg ein weißes Gebäude mit rundem Dach. Der Dachform nach handelt es sich um einen Rundbau, der von einer Kuppel mit Laterne bekrönt wird. Die hintere Bildebene ist ein Hochgebirge, das in hellem Blau gemalt wurde. Die weißen Kämme deuten Schnee an.

Feld 6: Landschaft mit Hirten

Außerhalb der Bildmitte erhebt sich ein Baum, der mit seiner Krone und den Blättern das Deckenfeld dominiert. In der braun und grün getönten Hügellandschaft grasen zwei Kühe, die links vom Baum zu sehen sind. Von einer Kuh erkennt man nur der Kopf, während der Körper durch grüne Büsche verdeckt wird. Rechts unterhalb des Baumes lagern zwei Personen, die als Hirten zu deuten sind. Eine Person mit Hirtenstab sieht man im Profil, die andere ist in Rückenansicht abgebildet. Hinter dem Hügelland wird ein Hochgebirge sichtbar. Hellblaue und weiße Partien deuten Felsen und Schnee an.

Feld 7: Landschaft mit Jäger

Im Vordergrund sieht man einen Fluss, in den ein zweiter Fluss einmündet. Vor dessen Mündung überquert eine Brücke den Taleinschnitt. Die Brückenkonstruktion ruht auf einer hölzernen Stütze mit Streben. Mitten auf der Brücke läuft eine offenbar männliche Gestalt mit Hut. Sie hat einen länglichen Gegenstand geschultert, der als Gewehr anzusprechen ist. Es folgt ein schwarzer Hund. Möglich ist, dass es sich um einen Jäger mit Jagdhund handelt. Im Hintergrund sieht man zwei unterschiedlich hohe Bäume, deren Blätter aufgetupft wurden. Zwei Vögel beleben den Himmel.

Feld 8: Landschaft mit rastendem Wanderer

Die Landschaft baut sich in mehreren Ebenen auf. In der grün getönten Partie im Vordergrund wächst ein einzelner Baum mit großen, lanzettartigen Blättern. Im Geäst des Baumes sitzt ein roter Vogel. Blätter und Vogel sind im Vergleich zu der Person, die links am Fuß des Baumes sitzt, proportional viel zu groß dargestellt. Diese Person mit Hut ist im Profil abgebildet. Auf ihrem Rücken befindet sich ein graues Bündel. Grünes Buschwerk leitet zu einem ungewöhnlichen Bergmassiv über, das sich mit steilen Hängen auftürmt. Es ist mit Büschen bewachsen, deren Blätter der Maler auftupfte. Hinter einer grünen Zwischenzone folgt im Hintergrund ein Hochgebirge. Hellbrau, grau und weiß getönte Partien deuten Felsen und Schnee an.

Feld 9: Baum

Das Randfeld ist äußerst schmal. Der Maler konnte keine größere Bildszene darstellen, sondern musste sich aufgrund des Formates auf einen hoch aufragenden Baum beschränken. Die Krone ist mehrfach geteilt und mit grünen Blättern besetzt.

Feld 10: Landschaft mit Brücke und Ruderer

Das aus zwei Brettern zusammengesetzte Bildfeld zeigt eine Brücke über einen Fluss. Die Brücke liegt auf Felsmassiven auf und wird über dem Fluss von zwei hölzernen Stützen mit Streben getragen. Auf dem Weg, der hier den Fluss überquert, läuft eine einzelne Person. Eine zweite Gestalt sitzt in einem Boot und rudert auf dem Fluss. Hinter der Brücke folgen zwei Ebenen. Zunächst werden ein Dorf oder eine Stadt sichtbar, bestehend aus weißen Häusern mit roten Dächern, links und rechts eingefasst durch grünen Bewuchs. Rechts erhebt sich ein Baum. Die hinterste Ebene ist ein hellblau und weiß getöntes Hochgebirge mit einem markanten Berg.

Feld 11: Landschaft mit Pagoden

Im Bildfeld sind keine Personen zu sehen. Die Landschaft teilt sich in zwei hintereinander gestaffelte Ebenen. Vorn sieht man Buschwerk sowie einen hohen Baum, der das Bildfeld dominiert. Die Mittelzone ist gelb und braun getönt. Dahinter erhebt sich ein grau gefasster Bergzug. Auf der Anhöhe befindet sich ein Gebäude mit zwei Türmen. Diese staffeln sich nach oben und werden jeweils von einer steilen Dachspitze bekrönt.

