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Neuburg am Inn, Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Dreyer, Angelika:Neuburg am Inn, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a74134b4-fdfc-42b2-ac17-590632e4e3fa

Inventarnummer: cbdd10312

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Einst eine der mächtigsten, weil strategisch günstig gelegenen Burgareale im ostbayerisch-oberösterreichischen Grenzgebiet, erfuhr eine Verwandlung von einer mittelalterlichen Wehr- zu einer frühneuzeitlichen Gartenanlage, deren Gestaltung man bei der innenräumlichen Ausstattung mit einbezog.

Lage, Entstehungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Lage

Neuburg errichtete man links des Inns als Höhenburg auf einem Bergvorsprung, der sich nach Südosten erstreckt. „Ideal bei der Spornlage war die Ausnutzung des natürlichen Steilabfalls auf drei Seiten. So musste nur eine Seite besonders gesichert werden.“[1]

Ihre Lage hoch über dem Inntal bot von sich aus die Möglichkeit, die „fantastische Aussicht in die Landschaft“[2] zu genießen. Zugleich sollte das „Schloss als Mittel der Repräsentation und als Bühne der Selbstdarstellung [...][dienen] [und] die privilegierte Stellung des Besitzers schon aus größerer Entfernung deutlich zur Schau stellen.“[2]

An der Grenze zu Österreich gelegen, fiel den Besitzern auch die Rolle zu, „den Zugang zur Stadt Passau“[3] zu kontrollieren.

Insgesamt gesehen, war Neuburg im Laufe der Jahrhunderte „auf diesem exklusiven Platz hoch über dem Inn ein repräsentatives Symbol adeliger Prachtentfaltung geworden.“[4]

Entstehungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Mitte des 11. Jahrhunderts verlegten die Grafen von Formbach „ihren Hauptsitz von der Stammburg wenige Kilometer flussabwärts in die ,Neue Burg‘, nach der sie sich fortan u.a. benannten. 1158 starb das Geschlecht aus. Die Herrschaft gelangte zunächst an die Grafen von Andechs-Dießen, 1248 an die bayerischen Herzöge. Gegen sie erhoben die Habsburger Besitzanspruch; während der Fehde brannte die Burg aus.“[5]„Durch den Passauer Friedensschluss von 1310 kam die Burg jedoch endgültig zum Hause Habsburg. Somit gehörte die Grafschaft Neuburg von 1283 bis 1803 als Besitz der Habsburger zum österreichischen Herrschaftsgebiet. Herzog Friedrich der Schöne von Österreich (1289–1330) [...] baute die Neuburg wieder auf.“[6] „Bis 1803 war die Neuburg Verwaltungsmittelpunkt der [...] Grafschaft Neuburg.“[7]

Während die Neuburg im Mittelalter „als Sinnbild für Wehrhaftigkeit, Macht und Herrschaftsausübung eine militärische Schutzfunktion für die Untertanen [...]“[7] erfüllte, führte in „der Zeit der Renaissance [...] ein neuer Lebens- und Repräsentationsstil zu einer architektonischen Verwandlung der Neuburg. 1529 machte Graf Niklas von Salm (1503–1550), Hofkämmerer am Hofe des Habsburger Königs Ferdinand I., die mittelalterliche Wehranlage zu einem repräsentativen Schloss mit einem Garten als Erlebnisraum und einem wundervollen Arkadenhof aus Terrakotta. Baumeister war Wolf Huber (1480–1553), einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit.“[7]

In diese Zeit ist auch die gedankliche Vor- und bauliche Ausformung der drei Prunkräume an der Innseite zu datieren.[8] Diese sind als dreiteilige Raumflucht erfahrbar, die sich südlich der spätmittelalterlichen Kapelle entwickeln und insgesamt einen „Repräsentationstrakt“[9] ausbilden.

„Daß der [...][Trakt] nicht um 1530 von Grund auf neu errichtet wurde, ist zunächst aus leichten Unregelmäßigkeiten in der Disposition des in beiden Geschossen dreiräumigen Trakts, aus variierenden Mauerstärken und ungleich breiten Wandstücken zwischen den Fensteröffnungen zu ersehen, dann aber auch aus bauarchäologisch nachgewiesenen Türvermauerungen und –versetzungen.“[10]

In einem Urbar aus dem Jahre 1674 werden die drei Prunkräume folgendermaßen beschrieben. Der heute im modern verknappten Begriffsjargon als Weißmarmor-Saal geführte Raum war ehemals als „herrliches und cosstbar gewölbtes zimer, umb und umb mit weiss schön märmelstein“[11] in den Archivalien charakterisiert. Die ebenfalls historische Bezeichnung „weißmarmornes Zimmer“[8] zeigt hingegen schon die überzeitliche Begriffsverkürzung. Der südlich anschließende Saal wird darin als das „herrliche zimer von rotten marmelstein“[12] erwähnt, heute als Rotmarmorsaal bezeichnet. Die begrifflich größte Metamorphose erfuhr der heute als Grüne Salettl bezeichnete Raum, der ehemals als „mit weissem märmel gepflasterte[s] zimer“[13] in den Quellen genannt wird.

Begriffsgeschichtlich wird an diesem Beispiel jedenfalls auf sehr eindringliche Weise die unterschiedliche Gewichtung bei der Charakterisierung eines Raumes deutlich. Stand zunächst der Material- und damit Kostenwert des verwendeten Marmors als Merkmal der Repräsentation im Vordergrund, verlagerte sich die Bewertung und Bedeutung des Grünen Salettls, eine Bezeichnung, die „in den Inventaren des 18. Jahrhunderts“[14] erscheint, auf deren Ausmalung und optische Wirkung im frühen 18. Jahrhundert.

Diese erfolgte in der Auftraggeberschaft von „Graf Johann Jakob Hamilton [...] nach den Zerstörungen des spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1703/1704 [im Zuge] einer glanzvollen Neugestaltung des Schlossareals“.[15]

„Die Veränderungen Hamiltons waren weitreichend, sie bestanden in der Entfernung der Terrakottarippen im Weißmarmorzimmer, einer malerischen Fassung der Gewölbe der drei Prunkräume [sowie] der Freskierung des Weißmarmorpflasterzimmers [Grünes Salettl][...].“[16]

„Nach 1730 wurde die Neuburg zu einem Jagdschloss der Passauer Fürstbischöfe bis zur Auflösung des Fürstbistums Passau im Zuge der Säkularisation im Jahr 1803.“[17]

Im 19. Jahrhundert „stand die Neuburg ohne Nutzung da“,[17] war nach einem Brand 1810 zu einer Ruine geworden, der wegen „des Bauunterhalts [...] 1908 [sogar] der Abriss“[17] drohte.

