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Neustadt in Sachsen, Schloss Langburkersdorf

Aus Deckenmalerei-Lab
Burioni, Matteo:Neustadt in Sachsen, Schloss Langburkersdorf, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/7a47ffda-ef73-4abe-90b8-e56bd459b4fd

Inventarnummer: cbdd10467

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Schloss Langburkersdorf wurde von Hans Georg Wehse ab 1611 neu errichtet und mit einem umfassenden Zyklus von figurativen Holzbalkendecken ausgestattet. Diese sind weitgehend erhalten und lagern im Depot. Einige sind in umgebaute Räume eingebracht. Ein Raum hat sich Original erhalten.

Langburkersdorf Schloss, Fortitudo
Langburkersdorf Schloss, Fortitudo

Baugeschichte

Das Rittergut Langburkersdorf war ab 1413 im Besitz der Herren von Luttitz, ab 1564 im Besitz von Georg Wehse. Dessen Sohn Hans Georg Wehse heiratete 1578 Anna von Ponikau, die bereits 1579 mit 18 Jahren starb. An sie erinnert ein Epitaph in Neustädter Stadtkirche von Hans Walther II. 1596 heiratete er die Witwe des Bischofs von Meißen, Agnes geb. von Haugwitz; diese brachte ein erheblichen Vermögen in die Ehe. Nach einem Schloßbrand 1584 errichtete Hans Georg Wehse das Bauwerk ab 1611 neu. Hans Georg Wehse war für mehrere Kurfürsten Hofmarschall, kurfürstlicher Rat, Obereinnehmer der Land- und Tranksteuer und Hauptmann der Ämter Stolpen und Radeberg. Erschlossen wird das Bauwerk über eine zentrale Wendeltreppe. Die ursprüngliche Raumaufteilung lässt sich rekonstruieren. Im Erdgeschoß befanden sich Küche und Tafelstube, im ersten Stock vier quadratische Räume und im zweiten Obergeschoß ein Saal und zwei weitere Räume. Ältere Bausubstanz ließ sich bei einer bauarchäologischen Untersuchung nicht nachweisen. Der Architekt und der Maler lassen sich nicht bestimmen. Das Turmzimmer ist auf den Umbau ab 1749 zurückzuführen, im Zuge dessen das Dach erneuert und verändert wurde wie auch die Innengliederung der Geschosse. Ab 1925 wurde das Bauwerk als Invalidenheim genutzt, ab 1973 Alters- und Pflegeheim. 2006-20011 erfolgte nach Auszug des Heimes 1999 ein umfassender Umbau.

Die Deckenmalerei des Schloßes

Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

2010 und 2011 wurden im Zuge des Umbaus die gesamten Holzbalkendecken des Schloßes untersucht, dabei kam eine Fülle von bemalten Einzeltafeln zum Vorschein, die der Ausstattung von nach 1611 zuzuordnen sind. Darüber hinaus hat sich ein gewölbter Raum mit der gesamten Ausstattung im Erdgeschoß erhalten, hier handelt es sich um Ölmalerei auf Wand. Die Einzeltafeln der Holzbalkendecken lagern weitgehend im Depot, einige sind in die Decke eines Erdgeschoßraum eingebracht. Dabei wurde kein Versuch unternommen, die historische Ausstattung des Schloßes aus dem 17. Jahrhundert wiederherzustellen, sondern einige Tafeln in einer großen Holzbalkendecke von 2011 gezeigt. Auf der Grundlage eines Studiums der gesamten, erhaltenen Einzeltafeln hat Angelika Düllberg eine Deutung der Ausstattung vorgeschlagen. Die schiere Fülle der überlieferten Tafeln legt nahe, dass fast jeder Raum des Schloßes mit einer Holzbalkendecke verziert war. Düllberg hat die Einzeltafeln auf der Grundlage der Ikonografie überzeugend zu Decken und Räumen geordnet, eine konkrete Zuordnung zu den Räumen im Schloß war jedoch bisher nicht möglich. Es ist deswegen nur möglich, aus den Tafeln auf eine Reihe von bemalten Decken zu schließen. Die Einzeltafeln sind in einem guten Erhaltungszustand. Einige Tafeln sind beschnitten und stark abgerieben. Teile der Holzdecken fehlen.