Feld 12: Landschaft mit Tempel

Im Vordergrund wächst ein Baum mit zart getupften Blättern, der das Bildfeld beherrscht. Hinter ihm erstreckt sich eine hügelige Landschaft, gemalt in gelblichen, braunen und grünen Streifen. Eine kleine Gestalt mit Stab und Hut läuft durch diese Landschaft, während rechts vom Baum ein Tier, wohl ein Esel, grast. Hinten schimmert ein Hochgebirge mit schneebedeckten Bergen. Diese Bergkette ist in Grau, Hellblau und Weiß gemalt. Davor steht, fast mit dem Gebirgszug verschmelzend, ein Gebäude, dessen Form und Konturen nicht eindeutig zu erkennen sind. Das Dach scheint kuppelartig gebildet zu sein. Auf dieser Dachpartie sitzen nebeneinander zwei Laternen, jeweils bekrönt von einer geschweiften Haube. Der Dachüberstand lässt an Pagodendächer denken. Möglicherweise handelt es sich hier um einen Tempel.

Bibliographie

  • Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen. Bd. 41: Amtshauptmannschaft Meißen (Land), Dresden 1923.
  • Donath, Matthias: Schlösser im Elbland, Meißen 2004, S. 64-65.
  • Donath, Matthias: Künstlerische Ausgestaltung von Adelsschlössern. In: Schattkowsky, Martina (Hrsg.): Adlige Lebenswelten in Sachsen. Kommentierte Schrift- und Bildquellen. Köln/Weimar/Wien 2013, S. 124-132
  • Donath, Matthias: Schlösser um Meißen, Oschatz und Döbeln, Meißen 2015.
  • Donath, Matthias: Das Rittergut Jahna in Niederjahna, in: Sächsische Heimatblätter 63 (2017), Heft 4, S. 343-376
  • Donath, Matthias: Medium of Communication or Reaffirmation? The Emblematic Ceiling of Niederjahna Manor, in: Höpel, Ingrid/McKeown, Simon (Hrsg.): Emblems and Impact. Volume II. Von Zentren und Peripherie der Emblematik. Cambridge 2017, S. 707-718.
  • Vogel, Gerd-Helge: Cathai und Nippon im Garten oder auf der Suche nach Glück. Chinoise Architekturen in der sächsischen und thüringischen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts, Niederjahna 2019.

Einzelnachweise

  1. Zur Geschichte des Ritterguts Jahna und zur Baugeschichte des Herrenhauses vgl. Donath, Rittergut, 2017, dort auch Nachweis aller Datierungen.
  2. Donath, Elbland, 2004; Donath, Künstlerische Ausgestaltung, 2013; Donath, Meißen, 2015; Donath, Rittergut Jahna, 2017, S. 371 f.
  3. Donath, Künstlerische Ausgestaltung, 2013; Donath, Medium of Communication, 2017.
  4. Unklar ist, ob südlich der Öffnung noch ein Feld ausgebildet war. Dieser Bereich ist durch den im 18. Jahrhundert eingebauten Wechsel gestört. Vom Platz wäre es denkbar, dass sich dort ein bemaltes Deckenbild befunden hat.
  5. Jacobi, Johann Nicolaus: Leichenpredigt auf Hans Dietrich von Miltitz, Meißen 1697, S. 75. Vgl. https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/SET=1/TTL=6/CMD?MATCFILTER=N&MATCSET=N&ACT0=&IKT0=&TRM0=&ACT3=*&IKT3=8183&ACT=SRCHA&IKT=1016&SRT=YOP&ADI_BIB=&TRM=Leichenpredigt+auf+Hans+Dietrich+von+Miltitz%2C+Mei%C3%9Fen+1697&REC=*&TRM3=
  6. 6,0 6,1 Die Maße sind in diesem Raum immer von Profilmitte zu Profilmitte der Profilleisten gemessen.
  7. Vgl. Donath, Künstlerische Ausgestaltung, 2013; Donath, Medium of Communication, 2017. Den Hinweis auf diese Vorlage gab Prof. Dr. Dietmar Peil (1943-2022).
  8. https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1109350724
  9. Vogel, Cathai und Nippon, 2019, S. 12.
  10. Donath, Künstlerische Ausgestaltung, 2013, S. 125; Vogel, Cathai und Nippon, 2019, S. 11.