Nur dank „einer Initiative des Passauer Kunstvereins wurde die Neuburg durch den 1902 gegründeten Landesverein für Heimatschutz vor dem endgültigen Abriss bewahrt und für die nächsten Generationen gerettet.“[17]

Deren Grundidee, die verfallene Anlage nicht schwärmerischen Burgenromantikern zu überlassen, sondern, im Gegenteil, sich „dem aufkommenden Denkmalschutzgedanken“[17] verpflichtet zu fühlen, zeugt von überregionaler Visionskraft der bayerischen Heimatschutzbewegung. „So wurde von 1908 an die Neuburg unter Wahrung der historischen Bausubstanz als ,Erholungsheim für unterstützungswürdige Künstler und Künstlerinnen‘ wiederaufgebaut.“[17]

„Seitdem der Landkreis Passau Besitzer der Neuburg ist [1998], knüpft er an diese Tradition des Künstlererholungsheimes an und entwickelt die Neuburg zu einem ganz besonderen Ort der Kulturbegegnung.“[18]

Das Bauwerk

Den unregelmäßig geformten Hof der Hauptburg umschlossen ehemals mehrere Flügel. Der Wohn-Trakt lag an der Ostseite der Burganlage und ist im Laufe der Zeiten mehrmals verändert worden. Sichtbar ist bis heute der geknickte Verlauf des Traktes, welcher die Grundform der Hangkante nachzieht und zugleich den Bering bildete.

Von der Mitte dieses Flügels mit der spätgotischen Kapelle erstreckten sich in südliche Richtung drei Gartensäle, der Weißmarmorsaal, der Rotmarmorsaal und das Grüne Salettl. Die drei unterschiedlich großen Räume unterscheiden sich auf charakteristische Weise sowohl in ihrer Gewölbefiguration als auch in der Art der Ausstattung.

Aus der Zeit um 1705 haben sich im Rotmarmorsaal die zeitgenössischen Ausmalungen im Deckenbereich erhalten. Im benachbarten Grünen Salettl ist nicht nur die Deckendekoration konserviert, sondern auch die Bemalung der vier Wände.

Der Auftraggeber: Johann Jakob von Hamilton (1642–1717)

Auftraggeber der Ausmalungen des Weißmarmorpflasterzimmers (Grünes Salettl) war der schottische Adelige Johann Jakob von Hamilton (1642–1717), „der in kurpfälzischen und kaiserlich-österreichischen Diensten stand und 1695 zum Reichsgrafen erhoben wurde.“[19]

„1698 kaufte Hamilton für 300.000 Gulden die reichsunmittelbare Grafschaft Neuburg am Inn [...] aus dem Besitz der kaiserlichen Hofkammer, die diese Reichsgrafschaft von Georg Ludwig von Sinzendorf (1616–1681) an sich gezogen hatte.“[19]

Hamilton, „kaiserlicher Kämmerer und kaiserlicher Landvogt der Markgrafschaft Burgau“[20], sah sich nach „der Beendigung der Kriegswirren [des Spanischen Erbfolgekrieges] [...] gezwungen, die Schäden sowohl am Schloss wie auch an dem gesamten Besitz der Herrschaft wieder zu beseitigen.“[20]

Im Zusammenhang dieser Ausbesserungs- und Ausstattungsmaßnahmen erging auch der Auftrag an Johann Gordian Säntz, die Decken der drei Gartensäle und zusätzlich die Wände des Grünen Salettl auszumalen.

Der Künstler: Johann Gordian Säntz (um 1660–1729)

Johann Gordian Säntz, auch Sänz, (um 1660–1729),[21] führte im Jahre 1705 die Malereien im Gartensaal (Grünes Salettl) aus. Dabei übermalte er bereits vorhandene Wandmalereien aus der Zeit um 1530. Aufgrund „ihrer stilistischen Nähe zu den Wandmalereien des ,träxl zimers‘ [werden diese] Wolf Huber zugeschrieben.“[22]

Ungefähr 30 Jahre nach der Übermalung dieser Fresken durch Säntz, erfuhren sie durch den Passauer Maler Bernhard Liechtenreither „durchgehents eine Ausbesserung von unterschidtlichen Farben“[23], „allwo [vulgo: weil] die Mallereien zimblich ruinös gewesen [...].“[23]

Das grüne Salettl: Beschreibung und Maße

Das Grüne Salettl liegt an der Südseite des Ostflügels von Schloss Neuburg am Inn. Der Hauptzugang erfolgt vom Innenhof aus durch die Westtür.

Von hier aus sind für den eintretenden Beobachter auf perspektivisch richtige Weise die Darstellungen der Saalwände erfahr- und erschließbar.

Der Raum weist heute insgesamt fünf Türen auf, vier echte und eine Blindtür. Neben der westlichen hofseitigen Eingangstüre führt die Osttür auf die Altane, um die Aussicht auf die (Garten-) Landschaft zu gewähren, die Nordtür ermöglicht den Zugang zum Rotmarmorsaal und durch die bemalte Holztür in der SW-Ecke gelangte man über die dahinter liegenden Wendeltreppe in den oberen Wohnbereich. In der Südwest-Ecke imaginiert eine Blindtüre den Zugang zu einer Räumlichkeit, die (heute) nicht (mehr) besteht[24] und heute deswegen den übermächtigen Eingang in die Laibung des Südfensters bildet.

Das Grüne Salettl hat eine unregelmäßige Grundrissfigur, weil die Südwand aus dem Rechteck in Richtung Südwesten ausschert. Die Raummaße sind folgende: Nordwand: 8,57m, Südwand: 9,17m, Ostwand: 5,63m und Westwand: 7,85m. Die Raumhöhe beträgt 5m.

Zwei Fenster mit tiefen Laibungen belichten den Innenraum.

Der heute erleb- und erfahrbare Innenraum des Grünen Salettls vereint drei verschiedene Bau- und Ausstattungsphasen. Erlebbar ist erstens ein im Grundriss unregelmäßiger Saal, der, zusammen mit der Gewölbeformation aus geradlinigen Rippen und Bogenrippen, die spätmittelalterliche Anpassung an spätere bauliche Gegebenheiten kenntlich macht.

Gestalterisches Kennzeichen ist die Formung eines figurierten Gewölbes, das ein Hybridgebilde einerseits aus Bogenrippen ergibt, die in der Raummitte Rautenformen ausbilden, während andererseits die Ecken mit einer dreistrahligen Konstruktion an diese Binnenstruktur anschließen.[25]

Zweitens zeigt die dem älteren Mauerbestand aufgemalte Pilastergliederung ihr neuzeitliches Gliederungsgesicht, welches die Existenz von (zeitlich älteren) Vorlagen und Diensten ablöste.

Drittens machen die den Wänden wie auch dem Gewölbe aufgemalten Darstellungen und Dekorformationen ihre Entstehungszeit kurz nach 1700 deutlich.

