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Nägelstadt, sog Schieferhof

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Nägelstadt, sog. Schieferhof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/0fa6a838-404d-4c5e-a672-5b378172009a

Inventarnummer: cbdd20249

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

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Im so genannten Schieferhof von 1565 haben sich geringe Wandmalereireste des 16. und frühen 18. Jahrhunderts erhalten.

Der Schieferhof in Nägelstedt

Kurzbeschreibung und Lage

Der so genannte Schieferhof[1] ist in der Ortsmitte von Nägelstedt gelegen. Er setzt sich aus einem zentralen Hauptbau, Wirtschaftsbauten im Süden sowie einem Halbkreisbau im Norden zusammen. Hauptbau und Wirtschaftsgebäude umfassen einen rechteckigen Innenhof, der Rundbau umschloss einen Garten. Die Anlage wird von Norden aus erschlossen. Rechts – im Westen – führt eine Durchfahrt in den Hof. Links gibt es nur eine schmale Personenpforte. Von beiden wird der ehemalige Garten innerhalb des Rundbaus erreicht, von dem aus man wiederum das Hauptgebäude betritt.

Nägelstedt und der Deutsche Orden

In Nägelstedt hatte der Deutsche Orden eine Kommende, die zur Ballei Thüringen gehörte. Ersten Besitz erhielt er hier bereits 1222. Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb der Orden immer weitere Teile von Nägelstedt, dessen Landeshoheit aber bis 1815 beim Kurfürstentum Sachsen und nicht beim Deutschen Orden lag. Die Besitzungen verblieben beim Orden bis zu seiner Aufhebung 1809.[2]

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die Geschichte des Schieferhofs ist in seinen Anfängen eng mit der Geschichte des Deutschen Ordens in Nägelstedt verbunden. 1525 erwarben Bartel und Heinrich von Germar ein Gut vom Kloster Oldisleben, auf dem später der Schieferhof entstand. Ein Verwandter von ihnen, Hans von Germar, wurde 1545 Komtur von Nägelstedt.[3] Später konvertierte er wie die ganze Ballei zum Luthertum. Bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst des Deutschen Ordens 1558 behielt er sich Nägelstedt und Liebstedt für seine persönliche Nutzung auch nach seinem Amtsverzicht vor. 1560 heiratete er und 1565 ließ er sich den Schieferhof erbauen, wobei es sich um den Umbau des alten Gutshofes handelte, dessen Hauptgebäude ein modernes Aussehen und eine repräsentative Raumaufteilung erhielt. Nach seinem Tod 1568 gelangte der Schieferhof an seinen minderjährigen Sohn Adam. Der Bau hat weitgehend die Erscheinung des 16. Jahrhunderts behalten. Lediglich das steile Satteldach wurde nach einem Brand 1714/15 für Johann Christoph Kalklesch und Anna Maria Mentz durch ein Schopfwalmdach ersetzt. Damals dürfte auch die Modernisierung der Innenräume erfolgt sein. Im 19. Jahrhundert wurden die zugehörigen Wirtschaftsbauten neu errichtet. Das Hauptgebäude diente noch bis um 1900 als Wohnhaus. Anschließend wurde es als Lagergebäude genutzt. Heute hat es eine quasi museale Nutzung.[4]

Beschreibung

Der ehemals verputzte Rechteckbau aus Bruchsteinmauerwerk zeigt über einem Keller nach Norden zwei und nach Süden drei Geschosse. Die teilweise gepaarten Rechteckfenster sind ungleich verteilt. In der Mitte der Nordfassade ist das rundbogige Eingangsportal unter Dreiecksgiebel mit Wappen und Allianzwappen sowie Inschrift in Rollwerkkartusche gelegen. Es wird über fünf Treppenstufen erreicht. Das Innere erschließt in seinen sechs unterschiedlichen Niveaus eine zentrale Wendeltreppe. Nach Norden zum ehemaligen Garten hin waren im zweigeschossigen Bereich die höheren Haupträume gelegen, nach Süden im dreigeschossigen Bereich die niedrigeren Neben- und Funktionsräume wie auch Küche und Abort. Über dem hohen gewölbten Eingangsraum im Erdgeschoss erreicht man die Wendeltreppe sowie zwei angrenzende Räume im Osten und Süden. Im Obergeschoss sind nach Norden ein hoher Vorraum an der Nordwestecke und im Osten eine beheizbare Stube gelegen. Beide Räume verbindet eine rundbogige Tür miteinander.[5]

Der nordwestliche Vorraum im ersten Obergeschoss

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist im Rahmen der Umbaumaßnahmen für Hans von Görmar 1565 entstanden.