Beschreibung und Ikonografie

Rekonstruieren lässt sich auf der Grundlage der erhaltenen Tafeln folgende Themen der Decken, ohne diese konkreten Räumen im Schloß zuordnen zu können. Thematisch lassen sich die Einzeltafeln zu nicht figürlichen Decken mit Diamantquadern und Beschlagwerk wie auch Puttenköpfchen und rote Herzen ordnen, andere Tafeln weisen Frauen- und Männerköpfe auf. Diese letzteren wurden in ein Turmzimmer aus dem 18. Jahrhundert eingebracht. Eine Reihe von antiken Kaisern und römische Helden, etwa Alexander, Titus, Crassus, A. Claudius, M. Cato könnte ebenfalls eine Decke gebildet haben. Es handelt sich hier durchweg um Tugendexempel. Vier Tafeln mit musizierende Engel sind ebenfalls erhalten. Die theologischen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und die vier Kardinaltugenden Mäßigung, Klugheit, Mitleid und Gerechtigkeit wie auch drei weitere Tugenden Veritas, Pietas und Taciturnitas tragen alle lateinische Inschriften. Dargestellt sind Frauen vor Landschaft und Gebäuden mit klar erkennbaren Attributen. Stilistisch ist eine Nähe zur niederländischen und/oder rudolphinischen Malerei festzustellen. Eine druckgraphische Vorlage lässt sich bisher nicht ermitteln. Die drei letzteren Tugenden sind im Kontext der Tätigkeit des Auftraggebers am kurfürstlichen Hof zu sehen. Schweigsamkeit ist die Tugend eines kurfürstlichen Rates. Heldinnen aus dem Alten Testament, Judith, Ruth, Rebecca, Susanna, Hanna, Abigail, Debora sind ebenfalls wie auch Maria mit dem Jesuskind mit Attributen und Inschriften dargestellt. Vorbildliche Frauen und Vorläuferinnen Mariens werden gezeigt. Möglicherweise spielt hier die zweite Ehefrau des Auftraggebers eine Rolle. Erhalten hat sich die Ausstattung eines gewölbten Raumes mit den vier Jahreszeiten.

Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit

Die Tafel sind durchweg als gerahmte Bilder an der Decke aufgefasst und weisen keine perspektivische Verkürzungen und Verzerrung auf wie auch keine Absicht die Themen in Untersicht zu zeigen.

Entwürfe

Entwürfe sind nicht bekannt.

Programm und Synthese

Die unterschiedlichen Themen der Decken, die lateinischen Inschriften und malerische Auffassung die auf eine gut lesbare erkennbare Darstellung zielt, macht den Anspruch der Ausstattung deutlich. Um 1600 etablieren sich mit Ripa und Cartari erste Nachschlagwerke der Ikonografie. Insofern sind die gut lesbaren Decken von Langburkersdorf als mit lateinischen Inschriften versehen Bilderschrift zu sehen. Die Auswahl der Themen bewegt sich im Rahmen des Erwartbaren. Die Fülle an Themen und Decken und die gleichbleibende Qualität ist dennoch bemerkenswert.

Gewölbter Raum mit Jahreszeiten

Der Raum, abweichend von der übrigen Ausstattung mit Öfarbe auf Wand ausgestattet, ist der einzige Raum, in dem sich die Ausstattung in dem räumlichen Kontext erhalten hat. An der gewöblten Decke finden die vier Jahreszeiten, über einer Tür die Kreuzigung Christi und an den Wänden Ranken und Blumen.

Bibliographie

  • Neustadt in Sachsen (Hrsg.), Schloss Langburkersdorf 1611 2011, Neustadt in Sachsen 2011.

Einzelnachweise