Insgesamt ist somit ein Raumbild erfahrbar, das trotz gewisser Unregelmäßigkeiten eine hohe, systematisch durchgehaltene Strukturalität in der Gliederung des Raumes aufweist. Zum harmonischen Raumbild tragen ganz entscheidend die gemalten Ausblicke in die äußere Landschaft bei.

Der Wandaufbau: Sockelzone (Balustrade), Gliederung und Bogenbereich

Der in seiner architektonischen Grundstruktur spätgotische Raum mit Wandvorlagen und Rippenbildungen erhielt um 1705 eine aufgemalte Gliederung, kombiniert mit diversen Stuckformationen, die marmorierte Pilaster mit korinthischen bzw. kompositen und ionischen Ordnungen nachahmte.

Der gemalte Wandaufbau ist dreiteilig angelegt: Über der hohen Sockelzone, die als Baluster gebildet ist, entwickelt sich proportional richtig der Bereich mit den Pilastern, wobei deren differenzierende Schichtungen auf die bereits bestehenden Vor- und Rücksprünge der mittelalterlichen Wand Rücksicht nehmen und sich strukturell schichteinheitlich im Gewölbebereich fortsetzen.

Auf diese Weise wird einerseits konsequent zwischen den verschiedenen Wandebenen unterschieden, indem die Anräume (Türen, Fenster) mit einer eigenen, gegenüber der tragenden Hauptwand zurück gesetzten Arkatur und Pfeilerbildung ionischer Ordnung als eigenständige Raumeinheiten definiert werden.

Andererseits wird mit den die Wand gliedernden Pilastern eine systematische Bezugnahme zu den Rippen im Gewölbebereich erreicht, die gerade wegen der Existenz/Vorhandensein ihrer älteren Vorgaben ein umso größeres strukturelles Denkvermögen verrät.

Diese strukturell und anschaulich elegante Verbindung von Wand- und Gewölbebereich ist in ihrer gliederungstechnischen Machart überzeugend gelöst und vermittelt den Betrachtenden trotz der räumlichen Ungereimtheiten das positiv konnotierte Gefühl von Einheit und Zusammenhang.

Die Westwand

Die gesamte Westwand (Zugangsseite vom Innenhof) setzt sich aus drei ganz unterschiedlichen Einheiten zusammen: einem bemalten Hochrechteckfeld auf der Südseite, dem mittleren Fenster mit tiefer Laibung und der Türe mit Tympanon auf der Nordseite.

Trotz der divergierenden räumlichen Gegebenheiten (flach und dreidimensional) zerfallen diese nicht in drei Solitäre, sondern werden über den gleichen Wandaufbau und die Ähnlichkeit der Dekormotive miteinander verbunden.

Das südliche Bildfeld an der Westwand: Ein Landschaftsausblick

Hinter der perspektivisch gemalten Arkade stehen links ein Baum mit dichtem Laubwerk und rechts, als gestalterischer Gegensatz, ein niedrigerer Strauch mit leichterem Ast- und Blattwerk. Beide leiten den Blick des Betrachters zu dem blauen bewölkten Himmel.

Die südliche Laibung des Fensters an der Westwand: Interkolumnium mit Natur

Durch das gemalte Interkolumnium von zwei Pilasterpfeilern blickt man in die Natur. Das Blattwerk eines hohen Baumes links begrenzt den völlig freien Ausblick auf den Himmel mit seinen Cumulus-Wolken.

Die nördliche Laibung des Fensters an der Westwand: Interkolumnium mit Natur

Zwischen zwei Pilasterpfeilern hindurch kann man den blauen, bewölkten Himmel sehen. Der freie Blick wird lediglich durch dichtes Blatt- und Astwerk eingeschränkt.

Das Tympanon des Fensters an der Westwand: Akanthusranken

Im Tympanon des Fensters sind Akanthusranken symmetrisch gleichmäßig verteilt.

Der Bogenbereich über dem Fenster an der Westwand: Akanthusranken um Rosette

Auf den Bogenbereich des Fensters ist ein rechteckiges Feld gemalt. In diesem breiten sich vier Akanthusranken gleichmäßig aus, die ihren Ausgang von der mittigen Rosette nehmen.

Die südliche Laibung der Türe an der Westwand: Interkolumnium mit Natur

Durch die Öffnung zwischen zwei Pilasterpfeilern sieht man auf das grüne Blattwerk mehrerer Bäume, die sich vor dem Blau des Himmels mit seinen Wolken kontraststark abheben.

Die nördliche Laibung der Türe an der Westwand: Interkolumnium mit Vögel

Zwei Pilasterpfeiler bilden den Rahmen für den Ausblick in die freie Natur, die sich in Gestalt von Baumfragmenten, Astwerk und blauem Himmel mit Haufenwolken und fliegenden Vögeln zeigt.

Das Tympanon über der Türe an der Westwand: Akanthusranken

Im Tympanon über der Tür sind Akanthusranken in symmetrischer Anordnung aufgemalt.

Der Bogenbereich über der Türe an der Westwand: Akanthusranken um Rosette

Im Bogenbereich der Westtüre ist ein Rechteckfeld mit symmetrisch verteilten Akanthusranken zu sehen, die sich von der Mittelrosette aus entfalten.

Die Nordwand

Die gesamte Nordwand besteht aus drei unterschiedlich breiten Arkadenöffnungen, welche den Ausblick in die Natur mit ihrem Baumbestand ermöglichen, der vom blauen, bewölkten Himmel hinterfangen ist.

Die Arkadengestaltung über der Balustrade zeigt in ihrer perspektivischen Anlage das gestalterische Bemühen, die Betrachtenden optisch zu täuschen und ihnen eine Landschaft zu suggerieren, die eigentlich nur auf der Wandfläche existiert.

Der Betrachterstandpunkt für die richtige Erfassung dieses Landschaftspanoramas ist auf den eintretenden Betrachter vom Innenhof her konzipiert, wodurch beim Durchschreiten der Säle die Illusion sich noch verstärkt.

Die drei Naturdarstellungen scheinen jeweils einen ganz eigenen Ausschnitt von Landschaft wiederzugeben, ohne Bezugnahme untereinander. Dieser erste Eindruck täuscht hingegen, denn der Freskant verstand es auf geschickte Weise, diese scheinbar vereinzelten Naturbilder kompositorisch und motivisch aufeinander zu beziehen und zu gruppieren. So glich er die beiden urwüchsigen und solitären Bäume rechts und links am jeweiligen Wandende einander formal an und richtete sie aufeinander aus, wodurch eine die ganze Wand übergreifende Einfassung entsteht.

Innerhalb der drei einzelnen Bildfelder differenzierte und gruppierte er ein zweitesmal. Während er das westliche Bildfeld mit Heckenwand und Brunnenanlage als Einzelbild anlegte und bestehen ließ, sind die beiden folgenden Darstellungen kompositorisch über die Motivähnlichkeit der nach hinten sich verjüngenden Wegführung und der bilddominanten Baumtrias direkt als Bildzwillinge aufeinander bezogen.