Beschreibung

Der Vorraum wird von der Wendeltreppe erschlossen und hat ein Fenster nach Norden. Eine Treppe erschließt das Dachgeschoss. Nach Osten gelangt man über zwei Treppenstufen in einen ehemaligen Wohnraum. Ferner ließ sich vom Vorraum aus der Ofen dieses Raums befeuern.[6]

Die Malereireste an Ost- und Südwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

An der Ost- und Südwand des Vorraums im ersten Obergeschoss haben sich geringe Seccomalereireste aus dem überwiegend 16. Jahrhundert erhalten. Die Malerei wurde sehr wahrscheinlich von Hans von Görmar beauftragt. Gemäß der Inschrift wurden sie 1610 ergänzt. Später verdeckt, konnte sie 1995 wiederentdeckt und später freigelegt und gesichert werden.[7]

Beschreibung und Ikonographie

An der Ostwand hat sich im oberen Bereich ein gemalter Hermenpilaster erhalten, der auf einem goldenen Sockel steht, der wiederum auf einem wohl ehemals umlaufenden goldenen Gesims platziert ist. Rechts und links des Hermenpilasters sind Reste von Inschriften zu erkennen. Das Türgewände zum Nachbarraum ist verziert. Die Tür zur Nische für die Befeuerung des Ofens im benachbarten Raum hat einen gemalten Rahmen, über dem die Jahreszahl 1610 zu lesen ist. Über der Tür in der Südwand ist VDMIE geschrieben. Es handelt sich um die Kurzform des ernestinischen bzw. lutherischen Wahlspruchs der Reformation „Verbum Domini manet in aeternum“ („Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“, 1 Petr. 1,25), das üblicherweise mit „V D M I Æ“ abgekürzt wurde. Oben, unter der Decke, sind Reste einer vegetabilen Ornamentmalerei erhalten.[8]

Der nordöstliche Raum im ersten Obergeschoss

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist im Rahmen der Umbaumaßnahmen für Hans von Görmar 1565 entstanden. Vermutlich wurde er 1714/15 im Auftrag von Johann Christoph Kalklesch und Anna Maria Mentz barock überformt.

Beschreibung

Der Raum wird vom Vorraum im Westen erreicht. Nach Norden hat er zwei große Fenster; nach Osten ein großes und ein kleines rhombisches. Nach Süden gelangt man in einen der Nebenräume. In der Südwestecke stand ehemals ein Ofen, der vom Vorraum aus befeuert wurde.[9]

Die Wandmalerei und die beiden Supraporten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei ist vermutlich 1714/15 im Auftrag von Johann Christoph Kalklesch und Anna Maria Mentz entstanden. Später verdeckt, wurde sie aber 1995 wieder freigelegt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände des Raums sind über einem schwarzblauen Sockelstreifen orangerot gestrichen. Unter der Deckenkehle hängen mit malerischen Mitteln fingierte stilisierte Festons und Blattgehänge herab. Über den beiden Türen ist je eine Supraporte mit schwarzem Rahmen gemalt. An der Südwand ist über der Tür ein Hirsch dargestellt. Er lagert in einer Mulde vor freiem Himmel, umgeben von stilisierten Bäumen. Über der Ausgangstür im Osten ist ein Jagdhund zwischen Bäumen zu sehen.[10]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Thüringen I, 2025. – Dehio, Georg: Thüringen I (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing, Franz Jäger und anderen; überarbeitet und erweitert von Kerstin Vogel und anderen. Berlin/Boston 2025.
  • Otte/Sommer, Langensalza, 1879. – Sommer, Gustav (bearb. unter der Mitwirkung von Heinrich Otte). Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Langensalza. Halle a.d.S. 1879.
  • Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015. – Peterseim, Rosita/Zucht, Olaf: Der Schieferhof und die Besitzungen des Deutschen Ordens in Nägelstedt. 450 Jahre Schieferhof in Nägelstedt, Teil 2 (Spurensucher. Beiträge zur Geschichte Bad Langensalzas). Bad Langensalza 2015.
  • Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014. – Peterseim, Rosita/Zucht, Olaf: Die Kommende Nägelstedt. Bauliche Zeugnisse des Deutschen Ordens, in: Müller, Thomas T. (Hrsg.): Der deutsche Orden und Thüringen. Aspekte einer 800-jährigen Geschichte (Forschungen und Studien, 4). Petersberg 2014, S. 137-154.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Thüringen I, 2025, S. 501; Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 11; Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 146-150; Otte/Sommer, Langensalza, 1879, S. 62-63.
  2. Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 137-140.
  3. Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 146.
  4. Dehio, Thüringen I, 2025, S. 501; Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 4-5, 7-8, 11; Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 140, 147-148; Otte/Sommer, Langensalza, 1879, S. 62, 64.
  5. Dehio, Thüringen I, 2025, S. 501; Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 7-10, 12; Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 147-149; Otte/Sommer, Langensalza, 1879, S. 62-63.
  6. Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 9.
  7. Vgl. Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 149.
  8. Vgl. Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 14; Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 149
  9. Vgl. Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 9.
  10. Vgl. Peterseim/Zucht, Schieferhof, 2015, S. 15; Peterseim/Zucht, Nägelstedt, 2014, S. 149.