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Nieblum, Haus Jacob Harresen, sog Kommandeur Haus

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Nieblum, Haus Jacob Harresen, sog. "Kommandeur Haus", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/dd97c21b-beb8-46f6-b4cd-760b2e08e995

Inventarnummer: cbdd20168

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In einem Raum hat sich ein Deckenmalereizyklus von 1751 mit vier Szenen aus der Jakobsgeschichte erhalten: Jakobs Flucht, die Himmelsleiter, die gesprenkelten Stäbe in der Tränkrinne und Jakobs Kampf mit dem Engel. Maler soll Karl Gustav Ehrenfried gewesen sein.

Das Haus Jacob Harresen in Nieblum

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus steht im Norden von Nieblum unweit der Kirche an der Südseite der heutigen Jens-Jacob-Eschel-Straße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde 1751 für Jacob Harresen errichtet.[1]

Beschreibung

Es handelt sich um ein typisches eingeschossiges mit Reet gedecktes Kapitänshaus mit Krüppelwalmdach. Das Gebäude ist von Ost nach West ausgerichtet und hat an der Nordseite unter einem Zwerchhaus einen zentral gelegenen Eingang. Den Eingang schützt ein von Marmorsäulen getragenes Vordach. Der Gartenzaun war ehemals aus Walfischknochen.[2]

Das Zimmer im Südosten

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Zimmer wurde zusammen mit dem Haus 1751 erbaut.

Beschreibung

Das Zimmer ist an der rückwärtigen Südostecke gelegen und hat nach beiden Seiten Fenster (heute ist eines davon eine Fenstertür).[2]

Die Decke des Zimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke erhielt 1751 vier Deckenbilder. Der Maler soll Erzählungen nach ein Norweger oder der schwedische Maler Karl Gustav Ehrenfried gewesen sein, dessen Initialen angeblich auf dem Altar von St. Johannis in Nieblum stehen. Die Gemälde wurden offensichtlich ursprünglich an eine Holzdecke gemalt. Diese Decke ist heute verloren, nur die Malerei ist erhalten und an die gegenwärtige Decke gebracht.[1]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke wird durch zwei Unterzüge in drei Fachen geteilt. In die östlichen zwei sind je zwei Deckengemälde in linierten Rahmen angebracht, die oben und unten konvex erweitert sind. Gezeigt werden vier Begebenheiten aus dem Leben Jakobs: Seine Flucht, die Himmelsleiter, die gesprenkelten Stäbe und sein Kampf mit dem Engel.[3]

Jakobs Flucht

Beschreibung und Ikonographie

Da Jakob seinen Vater betrogen und so seinen Bruder Esau um den väterlichen Segen gebracht hatte, drohte Esau, seinen Bruder Jakob umzubringen. Jakob ergriff daraufhin die Flucht nach Haran. Auf dem Bild sieht man Jakob mit Wanderstab eilig durch einen Wald schreiten. Er trägt einen Turban und einen Mantel. Im Hintergrund erstrecken sich mehrere Hügel.[4]

Jakob schaut die Himmelsleiter

Beschreibung und Ikonographie

Auf seiner Flucht wurde es Nacht und Jakob suchte sich einen Platz zum Schlafen. Als Kopfkissen diente ihm ein Stein. Im Traum erschien ihm eine große Leiter, die von Himmel zur Erde reichte. Auf ihr schritten Engel auf und nieder. Am oberen Ende war Gott zu sehen, der sich zu Jakob bekannte. An der Decke ist links im Vordergrund der schlafende Jakob, an einen Baum gelehnt, dargestellt. Unter seinem Ellenbogen erblickt man den Stein. Hinter ihm steigt die Leiter mit den Engeln diagonal in den Himmel auf. Rechts geht der Blick in eine hügelige Landschaft mit vereinzelten Häusern.[5]

Jakob legt die gesprenkelten Stäbe in die Tränkrinnen

Beschreibung und Ikonographie

In Haran ist Jakob bei seinem Onkel Laban. Laban forderte Jakob auf, den Lohn für seine geleistete Arbeit zu wählen und Jakob entschied sich für alle gefleckten, scheckigen oder schwarzen Schafe und Ziegen aus der Herde. Laban willigte ein und Jakob stellte daraufhin gesprenkelte Stäbe her, die er in die Tränkrinnen der Schafe und Ziegen legte. Und als sich Schafe und Ziegen an der Tränke paarten, bekamen die gescheckten Nachwuchs. So wurde Jakobs Herde besonders groß. Nach 20 Jahren verließ Jakob Laban und kehrte in die Heimat zurück. Die Darstellung an der Decke zeigt jenen Moment, in dem Jakob die Stäbe in die Tränkrinne vor dem Brunnen legt. Zwei Böcke sind gerade dabei, aus ihr zu trinken. Zahlreiche weitere Schafe tummeln sich um den Brunnen. Unter Bäumen hindurch geht der Blick in eine hügelige Landschaft, in der ein Schloss steht.[5]

Jakobs Kampf mit dem Engel

Beschreibung und Ikonographie

Als Jakob in seine Heimat zurückkehrt, fürchtet er immer noch den Zorn seines Bruders Esau. In der Nacht, bevor er Esau begegnen wird, greift ihn ein Fremder an. Die beiden ringen die ganze Nacht miteinander. Der Fremde verletzt ihn schwer an der Hüfte. Als der Morgen anbricht, lässt Jakob seinen Gegner erst ziehen, als dieser ihn gesegnet hat. Man erblickt in Nieblum links im Bild Jakob im Kampf mit dem Fremden, der hier als Engel dargestellt ist – er reißt gerade Jakobs Bein empor. Die beiden befinden sich unter einem großen Baum. Durch die Bäume hindurch ist rechts Jakobs Gefolge zu sehen. Links erhebt sich im Hintergrund ein Schloss auf einem Felsen.[4]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939. – Brauer, Heinrich/Scheffler, Wolfgang/Weber, Hans (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Südtondern (Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein). Berlin 1939.
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 501.
  2. 2,0 2,1 Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 359.
  3. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 501-503; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 359.
  4. 4,0 4,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 502-503.
  5. 5,0 5,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 503.