Das westliche Bildfeld an der Nordwand: Gartenausblick mit Brunnen und Vögel

Die Arkadenöffnung erlaubt den malerischen Anblick auf eine künstlich von Menschenhand geschaffene Heckenanlage und Wege, zwischen denen sich ein Brunnen befindet, aus deren felsiger Mitte eine Fontäne hochschießt. Zwei barbusige Statuen, vermutlich Nymphen, ergänzen das Ensemble.

Dieses steht im perspektivischen Zentrum zwischen zwei gegensätzlich gestalteten Bäumen, die den Blick in den wolkenverhangenen Himmel und fliegenden Vögeln leiten.

Das zentrale Bildfeld an der Nordwand: Landschaftsausblick

Den Blick in eine freie Landschaft versperren zwei mächtig ausladende Baumkronen, von denen die rechte sich im folgenden östlichen Bildfeld ausbreitet und die Komposition mit dem Nachbarfeld einleitet.

Bestimmendes Motiv ist der aus erhöhter Perspektive sichtbare Weg, der sich von links aus in den Bildhintergrund erstreckt. Sein kompositorisch symmetrisches Gegenstück ist auf dem folgenden Bildfeld zu sehen.

Das östliche Bildfeld an der Nordwand: Landschaftsausblick mit Vögel

Das Bildfeld ist das kompositorische Gegenstück zum vorhergehenden. Die motivische Verbindung besteht einerseits über den mittleren Baum und andererseits der Darstellung eines Weges zwischen Wiesengrün, der sich aus Symmetriegründen von rechts nach links hinten entwickelt. Eigentlich bestimmt das dichte Laubwerk der beiden Bäume die Darstellung, das im oberen Bereich den Blick auf den wolkenbehangenen Himmel freigibt, vor dem sich die dunklen Konturen von fliegenden Vögeln abheben.

Freigelegter Ausschnitt am östlichen Bildfeld der Nordwand: Malerei um 1530

In der Mitte des Bogenfeldes hat man ein Bildfenster der darunter vorhandenen Malereien um 1530 freigelegt und für den Betrachter sichtbar gemacht. „Die kargen Reste [dieser] älteren Malereien“[26] waren Anfang des 20. Jahrhunderts noch sichtbar, sind aber trotz „mehrfach wiederholtes Verbot [durch den Burgretter Groeschel] übermalt worden.“[27]

Erkennbar ist eine Architektur-Staffage, die sich aus zwei verschiedenen Bautypen zusammensetzt: einerseits ist ein Triumphbogen mit Attika in der Art des römischen Titus-Bogens bildlinks zu sehen und andererseits dahinter ein überkuppelter Zentralbau (mit Laterne?), deren Wandaufbau aus Arkadenöffnungen besteht.

Der heute freigegebene, fragmentarische Blick auf die Malerei des frühen 16. Jahrhunderts befördert zwar bautypologische und architektursymbolische Assoziationen, die allerdings ohne den weiteren Bildkontext ins Leere laufen.

Die Ostwand

Die schmale Ostwand des Grünen Salettls besteht aus zwei Abschnitten, die sehr gegensätzlich sind: Zum einen aus der tiefen und lichthaltigen Fensternische und zum anderen aus dem Türkompartiment, deren perspektivische Landschaftsmalerei eine räumliche Tiefenerstreckung suggeriert und den Betrachter auf die dahinter liegende real existierende Land- und Flusslandschaft vorbereitet, die er von der Altane außen genießen kann.

Die nördliche Laibung des Fensters an der Ostwand: Interkolumnium mit Vögel
Neuburg am Inn, Schloss

Die Öffnung zwischen den beiden Pilasterpfeilern erlaubt die Ansicht von zwei fast gleich hohen Bäumen, die eine spaltförmige Öffnung zum Himmel ermöglichen. Mehrere Vögel haben sich in die Lüfte erhoben, die als dunkle Silhouette erkennbar sind.

Das Tympanon des Fensters an der Ostwand: Akanthusranken

Im Tympanon sind die Ranken eines Akanthusstrauches in symmetrischer Anordnung aufgemalt.

Der Bogenbereich über dem Fenster an der Ostwand: Akanthusranken um Rosette

Im Bogenbereich befindet sich ein Rechteckfeld, in dem Akanthusranken sich gleichförmig ausbreiten und kunstvoll überlagern. Ihr Ausgangspunkt ist die zentrale Mittelrosette.

Bemaltes Bildfeld über der Holztüre im Süden der Ostwand: Landschaftsausblick

Auf der planen Türwand wird die Aussicht in eine freie Landschaft vorgetäuscht. Die perspektivisch angelegte Arkade verstärkt diesen Illusionsgrad, der gleichzeitig durch die Holztür gemindert wird.

Die südliche Laibung des Fensters an der Ostwand: Interkolumnium mit Vögel

Diese Laibungsseite zeigt einen ähnlichen, aber nicht gleichen Ausschnitt der Natur. Das Blattwerk der zwei hohen, das Bild rahmenden Bäume berührt sich fast und gewährt einen schmalen Blickspalt auf die weiße Wolkenwand des Himmels. Auch hier sind die schwarzen Konturen von auffliegenden Vögeln sichtbar.

Die Südwand

Die gesamte Südwand setzt sich aus vier einzelnen Wandabschnitten zusammen. Drei von ihnen erlauben den vorgetäuschten Ausblick in eine außen sich befindende Landschaft, während der gemalte Bereich über der Tür (heute Blindtür, ehemals Zugang zu dem heute nicht mehr bestehenden Südzimmer[28]) der Darstellung des reichsgräflichen Wappens vorbehalten ist.

Betrachtet man die Wand in ihrer gesamten gestalterischen Abwicklung, fällt die deutliche Betonung der beiden mittleren Bildfelder auf. Sie sind nicht nur gleich breit und hoch, sondern zeigen zugleich die Anwesenheit von Papageien, die auf Ringen sitzen und einander zugewandt sind. Im Hintergrund sind künstlich angelegte Heckenlabyrinthe zu sehen, die zum vorderen naturbelassenen Baumbestand einen deutlichen Kontrast bilden.

Beide genannten Motive, das Heckenlabyrinth und die Existenz der Papageien im Bild, heben diese Bildfelder aus der Gesamtheit der anderen Malereien im Saal nicht nur heraus, sondern geben der Südwand durch deren gegenständliche Präsentation den inhaltlichen Anstrich von fürstlicher Repräsentation (Wappen und Papageien als fürstliches Statussymbol).

Das östliche Bildfeld an der Südwand: Wappenschild der Reichsgrafschaft Neuburg

Durch eine perspektivisch gemalte Arkade erkennt man im Bildhintergrund eine Landschaft mit Baumbestand vor blauem Himmel. Der Naturausschnitt ist allerdings kaum erkennbar, da sich im Bildvordergrund Putten gehörig anstrengen, die Fürstenkrone hochzustemmen. Zwischen ihnen ist ein Wappenschild zu sehen, auf dem ein nach links schauender Greif als heraldisches Zeichen der Reichsgrafschaft Neuburg dargestellt ist.

Das 2. Bildfeld von Osten an der Südwand: Gartenlandschaft mit Papagei

Die perspektivisch gemalte Arkade bildet den Rahmen für den effektvoll inszenierten Anblick eines dreiteiligen Springbrunnens mit Neptun als symbolträchtiger Brunnenfigur.[29] Dahinter ist die V-förmige Anlage eines Heckenlabyrinths erkennbar, das von einem mit Zypressen umsäumten Pfad begrenzt wird. Im oberen Bogenbereich der Arkade sind zwei Blattfestonstränge befestigt, zwischen denen eine Troddel mit einem großen Ring herabhängt, an dem sich ein dunkelfedriger Papagei festkrallt.

Das unregelmäßige, natürliche Blattwerk der beiden den Ausblick begrenzenden Bäume bildet einen formal spannenden Gegensatz zu dem künstlich hergestellten Heckenlabyrinth.

Das 3. Bildfeld von Osten an der Südwand: Papagei mit Gartenlandschaft

Die Darstellung ähnelt bis auf wenige Unterschiede prinzipiell der vorhergehenden Szenerie: es wiederholt sich das Motiv des Heckenlabyrinths, das ebenfalls in reizvollen Kontrast zu den Baumkronen im Vordergrund gesetzt ist. Es wiederholt sich auch die Anwesenheit eines Papageis an einem Ring, dessen Konstruktion ähnlich aufwendig ist. Nur er selbst hat die Farbe gewechselt und mutierte zu einem weißgrauen Vogel, der neugierig zu seinem Artgenossen zurückblickt.

Als ein entscheidendes Bildmotiv fehlt ein Brunnen, was allerdings die Chance erhöht, das geometrisch angelegte Heckenlabyrinth in seiner Künstlichkeit zu bestaunen.

Freigelegter Ausschnitt am 3. Bildfeld von Osten an der Südwand: Malerei um 1530

Bei der letzten Restaurierung des Saales 1998 entdeckte man Reste figürlicher Wandmalereien, die vermutlich Wolf Huber um 1530 schuf. Aus denkmalpflegerischen Erwägungen heraus, den vorhandenen und gesicherten Bestand nicht nur zu dokumentieren, sondern auch anschaulich zu machen, entschied man sich, zwei Bildfenster offenzulegen.

Beide befinden sich im Bogenbereich der gemalten Arkade. Das bildrechte Fragment zeigt einen Herrscher (Kaiser?) auf einem Thronsessel sitzend, der von einem Baldachin hinterfangen und damit ausgezeichnet wird. In seiner linken Hand hält er ein Zepter, mit seiner rechten weist er nach unten.

Das Geschehen ereignet sich vor einer (anzunehmenden) Palastarchitektur, die mit Öffnungen verschiedener Art (Fenster, Herrschernische) gekennzeichnet ist. Die Szenerie verfolgen zwei Personen, die hinter einer Balustrade stehen, die gleichzeitig dem Herrscher als podestale Fußablage und für den Betrachter als optische, ihn distanzierende Schranke dient.

Auf dem bildlinken Freskenrest aus der Renaissance ist ein Papst dargestellt, der an seiner Tiara erkenntlich ist und den Kopf nach unten senkt.

Aufgrund der unterschiedlichen Proportionen der Figuren und ihrer räumlichen Distanzierung scheint eine direkte Bezugnahme, die sich in einem irgendwie gearteten Narrativ äußert, problematisch, aber dennoch nicht ausgeschlossen.

Das westliche Bildfeld an der Südwand: Landschaftsausblick

Das westliche Bildfeld der Nordwand ist das schmälere und niedrigere in der Wandabfolge. Dieser zunächst penibel metrisch erscheinende Aspekt ergibt allerdings dahingehend einen Sinn, wenn man die Ecksituation zur anschließenden Westwand mit berücksichtigt. Dort ist nämlich das benachbarte südliche Bildfeld ebenfalls gleich schmal und gleich hoch, bzw. niedrig. Auf diese Weise ergibt sich eine geglückte Eck-Lösung, welche die beiden Längsseiten an dieser Stelle miteinander verbindet. So wird aus dem anfänglichen Messen ein räumliches Gestalten, dessen Grundidee sich strukturell im ausgeführten Gewölbebereich am anschaulichsten nachvollziehen lässt, wo beide separiert erscheinenden Bildeinheiten zu einer (im Grundriss dreieckigen) Raumeinheit zusammengefasst werden.

Ähnlich verhält es sich mit den dargestellten Bildthemen, die beide den Blick in eine Landschaft freigeben, wobei die perspektivisch angelegten Arkaden ein guter Blickleiter sind.

Das Gewölbe

Das Gewölbe des Grünen Salettls setzt sich insgesamt aus drei verschiedenen Grundfiguren zusammen, aus Dreiecken, Rundformen und Rauten.

Ins Räumliche des Gewölbes übersetzt sind die Dreiecke als Stichkappen nachvollziehbar, die sich über den jeweiligen Arkaden der vier Wandseiten entwickeln. Die Spitzen der Stichkappen sind auf der Querachse mit einer gerade verlaufenden Rippe verbunden.

Die Raummitte betonen zwei Bogenrippen in Gestalt eines überlängten Halbkreises. Deren gekrümmte Schenkel bilden jeweils die Hälfte eines Rautengebildes, das sowohl an die östliche wie auch die westliche Querrippe anschließt.

Das Gewölbe bietet mit diesen Rippenbildungen eine abwechslungsreiche, aber dennoch strukturell nachvollziehbare Figuration aus. Die einzelnen Kappen sind mit zeittypischem Akanthusdekor malerisch ausgeziert.

Programm und Synthese: Natura naturans und Natura naturata

Natura naturans und Natura naturata: Eine intra– und extraspatial erfahrbare Auseinandersetzung als Mittel konfessionell geprägter Repräsentation in der Reichsgrafenschaft

„Die fortlaufenden duftig und leicht gemalten Gartenszenen [des Grünen Salettls] stellen eine fiktive Öffnung der Wände nach außen vor. Optisch vergrößern sie den Raum und erwecken die vollkommene Illusion, als würde man über eine rötliche Balustrade schauend, sich in einem barocken Garten befinden. So war es möglich, innen Gesehenes – die illusionistischen Gartenszenen auf den Wänden des Saales – mit der Realität zu vergleichen, wenn der Blick von den Aussichtspunkten nach außen in die realen Gärten und in die Natur schweifte.“[23]

„So ergaben sich für den Betrachter ständig Vexierbilder zwischen Innen und Außen, zwischen Künstlichkeit und Natur.“[30]

Dieser optische Bestand und ihre Wirkung auf den Betrachter könnte auf die damals virulente kunst-, kultur- und geistesgeschichtliche Theorie von Natura naturans und Natura naturata Bezug genommen und auf eigene Weise reflektiert haben. Übereinstimmend ist zumindest der in der Kunstauffassung spätestens ab Spinoza geäußerte und argumentativ erläuterte Gegensatz einer ursprünglichen, von Gott geschaffenen und einer vom Menschen künstlich hervorgebrachten Natur.[31]

Dieser gedankliche Kontrast wäre im Grünen Salettl auf zweierlei Art sinnlich erfahrbar, erstens auf intra-, zweitens auf extraspatiale Weise.

Im ersten innerräumlichen Kontrast sind die Darstellungen von Wand und Decke explizit konträr aufgefasst: im Wandbereich sind die Ausblicke in die freie, urwüchsige Natur zu sehen, während diese nun im Deckenbereich als ein vom Menschen domestizierter und stilisiert wiedergegebener Natur-Ausschnitt in Gestalt des Akanthus als Blatt-Ornament erscheint.

Dieser intraspatiale Gegensatz aus Naturhaftigkeit und Künstlichkeit erweitert sich im extraspatialen Zusammenhang. Hierbei werden die im Grünen Salettl gemalten Ausblicke in die freie Natur zur vorbereitenden Blickfolie für die im Außenraum tatsächlich dreidimensional sinnlich erfahrbare grüne Welt. Diese Welt konnte zu dieser Zeit, besonders in Neuburg unter Sinzendorf, nur als eine vom (christlichen) Gott erschaffene aufgefasst werden.

„Graf Sinzendorf wirkte am Kaiserhof Leopold I. in Wien [...][und war von der] Inszenierung der barocken Frömmigkeit mit ihrer Kreuzes- und Marienverehrung, wie sie Sinzendorf am Kaiserhof in Wien erlebte“[32] stark beeindruckt. Deshalb ließ er die „Neuburg zu einem ,theatrum sacrum‘ mit Kreuzwegstationen, Einsiedlerhütten und Mariensäule werden und gab dem religiösen Kultort ein spezifisch konfessionell-religiöses Gepräge. Der sehr tiefgehenden lutherischen Vergangenheit der Grafschaft Neuburg, die erst einige Jahrzehnte zurücklag, setzte Sinzendorf mit dem Kalvarienberg und der Mariensäule einen absoluten gegenreformatorischen Kontrapunkt entgegen.“

Dem Auftraggeber und seinen gebildeten Besuchern waren diese dialektischen Zusammenhänge durchaus bewusst und konnten sie deshalb auf besondere Weise goutieren.

Diesem Gedanken-Konstrukt von Natürlichkeit und Künstlichkeit im Innen- und/mit Außenraum ist eine zweite symbolische Ebene eingemalen.

Diese bezieht sich auf die in den Landschaftsausschnitten prominent anwesenden Papageien auf der Südseite des Grünen Salettl. Ihre Besonderheit besteht nicht allein darin, dass sie an der Repräsentationswand des Saales direkt neben dem reichsgräflichen Wappen erscheinen. Für den anwesenden Zeitgenossen war nicht nur die Exotik dieser Vögel eine anschauliche Attraktion,[33] sondern vor allem der damit verbundene Aussagewert, den Dittrich als „Symbol des Anspruchs auf hochfürstliches Ansehen“[33] beschrieb. Die großen, bunten Papageien galten deshalb als Ausweis politischen Ranges, weil sich „deren Besitz [...] nur Königs- bzw. Fürstenhäuser rühmen konnten [...].“[33]

In diesem Zusammenhang erhalten auch die Zypressen, welche die Heckenanlagen in den Bildfeldern mit den Papageien begrenzen, eine ihnen eigene symbolische Aufwertung im Sinne von „edel, wertvoll.“[34]

Die Südwand im Grünen Salettl ist in dieser darstellerischen Konstellation aus Wappen und Papageien nicht mehr nur allein Träger einer von exotischen Tieren bevölkerten Landschaft. Die Südwand wird (auf symbolische Weise) zu einem fürstlichen Manifest, welche den Rang, Wert und Bedeutung der Reichsgrafenschaft auf diese indirekte Weise publik macht. Gerade in den unsicheren Zeiten des europäischen Kontinents mit den Kriegswirren des Spanischen Erbfolgekriegs, unter denen Neuburg schon sehr früh besonders zu leiden hatte und deren Zerstörungen gleichzeitig den Grund für die Ausbesserungen und Neu-Ausstattungen boten, waren derartige politische Positionierungen notwendiger denn je.

Der Rotmarmorsaal: Beschreibung und Maße

Der, bezogen auf die Flügelachse, querrechteckige Raum ist der mittlere der drei Gärtensäle. Mit dem südlichen Grünen Salettl ist er mit einer Tür, mit dem nördlichen Weißmarmorsaal durch ehemals drei Öffnungen verbunden. Jeweils zwei Fenster auf der Ost- und Westseite spenden dem Saal reichlich Licht. Das heutige Erscheinungsbild des Rotmarmorzimmers mit seiner glänzenden Wandverkleidung gehört der Rekonstruktionsphase um 1910/11 an.[35]

Der Saal ist 8,53m breit und ca. 6m lang. Die Scheitelhöhe beträgt 5,1m.

Die nordwestliche Brunnengrotte
Neuburg am Inn, Schloss

Julius Maria Groeschel skizzierte in seiner grundlegenden, auf Archivalien basierende Arbeit zur Veste Neuburg, erstmals Entstehung, materiellen Bestand und Funktion der ehemaligen Brunnengrotte.[36]

Archivalischer Bestand, in der Interpretation von Groeschel, ist, „dass lt. A.R. 1705 die Nische für den neuen Brunnen ,alwo der gemahlene Ofen stehet‘, ausgebrochen werden musste.“[37] Dieser von Sebastian Ratinger gemalte Doppelofen stand hier von 1531–1705.[38]

Die beiden Brunnengrotten freskierte „Gordian Sänz, auch Burgern und Mallern in Passau [...] vor welche Arbeit 110 fl. genedig accordirt worden [...].“[39]

In der Beschreibung von 1717/19 wird der materielle Bestand dokumentiert, denn im Rotmarmorsaal befinden sich „auch 2 große aus einem Roth Marmorstuck aufgerichtete Wassermuscheln, darinnen springentes Wasser jederzeit zu haben.“[37] Die damit kombinierten „2 stainere Statuen“[37]wurden von „Andreen Khrößing, Stainmezen [...] zu denen Nasenlöchern und Meullern [Mäulern, modern und gesitterter: Mündern] ein- und durchgebohrt, das man das Wasser dardurch richten khönen [...].“[37]

Die zum Nachbarraum, dem Weißmarmor-Saal geöffnete Brunnengrotte erfuhr ebenfalls zur Entstehungszeit um 1705 eine Bemalung: „2 Fontanen von neuen mit Malerei ausgemacht [...].“[40]

Inwiefern sich diese pauschale Angabe auf den heute noch vorhandenen Bestand an den beiden Wänden und der Wölbung übertragen lässt, ist von unserer Seite aus nicht definitiv zu beurteilen. Einigermaßen Sicherheit besteht darin, dass beide Brunnengrotten „1912 zu Nischen abgemauert“[38] wurden und damit ihren ursprünglich offenen Charakter verloren haben.

Das Portal der nordwestlichen Brunnengrotte

Die Portalumrahmung der Brunnengrotte hielt Groeschel „für Bestand aus dem Jahre 1531.“ Diese stilistische Einordnung ist selbst 100 Jahre später von Kunsthistorikerseite nicht in Zweifel zu ziehen.

Im frühen 18. Jahrhundert erhielt diese fein ziselierte Portal-Architektur eine Bemalung, die auf dem komplementären Gegensatz von Blau als Grundfarbe und Farbengrund sowie Goldgelb als Begrenzung der vertikalen und horizontalen Rahmenleisten basiert.

In das Bogenfeld rechts und links der spitzbogigen Öffnung sind zwei Tondi aufgemalen, welche auf Delfinen reitende Putten, die sie mit Keulen antreiben.[41]

Die Gewölbedekoration im Rotmarmorsaal

Die Gewölbeformation des Saales zeigt im Grundriss einen zentralen Stern mit acht Zacken. Die verbleibenden Restflächen in den vier Ecken sind als Dreistrahl gebildet.

Das Rippengewölbe im Saal, die auf formenreichen Konsolen ansetzen sowie die Schlusssteine sind aus Terrakotta gefertigt. „Die Rippen zeigen eine gleichmäßige Anordnung symmetrischer herzförmiger Rankengrotesken auf goldenen Blättern. Die kreisförmigen Gewölbeschlusssteine [...] sind besonders wirkungsvoll als vergoldete Blattrosetten auf blauem Grund ausgebildet.“[35]

Diesem architektonisch-dekorativen Grundbestand aus der Zeit um 1530/40 fügte man 1705 eine neuzeitliche Ausmalung hinzu, indem man die Gewölbefelder (und die Bogenlaibungen der Fenster) jeweils mit einem Floralmuster auszierte. Die Grundform bilden Akanthusranken, die sich in ihrer Helligkeit von der goldgelben Hintergrundsfläche abheben und mit ihrer Farbgebung dem Saal einen edlen Stimmungston verleihen.

Die Gewölbeflächen malte der Passauer Maler Johann Gordian Säntz, auch Sänz, aus.[42]

Der Gewölbesaal

Neuburg am Inn

Der Gewölbesaal befindet sich im nördlichen Teil des geknickten Osttraktes. Die ungefähr in der Traktmitte bestehende Kapelle teilt den Flügel in eine Südhälfte mit den Prunkräumen im Erdgeschoss und den darüber liegenden Wohnräumen im 1. Obergeschoss. Die Nordhälfte besteht großteils aus im Grund- und Aufriss unregelmäßig gebildeten Räumen, die zudem unterschiedliche Funktionen erfüllten.

Der sogenannte Gewölberaum im Erdgeschoss des nördlichen Traktes, die „,fein gewölbte[...] Stuben‘ werden durch eine Säule und einen Pfeiler getragen.“[43] Kreuzgratgewölbe, der windschiefen, trapezähnlichen Grunddisposition angepasst, überspannen den Raum. Ab 1681 diente die Räumlichkeit als Pflegeamtskanzlei.

Der Auftraggeber Graf von Lamberg-Sprinzenstein und der unbekannter Künstler

Der Auftraggeber Karl Joseph Franz Xaver Graf von Lamberg-Sprinzenstein (1686–1743)

Die Ausmalung des Gewölbesaales 1719 mit den Wappen der bis dahin bekannten Besitzer von Neuburg am Inn beauftragte Karl Joseph Franz Xaver Graf von Lamberg-Sprinzenstein (1686–1743).

Als „Kämmerer, Rat und Regent des Regiments der niederösterreichischen Lande“[44] hatte er die Grafschaft Neuburg für 440.000 Gulden erworben.[44] Seine besonderen Anliegen waren, „die Schlossgärten bestens in Stand“[44] zu halten und, in geringeren Anteilen, für die Ausschmückung der Innenräume zu sorgen.

Der unbekannte Künstler

Eine Künstlerpersönlichkeit, welche die sieben Wappen und Inschrift im Gewölbesaal anfertigte, ist archivalisch bisher nicht bekannt.

Wappen: Neuburg/Schärding

Gezeigt ist das Wappenbildnis derer von „Neuburg/Schärding“[45] mit der Jahreszahl 1156.

Wappen: Bayern/Wittelsbach

Das bayerische Wappenbildnis mit der Jahreszahl 1250 ist den Wittelbachern zuzuordnen.[45]

Wappen: Österreich/Habsburg

Dem österreichisch-habsburger Wappenbildnis ist wohl die Jahreszahl 1278(?) zugeordnet.[45]

Wappen: Salm

Wappenbildnis derer von Salm mit der Jahreszahl 1528.[45]

Wappen: Sinzendorf

Wappenbildnis derer von Sinzendorf mit der Jahreszahl 1654.[45]

Wappen: Hamilton

Wappenbildnis derer von Hamilton mit der Jahreszahl 1698.[45]

Wappen: Lamberg-Sprinzenstein

Wappenbildnis derer von Lamberg-Sprinzenstein, dem damals aktuellen Auftraggeber. Ohne Jahresangabe.[45]

Restaurierungen

Neuburg am Inn

Restaurierungen

Burg und Schloss Neuburg am Inn erfuhren im 20. Jahrhundert zwei aufwändige Restaurierungen.

Die erste Restaurierung der Marmorsäle zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sehr grundlegend, denn sie war erst möglich geworden, nachdem sich der Bauhistoriker Dr. Julius Maria Groeschel zusammen mit dem damaligen Ministerialrat im Innenministerium entschlossen hatten, „,die Burg durch Ankauf vor weiteren Zerstörungen zu sichern‘“, instand zu setzen und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.“[46]

Die damals revolutionäre Maxime, sich beim Aufbau und der Wiederherstellung von Neuburg an den neuesten Vorstellungen der Heimatschutzbewegung und der gerade sich konstituierenden Denkmalpflege zu orientieren, zeugte von sachkundiger Weitsicht.[47] „Groeschels Absicht war nicht, die Neuburg zu einer mittelalterlichen Burg zurückzubauen, er wollte, dass man an der rekonstruierten Neuburg die bauliche Entwicklung vom Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert erkennen könne.“[48]

„Für die Restaurierung der aus der Glanzzeit des Schlosses stammenden Prunkräume [...] entwickelten Groeschel und [der mit der Restaurierung betraute Architekt Karl] Kiefer einen besonderen Ehrgeiz.“[49]

„Grundlegend restauriert und auch verändert wurden diese [...] Marmorsäle im Jahr 1911 durch die Restauratoren Rudolf Gedon und Adolf Frey aus München, die ihre Namen und die Jahreszahl oberhalb der Tür zur Schneckenstiege verewigt haben. 1998 erfolgte eine neuerliche Restauration durch Angelika Porst und Robert Zenger, Gröbenzell.“[50]

Bibliographie

  • Baumüller, Bogenrippen, 1989 — Baumüller, Barbara: Bogenrippen- und Schlingrippengewölbe der Spätgotik in Bayern und Österreich (Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München, Band 45), München 1989
  • Brix, Niederbayern, 2008 — Brix, Michael: Bayern II. Niederbayern (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II. Niederbayern), München/Berlin 2008 (2. Auflage)
  • Dittrich, Lexikon, 2005 — Dittrich, Sigrid und Lothar: Lexikon der Tiersymbole. Tiere als Sinnbilder in der Malerei des 14.–17. Jahrhunderts, Petersberg 2005 (2. Auflage)
  • Groeschel, Veste Neuburg, 1924 — Veste Neuburg am Inn. Denkschrift (Hg.: Bayerischer Landesverein für Heimatschutz e.V., XX. Jahrgang der Monatsschrift), München 192
  • Hartleb, Neuburg, 2012 — Hartleb, Wilfried: Neuburg am Inn. Burg, Gartenschloss, Ruine, Künstlerschloss. Die Geschichte einer Verwandlung (Hg.: Landkreis Passau, Kulturreferat), Salzweg 2012
  • Hartleb, Neuburg, 2016 — Hartleb, Wilfried: Die Neuburg. Adelssitz und Künstlerschloss am Inn. Illustrierte Geschichte eines Baudenkmals (Hg.: Kultur im Landkreis Passau, Band 50), Salzweg 2016
  • Hedwig, Natura, o.J. — Hedwig, Klaus: Natura naturans/naturata, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie online
  • Hofbauer, Grafschaft, 1969 — Hofbauer, Josef: Die Grafschaft Neuburg am Inn (Hg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 20), München 1969
  • Mader, Kunstdenkmäler, 1920 — Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Bayern, 4. Band, Regierungsbezirk Niederbayern, IV. Bezirksamt Passau, München 1920
  • Riegel, Neuburg, 2012 — Riegel, Nicole: Ein newe fatzon. Schloß Neuburg am Inn um 1530, in: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Band 66, Berlin 2012, S. 102–205
  • Schäffer, Neuburg, 1979 — Schäffer, Gottfried: Schloss Neuburg am Inn (Schnell, Kunstführer Nr. 1151), München/Zürich 1979


  • online

Einzelnachweise

  1. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 17.
  2. 2,0 2,1 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 25.
  3. Riegel, Neuburg, 2012, S. 110.
  4. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 58.
  5. Brix, Niederbayern, 2008, S. 400.
  6. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 16.
  7. 7,0 7,1 7,2 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 8.
  8. 8,0 8,1 Mader, Kunstdenkmäler, 1920, S. 180.
  9. Riegel, Neuburg, 2012, S. 114.
  10. Riegel, Neuburg, 2012, S. 121–122 und Anmerkung 68.
  11. Riegel, Neuburg, 2012, S. 122.
  12. Riegel, Neuburg, 2012, S. 123.
  13. Riegel, Neuburg, 2012, S. 125.
  14. Mader, Kunstdenkmäler, 1920, S. 181.
  15. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 8–9. Ergänzend: Schäffer, Neuburg, 1979, S. 8 und https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jakob_von_Hamilton&oldid=217961020.
  16. Riegel, Neuburg, 2012, S. 132.
  17. 17,0 17,1 17,2 17,3 17,4 17,5 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 9.
  18. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 5.
  19. 19,0 19,1 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jacob_von_Hamilton&oldid=217961020.
  20. 20,0 20,1 Hofbauer, Grafschaft, 1969, S. 123.
  21. https://www.niederbayern-wiki.de/index.php?title=Gordian_Sänz&oldid=286173.
  22. Riegel, Neuburg, 2012, S. 125; Hartleb, Neuburg, 2016, S. 128.
  23. 23,0 23,1 23,2 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 128.
  24. Riegel, Neuburg, 2012, S. 128–132
  25. Grundsätzlich in Definition und Differenzierung: Baumüller, Bogenrippen, 1989.
  26. Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 78.
  27. Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 79.
  28. Zugang zu „Lutherische Kirche bezw. ehemalige Kanzlei“: Groeschel, 1924, S. 55, Abb. 63.
  29. Die Deutung der Brunnenfigur als Neptun: Hartleb, Neuburg, 2016, S. 129. Für diese Bestimmung spricht der allgemeine Bezug zum Wasser und der Dreizack. Dagegen spricht das Horn und die Darstellung des Neptun als bartlosen Jüngling.
  30. Hartleb, Neuburg, 2012, S. 62.
  31. Hedwig, Natura, o.J (online).
  32. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 46–47.
  33. 33,0 33,1 33,2 Dittrich, Lexikon, 2005, S. 323.
  34. https://www.heraldik-wiki.de/index.php?title=Zypresse_(Heraldik)&oldid=44341.
  35. 35,0 35,1 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 133.
  36. Mader, Kunstdenkmäler, 1920, S. 181; Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 71–72.
  37. 37,0 37,1 37,2 37,3 Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 71.
  38. 38,0 38,1 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 137.
  39. Goerschel, Veste Neuburg, 1924, S. 71–72.
  40. Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 72.
  41. Die in der Forschungsliteratur differierenden Entstehungsdaten (Groeschel, Veste Neuburg, S. 71–72: 1705 und Hartleb, Neuburg, 2016, S. 137, 139: 1704) unterscheidet sich von der auf dem Portal aufgemalten Jahreszahl 1701. Eine Aufschlüsselung und sinnvoller Zusammenhang ist an dieser Stelle nicht zu leisten.
  42. Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 71–72; Brix, Niederbayern, 2008, S. 402.
  43. Groeschel, Veste Neuburg, 1924, S. 44.
  44. 44,0 44,1 44,2 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 75.
  45. 45,0 45,1 45,2 45,3 45,4 45,5 45,6 Hartleb, Neuburg, 2016, S. 76.
  46. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 94.
  47. Ausführlich in: Hartleb, Neuburg, 2016, S. 105–107.
  48. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 106.
  49. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 116.
  50. Hartleb, Neuburg, 2016, S. 131. Siehe dazu die Dokumentationen im BLfD, München: Ordner: Neuburg am Inn, Band 6, Band 7, Band 8.